Agni Yoga

 

1929

[Russisches Original. Titelseite.]


 

Zeichen des Agni Yoga

[Russisches Original. Titelseite.]


 

Zweite, [überarbeitete] Auflage 1937.

 

Copyright

Alle Rechte einschließlich des

Übersetzungsrechtes beim Autor

 

„AGNI YOGAS“ Verlag

Riga, Elizabetesstr. 21a, W. 7

[Russisches Original. Seite 2.]


 

 

Vorwort des Herausgebers der deutschen Ausgabe

 

Wir übergeben der Öffentlichkeit eine gründlich überarbeitete deutsche Übersetzung des vierten Buches der Agni Yoga Lehre.

 

Der Text beruht auf der Übersetzung von Leopold Brandstätter (Leobrand) und dem Team des Spirale-Verlages. Wir haben allerdings in fast jedem Paragraphen Verbesserungen oder Korrekturen vorgenommen. Insbesondere haben wir uns bemüht, dunkle Stellen nach Möglichkeit aufzuhellen. Die Arbeit, die Übersetzung weiter zu verfeinern, wird fortgesetzt.

 

Weitere allgemeine Bemerkungen zu der Übersetzungsarbeit findet man im Vorwort zum ersten Band der Reihe, Blätter aus dem Garten Moryas I – Der Ruf.

 

Für Beiträge, die der Verbesserung der Übersetzung oder der Vertiefung des Verständnisses dienen, sind wir stets dankbar.

 

 

Hamburg, im Dezember 2015

 

Agni Yoga Orden – Орден Агни Йога

www.lebendige-ethik-schule.de

mail@lebendige-ethik-schule.de

 

 

Hinweis zur Quellenlage und zu ergänzenden Textstellen

 

 

Ausführliche Hinweise zur Quellenlage enthält der Beitrag „Quellen“ in http://agni-yoga-forum.de/viewtopic.php?f=35&t=99. Darauf wird verwiesen.

 

Wir folgen, wie dort erläutert, bei der deutschen Übersetzung grundsätzlich der von Helena Roerich besorgten russischen Pariser bzw. Rigaer Erstausgabe.

 

Die englische Ausgabe der Lehre und der revidierte russische Text des Verlages Uguns enthalten weitere Textstellen, die nicht in der russischen Erstausgabe enthalten sind. Diese sind im hiesigen Text mit (…) gekennzeichnet und im Anhang unter „Weitere Textstellen“ zusammengestellt. Ein vollständiger Abgleich der zusätzlichen Textstellen steht noch aus. Inwieweit diese Stellen tatsächlich zur Lehre gehören, bedarf noch der Klärung.

 

 

 

Agni Yoga

 

 

 

       Der verehrungswürdige Mahatma, der die Bücher „Der Ruf“, „Erleuchtung“ und „Gemeinschaft“ übergab, erteilte viele Ratschläge und gab die Zeichen des Agni Yoga. Diese zweckmäßigen Weisungen sind von uns zum Nutzen jener gesammelt worden, die nach Wissen suchen.

       Sanskrit und Senzar[1] verleihen der Auslegung eine besondere Würze und finden in anderen Sprachen nicht immer ihre Entsprechung. Nichtsdestoweniger ist der Sinn der Aussprüche genau bewahrt worden. Und jene, die am gegenwärtigen Leben teilhaben, werden diese weise Lehre, welche die Erfahrungen von Jahrhunderten ausstrahlt, aufmerksam lesen.

[Russisches Original. Seite 3.]


 

 

Vorwort

 

       Yoga — als höchste Verbindung mit den kosmischen Errungenschaften — bestand zu allen Zeiten. Jede Lehre umfasst ihren eigenen, der jeweiligen Evolutionsstufe angepassten Yoga. Yogalehren widersprechen einander nicht. Als Zweige eines Baumes spenden sie Schatten und erfrischen den von der Hitze erschöpften Wanderer.

       Gestärkt setzt der Wanderer seinen Weg fort. Er nahm nichts an, was ihm nicht zustand, noch wandte er sich von seinem Streben ab. Er nahm das aus dem Raum offenbarte Heil in sich auf; er befreite die ihm bestimmten Kräfte. Er meisterte seinen einzigen Besitz. Weist die Kräfte des Yoga nicht zurück, sondern lasst sie als Licht das Dämmern unerkannter Arbeit untersuchen.

       Für die Zukunft erwachen wir aus dem Schlaf. Für die Zukunft erneuern wir unsere Gewänder. Für die Zukunft erhalten wir uns. Für die Zukunft streben wir in unserem Denken. Für die Zukunft sammeln wir Kraft.

       Zuerst werden wir die Ratschläge des Lebens befolgen. Dann werden wir den Namen des Yoga der nahenden Zeit aussprechen. Wir werden den Schritt des Elementes Feuer vernehmen, aber wir werden bereits vorbereitet sein, die Wogen der Flamme zu meistern.

       Deshalb begrüßen wir den ältesten, den Raja Yoga[2] , und bejahen die Zukunft — den Agni Yoga.

[Russisches Original. Seite 4.]


       1. Man wird fragen: „Kann die Zeit Maitreyas* eine Epoche bilden?“ Antwortet: „Wenn die Kreuzzüge eine vollständige Epoche bildeten, dann ist die Epoche Maitreyas wahrlich eine tausendfach bedeutendere.“ In einem solchen Bewusstsein sollte man sie durchschreiten.

 

       2. Die Menschen erkennen die Bedeutung eines Gottes und eines Bodhisattvas* nicht. Wie die Blinden fragen sie: „Was ist das Licht?“ Doch den Menschen fehlen sogar die Worte, um die Eigenschaften des Lichtes zu beschreiben, obwohl sie es täglich wahrnehmen.

       So sehr hüten sich die Menschen vor dem Ungewöhnlichen, dass sie die Grenzen von Licht und Finsternis verwischt haben. Für sie ist es das Einfachste, sich den Palast Gottes auf dem größten Stern vorzustellen. Andernfalls würde ihr Gott ohne Wohnstätte bleiben — ihr mangelndes Vergleichsvermögen nötigt sie, Bestehendes herabzusetzen.

 

       3. Oft wundert ihr euch, warum Ich auf eine Frage nicht antworte.

       Ihr müsst wissen, dass die Gedankenpfeile oft den Inhalt der Antwort streifen. Stellt euch einen Wanderer vor, der einen Abgrund auf einem Seil überquert. Wäre es weise, ihn anzurufen? Der Ruf kann sein Gleichgewicht stören. Deshalb sollten Namen ohne dringliche Not seltener ausgesprochen werden. Die Fähigkeit, individuelle Namen zu nutzen,

[Russisches Original. Seite 5.]


ist notwendig. Die Fähigkeit, Namen auszusprechen, sollte wie der Schlag eines Hammers im Raum sein.

 

       4. Für einfache Leute benutze man einfache Worte und denke daran, dass einfache Leute kleine Dosen Medizin benötigen. Hier gilt dasselbe Gesetz — wie oben, so unten. Deshalb sind einfache Leute die besten Verbreiter.

 

       5. Charakteristisch für die Entwicklung des Bewusstseins ist die Erweiterung der Blutgefäße, und dieser Prozess muss durch technische Mittel vor der Einwirkung des Sonnendrucks auf das Sonnengeflecht geschützt werden.

       Denken wir daran, dass die Priesterinnen im Altertum sich vor der Sonne schützten. Sie trugen Brustschilder aus Lithium, überzogen mit Wachs, dessen Schmelzen die Gefahrengrenze der Temperatur anzeigte.

       Außer dem Eintauchen der Hände in Wasser ist das Eintauchen der Füße erlaubt. Kalte Bäder können ebenso schädlich sein wie Sonnenstrahlen.

 

       6. Im Mentalkörper kann man verschiedene Planeten besuchen. Damit wird jene künftige Stufe angedeutet, auf der das Bewusstsein nicht mehr an einen einzigen Planeten gebunden sein wird. Wie man jetzt die Erde von einem Teil zum anderen durchqueren kann, so kann das gleiche Prinzip interplanetar angewendet werden.

       Der Lehrer gebietet, euch über jede geistige Errungenschaft zu freuen. Der Weg zwischen Planeten ist nicht komplizierter zu erkennen als die Grenze zwischen dem physischen und dem astralen Körper, und nicht komplizierter als die Erkenntnis des Gedankens und des Strebens zu den Sternen. Nur im Streben zum Interplanetaren können wir der Evolution der Menschheit sicher sein.

 

       7. Die Verdichtung des Astralkörpers ist allein für sich genommen unbedeutend, verglichen mit der bewussten Arbeit des Mentalkörpers.

[Russisches Original. Seite 6.]


Für seine Aufgaben auf diesem Planeten muss der Mentalkörper nicht aus seinem verborgenen Zustand herausgeführt werden, doch die interplanetare Tätigkeit bedarf des höchsten Körpers.

       Die Verwirklichung neuer Strahlen wird es ermöglichen, das Bewusstsein in verschiedenen Schichten zu bewahren. Früher ließen nur bestimmte Schichten der Atmosphäre die Bewahrung des Bewusstseins zu. Doch unterbrechende gasförmige Ströme waren ebenfalls möglich. Die neuen Strahlen können diese Unterbrechungen durchdringen, indem sie gleichsam Luftkanäle bilden und so die bewusste Aktivität erweitern.

 

8. Es sei darauf hingewiesen, warum die Lehrer des Wissens beim Verlassen der Erde so viel gelitten haben. Dieses Leid nahmen sie natürlich bewusst und freiwillig auf sich. Wie der Gastgeber die Schale bis zum Rand füllt, so will der Lehrer das letzte Zeichen des Testamentes einprägen.

       (….)

       Die Verleumdung der alten Welt ist ohne Wirkung. Jede wahre Heldentat ist für den Kosmos notwendig. Das Vollbringen einer Heldentat gleicht einem Schöpfungsprozess. Indem wir die fortschreitende Form ergründen, schaffen wir einen zeitlosen Kristall. Das Gefühl der Vervollkommnung erhebt den Geist schöpferischer Erscheinungen.

       Man kann darauf hinweisen, dass sich die Heldentat in zwei Aspekte aufteilt: die überirdische und die irdische Heldentat. Als ein Beispiel überirdischen Strebens kann man jenes gelassene Hinscheiden des großen P. bezeichnen.

       Lasst uns die Heldentaten nicht abwiegen, denn das Verstehen der Evolution ist individuell und beruht auf Freiwilligkeit.

       (…)

 

       9. Wer die Fähigkeit besitzt, die menschliche Aura wahrzunehmen, kann Zeuge eines lebendigen Spiels von Lichtstrahlungen sein. Auf dem Prinzip dieses kosmischen Stromes

[Russisches Original. Seite 7.]


beruht der Plan vernünftiger Tätigkeit. Jedes Absterben gehört zu den Erzeugnissen der Finsternis. Wo es Lichtwellen gibt, wo das Wechselspiel der lebendigen Funken vor sich geht, dort ist Unser Strahl.

       Meine Lehre vermag die Wellen des erprobten Akascha* zu enthüllen. Heißt die Freude der Funken willkommen! Das ist keine Unbeständigkeit, sondern eine Vertiefung der Aufgabe. Indem ihr Unseren Willen offenbart, könnt ihr euch nähern. Mein Wunsch ist es, die Schönheit des Geistes zu bewahren.

       Jede Regung kann in eine Errungenschaft des Geistes verwandelt werden.

 

       10. In Einsamkeit, dem Besitz entsagend, weder betrübt noch sein Schicksal beklagend, frohlockt der Kühne. So wollen Wir mit der Übersetzung Unseres alten Buches über die Kühnheit beginnen.

       Spielt ein Kind mit einem Kätzchen, freut sich die Mutter über seinen Mut und will nicht wahrhaben, dass das Kätzchen noch blind ist. Treibt ein Junge mit der Seele seines Kameraden seinen Spaß, staunen die Zuschauer über seine Kühnheit, ohne die Fesseln der armen Seele zu bemerken. Klagt ein Mann öffentlich einen Gerichtshof an, bewundern die Zeugen seinen Mut, ohne wahrzunehmen, dass das Wagnis seiner Drohung mit klingendem Gold erkauft wurde. Wenn ein Greis sich selbst tröstet, indem er den Tod verlacht, ergötzen sich seine Freunde, nicht eingedenk, dass Furcht die Maske des Hohnes formte.

       Wagemut wird von den Menschen gewöhnlich nicht beachtet, weil er seinem Wesen nach ungewöhnlich ist. Ungewöhnliches bedeutet eine Erschütterung für das Herz.

       Wo bist du, der du überwunden hast? Wo bist du, der du Schrecken in einen Sprung lichtwärts verwandeltest? Höre, der du wagst! In der Tiefe der Nacht werde Ich Mich nähern,

[Russisches Original. Seite 8.]


um deine Sandalen zu segnen. Ich werde dein Kissen mit Lichtfunken bestreuen; denn der Schlaf des Kühnen ist wie das Verklingen der Laute, wenn die sieben Saiten voller Geheimnis sind. Der Schlaf des Kühnen gleicht der Stille vor dem Wirbelwind, wenn selbst die zartesten Halme unbewegt verharren.

       Lässt das Brüllen des Löwen die Welten erbeben? Nein. Kühnheit ist erwacht, und der königliche Lotus des Geistes entfaltet sich. Brüder, sammeln wir uns in der Halle der Freude! Die Blume ist erblüht, emporgerichtet ist das große Rad. Unsere Freude steigt hinab zu den unterirdischen Welten und erhebt sich zu den Überirdischen Brüdern.

       Wir singen der Kühnheit unser bestes Lied.

 

       11. Vogelgezwitscher störte den Augenblick der Rast. Warum verharren die Vögel in so früher Stunde angespannt in ihrem Streben? Sie wagen — dem Lob der Kühnheit lauschend. Doch niemand sagte ihnen, dass ihr gewöhnliches Gezwitscher ihre Kühnheit nicht vergrößert. Die Finsternis kreischt, sich in ihrer Gewöhnlichkeit betäubend. Finsternis kann der Kühnheit des Lichts nicht standhalten.

       Ist die Waage des Herrschers ausgerichtet, werden wir früh erwachen, um auszuwiegen, was der gestrige Tag gebracht hat. Wir werden das Kühnste wählen, damit diese Samenkörner die Waagschale beschweren. Wir werden den Gram der alten Welt hinzugeben, denn seine Last ist uns von Nutzen. Fügt den Spott der Unwissenheit hinzu — denn beides beschwert die Waagschale der Wahrheit. Sollten wir Drohungen und Angriffe gewahren, vergessen wir nicht, sie der gefüllten Schale beizufügen. Weshalb schlägt die Waage aus? Womit füllte sich die Schale der Anschuldigung? Welch jämmerliche düstere Lumpen füllten die Schale des Strafgerichts? Wie verwelkte Blätter

[Russisches Original. Seite 9.]


des vergangenen Winters häuften sich die herkömmlichen Flüche — die Schlacke von gestern.

       Triumphiert, kühne Taten, denn das mächtig Beschwingte überwiegt die Anschuldigungen.

       Herrscher, gewähre mir, die trügerischen Lumpen des Gewöhnlichen in die Flammen zu werfen. Ich irre nicht in der Erkenntnis, dass beschwingte Kühnheit mit Deinem Segen bedacht wird. In der heiligen Esse werde ich die Schwingen des Alaya* schmieden. Fremd sind mir Klagen, Grausamkeit und alles, was meine neuen Flügel niederdrücken könnte. Neu wird mein Gesang sein!

 

       12. Weithin verbreitet hat sich das Lob der Kühnheit. Die geringsten der Schüler wandten sich dem Pfad des Suchens zu und traten an Uns heran mit der Bitte, ihr Streben zu beurteilen. Jeder brachte seine Träume: „Ich werde alle weltlichen Tempel zerstören, weil Wahrheit keiner Mauern bedarf. Ich werde alle Wüsten bewässern. Ich werde alle Gefängnisse öffnen. Ich werde alle Schwerter vernichten. Ich werde alle Wege bahnen. Ich werde alle Tränen trocknen. Ich werde alle Länder durchwandern. Ich werde das Buch der Menschlichkeit schreiben.“

       Doch der Geringste von ihnen blickte zu den leuchtenden Sternen und sprach: „Seid gegrüßt, Brüder!“ Und in diesem Gruß der Kühnheit schwand sein Ich dahin.

       Möge der Pfad des Universums in diesem kühnen Gruß bezeugt sein!

 

       13. Das Buch des Thomas von Kempis[3] „Die Nachfolge Christi“ wurde seit langem im Osten gewürdigt, nicht nur der Tugend seines Inhalts, sondern auch der Bedeutung seines Titels wegen. Inmitten der mittelalterlichen Vergötterung Christi erhob sich die Stimme Thomas’ zum Einspruch. Hinter den Mauern eines katholischen Klosters erklang eine Stimme, das Bildnis des Großen Lehrers zu beleuchten. Das wahre Wort „Nachfolge“ bezeichnet eine lebendige Tat. Der Formel „Nachfolge Christi“ haftet eine dem bewussten Geist eigene Heldentat der Kühnheit an,

[Russisches Original. Seite 10.]


welche die ganze Verantwortung der Schöpfung auf sich nimmt. Wahrlich, der bewusste Schüler wagt es, sich dem Lehrer in der Nachfolge zu nähern. Solch ein Beispiel brachte Licht in die modrige Finsternis und verlieh hinter den Mauern der Abgeschiedenheit den Anstoß zum Streben nach schöpferischer Kühnheit.

       In Einklang mit dem unterwürfigen Bewusstsein des Mittelalters wäre es passend gewesen, zu sagen: „Die Verehrung Christi“. Doch der aufsteigende Geist wagte es, zur Nachfolge aufzurufen. Jeder Schritt der gesegneten Kühnheit muss wie ein Meilenstein im Fortschritt der Menschheit gehegt werden.

       Klösterlichen Aussprüchen aller Art schenken Wir keine Beachtung. Thomas brauchte nicht auf den Scheiterhaufen zu steigen. Seine Aufgabe war es, nicht die verbietende, sondern die wachrufende Formel zu verkünden.

       Es gibt zwei Formen von Wahrheit. Die eine ist durch die Flamme des Scheiterhaufens zu nähren, die andere erfordert uneingeschränkte Verbreitung. Es ist schwer festzustellen, welche Methode für ihren Stifter die schmerzlichere ist. Manchmal ist es leichter, die Wirkung des Scheiterhaufens zu anästhesieren, als Zeuge der Entstellung der verbreiteten Lehre zu sein. In jedem Fall ist die Kühnheit gesegnet, welche die Finsternis durchdringt.

 

       14. Auf Erden ging das Glück verloren, denn Glück liegt im Geist. Jene, die sich vom Geist abwandten, müssen Unglück erdulden, denn wie sonst könnten sie zur Umkehr gelangen? Darin besteht der Sinn großer Ereignisse.

       Das Glück wird durch Lügen und durch Mord gesucht! Man kann sich freuen, wenn Entstellung die Evolution beschleunigt. Verbrechen fachen das Feuer der sterbenden Welt an.

 

       15. Imperil* nennt man das Gift, das durch Gereiztheit entsteht — eine herrschende

[Russisches Original. Seite 11.]


Gefahr. Dieses vollkommen stoffliche Gift setzt sich an den Wänden der Nervenkanäle ab und verbreitet sich so im ganzen Organismus.

       Würde die moderne Wissenschaft sich bemühen, die Nervenkanäle vorurteilslos zu untersuchen und dabei die astralen Strömungen beachten, könnte sie eine sonderbare Zersetzung der astralen Substanz beim Passieren der Nervenkanäle wahrnehmen, die auf Imperil zurückzuführen ist. Nur Ruhe kann dem Nervensystem helfen, den gefährlichen Feind zu bewältigen, der die verschiedensten Erregungszustände und qualvollen Zusammenziehungen des Organismus hervorruft. Wer unter Imperil zu leiden hat, möge ausrufen: „Wie schön ist alles!“ Und er wird Recht haben, denn die Evolution verläuft gesetzmäßig, anders gesagt, schön. Je feiner das Nervensystem, desto qualvoller ist die Ablagerung von Imperil. Dasselbe Gift kann durch die Beifügung eines einzigen Bestandteils zur Zersetzung der Materie führen.

 

       16. Wer die Schwalbe vom Geier nicht zu unterscheiden vermag, ist von keinem besonderen Wert. Doch welchen Wert haben jene, die glauben, dass sie durch das Rupfen des Adlers aus ihm eine lahme Ente machen könnten? Hütet euch vor Heuchlern, besonders vor jenen, die in Gier versumpften — ebenso vor Hinterlistigen, die das Mischmasch des Geistes brauen. Die Unverletzbarkeit der Weltgesetze funkelt gleich einem Schwert. Deshalb gibt es für den Heuchler keine Stelle, wohin er den Kopf legen könnte. So gleicht der Lehrer, der sich die Vermächtnisse der Lehre nicht völlig aneignet, einem Esel unter der Last des Korns. Ebenso gleicht der Fischer, der seine Körbe für ungefangene Fische vorbereitet, einem Fuchs neben dem Hühnerstall.

[Russisches Original. Seite 12.]


       17. Die Verletzung der Lehre wirkt wie ein Bumerang und trifft den, der sie verletzt hat. Die Luft wimmelt von Pfeilen. Verliert den Schweiß der feindlichen Angriffe. In der Stunde des Angriffs werde Ich von den ewigen Dingen sprechen. Freuen wir uns, denn die Möglichkeiten mehren sich. Ich merke, wie jedes feindliche Herz ein nützliches Samenkorn nährt.

 

       18. Durch Astrochemie lassen sich die besten Wirkungen auf bestimmte Organismen feststellen. Astrologie ist nichts anderes als Formeln der Astrochemie. Ein Mensch, der ein von Nikotin verseuchtes Haus betritt, wird Giftteilchen mit sich nehmen. Gleicherweise wird ein Mensch, der die Wirkung astrochemischer Strahlen einmal an sich erfahren hat, immer auf eine bestimmte Konstellation ansprechen. Es ist leicht festzustellen, wann es notwendig erscheint, sich einer bestimmten Person zu nähern.

       Die sogenannten Sonnenflecken verstärken chemische Einwirkungen. Die Menschen sprechen immer wieder von der Unruhe der Welt beim Auftreten von Sonnenflecken. Selbst eine schwache Wahrnehmung zwingt einen zu richtigen Überlegungen. Doch vergegenwärtigen wir uns die auffallenden chemischen Reaktionen, dann ist es nicht schwer zu begreifen, dass der Raum von den wirksamsten Zusammensetzungen — Oxyde von Metalloiden — gesättigt ist. Kann man leichtfertig die evolutionäre Macht der Materie leugnen, wenn sich aus dem Unerschöpflichen Reservoir Strahlen von unermesslicher Stärke über unsere Häupter ergießen?

       Besonders feinfühlige Organismen können bezeugen, dass während der Kulminationszeit der Sonnenflecken die Strahlen der Gestirne wegen ihrer Substanz für sie unerträglich sind. Auch

[Russisches Original. Seite 13.]


beim Niedergehen großer Meteore kann man ein Erbeben des Nervensystems fühlen. Bisher vermochten die Menschen ihren Platz in diesem riesigen Laboratorium nicht zu erkennen. Allein diese einzige Erkenntnis würde den menschlichen Organismus gewappnet und, statt ängstlicher Beobachtungen über das Beben des Seismographen, die Suche in die Unbegrenzten Höhen gelenkt haben, die so materiell sind wie das Mahl des morgigen Tages und so majestätisch wie die Anzahl der Sterne.

 

       19. Die höchste aller schöpferischen Energien bleibt der Gedanke. Was mag der Kristall dieser Energie sein? Manche mögen glauben, dass genaues Wissen die Krone des Gedankens sei, doch noch besser ist es, zu sagen, dass die Legende den Gedanken krönt. In der Legende kommt der Sinn der schöpferischen Energie zum Ausdruck; und in einer kurzen Formel werden die Hoffnung und die Heldentat verdeutlicht. Es ist ein Irrtum, zu glauben, die Legende gehöre phantasievoller Vorzeit an. Der unvoreingenommene Verstand wird den legendären Faden durch alle Zeiten des Universums erkennen. Jede Errungenschaft der Völker, jeder Führer, jede Entdeckung, jedes Unglück, jede Heldentat wird in eine beschwingte Legende gehüllt. Lasst uns daher die Legenden der Wahrheit nicht missachten, sondern lasst uns kühn die Worte der Wirklichkeit wahrnehmen und hegen. In die Legende kleidet sich der Wille des Menschen, und wir können keine Legende anführen, die falsch wäre. Das geistige Streben eines mächtigen Kollektivs prägt ein Bild wahrer Bedeutung. Die äußere Form des Symbols bekundet ein Weltzeichen, denn eine Weltsprache ist für die Evolution unentbehrlich.

       Recht haben die Sucher nach einer gemeinsamen Sprache. Recht haben die Schöpfer

[Russisches Original. Seite 14.]


der Weltlegende. Dreimal Recht haben die Träger der Heldentat!

 

       20. Das Neue muss als das unaufschiebbar Nützliche begriffen werden. Für unanwendbare Abstraktion gibt es keinen Platz, der Luftschlösser sind wir überdrüssig. Auch die fernen Welten müssen als konkret begriffen werden. Die Beherrschung eines Stück Eises oder des Chemismus der Sonne muss in das Bewusstsein genauso eingehen wie die Bedeutung des geringsten materiellen Erzeugnisses.

       Die Verzögerung geistiger Erkenntnis ist durch eine gleichgültige Beachtung der Naturerscheinungen zu erklären. Die Beobachtungsfähigkeit einbüßend, verliert der Mensch zugleich die Fähigkeit der Synthese.

       Die Abschaffung des Geldes wird die Menschheit von den Schraubstöcken befreien, die die Sicht verengen. Es gibt Augenblicke der Evolution, wo die Mauern stören, die für das Sammeln herkömmlicher Zeichen errichtet wurden. Die Zeit für die Freigabe des Wissens zur Nutzung auf persönliche Verantwortung ist gekommen.

       Ein freier Geist hat das Vorrecht, neue Pläne ungewöhnlicher Konstellationen zu erforschen. Diese bisher nicht entdeckten Fäden führen ihn in die höheren Schichten der Materie. Das zaghafte, beschränkte Spiel schauend, kann man zum Mischen der Zeichen zwecks besserer Konstellationen raten.

       Erfreut euch des Großen Spiels der Mutter der Welt!

 

       21. Eure Überlegung über die in der Geschichte registrierte Verleumdung ist richtig. Verleumdung ist wie Brennstoff für den Scheiterhaufen der Heldentat. Verleumdung stört nur herkömmliches Tun der Gegenwart, doch aus der Perspektive der Geschichte wird die Flamme der Verleumdung höchst vielfarbig; und ohne Verleumdung würde

[Russisches Original. Seite 15.]


die dankbare Menschheit die lebendigsten Erscheinungen begraben haben.

       Tactica adversa* verbürgt, dass die menschlichen Glocken nicht verstummen. Die Sphärenmusik braucht Begleitung, doch jene vor Neid Rasenden bilden sich ein, dass ihr Geheul die Atmosphäre verdichtet, so dass die Symphonien der Ewigkeit die Erde nicht erreichen können. Doch ein guter Hausherr findet auch für Abfälle eine Verwendung. So lasst die Fackeln der Verleumdung den Pfad der unerschütterlichen Heldentat beleuchten.

       Wenn die Leute Unsere Boten Scharlatane nennen, bezeugen sie deren Ungewöhnlichkeit. Roh sind die Liebkosungen der niederen Tiere. Und die Grobheit der Überbleibenden der scheidenden Rasse hat selbst die des Mittelalters übertroffen. Nicht so sehr Gemeinheit als Grobheit der Aufnahmefähigkeit macht die Masse der Menschen zu ungeeignetem Material. Gerade aus Grobheit entsteht Leichtsinn, und seine Folge ist Verrat.

       Lasst uns deshalb Verleumdung als die Fackeln von Wilden bezeichnen. Doch beim Durchschreiten der Nacht ist jedes Feuer von Nutzen!

 

       22. Es gibt kein ungerechteres Urteil als jenes, das auf einer augenscheinlichen Tat beruht. Das scheinbare Ergebnis schauend, verlieren die Menschen den Faden der Wirklichkeit. Eine Lehre, die zur Quelle der Wirklichkeit führt, nennen die Menschen gewöhnlich Träumerei. Das Leben hält nicht an den Keimen der Entstehung fest, sondern unterliegt einer sehr offensichtlichen Auflösung. Völlig in Auflösung versunken, kann man so die Werte der Entstehung leicht übersehen. Der Entstehungsprozess ist wohlweislich verborgen, sonst würden die Elemente die Samenkörner der Möglichkeit vernichten.

[Russisches Original. Seite 16.]


Trägheit ist eine Grundeigenschaft der Elemente, und um ihnen evolutionäre Energie einzuflößen, ist jener Geistesblitz nötig, den der Gedanke enthalten kann. So offenbart sich der Gedanke als Korrespondent zwischen den Elementen.

       Wenn man von der Notwendigkeit der Verstärkung des Gedankenapparates spricht, so bedeutet das eine Warnung vor dem zügellosen Ansturm der Elemente. Die festgesetzten Perioden planetarischen Seins sind dem Ansturm der Elemente ausgesetzt. Man kann ihnen nur durch das beharrliche Streben der Völker nach Erneuerung des Lebens entgegenwirken. Diese Sättigung des Gedankens ermöglicht es, sich auf die Lehre zu konzentrieren und gleich einem niederschmetternden Schwert die Wolken des unbegreiflichen Chaos zu spalten. Der Gedanke vermag den Elementen zu widerstehen, andernfalls würde das Gleichgewicht so schwer gestört, dass sich kosmische Manifestationen ergäben. Sind Hungersnot, Dürre und Krankheit nicht die Folgen des Verfalls des Gedankens? Die Gedanken eines einzelnen Menschen können den Elementen nicht standhalten. Ein Umschwung des Bewusstseins kann noch keinen bewussten Gedanken formen. Nur Bewusstheit und Verantwortlichkeit können dem Gedanken sein Potential verleihen. Sonst gibt es unbewusste Anspannung gleich den sich im Sturm des Orkans straffenden Segeln.

       Wir beobachten große Anspannung, sowohl in den magnetischen Wellen als auch in den chemischen Strahlen. Der menschliche Gedanke wurde wie eine ungehärtete Klinge gebogen. Chaos brodelt in den Tiefen des Bewusstseins.

       Kann man ausharren? Die Vorstellung Unseres Leuchtturms beginnt in den Verstand einzudringen, weil in den Wirbeln des Chaos

[Russisches Original. Seite 17.]


schließlich nichts anderes übrig bleibt. Wie schmerzhaft für den feinfühligen Geist! Wie verfolgen Wir die Wogen unerhörter Finsternis! Das Herz kann nur eine begrenzte Menge dieses elementaren Giftes fassen.

 

       23. Was hat die Gifte zu den irdischen Sphären getrieben? Das Bersten der Elemente lässt ein sehr giftiges Gas entstehen. Gewöhnlich wird dieses Gas im Raum leicht aufgesaugt, aber die chemischen Strahlen der Sonne treiben die Gaswellen in die dem Planeten benachbarten Schichten. Die Einwirkung ist gefährlich, aber die Vorgewarnten können das Gift überwinden. Gereiztheit und ihr Sprössling — Imperil — verbinden sich leicht mit „Aeroperil“ — dem Gift des Raumes. Die Gesetze sind in allem die gleichen.

       Der Lehrer trägt manchmal eine Maske gegen das Gas. Natürlich ist die Wirkung des Gases nicht immer dieselbe, aber sehr feine Apparate sprechen darauf an. Kälte verringert die Wirkung der Gase beträchtlich.

 

       24. Es ist möglich, dass manche nicht geneigt sind, eine Prophezeiung anzunehmen, und sagen werden: „Ich kann alles zugestehen außer Prophezeiungen.“ Antwortet: „Dann lasst uns dieses Wort vergessen. Bedeutungsvoller werden für euch die Beschlüsse der Unsichtbaren Regierung sein.“ Euer modernes Herz bevorzugt moderne Ausdrücke. Wir bestehen nicht auf Benennungen. Für Uns ist es wesentlicher, dass ihr die Wirkung dieser Beschlüsse erfahrt und daran denkt, dass es eine solche Unsichtbare Internationale Regierung gibt. In euren Wörterbüchern hat das Wort Prophezeiung einen zu unwissenschaftlichen Klang. Aber knechtische Gewohnheit wird euch veranlassen, die genaue Bedeutung des Begriffes „Erlass“

[Russisches Original. Seite 18.]


zu klassifizieren, und die Hintertür des Verschwörers wird euch helfen, das Vorhandensein einer Unsichtbaren Regierung anzuerkennen. Außerdem wird das Zusammentreffen von Tatsache und Folge eure Aufmerksamkeit erwecken.

       Wir betreiben keine Wortklauberei, bringen jedoch eine nützliche Tat zum Abschluss. Es ist Zeit, biblische Ausdrücke durch genaue Begriffe zu ersetzen. Ein in der Tasche verborgener Talisman ist für die Regierung von keinem großen Wert. Eine durch Hingabe erprobte, bewusste Tat ist nötig. Ihr dachtet, Uns auf dem Gebiet der Fachausdrücke zu bezwingen, doch ihr rieft einen Erlass ins Leben, dessen Folgen Wir euch zu beachten bitten. Hütet eure Worte und Gedanken! Wir schätzen den Wagemut, doch die Flucht in die Mittelmäßigkeit hat keinen Platz in der Regierung.

 

       25. Bei jedem chemischen Experiment gibt es einen Augenblick günstiger Reaktion, nach dem die Auflösung der Substanz beginnt, — dies ist der Augenblick des schöpferischen Erfolgs. So sollte man aus dem Niedergang Roms nicht den Schluss ziehen, dass Numa Pompilius[4] nicht erfolgreich war. Die Substanz hat einfach keine Elektronen mehr. So wird es mit evolutionären Taten immer sein. Die Menschen erkennen gewöhnlich den Augenblick des Erfolgs nicht. Sie meinen, dass sich der Aufbau über alle Aufbaugesetze hinaus unaufhörlich steigern sollte.

       Es ist unrichtig zu denken, dass der vergangene Versuch Meines Freundes erfolglos gewesen sei.[5] Die Stufen eines neuen Bewusstseins wurden dauerhaft gelegt! So ist auch der von Uns jetzt überwachte Pfad erfolgreich gebahnt. (…) Dort, wo die Menge nur Scharlatane wahrnimmt, nähert euch mit Aufmerksamkeit. (…)

 

       26. Oft stellt ihr die Frage, wie die aufgezeigte Freude

[Russisches Original. Seite 19.]


mit der freudlosen Annäherung an Menschen in Einklang zu bringen sei. Wahrlich, jeder Lehrer erfreut sich der unbegrenzten Schönheit der fernen Welten und leidet unter dem kümmerlichen Stumpfsinn der inkarnierten Zweibeiner. Kann man ihnen den Schlüssel zu den fernen Welten anvertrauen? Außer dieser steinernen Last von Stumpfsinn müssen sie auch durch den giftigen Schleim des Zweifels und das Übel des Eigendünkels hindurch. Ansonsten wird ein großes Holzscheit auf ihr Genick niedergehen, und die Stufenleiter hinabstürzend werden diese Schnecken davon träumen, sich wenigstens an die niederste Stufe zu klammern. Aus diesem schwankenden menschlichen Geist könnte man lehrreiches Kinderspielzeug basteln. Wahrlich, die Schnecken umklammern ihr eigenes Gehäuse fester; außerdem lassen sie sich nicht in sinnlose Kriege ein.

 

       27. Heimlosigkeit ist ein notwendiges Attribut des Lehrers. Der Lehrer hat einen Wohnsitz, jedoch kein Heim. Der Lehrer nimmt am Leben teil, aber nicht im herkömmlichen Sinn. Der Lehrer verschönert einen Meinungsaustausch, doch Er dehnt ihn nicht aus. Der Lehrer bedauert, doch Er beweint nicht; Er verteidigt, doch macht Er keine Gebärden. Der Lehrer bestätigt, doch Er ist nicht verlegen; Er warnt, doch Er säumt nicht. Wenn erforderlich, schlägt Er zu, doch nie verletzt Er. Er ist dankbar, doch Er vergisst nicht. Er bewertet die Beweggründe, doch Er zeigt keine Schwäche. Vorsichtig behütet Er, doch Er unterdrückt nicht. Er fürchtet sich nicht, doch Er ist nicht unbesonnen. Und so haltet den für das Wachstum des Geistes erschienenen Lehrer in Ehren. Man muss den Geist bewusst großziehen.

 

       28. Hatha Yoga[6] kann nicht als selbständige Form betrachtet werden. Durch Wachsen des Geistes geht er in Raja Yoga über. Man kann nicht einen nennen, der durch Hatha Yoga das Ziel erreichte. Außerdem kann das Betreiben

[Russisches Original. Seite 20.]


von Hatha Yoga wegen der besonderen Beanspruchung des Astralkörpers in der astralen Welt sogar Schaden bringen. Die Fakire vermögen sich der Welt der finsteren Überreste[7] anzupassen, aber unbewusst schwächen sie das Aufsteigen des Gedankens. Selbst ein unbeweglicher Betrachter kann mehr erlangen, denn der Gedanke ist Raja alles Seienden. Schönheit wird durch den Gedankenblitz geboren. Wahrlich, ein feuriger Bhakti[8] kann mit einem Gedanken neue Welten entzünden. Und die Stufe eines Gnani[9] wird nur das Lächeln des Raja-Bhakti sein. Daher sind Hatha und Gnana nicht ausreichend.

       Welcher Weise der Erkenntnis würde nicht ein Herr der Liebe sein?

 

       29. Bestätigt Unsere Lehre als euer Bollwerk. Möge der Atem der Erneuerung euer ganzes Wesen erfüllen. Der Sinn der Gemeinschaft liegt allein in der Entwicklung der Welt. Selbst die Verteilung des niederen materiellen Wohls wird sich aus dem Verstehen des Höchsten ergeben. Unwichtig sind die Gedanken, die das niedere materielle Wohl betreffen. Auch die Gedanken an Quantität sollte man verbannen und nur nach Qualität streben.

       Vom Wert der Qualität und von der Unwürdigkeit des Zweifels muss ohne Unterlass gesprochen werden.

 

       30. Nachdem einer Unserer Mitarbeiter ein langwieriges chemisches Experiment, verantwortungsvoll prüfend, beendet hatte, rief ein Kind aus: „Wie hübsch er mit den Gläsern spielt!“ Vermuten wir von einem, der einen Berg ersteigt, dass er zum Lehrer eilt? Wenn wir einen Holzfäller beobachten, wissen wir, welche Stufe des Hauses er verstärken wird? Wenn wir einer Frau begegnen,

[Russisches Original. Seite 21.]


die Wasser trägt, wissen wir, wessen Durst sie stillen wird? Wenn wir eine verriegelte Tür sehen, können wir wissen, wer zuerst eintreten wird? Wenn wir plötzlich Donner vernehmen, wissen wir, wohin der Pfeil des Blitzes enteilte?

       Aber die Leute hegen keinen Zweifel daran, dass, wer sich bückt, einen Stein aufhebt, um zu töten. Sie wissen, dass, wer sein Pferd ausgreifen lässt, es eilig hat, um zu verleumden. Sie wissen, dass, wer etwas ausruft, eine Lüge ausspricht. Sie wissen, dass, wer seine Hilfe anbietet, auf Verrat erpicht ist. Sie meinen, dass jedes Tun nach ihrem Denken ausgerichtet ist.

       Ihr Armen! Wer hat den Fluch der Ichsucht über euch verhängt? Wo fandet ihr das Vorurteil für eure Entscheidungen? An welcher Straßenkreuzung hörtet ihr die verleumderischen Schreier? Ein einfacher Gruß scheint euch eine Verurteilung zu sein. Ihr hofft, dass die Berge die Drohungen der Verleumder geduldig hinnehmen und die Meere vom Verrat nicht austrocknen können.

       Der Uräus[10] des Wissens ist noch nicht geschmiedet.

 

       31. Es ist nötig, zwischen Empörung des Geistes und Gereiztheit zu unterscheiden. Beim Feuer der Gereiztheit muss man zwei Arten unterscheiden. Trägt Gereiztheit einen unpersönlichen, kosmischen Charakter, kann ihr Gift durch einen Strom von Prana* davongetragen werden. Aber wenn Eigendünkel oder Selbstbemitleidung die Gereiztheit verstärkt, dann schlägt sich das Gift auf die Zentren nieder. Dann gibt es kein Mittel, es auszustoßen. Man kann es nur durch kosmische Denkweise aufzehren.

       Die Qualität des Denkens muss als eine heilende Kraft erkannt werden. Ebenfalls stellt die Eigenschaft der Dankbarkeit die feinste Läuterung des Organismus dar. Wer das Samenkorn gefunden und die Fürsorge des Senders erkannt hat, kann Dankbarkeit in den Raum senden. Groß ist die von Dankbarkeit ausgestrahlte Heilkraft.

[Russisches Original. Seite 22.]


 

       Alles Abstrakte muss in Wirklichkeit verwandelt werden.

 

       32. Die Internationale Regierung hat ihre Existenz nie verleugnet. Sie bekundete sich nicht in Manifesten, sondern in Taten, die sogar in der offiziellen Geschichte überliefert sind. Man kann Fälle aus der französischen und der russischen Revolution wie auch englisch-russische und englisch-indische Beziehungen aus der Geschichte anführen, in denen eine unabhängige Hand von außen her den Verlauf der Ereignisse änderte. Die Regierung hat das Vorhandensein ihrer Boten in verschiedenen Ländern nie verheimlicht. Natürlich hielten sich diese, wie es der Würde der Internationalen Regierung entspricht, niemals verborgen. Im Gegenteil, sie zeigten sich öffentlich, besuchten verschiedene Regierungen und waren vielen bekannt. Die Literatur bewahrt ihre Namen und die Phantasie ihrer Zeitgenossen verherrlicht sie.

       Keine geheimen Organisationen, die von Regierungen so gefürchtet sind, sondern wirkliche Personen werden durch Erlass der Unsichtbaren Internationalen Regierung abgesandt. Die internationalen Aufgaben stehen jeder Art von Betrug feindlich gegenüber. Aber die Einigkeit der Völker, die Würdigung schöpferischen Schaffens und das Wachstum des Bewusstseins werden von der Internationalen Regierung als unaufschiebbare Maßnahmen bestätigt. Und wer den Maßnahmen dieser Regierung nachspürt, wird sie nicht der Untätigkeit zeihen. Die Tatsache, dass diese Regierung vorhanden ist, ist unter verschiedenen Bezeichnungen wiederholt in das Bewusstsein der Menschheit eingedrungen.

       Jede Nation wird nur einmal gewarnt.

[Russisches Original. Seite 23.]


Nur einmal in einem Jahrhundert werden Boten ausgesandt — dies ist das Gesetz der Archate*. Das Wirken der Unsichtbaren Regierung steht in Wechselbeziehung mit der Evolution der Welt. Daher gründen ihre Beschlüsse auf exakten mathematischen Gesetzen. Hier gibt es keinen persönlichen Wunsch, sondern nur die unabänderlichen Gesetze der Materie. Ich wünsche nicht, sondern ich weiß! Und daher ist der Entschluss selbst inmitten der ungestümen Strömung noch unerschütterlich.

       Man mag den Berg von Norden oder von Süden her besteigen, doch der Aufstieg ist unabdingbar.

 

       33. Die Phänomene, an denen ihr teilgenommen habt, erforderten Ruhe. Doch außer Ruhe war, wie man bemerken konnte, eine gewisse Anspannung nötig. Diese Bedingungen schafften eine Energieansammlung, die mit dem Vorgang in einer Pumpe verglichen werden könnte. Daher ist es richtiger, zu sagen, dass für das Auftreten von Phänomenen eine gesättigte Ruhe erforderlich ist.

 

       34. Streben während des Wachstums des Bewusstseins schließt das Zentrum des Sonnengeflechts ein. Sollte das Streben seine ihm angemessene Grenze überschreiten, dann ist der so genannte feurige Tod unvermeidlich. Ein unentwickeltes Bewusstsein überträgt den Affekt des Strebens, aber der weitere Aufstieg erfordert, dass der Schatz zeitweise in einem sicheren Schrein verwahrt wird.

       Jeder Gedanke bewirkt eine Ablagerung in den Nervenkanälen. Je vollkommener das Streben, desto phosphorhaltiger sind die Ablagerungen. Dann ist der einzige Ort, der für jenen Brennstoff ausreichenden Schutz gewährt, das Sonnengeflecht, das die Ablagerungen allmählich aus den dienenden Kanälen aufsaugt.

[Russisches Original. Seite 24.]


Manchmal kann solch ein Aufsaugen so heftig sein, dass es strahlenartige, schmerzhafte Empfindungen verursacht. Dann muss der Lehrer einen kühlenden Strahl anwenden, der hilft, die Ablagerungen von den Gliedmaßen zum Zentrum zu leiten. All dies ist ein Prozess des Wachstums des Bewusstseins. In dreijährigen Stufen kann man die Verfeinerung der Aufnahmefähigkeit verfolgen. Dieser Zustand erfordert die Bewahrung des Schreins für die nächste günstige Abgabe.

       Lasst uns das Lebensgesetz hüten, das auf der Leiter der Schönheit und der Freude emporführt.

 

       35. Spricht man von Nützlichkeit des einzelnen, bedeutet dies nicht, ihn als die Säule der Lehre zu bezeichnen. Man muss die Dinge nehmen, wie sie wirklich sind, denn Übertreibung kommt im Wesentlichen einer Verringerung gleich. Man darf niemanden gewaltsam in den Himmel zerren. Zur festgesetzten Stunde wird der Blinde wieder sehend. Es ist nützlich, das Gesetz der Lebensordnung aufzuzeigen, so dass der Bescheidenste die Logik kunstgerechter Anwendung einsehen und überflüssige Schlacken vermeiden kann. Aber es ist nicht notwendig, Menschen gewaltsam zu säubern. Beachtet die Nützlichkeit jedes Boten und ladet die Last eines Kamels nicht einem Esel auf.

 

       36. Jede Regung des Bewusstseins muss zum Strom der Evolution führen. Jeder Schritt im Leben muss der Vervollkommnung dienen. Eine erstarrte Form ist zur Wiederholung geeignet, aber der Strom wiederholt nicht eine einzige Welle.

       Schlafen oder Wachen, Arbeit oder Rast, Bewegung oder Ruhe, alles trägt uns gleichermaßen der Erfüllung des Lebensplanes entgegen. „Gleich abgefallenen Blättern“ — sagen die Furchtsamen. „Gleich

[Russisches Original. Seite 25.]


Saatkörnern“ — sagen die Vernünftigen. „Gleich Lichtpfeilen“ — sagen die Kühnen.

       Wen immer der Lärm des reißenden Stromes erschreckt, der ist noch nicht im Geist geboren.

       Wer mit der Welle aufsteigt, vermag an die fernen Welten zu denken.

 

       37. Antwortet, wenn ihr die Fähigkeit zur Aufnahme eurer Antwort seht. Oft vermutet ein Fragesteller eure Antwort nicht. Dann ist es notwendig, einen Gleichklang zu finden, bevor man das Denken auf einen neuen Pfad lenkt. Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass eine Strömung, die das Denken unterbricht, weniger gefährlich wäre als das Messer, das eine Pulsader durchtrennt. Wir dürfen das Denken eines Menschen nicht unterbrechen, sondern müssen durch Nähren des Nervensystems neues Lebensblut einflößen. Ein Wort der Antwort soll kein Sargnagel sein, sondern der Strahl eines Arztes. Eine aufgeschobene Antwort mag in Form eines Rates erteilt werden.

 

       38. Wer mitarbeiten will, dem zeigt Verständnis. Sagt dem Arzt: „Man kann in Anwendung von Moschus*, Baldrian und Zedernharz Findigkeit kundtun. Durch Beschreibung des Lebenslaufes kann man Beobachtung bekunden. Standhaftigkeit kann man im Streben zum Lehrer ohne Zweifel und ohne Vorurteile offenbaren.“

       Durch die Beweise im Leben kann man den Wert von Errungenschaften bekunden, und wir sollen jedes Maß an Errungenschaft schätzen.

       Jede Stunde kann eine neue, unveräußerliche Möglichkeit bringen. Unverkennbares Vorrecht kann durch klare Beweisführung erlangt werden — dermaßen gesetzmäßig sind die Errungenschaften niedergelegt.

[Russisches Original. Seite 26.]


       39. Es ist unrichtig, zu denken, dass es leicht sei, hier etwas zu verlieren; weit schwieriger ist es, etwas zu finden. Verlust setzt Erworbenes voraus. Alles Erworbene wird vom Erwerber mitgeschleppt. Zuweilen ist es unmöglich, sich von materiellem und abstraktem Besitz zu befreien. Daher raten Wir, Besitz mit voller Verantwortung zu übernehmen. Daraus entströmt die erhabene Qualität von Gegenständen und Gedanken. Doch unnötigen Ballast mit sich zu schleppen, ist beschwerlich.

       Wie können die Geschwüre von Gedanken der Feigheit und des Verrats ausgemerzt werden? Die Aura kann man nicht mit Zedernharz heilen. Geschwüre müssen mit der Flamme der Erschütterung weggebrannt und der Mut, den Schmerz zu ertragen, muss aufgebracht werden. Aber wie soll aus Feigheit Mut erwachsen? Furcht erschüttert den Feigling, doch Wir haben Furcht völlig überwunden.

       Ihr, die ihr Erworbenes anhäuft, denkt über Qualität nach!

 

       40. Der Blinde träumt von Belohnung. Doch sehend wäre er erstaunt, wahrzunehmen, dass alles Selbstbelohnung ist. Im Bewusstsein aufsteigend, schreitet der Mensch voller Freude voran, und der Gedanke an Belohnung würde ihn knechten. In der Tat, es gibt viele Sklaven. Genau genommen sind es jene, welche die Knechtschaft ihres Geistes hinter eisiger Undurchdringlichkeit und scheinbarem Entsagen von allem, was sie nicht besitzen, verbergen wollen. Jeder Belohnte ist Sklave. Nur von einem freien Bewusstsein, bar jeglichen Eigendünkels und jeder Geringschätzung, kann die Evolution aufgebaut werden.

       Der Hammer des Geistes ist die würdigste Waffe der Errungenschaft.

 

       41. Die zwischen den Stufen des sich

[Russisches Original. Seite 27.]


erweiternden Bewusstseins gespannten Brücken befinden sich jenseits der laufenden Ereignisse. Es ist falsch, auf irgendwelche äußeren Sternbilder zu warten. Die Schlange des Sonnengeflechts ist selbsttätig. Nur besondere Anpassung an die atmosphärischen Bedingungen begleitet diese innere Tätigkeit. Die Dichte der umgebenden Atmosphäre erschwert die Tätigkeit des Nervensystems. Deshalb bedarf es der Ruhe als heilsame Voraussetzung.

 

       42. Arzneien sollten in drei Gruppen unterteilt werden: Lebensspender, Erhalter und Wiederhersteller. Die vierte Gruppe überlassen wir unseren Feinden: die Zerstörer. Wenden wir uns zuerst den Lebensspendern zu, da sie vor allen auf das Nervensystem wirken. Die Nervenzentren und Drüsenabsonderungen werden künftig der Medizin die Richtung weisen. Mit Hilfe dieser Bereiche wird die Menschheit die feinste Energie entdecken, die wir der Einfachheit halber noch Geist nennen wollen. Die Entdeckung der Ausstrahlungen dieser Energie wird der nächste Schritt in der kulturellen Entwicklung sein.

       Metallisation im Pflanzenbau wird nützliche Absonderungen der Wurzeln liefern. Wendet daher eure Aufmerksamkeit noch einmal dem Pflanzenreich zu. Beachtet außerdem die Nährwerte von Gemüse und Getreide, und ihr werdet viele Überraschungen erleben.

       Der Mangel an Unterscheidung in der Auswahl menschlicher Nahrung ist erstaunlich. Ich spreche von Qualität.

 

       43. Der Schüler darf nicht besessen und der Lehrer kein Unterdrücker sein. Außerdem wird gefordert: Die Erkenntnis der Hierarchie, die Koordinierung der Taten und

[Russisches Original. Seite 28.]


das in Einklang Bringen des freien Willens mit der Anerkennung des Lehrers. Der schwache Verstand wird gewöhnlich verwirrt. Gewiss, die Bedingungen und Beschränkungen widersprechen der Bedeutung der Freiheit im üblichen Sinn. Aber die Erkenntnis der Zweckmäßigkeit und der Kultur formt den erhabenen Begriff des Lehrers. Die Bedeutung des Begriffes Lehrer erkennen heißt, die ersten Tore der Evolution durchschreiten. Man sollte in den Begriff Lehrer keine überirdischen Vorbedingungen hineinlegen. Er sollte der eine sein, der den besten Rat im Leben erteilt. Diese Lebenskraft umfasst Wissen, Schaffenskraft und Unbegrenztheit.

 

       44. Sagt nicht: „Ich erinnere mich nicht.“ Sagt: „Ich versäumte, zu beobachten.“ Beschuldigt nicht das Gedächtnis, sondern blickt zurück auf eine schwache Beobachtung. Die Menschen fallen eher die Treppe hinab, als die Stufen zu beachten.

       Sagt nicht: „Ich weiß nicht.“ Sagt: „Ich habe es noch nicht gelernt.“ Weder Alter noch Gesundheit, noch Lebensverhältnisse rechtfertigen das zu begrabende „Ich weiß nicht.“

       Kühnheit im Leben erfüllt mit Lerneifer.

       Sagt nicht: „Ich habe beschlossen.“ Sagt: „Dies scheint für das Ziel geeignet zu sein.“ Es ist leicht, die Zielstrebigkeit zu vermehren, aber es ist unwürdig, seinen Entschluss zu ändern.

       Vor allem, beschwört nicht hartnäckig das Unglück herauf, wie es gewöhnlich beim Menschen geschieht.

 

       45. Man sollte den Menschen entschlossen sagen, dass die Neue Zeit ins Dasein getreten ist. Die Menschen sind nicht bereit, ihren Platz hinsichtlich der Schöpfungsaufgaben zu übernehmen. Es ist ein Irrtum, anzunehmen, dass Eroberung mit der Mission der Neuen Welt vereinbar ist, ganz gleich, ob es sich um die Eroberung von Ländern oder einer Klasse von Menschen handelt:

[Russisches Original. Seite 29.]


solche Einstellung gehört einer überholten Denkart an. Im Evolutionsprozess kann man nur das auf Wahlfreiheit gründende Aufsteigen des Bewusstseins erwägen.

       In den Perioden der Evolution der Menschheit kann man die Epochen der Anreicherung des Bewusstseins verfolgen. Wir wollen nicht verhehlen, dass gerade jetzt ein Buch der Entdeckungen und des Lichts der Kühnheit vor der Menschheit aufgeschlagen wird. Diese durch die dornige, mühevolle Gemeinschaftsarbeit gereiften Früchte sind bereit, ihren reichen Samen preiszugeben. Kann man diese Früchte mit einem Schwert spalten? Kann man sie durch Furcht oder kriecherische Feigheit zermalmen oder sich ihrer durch verräterische List bemächtigen? Nein, nur die Einheit des Bewusstseins und der Aufbau des Wissens werden der Menschheit das Geschenk einer neuen Rasse überreichen. Der Antrieb zu dieser Willenskraft wird nicht von kosmischen Erscheinungen, sondern vom Gedankenstrom bewirkt.

       Übersehen wir nicht die festgesetzte Frist, zu der Gedankenblitze die Lösung für die Welt bringen können. Wir schlagen der Menschheit vor, an die astrochemische Bedeutung des Planeten nicht nur zu denken, sondern zu erkennen, wann der Gedanke als ein chemischer Bestandteil die Atmosphäre verstärkt. Solange man die Bedeutung der Emanationen des Gedankens nicht erkennt, wird der Gedanke jedenfalls über die Stirnen der Skeptiker hinweggleiten. Aber der Augenblick verweilt nicht!

 

       46. Gewisse Symptome kennzeichnen den Aufstieg und den Niedergang der Völker. Die ihren Aufstieg gewärtigende Nation träumt von einem Helden, aber einem verfallenden Volk erscheint die Idee eines Helden langweilig und nutzlos. Obgleich diese Nation mit Gold überschüttet und ihre Einbildung noch leidenschaftlich sein mag, wird sie dennoch der Heldentat unfähig sein.

[Russisches Original. Seite 30.]


Der Eifer wahrer Kühnheit hat die Mauern der Stadt des Verstandes verlassen.

       Jeder erinnert sich an die Kinder, die ihr Heim auf der Suche nach dem Glück verließen; und die Märchen aller Zeiten gewähren diesen Kindern Glück.

 

       47. Die Menschen sind nicht abgeneigt, von Veränderungen der grundlegenden Funktionen des Organismus zu träumen. Das Prinzip des Empfängnisses der Frucht, der Zerfall der Materie, die Unwägbarkeit von Körpern, willkürlich hervorgebrachte Materialisation und andere physikalische Neuerungen werden sogar in klerikalen Schriften besprochen. Es hat den Anschein, als ob der Gesichtskreis der Möglichkeiten von früher Kindheit an erweitert und im Laboratorium der exakten Wissenschaften gefestigt werden sollte. Aber gerade hier setzt die Unvollkommenheit der Rasse eine Schranke. Der kühne, der exakten Wissenschaft ergebene Forscher wird zum gewöhnlichen Erdenbürger und beginnt, die Gewohnheiten seines Großvaters nachzuahmen.

       Wir sahen, wie die rote Flamme der Empörung sich in Herdrauch verwandelte. Wir zählten die Banner des Lichts, die übernäht wurden, um Stufen von Vorurteilen zu schaffen. Wir wurden gewahr, wie erhabene Bauten als Basare benutzt wurden. Zaghafte Unkenntnis wob ihre Netze und fürchtete sich trotz allem, von den sumpfigen, mit verwesten Knochen bedeckten Ufern abzustoßen.

       Das Studium der Evolution zeigt, dass menschliche Zaghaftigkeit vor einem Rassenwechsel zunimmt. Aber die Frist naht, und jene, die nicht gelernt haben, zu schwimmen, müssen ein gehöriges Maß Salzwasser schlucken.

       Beachten wir die Sprünge der Kühnen.

 

       48. Es ist notwendig, die Pilger eiligst auf das Verstehen der Lehre vorzubereiten. Das einfachste Wirken

[Russisches Original. Seite 31.]


für die Verbesserung des Lebens wird ihnen helfen, den ungewöhnlichen Weg zu beschreiten. Nützlichkeit wird sie leiten, nach Schönheit zu suchen. Das Leben selbst wird die Forderung der Zweckmäßigkeit enthüllen. Eine einfache Erklärung wird die Gewissheit der Ausführung geben. Je leichter, desto schneller, je nützlicher, desto besser werden sie sich nähern.

       Die Kühnheit des freien Menschen ist nicht abstrakt. Der Mut des Vogels, der den Ozean überquert, liefert der Menschheit ein Beispiel, wenngleich niemand die Schwalbe für einen Helden hält.

       Dessen ungeachtet lüftet eure Speicher und eure Mauern.

 

       49. Man wird fragen: „Wer gab euch das Recht, zu wagen?“ Antwortet: „Die Evolution gibt uns das Recht dazu. Das Recht der Evolution ist unseren Herzen mit Flammen eingeschrieben. Uns kann die Wahrheit von der Unbeirrbarkeit des Aufstiegs nicht genommen werden. Inmitten der Massen und in der Einsamkeit kennen wir unser unveräußerliches Recht. Wir können bestätigen, dass nur der Blinde die Richtung der Evolution nicht wahrnehmen kann. Doch ist die Pforte des Wissens deutlich umrissen, dann ist es nicht schwer, aus der Dunkelheit hinauszustreben.“

       Kühnheit, sollte man sie etwa als eine unerhörte Heldentat verstehen? Sollte Kühnheit nicht vielmehr das tägliche Mahl und das Gewand jedes Gedankens sein? Werden die Gefängnismauern nicht durchsichtig werden? Und wird nicht das Siegel der geheimen Schriftenrolle für den Kühnen dahinschmelzen?

       Zur Kühnheit ratend, zeigen Wir den einfachsten Weg. Das Herz kennt die Wahrheit dieses Weges. Zur Zeit kann kein anderer gewiesen werden.

       Offenbart Kühnheit!

 

       50. Wann werden die Menschen die Bedeutung des Gedankens und des Wortes verstehen? Noch immer messen sie dem Verschütten eines Sackes wertloser

[Russisches Original. Seite 32.]


Samen größere Wichtigkeit bei als dem Ausstreuen zerstörender Worte. Ein Nagetier vermag die Samenkörner aufzulesen, doch die Folgen des Gedankens und des Wortes vermag selbst ein Archat nicht unwirksam zu machen. Begeben die Menschen sich auf eine Seereise, nehmen sie nur ausgewählte Sachen mit; in ihren Reden wollen sie sich den Sinn und die Folgen nicht vergegenwärtigen. Wir drohen nicht, aber auf den Rauch, der unter der Brusttasche hervorkommt, können wir hinweisen.

 

       51. Es ist richtig, daran zu denken, dass Arbeit mit Uns nur eine Richtung kennt — jene der Angemessenheit und Zweckmäßigkeit. Der Verräter auf dem Pfad ist dieser Eigenschaften einfach beraubt, und sein Schicksal ist das eines Kätzchens im Meer.

 

       52. Das Wort Reue gibt es im Senzar-Wörterbuch nicht. Es ist durch einen euch bekannten Ausdruck — vernünftige Zusammenarbeit — ersetzt worden. Denkt über die wesenhafte Scheinheiligkeit in dem Begriff Reue nach. Es ist am einfachsten, dem Menschen das Wesen der Reue an einem medizinischen Beispiel zu veranschaulichen. Durch Gedankenverdrehung verwundet der Mensch seinen Bruder, doch weder Worte noch Gedanken können die Wunde heilen. Durch beharrliche Anstrengung wird man das zerrissene Gewebe ausbessern müssen. Für die Wiederherstellung der Zweckmäßigkeit ist es notwendig, vernünftige Zusammenarbeit zu offenbaren. Die Folgen einer Tat können nur durch Wiedergutmachung geheilt werden. Weder mündliche Beteuerungen noch Eide sind von Bedeutung.

       Wer seine Unvernunft eingesehen hat, möge sie mit wahrer Vernunft tilgen. Durch vernünftige Zusammenarbeit kann man die Unvernunft beseitigen.

       Einen reuigen Sünder gegen Bezahlung loszusprechen, ist wohl das abscheulichste Verbrechen. Ist dieses Bestechen der Gottheit nicht schlimmer als die ersten Formen des Fetischismus?

[Russisches Original. Seite 33.]


Diese abschreckende Frage muss von allen Seiten beleuchtet werden. Sonst wird die menschliche Wäsche sehr schmutzig bleiben.

 

       53. Wieder muss man sich dem schlangenartigen Gift des Zweifels zuwenden. Der Zweifel ist von zweierlei Art. Der eine rollt sich unbeweglich und stachelig im Finstern seines Lagers. Der andere ist stetig dahinkriechend, gleitend und sich windend. Gewöhnlich ist erstere die Eigenheit der Jugend, letztere die des Alters. Der Grund ist nicht so sehr Angst, als vielmehr die Falschheit in der menschlichen Natur. Sich ihrer eigenen vergangenen Täuschungen erinnernd, hängen die Menschen diese Eigenschaften ihren laufenden Urteilen an. Nicht gewillt, sich selbst zu prüfen, urteilt der Mensch doch nach sich selbst.

       Versucht, den äußersten Zipfel des Zweifels zu fassen! Fesselt eure Füße nicht mit solch besudelten Riemen! Wahrlich, es ist leichter, eine Schlange im Busen zu hegen, als von der Riesenschlange des Zweifels erstickt zu werden.

 

       54. Eilet, das Bewusstsein der Neuen Welt zu enthüllen! Gebt eure Erinnerungen auf! Kann der vorwärtsfahrende Wagenlenker dauernd zurückblicken?

 

       55. Wahrlich, teilt die Welt weder in Nord und Süd noch in Ost und West. Doch unterscheidet überall zwischen der alten und der Neuen Welt. Die alte Welt haust elend in allen Teilen der Erde, ebenso wird die Neue Welt jenseits von Grenzen und Umständen überall geboren.

       Die alte Welt und die Neue Welt unterscheiden sich durch das Bewusstsein, doch nicht durch äußere Kennzeichen. Alter und Umstände sind ohne Bedeutung. Rote Banner werden oft von Händen der alten, mit Vorurteilen erfüllten Welt gehisst. Oft schlägt in der Einsamkeit ein mit den Blitzen der Neuen Welt erfülltes Herz. Ohne Nachsicht teilt sich die Welt vor unseren Augen. Ungewandt,

[Russisches Original. Seite 34.]


doch mit vollem Mut wächst das neue Bewusstsein. Trotz seiner Erfahrung beugt sich der alte Gedanke. Es gibt keine Macht, die den Ozean der Neuen Welt eindämmen könnte. Wir bedauern die unnütze Energieverschwendung des sterbenden Bewusstseins. Wir gewähren den Kühnen ein Lächeln, die das Recht der Ausbreitung neuer Errungenschaften erkennen. Jeder für die Neue Welt begangene Fehler wird zu einer Blume der Tapferkeit. Jede Anstrengung, die alte Welt geschickt einzubalsamieren, bleibt ein Gerippe des Schreckens.

       Die alte Welt erkannte die Mutter der Welt nicht an, doch die Neue Welt beginnt den Strahlenglanz Ihres Schleiers wahrzunehmen.

 

       56. Es ist notwendig, die Gefahr der verstärkten Wellen in den niederen Schichten unserer Atmosphäre zu erkennen. Ein beschränktes Bewusstsein kann eine unerhörte Katastrophe auslösen. Der Zusammenprall von Klang- und Lichtwellen kann schwere Gehirnstörungen bewirken.

       Wohin soll man sein Bewusstsein richten? Fürwahr, zur Realität der Unbegrenztheit! Das bedeutet, dass es an der Zeit ist, von den groben Schichten der Materie zur Erforschung der feinsten Energie überzugehen.

 

       57. Erinnern wir uns an die Legende vom Gral. Der der Lehre ergebene Titurel erlangte die Macht des Lichts. Sein in die Finsternis gesunkener Nachfolger blutete aus einer unheilbaren Wunde. Im Gedenken an würdigere Tage wurden die Überreste Titurels zur Schau gestellt und die erhabenen Worte des Toten wiederholt. Trotz allem wurde der Kelch der Wahrheit ausgelöscht. Das Kommen eines neuen Helden war nötig, um den Kelch der Wahrheit von Titurels unwürdigem Nachfolger zurückzuverlangen. Und so wurde das Feuer der Welt neu entzündet. Diese

[Russisches Original. Seite 35.]


Legende ist im Westen gut bekannt, doch ursprünglich entstand sie im Osten. Stellt sie nicht eine Parallele zu einem gewissen zeitgenössischen Fall dar?

 

       58. Man kann der Helden gedenken, doch jede Stunde bringt ihren eigenen Entschluss. Das Abbröckeln von Felsteilen enthüllt neue Goldadern.

       Zertrümmert den Tempel eines anderen nicht, wenn ihr an dessen Stelle nicht sogleich einen neuen Tempel errichten könnt. Die Stätte des Tempels darf nicht leer stehen.

       Um die Eigenschaften der Gottheit zum Ausdruck zu bringen, hat die Menschheit viele Namen ersonnen. Jeder Begriff verlängerte den Faden des Wissens. Im Osten gibt es kein Tor, auf dem der Name des Höchsten Begriffes nicht eingeschrieben wäre. Wahrlich, man kann die Gebiete des Ostens nicht ohne Wissen betreten. Vergessen wir nicht, dass der Osten seine Gebote in Steine meißelte.

 

       59. Der Umfang der Lehre steht in umgekehrtem Verhältnis zum Ausmaß des Bewusstseins. Je weiter das Bewusstsein, desto kürzer die Formel. Für die Nahestehenden genügt ein Wort oder auch ein Buchstabe. Das erste Gebot ertönt wie Donner, das letzte erfolgt in Schweigen!

 

       60. Wie erhaben ist das Spiel der Mutter der Welt! Sie ruft Ihre Kinder von fernen Gefilden: „Eilt, Kinder! Ich will euch lehren. Ich habe scharfe Augen und wachsame Ohren für euch bereit. Lasst euch nieder auf Mein Gewand! Wir wollen lernen, zu fliegen!“

 

       61. Die mannigfaltigen Wirkungen menschlicher Ausstrahlungen auf die Umwelt habt ihr richtig durchdacht. Ein überzeugendes Beispiel dafür ist der menschliche Einfluss auf Tiere und Pflanzen. Übergebt

[Russisches Original. Seite 36.]


einem Menschen ein Tier oder eine Pflanze, und ihr könnt die Veränderung in deren Befinden bald wahrnehmen und daraus jenen Menschentyp enthüllen, der die Lebensenergie zerstört. Wie ein Vampir kann der Reiter ein Pferd erschöpfen, oder der Jäger einen Hund, oder der Gärtner eine Pflanze. Sucht die Ursache in den Ausstrahlungen des Menschen. Beobachtet und schreibt die Geschichte der Geisteskrankheiten. Die Wurzeln von dem, was physisch in Erscheinung tritt, sind in weit zurückliegenden Ansammlungen verborgen. Ich rate, gegenüber Menschen mit ungesunden Ausstrahlungen ein kühles Verhalten an den Tag zu legen. Diese Behandlung mit Kühle wird sie am schnellsten stärken. Betrachtet diese Kältekur nicht als Grausamkeit, denn Wir gebieten andererseits, jedem Anklopfenden feinfühlend die Tür zu öffnen.

 

       62. Seid euch bewusst, dass ihr in die Welt der Überreste[11] nur das mitnehmen könnt, was ihr euch erworben habt. Unwissenheit bleibt das, was sie ist. Man kann nur erhalten, was man zu wünschen gelernt hat. Es ist fast unmöglich, dort das Bewusstsein zu erweitern. Speichert daher Bewusstsein, um nicht in lumpigem Gewand einhergehen zu müssen.

 

       63. Wenn ihr in der Lehre Wiederholungen wahrnehmt, so bedeutet das, dass ihr neue Einzelheiten herausfinden könnt oder ein im Leben noch nicht voll befolgtes Gebot betont werden muss.

       Man sollte daran denken, dass die Nützlichkeit der Anwendung von Prana sich auf eine ganze Gemeinschaft erstrecken kann. Man kann Prana nicht nur für sich selbst anwenden, sondern mittels psychischer Energie einen Teil des Vorrats an andere übertragen.

       In alten Zeiten wurde ein kranker Körper von gesunden Körpern umgeben, um seine Kraft zu stärken, doch zu solchem Vampirismus kann nicht geraten werden. Von ganz anderer Bedeutung ist die bewusste, freiwillige und wohlwollende Übertragung,

[Russisches Original. Seite 37.]


nicht nur an eine Person, sondern sogar an mehrere zugleich, wenn man die Sendungen verhältnismäßig zu verteilen versteht. Eine wichtige Erfahrung wird erreicht, wenn materielles Wohl mittels psychischer Energie übertragen wird. Wägbare Substanz wird durch unwägbare Energie übertragen. Das ist keine Suggestion*, sondern eine konkrete Sendung.

 

       64. Unsere Brüder können persönlich mit verhülltem Gesicht erscheinen. Ist das Antlitz jener Person verhüllt, so könnt ihr sicher sein, dass sie sich auf ein langwieriges Experiment konzentriert, das ein Fixieren des Auges erfordert. Erscheint einem eine Frauengestalt mit verschleiertem Antlitz, so bezieht sich diese Erscheinung auf die Mutter der Welt.

 

       65. Wenn ein ganz einfacher Mensch euch fragt: „Was ist die Aufgabe der Lehre“, so sagt: „Dass du gut leben mögest!“ Es ist nicht nötig, ihn mit komplizierten Erwägungen zu überladen. Möge sein Wesen von dem Bewusstsein erfüllt sein, dass die gesamte Lehre um die Verbesserung seines Lebens besorgt ist. Das Verständnis für Verantwortung mag später kommen. Zuerst verkündet Freude und Verbesserung des Lebens.

 

       66. Kann den Menschen die Wahrheit über die Evolution der Welten enthüllt werden, wenn sogar ihr tägliches Brot ungewiss ist? Selbst die geringste Spur von Abstraktion muss vermieden werden.

 

       67. Wie wird Hingabe erweckt? Durch Zweckmäßigkeit. Wie wird die Qualität verbessert? Durch Achtung der Meisterschaft. Wie wird Produktivität erweckt? Durch den Wunsch nach Schönheit.

 

       68. Lasst ein Kind seine Vorstellung vom Neuen Land beschreiben. Auf diese Weise kann man

[Russisches Original. Seite 38.]


die Vorstellung des Ungeschauten verfolgen. Erweckt im Kind den Impuls, seinen Traum zu verwirklichen. Dies ist die beste Aufgabe für Kinder. Später lasst es ein Stück gewöhnlichen Granit beschreiben. Das wird ein Test der Findigkeit sein. Vielleicht wird ihm der Stein eine Vorstellung der Bollwerke der fernen Welten geben. Vom Gewöhnlichen her kann man die Funken der Schönheit wachrufen.

 

       69. Oft hört ihr die alltägliche Formel: „Ich bin gegangen, und nun komme ich wieder.“ Darauf wisst zu erwidern: „Wie viele Möglichkeiten sind Ihnen während ihres Tanzes verloren gegangen!“ Man kann nicht errechnen, wieviel die Menschheit durch persönliches Herumspringen verliert. Der Mensch entfernt sich aus Eigendünkel und kehrt aus Eigenliebe wieder. Diese große innere Geschäftigkeit erinnert an das Qualmen eines Dochtes. Das geschickte Verbergen der wahren Ursache dieses Zurück- und Vorwärts-Gehens mag dazu dienen, den Boden zu polieren, doch Blasen an den Sohlen können schmerzliches Aufstechen erforderlich machen.

       Fragt jeden, der scheidet, was den Anstoß dazu gab?

 

       70. Man sollte ein einseitiges Bewusstsein von einseitiger Energie unterscheiden. Der Lehrer wendet manchmal eine einseitig wirkende Energie an, um die Geistestätigkeit in eine bestimmte Richtung zu lenken. Daraus darf man nicht den Schluss ziehen, dass das Bewusstsein des Lehrers einseitig sei.

       Seid fähig, das Bewusstsein zu verbergen, wenn es notwendig erscheint, einen eiligen Pfeil abzusenden. Nur die Unwissenden versuchen, die dürren Zweige der Prahlerei auf ihren Fensterbrettern auszubreiten. Wessen Haus von Wissen erfüllt ist, der zögert nicht, eine Scheibe seiner Gedanken abzuschneiden.

[Russisches Original. Seite 39.]


       Ein einheitliches Säen bringt eine reiche Ernte, aber fruchtbarer sind Zusammensetzungen heilender Körner. Sie werden Explosionen des Geistes hervorbringen.

 

       71. Es ist richtig, die magnetischen Ströme als Kanäle zwischen den Planeten zu betrachten. Beim Studium des zwischenweltlichen Verkehrs[12] muss die Aufmerksamkeit auf die Kanäle der magnetischen Wellen gelenkt werden. Allerdings darf das geistige Bewusstsein nicht vergessen werden.

 

       72. Habt ihr endlich gelernt, euch über Hindernisse zu freuen? Können Wir sicher sein, dass das scheinbare Hindernis eure Findigkeit verzehnfachen wird? Können Wir euch siegreiche Kämpfer nennen? Können Wir euch den Pfeil der Hilfe senden und gewiss sein, dass ihr ihn im Fluge auffangt? Können Wir das Wort der Neuen Welt im Einklang mit euch aussprechen? Können Wir glauben, dass ihr um der Schönheit der Schöpfung willen eure abgetragenen Kleider verbrannt habt? Kann die Mutter der Welt eurer Wachsamkeit das Gewebe des Lichts anvertrauen? Kann der „Löwe“ euch zu Hilfe eilen? Kann das Licht euren Weg erleuchten? Sieg begehrt Einlass. Und versteht ihr schließlich, die gegebene Lehre an euch selbst anzuwenden? Können Wir euch die gegebenen Zeichen zum Tragen anvertrauen? Können Wir den Strahl der Vervollkommnung senden? Können Wir für eure Wachsamkeit bürgen? Können Wir aus eurer Selbsterkenntnis eine Schutzwehr errichten? Können Wir Uns über eure Standhaftigkeit auf dem Pfad freuen? Kann die Mutter der Welt euch Gerechte nennen? Könnte der „Löwe“ zum Wächter eurer Wohnstätte werden? Kann das Licht die neuen Stufen überfluten? Entriegelt eure Pforten!

[Russisches Original. Seite 40.]


       73. Ihr wisst, dass in einer Höhe von elftausend Fuß der Astralkörper eine bestimmte Eigenschaft annimmt. Gleicherweise hat für jeden Körper jede Höhe eine besondere Bedeutung. Ihr konntet beobachten, dass der Mensch auf einer Höhe von siebentausend Fuß die Menge der Nahrung vermindern kann, und dieser Bedarf wird allmählich weiter abnehmen, bis sich in einer Höhe von sechzehntausend Fuß ein beträchtlicher Unterschied zeigt. Ich rate, in einer Höhe von über neuntausend Fuß den Genuss von Wein, Kaffee, Pfeffer und anderen Gewürzen zu meiden. Bei siebzehntausend Fuß Höhe ist selbst von starkem Tee abzuraten. Mit der Verringerung der Menge der Nahrung vermindert sich auch der Bedarf an Schlaf; man braucht nicht über sechs Stunden in Betracht zu ziehen, und bei zwanzigtausend Fuß genügen vier Stunden Schlaf. So ist es verständlich, dass man in großen Höhen fast ohne Schlaf auskommen kann und die Frage des Nahrungsbedarfs verschiedene Überlegungen nötig macht.

       Es ist unmöglich, dort den euch empfohlenen Baldrian mit Gewürzen zu nehmen. Jedenfalls ist es in großen Höhen schädlich, dieselbe Menge Nahrung zu sich zu nehmen wie in den Niederungen. Die Berge sind so bedeutungsvoll, weil sie uns, wie ein Prinzip, aus den niederen irdischen Bedingungen herausführen. Auf den Höhen kann man fühlen, dass man sich über die gewöhnlichen irdischen Bedürfnisse erhoben hat. Wenn selbst für den Astralkörper eine Höhe von elftausend Fuß bedeutungsvoll ist, dann erheben jede weitere eintausend Fuß den physischen Körper in besondere Zustände. Es wäre ein nicht wieder gutzumachender Fehler, zu versuchen, die Bedingungen auf den Bergen den irdischen Gewohnheiten anzugleichen.

       Merkt euch das und befolgt es!

 

       74. Jede äußere Hülle verzerrt die Wirklichkeit. Man kann sich bemühen, wachsam zu sein, um

[Russisches Original. Seite 41.]


den Grad falscher Wahrnehmung zu vermindern. Alles Sichtbare, jede Reflexion, jeder Gedanke projiziert täuschende Farbe.

 

       75. Wir sind zu jeder Art geistiger Blutschande bereit. Die Menschen häufen einfach unvereinbare Elemente aufeinander. Sie verbinden Vater-Feuer mit Tochter-Wasser und Mutter-Erde mit Sohn-Luft. Wird die Nachkommenschaft verascht sein, werden sie sich nicht betroffen fühlen, sondern die Verantwortung dem himmlischen Vater auferlegen.

       Es ist unmöglich, sich an die Leichtfertigkeit menschlicher Einrichtungen zu gewöhnen. Nur das geistige Bewusstsein kann eingeben, welche Elemente unvereinbar sind. Die Menschen unterscheiden sich nicht nur durch ihre Ausstrahlungen, sondern auch durch das Wesen der Elemente. Das Wesen bleibt unveränderlich. Gerade in Bezug auf Elemente werden die besten Verbindungen geschaffen.

 

       76. Eilt, eilt, den Lehrer zu verstehen. Lasst uns Ihn mit der Mauer der Hingabe umgeben und uns dadurch mit einer Festung umschließen! Nach eurem Umherirren werdet ihr verstehen, dass dort, wo der Lehrer ist, Erfolg eintritt. Wo es Niederlage gibt, dort ist Verrat. Wo es Niederlage gibt, haben wir die Inschrift der Zielstrebigkeit verbogen, zerrissen und zerstört. Bei Niederlage wandten wir uns vom erprobten Pfeil der Hilfe ab. Können wir versichern, dass wir in der Stunde der Gefahr den Namen des Lehrers aussprechen werden? Können wir für den Namen des Lehrers Zeugnis ablegen? Können wir die erhabene Freude der Dankbarkeit gegenüber dem Lehrer finden? Oder denken wir manchmal, weshalb denn die Lehre so wenig unseren Gewohnheiten angepasst ist? Warum

[Russisches Original. Seite 42.]


wir durch die Lehre in unserer Untätigkeit gestört werden? Warum wir aus unserem selbstgerechten Schlaf geweckt werden?

       Dankbarkeit und Hingabe blühen freudvoll in Unserer Gemeinschaft. Sollte Uns aber die Nachricht erreichen, dass ein Mitarbeiter im Namen der Lehre etwas geopfert hat, sind Wir gezwungen, auf seine Mitarbeit zu verzichten. Unsere Mitarbeiter können empfangen und abgeben.

       Wenn ihr Unsere Lehre übermittelt, erhebt kein Geschrei auf dem Markt, sondern gewährt den Nahenden ein Lächeln. Der Neuankömmling wird den Lehrer annehmen. Doch der Eingefangene wird an seinen Ketten nagen. Wir erwarten Freude und nehmen nur die wunderbare Blume der Hingabe an. Beeilen wir uns, den Lehrer zu verstehen!

       Bejaht den Erfolg, bejaht die Freude, bejaht das Verständnis für Tätigkeit! Verbannt die Gedanken der alten Welt! Ich werde nicht müde, das zu wiederholen.

 

       77. Ihr wisst, dass die Mitglieder und Mitarbeiter der Internationalen Regierung deren Erlasse befolgen müssen. Wenden wir uns zum letzten Mal M.[13] zu und halten wir Rückschau auf die geschichtlichen Folgen Unseres Ultimatums! Diese uralte Überlieferung, bei jedem Wechsel eines Jahrhunderts die Menschheit zu warnen, beruht auf höchstem Wohlwollen. Darin liegt ihre Grundbedingung. Andernfalls wäre die Rolle des Gesandten nicht aufrichtig und überzeugend. S. G.[14] sprach zu L.[15] in guter Absicht. Ebenso wandte sich M. an V.[16], und auch A. L. M.[17] übermittelte Unseren Erlass richtig.

       Wenn man einem Kämpfer sagt: „Das ist Unser Berg“, nimmt er die Weisung an. Andernfalls geht der Sinn der Regierung verloren.

       S. G. erkrankte nach seiner Mission infolge

[Russisches Original. Seite 43.]


undisziplinierten Denkens eines seiner Mitarbeiter. Hütet euch vor dem Schaden undisziplinierten Denkens. Denkt nur in neuen Formen! Stellt euch selbst Aufgaben, um die Lebensfragen wirklich zu lösen. Betrachtet den Tag als verloren, an dem ihr nicht über die Neue Welt nachgedacht habt.

       Erschwert euren Atem nicht durch Kosmogonie, wenn ihr die Gipfel der Erde ersteigt.

 

       78. Es war unmöglich, die Aufmerksamkeit von dem Zerfall der Granitzelle loszureißen, als sie den Vergleichspunkt mit der Zelle wirbelloser Tiere erreichte, war der Puls fast übereinstimmend.

 

       79. Wen kann man den Mutigsten nennen? Vielleicht den winzigsten Schmetterling, der den gleichen atmosphärischen Bedingungen ausgesetzt ist wie ein Löwe. Beobachtet die Wirkungen der Lehre auf die Bescheidenen. Sie ertragen den Sturm der Erleuchtung oft besser als die anerkannten Großen.

 

       80. Wenn man das Vorhandensein des Gedankens selbst im Stein bestätigen kann, welch klarer Regenbogen erfüllt dann den Raum! Man muss mit dem bewussten Wissen vertraut werden, dass alles Seiende von Gedanken durchdrungen ist. Gewiss, diese wägbare und nicht abstrakte Erscheinung bleibt als Energie definiert, aber sie bewahrt das Potential bewusster Evolution.

       Bis vor kurzem wurde das Empfindungsvermögen der Pflanzen als auf den Instinkt begrenzt angesehen, aber nachdem man den Instinkt erforscht hat, weist man ihn jetzt der Domäne des Denkens zu. Daher müssen nach oben und nach unten Beobachtungen angestellt werden. Die menschliche Kreatur begeht gewöhnlich den Fehler, sich selbst das ausschließliche Recht des Denkens vorzubehalten. Durch einfachste Beispiele kann man beweisen, dass das menschliche Denken

[Russisches Original. Seite 44.]


durch Alter, Umstände und Nationalität bestimmt wird. Man stellt oft erstaunt fest, wie schwach das Denkvermögen besonders beim Durchschnittsmenschen ist. Dafür werden anonyme räumliche Gedanken den Geist erheben.

       Ihr wisst, dass ein Radio durch geringfügige Abänderung Gedanken aus dem Raum empfangen kann. Und Gedanken, als lebendige Substanz, nähren sich gegenseitig und wachsen.

       Denkt über die Erscheinung des Gedankens nach, erkennt seine Verbreitung und erfreut euch am Laboratorium des Denkens, das von der Zelle des Minerals bis ins Unbegrenzte alle Uranfänge verbindet.

       Die magnetische Welle, der elektrische Funke und der Gedanke — diese drei Wanderer heißen den ins Unbegrenzte Bestrebten willkommen.

 

       81. Kann der Gedanke erschallen? Die Theorie des Echos deutet darauf hin, dass sich der Gedanke gleich dem Ton in magnetischen Wellen ausbreitet. Und der Ausspruch „der Donner des Gedankens“ dürfte keine Übertreibung sein. Genau gesagt, die Natur des Gedankens muss erforscht werden. Zum Beispiel: Können Gedanken bestimmter Qualität und Spannung das Leben der Pflanzen beeinflussen? Wie reagieren Tiere auf bestimmte Gedanken? Und schließlich: Wie fühlt sich der Herr Mensch selbst inmitten von Gedanken? Wie wirkt der Gedanke in chemischen Verbindungen? Wäre es nicht gut, den Gedanken mit Lackmuspapier zu prüfen? Könnte der Gedanke nicht mit starkem Gift oder mit Musik wetteifern? Im Allgemeinen muss der Gedanke als ein lebendiger Faktor des Seins erforscht werden. So wird man von der Psychotechnik zur Dynamik und selbst zur Astrochemie eine Brücke bauen. So sollte die Ökonomie des Raumes verstanden werden.

 

       82. Kann man sich einem blinden Steuermann anvertrauen? Kann man glauben, dass sich die Lumpen alten Denkens für die Neue Welt eignen? Man muss verstehen, dass das Geschenk der Neuen Welt zu den offenen Toren gebracht werden wird. Wahrlich, die Neue Welt will ein schönes Gewand schenken. Komm, Mensch, nimm das Gewebe mühevollen Schaffens der Mutter der Welt in Empfang!

[Russisches Original. Seite 45.]


       83. Nach und nach streut Körner der Lehre aus. Lasst sie unmerklich das Wesen durchtränken. Die Zeit der Predigt ist vorüber— es bleibt das Leben. Vergeistigt das Bewusstsein eures Bruders durch unmerkliche Berührung, die wie tägliches Brot gereicht wird. Deckt seinen Zorn auf und löscht ihn mit Zweckmäßigkeit. Bestärkt ihn in der Freude bewusster Annahme. Hütet euch, ihm Wunder zu offenbaren. Enthüllt ihm, dass Übereinstimmung sich ins Unbegrenzte erstreckt. Widerruft die einzelnen Feiertage, um den ewigen Feiertag einzuführen.

        „Mein Feiertag wird der deine sein. Mein Pfad wird deine Errungenschaft sein. Meine Freigebigkeit wird dein Besitz sein. Du wirst sie nicht wahrnehmen, doch erstaunt sein über deine Verwandlung. Ich bedarf des Dankes nicht, doch Dankbarkeit wird deine Nahrung sein; denn das Feuer der Dankbarkeit übertrifft die Flamme anderer Erhebungen.“

       „Lehrer, ich sehe und ich werde es unauslöschlich in Erinnerung behalten.“

       Die offenbarte Reihe der Lehrer leuchtet wie eine interplanetare Perlenkette. Füge deine Perle hinzu!

 

       84. Ich meine, dass Unsere Bücher jeder lesen kann. Unter jenen, die sich Uns nähern, sehe Ich keinen, der sich fürchtet. Führt in Bezug auf Furcht verschiedene Experimente durch. Setzt

[Russisches Original. Seite 46.]


schreckliche Masken auf und lächelt, wenn das Herz zittert. Doch wo bleibt das Vertrauen zum Lehrer? Wo bleibt die Erkenntnis der Macht? Unsere Leute kann man beim ersten Ruf erkennen. Wer zu Uns gehört, eilt wie ein Hirsch herbei. Ich kenne keine solche furchterregende Maske, dass er sich abwenden könnte.

       Als Beispiel müssen uns nicht Riesen und Helden dienen. Ich entsinne mich eines Hinduknaben, der den Lehrer fand. Wir fragten ihn: „Kann sich die Sonne für dich verfinstern, wenn du sie ohne den Lehrer siehst?“ Der Knabe lächelte: „Die Sonne bleibt die Sonne, doch in Gegenwart des Lehrers scheinen für mich zwölf Sonnen.“ Die Sonne der Weisheit Indiens scheint; denn am Ufer eines Flusses sitzt ein Knabe, der den Lehrer kennt.

       Ebenso wie es Leiter von Elektrizität gibt, so gibt es auch jene, die Wissen vereinen. Verübt ein roher Mensch einen Anschlag auf den Lehrer, sagt ihm, wie die Menschheit Zerstörer von Schatzkammern von Büchern nennt.

 

       85. Können Unsere Leute ihre Nächsten um sich haben? Natürlich, das können sie. Diese Nahestehenden werden das Gefühl der Verantwortlichkeit, der Besorgtheit und der Findigkeit vertiefen.

 

       86. Man sollte wissen, dass geöffnete Zentren die Fähigkeit verleihen, umgebende Unvollkommenheiten auszurotten. Nicht nur Feinfühligkeit wird entwickelt, sondern man erlangt auch die Kräfte zur Verbesserung der Umwelt. So kann man beobachten, wie die ausstrahlenden Kräfte vom Raum absorbiert werden. Dieser Grad der Zentrenöffnung wird „Lampe der Wüste“ genannt. Danach folgt der Grad „Löwe der Wüste“.

[Russisches Original. Seite 47.]


       87. Man muss zwischen unbedingter und bedingter Hingabe unterscheiden. Die Menschen zeigen, wenn sie empfangen, sehr oft unbedingte Hingabe; aber jede Abgabe wird von verschiedenen Bedingungen begleitet. Man nimmt das Empfangene auf, aber im Bewusstsein setzt man Schranken und hegt den Verdacht, dass die Gabe nur ein Stückchen Schimmel sei. Wohingegen man daran denken sollte, dass das Maß der Hingabe das Maß des Empfangs darstellt. Glaube muss exaktem Wissen gleichkommen. Jede Bedingtheit des Glaubens bewirkt eine Bedingtheit der Ergebnisse. Niemand möchte gern ein bedingter Schüler genannt zu werden? Solch eine Bezeichnung ruft eine Kränkung hervor. Genauso reagiert das Gesetz auf jede Bedingtheit. Doch das Gesetz ist nicht gekränkt, es misst mit gleichem Maß. Seid versichert, dass Hingabe mit gleichem Maß vergolten wird.

 

       88. Kosmogonie sollte erhabene Gedanken erwecken. Während ein unerwachtes Volk sich Gott am Rande einer unbedeutenden Kugel sitzend vorstellt, späht der erhabene Geist in das Unbegrenzte, sich selbst in Freude mit unbegrenztem Wissen kleidend. Setzt das Unbegrenzte nicht herab!

 

       89. Harmonie der Ausstrahlungen liegt nicht allein in Eintönigkeit. So ist die purpurfarbene Aura der grünen nicht fremd, und die rosafarbene kann die blaue hervorheben. Solche Ergänzungen umfassen Ströme besonderer Spannung. Es ist erwünscht, die Farben — als Bürgschaft für den künftigen Regenbogen — zu kombinieren. Natürlich, die Abstufung der Schwingungen leuchtender Farben ist so vielfältig, dass es unmöglich ist, sie nach der dürftigen irdischen Farbskala wiederzugeben;

[Russisches Original. Seite 48.]


genauso wie man die Symphonie der Sphären nicht in die irdische Tonskala einzufügen vermag.

       Eure Lila- und eure Purpurfarbe entsprechen Unserem himmlischen Purpur nicht.

 

       90. Eine einfache Erklärung des Wissens wird alle Widersprüche beseitigen. Ohne Achtung vor dem Wissen kann man nicht denken. Der Lehrer rät, im Wissen die Grundlage für die Stärkung des Bewusstseins zu sehen. Weist auf die Tatsache hin, dass Wissen den Pfad zu der Einen Lehre bahnen kann. Ist es möglich, dass die Menschheit nicht begreifen kann, dass Wissen der Einen Quelle entströmt? Darum stellt die Trennlinie zwischen Wissen und Unwissenheit die Trennlinie zwischen Licht und Finsternis dar. Wir können leicht die Tora[18] durch die Hymnen der Veden[19] und die Testamente der Lehrer  ersetzen[20], denn Wir sehen keine Unterschiede zwischen den aus der Einen Quelle kommenden Lehren.

 

       91. Die Auffassung der Endlichkeit des Kosmos bei Erkenntnis des unbegrenzten räumlichen Prinzips gehört zu den Fragen, die der Schüler selbst lösen muss, denn das nennt sich „Summa Summarum“[21]. Um zur Erkenntnis dieser räumlichen Begriffe zu verhelfen, sind Meilensteine gesetzt. Aber die Formel muss selbständig ausgesprochen werden. Die Formel entspricht dem Grad des „Löwen der Wüste“. Sie veranschaulicht die Auffassung des Lösens von der Erde und von den irdischen Gütern. Die Offenbarung der getrennten Sphären erfordert die Erkenntnis dieser Formel.

       So wie die Unbegrenztheit allein keine konkreten Folgen ermöglicht, so wird das Begrenzte den Begriff abschwächen. Nur die Wechselbeziehung dieser Antipoden wird die richtige Lösung dieser kosmogonischen Frage ermöglichen.

[Russisches Original. Seite 49.]


So kann man Berechnungen über das Begrenzte anstellen, ohne die Größe des Universums herabzusetzen.

       Ihr habt eine richtige Lösung gefunden, die ein weiteres Verstehen der Entstehung der Welten ganz konkret erkennen lässt. Hell strahlt die Offenbarung der astralen Mechanik.

 

       92. Beachtet die Stunden großer Offenbarungen. Es beginnt bereits die Verschmelzung der Veden mit dem Tripitaka[22] und der Kabbala[23], und die Vermächtnisse (…) der Lehrer beseitigen die Unwissenheit. Beobachtet mit Aufmerksamkeit die Zunahme des Wissens in verschiedenen Teilen der Welt. Die Bejahenden und die Verneinenden gehen in dieselbe Richtung. Die Zeit ist unwiederholbar, gleich einem Tor zu dem, was bestimmt ist. Tot sind jene, denen die festgesetzte Stunde nur gewöhnlich erscheint.

 

       93. Hört nicht auf den Lehrer, der für seine Lehre ein Entgelt fordert. Die Lehre kann nicht gekauft oder unter Drohung angenommen werden. Wahrlich, jeder kann Zutritt zur Lehre erlangen, indem er Hingabe durch Taten zeigt. Am wenigsten führt das Wort und am meisten die Tat zur Gemeinschaft des Wissens. Wenn ein Kind zu jener Gemeinschaft strebt, wird es dort nicht Arbeit finden? Oder wird vielleicht jemand, der mit vollem Bewusstsein die Statuten der Gemeinschaft annimmt, die Pforte verriegelt finden? Kann man ein Beispiel dafür anführen, dass einem reinen Bewusstsein die Antwort verwehrt wurde?

       Die Statuten der Gemeinschaft des Wissens sind genau festgelegt. Keine List wird sie trüben. Wanderer, zahle deine Schuld! Schreite ohne Pause dahin!

 

       94. Mancher ist unfähig, Gleichheit mit der Hierarchie in Einklang zu bringen. Gleichheit liegt im Potential

[Russisches Original. Seite 50.]


des Geistes und Hierarchie in der Unersetzlichkeit der erprobten Aufspeicherungen. Darum ist es gerecht, zu sagen, dass der Komplex des Wissens das Tor zur Hierarchie darstellt. Beachtet den Ausdruck „Komplex“, denn eine einzelne Spezialisierung kann nicht den Gehalt eines Hierarchen bilden.

       Über Wissen nachsinnend, werdet euch des Lehrers bewusst. Wahrlich, Verehrung des Lehrers ist das Allheilmittel selbst gegen physische Leiden. Im Zustand geöffneter Zentren gibt es beträchtliche Schwierigkeiten, weil jeder Hauch der alten Welt Infektion bringt. Nur die Brise der wahren Evolution kann die Gesundheit wiederherstellen. Darum umgebt euch nicht mit der alten Welt und führt die Jugend zur Freude der Neuen Welt.

       In allem gibt es freudvolle, ernsthafte Zweckmäßigkeit.

 

       95. Zu dem großen Erleuchteten kam ein Schüler, der nach einem Wunder suchte: „Das Wunder wird mir Vertrauen einflößen.“

       Traurig lächelte der Lehrer und enthüllte ihm ein großes Wunder. „Jetzt“, rief der Schüler aus, „bin ich bereit, unter Deiner Führung die Stufen der Lehre zu durchschreiten.“ Doch der Lehrer wies ihm die Tür und sagte: „Geh, Ich brauche dich nicht mehr.“

 

       96. Ich bin über die alte Welt erstaunt. Das Erscheinen der Sonnenflecken wird eine unerwartete Verwirrung hervorrufen. Die alte Welt flattert mit dem letzten Flügel und die geöffneten Zentren empören sich. Für jedes Entwicklungsstadium der Zentren ist eine Art Epidermis[24] nötig, die sich unter Schmerzen bildet.

       Die reine Luft vermag den Stickstoff des Lebens nur schwer zu absorbieren.

 

       97. Weist darauf hin, dass auf dem Pfad zur Lehre alle Opiate

[Russisches Original. Seite 51.]


ungeeignet sind. Traumlose Nüchternheit bringt euch Uns schneller näher.

 

       98. Bei der Tat der Hingabe sprecht ein reines Gebet. Versteht es, die Lehre an jedem Tag zu bekräftigen. Schreitet fort, ohne einen Tag oder eine Stunde zu verlieren. Versteht es, euch selbst als Schöpfer einer ganzen Welt von Taten zu betrachten. Versteht es, in allem eure Kräfte aufzubieten. Versteht es, die Lehre jedem Gedanken einzuflößen. Versteht es, die Kräfte wie auf einem Schlachtfeld einzusetzen. Versteht es, Dankbarkeit als die Vereinigung von Freude und Schönheit zu empfinden.

       Endet würdig, denn am Ende steht das Feuer der Errungenschaft.

       Der abscheulichste Verrat ist, die Lehre zu kennen und sie nicht anzuwenden. Schmähung der Lehre ist schlimmer als Tod des Geistes, denn dadurch schließt sich der Mensch selbst von der Zusammenarbeit aus und verurteilt sich auf den Saturn.

 

       99. Ich werde zeigen, wie Macht auf der Schneide Meines Schwertes verschärft werden kann. Die Erscheinung des Lehrers kann die Menschheit erleuchten, wenn der Pfad durch Wissen gefestigt ist. Der Drache ist mächtig, und stachelig sind seine Ringe.

 

       100. Das Schicksal, das zu Uns führt, muss jede Stunde gestählt werden. Die Erniedrigung der Angemessenheit gleicht einer Erdrosselung. Wer die Errungenschaft hinausschiebt, gleicht einem Ertrinkenden.

 

       101. Ich wohne dem Experiment der Übertragung menschlicher Kraft auf Entfernung bei. Man kann einen beliebigen Gegenstand wählen; man kann den Riegel einer Tür verschieben, indem man die Energie des Gedankens auf die entsprechende Energie des Gegenstandes anwendet. Das Experiment ist seit langem bekannt, und im Schaffen allgemeiner Zusammenarbeit sollte man daran denken,

[Russisches Original. Seite 52.]


dass Gedankenenergie alle Schichten des Seins vereint. Nicht mit dem Hammer, sondern mit dem Gedanken, der Gegenstände durchdringt, werden wir sie vereinen.

       „In allem ist Weisheit“ — erinnert der Inder. „In allem ist Zusammenarbeit“ — wird das Zeitalter Maitreyas begleiten. Nicht durch Befehl, nicht durch Harmonie, sondern durch den Gedankenblitz werden die Mitarbeiter vereint.

       Die offensichtliche Zusammenarbeit der verschiedenen Materieschichten ist charakteristisch für die Neue Welt. Jede Epoche hat ihren Ruf. Die Gedankenkraft wird das rufende Prinzip der Neuen Welt sein.

       Versucht, das Leben so genannter unbelebter Gegenstände zu beobachten. Beobachtet eure Wirkung auf sie. Wer sich mit Gegenständen unterhält, gibt nicht immer Anlass zu Spott. Das Einhüllen in Gedanken dient dazu, womöglich eine gesunde Atmosphäre zu schaffen. Ein Pfeiler schwirrenden Denkens durchdringt auch die Räume der fernen Welten. Betrachtet den Gedanken als einen wirklichen Faktor des Lebens. Daraus erwächst die strenge Kontrolle über den Strom der Gedanken.

 

       102. Erwägt jede Annäherung an Uns. Werdet unersetzlich! Bei Nacht beschirmt euch mit Unserem Namen, bei Tag legt die Rüstung der Hingabe an.

 

       103. Über die gegenseitige Beziehung zwischen Lehrer und Schüler. Der Lehrer gibt Weisungen in den erlaubten Grenzen. Er erhebt den Schüler, indem er ihn von alten Gewohnheiten befreit. Er warnt ihn vor jeder Art von Verrat, Aberglauben und Heuchelei. Er prüft den Schüler offen und im geheimen. Der Lehrer

[Russisches Original. Seite 53.]


erschließt die Tore zur nächsten Stufe mit den Worten: „Freue dich, Bruder!“ Er kann sie aber auch verschließen mit den Worten: „Lebe wohl, Vorübergehender!“

       Der Schüler erwählt seinen Lehrer. Er verehrt Ihn als eine der Höchsten Wesenheiten. Er vertraut Ihm und bringt Ihm seine besten Gedanken dar. Er hält den Namen des Lehrers in Ehren und schreibt ihn auf das Schwert seines Wortes ein. Er zeigt Fleiß bei der Arbeit und Beweglichkeit in der Heldentat. Er begegnet Prüfungen wie dem Licht des Morgens und richtet seine Hoffnung auf das Schloss der nächsten Tore.

       Freunde, wollt ihr euch Uns nähern, erwählt einen Lehrer auf Erden und setzt Ihn als Führer ein. Er wird euch beizeiten sagen, wann der Schlüssel in den Toren umzudrehen ist. Jeder sollte einen Lehrer auf Erden haben.

 

       104. Festigt euch in dem Gedanken an Meinen Wunsch, euch den besten Pfad zu bereiten. Erwägt, wie dringend notwendig es ist, Meinem Wunsch entgegenzukommen. Möge nichts Altes euer Streben behindern. Bedenkt, dass ein strauchelndes Pferd die ganze Karawane aufhält. Darum sprecht: „Schreite zuversichtlicher voran, sonst hängt dein Schicksal an einem Spieß.“

       Verheimlicht nicht, dass die Annäherung an Uns das Gleichgewicht schwanken lässt.

       Lasst uns das Gebet an Schambhala* sprechen:

       „Der Du mich auf den Pfad der Arbeit gerufen hast, nimm meine Dienste an und meine Bitte. Nimm meine Arbeit an, o Herrscher, denn Du siehst mich bei Tag und Nacht. Lass Deine Hand walten, o Herrscher, denn die Finsternis ist groß. Ich folge Dir nach!“

       Schreitet voran, als ob ihr den Berg der Freude erstieget.

       Verlockend ist das Ausmaß des Kampfes

[Russisches Original. Seite 54.]


für die Erneuerung des Bewusstseins der Menschheit. Der Lehrer freut sich über Entschlossenheit.

 

       105. Es gibt vier Arten von Schülern: die einen folgen den Anweisungen des Lehrers, und ihr Aufstieg vollzieht sich gesetzmäßig. Andere übertreiben die Anweisungen hinter dem Rücken des Lehrers und schädigen sich dadurch oft selbst. Andere nehmen in Abwesenheit des Lehrers die Gelegenheit zu leerem Geschwätz wahr und zerstören damit ihren Pfad. Andere verdammen den Lehrer im Verborgenen und verraten Ihn. Schrecklich ist das Los der beiden letzteren!

       Möge sich das Bewusstsein im Verstehen des Lehrers festigen!

 

       106. Recht hat, wer gegen rohe oder zweideutige Ausdrücke Einspruch erhebt, denn sie entspringen der Unwissenheit. Jede Rede muss schön, klar und von tiefer Bedeutung sein.

 

       107. Die Grade der Erkenntnis sind: Unruhe; Betrachten; Anklopfen; Lauschen; Erinnerung; Umsetzung; Schwertträger; Macht; Lampe der Wüste; Löwe der Wüste; Mitarbeiter der Uranfänge; Schöpfer.

       Jeder Grad ist dreifach unterteilt; die Reihenfolge muss stufenweise durchschritten werden. Wer bestrebt ist, kann schnell erringen, doch der Abtrünnige verschuldet seinen Sturz selbst.

 

       108. Wer ist der Verräter? Der Verleumder; wer etwas verschweigt; wer sich etwas aneignet; der Heuchler; der Verneiner; und der, der den Untergang der Lehre wünscht.

 

       109. Das Herz erkennt den Freund! Daher prüft eure Freunde, damit ihr keinem Vorübergehenden Zutritt zu eurem Herzen gewährt. Der Lehrer ist euer bester Freund. Vermehrt Seine Bürde nicht!

[Russisches Original. Seite 55.]


       110. Der Grad „Löwe der Wüste“ gestattet vor allem die Ausführung der Gedanken. Daher muss man besonders vorsichtig sein. Der Grad „Löwe der Wüste“ kennt keine Beleidigung. Wer könnte ihn beleidigen? Das große Herz kann alles fassen.

       Freude ist leicht erreichbar, wenn ihr jeden Augenblick Hingabe für Uns empfindet. Zufriedenheit erlangen die Schüler, welche die Wolken schätzen und erkennen, dass ohne Wolken die Sonne versengen würde. Der Lehrer kann dort wirken, wo Ihm die Hände nicht gebunden sind.

 

       111. Der Lehrer liebte Kämpfe und weiß, wie sehr sie die Energie des Kosmos verstärken. Der Lehrer steht gemeinsam mit euch über dem Abgrund. Wer wird also die großen Tiere fürchten? Es ist nicht verlockend, auf der Suche nach Flöhen ein Federbett zu zertreten. Doch das Schwert Salomons und das Vermächtnis Maitreyas in der Hand zu halten, gewährt das Licht des Morgens. Das Bewusstsein beispiellosen Kampfes klingt wie eine frohlockende Posaune.

       Unsere Vorstellungen dürfen nicht auseinandergehen, wenn etwas für Uns Heldentat ist und euch als Niedergang erscheint.

       Haltet die Toren von alltäglichen Entscheidungen fern. In schlaffen Entscheidungen verbirgt sich tödliches Gift.

 

       112. Ich verstehe, wie schwer es für den Hungrigen ist, auf das Brodeln des Haferbreis zu warten; doch man muss das Absterben der Mikroben abwarten. Während der Raum sich sättigt, lasst uns in die fernen Welten schauen. Fühlen wir uns als ihre Teilnehmer! Der Verkehr mit den fernen Welten trägt zur Verdichtung des feinstofflichen Körpers bei. Jetzt können die Töne der fernen Welten bald aufgefangen werden. Leitungen der körperlichen Hülle

[Russisches Original. Seite 56.]


zu den fernen Welten werden erst in naher Zukunft möglich sein.

 

       113. Gerade der menschliche Wunsch ist eine Gesetzestafel. Was der schlummernde Geist wünscht, empfängt der erwachte. Die Gezeiten werden die Schlacken unsteter Gedanken hinwegschwemmen. Die Anteilnahme an den Weltproblemen ist das beste Mittel zum Stählen des Schwertes.

       Wer dem Strom nachgibt, wird seinen Strahl nicht wiederfinden. So kann man den Kampf der Welt aufnehmen. Wer sein Gesicht nicht von der Flut der Ereignisse bespülen lassen will, wird wie ein Stein im Wege liegen.

       Man kann das heilige Mysterium nur wenigen übermitteln. Ihre Zahl ist gering, doch der Raum selbst lauscht ihnen, denn der Weltgedanke wird in der menschlichen Esse geschmolzen. Mögen die Menschen die Gedanken hüten!

 

       114. Das Karma* der Tat kann durch Untätigkeit nicht gelöscht werden. Wer einen Scheiterhaufen errichtete, um die Wahrheit zu verbrennen, wird sich bücken und jedes Stück Kohle herauslesen müssen. Das Gebot der Gerechtigkeit kann weder verbrennen noch verglüht es. Es lodert unerwartet auf und verzehrt die Festungen der Hindernisse.

       Der Erfolg des kosmischen Aufbaus weicht von den menschlichen Erwartungen ab. Der menschliche Verstand gleicht einem Anfänger, der bei einer Lektion einer Antwort auszuweichen sucht, indem er seine Sprache versüßt. Doch wie wollt ihr voranschreiten? Nur durch das Bewusstsein der Nähe des kosmischen Aufbaus. Wo sind die Richter und wo die Verurteilten?

       Bedeutet die Sphärenmusik den Sieg der menschlichen Vermutungen, oder feiert sie die Auferstehung vergessener Wahrheit?

[Russisches Original. Seite 57.]


       Prophezeiung ruft die Verdammung und Reinigung einer heiligen Stadt in Erinnerung.

 

       115. Oft werden Wir gefragt, warum Wir die Vernichtung einer schädlichen Person nicht beschleunigen? Die Antwort kann verdeutlicht werden, besonders da ihr selbst eine gleich wirksame Waffe besitzt. Ich will das Beispiel eines Arztes anführen. Nicht selten ist der Arzt bereit, einen kranken Nervenknoten wegzuschneiden, aber die mögliche Wirkung auf das sympathische Nervensystem gebietet seinem Seziermesser Einhalt. Kein Wesen ist isoliert. Zahllos sind die Schichten des karmischen Gewebes, das sehr verschiedene Wesen verbindet. In der Flut des karmischen Stromes kann man Strömungen vom Unwürdigsten zum Würdigsten verfolgen. Wer zuschlägt, muss daher die Kanäle, welche die Karmaströmungen vereinen, erst unempfindlich machen. Andernfalls kann die individuelle Vernichtung, obwohl verdient, dem Ganzen Schaden bringen. So muss man an die Vernichtung sehr vorsichtig herangehen.

 

       116. Die geringste Unaufrichtigkeit in der Hingabe und in der Annahme der Grundlagen der Erneuerung kann vor allem den Gesundheitszustand angreifen. Solche Unaufrichtigkeit kann tief in den Spalten des Bewusstseins nisten. Bösartig ist die Vergiftung durch Unaufrichtigkeit, und sie steckt die benachbarten Ausstrahlungen an.

       Würden die Menschen doch den Schaden erkennen, den sie sich und anderen durch Halbheit der Entscheidungen zufügen! Solche Entscheidungen vermögen das Bewusstsein zu spalten und an den Tod heranzuführen. Wie es oft geschieht, beginnt Krankheit unbemerkt, und später ist eine lebensgefährliche Operation unvermeidlich.

       So

[Russisches Original. Seite 56.]


führt der Stich der winzigsten Natter der Unaufrichtigkeit zu menschlichem Ruin. Man muss warnen, doch man kann nicht zwingen. Ein über den Abgrund springendes Pferd kann nicht angehalten werden.

 

       117. Wieso vermögen aus den Fußsohlen Flammen hervorzuströmen? Streben ist wie Feuer und so unüberwindlich wie der Wirbelwind. Das eifrige Begreifen Unserer Weisungen muss feurig beflügeln. Solch eine feurige Selbsteinkreisung ist wie eine Mauer, hinter der ihr unverletzt und wachsam den Kampf beobachtet, bereit, euren Pfeil abzusenden.

       Offenbarte Kämpfer, welch unbändiger Strom, unwiederholbar und verborgen für die Augen der Welt, wütet um euer Lager! Was hat euch bewogen, eure Schwerter zu schärfen und eure Schilde geduldig emporzuhalten? Ihr werdet sagen: „Wir kennen die Fristen der Erde und nichts kann unsere Sicht trüben. Der Hüter der Fristen[25] hat uns die Anpassung der Kräfte und die Entscheidungen anvertraut; und Ausdauer hat sich in Unanfechtbarkeit verwandelt. Gestern ließ uns die Erwartung erbeben, doch heute erfreuen wir uns des eifrigen Kampfes, wissend, dass der uns bestimmte Kampf zum Sieg führt.“

        „Herrscher der Sieben Tore, führe uns, die wir die Mitternacht durchschritten haben, der Sonne entgegen! Dein sind unsere Pfeile, o Herrscher! Ohne Dein Gebot werden wir die Stätte der Rast nicht betreten. Weder eine Stunde, noch ein Tag, noch ein Jahr wird uns vom Weg abhalten. Denn Du, der Eiligste, lenkst die Zügel unserer Rosse. Denn Du bist diesen Weg gegangen, und Deine Ausdauer ist unsere Bürgschaft. Sage uns, Hüter, woher ergießt sich der Strom der Ausdauer?“

       „Aus dem Erz des Vertrauens.“

[Russisches Original. Seite 59.]


       Wer weiß, wo der Bote sein Ross wechselt?

 

       118. Oft vernehmen wir selbstgefällige Ausrufe: „Ich habe mich bereits gewandelt! Ich habe bereits Fortschritte gemacht!“ Schwankendes „Ich“, hast du dich wirklich geprüft? Hast du Fortschritt erzielt, dann Wohl dir. Doch hat sich nicht die Umwelt geändert, und maßest du dir nicht fremde Errungenschaft an? Doch wo ist die Kühnheit, und beschwörst du nicht eine Krankheit des Geistes herauf?

       Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass Unsere Gespräche ohne Folgen blieben. Im Gegenteil, jede Weisung führt den Wirbelwind des Schutzes oder der Verurteilung mit sich. Kann es anders sein, wenn jede Selbstzufriedenheit eine schädliche Ansteckung mit sich bringt, wenn jede Einschränkung auf Kosten eines Nachbarn geht? Darum gleicht jede unaufmerksame Befolgung des Gebots einem Pfeil ins Herz. Jedes Davonschleichen gleicht einer würgenden Kette. Ihr wisst, dass alles im Raum schwebt. Wer würde geneigt sein, den Nagel zu seiner Verurteilung selbst einzuschlagen? Doch Wir eilen, Karma zu beenden, um das eilige Schiff von unnötigen Ankertauen zu befreien.

       Zur bestimmten Frist spannt euer Ohr an, um jedes Wort des Lehrers zu begreifen.

 

       119. Jede Verehrung des Lehrers beweist das Verstehen der Lehre. Jede Verehrung der Wirkungsstätte des Lehrers bezeugt Durchdrungenheit und Hingabe. Jedoch diese Zeichen von Aufmerksamkeit können nicht eingegeben werden. Diese Zeichen müssen von selbst im Bewusstsein erblühen. Der Lehrer wird nie sagen: „Erweist Mir Achtung“

 

       120. Kann man ein sogenanntes Wunder erwarten?

[Russisches Original. Seite 60.]


Die erste Bedingung für ein Phänomen ist natürlich, dass es nicht erwartet wird. Das ganze Wesen des menschlichen Bewusstseins vereitelt Phänomene. Das Durchschnittsbewusstsein schafft durch Vermutung sich widersprechender Umstände eine Schranke. Der Adept* des Wissens kann nur bitten: „Liebe Menschen, stört nicht mit erwartungsvollen Ausrufen, wenn das Reagenzglas universaler Essenz bereits eine glückliche Verbindung schafft. Kann man eine Wendung des Schiffes nach rechts erhoffen, wenn Unsere Hand das Ruder nach links lenkt?“

       Nur das klare, unanfechtbare Bewusstsein kann ein Mitarbeiter des Weltgeschehens sein. Wenn ein Raum dem Auge leer erscheint, können wir deshalb behaupten, dass er wirklich leer ist?

       Mögen die Gespenster der Unwissenheit den Horizont nicht begrenzen!

 

       121. Ich bestätige und ihr solltet verstehen, dass das, was heute nicht möglich ist, morgen durchführbar sein kann. Der Lehrer offenbart auch Macht, um die Schönheit eurer Heldentat zu schützen. Das Unglück der Menschen liegt darin, dass sie die Inkarnationen sowie die komplexen Bedingungen einer Heldentat nicht verstehen. Einsamkeit ist der beste Freund der Heldentat, doch manchmal sind Zeugen nötig, und dann sind die karmischen Gesetze besonders komplex.

       Der Lehrer kann den Hauptkanal der Tätigkeit weisen.

       Der Lehrer vermag bis zu einem gewissen Grad zu beschützen, doch der Reigen des Tanzes der Geister wird sich fortsetzen. Man sollte den Gedanken verstärken, wie man mit Wissen an die Dämonen herankommen kann. Seht ihr einen Pförtner, werdet ihr euch nicht sonderlich mit

[Russisches Original. Seite 61.]


seiner Psychologie befassen. Ebenso werdet ihr, wenn ihr einem verurteilten Menschen begegnet, mit ihm nicht über Kosmogonie sprechen. Auf der Erde müssen die Schätze oft abgestaubt werden. Und selbst auf dem Weg gibt es nicht wenige Dämonen. Wir können Uns an eine Reihe von Begegnungen mit furchtbaren Gestalten in Unseren vergangenen Leben erinnern. Die Elemente nehmen unmittelbaren Anteil an der irdischen Heldentat, wie eine Wache auf beiden Seiten. Wenn Feuer mit Erde kämpft, können gewisse Naturerscheinungen beobachtet werden. Es können nicht zeitgemäße Erscheinungen erwartet werden. Die Erde ist die Hüterin des alten Denkens, doch Feuer ist der Ausbruch von Evolution.

       Welch unerhörten Kampf führen Wir beim Aufblitzen der Elemente! Die Unzerstörbarkeit der Ursubstanz verleiht dem Kampf Beständigkeit, und gleicherweise beflügelt das Wissen über die ununterbrochene Fortdauer des Seins die Heldentat.

       Sagt: „Schwestern und Brüder, man kann unaufhörlich arbeiten; und Flügel wachsen im Vorbeigleiten von Tagen und Nächten.“

       Den Kleingläubigen sagt: „Ihr werdet euch erwärmen, und die Erkenntnis des Lehrers wird euer Leben versüßen. Doch werft keine Steine auf den Pfad.“

       Im Kampf der Elemente ist jedes veraltete Bewusstsein eine Mauer gegen das Licht. Sagt: „Verwirrt das Gewebe nicht!“

       (…)

 

       122. Dass es für eine Lage keinen Ausweg gäbe, denken nur jene, die sich auf Menschen stützen, anstatt auf die Macht der Gedanken. Gram über die Zustände der Menschen fließt gleich den kräuselnden Wellen eines Flusses dahin. Doch die Bilder der Wahrheit, von euch Ideen genannt, herrschen über das Karma der Welt. Man kann erstaunt sein, wie die Bilder der Wahrheit im Raum kämpfen. Während die Masse der Menschen

[Russisches Original. Seite 62.]


in der Raserei von Unwissenheit und Verrat dem Verfall unterliegt, weben die Gedanken der Wahrheit ihre himmlischen Nester, die für die wahre Evolution weit wesentlicher sind als der Kult ganzer Völker.

       Ihr begreift das Werk der Wirklichkeit und das Werk der Maja*. Wirklichkeit ist der Gedanke des Raumes, doch Maja ist die Aufmerksamkeit der Menschen. Merkt euch, dass jeder von Uns über den niederen Zustand von solch Inkarnierten betrübt sein könnte, doch das hat nichts gemein mit dem Plan der Evolution, denn der Gedanke schafft. Das Wachsen oder die Auflösung eines einzelnen Körpers und die Bilder der Wirklichkeit geben die Möglichkeit zum Flug in neue Sphären. Jeder Lehrer des Lebens konnte seine Macht nur auf die Bilder der Wahrheit stützen, und er schuf die Zukunft durch den Gedanken und nicht durch das Bewusstsein der Masse.

       Möge die Asche vergangener Scheiterhaufen die Sicht trüben, doch die Feuer der neuen Bilder erglühen im Unbegrenzten. Wenn wir die Grenzen von Nationen und Staaten überschritten haben, ist es dann nicht ganz gleich, welcher Planet durch den räumlichen Gedanken genährt wird? Wichtig ist, dass er vom Bewusstsein des Allgemeinwohls erfüllt ist. Dann wird der Lauf der Völker das Auge nicht beunruhigen, das auf die Unabänderlichkeit der Evolution gerichtet ist.

       Die Ehrfurcht vor der Wohnstätte des Lehrers ist keine Verehrung der Erde und keine Förmlichkeit des Tempels, sondern das Entflammen der Gerechtigkeit im Raum.

       Oft ermüdeten Uns die Zustände der Menschheit, doch Wir bereuten keinen einzigen evolutionären Gedanken. Diese Gedanken gedeihen

[Russisches Original. Seite 63.]


wie ein zauberhaft-chemischer Garten, und wie zauberisch unsichtbar sind die Arbeiter dieses Gartens! Versteht es, über das Allgemeinwohl nachzudenken, und Wir werden immer mit euch sein.

       Lasst uns mit einer Legende enden: „Betrachten wir die Sterne. Es wurde gesagt, dass das Gefäß der Weisheit sich aus Tuschita[26] ergoss und die Tropfen des wundervollen Trankes im Raum erglühten“. Doch der Lehrer sagt: „So erglühen die Spitzen der Gedankenpfeile, denn der Gedanke durchdringt die strahlende Substanz und erschafft Welten.“

       Schöpferischer Gedanke, lass nicht ab, den Raum mit den Blumen des Lichts zu schmücken!

 

       123. Salomon sprach: „Ich werde dich an die Wegkreuzung stellen und dich stumm und unbeweglich machen. Vor dir werden die Zeichen der Ereignisse vorbeiziehen. So sollst du deine menschliche Neugierde zähmen und in die bestimmten Gezeiten des Stromes eindringen. Denn jenseits des Menschlichen wird der Weltgedanke geboren.“

       Beobachtet den Gang der Ereignisse so, als ob ihr von der Turmspitze aus Schafherden zählt.

 

       124. Wenn ein Schüler seinen Lehrer verliert, muss er den von Ihm empfangenen Ring zurückgeben. Man braucht dies nicht als ein seltenes Vorkommnis zu betrachten. Das Karma der Besessenheit* oder der geistigen Schwäche kann zwischen Schüler und Lehrer leicht eine Schranke setzen. Arbeit des Ausgeschlossenen an sich selbst kann ihn wieder an den Punkt führen, an dem er den Pfad unterbrochen hat. Der Schüler muss die Notwendigkeit der Eile verstehen und sich der Arbeit zuwenden.

       (…)

 

       125. So nähert sich der Schüler dem Lehrer: Aufgeschlossen, bereit, die Lumpen der alten Welt abzustreifen, zu neuem Bewusstsein strebend, begierig nach Wissen, furchtlos, wahrheitsliebend,

[Russisches Original. Seite 64.]


hingebungsvoll, kühn, wachsam, arbeitsam, zielstrebig und feinfühlig. Er hat den Pfad des Vertrauens gefunden. Maja verlockt ihn nicht. Maja schreckt ihn nicht. Im Schoß der Erde wird der Stein aus den fernen Welten gefunden. Das Leben ist verschönt, das Können gefestigt. Unnütze Worte werden ausgemerzt.

       „Lehrer, es ist mir geglückt, dem Pfeil der Hitze und dem Schrecken der Kälte standzuhalten. Meine körperliche Kraft hat mich verlassen, aber mein Ohr ist geöffnet. Und der Körper des Lichts ist bereit, auf Deinen Ruf zu erbeben. Und meine Hände sind bereit, die schwersten Steine für den Tempel herbeizutragen. Drei Namen sind mir bekannt. Vertraut ist mir der Name Jener, die Ihr Antlitz verhüllte[27]. Meine Kraft vermehrt sich.“

       So soll der Schüler den Lehrer ansprechen.

 

       126. Das Missgeschick der Menschheit ergibt sich aus dem Unvermögen, die Fäden des Guten und jene des Bösen zu erkennen. Der Mensch wendet die Zeichen vor allem auf seine eigene Zukunft an. Er denkt vornehmlich über sein „ich“ nach und begrenzt die Welt mit sich. Kann man mit einem solchen Maß wahre Vorstellungen erlangen? Die hauptsächlichen und abscheulichsten Folgen solcher Begrenzung sind, dass viel Glaubwürdiges und Nützliches Seite an Seite mit dem Schädlichen gestellt wird. Zahllos sind die Beispiele, wo ein für die Zukunft gegebener Hinweis für die nächste Stunde angewendet wird und dadurch seine nützliche Bestimmung verliert.

       Manchmal kann eine einfache Formel das Schicksal ganzer Nationen umfassen. Aber der Mensch will persönlich an sich reißen, was für ein ganzes Kollektiv bestimmt ist, und die bereite Formel zerbröckelt wie ein Bildwerk unter einer rohen Hand. Diese Rohheit

[Russisches Original. Seite 65.]


individueller Begrenzung ist das schädlichste Element der Zersetzung wertvoller Möglichkeiten.

       Die Lichtfäden der fernen Welten benutzt man für häusliche Flickarbeiten, wogegen die Konstellationen der Weltaufgaben selten zustande kommen. Darum nähert euch mit Beben und alles erfassend den Weltaufgaben. Durch die Risse der Katastrophen spürt das Erbeben der Erde, doch gerade über diese Klippen steigt auf in die Sphäre des Weltverstehens.

       Wehe dem, der die Samen der Welt im eigenen Garten verstreut! Doch Freude dem, der ein Saatkorn des Verstehens für das Allgemeinwohl beisteuerte! So lautet das Gebot für jene, die an die Weltaufgaben herangehen.

 

       127. Energie und Wille sind die Beherrscher des Karma. Wer dem Selbst entsagt, wer für das Allgemeinwohl strebt, wer sich im Kampf aufopfert und freudvoll im Schaffen ist, erlangt für einen Augenblick die Erleuchtung eines Archaten, die ihn zum Herrn seines Karma macht. Das Bewusstwerden von Erleuchtung kann als Gefühlswissen definiert werden. Wahrlich, dieses Gefühlswissen kann schwinden oder gar nicht in Erscheinung treten. Diese Meteore des Geistes schweifen im Raum umher, die günstigen Gelegenheiten der ohnmächtigen Menschheit davontragend.

       Das Bewusstsein eines Archaten verleiht einen Vorrang, verlangt aber volle Verantwortung. Können viele die Freude der Verantwortung fühlen? In der Stunde der Verantwortung muss man den Mut haben, sich als Archat zu bekennen, der ohne Hilfe den Kampf leitet, dem Angriff der Elemente mit seinem Verstehen und Willen widerstehend.

[Russisches Original. Seite 66.]


       Dem Unwissenden erscheint der Zusammenstoß mit den Elementen wie ein Märchen. Aber ihr wisst bereits, wie oft die Elemente ins wirkliche Leben der Menschen einbezogen werden. Nicht selten hat die Lehre auf die Wirkung physischer Manifestationen auf den menschlichen Organismus hingewiesen. Energie schafft die Koordination zwischen den Elementen und der Spannung des menschlichen Organismus. Wille wird aus Erfahrung und der Aufmerksamkeit gegenüber den Phänomenen des Seins geboren. So vermag unüberwindliches Karma der menschlichen Einwirkung zu unterliegen.

 

       128. (…) Wir führen Gespräche über die Zukunft, wobei es möglich ist, die entferntesten Vorstellungen vorzubringen und sie durch Tatsachen und Analogien zu bekräftigen. Solch ein Spiel von Vorausschau ist die beste Entspannung. Es weckt schlummernde Zentren und gebiert neue Gedanken. Unsere Lehre entspringt der Erfahrung und der Vorausschau. Darum ratet euren Freunden, über die Zukunft nachzudenken. Es ist unnütz, Betrachtungen darüber anzustellen, ob der gegenwärtige Augenblick erfolgreich ist oder nicht. Nur wenn wir die Tatsache in die Zukunft verlegen, ermitteln wir ihren Wert. So wird die Wirklichkeit der Zukunft geformt.

       Wir sind Feinde grundloser Phantasien, aber Wir begrüßen jede zielstrebige Vorausschau. Wenn Elemente des Aufbaus ermittelt werden können und der Wille sie zu schweißen vermag, dann mag man auf der Verwirklichung des Planes bestehen. Die Untauglichkeit oder Gebrechlichkeit des Aufbaus liegt in uns. Der Schrecken der Zerstörung entspringt der mangelnden Entsprechung zwischen Bewusstsein und Verstand. Die Logik des Verstandes vermag die Grundlagen zu unterminieren, während das Bewusstsein bereits einen Sieg ausruft.

[Russisches Original. Seite 67.]


Wenn das Erfassen der Augenscheinlichkeit im rechten Verhältnis zum Bewusstsein der Wirklichkeit verstanden wird, dann wird Entschlossenheit unanfechtbar. Denkt so über die Zukunft nach.

       Daher errichtet Mauern des Wissens inmitten der Wüste. Ihr wisst, dass jeder Stein dieser Mauern unbedingt nützlich ist. Der Grad solcher Unbedingtheit wird die Angriffe der Feinde des Wissens aufhalten.

       Schätzt jede Stunde, in der ihr die Zukunft erbaut. Die größte Stärke der Menschheit wird in Vorausschau geboren. Woher kommt Mut? Woher Streben? Woher Sieg? (…)

 

       129. Verrat muss vorausgesehen werden. Jedes Anzeichen von Verrat muss aufgedeckt werden. Wenn Furcht vielfarbig ist, so ist Verrat noch vielfarbiger. Lasst uns wachsam sein!

 

       130. Sagt ihm: „Es ziemt sich, selbst im größten Tumult und in Aufruhr die Ruhe des Geistes zu bewahren.“

       Er wird erwidern: „Eure Wahrheit ist nicht neu. Warum soll ich die Ruhe bewahren, wenn mein Körper vor Anspannung erbebt?“

       Antwortet ihm: „Dies ist das Gesetz der Vervollkommnung.“

       Er wird erwidern: „Selbst das ist nicht neu. Worin bestehen die Vorteile der Vervollkommnung?“

       Darauf werdet ihr antworten: „Das Bewahren von Ruhe führt zur Beherrschung der verschiedenen Zustände des Körpers.

       Ein Geist, der nicht bestrebt ist, sich zu entwickeln, gerät beim Körperwechsel in einen Zustand von Gleichgültigkeit und irrt umher, gequält von unbewussten Erinnerungen. Dabei versenken ihn die niederen körperlichen Erinnerungen in einen Zustand ohne jeden Schimmer von Licht.

       Es ist wesentlich, während des Körperwechsels einen Zustand

[Russisches Original. Seite 68.]


von Gleichgültigkeit zu vermeiden. Vervollkommnung im Streben wird während des Übergangs von Körper zu Körper Ruhe verleihen. Die Eigenschaft eines Archaten wird jener erlangen, der den Strom des Bewusstseins nicht unterbricht und ständig in die Zukunft strebt“.

       Sagt euren Zuhörern, dass man das ewige Amrita* der geistigen Vervollkommnung nur durch Erfahrung vorbereiten kann. Könnte jemand, der ein dringliches Experiment leitet, dabei einschlafen? So werden auch Wir, mit wachem Bewusstsein, die Leben zu einer unzerreißbaren Halskette vereinen. Manchem wird dieser Rat wie eine Abstraktion erscheinen; aber Wir kennen die ganze praktische Wirklichkeit der Vervollkommnung.

       Nun muss eine weitere Eigenschaft des Archaten erkannt werden. Man muss wissen, wie man durch gewisse Lebensperioden unbemerkt für die Augen anderer hindurchschreitet. Pfeile übermäßiger Aufmerksamkeit zerstören das purpurne Sperrnetz. Dieses Experiment wird vielleicht bald auf einem Bildschirm gezeigt werden können. Wir zögern nicht, den bis vor kurzem unerfassten Begriff „Archat“ neben das wissenschaftliche Experiment zu stellen. So kann man eine Brücke zu den fernen Welten schlagen und dort Leben entdecken, wo eine Art von Tod vermutet wird.

 

       131. Physische und chemische Erscheinungen in Verbindung mit anderen Manifestationen der feinsten Energien stellen einen mächtigen Faktor der Einwirkung auf die Menschheit dar. Wenn der Chemismus des Strahles eines fernen Planeten auf den menschlichen Organismus bedrückend wirkt, dann werden die nächstliegenden Konstellationen der Ausstrahlungen unserer Erde unter dem Einfluss der zahllosen Kräfte der kosmischen Formationen zum Hebel

[Russisches Original. Seite 69.]


der Bestrebungen der Menschheit. Die Gesetze der menschlichen Perturbationen können nicht durch eine logische Einteilung der Elemente der Augenscheinlichkeit aufgestellt werden.

       Wie kann man also ohne Studium aller umgebenden Prozesse die Verflechtungen des Denkapparates enträtseln? Irgendwo flammten rosafarbene Strahlen auf, und ein vorbereiteter Aufstand einer ganzen Nation brach zusammen. Irgendwo änderten sich die Gezeiten des Meeres, und die Auswirkungen zeigten sich im Welthandel. Dies sind rohe, offensichtliche Beispiele, aber wie viele feinste Ursachen und Wirkungen füllen den Raum und durchfurchen die Schichten der Menschheit!

       Ihr, die ihr die Geschicke der Völker entscheidet, geht in die Laboratorien, steigt empor zu den Observatorien, und wenngleich ihr die Analogie mit sozialen Problemen nicht sofort entdecken könnt, wird ein forschender Intellekt die Komplexität des Apparates der Wirklichkeit erfassen. Er wird erkennen, dass das Schicksal der menschlichen Evolution von kosmischen Prozessen nicht getrennt werden kann. Daher wird wahres, vorurteilsloses Wissen der sichere Führer in die Zukunft sein. Wer die Wissenschaft der menschlichen Gesellschaft von den Weltprozessen trennen will, schneidet seine eigenen Beine ab und verurteilt sich zum Leben eines Krüppels.

 

       132. Eigendünkel und Misstrauen sind fürchterliche Krankheiten. Ersterer lässt Stumpfheit und Unwissenheit entstehen, aus letzterem entspringen Lüge und Verrat. Man muss die Beweggründe der Mitarbeiter einfühlend untersuchen. Der Schild beschützt jene, die mit aufrichtiger Erleuchtung die Windungen der Finsteren zudecken.

       Nicht der zufriedene Tor der volkstümlichen Märchen,

[Russisches Original. Seite 70.]


sondern der Kämpfer, wachsam und vorausschauend – das ist das Bild der gegenwärtigen Zeit.

 

       133. Ihr mögt fragen: „Wie viele Wissensgebiete kann der Mensch fassen, um die Sorge des Stillstands zu vermeiden?“ Sicherlich würde eine Triade von Bereichen den Gedankenstrom nicht belasten. Die Ethik als Grundlage des Seins, der Bereich früherer Existenzen und einige Beobachtungen an den Elementen der sichtbaren Natur könnten eine Triade bilden, die nicht ermüdet und das Bewusstsein reinigt.

 

       134. Wieso vermag Unsere Gemeinschaft Gereiztheit leicht zu vermeiden? Wir werden die Eigenschaft des Bewusstseins nicht überschätzen; aber noch bleibt die Fülle der Arbeit die Grundlage. Arbeit und die Nutzbarmachung von Prana bergen das Geheimnis der Möglichkeiten einer geeinten Gruppe. Solch eine Zusammenarbeit ist möglich, und Unsere Anhänger dürfen sich nicht an den verschiedenen Charakteren der Mitarbeiter stoßen. Eine Fülle von Arbeit und die Nutzung der Natur werden die richtige Einstellung zum Hort der Arbeit bieten.

 

       135. Man kann sich freuen, wenn die Fristen großer Ereignisse vorbeifließen. Keine Zerstörung kann das Bewusstsein der Wirklichkeit wachsender neuer kosmischer Konstellationen verhindern. Solche Konstellationen müssen uns mit Freude erfüllen. Wenn wir sie erkennen, so bedeutet das, dass wir an ihnen teilhaben. Und selbst eine teilweise, jedoch bewusste Mitwirkung am kosmischen Prozess ist bereits ein großer Sieg des Geistes. Das Streben zu den fernen Welten stellt

[Russisches Original. Seite 71.]


die natürliche Richtung des menschlichen Geistes dar, der sich seiner interplanetaren Erfahrungen erinnert.

       Es ist wesentlich, die Menschheit auf den Pfad zu den fernen Welten zu lenken. Diese Richtung kann sie — ungeachtet allen Spotts der Unwissenheit — zur wahren Wirklichkeit führen. Die Manifestation der fernen Welten wird das Leben auf der planetaren Kruste verwandeln. Die uns bestimmte Realität führt zum Rückgang des Stillstandes durch kleinliche Gedanken.

 

       136. Oft vertrauen sich die Menschen einem feurigen Ross an, obgleich eine unscheinbare Mücke das Tier in Wut geraten lassen kann. Oft versuchen die Menschen, in einem brüchigen Kahn zu fahren, obwohl jeder Stein eine Gefahr bedeutet. Oft sitzen die Leute unter dem Gebälk eines Hauses, das bei dem geringstem Erbeben des Bodens zusammenstürzen kann. All dies ist natürlich bekannt; nichtsdestoweniger versuchen die Menschen, der Gefahr zu entgehen, als ob Gefahr nicht ein Begleiter des inkarnierten Seins wäre. Die Menschen nennen es Glück, wenn sie über einen Abgrund schreiten, den sie nicht bemerken. Doch ist der Blick genügend geschult, wird der Wanderer des Lebens jede kosmische Unregelmäßigkeit bemerken. Er wird von der scheinbaren Ungangbarkeit des Pfades schmerzlich berührt sein.

       Doch was wird ihm den Mut und die Kraft verleihen, alle Klüfte der zerfallenden Festung zu überqueren? Wahrlich, nur das Bewusstsein, dass diese Stunde des Übergangs in Beziehung zur Zukunft steht, die unvermeidlich geschaffen werden muss.

 

       137.[28] Die Menschen wollen Gruppentätigkeit — welche die Kräfte vervielfacht — nicht begreifen. Der Dodekaeder

[Russisches Original. Seite 72.]


ist eine der vollkommensten Formungen; solch eine dynamische Form vermag vielen Angriffen zu widerstehen. Eine Gruppe von zwölf zielbewusst verbundenen Menschen vermag selbst kosmische Ereignisse zu meistern. Man muss auch verstehen, dass die Erweiterung einer solchen Gruppe sie zu schwächen vermag, weil die dynamische Kraft ihrer Struktur gestört wird. So könnt ihr beobachten, dass Wir Formationen von kleinen Gruppen bilden.

       Gewiss, verschiedene karmische Bedingungen können unterschiedliche karmische Elemente anziehen. Man kann sie nicht mit Gewalt ausstoßen, aber man kann sie rasch ausschließen. Aufgabe jedes fortgeschrittenen Teilnehmers an der Gruppe ist es, zu erkennen, wer die ungebetenen Gäste sind, und alle Willenskraft aufzubieten, um die alten Rechnungen des Lebens zu begleichen.

       Manchmal sind es sogar keine üblen Beweggründe, die eine würdige Person zu unwürdigen Elementen ziehen — eine Art Überladen des Schiffes mit ungeeigneter Fracht. Doch der Steuermann muss die Qualität der Fracht erkennen und das Untaugliche wegwerfen.

       Vermeidet besonders Versprechungen: diese Versprechungen kleben wie Muscheln am Schiff. Erkennt die Verdienste des Würdigen, doch belastet ihn nicht mit Versprechungen. Eine einige Gruppe muss frei sein von gegenseitigen Versprechungen. Allein das Bewusstsein des künftigen Aufbaus wird die ganze Verwandtschaft sein. Ich spreche nicht von magischen Zirkeln, sondern von der Einwirkung wirklicher Gruppen.

 

       138. Mit Recht lehnt ihr euch dagegen auf, im Leben Schmutz auszustreuen. Wahrlich, Tiere verhalten sich sauberer, weil ihre Vorstellung unbefleckt ist. Ohne Furcht

[Russisches Original. Seite 73.]


muss man die gemeine Gewohnheit, der Jugend Sand in die Augen zu streuen, ausrotten.

 

       139. Das Feuer von Brahmavidya[29] ist nur in den Augen wahrzunehmen. Das Wort enthält es nicht. Die Schrift kann es nicht enthalten, denn seine Flamme ist in jenem Gedanken enthalten, der in der körperlichen Hülle keinen Ausdruck findet. Nur der Spiegel des Auges strahlt die Funken des höchsten Gedankens aus. Solche Augen erkennen die Funken kosmischer Strahlen, welche die grobe Sicht einfach das Licht der Sonne nennt.

       Um mit bloßem Auge den kosmischen Strahl in Funken des Fohat* zu zerlegen, ist das Feuer von Brahmavidya erforderlich.

       Das menschliche Wort ist machtlos im Ausdruck der Natur von Brahmavidya. Man vermag teilweise mit geistigem Sehen einzudringen und das Zerlegen des Strahls mit geschlossenen Augen zu schauen. Doch das Wachsen des Feuers von Brahmavidya verleiht die Fähigkeit, die die Strahlen zusammensetzenden Teile mit offenen Augen zu sehen, die für den mechanischen Apparat nicht wahrnehmbar sind. Diese Fähigkeit reicht bereits in den Bereich des Verkehrs mit den fernen Welten. Sie kommt unerwartet, wie jede Erleuchtung des Bewusstseins; ihre Entwicklung kann nicht erzwungen werden, doch sie zeigt sich in dem Augenblick, wo der Organismus die entsprechende Feinfühligkeit erlangt hat. Der Lehrer kann diese Möglichkeit nicht erzwingen, doch Er freut sich, wenn diese Sehkraft aus der Finsternis ins Licht gerückt wird.

       Dasselbe vollzieht sich mit Tönen aus den fernen Welten. Zuerst klingen sie unleugbar in den Tiefen des Bewusstseins, und dann fliegen sie unerwartet in das offene,

[Russisches Original. Seite 74.]


frohlockende Ohr. Jene, denen Erleuchtung unbegreiflich ist, werden nicht verstehen, wovon Ich spreche.

 

       140. Am abscheulichsten sind jene Menschen, die nicht glauben können und die Macht des Vertrauens nicht kennen — vorübergehende Schatten.

 

       141. Wir lassen Unsere Mitbrüder nicht im Stich. Wir erwägen erfolgreiche Möglichkeiten und stellen sie dem Augenscheinlichen gegenüber. Ein Sämann vermag sein Feld zu wechseln, ohne seine Nützlichkeit zu verlieren. So können auch Unsere Mitbrüder ihr Arbeitsfeld wechseln, wenn sie wissen, dass die Nahestehenden ihr schöpferisches Werk und geistiges Streben wachsam verfolgen. Bei echter Zusammenarbeit muss jeder Mitbruder wissen, dass für ihn die besten Möglichkeiten gewählt werden. Dieses Wissen muss ihm in allen Schwierigkeiten Halt bieten. Das ist die Verpflichtung der Gemeinschaft.

       Kann der Inkarnierte von sich aus wissen, wann er etwas begann oder vollendete? Es ist unmöglich, im physischen Körper alles über sich zu wissen. Viele Leben weben ein Band des Bewusstseins, und man sollte es den treuen Mitbrüdern überlassen, die Stunde zu verkünden, in welcher der Lotus sich öffnen wird. Sie können über die aufgebotene Zielstrebigkeit urteilen; denn in diesem Willen und in der Tiefe des Vertrauens liegt einer der Siege über Karma.

 

       142. Lasst uns ein Beispiel aus der Tierwelt anführen. Wenn von ein und demselben Blut genährte Organismen sich trennen, erweckt dieser Prozess immer ein Gefühl der Unvollkommenheit. Der Wurf winziger blinder Neugeborener wendet sich so unbewusst an die Kräfte der Natur, dass nur Mitleid von ihnen Notiz nimmt.

[Russisches Original. Seite 75.]


Aber die Zeit vergeht, und sie werden ein kraftvolles Rudel. Freilich kämpfen sie miteinander, aber den Feind greifen sie vereint an. Trotz anfänglicher Nichtigkeit ist eine neue Kraft geschaffen worden.

       Nehmen wir das Beispiel eines Aufbaus. Um ein neues Haus zu errichten, wird das alte Gebäude abgerissen. Jeder aus dem alten Nest entfernte Stein, jeder Balken schreit auf gegen die Ungerechtigkeit dieser Tat. Aber die Zerlegung erfolgte, und neue Energie flammte auf. Kali[30], die Zerstörerin, ist die Mutter-Schöpferin geworden. Aus den Bruchstücken wird ein neuer Bau errichtet. Neue Energie überflutet den Raum. An Hand solch einfacher Beispiele sollte man daran denken, dass Energieerneuerung notwendig ist.

       Wird Uns von einer Form berichtet, die für ein Jahrtausend unverändert bestehen bleibt, werden Wir vornehmlich die Unbeweglichkeit der Energiespirale bedauern, die eine solche Erfindung umgibt. Deshalb wird eine große Tat stets Unsere Freude sein. Wir nennen Zerstörung Schöpfung, wenn ihr das Bewusstsein der Zukunft zugrunde liegt. Das Schaffen eines Energiestromes stellt den Anfang des Verstehens kosmischer Ereignisse dar. Darum denkt an Bewegung in Gedanken und in Taten. Alle haben vom Kommen der Neuen Ära gehört. Kann das Neue durch Untätigkeit eintreten?

       Man mag lieber einen neugeborenen blinden Hund begrüßen als einen alten nachsprechenden Papagei. Vergleicht die Ströme der der Menschheit gegebenen Lehren

[Russisches Original. Seite 76.]


des Lebens. Jede erschließt — ohne die vorhergehende anzugreifen — neue Tore des Wissens. Die Lebenstätigkeit ist jeder gegebenen Lehre eingeprägt. Daher sollten die Lehren nicht studiert werden, um sie kennenzulernen, sondern um sie im Leben anzuwenden. Nur auf diese Weise erzeugt ihr den Energiestrom.

 

       143. Wir kennen die Bildung ganzer Reiche durch die Bewahrung der Beweglichkeit eines Planes. Die Belagerer des Bollwerks zogen sich zur Wiedergewinnung der Kräfte zeitweilig zurück. Und später wurde ihr Lager eine drohende Festung, die allein durch ihren Anblick das scheinbar uneinnehmbare Bollwerk erdrückte. Mit unvernünftigem Gebrauch einseitiger Energie wäre die ganze Armee vernichtet worden, doch die Einführung eines neuen Tätigkeitsstromes schuf ein neues Bollwerk.

       Das Erschaffen der Festung des Wissens bedeutet Sieg.

 

       144. Ein mit Geistigkeit bis zum Rande gefülltes Gefäß nennen Wir jene Menschen, die auf Grund der Erfahrung früherer Leben und entschlossen zu einer Heldentat ihr Bewusstsein erweitern und dabei in das Verstehen der Grundlagen der Evolution eindringen. Sollte diese Definition jemandem unwissenschaftlich erscheinen, könnte man einen Glaubenskämpfer eine Leydener Flasche[31] nennen? Gerade auf diese Weise wird die äußere Energie gesammelt, und zur gegebenen Zeit erfolgt die Entladung. Schwer zu ertragen ist die Spannung, wenn das Potential bereit und die Zeit noch nicht gekommen ist. Es ist deshalb schwierig, weil der feinfühlige Apparat besonders gefährliche Teilchen der Urmaterie aufnimmt.

       Wie bekannt, dringt die Urmaterie — Materia Matrix — wegen des Wirbels der infizierten niederen Schichten nicht

[Russisches Original. Seite 77.]


in die Erdsphäre ein. Aber das so genannte Fohat, das die granulierte* Urmaterie darstellt, kann die Erdoberfläche in Form von Funken erreichen und auch von manchem Auge wahrgenommen werden, wenn ein Sonnenstrahl den chemischen planetaren Strahl kreuzt und die Funken entsprechend der chemischen Zusammensetzung des Strahls färbt.

       Außer von Fohat wird die Erdoberfläche vom Ausfluss strahlender Materie — Materia Lucida* — erreicht. Bei einer bestimmten Sehfähigkeit wird sie als strahlende Strömungen und Flecken im Raum wahrnehmbar sein. Diese chemischen Erscheinungen mögen für eine Besonderheit des Sehens oder gar für fehlerhaftes Sehen gehalten werden. Doch Wissen wird die tiefe Bedeutung enthüllen, die sie für den Organismus haben.

       Einerseits üben die bewusst gewordenen Funken von Fohat und die Strömungen von Materia Lucida eine wohltätige Wirkung aus, da sie den Geist mit dem Bewusstsein der Notwendigkeit der Evolution erfüllen; andererseits versengen sie und können einen Zentrenbrand auslösen, da sie Teile des feurigen Elementes sind. Die Erscheinungen des feurigen Elementes können mit der intensivsten Farbe der Elektrizität verglichen werden. Doch während die Lichtskala der Elektrizität begrenzt ist, übersteigt die Mannigfaltigkeit der chemischen Lichtfunken von Fohat jede Vorstellung. Die verschiedenen Lichterscheinungen von Fohat gleichen kostbaren Kristallen. Die psychische Energie nährend, bahnt Fohat den Weg zu den fernen Welten. Materia Lucida hingegen webt die Festigung

[Russisches Original. Seite 78.]


des Bewusstseins. Das eine stärkt, das andere zwingt in die unbegrenzte Weite der Vervollkommnung. Dies sind die wundervollen Gaben des großen Aum!

 

       145. Zuerst wurden euch die Gesetze der groben Materie gezeigt. Ihr nahmt an Erhebungen in die Lüfte[32] sowie an Experimenten der Materialisation und der Übermittlung von Gegenständen teil. Dies wurde nicht als Attraktion vorgeführt, sondern zum Zweck ernsten Wissens. Danach wurde euch die astrale Welt gezeigt, doch nicht, um in ihr unterzutauchen. Durch Erweiterung des Bewusstseins habt ihr die Fähigkeit erlangt, Auren und Bildnisse früherer Inkarnationen kennenzulernen. Mit der halbmateriellen Welt endend, gingen wir über zum kosmischen Hellsehen und Hellhören. Durch Benutzung der geöffneten Zentren von Schwester Urusvati* konnten Strahlen mit verschiedenen Eigenschaften und der Aufbau feinster Substanzen gezeigt werden. So näherten wir uns dem Bewusstsein der fernen Welten, das dem Element Feuer nahesteht und darum gefährlich ist. Dazu war ein Kälteeinfluss erforderlich; die Ergebnisse waren glänzend. Ohne besonderen Schock für den Organismus war es möglich, die Kristallbildung von Fohat zu zeigen, mit anderen Worten, das so genannte prismatische Sehen[33] zu erlangen.

       Warum ist es wichtig, die Erscheinung von Fohat zu fühlen? Die Kristallbildung dieser feinsten Energie ist im Fundament kosmischer Verdichtungen eingelagert. Dies bedeutet, dass gerade Fohat der Vater sein wird, der den Impuls zur Bildung neuer Körper im Raum gibt.

       Wer das Wissen der fernen Welten erlangt, wird die Kraft und Schönheit der Kristalle

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von Fohat wahrnehmen. Dies ist ein schwieriges Experiment, und Wir freuen Uns für Urusvati, weil der physische Körper selten die feinsten Energien aufnimmt.

 

       146. Jede falsche Beschuldigung, Verdächtigung oder Behauptung belastet sofort den Sendenden. Es ist töricht, zu hoffen, dass die Folgen der Lüge abgewendet oder verborgen werden können. Gerade diese Folgen wurzeln sich im Karma wie Verheißungen ein, die unvermeidlich ausgelebt werden müssen.

 

       147. Man sollte den Unterschied zwischen Erwarten und Streben genau kennen. Im Erwarten gibt es immer eine Stunde der Bewegungslosigkeit, während Streben stets ein Flug in die Zukunft ist. Solchen Unterschied kann nur verstehen, wer sich mit dem Verlauf seines derzeitigen Lebens nicht zufrieden gibt und an den ununterbrochenen Strom von Existenzen auf anderen Planeten denkt.

 

       148. Lasst uns den Gegensatz zwischen der irdischen Weisheit und der Weisheit der fernen Welten betrachten. Gewiss, wenn der Geist seit langem nach der Vollkommenheit der fernen Welten strebt, dann wird das irdische Leben nur ein Sammeln von Bruchstücken sein.

       Alle Experimente in den Bereichen der feinsten Energien mögen sich in den Stunden vollziehen, in denen man sich leicht von der Erde lösen kann. Dies bildet ein unwiderstehliches Streben nach der Weisheit der fernen Welten. Jedwedes irdische Gefühl erscheint nichtig, verglichen mit diesem Flug ins Unbegrenzte. Doch manchmal müssen wir die Pfeiler der irdischen Weisheit stärken. Wir erfreuen uns der Weisheit der fernen Welten, doch sollten wir die irdische Weisheit nicht vergessen.

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       149. Heute hörtet ihr die Sphärenmusik, jenes Tempo, welches das Bewusstsein der Evolution festigt. Nicht die Melodie, sondern der Rhythmus ist das Wesentliche an der Sphärenmusik. Es ist tatsächlich der Reinheitsgrad der Töne, der die interplanetare Leitung bestimmt. Diese Töne werden in vielen fernen Welten gehört, aber auf Erden können sie nur in großen Höhen wahrgenommen werden, und außerdem muss man ein musikalisches Gehör haben. Aber das Ohr, das die Sphärenmusik vernahm, muss vor Wind geschützt werden.

 

       150. Jeder, der nur ein einziges Mal seine Arbeit für Uns bereut hat, errichtet eine unüberwindliche Schranke zwischen sich und Uns.

 

       151. Gewiss, das Brennstoffproblem in Asien muss gelöst werden. Mineralischer Brennstoff muss geschickt angewendet werden. Ebenso muss das Anpflanzen von Bäumen gefördert werden. Doch seit Jahrhunderten wird das Gehirn Asiens mit Blausäure vergiftet. Selbst auf den Höhen gibt es Lager von Brennstoffen. Nachdem die Leute ihren Verstand verloren haben, sind sie Faulenzer geworden.

       Ich verbürge Mich für Gesundheit, wo immer Prana bewusst gehütet wird. Die Erscheinung der Evolution sollte untrennbar mit der Verbesserung des menschlichen Lebens verbunden sein.

       Das Knurren von Hunden kann der Symphonie Rhythmus verleihen. Die Stille des Friedhofs ist oft schrecklicher als das Pfeifen des Windes.

 

       152. Je vollkommener der Geist, desto untrüglicher erkennt er das tiefe Leid des irdischen Lebens. Und dennoch spreche Ich wiederholt über Freude. Solche Freude ruht in der Erkenntnis der fernen Welten. Nehmen wir ein einfaches Beispiel. Euer Wagen

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eilt durch die dunkle Nacht heimwärts. Der strömende Regen müsste euch eigentlich mutlos machen, aber dennoch frohlockt euer Geist vor Freude. Woher kommt sie? Nur von dem Bewusstsein, dass euer Heim nahe ist und selbst die Dunkelheit euch nicht daran hindert, die Nähe der eurem Herzen Nahestehenden wahrzunehmen. Was kann das Elend des irdischen Lebens bedeuten, wenn die fernen Welten für uns Wirklichkeit geworden sind!

       Beeilt euch, den Pfad zu den fernen Welten zu erkennen. Nur dieses erweiterte Verstehen des Lebens wird eurem Geist die Grundlage des Pfades der Freude gewähren. Was sollte einen sonst freuen — etwa die Unvermeidlichkeit der Wiedergeburt? Ohne Vorstellung der Zukunft sind Wiederverkörperungen nur bedeutungslose Fragmente aus dem Buch des Lebens. In der Tat, der tierische Verstand benötigt die Wahrnehmung der Zukunft nicht, doch den Menschen treibt der Erkenntniswille, den Wechsel der Leben zu verstehen. Mit solchem Denken erlangt der Mensch das Recht auf Freude, und durch Bestrebung kann er der Zusammenarbeit mit den fernen Welten näher kommen.

       Nicht durch Astronomie, sondern im täglichen Leben wird der Mensch die Reichtümer seines Lebens vermehren und die Angemessenheit vieler alltäglicher Erscheinungen vergleichen.

 

       153. Wer die Fundamente der Evolution erkannt hat, ist verpflichtet, sein Wissen einer gewissen Anzahl von Menschen zu übermitteln. Dabei unterliegt der größere wie der geringere Verkünder demselben Gesetz: Er muss sein Wissen weitergeben, ohne die Freiheit anderer zu verletzen. Die Grundgesetze der Evolution können nur freiwillig erkannt werden und im Leben nur durch Bestrebung des sich erhebenden Geistes Anwendung finden.

       Für

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den Umschwung der Evolution muss das ganze Leben umgestaltet werden. Das ist für den unerreichbar, der nicht bereit ist, sich der Erde im Geist darzubringen; dabei ist dieses Geschenk für die Beendigung des irdischen Pfades von Bedeutung. Aus den ältesten Testamenten des Vedanta[34] wissen Wir von diesem befreienden Prinzip. Jedoch vor der Erneuerung der Evolution ist es Unsere Aufgabe, auf diese treibende Kraft immer wieder hinzuweisen.

 

       154. Ihr habt oft nach jenen Geistern gefragt, die wegen der fernen Welten die Erde verließen. Doch die blasse Färbung unseres Planeten wahrnehmend, wurde euch das zielbewusste Streben für den Übergang dorthin verständlich, wo es die schöne Wirklichkeit gibt. Bei vollem Verständnis für die Grundlagen der Evolution muss man die irdischen Pflichten erfüllen. Darin besteht die höchste Zusammenarbeit mit der Menschheit. Doch bedenkt, keine Glaskuppel kann das Wachsen der Zweige einer Eiche hindern.

       Mögen alle, die fähig sind, aufsteigen zu den Höhen!

 

       155. Dem Mittelhirn muss Aufmerksamkeit geschenkt werden. Gerade auf seiner Entwicklung beruht die Errungenschaft des Yoga mitten im Leben. Die angesammelten Lebenserscheinungen beweisen, wie weit der Yoga des Lebens dem künstlichen, wirklichkeitsfremden Aufstieg überlegen ist.

 

       156. Der Rhythmus der Wahrheit ist wie eine unbesiegbare Festung. Nicht eine Menge Worte, sondern ein rhythmischer Klang hat entscheidende Bedeutung. Warum mit Worten zu erobern suchen, wenn der Blitz des Rhythmus die schädlichsten Wesen vertreiben kann? Wozu weitschweifige Briefe zusammenstellen, wenn der Gedanke das Bewusstsein augenblicklich durchdringt? Allerdings ist die Lehre über den Gedanken und über die Einwirkung des Willens von den Menschen bereits entstellt worden. Sie glaubten,

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die Unfähigkeit des Willens und des Denkens durch mechanisches Handeln ersetzen zu müssen. Lächerlich sind künstliche Einschläferungen und all das Spielzeug glitzernder Gegenstände. Selbst das Kreuzen des Blickes[35] ist nicht nötig. Doch wer den wahren Yoga im Leben erkennt, weiß, dass der Blitz der Wahrheit einschlägt und zum Leben erweckt.

       Wenn Wir von der Notwendigkeit der Ehrlichkeit sprechen, denken Wir nicht an untaugliche Menschen. Wir verweisen auf den geraden Weg vollkommener Wahrheit, bar des persönlichen Prinzips. Diese Möglichkeit kann durch Gefühlswissen erkannt werden. Die im Zentrum des „Kelches“ aufgespeicherte Erfahrung verleiht unbezweifelbares Wissen. Das „Kelchzentrum“ befindet sich nahe dem Blutreservoir, denn Blut ist das Durchschreiten des Erdenweges.

       Also ist die Wahrheit keine relative Abstraktion; sie ist die auf unmittelbarer Erfahrung beruhende Erkenntnis der kosmischen Gesetze. Unser Buchhalter kann sich daher in den Zahlen irren, ohne unehrlich zu werden, aber ein ganz akkurater Heuchler wird keine Kraft erlangen, um Einfluss auszuüben.

       Es ist richtig, Einweihungen, Meditation und Konzentration als veraltete Begriffe anzusehen, denn diese Begriffe müssen in Taten zum Ausdruck kommen. Die ganze künstliche Magie muss in Vergessenheit geraten.

 

       157. Die Umnachtung der Menschen nimmt zu. Die feurige Blume ist nicht über die ganze Weite des Planeten sichtbar.

 

       158. Gewöhnlich meinen die Menschen, sich durch viele Methoden vervollkommnen zu können.

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Diese Vielzahl von Luftspiegelungen schläfert ein armseliges Denken ein. Doch der Menschheit stehen nur zwei Wege offen: entweder weise und eifrig nach der Erkenntnis von Aum zu suchen oder wie ein Klotz in einem Sarg zu liegen und als selbstverständlich anzunehmen, dass jemand oder etwas sich um das Schicksal des Krämergeistes kümmern werde.

       Das echte Streben nach Erkenntnis höchster Möglichkeiten sollte, als die wesentlichste und anziehendste Beschäftigung, den größeren Teil des menschlichen Lebens ausfüllen. Doch das Licht des Wissens ist durch herkömmliche Religionsdogmen ersetzt worden, und der Denker Mensch verehrt den dunklen Winkel, sich mit Amuletten behängend, ohne auch nur das Symbol des Bildnisses zu verstehen. Wiederholt das allen, die in der Finsternis der Herkömmlichkeit schlafen.

       Es gibt keine halben Maßnahmen; es gibt entweder Streben oder Todesstarre. Darüber hinaus ist Streben mit der Freude kosmischen Bewusstseins erfüllt, und Todesstarre ist voller Schrecken.

       Die Regierungen, die sich bemühen, unter der Maske herkömmlichen Erfolgs Denkarmut zu verbergen, übernehmen die Rolle von Totengräbern. Daher ist es notwendig, die junge Generation auf das Herankommen des Yogas des Lebens aufmerksam zu machen.

       Alle vorhergehenden Yogasysteme, die aus den höchsten Quellen stammen, hatten eine bestimmte Eigenschaft des Lebens zur Grundlage. Und jetzt, beim Anbruch des Zeitalters Maitreyas, ist ein Yoga erforderlich, der das Wesen des ganzen Lebens beinhaltet, allumfassend, nichts umgehend, wie die feuergefeiten Jünglinge in der biblischen Legende[36], die sich mutig

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in der feurigen Esse opferten und dadurch Macht errungen haben.

       Ihr könnt Mir einen Namen für den Yoga des Lebens vorschlagen! Aber der genaueste Name wird Agni Yoga sein. Es ist das Element Feuer, das diesem Yoga der Selbstaufopferung seinen Namen verleiht. Während man in anderen Yogasystemen die Gefahren durch Übung verkleinert, wachsen sie beim feurigen Yoga, weil Feuer als ein allverbindendes Element überall in Erscheinung tritt und dadurch die Erkenntnis der feinsten Energien zulässt. Das Feuer wird nicht vom Leben wegführen. Es wird wie ein vertrauensvoller Führer in die fernen Welten wirken. Denn was sättigt den unermesslichen Raum?

       So lasst uns lächelnd über das feurige Leben nachdenken.

 

       159. Warum wird der Yoga als feurig bezeichnet? Die Offenbarung der Kraft gestaltet das ungestüme Leben sinnvoller und bringt jede schale Erscheinung zum Erlöschen. Das Hervortreten von Feuer lässt die Materie leuchtend werden; anders gesagt: wo Feuer ist, dort ist das Zeichen fortschreitender Vervollkommnung.

       Wir kennen Beispiele, wo eine in Anspannung befindliche Aura das Feuer des Raumes hervorrief und sich mit einer besonderen Lichtausstrahlung umgab. Auf diese Art vollzieht sich der physische Kontakt des Menschen mit der feinsten Energie. Und Wir schätzen es besonders, wenn jemand die höchsten Energien in den mittleren Schichten der Atmosphäre zu empfinden vermag und fühlen kann, wie die ungewöhnlichen Möglichkeiten auf den Menschen niedergehen.

       Die Abgründe der Finsternis erfordern gründliche Desinfektion. Nur Feuer wird diese abscheulichen Ausdünstungen durchdringen.

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Und wenn zu euch über die Gefahr des Elementes Feuer gesprochen wird, so antwortet, dass Gefahr die Krone der Heldentat ist.

 

       160. Können wir den Kampf auf einen einzigen Sieg beschränken? Scheinbares Missgeschick bildet die Wurzel der Stetigkeit. Erfolg gleicht bunten Blumenblättern. Aber zapft die Wurzeln an, denn sie enthalten den Saft der Macht. Ich schlage vor, Macht als den Niederschlag von Erfahrung zu erachten. Wieder sind wir im Garten des Lebens, wo Erfahrung Errungenschaft verbürgt.

 

       161. Lasst uns sehen, worin die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Agni Yoga und den anderen Yogasystemen bestehen. Karma Yoga hat viele Ähnlichkeiten mit ihm, wenn er mit den Elementen der Erde wirkt. Doch da Agni Yoga sich der Wege zur Erkenntnis der fernen Welten bemächtigt, wird der Unterschied ersichtlich. Raja Yoga, Gnana Yoga und Bhakti Yoga entfernen sich alle von der sie umgebenden Wirklichkeit und eignen sich daher nicht für die Evolution der Zukunft. Allerdings sollte ein Agni Yogi auch ein Gnani und Bhakti sein, und die Entwicklung seiner Geisteskräfte macht ihn zum Raja Yogi. Wie herrlich ist die Möglichkeit, den Aufgaben der zukünftigen Evolution zu entsprechen, ohne die bisherigen Errungenschaften des Geistes zu verwirken! Man sollte nicht mit Neuerungen prahlen, denn nur die Verbindung der Elemente bietet neue Möglichkeiten.

 

       162. Jede Gefahr birgt auch einen Vorteil. Das Kehlkopfzentrum bewirkt die Synthese. So wird das Schwert im Feuer gestählt. Gewiss, jede Flamme birgt eine Gefahr, doch die Feinheit der Wahrnehmungsfähigkeit wird durch die Flamme bestätigt. Daher wird Agni Yoga durch die Erscheinung des Feuers geschaffen, des Lebensspenders und Willensschöpfers.

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       163. Wer schwimmen will, muss furchtlos ins Wasser tauchen. Und wer beschlossen hat, Agni Yoga zu beherrschen, muss durch ihn sein ganzes Leben verwandeln. Wieso meinen die Menschen, dass sie dem Yoga nur einen Teil einer müßigen Stunde widmen und für den Rest der Zeit in unreinem Denken verharren können? Wahrlich, alle Handlungen müssen von der Reinheit feurigen Strebens durchdrungen sein. Erinnert euch, wie Ich begann, euch in das Wissen des Agni Yoga einzuführen. Ebenso führt auch ihr eure Schüler in den Bereich der Beherrschung des feurigen Yoga. Beginnt, die verschiedenen Flächen des rauen Stoffes wie Bildhauer abzutasten. So schlagen plötzlich und unentwegt Funken des Lebensfeuers aus der Oberfläche des Chaos.

       Wie das Spiel der Großen Mutter in den Spiralbahnen der fohatischen Energie Macht gewinnt, so furchtlos übermittelt den Menschen das ganze unerwartete Verständnis der Zusammenfassung des Lebens bei der Erkenntnis der Unbegrenztheit.

       Schenkt dem Eintauchen und dem Auffliegen des Geistes keine Beachtung, das mögen nur die Kurven der Spirale der Bewegung sein. Schlimmer sind dauernde Unachtsamkeit und Eigendünkel.

       Möge Agni Yoga zum Aufbau der Flamme führen, die das Ebenbild des ewigen kosmischen Werdens darstellt. Dieser zur höchsten Einheit führende Yoga legt die Verpflichtung auf, das ganze Leben in Übereinstimmung mit einer äußerlich unmerklichen Disziplin aufzubauen. Wenn diese unvermeidliche Disziplin nicht als Fessel betrachtet wird, sondern sich in die Freude der Verantwortung wandelt, können wir annehmen, dass die ersten Tore erschlossen sind. Wird die Zusammenarbeit

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mit den fernen Welten erkannt, dann öffnen sich die zweiten Tore. Und werden die Grundlagen der Evolution verstanden, fallen die Riegel von den dritten Toren. Und wird schließlich der Vorzug des verdichteten Astralkörpers erkannt, werden die vierten Tore erschlossen. Im Einklang mit diesem Aufstieg werden die Zentren des Feuers der Erkenntnis entfacht, und inmitten der Blitze feinster Energien entfaltet sich das Gefühlswissen. So hütet das Feuer der Erkenntnis und hütet die wachsende Macht!

 

       164. Die Menschen sprechen viel von der Hilfe, die von Unserer Wohnstätte ausgehen sollte. Wir wollen die Fähigkeit der Menschen untersuchen, diese Hilfe zu empfangen. Jede Person, die von Hilfe träumt, hat bereits selbstsüchtig deren Richtung und Maß bestimmt. Kann ein Elefant in einem niedrigen Keller untergebracht werden? Doch der Hilfesuchende erwägt weder das Ausmaß noch die Angemessenheit der Hilfe. In der Winterzeit müssten Lilien blühen, und in der Wüste müsste eine Quelle hervorsprudeln, sonst erscheint das Verdienst des Lehrers unbedeutend.

       Doch, Schöpfer der Wüste und Herr der Kälte, du selbst schufst deinen Durst und erschauderst vor der Kälte deines Herzens. Meine Quelle ließt du unbeachtet und wandtest dich ab von Meinen Blumen. Du hast deinen Weg mit Selbstsucht gepflastert und fandest nur Zeit, deine geliebten Sohlen vor den Dornen zu bewahren, die du selbst züchtetest. Meine Hilfe floh wie ein aufgescheuchter Vogel. Mein Bote eilt zurück und kläglich heult der weiße Lobnor. Meine Hilfe wurde abgelehnt.“

       Aber der Wanderer fährt fort, stumpfsinnig

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um Hilfe zu rufen und lenkt seine Aufmerksamkeit auf die Stätte seines künftigen Untergangs.

       Darum empfehlen Wir immer Wachsamkeit, Beweglichkeit und Vorurteilslosigkeit. Anders kann man mit der Wirklichkeit nicht Schritt halten.

 

       165. Der Pfad des Einsiedlerlebens ist nicht der Unsrige. Man muss dem Leben die Blumen der Erfahrung darbieten. Außerdem, wer würde für sich die leichte Aufgabe einer sorglosen Existenz wählen? Wer würde während der Schlacht die Rolle eines Zuschauers übernehmen? Von nun an gibt es weder Zuschauer noch Schläfer, denn die Flamme ist an der Schwelle.

 

       166. Jeder ist auf eine Yogaart ausgerichtet, sei es auch nur auf einer rudimentären Stufe oder in einer verzerrten Form. Die Menschen können den Elementen entsprechend unterschieden und sogar nach Yogaarten eingeteilt werden. Nicht selten erkennt man in einem Frömmler die Entstellung des Bhakti Yoga, in einem unerträglichen Athleten den Hatha Yoga, in einem Glaubenseiferer den Raja Yoga und in einem Heuchler den Gnana Yoga. Doch was übertrifft den Beitrag des wahren Yoga, der das irdische Bewusstsein mit dem kosmischen Pulsschlag verbindet? Kann man sich etwas vorstellen, was das fundamentale Streben des verkörperten Geistes ersetzen könnte, etwas, welches das astrale Verstehen erfüllen könnte, etwas, welches das Bestehen der Menschheit rechtfertigen würde? Nur das Studium des Agni Yoga bringt den Menschen den fernen Welten näher.

       Ihr könnt Mich fragen, welche körperlichen Übungen im Agni Yoga von Nutzen sind. Ich rate zu kurzem Pranayama* am Morgen, nicht länger als fünf Minuten. Man sollte

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kein Fleisch zu sich nehmen, außer geräuchertes. Gemüse, Obst, Milch und Getreide sind immer nützlich. Ebenfalls werden alle Weine abgelehnt, außer zu Heilzwecken. Opium ist der Feind des Agni Yoga. Die Wolken am Himmel lasten auf einem Agni Yogi. Ich rate, die Schuhe durch Gummi zu isolieren und, den Rauch meidend, am Morgen spazierenzugehen. Tapfer müssen die verschiedenen Belehrungen des Lebens angenommen werden, da es sonst unmöglich ist, Gutes vom Bösen zu unterscheiden.

       Wer den wahren Yoga ins Leben überträgt, erfüllt so seine große Aufgabe. So liegt das Fundament des Agni Yoga vor uns.

 

       167. Manche mögen fragen, ob der Weg für jene, welche die Wahrheit überbringen, leicht sei. Für jenen, der sie übermittelt, ist der Pfad natürlich hart. Sein feuriger Pfad kann nicht erleichtert werden. Es ist, als senkte sich auf das Haupt des Boten der Wahrheit eine Kuppel, die die Zentren des Gehirns niederdrückte. Nur bewusster Kampf führt den Glaubenshelden zur Erfüllung seiner Aufgabe. Ihn verfolgt der Nebel des Zorns, weil er den Planeten aus seiner Absonderung herausführt.

       Kann man den furchtlos nennen, der sich selbst für furchtlos erklärt, oder den für gelehrt halten, der selbst verkündet, Wissen erworben zu haben? Wahrlich, jeder, welcher der Heldentat fähig ist, wird seine Werke weder für gut noch für schlecht erklären, sondern sie genauso ausführen, wie er muss. So ist der Weg, die Inkarnation zu vollenden, festgelegt.

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       Wird jener, der seinen Weg vollendet, ihn mühevoll nennen? Der Blick auf das Ende der Stufe erfüllt den Wanderer mit Freude, weil er weiß, wem er naht.

 

       168. Kann ein Mensch für sich allein aufsteigen oder zurückfallen? Wahrlich, kein Wesen kann ohne Einfluss auf seine Umwelt wirken. Nicht nur werden durch jede Tat die verschiedenen Schichten der Atmosphäre in Bewegung gesetzt, sondern man schleppt die einem Nahestehenden buchstäblich mit sich. Umso mehr muss der Mensch sich seiner Verantwortung dem Universum gegenüber bewusst werden. Ein Mensch, der sich in Gedanken erhebt, erweist damit manchem eine wirkliche Wohltat. Ein Mensch, der im Geiste fällt, tötet dadurch vielleicht jemanden. Jenseits bewussten Denkens fließt die ständige unbewusste Zusammenarbeit, die abhängig vom Karmagesetz und der Aura weite Kreise umfasst.

       Es ist nicht leicht zu bestimmen, wann jemand ein Mörder ist oder ein Wohltäter. Nur die Leuchten des Agni Yoga können das richtige Werk unserer chaotischen Gedanken beleuchten, doch dafür muss man sich selbstlos dem Agni Yoga weihen. Übrigens lieben nur wenige die Gefahren der Selbstaufopferung, daher ist das Gesagte jetzt nur für einige wenige verständlich. Doch man kann zahlreiche Beispiele anführen, wie ein Mensch in Asien, der dem Wahnsinn verfiel, die Ursache des Verderbs eines Menschen in Europa war; oder wie ein Mensch in Amerika, der sich im Geist erhob, dadurch einen in Ägypten heilte. Daher ist das Erblühen wohlwollender Gedanken eine feurige Blume des Geistes.

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       169. Wie Feuer das allumfassende Prinzip ist, so durchdringt Agni Yoga das ganze Leben. Man kann bemerken, wie das Bewusstsein allmählich geschärft wird, wie die wahren Werte der Umwelt in Erscheinung treten, wie die unbestrittene Zusammenarbeit der Welten zunimmt. So wird das Leben mit den Zeichen höchsten Verstehens erfüllt. Wahrheit geht als ein realer Begriff ins tägliche Leben ein.

       Nicht nur die Gefahr des Zentrenbrandes, sondern auch schmerzhafte Feinfühligkeit gegenüber Ungerechtigkeit begleiten die mutig Suchenden des Agni Yoga. Aber was bedeuten diese Gefahren im Vergleich zur Erkenntnis des wahren, befreienden Pfades!

       Man kann Agni Yoga mit dem Morgenstern vergleichen, der das Nahen des Lichts kündet.

 

       170. Bei der Zentrenentwicklung fühlt der Mensch unbegreifliche Symptome, welche die Wissenschaft aus Unwissenheit den unnatürlichsten Erkrankungen zuschreiben wird. Daher ist es an der Zeit, das Buch über die Beobachtungen der Lebensfeuer zu schreiben. Ich rate, dies nicht hinauszuschieben, da es notwendig ist, der Welt die Erscheinungen der Wirklichkeit und der Einheit des Seins zu erklären.

       Neue Verbindungen von Begriffen treten unmerklich ins Leben ein. Diese den ganzen Aufbau durchdringenden Zeichen, die nur wenigen ersichtlich sind, bilden die Grundlage des Lebens. Nur die geistig Blinden versäumen wahrzunehmen, wie das Leben mit neuen Begriffen erfüllt wird. Daher sollten die Wissenschaftler aufgerufen werden, diese Tatsache zu beleuchten.

       Arzt, versäume dies nicht!

 

       171. Ein Agni Yogi muss sich von den Herkömmlichkeiten

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aller Völker lossagen, obgleich er zeitweilig einer bestimmten Nation angehört. Der Agni Yogi vermeidet Gleichartigkeit der Beschäftigung, obwohl er auf einem Gebiet überragendes Wissen und auf einem anderen Meisterschaft besitzt. Der Agni Yogi ersetzt Blutsverwandtschaft durch geistige Verwandtschaft. Der Schild eines Agni Yogi enthält seine Hingabe für die Evolution der Welten und seine strenge Enthaltung von Vorurteilen.

 

       172. Der Yogi muss seine Atmungsorgane rein halten. Daher werden ihm heiße Milch, Baldrian und Pfefferminze verschrieben. Der Yogi muss seinen Magen und die Verdauungsorgane rein halten, wofür Süßholzsaft und alexandrinische Sennesblätter verordnet werden. Der Yogi muss seine Lunge rein halten, wofür ihm Aloe und Harz, weise angewandt, empfohlen werden. Der Yogi muss das alles durchdringende Soma* rein halten, wofür er von Moschus Gebrauch machen soll. Mit Reinheit ist auch die Lebenskraft der Drüsen gemeint.

 

       173. Der Yogi kennt keine Heuchelei. Der Yogi wird über Mitglieder der Bruderschaft nie übel reden. Solche üblen Reden bergen die Folgen des Verrats. Der Yogi weiß, bis zu welchem Grad jeder seiner Gedanken Macht über ihn besitzt. Der Yogi ist gegenüber allen Anzeichen von Evolution wohlwollend gesinnt. Der Yogi erkennt mutig das Übel des kosmischen Abfalls und beseitigt den Schmutz der Unwahrheit.

 

       174. Der Lehrer verfolgt den Fortschritt des Yogi. Das Zeichen seines Fortschritts wird die Fähigkeit sein, die Stimme des Lehrers zu vernehmen und gleichzeitig die Feinfühligkeit von Gerechtigkeit zu entwickeln.

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       175. Die Behauptungen des Yogi werden voll echter Teilnahme an der Evolution der Welten sein. Doch eine Eigenschaft zeichnet den Yogi besonders aus; er kennt keinen Tod, denn das erwachte Bewusstsein kennt keine Unterbrechung des Seins. Daher unterbricht der Yogi keinen Augenblick seinen Dienst für die Wahrheit. Wer Yoga beherrscht, steigt allmählich die Stufen zu den Welten empor. Und seine Aufgabe und sein Dienst fließen ununterbrochen. Das Bewusstsein in seinen verschiedenen Hüllen zu erhalten, macht die Heldentat des Yogi für das Leben höchst notwendig.

       Bis jetzt ist Yoga nur selten und unter besonderen Bedingungen in Erscheinung getreten, doch die Evolution des Geistes erfordert, dass der Yoga in das Leben hineingetragen wird. Und darauf müssen die Gedanken der jungen Generation gerichtet sein. Weder Fanatismus noch Skeptizismus sind Uns erwünscht, doch jede gesunde Verwandlung des Lebens wird bemerkt und unterstützt werden.

 

       176. Wenn wir den Agni Yoga im Leben einführen wollen, dann muss sein Erscheinen in die allergewöhnlichsten Merkmale gekleidet werden. Fragt den Schüler, ob er wünscht, vom Lehrer unterstützt zu werden; ob er geistige und materielle Hilfe erhalten will? Er wird dies sicherlich wünschen. Dann lasst uns den Pfad der Prüfungen betreten. Nützlich sind unverhoffte Tests durch Kälte und Hunger, nützlich unverhoffte Prüfungen in Bezug auf Unglauben, Verrat, Falschheit und Aberglauben.

       Beachtet wie der schwache Geist sich vor dem Hauch des Windes beugt, wie die Begierde nach Essen lechzt und wie die Lippen die heiligsten Grundsätze entweihen. Aber hier wandelt er, arm, sich aufopfernd, bei Kälte und Hunger lächelnd, bei seinem Aufstieg der Macht der Kosmischen

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Prinzipien vertrauend; ewig jung, ist er bereit, die Heldentat der Erkenntnis auf sich zu nehmen.

       Durch die Forderung, Yoga im Leben anzuwenden, werdet ihr die wahren Lehrer sein.

 

       177. Bejaht die Richtigkeit des völlig neuen Lebensaufbaus. Bekämpft besonders jene, welche die Werte anderer fälschen.

 

       178. Dieselbe unwandelbare Wahrheit wird der Menschheit in verschiedenen Gewändern gegeben. Beständig wird sie von hastigen Massen entstellt, noch bevor ein Jahrhundert vergangen ist. Darum obliegt die Reinigung der Wahrheit den Pflichten eines Yogi. Wenn das aufs Neue enthüllte Bild der Wahrheit dem hingebungsvollen Sucher ein Lächeln gewährt, dann mag Freude zu den fernen Welten eilen. Der Raum verkündet, dass das Lebensschicksal geläutert ist, und die Antlitze der Wahrheitsträger lächeln. Solch ein Lächeln ist selten, aber Yoga wird es hervorbringen. Daher bedeutet die Ausübung von Yoga die Lebenserleuchtung.

 

       179. Selbst angesichts des größten Kampfes müssen wir in Einklang mit dem gewöhnlichen Plan Anordnungen treffen. Kampf sollte den Lauf des Lebens nicht stören. Kampf ist unsere Bestimmung und er muss in den Plan eines jeden Tages aufgenommen werden.

 

       180. Ein Zauberer hüllt die alltäglichste Handlung in den Mantel des Ungewöhnlichen. Der Yogi bringt selbst die ungewöhnlichste Erscheinung in die Grenzen des Gewohnten, weil er die Zweckmäßigkeit der Natur kennt.

       Ein Yogi ist weder alt noch jung. Nicht alt, weil er den Pfad des allmählichen Aufstiegs kennt. Nicht jung, weil er die Ansammlung früherer Erfahrungen erkennt. Ein Yogi

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kann unerkannt durchs Leben gehen. Ein Yogi lächelt über blödsinnige Worte, aber er bekämpft Unwissenheit.

       „Ich bin ein strenger Kämpfer gegen die Verleumdung der Wahrheit. Ich nehme die Reinigung der alten Welt auf mich. Ich werde unbeugsam sein gegenüber der Bedrückung durch die Nichtigkeit. Ich will die Kühnheit auf mich nehmen, den Furien des Bösen Widerstand zu leisten!“ So spricht der Yogi, und in der Macht dieses Ausspruchs stählt er sein Schwert der Wahrheit.

       Erachtet es als Glück, den Pfad des Yoga zu betreten. Die Vergangenheit bietet dem Anfänger im Yoga ihre besten Früchte, die Zukunft enthüllt ihm den weiten Raum der Tat.

 

       181. Wir lehrten euch, den Grundgedanken zu erfassen und dem oberflächlichen Auslegen nicht zu erliegen. Wie Buddha lehrte, aus einem Wort ein ganzes Thema zu gestalten, so erweitert auch ihr das Verstehen eurer Schüler, indem ihr sie lehrt, auf ein Wort oder Zeichen aufzubauen. Doch seid vor allem bestrebt, euch nicht zu wiederholen. Ist der Empfänger des Geistigen aufnahmebereit, dann dringt jeder Gedanke wie ein Pfeil ein. Doch hat eine Zersetzung des Gewebes die Kanäle der Zentren bereits verstopft, ist der Yoga unzugänglich.

       Sicherlich, die Lehre des Yoga wird für jeden nützlich sein, selbst wenn er keine geistigen Offenbarungen erlangen sollte. Die äußeren Regeln des Yoga können jedenfalls seine Gesundheit fördern, sein Gedächtnis stärken und sein Denken läutern.

       Doch worin bestehen die Zeichen der Errungenschaften, die den Geist erheben? Zuerst werden die inneren Feuer der Zentren entfacht. Dann wird die Stimme des unsichtbaren

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Lehrers ertönen. Und schließlich wird die äußere Flamme, die gleichsam das individuelle Bewusstsein mit dem Bewusstsein des Raumes verbindet, offenbar werden. Dann wird die Berührung mit den wundervollen, gefährlichen, feinsten Energien möglich sein — mit all dem, was das Leben verwandelt und den Begriff des Todes widerlegt.

       Die Schwierigkeit der Berührung mit dem Ungewöhnlichen erfordert manchmal besondere Lebensbedingungen. Der Schlaf nimmt ab und die Rückenlage wird beschwerlich. Die Anspannung der Muskeln ermüdet die Arbeit des Geistes, und jede Vergiftung der Aura verursacht Leiden. Natürlich können diese Unstimmigkeiten umgangen werden, ohne die Verbindung aufzugeben, und das Licht des Yoga wird vom Licht des Raumes überstrahlt.

       Wo gibt es einen anderen Pfad zum Nirwana?

 

       182. Ein weiteres Merkmal des Yoga: Wenn ihr auf den Höhen frei und tief atmen könnt, dann ist der Pfad zu den höheren Schichten der Astralwelt erreichbar, sofern das Bewusstsein es zulässt.

       Auf dem Pfad zum Yoga befindet sich, wer sein Wissen leicht als unbedeutend zu erachten vermag, wer selten an die ihm von Menschen verliehenen Auszeichnungen denkt, wer nicht an den falschen Offenbarungen der Religionen teilnimmt, wer seine irdische Herkunft nicht hoch schätzt, obgleich er sich seiner Inkarnationen erinnert; wer die Saat in seinem Garten jährlich erneuen kann, lächelnd über den Sturm, der sein vorangegangenes Schaffen davontrug; wer die Gewohnheit übler Nachrede aufgab, wer sein strebendes Suchen auf das unsichtbare Höchste gerichtet hat, wer den Umgang mit allen Verrätern

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der Wahrheit ablehnt; wer sich mit reinem Denken umgibt, das eine unüberwindliche Aura verleiht.

       Wahrlich, Ich sage: Der Agni Yogi muss seinen verdienten Platz auf Erden und noch weiter oben erhalten, denn er hüllte sich in das feinste Element. Und während sich der Feigling duckt, umgürtet sich der Yogi mit seiner feurigen Rüstung, denn er kennt keine Furcht.

       Denkt an die Feurige Taufe*, an das feurige Kreuz und all die flammenden Kelche, die Ich euch vor langer Zeit als Symbole des kommenden Yoga enthüllte. Das Symbol des Feuers zieht sich durch alle Lehren, zur Anwendung im Leben. So ist die Erscheinung des Feuers näher gerückt, und Wasser ist durch Feuer ersetzt worden.

 

       183. Ich anvertraue euch, den Namen des Lehrers hoch zu halten, damit nichts Entwürdigendes diese die Welten vereinende Kette erreicht. Ebenso anvertraue Ich euch, jenen Hilfe zu gewähren, die wiederholt anklopfen. Ich anvertraue euch, vom Sinn des Lebens auf Erden zu sprechen. Ich anvertraue euch, alles zu verschmähen, was die Verbindung mit Uns entwürdigt. Ich anvertraue euch, Unsere Existenz zu bestätigen.

       Das Verstehen Unserer Lehre muss das Leben der Erkennenden wesentlich ändern. Es muss Möglichkeiten bieten; wozu sonst eine Last auf sich nehmen?

 

       184. Zu den Vorzügen des Yoga gehört die Möglichkeit des Verkehrs mit den Lehrern. In dieser Hinsicht muss man zwei Arten von Leitungen unterscheiden: Die Einzelleitung und die räumliche Leitung. Die Einzelleitung bringt die Antwort eines erwählten Lehrers. Die räumliche Leitung gestattet nicht nur die Verbindung mit

[Russisches Original. Seite 99.]


mehreren Lehrern, sondern gewährt auch die Möglichkeit, kosmisches Wissen zu empfangen. Es ist notwendig, den Unterschied zwischen den beiden Leitungen am Kräfteverbrauch zu erkennen. Ebenso wie eine Lampe durch unterschiedliche Ströme beeinträchtigt wird, so werden die Zentren durch die räumliche Leitung in Schwingung versetzt. Wahrlich, Vorsicht ist geboten, um die Verbindung unterschiedlicher Energien in das tägliche Leben einzuführen.

       Ihr habt zwei Beispiele für diesen Unterschied und wisst, dass die individuelle Leitung die Gesundheit weniger angreift. Für künftige Forschung ist es wichtig, zu wissen, mit welcher Leitung man es zu tun hat. Vielen Wissenschaftlern wird es nicht gelingen, die Forschungsmethoden zu trennen. Warum bedarf die eine zu beobachtende Person in geringerem Maß besonderer Bedingungen, während der Geist einer anderen flattert wie ein unsichtbarer Vogel, so dass die normalen Hilfsmittel ohne Wirkung vergeudet werden? Diese Stufe des Yoga berührt jene Energien, die im gegenwärtigen Leben nur schwer Anwendung finden. Manchmal ist es nach der Berührung mit einer ungewöhnlichen Art von Energie notwendig, solche Manifestationen für eine beträchtliche Zeit einzustellen. Doch der eifrige Geist erlaubt seinen Zentren diese Ruhe nicht, und dann mahnen Wir zur Vorsicht!

       Agni Yoga wird erst jetzt ins Leben eingeführt, und jene, die sich der Einwirkung dieser Kräfte geweiht haben, ertragen besondere Schwierigkeiten, als ob sie Menschen einer anderen Rasse wären. Darum sagen Wir den Wissenschaftlern: „Irrt euch nicht in euren Schlussfolgerungen!“

       Viele scheinen bereit zu sein, sich der evolutionären Errungenschaft hinzugeben, doch die Bedingungen

[Russisches Original. Seite 100.]


sind äußerst hart, und wer kein großes Netz auswerfen kann, täte besser, nicht heranzutreten.

 

       185.[37] Einige junge Leute werden fragen: „Wie soll man den Agni Yoga verstehen?“ Antwortet: „Als die Wahrnehmung und Anwendung im Leben des allumfassenden Elementes Feuer, welches das Geisteskorn nährt.“

       Man wird fragen: „Wie kann ich mich diesem Wissen nähern?“

       „Reinige dein Denken, und dann erkenne deine drei schlechtesten Eigenschaften und übergebe sie in feuriger Bestrebung der Verbrennung. Dann erwähle einen Lehrer auf Erden, und, die Lehre erfassend, stärke deinen Körper mit den verordneten Heilmitteln und mit Pranayama. Du wirst die Sterne des Geistes schauen; du wirst die reinigenden Flammen deiner Zentren sehen; du wirst die Stimme des Unsichtbaren Lehrers vernehmen, und du wirst jene feinsten Wahrnehmungen erlangen, die das Leben verwandeln.

       Hilfe steht bereit für dich, der du eingetreten bist, und der Auftrag ist erteilt. Du hast erkannt, dass Freude eine besondere Weisheit ist. Du wirst nicht zu den alten Ufern des Stromes zurückkehren. Du hast die Kämpfe im Raum erkannt. Trügerische Augenscheinlichkeit existiert nicht mehr für dich. Du bist ein Mitarbeiter und Bruder, der erkannt hat!“

 

       186. Für einen Agni Yogi sind das Tischler- und Schmiedehandwerk sowie Wäscherei schädlich. Man muss gerüstet sein, um den Kämpfen des Raumes zu widerstehen. Man muss auch begreifen, inwieweit das ins Leben gerufene Feuer den Organismus verfeinert. Ich, der Hierarch, habe gerechterweise angeordnet, dass die Heldentat, den neuen Yoga zu übermitteln, allen anderen Aufträgen überlegen ist.

 

       187. Wenn Agni Yoga ins Leben eingeführt werden soll, dann dürfen seine Überbringer sich äußerlich nicht vom Leben entfernen. Der Agni Yogi tritt im Leben

[Russisches Original. Seite 101.]


unauffällig auf. Er bedarf keiner menschlichen Auszeichnungen. Er beobachtet, doch er duldet keine Auffälligkeit. Die räumliche Leitung schließt die Pfeile der Aufmerksamkeit der Masse völlig aus, weil Evolution nicht von den Massen bewirkt wird. Selbst die individuelle Leitung erfordert zuweilen Schutz vor gelegentlichen gierigen Pfeilen. Dies besagt nicht, dass es selbst der geringsten Abweichung vom Leben bedarf. Nur muss die Zweckmäßigkeit der umgebenden Dinge richtig bewertet werden.

       Ein Yogi beachtet ein scheinbares Missgeschick nicht, weil er die Ursache und Wirkung des Ereignisses erkennt. Die Menschen betrachten gewöhnlich die Wirkungen uralter, sich fortsetzender Ursachen als zufällig. Wo die Menschen hochmütig vorbeigehen, nimmt ein Yogi echte Möglichkeiten wahr. Seid nicht erstaunt, wenn das Herz des Yogi sich dem erbärmlichsten Hund zuwendet, wenn er in ihm den Keim der Hingabe wahrnimmt, oder wenn er plötzlich den bescheidensten Jungen als einen künftigen Mitarbeiter bezeichnet.

       Die Leute werden einen Yogi nicht länger für streng und kalt halten, wenn er unerwartet eine Tat von wahrer Liebe und Mitgefühl vollbringt. Allerdings kann die Absicht einer solchen Tat von den Zuschauern falsch beurteilt werden. Die Bezeichnung Schwindler wird dem Yogi zur Ehre gereichen, denn die Mehrheit verabscheut die Evolution. Wir sprechen von der Menschheit und von Einzelpersönlichkeiten, doch das Herdentier steht dem Schöpfer nicht nahe.

 

       188. In jedem Jahrhundert wird entsprechend den physischen Bedingungen eine besondere Art von Yoga eingeführt. Man darf das Element Erde nicht dort anwenden, wo das feurige Heilmittel erforderlich ist. Weder Wasser noch Luft werden die Flügel

[Russisches Original. Seite 102.]


des Feuers ersetzen. Wie eine unvermeidliche Katastrophe Kontinente hinwegfegt, so unaufschiebbar ist der Yoga der Erkenntnis der feurigen Macht. Als Merkmal eines erleuchteten Bewusstseins erweist sich das Begreifen der Fristen.

 

       189. Der Yogi besitzt wenige Habseligkeiten, aber darunter befinden sich keine unnötigen. Hat ein Gegenstand allgemeinen Wert, so muss er nach Gebrauch der gemeinschaftlichen Schatzkammer zurückerstattet werden. Die alltäglichen Gegenstände können mitunter vertrauten Leuten gegeben werden, doch um die Vermischung von Auren zu vermeiden, ist es besser, sie zu verbrennen.

       Allerdings ist es manchmal von Nutzen, einen mit einer bestimmten Aura durchdrungenen Gegenstand weiterzugeben. Ein Yogi erkennt den grundlegenden Wert eines Gegenstandes und wird keine schlechten Gegenstände um sich haben.

       Mit der Frage des Besitzes vergeuden die Menschen viel zu viel Zeit. Deshalb fordert die Kultur des Geistes, dass umgebende Gegenstände von bester Beschaffenheit sind. Beim zukünftigen Aufbau muss man die Menschen davon abbringen, ihrem physischen Bedarf übertriebene Aufmerksamkeit zu schenken. Das Prinzip des Gemeinschaftslebens setzt voraus, jedem vernünftigen Mitarbeiter die Möglichkeit und den Zugang zu einer Bequemlichkeit zu geben, die Kraft und Arbeit aufrechterhält.

       Kann ein Yogi seine Zeit und Energie straflos vergeuden? Man muss bedenken, dass die Verschwendung von Kraft und Zeit zuweilen Selbstmord gleichkommt. Ähnlich werden die Enträtselung der Zeichen der Wahrheit und das Unterlassen ihrer Anwendung im Leben als Unwissenheit eingeschätzt. Der Strahl der Erkenntnis der Evolutionsaufgaben wird die besten Schöpfungen durchdringen.

[Russisches Original. Seite 103.]


Darum erwägt mit Strenge die Qualität dessen, was euch offenbart wird.

 

       190. Auf dem Weg zu Uns vergesst nicht, alles mitzubringen, was nach eurer Einschätzung wertvoll erscheint. Es ist lehrreich, den Wert verstehen zu lernen. Oft befassen sich Leute, die auch auf geistigem Gebiet etwas wissen, mit nichtigen und hässlichen Gegenständen. Sie vergessen, dass hässliche Gegenstände den Kräften der Finsternis dienen. Ein Yogi muss über die Qualität der Gegenstände genau Bescheid wissen.

 

       191. Es ist verfrüht, sich mit dem Untergang des Planeten zu befassen, wenn man seinen eigenen Niedergang nicht erkannt hat. Man kann seine Wunden heilen und als ein Schaffender einherschreiten. Ein neues Verständnis des Alltags wird das Verstehen aller Kleinigkeiten des Lebens ermöglichen. Ein Yogi entflieht nicht in nebelhafte Regionen, sondern er hält den silbernen Faden der Verbindung mit den fernen Welten fest.

 

       192. Ein Yogi ist laufend Prüfungen durch seinen Lehrer ausgesetzt. Gleicherweise prüft ein Yogi genau jene, die sich ihm nähern.

       Erläutert den Sinn der Prüfungen von Kälte und Hunger sowie aller anderen Maßnahmen. Ein unwissender Mensch wird darüber verblüfft sein, dass man die Gefühle von Kälte und Hunger überwinden kann. Aber wer das Wesen der Dinge versteht, weiß, dass die Gefühle nicht schwinden, sondern der Yogi einen Geisteszustand erlangt, in dem ihn nichts erschüttert. Ein Hungriger wird Mittel zur Sättigung finden, wenn sein Geist nicht einem tierischen Zustand verfallen ist. Wer friert, kann sich wärmen, sofern sein Geist versteht, warum er sich schützen muss. Sonst

[Russisches Original. Seite 104.]


verbleibt nur tierische Gereiztheit, die Trübung des Bewusstseins und Niedergang.

       Es ist richtig, hinzuzufügen, dass Beweglichkeit der beste Ausweg aus den Fallen des Lebens ist. Ein Yogi erwägt augenblicklich den Wert der Zweckmäßigkeit. Wenn man ihm, um sein Yogitum aufzudecken, vorschlägt, ein Stück Fleisch zu essen, so wird er natürlich eher Fleisch essen, als sein Geheimnis zu verraten. Die Wirkung des Fleisches kann er leicht zunichtemachen, doch die Folge der Preisgabe des Geheimnisses in verräterische Hände ist nicht wieder gutzumachen. Und manchmal erscheint es notwendig, einen vernichtenden Strahl zu gebrauchen, was aber nur selten zulässig ist.

       Ich möchte euch auch an die Wichtigkeit des schöpferischen Schaffens für Agni Yoga erinnern. Ihr wurdet gebeten, zwei Musikstücke in gegensätzlicher Ausführung zu erkennen, und der Geist begriff, worin der Unterschied der Wirkung bestand. So wird das Bewusstsein durch Berührung mit der Wahrheit erhoben. Eine weitere Abstraktion wird für uns Wirklichkeit. Und wie herrlich ist die Erkenntnis ständiger Bewährung; in ihr liegt Bewegung. Kann sich ein Yogi des Feuers der Trägheit hingeben?

       Das sage Ich nicht zum Anhören, sondern zur Anwendung.

 

       193. Ein geschickter Bogenschütze wird selbst nach der Einführung von Feuerwaffen als geschickter Bogenschütze gelten. Ebenso ist es mit den Yogas. Außer Hatha Yoga sind alle Yogas in Vollendung schön. Es wäre unweise, einen von ihnen herabzusetzen. Man kann nur von einer besseren Eignung für den gegenwärtigen Evolutionsprozess sprechen.

 

       194. Ein Yogi sollte sich auf atmosphärische

[Russisches Original. Seite 105.]


Bedingungen verstehen, um sie beim Handeln anwenden zu können. So kann selbst ein unwissender Beobachter klar ersehen, dass elektrische Wellen einen üblichen Wirkungsverlauf wesentlich zu verändern vermögen. So werden auch magnetische Stürme und feuchte Niederschläge verschiedene psychische Ergebnisse zeitigen. Magnetische Wirbelwinde und alle elektrischen Erscheinungen sind Unsere Freunde, doch atmosphärische Niederschläge stören den Feuerstrom. Wir bedienen Uns einer mit Elektrizität geladenen Atmosphäre, um selbst einen unvorbereiteten Menschen mit der Nützlichkeit für ihn bisher ungeahnter Begriffe vertraut zu machen.

       Auch beim Austreten des Astralkörpers leisten die magnetischen Wellen Unterstützung. Daher benötigt ein Yogi Feinfühligkeit für alle nicht greifbaren Naturerscheinungen, und deshalb soll der Yogi mit Prana in Berührung sein. Um das zu erwirken, sollte das Fenster nie geschlossen sein, außer bei hoher Feuchtigkeit. Nützlich sind ausgedehnte Wannenbäder oder das Baden in warmem Wasser ohne heftige Bewegungen. Heftige Bewegungen stören im Allgemeinen die Schwingung der Aura, und Wir vermeiden sie. Ein schneller Rhythmus stört den Einklang mit der Atmosphäre nicht, aber krampfhafte Bewegungen verwunden die Aura gleich Nadeln.

       Viele Beobachtungen können den Aufbau der Zukunft erleichtern. Aber um dies zu bewirken, muss man erkennen, dass selbst Stechmücken die atmosphärischen Bedingungen besser kennen als die Menschen. Doch die Menschen glauben, das Recht zur Unwissenheit zu haben, weil sie den Titel „König der Natur“ tragen.

 

       195. Manchmal erscheint es notwendig, die Feuer der Zentren mit Soma-Schichten zu bedecken, sonst könnten durch heftige äußere Umstände die Zentren in Brand geraten. Wieder

[Russisches Original. Seite 106.]


kommen wir zur Notwendigkeit des Gleichgewichts, das von Unserem Lehrer die „goldene Mitte“ genannt wurde und als völliges Verstehen bezeichnet werden kann.

 

       196. Ihr kennt die schädliche Wirkung verschiedener Brennstoffe. Darum sollte man der Errichtung von Feuerstellen Aufmerksamkeit schenken. Jedenfalls sollte man sich nicht lange nahe einem Herd aufhalten, wissend, welche Art von Gästen die Emanationen der Nahrung, besonders der blutigen, anziehen. Daher sind kaltes geräuchertes Fleisch und Geflügel vorzuziehen.

       In gleicher Weise muss man im Schlafzimmer für reine Luft sorgen. Man sollte daran denken, dass nach dem Austreten des Astralkörpers der physische Körper schutzlos zurückbleibt; und in vergifteter Luft ist das Erscheinen von Gästen unvermeidlich. Pfefferminze ist das beste Belebungsmittel, das auch dem Astralkörper Hilfe leistet, denn dieser verlässt den physischen Körper öfter als man denkt, obwohl für verschiedene Zwecke. Entweder irrt er nahe dem physischen Körper ziellos umher, oder er erwirbt viel Nützliches. Gebieterische Pflicht für jeden ist es, für seinen Astralkörper die besten Bedingungen zu schaffen.

       Auch sollte man dafür Sorge tragen, dass im Haus kein schmutziges Wasser stehen bleibt. Springbrunnen und Aquarien innerhalb des Hauses sind gewöhnlich unerwünschte Brutstätten. Weshalb also Fische und Vögel mit Gefangenschaft peinigen?

       Auch wünsche Ich, dass ihr einen Raum in absoluter Reinheit bewahrt oder wenigstens eine Ecke, die dem Lehrer gewidmet ist. Man kann einen Lehnstuhl nahe dem Fenster vorbehalten, auf dem man keine Fremden duldet. Leidet auch keine Neugierigen um euch, ihnen sollte man höchst gewöhnlich begegnen, damit ihre

[Russisches Original. Seite 107.]


Verwegenheit an der Aura abgleitet. Dies alles sind Ratschläge zur Festigung des Yoga.

 

       197. Man sollte über Unsere Taten nachdenken und sich für ihre Richtigkeit verbürgen. Der geringste Zwiespalt der Gedanken wird den Pfeil weit vom Ziel ablenken, und dann ist es besser, mit dem Yoga nicht in Berührung zu kommen. Ein trübes Bewusstsein ist ein Erbe des tierischen Zustands. Wem nützen unklare Gedanken? Niemand möchte eine derart unklare Antwort erhalten. Es ist notwendig, die Leitung des Geistes zu reinigen. Aber Wir sind keine Kaminfeger, um gewaltsam die Kanäle des Geistes zu reinigen. Sprecht, damit die Möglichkeit gegeben wird, Hilfe zu leisten.

 

       198. Ein Yogi hat keine Gewohnheiten, denn sie sind nichts anderes als eine Zersetzung des Lebens. Dem Yogi ist es eigen, in seiner Tätigkeit nach einem bestimmten Plan vorzugehen. Ihm fällt es nicht schwer, sich von den Fesseln der Gewohnheiten zu befreien, denn gespannte Aufmerksamkeit ermöglicht ihm ständig erneute Anpassung an die Umstände. Aber Trägheit ist das Skelett der Unwissenheit. Wie viele Königreiche sind durch Trägheit zugrunde gegangen!

 

       199. Unsere Lehre ist bei jenen, die sie nicht im Leben anwenden, nicht in festen Händen. Sagt den Mitarbeitern in allen Ländern, dass sie sofort Mittel finden mögen, das Leben durch die Ratschläge des Yoga zu stärken. Es gibt zu viele Schwätzer und zu wenig Tatkräftige. Allgemeine Vorträge halte Ich nicht für so notwendig wie persönliche Gespräche. Darüber hinaus braucht man weder Schwierigkeiten noch Erfolg zu verbergen. Stimmt den Yoga mit den Weltereignissen ab, denn im Leben muss ein System eingeführt werden, ohne das die sozialen Bewegungen sich in eine Maskerade von Greisen verwandeln. Die strenge Disziplin

[Russisches Original. Seite 108.]


der Freiheit kann das Leben nur bei einem neuen Verständnis der Wirklichkeit der psychischen Energie umgestalten, die in das tägliche Leben Einzug hält.

       Weist darauf hin, dass es eines neuen Verständnisses zur Anwendung im Leben bedarf.

 

       200. Eine Manifestation mag nur für wenige nötig sein. Die Massen dagegen merken nichts von der Wendung des Schiffes; und am Morgen fragen sie: „Wohin verschwand das Segel? Warum ist das Ufer so leer?“

       „Weil ihr das Aufladen der kostbaren Fracht übersehen und den Wind des Morgengrauens verschlafen habt.“

       Man kann zur Masse nicht offen sprechen, weil sie im Morgengrauen noch die Stimme der Nacht hört. Die Hydra kann man nur mit einem ungewohnten Schlag treffen. Es ist die Pflicht eines Yogi, den unfehlbaren Schlag zu erlernen.

       Wer unentwegt nach höherem Wissen strebt, wird standhaft seine Wache halten. Wen anders könnte man einen Krieger nennen? Wer ist der Pflüger? Wer ist der Führer? Einem Yogi sollten diese drei ehrenvollen Namen zustehen. Doch die Zeit wird kommen, um sein Saatfeld zu erschließen. Wer kann seine Ellen messen? Denn das Feld des Yogi ist der Raum. Wer kann seine Siege nennen, wenn die Feuer in seinem Inneren leuchten? Wer kann die von ihm Geretteten zählen, wenn er sie führt, ohne nach ihren Namen zu fragen?

 

       201. Es besteht die irrige Meinung, dass ein Yogi über eine unüberwindliche Gesundheit im üblichen Sinne verfügen müsse. Aber kann man ein empfindliches Instrument aus einem Holzklotz formen? Besteht nicht der Wert der Saiten der Vina[38] in ihrer Feinfühligkeit für die feinsten Tonintervalle? Ebenso reagiert der feinfühlige Apparat des Yogi. In der Tat, er allein kennt die unbeschreiblichen

[Russisches Original. Seite 109.]


flüchtigen Schmerzen, die, wie das Stimmen der Vina-Saiten, sein Wesen verwandeln.

       Man kann verstehen, dass Wir nicht die Gefahrlosigkeit des Yoga-Pfades herausstellen werden. Wie könnte man aber während der Umwandlung der Zentren Schmerz vermeiden? Das Feuer der Erkenntnis bleibt brennend heiß.

       Ihr wisst mittlerweile, dass das Gesagte kein abstraktes Symbol ist. Die ganze gebräuchliche Definition für diese Schmerzen ist nutzlos, solange sich die Wissenschaft nicht beeilt, die Bedeutung der psychischen Energie oder der Geistigkeit zu begreifen. Je weniger der Mensch die Gefahr des Yoga versteht, desto mehr entfernt er sich von der Vereinigung mit dem Höchsten Bewusstsein. Darum sind die zufälligen Flüge des Bewusstseins wertlos. Was benötigt wird, ist das unaufhörliche Lied des Fluges. Die Vina ertönt nicht immer, aber ihr Klang ist immer harmonisch.

       Wer zum Yoga Zuflucht nimmt, um robuste Gesundheit zu erlangen, täte besser, ein Glas Wein zu genießen und über erhabene Ideen zu diskutieren, ohne sie im Leben anzuwenden. Denn die Gesundheit eines Yogi flattert wie die Flügel eines sich erhebenden Adlers. Das Auge des Yogi ist scharf wie das eines Adlers, wie ihr wisst. Die Ruhe des Yogi ist wie die Spannung einer Meereswoge.

 

       202. Die Gesundheit des Yogi ist mit dem Stimmen der Vina vergleichbar. Das gleiche kann vom Schaffen des Yogi gesagt werden. Zuweilen klangvoll, zuweilen stumm, gehüllt in den Schleier der Zweckmäßigkeit. Das Ziel des Yogi ist, den Raum mit nützlichen positiven Gedanken zu erfüllen und die Energie dahin zu lenken, wo die Wahrheit verfälscht wird.

       Kann man einen Yogi tadeln, wenn er unerwartet in Erscheinung tritt oder sich für lange Zeit zurückzieht? Es ist Zeit,

[Russisches Original. Seite 110.]


die Anhänglichkeit an einen bestimmten Ort abzulegen. Nur Gedanke und Tat können den irdischen Aufenthaltsort bedingen. Darum wird Reisen immer von Yoga untrennbar sein. Wie könnte sonst die Feinfühligkeit der Beweglichkeit entwickelt werden? Wo wird die Unabhängigkeit gestählt? Wo bildet sich die Einsamkeit der Erkenntnis? Der Wohlklang der Arbeit des Yogi kann aus dem Raum heraus wachsen. Ein Yogi muss mit dem Raum vertraut und fähig sein, den Menschen das Wort des Raumes zu vermitteln.

 

       203. Wer den Yogi aufsucht, um in der Lehre unterrichtet zu werden, ist nicht in gleicher Weise verdienstvoll. Ein Yogi muss erkennen, wer gelegentlich kommt, wer ein Schüler werden kann und wer künftig ein Lehrer von Schülern werden kann, indem er sich durch die Nahenden vervollkommnet. Schlimm ist es für jene, die sich dem Yoga nähern und dann zum alten Leben zurückzukehren suchen. Wahrlich, für den Astralkörper ist es leichter, in die Krallen des physischen Körpers zurückzukehren, als für jenen, der auch nur ein Körnchen Wissen erlangt hat, in die Finsternis des Vorurteils zurückzufallen. Warnt jene, die über Yoga etwas erfahren wollen! Wir können niemanden irreführen.

 

       204. Viele träumen vom Schild des Yogi, aber sie finden es lästig, ein Schwert zu schmieden. Doch die Fähigkeit zu schlagen erlangt man nicht durch das Schwert eines anderen.

 

       205. Die Menschen wiederholen gerne den Ruf: „Schläfer, erwache!“ Besonders auffallend ist es, wenn die Schläfer selbst ihn wiederholen und dabei weiterschlafen. Sie schlafen Jahre hindurch, sie schlafen ein ganzes Leben. Manchmal fallen sie in plötzlichen Schlaf, und schlaftrunken wiederholen sie fremde, unverständliche Worte. Wir wollen nicht von den gelegentlich Vorbeikommenden sprechen,

[Russisches Original. Seite 111.]


doch selbst jene, die bereits verstehen, unterliegen den Anwandlungen des tierischen Schlafes. Dann ist es die Aufgabe des Lehrers, sie zu wecken, wenn nötig, sogar durch einen Blitzschlag. Denn Schlaf kann leicht zu Besessenheit führen.

       Gesegnetes Indien! Du allein hast die Begriffe Lehrer und Schüler bewahrt. Der Guru kann das Schiff des Geistes Seines Schülers steuern. Der Guru kann die Anwandlung des Schlafes abwehren. Der Guru vermag den ermatteten Geist zu erheben. Wehe dem, der es wagte, jemanden gegenüber fälschlich Anspruch zu erheben, sein Lehrer zu sein und das Wort Lehrer leichtfertig auszusprechen, sich dabei selbst verehrend!

       Wahrlich, es erblüht der Geist, der den Pfad des Aufstiegs erfasst hat, und es leidet der, der in falsches Denken verfällt.

       Man mag einen Hinduknaben fragen, ob er einen Guru haben möchte. Als Antwort bedarf es keines Wortes, denn die Augen des Knaben werden Wunsch, Streben und Hingabe zum Ausdruck bringen. In seinen Augen wird das Feuer Aryavarta* glühen.

       Der Strom der Rigveden[39] fließt auf den Hängen der Berge. Wer kann die ganze Kette der Lehrer in Worte kleiden? Entweder man erkennt sie als eine Schlange des Wissens, oder es gibt ohne sie Finsternis, Schlaf und Besessenheit.

       Es ist unnötig zu schrecken, doch allen, die sich dem Yoga näherten, sollte man sagen: „Eure Stütze ist der Lehrer. Euer Schild ist die Hingabe an den Lehrer. Euer Untergang beruht auf Gleichgültigkeit und falschem Denken.“

       Wer Freunden und Feinden des Lehrers gleicherweise zulächelt, ist unwürdig. Wer den Lehrer nicht verrät, selbst nicht durch Schweigen, der kann die Stufe der Schwelle überschreiten.

 

       206. Ihr habt die Zeichen des Yoga auf den Höhen erhalten. Ihr habt euch davon überzeugt, dass weder die Kälte noch die Höhe

[Russisches Original. Seite 112.]


eurer Gesundheit schadete. Wie sonst könnte jemand, der die Kälte nicht überwand, das erhabene Beben ertragen? Wie kann er über die fernen Welten nachdenken, wenn er die irdischen Höhen scheut? Wie kann man sich als ein unstoffliches Geistwesen betrachten, wenn das vorübergehende Hungergefühl nicht überwunden ist? Ein überlasteter Magen bedeutet das Ende des Aufstieges. Nötig ist ein Maß für das Eintauchen in das irdische Leben.

       Doch dann bietet Yoga zusätzlich zum kosmischen Bewusstsein viele Vorzüge. Yoga gewährt eine räumliche Leitung und Unsere Hilfe bei allen nützlichen Taten. Die Kenntnis von Zusammenarbeit verleiht den einzig wahren Zugang. Umso wichtiger ist es daher, zu verstehen, Yoga im Leben anzuwenden, um auch Uns die Möglichkeit zu geben, im Leben zu antworten.

 

       207. Amrita besteht aus den Ablagerungen der feinsten Energien. Wie sonst sollte man die Sättigung des Strebens des Yogi mit allen bisher erwähnten Eigenschaften nennen? Jedes Streben des Yogi ist mit einer wertvollen Energiezusammensetzung durchdrungen. Wir wollen diese Zusammensetzung den Diskus des Strebens nennen. Die Bestrebungen des Yogi steigen genauso auf wie eine lichttragende Diskusscheibe. Der Yogi kennt keine gleichgültige Tätigkeit, sonst könnte er mit einem Menschen verglichen werden, der ohne bestimmte Absicht einen Berggipfel ersteigt und staunend umherschaut. Doch der Yogi handelt bewusst, und seine Tat wird sich in Schönheit wandeln.

       Genauso lernen die Schüler eines Yogi vom ersten Augenblick des Verstehens an zu wirken. Besonders notwendig ist es, dass der Schüler sich während der Abwesenheit des Lehrers beherrscht. Gerade in solchen Zeiten verleitet ihn seine Kurzsichtigkeit oft zu außergewöhnlichem

[Russisches Original. Seite 113.]


Freiheitsdrang, weil der Begriff Lehrer noch nicht richtig erkannt wird und damit der Weg zu Amrita versperrt ist.

 

       208. Die Gesetze der Energie, die im Menschen durch Kenntnis des Agni Yoga geweckt werden, wirken genau und unvermeidlich. Niemand, der sich dem Yoga näherte, kann leugnen, dass sich sein Leben grundlegend änderte. Ob das Leben inhaltsreicher wurde oder nicht, hängt von der Qualität des Geistes ab.

       Wir sagen jedem: „Empfange den vollen Kelch des Amrita.“ Doch jeder hat die Freiheit der Wahl.

 

       209. Geht mit einem gestimmten Instrument vorsichtig um, es gleicht einer Fackel in der Finsternis. Wenn ihr es zerstört, schadet ihr euch selbst, denn sein interplanetarer Pfad ist unwandelbar. Und das Streben des Yogi scheint wie die Sonne. Sein Weg ist nicht leicht.

 

       210. Man sagt, ein Yogi habe keine Wünsche. Und dennoch ist er erfüllt von Streben. Ein Wunsch ist nicht wirksam, weil er Erwartung erweckt, denn tatenlose Erwartung ist die Mutter der Unbeweglichkeit. Streben jedoch ist die Antriebskraft der zum Aufstieg des Geistes führenden Bewegung. Man sagt, dass der Yogi keine Liebe kennt, sondern voller Mitleid ist. Die Menschen kennen Liebe nur als verbindende Fesseln. Doch Mitleid als Mitarbeiter der Wahrheit kennt keine Grenzen. Man sagt, dass ein Yogi mit unerschöpflichen Kräften ausgestattet sei, doch gleich einem Gärtner, der seine Arbeit liebt, pflegt er die Pflanzenstätte seines Gartens der Möglichkeiten.

 

       211. Die Mutter der Druiden[40] hütete Wissen vor Entstellung, genauso schützt die Mutter des Agni Yoga[41] die Lehre

[Russisches Original. Seite 114.]


vor böswilliger Auslegung. Das feurige Begreifen der Wahrheit ist schwer, und Dienst in Wachsamkeit duldet keinen Verrat. Möge die Hand mit dem Sonnenschwert nicht schwanken, noch beuge sich das Knie der Unwahrheit. So muss die Lehre verstanden werden, die das Schmieden eines neuen Lebens umfasst. Sie verkündet: „Ihr habt vernommen, ihr müsst verstehen, dass ihr von diesem Augenblick an die Verantwortung für jede Entstellung übernommen habt!“

 

       212. Freut euch! Freut euch! Freut euch! Denn der Yogi muss die Weisheit der Freude kennen. Das Vermächtnis des Gesegneten lautet, die Freude des Geistes zu bewahren. Wer die Gegenwart des Geistes fühlt, freut sich bereits, da er seine Unbegrenztheit kennt.

 

       213. Für einen Geist, der Möglichkeiten anhäufte, sich aber wegen der äußeren Umstände des Lebens nicht in offenbaren kann, ist es besonders schwer. Das nächstliegende Beispiel ist jenes eines verschlossenen Kessels mit brodelndem Inhalt unter Antrieb des Raumfeuers. Dann müssen abwechselnd abkühlende Ströme verwendet werden. Das Raumfeuer, das sogar Steine zum Glühen bringt, ist untrennbar mit den Kanälen der Zentren verbunden. Deshalb rät der Lehrer auch dem selbstaufopferndsten Yogi zur Vorsicht!

 

       214. Der Kristall der Materia Lucida kann selten in der Größe gezeigt werden, wie er euch sichtbar wurde. Dafür bedarf es einer besonderen Übereinstimmung der magnetischen Ströme. Der Kristall wird vom Stein gleichsam angezogen. Er schärft auch das Zentrum des dritten Auges und offenbart sich als das Material des astralen Aufbaus auf der höchsten Ebene. Er gehört zu den feinsten

[Russisches Original. Seite 115.]


Energien und bildet einen Bestandteil jener Energieformel, die der Menschheit versprochen ist, sobald sie den Wunsch hat, sie anzunehmen. Dieses Licht (…) kann ins Unbegrenzte verstärkt werden und wird Erleuchtung bewirken, die keines Aufwandes an Materie bedarf und jede Form anzunehmen vermag. Diese Aufgabe kann gelöst werden, doch muss die Menschheit danach verlangen, sonst kann der Zutritt zum Strom feinster Energien nicht gewährt werden. Die Kräfte dieser Energien sind mit psychischer Energie verbunden, und jeder Missbrauch wirkt zerstörend.

       Man muss sich vor Augen halten, dass Materia Lucida nicht nur für Erleuchtung, sondern auch für Heilzwecke unersetzlich ist. Sie ist das beste Beruhigungsmittel für die Nerven, da sie eine Brücke zwischen der psychischen Energie der Menschheit und der kosmischen Energie darstellt, deren Vorrat unerschöpflich ist.

 

       215. Ein zorniger Mensch gleicht einem Stier. Wer jedoch für Gerechtigkeit kämpft, gleicht einem strahlenden Geist. Wann werden die Menschen begreifen, wie wunderbar es ist, wie die Höchsten Wesen zu werden? Doch bisher schämten sie sich dieses Gedankens.

 

       216. Daher ist es besonders im gegenwärtigen Augenblick wichtig, die Aufmerksamkeit auf Agni Yoga zu lenken. In jedem Jahrhundert wurde die psychische Energie in der Menschheit gebieterisch geweckt, doch dieser wohlwollende Erlass wurde von den Zweibeinern meistens nicht angenommen.

       Nehmen wir ein Beispiel: Zu Beginn des letzten Jahrhunderts erhob sich eine Flut von Romantik, jedoch ohne Verständnis ihres Wesens — oder, anders gesagt, ohne Heldentum. In der Mitte desselben Jahrhunderts hüllte sich die Erde

[Russisches Original. Seite 116.]


in einen verneinenden Materialismus, der es indes versäumte, die wahren Eigenschaften der Materie zu studieren. Das Ende des Jahrhunderts brachte den völligen Verfall, während die Umwertung aller Werte vorgesehen war. Der Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts stand im Zeichen von Krieg und nationaler Aufstände, obgleich die psychische Energie auf die Eroberung anderer Welten wies. So wurden die bestimmten Werte durch den freien Willen entstellt. In der Mitte unseres Jahrhunderts werden die Zeichen verschiedener unbekannter Energien aufflammen, und die Menschen werden wieder in falsche Richtungen rennen. Deshalb ist es an der Zeit, jenen, welche die Augen offen halten, die Zeichen des wahren Pfades zu geben.

       Mögen sie Zeit finden, mit ihnen vertraut zu werden, daran denkend, wie kurz die Frist ist.

 

       217. Bei der Auswahl von Schülern seid nicht voreilig. Gebt den sich Nahenden drei Prüfungen auf, damit sie sich unvermutet offenbaren. Die erste Aufgabe sei die Bejahung des Allgemeinwohls, die zweite die Verteidigung des Namens des Lehrers, und die dritte sei, den Beweis selbständiger Tätigkeit zu erbringen.

       Sollte einer bei dieser Aufgabe meutern — weist ihn ab. Sollte einer in der Ecke murmeln — weist ihn ab. Sollte einer bedrückt sein — weist ihn ab. Ich spreche nicht über Verräter. Durch die Erfüllung der Aufgabe prüft die Fähigkeit des Geprüften. In allem besteht Willensfreiheit, und der Planet selbst liegt in der Macht des menschlichen Geistes.

 

       218. Wenn wir über die feinsten Energien sprechen, sollten wir die Symptome ihrer Erscheinungen kennen. Die Benennung

[Russisches Original. Seite 117.]


„feinste“ weist darauf hin, dass sich die Beschaffenheit ihrer Wirkung von den gewöhnlichen Erscheinungen unterscheidet. Die mächtigste Energie ist am wenigsten fühlbar. Namentlich das Bewusstsein steuert die Kraft der universellen Energie. Die aufnahmefähige Gehirnsubstanz wird vom Bewusstsein des Raumes durchdrungen. Man kann diesen Prozess nicht veranschaulichen, er ist unermesslich. So erscheint ein Rad von bestimmter Umdrehung unbeweglich, und nur die Bewegung der umgebenden Atmosphäre zeigt den Grad der Anspannung an. Ebenso ist es beim Prozess der feinsten Energien: ihre Erscheinung kann nur aus großer Entfernung beobachtet werden. Wie farbloses Zyankali nicht wahrgenommen werden kann, so setzt die eindrucksvolle Tätigkeit der Bewusstseinsenergie nicht eher ein, als ihre Wirkungen auf den umgebenden Wellen des Raumes offenbar werden. In gleicher Weise blendet die strahlende Materie, wenn sie in Erscheinung zu treten beginnt, doch ihre feinsten Schwingungen sind kaum wahrnehmbar.

       Dasselbe Gesetz tritt in anderen Prozessen in Erscheinung. Nehmen wir ein Beispiel der Einwirkungen auf Menschen. Man braucht ihnen nur eine Rede zu halten, und die Masse ist überzeugt, obwohl sie die folgende Wirkung gleichsam unberührt lässt. Noch kann man nicht bestätigen, dass der ursprüngliche Ansporn der überzeugendste Faktor war. Es ist sicher möglich, dass der Bewusstseinsgrad sich änderte und Donner sich in Stille verwandelte. Doch über die Macht der Stille wurde bereits gesprochen. So bilden sich, vollkommen verständlich, doch unsichtbar, die Umstände. Die Menschen nehmen sie in ihrer Endphase wahr, doch ein Yogi sieht den ganzen feinsten Bildungsprozess voraus. Für einen Yogi bedeutet der Ausspruch „Es gibt keinen Zufall“

[Russisches Original. Seite 118.]


einen Regenbogen von Wirkungen. Die Gebilde schichten sich in vielen Farben auf, und es ist wertvoll, dies zu bedenken. Wie bei chemischen Errungenschaften, so bemühen wir uns auch bei den psychischen, Gleichförmigkeit des Prozesses zu vermeiden. Jede erwartete Gleichförmigkeit unterbindet zahlreiche Möglichkeiten. Alles scheinbar Unerwartete enthüllt ein neues Muster in der Wirkung der feinsten Energien. Wie können wir der Evolution dienen, wenn wir die Wirkungen nicht zu unterscheiden vermögen?

 

       219. Wie kann man einen Agni Yogi nennen? Natürlich einen Apologeten[42] der Wahrheit. Das Empfinden der Wahrheit ist einem Yogi so eigen wie das Licht dem Feuer. Unbeschreiblich ist die Steigerung der Feinfühligkeit, sie schärft die fünf Sinne genauso wie die dem Astralkörper eigenen sieben Sinne, die nur selten in der irdischen Hülle wie ein Resonator erklingen. So sollte man aufmerksam den Gefühlen eines Agni Yogi lauschen. In ihnen liegt Wahrheit als die Flamme des Lichts.

 

       220. Agni Yoga stellt nicht nur eine fortschreitende Entwicklung der  menschlichen Möglichkeiten dar, sondern sollte auch die Verbindung mit den unseren Planeten zu einer vorgeschriebenen Frist erreichenden kosmischen Energien bewirken. Dieser Umstand muss unbedingt erkannt werden. Andernfalls wird sich eine Reihe von Krankheiten ausbreiten, und ihr Heilen durch äußere Mittel wird die verheerendsten Folgen nach sich ziehen.

       Wie kann man von diesen feurigen Erscheinungen geheilt werden? Man muss sie nur wie eine psychisch wirkende Kraft lenken. Wie vermag man Schmerzen im Rückgrat zu stillen, wenn sie mit dem Erwachen von Kundalini* zusammenhängen? Der Wissende

[Russisches Original. Seite 119.]


wird dieses Erwachen willkommen heißen und es durch Anwendung von Pfefferminze fördern. Wie kann man das Brennen des dritten Auges lindern, wenn seine Tätigkeit in Erscheinung tritt? Ist es nicht vernünftiger, seine Entwicklung zu fördern, indem man es vor der Sonne schützt? Früher hatten die Menschen die Gewohnheit, ihr Haar am Scheitel zu einem Knoten zu raffen, um diesen Kanal zu schützen. Kann man die Tätigkeit des Solarplexus einstellen, wenn er zu rotieren beginnt? Jede Gewalt, die man der Sonnenschlange antut, kann mit einer Schädigung der Gehirnfunktion enden. Ebenso gefährlich ist es, die Tätigkeit des Kelchzentrums zu unterbinden. Eine Vergiftung durch Opium stellt natürlich die Zentrentätigkeit ein, doch in diesem Fall wäre die Enthauptung einfacher.

       Man kann sich vorstellen, welche Bestürzung durch diese unerklärliche Zentrentätigkeit hervorgerufen wird, wenn man nicht auf dem Weg der psychischen Energie an sie herantritt. Wie seltsam es auch erscheint, jedes Studium der physischen Spuren von Imperil kann zum Verstehen der Ablagerungen der psychischen Energie führen. Doch man kann feststellen, dass sich um die Kristallbildungen dieses Giftes eine Art von Substanz sammelt, die diese gefährliche Viper absorbiert. Da jede Energie ihren physischen Kristall besitzt, wird man auf die Ablagerung von psychischer Energie stoßen.

       Wer die Kristalle des Fohat und der Lichttragenden Materie[43] gesehen hat, weiß, dass auch die Kristalle der feinsten Energien wahrgenommen werden können. Die Verbindung von Energien der physischen Ebene mit der unsichtbaren Sättigung des Raumes wird dem Studium die rechte Richtung weisen. Der Weg der Metaphysik hat keine sichtbaren Ergebnisse gezeitigt. Der Alchimist liegt in seinem Sarg. Doch die Chemie wird die greifbare

[Russisches Original. Seite 120.]


Wirklichkeit enthüllen, wenn sie die wahre Kenntnis über psychische Energie und das allverbindende Feuer erlangt.

       Ich erachte es als notwendig, eine Möglichkeit zu bieten, doch die Willensfreiheit darf nicht beeinträchtigt werden. Wer immer gewillt ist, wird begreifen. Gebt nie eine erschöpfende Formel. Gewährt der Willensfreiheit Raum.

 

       221. Die Ablagerung von Imperil wurde euch gezeigt. Gerade dieses Gift verursacht den Menschen so viel Unruhe. Vergesst aber nicht, dass selbst gröbste Unwissenheit einem Quäntchen Imperil nicht gleichkommt. Denn Imperil ist nicht nur ein privates Produkt, sondern es verdunstet und durchdringt den Raum, für dessen Reinheit wir alle verantwortlich sind.

 

       222. Der freie Wille begünstigt viele Widersprüche. Für die einen artet er in Eigensinn aus, für andere in Verantwortungslosigkeit und für dritte in törichten Dünkel. Nur wer die Disziplin des Geistes erfahren hat, kann erkennen, wie streng die Wirklichkeit der Freiheit sein kann.

       Der Niedergang der Freiheit kann als der Festtag der Unwissenheit bezeichnet werden. Die Menschen können sich weder mit der Hierarchie des Wissens abfinden noch können sie die Strenge des Willens schätzen. Doch ist Yoga möglich, wenn es keine Verantwortlichkeit für den Willen gibt? Jeder Yogi legt gleichsam ein Schwert auf sein Herz, so verantwortlich ist er für seine Willenstat. Die Folgen, die sich aus dem Willen eines Yogi ergeben, können unsagbar schwer sein, doch er weiß, warum er sie wählte. So mag man sich den Yogi als einen unermüdlichen Kämpfer vorstellen.

       Wer sich seines Willens sicher ist, möge eintreten!

 

       223. Krallen erschrecken euch nicht; Brüllen flößt euch

[Russisches Original. Seite 121.]


keine Furcht ein; Tiere wedeln mit ihren Schwänzen und sind bereit, euch zu dienen. Genauso verwandelt der Pfad des Yoga Gefahren in feurige Blüten. Wenn Ich euch rate, irdische Ansammlungen zu hüten, meine Ich nur die Rüstung geistiger Stärke. Wir verurteilen Verschwendung. Jede Aufspeicherung ist ein Schritt zur Freiheit. Wo sind die Grenzen des erlaubten Erwerbs? Durch Gefühlswissen und Erfahrung wird der Lehrer alles gutheißen, was erlaubt ist.

       Ein Yogi kann alles tun, doch ist einem Yogi nicht alles erlaubt. Wo sind die Bedingungen der Abgrenzung? In der Verantwortung für seinen geistigen Besitz, nur dieser Besitz ist eines Yogi würdig. Das übrige ist nichts anderes als die nach der Schlacht an seinen Gebieter zurückzugebende Rüstung des Kriegers. Hier gibt es kein Zögern.

       „Herrscher, nimm an meine Rüstung, das Schwert des Sieges und den Schild der Verteidigung. Wie schwer ist mein Helm, der in der Schlacht leichter war als eine Feder! Die Beinschienen erschweren meine Schritte und die Armschienen fesseln meine Hände.“

       Sein Gebieter würde antworten: „Jeder Kampf hat seine Waffen. Lege die für dich untauglichen Waffen ab. Ein Nachfolger deines Geistes wird sie übernehmen. Für jeden Kampf die gebührenden Waffen. Das Schwert ist für dich bereits zu kurz. So überreiche ich dir den Speer des Lichts und die Pfeile des weiten Fluges.“

       Wer dem Feind auf Schwerteslänge gegenüberstand, versteht den Pfeil des Sieges abzuschießen. Doch viele Krieger beherrschen den Einsatz der Waffen nicht und erliegen dem Schlag des Feindes. Sich durch Unvorsichtigkeit dem Schlag des Feindes auszuliefern, bringt keine Ehre ein. Diese Kampfregel gilt für jeden Yogi.

 

       224. Der befreite feinstoffliche Körper des Yogi sucht

[Russisches Original. Seite 122.]


verschiedene Daseinsebenen auf. Flüge in den Raum und Eintauchen in die Tiefen des Planeten sind gleichermaßen erreichbar. Das Erforschen der Kataklysmen des Planeten fördert das Verstehen der Aufschichtungen des Lebens. Man kann beobachten, dass in einem mineralgesättigten Strom eingeschlossene Tiere versteinern. Von unterirdischen Kanälen aus kann man sehen, in welchem Ausmaß die Fundamente unseres Planeten zerfressen sind. So wird der Geist des Yogi mit den Zuständen frühzeitlicher Körper vertraut, und nichts erscheint ihm dauerhaft, vollendet. Solch eine Erkenntnis ist für den Fortschritt des Geistes notwendig. Solches Streben nach Vervollkommnung erlangt man durch die Erkenntnis der Unvollkommenheit.

 

       225. Es ist unrichtig, zu denken, dass die Hebung des Bewusstseins durch übernatürliche Entzückungen erreicht werden kann. Wie unten, so oben. Alles ist Arbeit und Erfahrung. Das Bewusstsein nährt das Wachstum des feinstofflichen Körpers. Es gibt nicht das geringste Gefühl, das nicht am Gewebe für den feinstofflichen Körper schaffte. Es ist gerade dieser Umstand, der von den Menschen gewöhnlich außer Acht gelassen wird. Sie glauben, dass sie durch eine große Tat eine Reihe leichter Hausarbeiten verdecken können. Doch worin liegt das Große und worin das Kleine? Das ganze Wirken eines Yogi gründet sich auf verfeinerte Überlegungen. In jeder Tat eines Yogi mag man Beobachtung und Genauigkeit wahrnehmen. Hier gibt es weder Vorurteile noch nutzlose Gewohnheiten. Er schreitet einher wie ein Löwe, ohne der Beachtung unwürdige Pflanzen zu zertreten; doch er schlägt zu ohne zu zögern. Daher muss jeder die Wichtigkeit seiner Taten abschätzen.

       Man darf nicht hoffen, dass man morgen einen neuen Garten pflanzen kann; die Pflanzstätte des Bewusstseins kann nur

[Russisches Original. Seite 123.]


augenblicklich und unaufschiebbar gefestigt werden. Der Gärtner studiert jede in seinem Garten aufgelesene Wurzel. Für den Yogi wird jeder Faden des Bewusstseins ein Faden zu den fernen Welten sein.

 

       226. Ein Yogi wird in seinem Schaffen mit einem Steinmetz oder mit einem Goldschmied verglichen, der die feinsten Kunstwerke schafft. Ein Yogi gleicht tatsächlich einem Schmied; nur der Schmied kann ein schwieriges Muster durch feinste Berührungen anfertigen. So vermag auch ein Yogi die unsichtbaren Voraussetzungen der menschlichen Vorhaben zu begreifen. Er strebt dem zu, was gewöhnlich unsichtbar ist, und lernt die wirklichen Ursachen der Ereignisse erkennen. Dem Yogi ist die durch Wachsamkeit erworbene Erfahrung eigen.

       Kann sich ein Yogi vom Leben völlig zurückziehen? Er ist der Vervollkommnung derart nahe, dass er nicht lange in dem gewöhnlichen interplanetaren Zustand verweilen kann. Der euch bekannte Yogi U. schuf sich deshalb eine eigene interplanetare Daseinsform. Sie erwies sich für die Menschheit als nützlich und schloss als Grundlage die Erforschung der Verdichtung des feinstofflichen Körpers mit ein. Ich erwähne dieses Beispiel als Beweis, dass es überall des persönlichen, bewussten Schaffens bedarf.

       Die Verderbtheit in der feinstofflichen Welt hindert die Menschheit daran, die Vervollkommnung ununterbrochen fortzusetzen. Doch die feinstoffliche Welt wird durch die irdische Welt verdorben. Deshalb muss die Genesung der physischen Welt einsetzen. Daher bedeutet Studium des Yoga nicht nur Selbstvervollkommnung, sondern gleichzeitig die Verbesserung der feinstofflichen Welt. Der Yogi, der den Zustand seines Körpers bewusst ändert, erreicht die Spannung geistigen Schaffens. Er verkürzt nicht nur die Ruhezeit zwischen den Wiederverkörperungen, sondern richtet seine Gedanken

[Russisches Original. Seite 124.]


augenblicklich auf nützliche Taten. So vereint er durch unaufhörliches Schaffen die getrennten Welten und festigt die Erkenntnis alles Seienden.

 

       227. Jede kosmische Errungenschaft birgt die Möglichkeit der Gefahr durch Unvorsichtigkeit. Sobald die Menschen neue Energien beherrschen, wächst für die Schwachen im Geiste die Gefahr der Besessenheit.

       Zur Frage der Besessenheit sollte man sich wissenschaftlich verhalten. Zwei Aspekte der Existenz sind festzuhalten: erstens die ununterbrochene Fortdauer des Lebens in seinen verschiedenen Zuständen; zweitens der Einfluss des Willens eines Wesens auf ein anderes. So können in feinstofflichen Körpern vorhandene Wesenheiten unterschiedlichen Grades ihre Gedanken den auf der Erde Inkarnierten aufdrängen. Die unbewusste Energie kann zur Vereinigung der Welten beitragen. Doch indem sich das Höchste vereint, öffnet sich auch der Pfad zum Niedersten. Außerdem wisst ihr bereits, wie sehr die niederen Geister versuchen, sich irdischen Emanationen anzunähern. Deshalb sollte man die Menschen zur Standhaftigkeit des Willens ermahnen, denn Besessenheit ist einer der unzulässigsten Zustände. Nur das Eingreifen eines dritten Willens, der stark und rein ist, kann dieser Gesetzlosigkeit Einhalt gebieten, welche die Menschen ohne Rücksicht auf Alter und Stellung befällt.

       Es ist die Pflicht des Arztes, den Kranken hinsichtlich der Symptome dieses fremden Willens zu beobachten. Wenn der Arzt selbst rein genug ist und nicht fürchtet, den ungebetenen Gast anzuziehen, kann er seinen Willenseinfluss geltend machen. Doch ist selbst die Befreiung von besitzergreifenden Wesen keine dauernde Heilung; denn ungefähr tausend Tage hindurch ist die Gefahr eines Rückfalls nicht ausgeschlossen. Deshalb muss der Leidende

[Russisches Original. Seite 125.]


seine Gedanken scharf beobachten. Man sollte die Ärzte darauf aufmerksam machen.

       Unzählbar sind jene, die versuchen, die Menschen mit den niedrigsten Gedanken zu beeinflussen. Doch um einen Menschen zu retten, genügt es, Macht zu besitzen und den Rhythmus des Befehls zu finden. Es ist Pflicht des Yogi, schädliche Einflüsse abzuwehren.

 

       228. Die geöffneten Zentren bilden einen evolutionären kosmischen Kanal, aber die Medien gleichen ruderlosen Booten. Die ganze Menschheit muss durch diese evolutionären Kanäle zur Vervollkommnung gelangen. Doch mit geschlossenen Zentren bleibt sie weit zurück. Geöffnete Zentren sind der Hinweis auf die rechte Richtung, doch Medialität stellt nur eine Gefahr dar. Ein Medium ist nichts anderes als eine Herberge für entkörperte Lügner.

 

       229. Wir bedienten Uns des Magnetismus der Höhen und der geöffneten Zentren der Schwester Urusvati und untersuchten die Kristalle von Fohat und Materia Lucida, die Ablagerungen von Imperil sowie die Emanationen der psychischen Energie. Bedenkt: Wenn die Emanationen der psychischen Energie mit bloßem Auge gesehen werden können, bedeutet das, dass sie erfassbar sind. Alles Erfassbare kann kondensiert werden, was bedeutet, dass neue Lebenskraft gesammelt werden kann. So nähern wir uns der Eroberung neuer Energien, nämlich durch experimentelle Versuche im Laboratorium.

       Die Menschen können durch ihre natürlichen Emanationen einen Vorrat neuer Lebenskraft anhäufen. Jene, die im Raum verstreut ist, kann unmittelbar angewendet werden. Das ist der Grund,

[Russisches Original. Seite 126.]


warum die Bergstadt des Wissens erforderlich ist. Das ist auch der Grund, warum es notwendig ist, der Entwicklung der psychischen Energie Aufmerksamkeit zu schenken.

 

       230. Man muss sich aufmerksam gegenüber den Fällen der so genannten doppelten Existenz verhalten. Im schlimmsten Fall sind sie eine Art von Besessenheit, im besten Fall Überreste aus früheren Verkörperungen. Manchmal gelangt der Geist so weit an seine früheren Verkörperungen heran, dass er diese aufs Neue durchlebt. Es ist notwendig, diesen Zustand, der in das Bewusstsein der gegenwärtigen Verkörperung nicht eingeht, sorgfältig zu beobachten. Man sollte nicht mit Fragen belästigen. Doch auch hier kann der Yogi nützlich sein. Er kann den Befehl erteilen, die Vergangenheit nicht zu berühren. Ihr seht, dass Wir vergangene Verkörperungen nur in notwendigen Fällen berühren, um nicht die Emanationen der Vergangenheit aus Akascha heranzuziehen.

 

       231. Man darf die Menschen nie in den eigenen Hof locken. Selbst die Großen Lehrer überfüllten den Kelch des Aufrufs, in der Befürchtung, dass die Lehren nicht übertragen werden könnten. Doch jede Lehre wird zu einer bestimmten Frist übergeben. Sie durchdringt den Raum und sendet Emanationen aus, die ungeahnte Wege beschreiten. Wir sehen, wie vieles, was weit angekündigt wurde, in der ersten Welle der Verwirrung unterging. Doch es ist erstaunlich, zu beobachten, wie die unsichtbare Saat aufgeht.

       Oft wurde ein verspottetes Buch weggeworfen, um später die geziemende Achtung zu erlangen. Auch das Verbrennen von Werken steigerte deren Einfluss. Man sollte nicht die Verfolgung fürchten, sondern eher die Anerkennung! Dies muss wiederholt gesagt werden, denn die Menschen sind durchdrungen von der Aufmerksamkeit für

[Russisches Original. Seite 127.]


die Masse und erkennen nicht die völlige Nutzlosigkeit einer beliebigen Zusammenrottung.

       Dem Yogi obliegt es, die Worte der Lehre sparsam, doch weise zu übermitteln. Allen alles zu geben, bedeutet, im Raum selbst Unheil zu stiften. Mögen wenige, doch feste Stämme den künftigen Wald bilden; denn kleines Gebüsch verzehrt einander und erzeugt bösartige Wesenheiten. An allen Naturerscheinungen kann man die Spuren des Wachstums höherer Organismen studieren. Wir bezeichnen die Entstehung und Verkörperung des Gedankens als höhere Organismen. Gedankensplitter sind natürlich nichtig, doch der beständige und genaue Gedanke vermag ein Pfeiler der Lehre zu sein.

 

       232. Wer wird nützliche Führung nicht zurückweisen? Wer jeden Gedanken an die Bequemlichkeit des Lebens aufgegeben hat. Wem können Kampfmittel übergeben werden? Dem, der vom Schlachtfeld nie flüchten wird.

 

       233. Schweift nicht in die Ferne, um Naheliegendes zu suchen. Welch nie wieder gutzumachender Schaden entstand der Menschheit durch das tiefe Eindringen in Magie! Anstatt das Bewusstsein zu verfeinern, begnügten sich die Sucher mit den Worten anderer, ohne deren Bedeutung und Rhythmus zu kennen.

       Was sonst widerspricht der Evolution so sehr wie die erstarrten magischen Formeln? Durch die Methoden der Magie ist vor allem die astrale Welt von der physischen getrennt worden. Auch Besessenheit ist oft die Folge magischer Beschwörungen. Medialität ist die Genossin der Magie.

       Die allgemein kundgegebenen magischen Formeln sind die Resultate von Lügen. Sie gerade hinterlassen etwas,

[Russisches Original. Seite 128.]


das der mündlichen Überlieferung vorbehalten ist. Ein Yogi ist zweifellos das Gegenteil eines Magiers. Ein Magier stützt sich auf erstarrte Worte, ein Yogi atmet stets den frischen Atem des Kosmos. Der eine ist alt seit seiner Geburt, der andere bleibt jung durch stete Wandlung. Der eine versucht mit den Worten eines anderen einen Schlag zu erwirken, der andere trifft mit einem freien Gedanken. Der eine verteidigt sich mit einer kümmerlichen Schneide, der andere ist durch die Waffe seines Blickes geschützt.

       Yoga hat mit Magie nichts gemein.

 

       234. Ihr habt gesehen, wie ein Bach sich in einen mächtigen Strom verwandelte, indem er alle Wasserfälle und Stromschnellen in sich aufnahm und in seine Welle umwandelte. So gibt es auch für einen Yogi keine Unterteilung in gutes und schlechtes Wissen; er nimmt alles Wissen in sich auf und findet Nutzen in allem.

       An die Umsetzung jedweden Wissens sollte man sich gewöhnen. Welchen Bereich können wir als unter uns liegend betrachten? Wie können wir Gewissheit bewahren, wenn wir selbst Material zurückweisen, das nötig ist?

 

       235. Man hat richtig bemerkt, dass bestimmte Schmerzen als heilig bezeichnet werden. Durch diese steigt der Geist auf, und es gibt keinen anderen Weg. Es ist uns kein Fall bekannt, wo das Bewusstsein ohne körperliche Schmerzen aufgestiegen wäre. Man sollte verstehen, wie notwendig es ist, jede Erscheinung aufmerksam zu beachten, wenn wir mit jeder Stunde eine Übertragung höchster Energie erwarten können.

 

       236. Welches Vertrauen ist das beste? Jenes Vertrauen ist das beste, das ohne Worte bejaht. Welcher Zweifel ist der schlimmste? Der flüchtige Zweifel ist

[Russisches Original. Seite 129.]


der schlimmste. Nicht die nagende Schlange des Zweifels ist die schrecklichste, denn mit einer Heldentat kann sie vernichtet werden. Doch der Schwarm kleiner Würmer bedarf einer langwierigen Bekämpfung. Das festeste Vertrauen kann weder in Gedanken noch durch Worte verletzt werden. Es ist besser, Gift zu schlucken, als von Zweifel gequält zu sein. Wer mit Vertrauen gesegnet ist, bedarf keiner Rüstung.

 

       237. Es führt nur ein Weg zum Lehrer — voranzuschreiten ohne zurückzublicken. Der Gedanke an Misserfolg bedeutet bereits Niederlage. Wer die Richtung seines Fluges kennt, fliegt wie ein Adler über den Abgrund. Die Magnetisierung der Umstände ist euch bekannt.

 

       238. Es ist nie dagewesen, dass eine alte Aura früherer Verkörperungen nicht ermüdete; vor allem, wenn Karma keine besonders liebenswerten Weggefährten heranführt. Sind aber alle Begegnungen überstanden, dann tritt Erleichterung ein, als hätte man fremden Besitz zurückerstattet. Nicht weniger als die Hälfte aller irdischen Begegnungen ergeben sich aus früheren Verkörperungen. Man stelle sich Korkfiguren vor, die sich vom Druck höchster elektrischer Kraft gegenseitig anziehen.

       Die weite Anwendung von Karma lässt komplizierte Konstellationen entstehen, gleichsam eine zwei- oder dreifache Verwandtschaft. Aber es ist besser, der Zahlende zu sein als der Empfangende, denn jede Rückzahlung beendet die Vergangenheit, indessen jeder Empfang von neuem binden kann.

 

       239. Man muss mit dem Gedanken vertraut werden, dass nichts Nützliches verloren geht. Man muss sich bewusst werden, dass einen zahlreiche Gefahren umgeben. Man muss sich im Bewusstsein an die Last des Wissens gewöhnen. Buddha ermahnte seinen Sohn,

[Russisches Original. Seite 130.]


die Freude zu bewahren, denn dies ist das schwerste auf Erden. Es ist besser, die ganze Last des Wissens zu hüten, als außerhalb der Wirklichkeit zu verweilen.

 

       240. Man sollte alle Überlegungen über den Tod prüfen. Wenn es keinen Gedanken an Selbstmord gibt, wenn alles mit Arbeit erfüllt ist, wäre dann ein langes Leben in einem Körper erforderlich? Es ist nützlicher, die Zeit auf verschiedene Erfahrungen zu verteilen. Wirtschaftlichkeit der Energie ist die Grundlage der Weltenschöpfung. In ein neues, von Ozon durchdrungenes Haus einzuziehen, bedeutet Zugang zu neuen Errungenschaften zu erhalten. Das Werk eines Yogi besteht darin, die Todesfurcht auszumerzen.

       Man kann in einen derartigen Zustand von Begrenzung geraten, dass ein Umzug in eine Nachbarstadt zu einem Ereignis wird. Es kommt so weit, dass man sich fürchtet, seine Wohnung zu wechseln, ja es bereitet sogar Unmut, die Kleider zu wechseln. Träge Menschen fürchten vor allem den Tod. Sie können sich nicht entschließen, an ihn zu denken, und erheben den vergänglichen Augenblick zu einem Endzustand. Doch auch die Haut unseres Körpers erneuert sich, und wir rufen keinen Totengräber, um die abgestreifte Oberhaut zu begraben. Warum zieht man keine Parallele zwischen dem Mikrokosmos und dem Makrokosmos und denkt dabei an alle Definitionen der Unzerstörbarkeit des Geistes, von denen die Bhagavad Gita spricht?

 

       241. Kann ein Yogi Müdigkeit verspüren? Natürlich kann er es. Er kann sogar krank werden. Doch er wird wissen, dass neuer Energievorrat gesammelt werden muss. Er wird wissen, wo die Energie verausgabt wurde, und er wird ruhig Baldrian und Moschus einnehmen.

[Russisches Original. Seite 131.]


       Es bereitet Freude, zu wissen, dass unser Apparat der Erneuerung der Energie bedarf. Die Müdigkeit aus der Vergangenheit bedeutet Glückseligkeit für die Zukunft. Das Aufladen mit neuer Energie bedeutet immer, die Vergangenheit überflügeln. Das bedeutet, dass Müdigkeit unser Freund ist. In dieser Erkenntnis wechselt die weise Schlange ihre Haut, doch die Schlange beißt nicht in der Zeit des neuen Wachstums. Die Schlange weiß, dass der Erfolg dieser Erneuerung von Ruhe abhängt. Daher wird der Mensch, der die Ursache der Müdigkeit kennt, sich in weiser Einsicht Rast verordnen, indem er zum Wirken völlig andere Zentren aufruft.

 

       242. Es ist schwer fassbar, wie wenig Menschen von dem Wunsch erfüllt sind, allen zu geben, dem Raum zu geben, den unsichtbaren Welten zu geben, Wissen gerade an unbekannte Menschen abzugeben. Dieses Abweichen vom gewöhnlichen Leben führt zu einem neuen Denken.

       Eine räumliche Existenz ist nicht leicht, für die Blinden schafft sie eine Wand. Führt der Weg abseits der Straßen der Stadt, vermag das Herz dem Druck der vergifteten Substanzen zu widerstehen. Sonst ist es unerhört schwer, für das Irdische und das Ewige einen Platz zu finden.

 

       243. Die ganze Wirklichkeit ist auf den Gesetzen des Raumes aufgebaut. Sogar der Beginn von Krankheit und Genesung ist unmerklich. Der Moment ursprünglichen Entstehens kann oft nur durch stete Beobachtung erfasst werden, denn jede gesetzliche Tat erzeugt eine Vielzahl von Begleiterscheinungen, deren Gesetze im Bereich der feinsten Energien liegen.

 

       244. „Jenen im Grabe gab man das Leben.“ Dies ist der deutlichste Hinweis auf Wiedergeburt und die ununterbrochene Fortdauer des Seins.

[Russisches Original. Seite 132.]


       245. Warum befindet sich die Erde in einem kranken Zustand? Weil die Strahlen der Planeten nicht durch die verseuchte Aura hindurchdringen können. Wie weit wird sich der Mensch herabsetzen, wenn er seinen Verkehr mit dem höchsten Bewusstsein einstellt und in tiefste Unwissenheit versinkt? Vom Raj-Planeten[44] bis zum Mikrokosmos gibt es ein Gesetz. Seitdem die Menschen die Vorstellung über die großen Welten verloren haben, entfernten sie sich vom Verstehen der Vervollkommnung. Die Welten wurden für sie zu einem Wahnsinnstraum; und ihre Selbstvervollkommnung wurde zu einem unnötigen und gefährlichen Zeitvertreib. Wie Sklaven für Tageslohn hegen die Menschen den Wunsch, den Weg zu beenden.

       Die Religionen haben die Menschheit durch das Gericht eingeschüchtert und sie des Wagemuts beraubt. Ein Mensch, der sich der Staatsreligion blind ergibt, gleicht einem Esel, der eine unbekannte Last trägt. Kann man eine Religion wie eine polizeiliche Verordnung hinnehmen? Kann man das Urteil unbekannter Leute, die sich für den Verkehr mit dem Himmel bezahlen lassen, vertrauensvoll annehmen?

       Die Bedeutung des Yogi in der Angelegenheit der Staatsreligion ist sehr groß. Furchtlos, prüfend und unermüdlich muss der Yogi der Menschheit helfen, an das Gesetz der Einheit zu denken. Wie ein siegreiches Schwert blitzt der Gedanke des Yogi durch den Raum. Bereit, die Methoden des Verkehrs zu ändern, bereit zur Heldentat, bereit, Unwissenheit zu verurteilen, bittet der Yogi die Menschheit, über die Ursachen des inkarnierten Seins nachzudenken. Durch diesen Gedanken wird sich die Qualität der Arbeit und des Verstehens ändern. Wer wünschte nicht mutig zu wagen, wenn er über die Möglichkeiten

[Russisches Original. Seite 133.]


nachdenkt, die dem Menschen innewohnen? Gebührt der Siegeskranz nicht dem, der die Menschheit Mut lehrt? Andernfalls werden die Häupter der Menschen gleich Schweinen am Kehricht der Erde kleben bleiben.

 

       246. Der gegenwärtigen Rasse sind viele verzerrte Merkmale eigen. Die Menschen von heute wollen sich von allem persönlich überzeugen. Das scheint sehr gut zu sein, doch die Ergebnisse sind höchst unerwartet. Überzeugt kehren die Menschen ohne Konsequenzen zu ihren Beschäftigungen zurück. Die erstaunlichste Tatsache hinterlässt nicht die geringste Spur im täglichen Leben. Man kann nur staunen, wie Personen, die sich als Wissenschaftler betrachten, die nützlichsten Erscheinungen übersehen. Für sie bleibt jede Entdeckung der letzten hundert Jahre eine bestrittene Hypothese.

       Woher kommt diese Denkträgheit unserer Rasse? Solch ein Verfallsprozess ist ein Zeichen jeder sterbenden Rasse. Das ist das Alter, das ist das Ende, das ist die Ablehnung der Evolution. Deshalb rate Ich ständig, sich an bestimmte wenige Menschen zu wenden, ungeachtet ihrer sozialen Stellung.

       Gleicherweise entstellt wird die Frage der Hilfeleistung und der Qualität der Arbeit. Die Menschen verlangen nur nach der Hilfe, die ihrer Eitelkeit entspricht, und die Vorübergehenden erwägen überhaupt keine Qualität. Mögen wenigstens einige Verantwortung übernehmen; denn durch Verantwortung erreichen wir Beweglichkeit im Denken.

 

       247. Eine Änderung der Ausdrucksweise ist Uns sehr erwünscht. Durch solch eine Wandlung wird die Konventionalität der Ausdrücke und vor allem der Bedeutung vermieden. Jahrhunderte hindurch sammeln sich Gewohnheiten an,

[Russisches Original. Seite 134.]


die das Denken erstarren lassen. Kataklysmen und Spaltungen von Regierungen haben unerwartete Begriffe und neue Worte geprägt. Alte Ausdrücke werden unbrauchbar, und mit ihnen verschwinden veraltete Sitten. Nicht die Buchstaben des Ausdrucks sind so gefährlich, sondern dessen Bedeutung. Wenn Ich beispielsweise sage: „ Die Umstände gestalten sich erfolgreich“, setzen die Menschen ihre Denkrichtung fort und fahren fort zu denken, dass die Umstände günstig sind. Doch die Kenntnis vom Erfolg umfasst weit mehr als die von Gut oder Böse. Der Erfolg einer Zeichnung hängt nicht von der Einförmigkeit der Farbe ab, sondern vom Wohlklang der Gegensätze.

       Gleich schwer ist es für die Menschen, die Bestimmung über die Unwesentlichkeit von Gut und Böse anzunehmen. Nur der Gegensatz führt zu dem einen oder dem anderen.

       Die Erkenntnis eines strebenden Stromes räumlicher Körper, unaufhaltsam und ewig neu, würde den Menschen helfen, das strebende Prinzip des Lebens zu erkennen. So würde jeder Augenblick des Lebens Beweglichkeit erhalten und auf die Bindungen der Vergangenheit sowie die Unvermeidlichkeit der Zukunft hinweisen.

       Der in die Zukunft strebende Geist wird sich nicht mit den Lumpen der Vergangenheit belasten. Er benötigt Ausdrücke aus neu entdeckten Begriffen, er reißt die Begrenzungen der Worte nieder. Eher kann man einen erfolglosen Versuch verzeihen als den verkümmerten, gewohnheitsmäßigen Gruß eines Großvaters. Durch Beweglichkeit erweitern wir die Grenzen der Begriffe, an die wir infolge der Umstände der Geburt gebunden sind. Das Erbe physischer Abstammung ist mit geistigem Erbe unvereinbar. Deshalb wird die Beweglichkeit der äußeren Formen das Streben des Geistes fördern.

       Das Gebot aller Lehrer über die vorübergehende Bedeutung

[Russisches Original. Seite 135.]


der Dinge richtete sich auf die Bewegung. Nicht auf Asketentum, sondern auf die vernünftige Beherrschung der Dinge wurde hingewiesen.

 

       248. Die Fähigkeit, in den Sinn von Worten einzudringen, liegt in der Wahrnehmung durch das innere Zentrum, nicht im Aufbau der Sprache. Unterbreitet die einfachste Idee Tausenden von Menschen zur Diskussion, und ihr werdet nur eine angemessene Auslegung erhalten. Man sollte sich das wahre Verstehen einer Sprache angewöhnen. Yoga verhilft zum wahren Verstehen des Gedankens. Das Verstehen verschiedener Sprachen entspringt der Wahrnehmungsfähigkeit ein und desselben Zentrums, des Kehlkopfes.

       Es ist nützlich, den Kindern in den Schulen Auszüge aus fremden Sprachen vorzulesen und zu beobachten, wie eine fremde Sprache erfasst wird. Die Hand passt sich leicht bekannten Gegenständen an. Das Bewusstsein wird mühelos aus der Vergangenheit bekannte Laute auffangen. Wie leicht könnten viele nützliche Beobachtungen gemacht werden! Yoga lehrt ständig diese freudvolle Wachsamkeit.

 

       249. Gegenstände sollte man schätzen, doch Überproduktion vermeiden. Das schädlichste Denken beginnt inmitten von unnötigen Gegenständen. Die fadenscheinigen Gedanken über die Anwendung und Verteilung von Sachen gleichen ausgebreiteten Fangnetzen. Langwieriges Leid wird durch die Produkte einer alten Zeit geschaffen. Die Erneuerung von Formen kann einen unerwarteten Strom von Gedanken hervorrufen.

       Da wir mit Gegenständen zu tun haben, sollten wir sie nicht gleichgültig betrachten. Die Qualität und die Bedeutung der Gegenstände im Alltag der Evolution ist ein Thema für die Betrachtung. Wahrlich, ein neues Haus bedarf neuer, angemessener Gegenstände, doch es ist fast unmöglich, sie zu finden. Das heißt, menschliches

[Russisches Original. Seite 136.]


Denken sollte darauf gerichtet sein, neue Lösungen zu suchen. Doch für den neuen Aufbau der Umgebung sollte man auch erkennen, worauf sich das Leben richtet. Kann man aber eine solche Daseinsverbesserung erwägen, solange die Menschen meinen, wie die Tiere durchs Leben gehen zu können, ohne Vergangenheit oder Zukunft zu kennen?

       Stellt eine Frage über den Sinn des Lebens, und ihr werdet die hoffnungslosesten Antworten erhalten. Während selbst der Raum vor Energie und Entschlossenheit aufheult, näht die Masse ihre alten Kaftane um. Verträge führten die Menschheit ins gegenwärtige Unheil, gleichwohl können neue Verträge nur auf der Grundlage untauglicher Texte geschrieben werden, und neue Gewänder werden aus unzulänglichen Resten geschneidert.

       Es ist erschreckend zu erkennen, wie sich die Erdbewohner ihren eigenen Weg versperren. Gebete sind nicht nötig, sondern ernste Arbeit ist erforderlich. Dies muss wiederholt werden. Die Fristen haben naheliegende Möglichkeiten gebracht. Ist es möglich, dass die Händler sie nicht wahrnehmen?

       Ein Yogi erscheint rechtzeitig und verweist auf das erreichbare Glück. Ein Yogi kann Leben aufbauen, denn er kennt die Angemessenheit und den Wert. Im Leben selbst tritt die unbedingte Notwendigkeit des Yoga zutage. Wie und wodurch sonst könnten die Menschen die wahre Richtung des Strebens bestimmen?

 

       250. Sobald zur bestimmten Frist die Tat unvermeidlich erscheint, sind alle Umstände günstig. Feuer erleuchtet den Weg. Donner erweckt zur Stunde der Wacht. Der Schauer spült den Schlamm des Pfades hinweg; es gibt keine Gegenströmungen. Unsere Strahlen weisen den Weg und überwölben ihn mit der Kuppel der Sicherheit. Wenn Wir vor der Enge des unterirdischen Ganges warnen, so tun Wir dies,

[Russisches Original. Seite 137.]


um euch in Kenntnis zu setzen. Nur wenn eine Änderung des Weges nützlich erscheint, halten Wir euch an und geben eine neue Weisung. Manchmal ist es besser, den Berg zu umgehen, als sich durch Erklimmen der steilen Felsen zu erschöpfen.

       Wir haben nichts zu leugnen, denn Bestehendes ist unleugbar, aber es muss genutzt werden. Dann kann es weder Gram noch Trübsal geben, sondern nur Ermunterung.

       Wir kennen alle Gräser, die auf Unserer Wiese wachsen; Wir kennen alle ihre Eigenschaften, und deshalb bezeichnen Wir keines von ihnen als Unkraut. Zur falschen Zeit ist jedes schädlich, wenn es unvermeidlich ist, ist jedes nützlich.

 

       251. Wovon sprechen Wir? Von der Eigenschaft der Hingabe und der Wachsamkeit. Unbezähmbare, alles besiegende, schöpferische, den Pfad schmückende Hingabe. Alles durchdringende, alles begreifende, unermüdliche, das Streben stärkende Wachsamkeit. Gibt es viele Menschen, die Hingabe und Wachsamkeit hegen können? Wohin wird der hingebungsvolle Blinde gelangen? Kann man das Auge eines wachsamen Verräters hüten? So kann man dem Hingebungsvollen alle Kräuter anvertrauen. Man kann dem Wachsamen alle Blumen zeigen.

       Der Begriff der Hingabe wird ungeheuer geschmälert. Die Menschen scheuen sich nicht, Unzufriedenheit zu äußern. Unsere Liste der Hingebungsvollen ist nicht lang. Schätzt jeden Beweis der Hingabe. Aber Hingabe wird nur in einer schweren Stunde gemessen. Und Wachsamkeit wird nur unter der Decke des Nebels gemessen. Unser Schild ist nur das Verständnis für Hingabe. Doch die Menschen stellen Liebe, Bereitschaft und Besorgnis an die Stelle von Hingabe. Doch diese Fragmente der Hingabe sind wie ein gnädiges Lächeln. Hingabe selbst erglüht wie ein zur Schlacht bereiter Krieger.

[Russisches Original. Seite 138.]


       Sprecht oft über Hingabe und preist Wachsamkeit. Die Menschen bedürfen der Bestätigung.

 

       252. Jede Illusion kann bis zur Wirklichkeit gesteigert werden. Daher sollte man Illusionen als Leuchtkäfer betrachten. Wer würde Lichtträger vernichten?

       Versteht es, die Finsternis der Scheinheiligkeit zu vernichten, doch jedes Blütenblatt von Aufrichtigkeit möge leben.

 

       253. Die Zierde der Zukunft mit allen Blüten der Begeisterung ist das Licht der Morgenröte. Die Zierde der Vergangenheit gleicht einem Totenkranz. Wer die Macht der Zukunft verteidigt, ist Unser Krieger; auch seine ganze Macht wird durch den Schatz der Zukunft vermehrt. Wie die Stunde des Strebens einem Wirbelwind gleicht, so gleicht der Rückblick der Verwesung. Für den feurigen Yoga ist alles Vergangene verbrannt.

 

       254. Das Streben der Menschen entspricht den Eigenschaften der psychischen Energie nur wenig. Einige Eigenschaften dieser Energie haben Merkmale der Bewusstheit verloren. Am schwersten erkennt die Menschheit die Unbegrenztheit der Energie und ihre Möglichkeiten zu selbständigem Wirken. Wir spüren Energie leicht in Verbindung mit körperlichen Tätigkeiten, doch etwas Bemerkenswerteres erfassen wir kaum. Als Bemerkenswertestes zu beachten ist, dass die psychische Energie auf weite Entfernung gleichsam selbständig wirken kann. Wie eine dem Geschütz enteilende Kugel selbst wirksam wird, so kann unsere Energie vollkommen selbständig und anhaltend Wirkungen hervorrufen. Die Dauerhaftigkeit hängt natürlich vom Energievorrat ab.

[Russisches Original. Seite 139.]


       Man kann bewusst Energie aussenden, doch es kann auch unbewusste Abgaben geben, wenn die Energie in eine gewohnte Richtung strebt. Wird das Geschoss der Energie weit fortgetragen, so wird die Energieerschöpfung augenblicklich spürbar. Wer jedoch diese Eigenschaft kennt, wird nicht beunruhigt sein. Im Gegenteil, er wird die Wirkung der Sendung mit seinem Bewusstsein unterstützen.

       Ihr kennt die Legende von den Wolken, die über einer Stätte von besonderer Bedeutung kreisen. Diesem Phänomen liegt der gleiche Prozess der Energieabgabe zugrunde. Das Streben der Energie kann so gewaltig sein, dass physische Erscheinungen geschaffen werden, denn die Vereinigung der Energien mit den Elementen ruft ganz außergewöhnliche Konstellationen hervor. Doch in Zeiten der Aktivität der abgesonderten Energie ist eine gewisse Erschöpfung zu erwarten, die als natürliche Folge der Entleerung der Schatzkammer anzusehen ist.

       Die losgelöste Energie wird in unaufschiebbaren Fällen wirksam. Ein neuer Aufbau zieht natürlich die nahestehendsten Bewusstseine an. Als Hilfe dienen die beschleunigten Sendungen von Mut, Wachsamkeit und Findigkeit; und häufig vermutet weder der Empfänger noch der Sender das Geschehnis. Die Teilbarkeit des Geistes ermöglicht die Energiesendung. Die Energie wirkt durch diese Übertragung, und gleichzeitig fühlt sich der Spender gleichsam von Müdigkeit befreit.

       Wie viele solcher Sendungen durcheilen den Raum! Werden nicht einige von ihnen die Fundamente neuer Planeten bilden?

[Russisches Original. Seite 140.]


       255. Zündet eine Fackel an, sogleich wird sie aus der Finsternis von einer Menge von Insekten umschwärmt. Ihr bestätigt die psychische Energie, und augenblicklich treten verschiedene Umstände in Erscheinung, kleine und große, ferne und naheliegende. Die psychische Energie wird zu einem wahren Magneten. Viele wären erstaunt, zu erfahren, dass ein Magnet aus Metall und dieser psychische Magnet von derselben Energie aktiviert werden. Diese Grundenergie des Bewusstseins wird von dem alles durchdringenden Element Feuer verbreitet. Manchmal ist sie unerkennbar, doch oft wird sie entweder kosmisch angetrieben oder von einem entwickelten Bewusstsein gesammelt, und dann kann sogar eine oberflächliche Beobachtung unverkennbare Wirkungen feststellen. So können die völlig entgegengesetzten Bereiche auf einen Ursprung zurückgeführt werden.

       Wie kann man es verständlich machen, dass bei der ungeheuren Menge universeller Energien einige auf unvermutete Zentren wirken und so die verschiedenen Naturreiche vereinen? So nähert sich der Stein dem menschlichen Bewusstsein.

       Die moderne Wissenschaft meidet es allerdings, die Substanz eines Magneten zu erklären. Die Wellen des Bewusstseins prägen, gleich den Fluten des Meeres, dem Raum die Bildnisse der Schöpfung ein. Die magnetischen Ströme in den verschiedensten Substanzen werden wenig beachtet, doch das Massendenken der Menschheit ist bereits bekannt.

       Wie eine Seuche aus einer unsichtbaren Ursache, so verbreiten sich gleiche Gedanken. Irgendeine Kraft sammelt sie, lenkt sie und verstärkt sie. Jene, die einen Magneten auf ihren Scheitel legten, um ihr Bewusstsein zu vertiefen, kannten Fragmente der Großen Lehre. Die magnetischen Wellen aus verschiedenen

[Russisches Original. Seite 141.]


Bereichen sammelnd, verstärkten sie ihren Vorrat an psychischer Energie. Man vermag tatsächlich mehrere Ströme zu vereinen und dadurch eine Erneuerung des Bewusstseins zu erwirken. Dazu muss man vor allem lernen, zuzulassen, das ist die erste Bedingung für die Entwicklung des Bewusstseins.

 

       256. Der Hüter der Sieben Tore grämte sich: „Ich gebe den Menschen einen endlosen Strom von Wundern, doch sie wurden ihrer nicht gewahr. Ich biete neue Sterne, doch ihr Licht ändert das menschliche Denken nicht. Ich versenke ganze Erdteile in die Tiefen der Meere, doch das menschliche Bewusstsein regt sich nicht. Ich errichte Berge und die Lehren der Wahrheit, doch die Menschen wenden selbst ihren Kopf nicht nach dem Ruf. Ich sende Kriege und Seuchen, doch selbst Schrecken veranlasst die Menschen nicht zum Denken. Ich biete die Freude des Wissens, doch die Menschen machen einen Brei aus diesem heiligen Mahl. Keine weiteren Zeichen besitze Ich, um die Menschheit vom Untergang zurückzuhalten!“

       Zum Hüter sprach der Erhabenste: „Wenn der Baumeister die Fundamente des Gebäudes legt, weiht er alle, die am Aufbau arbeiten, darin ein? Die wenigsten unter ihnen kennen die vorgegebenen Maße, und nur einigen wird der Zweck des Gebäudes enthüllt. Jene, welche die Steine früherer Grundlagen ausgraben, werden keine einzige neue Grundlage begreifen. Doch ein Baumeister sollte sich nicht grämen, wenn seine Arbeiter die wahre Bedeutung seines Planes nicht erfassen können. Er kann nur die Arbeit entsprechend verteilen.“

       So ist es mit dem Bewusstsein der Menschen; wir wissen, dass jene, die weder begreifen noch hören können,

[Russisches Original. Seite 142.]


nur die niedrigste Arbeit verrichten werden. Wer verstanden hat, möge stark sein wie hunderttausend Weise, und wie Inschriften werden sich die Zeichen vor ihm entfalten!

 

       257. Man könnte fragen: Wie kann man den Nutzen von Hindernissen verstehen, wenn die psychische Energie wie ein Magnet alle Vorteile sammelt? Freilich, wenn ein großes Schiff seine Geschwindigkeit erhöht, nimmt die Widerstandskraft der Wellen zu. Durch unser Streben ergeben sich viele Hindernisse. Derselbe Prozess zieht unvermutete Teilchen eines entgegengesetzten Willens zu uns heran. Sind diese sehr stark, dann wird sich unser Schlag entsprechend verstärken. Das Wesentlichste ist, dass die Gegenströme stark sein müssen, denn dann wird unsere Flamme entfacht.

       Betrachtet das Auflodern der Flamme als nützlich, doch einen Brand als gefährlich. Mit dem Auflodern der Flamme meine Ich, dass die Kristallform der Flamme des Zentrums erhalten bleibt, und Brand bedeutet, dass das Zentrum in Feuer ausbricht.

       Wenn von jemandem gesagt wird, dass er durch die Umstände bedrückt ist, dann könnt ihr sicher sein, dass er ohne Entflammung lebte und sein Bewusstsein bei einem Zusammenstoß verwirrt wurde. Oft ist es schwer, den Augenblick der Verwirrung zu erkennen, doch dieser vergiftet alle weiteren Handlungen. Ist der Schritt jedoch fest, sind die Gegenkräfte wohltätig. Sie rufen Blitze hervor, und der Donner erschüttert ferne Berge. Nichtigkeit gebiert Nichtigkeit. Wenn ihr daher jemandem eine glückliche Reise wünscht, bittet ihn, sich von Nichtigkeit abzuwenden.

       Die Zukunft wird durch Blitze der Erkenntnis aufgebaut. Die Kraft dieser Funken hängt von

[Russisches Original. Seite 143.]


der Gegenkraft ab. Erfolg bedeutet daher nicht das Einschiffen für eine Seereise in einem Bottich auf einem unbeweglichen Teich.

       Wenn Wir sagen „Schwimmt!“, so heißt dies, dass ihr das Meer erproben sollt. Die riesigen Wellen werden euch Freude bereiten. Ist Erprobung der Stärke nicht einfach ein Wachstum der Kräfte? Ihr vollführt Unmögliches, wenn ihr einen Abgrund überquert. Aber ihr habt bereits Abgründe überquert und gelächelt. Ihr seht, Ich spreche nicht über Träume, sondern über bereits Erprobtes, für das es Zeugen gibt.

       Kühnheit ist nur Kenntnis des Weges. Andernfalls wäre jeder, der eine verschlossene Tür öffnet, schon ein Held. Was erwartet ihn jenseits der Schwelle? Der Agni Yogi lächelt dabei.

 

       258. Wir bestätigen den Begriff „mit menschlichen Händen“. Warum bestehen Wir auf der Notwendigkeit, mit menschlichen Händen zu wirken? Es wäre scheinbar einfacher, den Möglichkeiten der Menschheit einige feine Energien hinzuzufügen. Und wieder liegt der Kern der Sache im Bewusstsein. Solange die feinen Energien nicht erkannt werden, werden sie den Menschen keinen Nutzen bringen. Man möge begreifen, dass eine vom Bewusstsein nicht aufgenommene Energie auch zerstörend wirken kann. Eine nicht erkannte Energie vermag wie ein zügelloses Element alles Umgebende zu vernichten. Denn Erkennen bedeutet fast Beherrschen und auf jeden Fall bereits Angemessenheit. Bis die Menschheit das Wesen der Energie zu erkennen beginnt, ist es wesentlich, auf der Grundlage „mit menschlichen Händen“ zu bestehen.

       Wir halten die Möglichkeit nicht zurück, doch Wir bieten einen Ausweg aus den gegenwärtigen Zuständen. Es ist Zeit, sich an das zu gewöhnen, was nicht übersehen werden kann,

[Russisches Original. Seite 144.]


an die Kette der uns umgebenden unbeschreiblichen Energien. Wenn Salz auf dem Tisch steht, bedeutet das nicht, dass uns sein Geschmack bekannt ist.

 

       259. Yoga wird viele Begriffe beleuchten. Kann man wunschlos sein, wenn selbst der Geist dem Wunsch entsprechend inkarniert? Wünsche sind wie Funken der Bewegung. Was bedeutet es dann, dass sich ein Yogi von Wünschen befreite? Wir wollen der genauen Bedeutung der Worte nachgehen: Ein Yogi ist von der Möglichkeit, Wünsche zu empfinden, nicht befreit, wohl aber von deren Joch. Weil er kein Sklave des Wunsches ist, fühlt er sich frei. Auf dem Pfad der Zweckmäßigkeit gibt ein Yogi im Namen des Wesentlichsten in angemessener Weise Wünsche auf. Diese Leichtigkeit im Austauschen bildet die Freiheit des Yogi. Nichts vermag seinen Fortschritt zu hindern.

       Gerade die unbeweglichen, totgeborenen Wünsche erweisen sich als die Ketten des Gefängnisses der Menschheit. Niemand anders als er selbst legt sich in unlösbare Fesseln. Entweder Unvorsichtigkeit oder ein fremdes Karma bringen die Seuche von Wünschen, und ein Mensch verliert, anstatt vorwärtszuschreiten, jegliche Beweglichkeit.

       Beachtet jene, die an der Klagemauer stehen. Was hielt sie von ihrem Weg ab? Welche Kräfte lenkten sie ab von der Betrachtung und vom Verstehen der Welt? Der kleinste, fast unwahrnehmbare Wunsch belastete sie und verschloss ihnen die Augen. Wie eintönig wurde ihre Welt! Wie ein Parasit saugte der Wunsch ihre Energie ab.

       Wunsch ist ein Wurm und Ketten. Wunsch ist Funken und Flügel. Der Befreite schwingt sich auf zur Erkenntnis. Der Versklavte klagt in Verzweiflung.

[Russisches Original. Seite 145.]


       260. Viele Begriffe im Leben sind unzerstörbar, doch müssen sie zu ihrer wahren Bedeutung zurückgeführt werden. So auch der Begriff Einsamkeit. Nirgends heißt es, dass ein Yogi physisch allein sein muss, doch geistige Einsamkeit ist unvermeidlich. Sich hingebend, kristallisiert der Yogi sein Ich! Und je mehr er abgibt, desto weniger wird er berührt.

       Man sollte auch die Wechselbeziehung zwischen Klang und Farbe untersuchen. Es gibt eine Entwicklungsstufe der psychischen Energie, die man als leuchtend bezeichnet, und ein Wesen dieser Evolutionsstufe beginnt, Licht auszustrahlen. Dieses lichtvolle Erklingen ist ein Grad der Annäherung an die Erkenntnis der fernen Welten.

       Beachtet die grüne Farbe. Sie zeigt die Erkenntnis des Wesens an. Gleich unerwartet werden auch andere Kräfte aus dem Raum gesammelt. Und die Erscheinung der Lichtstrahlen ist wie eine Brücke zum Raumfeuer.

       Der Gebende ist unvernichtbar wie eine Flamme! Wer mit Licht erfüllt ist, strebt dem Licht zu!

 

       261. Wer das Leben schätzt, wird kein Held sein. Wer sein Leben nutzlos wegwirft, wird kein Held sein. Der Held trägt das Gefäß behutsam, bereit, es für den Aufbau der Welt darzubieten. Wieder finden wir denselben Gegensatz. Ein Yogi wird dies verstehen. Er wird den Wert von Enthaltsamkeit verstehen und diese mit Unersättlichkeit vereinen. Wahrlich, unersättlich in der Heldentat ist der Held. Er hungert nach Taten und ist jede Stunde bereit, zu entsagen. Geistig tätig, reißt er sich nicht von der Erde los. Unaufhaltsam

[Russisches Original. Seite 146.]


ohne Rückzug wird er Begonnenes nicht aufgeben und wird nichts um des persönlichen Vorteils willen unternehmen.

       Lasst uns dies erkennen, um zwischen unserer eigenen Befriedigung und der Forderung des Allgemeinwohls zu unterscheiden. Die Grenzlinie zwischen Selbstgefälligkeit und Schaffen für die Evolution der Welt ist sehr schmal.

       Nur ein hohes Bewusstsein kann die inneren Beweggründe erkennen. Nur ein hohes Bewusstsein wird sich widersprechende Urteile nicht beachten.

       Die Logik hat viele Wörter vergiftet; eine Entscheidung entspringt dem Austausch von Worten, aber nicht deren Sinn. Die Lehre vermag die Augen zu öffnen, wenn sie im vollen Sinne angenommen wird. Man kann über die Lehre hinwegschreiten wie über die Fliesen eines verzierten Bodens. In der Finsternis ist das Muster unsichtbar, um es zu erkennen, bedarf es des Lichts. In der Finsternis scheint das Muster unwichtig — passend für einen leichtfertigen Tanz. Die heiligsten Symbole können von den Füßen der Unwissenheit niedergetreten werden.

       Nicht das Auge, sondern das Bewusstsein mahnt zur Vorsicht. Würden wir das Werk des Lehrers in irgendeiner Weise behindern? Die Freude der Entsagung wurde im Namen des Lehrers wie zu einem leuchtenden Regenbogen.

       Herrscher, nimm meine Habe, wenn sie Dir von Nutzen ist!

 

       262. Viel wird über Hindernisse gesprochen, doch man nutzt sie sehr wenig. Das Verständnis für die Nutzung von Hindernissen wird der Arbeit Freude verleihen. Doch sobald ein Hindernis auftritt, beginnen die Menschen, an ihre Gefühle zu denken und vergessen, welcher Vorteil sich für sie ergibt. Die Menschen ziehen es vor,

[Russisches Original. Seite 147.]


alles in gewohnter Weise mit herkömmlichen Mitteln zu tun. Doch Wir bevorzugen unverhoffte Taten und ungewöhnliche Ergebnisse. Die Menschen sind glücklich, wenn ihnen das gleiche widerfährt wie den gewöhnlichen Menschen, doch Wir wünschen ihnen einen größeren Erfolg. Lehrt, den wirklichen Schaden gegen die Nützlichkeit des Geschehens abzuwägen. Es ist schwierig, den Menschen Ströme ungewöhnlichen Erfolgs zu vermitteln, wenn sie die ungewöhnlichen Wege meiden.

       Wir alle kennen mit Luxus umgebene Menschen. Wenn sie nur wüssten, wessen dieser Luxus sie beraubte! Die Menschen wollen alle herkömmlichen Gewohnheiten weiterpflegen und vergessen, dass die Gewohnheiten des Körpers auch Gewohnheiten des Geistes einprägen. Der Geist wird schwach und beginnt, kühne Taten zu fürchten. So werden die Menschen wie alle, mit den gleichen konventionellen Freuden und Sorgen.

       Lernen wir es, uns über Hindernisse zu freuen, wissend, dass das willkommene Hindernis sich in einen raschen Erfolg verwandelt. Und dieser Erfolg wird einem Netz mit reichem Fang gleichen. Lasst uns daher unser Auge auf die Umgebung richten und verstehen, vor welchen Gefahren wir bewahrt bleiben, nur durch Hingabe an den Lehrer. Doch oft vertrauen wir dem Lehrer in großen Dingen und sind unsicher in kleinen. Oftmals bemerken wir die großen Hindernisse und übersehen im Gesichtskreis die Mengen von kleinen. Doch ein kleiner Skorpion sticht unbeachtet genauso wie ein großer.

       Nicht um den Berg zu erkennen, bedarf es eines Adlerauges, wohl aber für die kleinen Sandkörner.

 

       263. Es ist eine Freude, dass ihr die Bedeutung der Schlacht schon versteht. Ganze Legionen werden in den Kampf einbezogen, aber sie wissen nicht,

[Russisches Original. Seite 148.]


wann Rast und wann Gefahr gegeben ist. Vor Sonnenuntergang schwärmen die Mücken, doch was bezwecken sie? Man kann eben nicht unterscheiden, wo Freude und wo Besorgnis ist.

       Die Weltschlacht bezieht alle Wesen mit ein, doch wenige verstehen die Bedeutung dessen, was vor sich geht. „Warten wir das Morgen ab“, meinen die Leute, doch ihr Morgen beginnt erst am Mittag.

 

       264. Vom Gesegneten wird Folgendes berichtet: Einst besuchte der Gesegnete den Herrscher von Radjagriha. Der Herrscher lenkte dessen Aufmerksamkeit auf die Unbeflecktheit seines Empfangsraumes. Doch der Gesegnete antwortete: „Zeige lieber die Reinheit deines Schlafraumes, deines Bades und deines Herdes. Der Empfangsraum wurde von vielen Unwürdigen befleckt, aber dort, wo dein Bewusstsein sich entfaltet, möge es fleckenlos sein.“

       Und weiter sagte der Gesegnete: „Unterscheide zwischen jenen, die verstehen, und jenen, die zustimmen. Wer die Lehre versteht, wird nicht säumen, sie im Leben anzuwenden. Wer zustimmt, wird mit dem Kopf nicken und die Lehre als beachtenswerte Weisheit preisen, aber diese Weisheit nicht im Leben anwenden. Es gibt viele, die zustimmen, doch sie sind wie ein verdorrter Wald — fruchtlos und ohne Schatten. Nur Verwesung harrt ihrer. Derer, die verstehen, gibt es wenige, doch wie ein Schwamm saugen sie das kostbare Wissen in sich ein und sind bereit, mit dem kostbaren Nass die Gräuel der Welt zu reinigen. Wer versteht, der kann nicht umhin, die Lehre zu befolgen; denn ihre Zweckmäßigkeit erkennend, nimmt er sie als Stützpunkt des Lebens an.“

       Verschwendet mit den Zustimmenden nicht viel Zeit. Mögen sie erst zeigen, dass sie den ersten Ruf befolgen.

[Russisches Original. Seite 149.]


So wird über die zweckmäßige Haltung des Gesegneten gegenüber Neuankommenden berichtet.

       Es ziemt sich nicht, das Gefäß häufig in einen leeren Brunnen zu tauchen. Der Sämann wird den Samen nicht zu einem kahlen Felsen tragen. Wer zustimmt, wird die Segnungen bereitwillig annehmen, doch über das erste Hindernis erschreckt sein. Prüft daher durch Hindernisse!

[Russisches Original. Seite 150.]


       265. Die Berührung der feinen Energien ist wie das zarteste Gewebe. Doch nur wer ihren Wert kennt, vermag die feinsten Gewebe zu tragen. So unterscheidet zwischen einem bereiten und einem flammenden Geist.

       Wer die Gabe des Geistes nicht annimmt, der verwelkt. Durch immer noch währende Unwissenheit vernichten sich die Finsteren selbst.

 

       266. Einsamkeit des Geistes gebiert die Vorstellung künftiger Formen.

       Der Geist der Finsternis überlegte, wie er die Menschheit noch fester an die Erde binden könnte; er dachte: „Mögen sie ihre alten Sitten und Gewohnheiten beibehalten. Nichts fesselt die Menschheit so sehr wie die gewohnten Formen. Doch dieses Mittel eignet sich nur für die Massen. Weit gefährlicher ist Einsamkeit, in ihr werden das Bewusstsein erleuchtet und neue Formen geschaffen. Man muss die einsamen Stunden verkürzen. Die Menschen dürfen nicht allein bleiben. Ich werde sie mit einem Spiegelbild ausstatten, um sie an ihr Gesicht zu gewöhnen.“ Und die Diener der Finsternis brachten den Menschen einen Spiegel.[45]

 

       267. Wer sich Uns nähert, kann den Übergang in einen anderen Zustand gewahren. Man kann ihn mit einem Menschen vergleichen, der im Reisen erfahren ist. Ein Unerfahrener fürchtet sich, selbst den Landungssteg des Schiffes zu überqueren.

 

       268. Das Leben eilt dahin wie ein Wasserfall. Doch nicht viele nehmen diese Bewegung wahr. Wie ein Grab ist das Leben jener, die nach Ruhe streben. Was ist Ruhe? Dieser Begriff ist eine Erfindung der Finsteren. Welche Behutsamkeit offenbaren die Menschen, wenn sie von Ruhe sprechen! Sie verstehen Ruhe als Erholung. Erholung ist immer mit irdischer Freude verbunden, doch diese Freude am Müßiggang ist nicht die Unsere. Wann ist die Natur untätig? Wir, als Teile von ihr, unterliegen demselben Gesetz.

       Man kann nicht immer laufen, aber man sollte auch keinen Riegel darstellen. Durch den Vergleich mit dem Leben einer beliebigen Pflanze kann man ein Beispiel unablässiger Tätigkeit geben.

 

       269. Ihr habt richtig bemerkt, dass Wir Gespräche über bereits behandelte Themen nicht wiederholen. Folgt man jedoch Unseren Gesprächen, kann man eine aufsteigende Spirale bemerken; es kann nicht anders sein. Wenn nur einmal eine geringere Ansicht zugelassen würde, würde dies eine Unterbrechung der Spirale bewirken. Es würde das gleiche geschehen, wenn jemand in seiner Erklärung versuchte, weit auszuholen. Wieder würde eine Unterbrechung stattfinden. Doch keine Lebenslinie kann willkürlich unterbrochen werden. Dies ist bei jeder Erscheinung offenbar.

       Die Frage ist nur, kann das Bewusstsein ständig aufsteigen? Gewiss, wenn man übereinkommt, Ruhe als die Läuterung des Denkens zu verstehen. So werden wir dem Hauptfeind erfolgreich begegnen.

 

       270. Jeder hat seinen Feind. Die Bedeutung des Feindes bestimmt die Wichtigkeit der Person, genauso wie ein Schatten von der Größe eines Gegenstandes zeugt. Man soll sich mit den Feinden nicht besonders befassen,

[Russisches Original. Seite 151.]


aber man soll sich ihnen gegenüber auch nicht geringschätzig verhalten. Es gibt keinen Menschen ohne Schatten.

       Akbar*, genannt der Große, betrachtete seine Feinde mit Sorgfalt. Sein Lieblingsratgeber führte eine Liste der Feinde. Akbar erkundigte sich oft: „Ist nicht ein würdiger Name auf der Liste erschienen? Sobald ich einen würdigen Namen auf der Liste erblicke, werde ich dem verkleideten Freund meine Grüße senden.“

       Ferner sprach Akbar: „Ich freue mich, dass ich im Leben die Heilige Lehre anwenden konnte, dass ich dem Volk in Fülle geben konnte und dass ich durch den Schatten großer Feinde ins Licht gestellt wurde.“ (…)

       Keine einzige Lehre ist durch Freunde erhöht worden. Wenn der Feind ein Schatten ist, dann ist Verleumdung ein Posaunenklang.

 

       271. Das Bewusstsein assimiliert Bewegung mit den gebräuchlichen Formen - das sind Kombinationen von Symbolen. Man sollte das Symbol des Bewusstseins schätzen. Gewiss, das Symbol eines Bootes ist weit besser als jenes eines modernen Dampfers, weil ein Boot den Gefahren der Elemente besser entspricht.

       Selbst im Saatkorn ist der Geist den Einwirkungen der Elemente ausgesetzt. Deshalb ist es gut, ein Freund des allverbindenden Feuers zu sein.

 

       272. Der Lehrer setzt nie herab. Man kann formulieren, wenn die Tatsache vollzogen ist.

 

       273. Die Bedeutung der verschiedenen gegenseitigen Beziehungen zwischen Lehrer und Schüler ist erkannt worden. Die Stufen der Annäherung an die Lehre sind nämlich ungleich. Auf den ersten Stufen gibt es so viel Anziehung, so viel Verantwortung auf den nächsten.

[Russisches Original. Seite 152.]


       In der Astralwelt wurde beobachtet, dass jene, die ein durchschnittliches Bewusstsein besitzen, nicht nach dem Gipfel streben. Durchschnittliches Bewusstsein befreit sie vom Leiden, doch auferlegt es ihnen nicht gleichzeitig die Verpflichtung zu selbstaufopferndem Wirken. Das gleiche kann beim Wachstum des Geistes beobachtet werden. Die ersten Rufe sind angenehm und wohltuend, und der Zustand des bevormundeten Kindes ist nicht verantwortungsvoll. Doch das Bewusstsein wächst, und der Geist wird für besondere Aufträge würdig. Jeder Auftrag widerspricht der alten weltlichen Logik und ist daher mit Schwierigkeiten und Gefahren verbunden.

       Wahrlich, es gibt wenige, die es lernen, sich bei der Überwindung von Hindernissen zu freuen! Und viele sind sogar bereit, sich nach dem früheren mittelmäßigen Bewusstsein zu sehnen. Die Hinweise werden kurz und die Arbeit hängt von selbständiger Tätigkeit ab. Die Freunde werden spärlich und die Schwierigkeiten häufen sich zu unbezwingbaren Bergen, während die Siege scheinbar nicht bemerkt werden.

       Die Wirkungen der feinsten Energien sind nicht offensichtlich; die wechselnden, so genannten heiligen Schmerzen quälen einen. Die Teilbarkeit und Sendungen des Geistes sind unerklärbar. Doch über allem erhebt sich die Erfüllung der Wünsche für das Allgemeinwohl.

       Die geistige Zusammenarbeit weitet sich aus, ohne durch den Raum begrenzt zu werden. Durch Nachahmung der fernen Welten ändert sich das Verhältnis zur Umgebung, und die räumliche Arbeit hört auf, ein leerer Schall zu sein. Die übertragenen Aufträge werden zur Freude und gleichsam zur eigenen, unveräußerlichen Arbeit. Es kann nicht anders sein. Allerdings gleicht diese Freude nicht den Freudensprüngen eines Böckleins. Die Einschätzung der Umgebung macht die Gesichter ernst, doch

[Russisches Original. Seite 153.]


das Leben wandelt sich, und von den Höhen beobachtet man die Ringe des irdischen Drachens. Die bereits im ersten Ruf übersandte Furchtlosigkeit bringt einen den neuen Lichtquellen näher.

 

       274. Der Hofgeschichtsschreiber Akbars sagte einst zum Herrscher: „Unter den Potentaten bemerke ich eine unerklärliche Erscheinung. Gewisse Herrscher hielten sich unzugänglich, fern vom Volk; man setzte sie wegen ihrer Nutzlosigkeit ab. Andere nahmen Anteil am täglichen Leben, das Volk gewöhnte sich an sie und setzte sie ab, weil sie ihm allzu gewohnt waren. Akbar lächelte: „Das bedeutet, dass ein Herrscher unsichtbar bleiben, jedoch auf alle Taten eingehen und sie leiten muss.“ So sprach der weise Herrscher und sagte die Zukunft voraus— unsichtbar sichtbar!

 

       275. Die Vedanta stellt richtig fest, dass der Geist unverletzlich bleibt. Das feurige Geisteskorn behält seinen ursprünglichen Bestand, weil das Wesen der Elemente unveränderlich ist. Doch die Emanation des Korns ändert sich in Abhängigkeit vom Wachstum des Bewusstseins. So kann man verstehen, dass das Geisteskorn ein Teilchen des elementaren Feuers ist. Und die um das Korn angesammelte Energie ist das Bewusstsein. Das bedeutet, dass die Vedanta sich mit dem Korn befasste, während der Buddhismus von der Vervollkommnung der Umhüllungen sprach. So vollkommen verbinden sich das Bewegliche und das Unbewegliche.

       Es ist durchaus verständlich, dass Buddha, der die Menschheit zur Evolution lenkte, das Wesen der Beweglichkeit aufzeigte, während die Vedanta die Grundlage erklärte. Fügt einer Flamme irgendeinen chemischen Bestandteil bei, und ihr werdet bemerken, dass sich ihre Farbe und Größe verändert; aber das ursprüngliche Wesen des Feuers wird unverändert bleiben.

[Russisches Original. Seite 154.]


Ich sehe keinen grundlegenden Widerspruch zwischen Vedanta und Buddhismus.

 

       276. Es ist richtig, dass in Indien das Wissen über den Eingang der feinstofflichen Energien ins Leben vorhanden ist. Man sollte zur wissenschaftlichen Annahme der Erscheinungen bereit sein. Die Finsternis setzt die Qualität der Energien in unberechenbarem Umfang herab, doch das geöffnete Bewusstsein kann einen Teil der Energien aufnehmen. Die Wolken der Finsternis hindern die Strahlen der Sonne, doch ein Teil von Licht und Wärme erreicht die Erde.

       Keine Lehre enthält einen Widerspruch. Der Weg der üblichen Experimente ist ungeeignet.

 

       277. Es wird richtig gesagt, dass die unsichtbaren Kräfte stärker sind als die sichtbaren. Ebenso richtig ist die Erkenntnis, dass die Nähe des Lehrers unabdingbar ist.

       Unbestreitbar wahr ist das Gefühl in Bezug auf die Ströme des Raumes, die das ganze Leben beeinflussen. Ist es möglich, dass die Menschen die Verdichtung der Ströme seit dem Jahr des Irdischen Drachens[46] nicht bemerkt haben? Der Schweif des Drachens ist wie ein Magnet, doch seine Hoffnungen sind vergeblich. Auf der Erde kriechend kann man keine heilsamen Energien empfangen. Eben zu diesem Jahr ist das Zeichen des Drachens gesandt. Man sollte auf die Hände der Erdbewohner achten. Während der nächsten zehn Jahre kann man feine Verrate erwarten.

       Das neue Zeitalter beginnt inmitten von Donner und Blitz. Was wird die Erscheinung des Gewitters hervorrufen? Die außergewöhnliche Stumpfheit.

       Wie langwierig zieht sich die Spanne von zehn Jahren hin, wenn die Ankunft der neuen Energien bereits vorbereitet ist!

 

       278. Oft findet sich der Lehrer gegenüber seinem Schüler in einer schwierigen Lage. Der Schüler verspricht, alle Befehle des Lehrers zu befolgen, doch sobald er einen erhält,

[Russisches Original. Seite 155.]


findet er sofort Gründe, um ihn zu ändern. Der Lehrer erfährt eine ähnliche Schwierigkeit, wenn er der Untätigkeit beschuldigt wird. Stellt euch die Lage eines Bogenschützen vor, der schussbereit ist, und hinter ihm jemand ausruft: „Warum schießt er nicht?“

       Kleine Kinder folgen der führenden Hand, ohne den Grund zu kennen. Doch Erwachsene versuchen, der vorbereiteten Wirkung gemäß ihrer Stimmung etwas hinzuzufügen. Man kann sie gleichsetzen mit Leuten, die, wenn das Haus zu brennen beginnt, unersetzliche Manuskripte außer acht lassen, doch ihr geliebtes Bettzeug retten.

       Woher kommt diese Missachtung des Befehls? Trotz allem vom Misstrauen. Es ist unbegreiflich, wie leicht die Gaben des Lehrers angenommen und seine besten Befehle missachtet werden. Wie viele wohlüberlegte Sendungen wurden zurückgewiesen, wie viele wirkungsvolle Taten aus Leichtsinn zunichte gemacht! Mit der einen Hand wird Achtung erwiesen, und die andere verstreut die Perlen über den Abgrund – wobei man vergisst, dass das Durchdringen des Raumes mit persönlichen Sendungen eine Vergiftung des Raumes bedeutet und dass der erwählte Führer mit seiner Erfahrung den Schüler nicht herabsetzen wird. Wie sehr ist daher Zusammenarbeit in festem Vertrauen zu schätzen!

       Wenn ihr selbst Lehrer werdet, besteht auf der sofortigen Ausführung eines Befehls. Erteilt nicht oft Befehle; sie könnten gewöhnlich werden, doch wenn die Arbeit es erfordert, erteilt einen kurzen Befehl. Man möge wissen, dass ein Befehl unwiderruflich ist. Einfacher gesagt, man muss folgen und selbständige Arbeit mit Zusammenarbeit verbinden. Der entstellte Befehl

[Russisches Original. Seite 156.]


gleicht einem entgleisten Zug. Es ist besser, keine Gaben zu empfangen, als die Welle zu verzerren.

 

       279. Ihr habt die Legende von der Erhitzung des Thrones Indras[47] gehört. Ihrem Ursprung liegt eine psycho-physikalische Erscheinung zugrunde. Die besondere Anspannung der psychischen Atmosphäre lässt rein physikalische Rückstrahlungen entstehen. Und eine lebhafte Gegenwirkung bemächtigt sich der feurigen Energie, und es ist notwendig, das Gleichgewicht wiederherzustellen.

 

       280. Inmitten feindlicher Angriffe wurde Akbar gefragt, wieso es so viele Angriffe gäbe. Akbar antwortete: „Gewährt den Feinden auch einen Augenblick der Beschäftigung.“

 

       281. Was bedeutet „verrückt in Gott?“ Warum nannte man die Propheten des Altertums Verrückte? Eben wegen des Feuers des Gefühlswissens, das sie von allen anderen absonderte. Eine wertvolle Eigenschaft, die sie von der gewöhnlichen Denkrichtung trennte.

 

       282. Die Menschen vermögen gegen die groben Erscheinungen der Elemente Maßnahmen zu ergreifen. Doch zur Zeit der Aufnahme der neuen Energien wird es wesentlich sein, die Einwirkungen auf sie zu verfeinern. Noch bis vor kurzem versteckten sich die Menschen vor Blitz unter einem Baum oder rannten Hals über Kopf davon. Doch jetzt haben sie geeignete Methoden des Selbstschutzes gefunden. Das gleiche wird natürlich in dem Fall der feinstofflichen Energien geschehen. Doch bei rechtzeitiger Voraussicht können zahlreiche Verluste vermieden werden.

       Wie kann die Aufmerksamkeit auf die neuen Energien gelenkt werden? Gefühlswissen wird bei der Aneignung von Scharfsicht behilflich sein. Bald wird man die Menschen ihrem Gefühlswissen nach unterscheiden.

[Russisches Original. Seite 157.]


Man sollte so achtsam wie möglich die Menschen mit geöffnetem Bewusstsein erkennen. Weder Bildung noch Erfahrung, noch Begabung, sondern gerade das Feuer des Gefühlswissens erschließt den direkten Pfad nach Schambhala*. Gerade das Feuer des Gefühlswissens weist auf die einmalige Eigenschaft der neuen Zeichen inmitten des täglichen Lebens hin. Man kann voraussehen, dass die Behörden das Leben solch feinfühliger Mitarbeiter besonders schützen werden. Diese Bewusstseine sind wie die Meilensteine des direkten Pfades. Wissenschaftliche Beobachtungen werden von dem Feuer des Gefühlswissens gelenkt werden.

       Weder Asketen noch Fanatiker, noch die Abergläubischen, sondern jene, die den Yoga des Feuers kennen, sind es, die das Steuer des Lebens nicht verlassen werden. Wahrlich, ihr Opfer wird groß sein. Sie werden sich dauernd am Rande von Explosionen befinden, obwohl sie ihr Dasein in Ruhe hätten fortsetzen können. Doch Ruhe ist keine Eigenschaft des Feuers; denn Feuer vernichtet ständig etwas, um zu schaffen. Solch feurige Bestrebungen erproben die Gefühle wie in einem Schmelztiegel.

       Zur Zeit wird es noch nicht gänzlich verstanden, warum Wir über das Zusammentreffen mit den neuen Möglichkeiten solche Vorsichtsmaßregeln treffen. Doch bald werden die Menschen es wünschen, die nie dagewesenen Enthüllungen anzuwenden, für die es im Leben keine Erklärung gibt. Dann wird mancher sich an die Zeichen des Agni Yoga erinnern.

 

       283. Wenn ihr Träumer genannt werdet, sagt: „Wir kennen nur Tätigkeit.“

       Wenn ihr gefragt werdet, wie ihr die Lehre verwirklicht, antwortet: „Nur durch Befolgung im Leben.“

       Wenn ihr herausgefordert werdet, die Vermächtnisse zu verteidigen, sagt: „Der Unwissenheit kann man nicht antworten.“

       Wenn

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jemand den Lehrer verleumdet, sagt: „Noch heute Nacht wirst du über dein nie wieder gutzumachendes Vergehen nachdenken.“

 

       284. Die Bedeutung ist wichtig, nicht die Form. Selbständige Arbeit ist das Wichtigste. Ebenso wird Kürze ein Zeichen des Fortschritts sein. Wenn wir an der Grenze zweier Welten leben, kennen wir die Schärfe der Darstellung. Wenn der Bote eine Botschaft überbringt, weiß er mehr, als er mitteilt.

 

       285. Wahrlich, viel Zeit wird von jenen verschwendet, die den Weg suchen. Aber andererseits können jene, die den Weg kennen, ihre Kräfte für den Sieg einsetzen. Wir wünschen ihnen, sie mögen mit Begeisterung voranschreiten. Jeder ihrer Schritte ist Unsere Freude. Wir sind bereit, sie zu stützen, damit sie nicht fallen.

       Man muss schwierige Strömungen durchstehen. Auch das Schiff begegnet auf seiner Fahrt den Hindernissen der Elemente.

 

       286. Erfolgreich im Leben sind die, die besonders zutreffend das Wesen der Dinge verstehen, aber auch die, die sich eine besondere Entstellung der Dinge angeeignet haben - der Unterschied liegt nur in den Folgen. Jene, die das Wesen der Dinge erkannt haben, hängen nicht an ihnen, aber jene, die sie entstellen, bleiben ihre Sklaven. Wenn jemand keinen Erfolg hat, so deswegen, weil er sich nicht in die Schalen der Waage stellte, sondern in der Mitte der Waage stehenblieb.

       Was ist das Kriterium des Verstehens oder der Entstellung der Dinge? Ob jemand die Lebensumstände ändert. Hat sich nichts geändert, gab es keine Gedankentätigkeit. Jene, die zögern zu verstehen, können keinen Erfolg haben. Die Mehrzahl der Menschen wird von Schwäche und Unbeweglichkeit dahingeschleppt. Das Leben ist Fesseln für sie, während Leben doch Eroberung ist. Die Gewähr des Erfolgs liegt in der Bewegung.

 

       287. Mahayana[48] verhält sich zu Hinayana[49] wie Buddhismus zu Vedanta. Mahayana kennt und enthüllt

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das Wesen der Welt der Elemente. Hinayana unterstreicht die Ursachen und Wirkungen und lehrt das Vermeiden der wiederkehrenden Folgen der Ursachen. Die Lehre schlägt Funken aus dem Chaos der Elemente. Man mag diese Bildnisse studieren, doch ist es ebenso richtig, sich auf Ursache und Wirkung zu konzentrieren. Wenn wir Buddha als Ursache bezeichnen, dann ist Maitreya die Wirkung.

 

       288. Natürlich enthüllt eine Luftspiegelung keine Wirklichkeit, aber sie selbst ist eine Wirklichkeit. Deshalb muss man die Realität von Maja richtig verstehen und ihre ganze tückische Entstellung kennen.

       Ihr, die ihr den Weg kennt, findet das Feuer, um ans Ziel zu gelangen!

 

       289. Der Gesegnete sprach von drei Lehrern. Der eine erhielt göttliche Gaben und verließ die irdische Arbeit. Der andere erhielt die Gaben und verlor den Faden des Verständnisses des Lebens. Der dritte, Gaben empfangend, entfernte sich nicht von der Erde und vermochte den Faden des Verständnisses zu knüpfen. Seine Nützlichkeit übertrifft die der beiden anderen.

       Das Zeichen des Lebens ist das Kreuz. (…)

 

       290. Glichen die Helden alter Zeiten den heutigen Helden? Bedurften die Helden des Altertums des Vorrats unerschöpflicher Begeisterung? Ihre Heldentaten waren kurz, und ein Ausbruch des Feuers genügte, um ihre Energie zu nähren. Jetzt erfordert die Langwierigkeit der Heldentat, mit der völligen Erschöpfung der Kräfte in der irdischen Atmosphäre, eine unermessliche Energieanspannung. Der schwerste Schlag, der ernsteste Ruf lodert auf aus einem einzigen Ausbruch, doch Stetigkeit und Wiederholung erfordern eine ganze Folge von Strömen.

       Die Bedeutung

[Russisches Original. Seite 160.]


eines heutigen Helden stützt sich auf die Erkenntnis, dass er von keiner Seite her Mitarbeit erwarten kann. Sein Ausruf „Ich kann das Schlachtfeld nicht verlassen“, verleiht ihm neue Kraft. Wir sind bereit, für die Verstärkung der Kraft zu sorgen, in Übereinstimmung mit der Festigkeit des Entschlusses, die Schlacht nicht zu verlassen. Doch Wir wissen, wie schwer es ist, Licht in die Finsternis zu bringen, weil dieses Licht von anderen gesehen wird, jedoch nicht von dem Lichtträger selbst. Außerdem können die Schlafenden das Licht nicht vertragen.

       Im Allgemeinen achtet auf jene, die für den Schlaf keiner Finsternis bedürfen. Das Feuer ihres Geistes vernichtet die Finsternis. An ihren persönlichen Gewohnheiten erkennen Wir die Kämpfer. Doch wenn ihr Blick, erschaudernd vor der undurchdringlichen Finsternis, in der Dunkelheit umherschweift, sagen Wir: „Der Raum lauscht euch“.

       Der Sämann zählt die ausgestreuten Saatkörner nicht, er ist der Säer und nicht der Schnitter. Doch wer geht freudvoller an seine Arbeit? Der Sämann, nicht der gebeugte Schnitter. Mit seiner rechten Hand streut der Sämann den Samen weit aus. Der Wind fegt viele Körner hinweg, doch der Sämann singt, weil für ihn das Feld nicht unbestellt ist. Er wird das Feld bestellt verlassen. Ihm ist es einerlei, welcher Schnitter seine Aussaat verwüstet und wer die neuen Samenkörner sammeln kann.

       Das Säen wird dem zuverlässigsten Arbeiter anvertraut. Das Feld ist groß, doch die erfahrene Hand ermüdet nicht.

       Uns wurde (…) gesagt: „Schafft Helden.“

 

       291. Es ist ganz richtig zu sagen, dass die Menschheit erschaudern würde, wenn man die im Zorn aufgewendete Zeit messen könnte.

       Natürlich, Ruhm nach menschlicher Vorstellung ist lächerlich. Wir vermögen ihn nur als Schuhe für bequemes Gehen zuzulassen.

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       292. Die Offenbarung äußerer Kräfte gehört der niedersten Stufe an. Ihr wisst, wie man levitieren kann, doch würde die ganze Menschheit sich ziellos in die Luft erheben, welch Wahnsinn würde sich ergeben! Ihr wisst, dass Gegenstände an Gewicht verlieren oder zunehmen, doch beim gegenwärtigen Stand der Menschheit ist dieser Zustand nicht anwendbar. Das Bestreben in Richtung Erkenntnis des Geistes muss zuerst gefestigt werden.

       Von vielen Erscheinungen können die Lösungen in der Willenskraft gesucht werden.

 

       293. Besonders schädlich sind Ströme, die sich überschneiden. Teilhabend am Leben, ziehen wir Pfeile aus einer Richtung jenen vor, die aus vielen verstreuten Richtungen kommen. Man kann die gelegentlich gedrückte Stimmung leicht verstehen, wenn einem aus unbekannten Richtungen Pfeile über den Kopf fliegen. Lässt es sich nicht vermeiden, dass ein Name den Raum durchdringt, dann ist es besonders wichtig, auf die Gesundheit zu achten. Der Blutdruck steigt und die Anspannung der Zentren verursacht Depression. Ein einzelner Feind, wie stark er auch sei, ist besser, als diese nicht wahrnehmbaren leichten Schläge. Der Lehrer muss diese Perioden beachten, besonders wenn die Feuer schon angespannt sind. Doch diese Ausbrüche des Lebens sind unvermeidlich. Jede bestätigte, bewusste Tätigkeit wird einen Gedankenwirbel hervorrufen. Ist aber die geistige Entwicklung schon weit vorgeschritten, dann ist der Reflex der unbändigen Wellen qualvoll.

       Menschen, deren Zentren noch nicht entwickelt sind, nehmen allerdings den Schauer von Pfeilen nicht wahr, doch das bedeutet nicht, dass

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sie zu beneiden sind.

       Wir sprechen von beständiger Freude — denn Freude ist eine besondere Weisheit.

 

       294. Die Menschen lieben das Geheimnisvolle. Das Gebiet des geistigen Studiums würde viele von ihnen vor eine verschlossene Tür stellen. Warum meiden die Menschen alles, was ihnen unbekannt ist? Weil man sie in der Schule lehrt: „Handelt wie alle anderen.“

       Lenkt den Geist ins Unbekannte! Solches Streben ergibt neue Formen des Gedankens!

 

       295. Die Lehre setzt nicht nur ein offenes Bewusstsein voraus, sondern auch den Wunsch, sich durch stufenweise Anwendung zu festigen. Man kann sich kaum vorstellen, dass ein durch Herkömmlichkeiten abgelenkter Geist die Lehre annehmen könnte. Fernstehende Menschen übersehen die Nützlichkeit des Buches. Solche Leute werden nicht benötigt, selbst wenn sie neugierig sind.

       Sie werden sagen: „Was kann man mit diesen verstreuten Körnern anfangen?“ Sie werden noch nicht einmal zugeben, dass es außer ihrem eigenen System noch ein anderes geben könnte. Man nimmt die Berechnung des Werkes nur auf eine einzige Weise vor, doch die Denkweise hängt sogar von den äußeren Lebensbedingungen ab. Vergleicht die Denkweise in einer Stadt, in einem Dorf, auf Reisen und beim Fliegen. Die Grundlagen und Methoden werden ganz verschieden sein.

       Nur der kann die Lehre des Agni Yoga verstehen und anwenden, der mit den Lehren des Lebens in Berührung kam und die Notwendigkeit fühlt, sein Dasein zu verschönern und neu zu durchdenken. Die Wolken des Zweifels bedrücken den nicht, der versucht, durch einen Ausweg aus dem Labyrinth heraus zu gelangen! Der Befehl der Notwendigkeit flößt einem

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Findigkeit ein, und das Urteil über ein unbegreifliches System stört einen nicht.

       Wenn unerklärliche Schmerzen die Aufmerksamkeit auf sich lenken, wird selbst ein gehemmtes Bewusstsein an Agni Yoga denken.

       Bemüht euch vor allem nicht, jene persönlich zu treffen, welche die Lehre angenommen haben. Die Wege der Not sind unerwartet; macht die Lehre nicht zu leicht zugänglich. Zu leichter Erwerb schafft Geringschätzung. Man kann Unwissenheit dulden, doch Geringschätzung ist unzulässig. Ein gewisses Maß an Suchen wird nie schaden.

 

       296. Der Wunsch nach Wissen entstammt dem verloren gegangenen Wissen der Vergangenheit, genauso wie Vorstellungsvermögen die Folge früherer Erfahrungen ist.

 

       297. Welche Stunde wird die Menschen lehren, zwischen dem Bedeutsamen und dem Nichtigen zu unterscheiden? Die Stunde der Zufriedenheit verwandelt und verzerrt die Wirklichkeit. Die Stunde des Zorns krümmt die Klinge des Lebens. Die Stunde des Grams demütigt. Die Stunde der alltäglichen Arbeit verfinstert. Einem unfreien Bewusstsein fällt es schwer, Gegenstände in der Finsternis zu unterscheiden. Wann kann man die Zeit erwarten, wo die Menschen die Macht der psychischen Energie begreifen werden? Wie Wahnsinnige spielen sie am äußersten Rande der Explosion, und in ihrem Irrtum betrachten sie ihren Planeten als den festesten Körper.

       Man muss verstehen, dass die Menschen bedauerliche Beispiele zu vergessen suchen. Die Vernichtung ganzer Erdteile wurde aus den alten Schriften vorsichtshalber weggelassen. Ebenso verbarg man viele Hinweise auf Ereignisse, die das Schicksal der Welt bestimmten. „Wir lieben es nicht, uns selbst zu quälen“, sagen die Hüter der Menschheit. Sie sind bemüht, ihren Bankrott und ihre Niederlage vor sich selbst zu verbergen. Irdische

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Herrscher sagen: „In unserem Reich herrscht Ruhe.“ Die Ruhe der Untätigkeit sichert ihnen ihre hohen Throne. Meistens bewundern sie den Sonnenuntergang und verschlafen den Sonnenaufgang. Doch die Unsichtbare Regierung sagt: „Es ist unsinnig, Bestehendes zu verbergen!“ Die Beispiele der Vergangenheit werden Vorsicht lehren.

       Sucht die Energie, die — wenn bewusst hervorgerufen — euer Dasein verändert. Wollt ihr nicht rechtzeitig gewappnet sein? Die letzte Stunde kann die Menschheit belehren. Wir sind keine in Schaffelle gekleideten Propheten. Wie gewöhnliche Ärzte warnen Wir: „Es ist Zeit, eine Impfung vorzunehmen!“ Doch es gibt unbekümmerte Prahler, die selbst während einer Seuche Feste feiern. Die Friedhöfe verlieren ihre Gemeindemitglieder nicht.

       Wir sprechen zur Rettung jener, die leben wollen.

 

       298. Wenn ihr ein Werk beginnt, versteht es, euch über den Anfang zu freuen. Gewöhnlich wollen die Menschen die Blüten und die Früchte sehen. Doch wahre Forscher freuen sich über den ersten Sprössling, weil dies das Erwachen des Lebens ist.

 

       299. Wenn ein Lehrer sagt, dass er zehntausend Schüler hat, fragt, ob es möglich ist, dass jeder zugelassen wird? Menge schließt Erfolg aus. Die Größe der Armee war nie die Gewähr des Sieges.

 

       300. Ich bestätige, dass der Weg des Agni Yoga ein Licht auf dem Pfad ist. Es hat keine Bedeutung, auf welche Weise die Wanderer diesen Segen nutzen. Der Weg wurde ihnen gewiesen. Jene, welche die Zeichen des Feuers erkennen, werden kommen.

       So möchte ich jene stärken, die das rechtzeitige Erscheinen der Lehre des Agni Yoga erkannt haben. Man sollte nicht auf die Stunde warten,

[Russisches Original. Seite 165.]


da der Strom die nach Rettung suchende Masse antreiben wird, das wird das Erkennen der Geißel des Schreckens sein. Das hat keinen Wert, denn es ist notwendig, jene zu kennen, die von einem freien Bewusstsein gelenkt werden. Einen Kampf kann aufnehmen, wer das Ziel der Schlacht kennt. Durch Gewalt gefügige Sklaven werden nicht gebraucht. Ich erachte es für richtiger, aufrichtiges Streben zu verteidigen, als nach den Teilen eines zerbrochenen Gefäßes zu suchen.

 

       301. Wenn im Kreis der Arbeit ein Kind erscheint, das aus einem besonderen Grund angezogen wurde, lächelt ihm zu und erweckt in ihm das Bewusstsein, dass diese Tätigkeiten sein Zuhause sind. Kinder kommen manchmal auf besonderen Ruf herbei. Gebt ihnen, was durch ihre Vergangenheit vorbereitet wurde. Reich an Saft sind die Früchte, deren Wurzeln stark sind.

 

       302. Im Agni Yoga sollte man bestimmte Vorsichtsmaßregeln beachten. Hat man eine bestimmte Stufe erreicht, können Schmerzen im Rücken auftreten. Dann sollte man das Bücken vermeiden, weil die Energiesäule aufsteigt wie das Quecksilber im Thermometer. Daher wird eine aufrechte Haltung des Rückgrates empfohlen. Unratsam sind auch Arbeiten, die eine seitliche Haltung erfordern wie Holzhacken. Die Flamme ist vertikal in ihrem Aufbau. So wird jedes Feuer wirken. Diese geringen Vorsichtsmaßregeln werden die Menschen dem Leben nicht entfremden. Ganz unauffällig kann man im Leben eine Arbeitsweise einführen, die unschädlich ist.

 

       303. Die Hände des Feindes sind immer bereit, die von Uns bestimmten Werke zu zerstören. Die Ohren des Feindes sind gespitzt, um für seine Verleumdung Nützliches zu erhaschen. Es genügt nicht zu sagen: „Freue dich über den Feind“. Man muss auch seine Wege verstehen lernen.

[Russisches Original. Seite 166.]


Der Feind nimmt die Stelle der unbekannten Größe in einer Aufgabe ein. Doch diese Unbekannte steht in direktem Verhältnis zur bekannten Größe. Daher kann man für jeden aufgedeckten Feind eine Lösung finden.

       Erwägt genau die Umstände eurer Taten. Lernt es, euch der Umstände eurer Gefühle zu erinnern. Wir werden darauf zurückkommen.

       Alles Unbekannte nennen wir feindlich. Es muss gelöst, überwunden und in Bekanntes umgewandelt werden — genau gesagt, in das Erkannte. Beim Vorgang solcher Enthüllung sollte man sich vor allem selbst beobachten. Sich dem Wild nähernd, berechnet der Jäger jede seiner Bewegungen.

       Man wird euch wiederholt von schrecklichen okkulten Mysterien erzählen, doch ihr werdet einfach und mit Selbstvertrauen herantreten. Als erste Unserer Bedingungen für den Kampf erachten Wir die Kenntnis über den eigenen Zustand. Durch Herantreten an das Unbekannte werden wir mit ihm vertraut. Es bringt keinen Nutzen, im Voraus darüber zu sprechen — selbst seine Grenzen sind unbestimmt.

       Indem wir versuchen, alles zu erforschen, müssen wir den Methoden der Untersuchung zustimmen. Wir werden die Richtung der Tat kennen, doch die Entscheidung des Feindes wird uns nicht stören. Lasst uns Voraussicht mit wirklicher Tat vereinen. Jeder aufgedeckte Teil des Unbekannten wird zu einer Eroberung — ohne Staunen, ohne Schaudern und selbst ohne übermäßige Begeisterung; weil jede Stunde, selbst die untätige, uns dem Unbekannten näher bringen kann. Man kann sich das Große Unbekannte als einen Freund vorstellen, doch für den Forscher ist es nützlicher, es als Feind anzusehen. Alle Merkmale des Unbekannten entsprechen mehr den Merkmalen

[Russisches Original. Seite 167.]


des Feindes. Wir sprechen vor allem von Furchtlosigkeit, doch dieser bedarf es einem Freund gegenüber nicht. Die Heldentat eines Sieges setzt auch einen Feind voraus.

       Wenn Ich euch bitte, Sieger zu sein, dann sehe Ich einen Kampf voraus. Das Große Unbekannte lockt einen zum Sieg, wie der Feind.

 

       304. Die Lehre der Weisheit ist kein Lehrbuch mit nummerierten Seiten. Die Lehre ist eine allen Bedürfnissen angepasste Lebensvorschrift. So wie dort, wo sich genügend Elektrizität sammelt, der Blitz auflodert, so eilt der Befehl dahin, wo sich eine Möglichkeit ergibt.

       Die allgemeine Einheit bestätigend, muss die Lehre des Lebens jeder Individualität Antwort geben. Die Lehre bietet eine Lösung der Alltagsprobleme.

       Manchmal scheint es, als käme die Lehre auf frühere Themen zurück. Doch wenn ihr diese Weisungen vergleicht, werdet ihr feststellen, dass sie ganz verschiedene Lebenserscheinungen berühren. Die äußeren Anzeichen sind bedeutungslos. Die Menschen vermögen aus verschiedenen Gründen zu erblassen oder zu erröten.

       Lasst uns die maßgebenden Lebensbedingungen weit voraussehen, doch überlassen wir die Einzelheiten dem Lauf des Karma. Man kann den Hauptstrom oft wechseln, während die Einzelheiten das Merkmal eines vorbestimmten Karma aufweisen. Solche Einzelheiten haben keine entscheidende Bedeutung, obgleich sich die Menschen gewöhnlich gerade ihrer erinnern und entsprechend urteilen. Gleichfalls kann man nicht erwarten, dass Aufträge oder Versuche gleichförmig zur Anwendung kommen und verlaufen. Wieder bedeutet Augenscheinlichkeit nichts.

       Die Weisung sieht

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alle Möglichkeiten voraus, obwohl sie in der Erscheinung ganz verschieden sind. Die Gefahr liegt anderswo. Oft verliert ein Mensch, wenn er eine Möglichkeit meistert, die Beziehung zu ihr. Er trägt die festliche Blume als etwas Gewöhnliches ins Alltagsleben. Natürlich, Blumen erfreuen immer, doch ist es besser, das Leben in ein Fest des Geistes zu verwandeln, als die Blumen mit dem Staub des Alltags zu bedecken.

       Wieder nähern wir uns dem Leben, als dem Kelch eines wundervollen Heilmittels. „Man trinke das Gift der Welt, um mit voller Macht wiedergeboren zu werden!“ Dieses Symbol stammt aus alten Legenden. Wir begegnen ihm in Ägypten, in Griechenland. Shiva[50] selbst erinnert daran; eine ganze Kette von Erlösern trägt den Kelch des Giftes und verwandelt ihn in Amrita.

       Wenn Wir sagen: „Seid ungewöhnlich und beraubt euch nicht des Kelches der Heldentat“, so verweisen Wir darauf, euer Leben nicht zu verfinstern und den Kelch nicht zu verschütten. Ich bestätige, dass euch viel gesandt wird. Jedes Teilchen — verstanden und angewandt — wird neues Leben verleihen. So beachtet den Regen der Möglichkeiten und freut euch über den Regenbogen.

 

       305. Ein Treppenhaus präsentiert sich mit verzierten Stufen. Warum jedoch ist die unterste so reichlich verziert, während höher hinauf die Verzierung einfacher wird und man auf der letzten Stufe keine Verzierung mehr wahrnimmt? Das Muster ist so vielschichtig, dass es die ganze Fläche bedeckt. Vielleicht ist das Muster auf der obersten Stufe nicht nötig? Wahrlich, Ich sehe oben keine Verzierung. So einfach müsst ihr denken.

 

       306. Der Atem der Mutter der Welt, die lasttragenden Riesen[51] und die Erlöser, die den Kelch angenommen haben — diese

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drei Bildnisse entstanden nach einem Gesetz. Die Anhäufung von psychischer Energie des Raumes schafft Explosionen in Teilen des Planeten. Die Organismen, die mit dem Atem der Großen Mutter in Einklang stehen, erklingen als Antwort auf die Explosionen der Raumkörper. Kann solch ein Erbeben von Nutzen sein? Es ist genauso, als wenn für die Ausführung einer herrlichen Schöpfung genau abgestimmte Instrumente gewählt werden. Gewiss, wenn es nur wenige solcher Instrumente gibt, liegt der Druck der Ströme auf diesen wenigen. Obwohl es sich erübrigt, es zu beweisen, ist es trotzdem besser, die Last der Welt auf sich zu nehmen, als vom Lebensstrom getrennt zu sein.

       Wenn Ich von Vorsicht spreche, bestätige Ich gleichzeitig die durch das gereifte Bewusstsein gefestigte Furchtlosigkeit. Mangelt es einem an Mut, kann man nicht aufbauen. Ohne schöpferische Tätigkeit kann man sich dem Kelch nicht nähern. Nur die Flamme über dem Kelch erleuchtet den Gipfel des Bogens. Daher sind für Uns die Erlöser nicht hinter goldenen Gewändern verborgen.

 

       307. Die feurige Heerschar wird oftmals so benannt, weil Satya Yuga* mit dem Element Feuer beginnt. Dann sammeln sich jene, die von diesem durchdringenden Element erfüllt sind. Die Bewegung und das Streben des Feuers liegen im Prinzip des Lichts. Nichts kann Licht überflügeln, weil es von den Strömen des allgegenwärtigen Feuers genährt wird. Ich bestätige den Strom des Feuers als den reinsten und schnellsten. Der ganze nicht offenbarte Raum ist ein Schiff des Feuers.

       Das alte Symbol der feurigen Wand bezieht sich auf das Raumfeuer. Im Osten weiß man von der feurigen

[Russisches Original. Seite 170.]


Heerschar, die sich vor der Neuen Zeit erhebt.

       Kataklysmen entstehen infolge der Nichtübereinstimmung des Feuers mit der Flamme der Ablagerungen des Planeten. Jene planetaren Gase, die dem Gift der Zersetzung entströmen, versetzen die ungezähmte Energie Kamaduro[52] in Tätigkeit, anders gesagt, das Fleisch des Körpers verbindet sich nicht mit dem Feuer. Die leuchtende Materie sucht die getrennten Uranfänge zu versöhnen, doch das, was als Finsternis bezeichnet wird, lähmt das Beginnen der strahlenden Materie. Dann ereignet sich ein Kataklysmus.

       Die feurige Heerschar lebt, wenn das Feuer des Raumes den Sieg verkündet.

 

       308. Jeder Verbrecher fürchtet sich, an den Ort des Verbrechens zurückzukehren. Die Menschen erkennen, dass ihr Verhalten in der Astralwelt der Würde des Geistes widerspricht. Daher ihre schreckliche Furcht vor den Toren der astralen Welt. Sie versuchen auch, jeden Gedanken des Hinübergehens zu vermeiden, hoffend, dass Unwissende keine Verantwortung trifft. Doch wenn man über Wissen verfügt, kann sich dieses Hinübergehen nicht schwieriger gestalten als der Aufstieg auf den Sprossen einer Leiter.

       Alt ist das Symbol des direkten Aufstiegs. Was kann außer den Ansammlungen des Bewusstseins diesen Aufstieg fördern? Dasselbe Feuer. Dieses Element verwandelt den Weg. Das Feuer der Körper verbindet sich mit dem Feuer des Raumes und wird durch dieses genährt. Die Erscheinungen der psychischen Energie beruhen auf Feuer. Alle Phänomene werden durch Feuer hervorgerufen, und Feuer erleuchtet alle Eingänge.

       Gewiss, für Menschen des feurigen Elementes ist es nicht leicht,

[Russisches Original. Seite 171.]


im Körper zu leben. Doch erwählt gerade diese als Mitarbeiter, denn sie hegen keinen Verrat. Gefahr wird sie nicht in Verwirrung bringen. Sie kennen die Pflicht, und die Bekundung von Streben steigt wie eine Flamme empor. Wer könnte leichter über die von den Schultern ausgehenden Strahlen verfügen? Was steht dem Aufbau näher als das alles durchdringende Feuer? Es fällt den Menschen schwer, sich die Merkmale dieses Elementes anzueignen. Erde, Wasser, Luft — sind offensichtlich. Dass Feuer jedoch Wasser durchdringt, mag als ein Scherz erscheinen. Man muss das Durchdringen des Feuers verstehen. Anders wird man die Feurigen Tore nicht durchschreiten.

 

       309. Unter allen Erscheinungen schätzen Wir den absoluten Zustand des Geistes. Fehler sind nichtig, wenn das Samenkorn des Feuers sich festigt. Die Tat gleicht dem flatternden Banner eines Kriegers. Wie eine Krone ist seine Entschlossenheit. Wie eine Perle ist die Flamme seines Geistes.

       Feuriger Geist, du verbrennst Irrtum und durchdringst die Finsternis! Über alles schätzen Wir das Feuer des Geistes.

 

       310.[53] Die Grenzen des Wachstums des Bewusstseins sind unwahrnehmbar. Natürlich, diese Stufen sind genau definiert, doch ihre Linien sind gewunden. Es ist schwer, durch eine allgemeine Entscheidung zu urteilen, besonders in Bezug auf die niederen Stufen muss das Urteil vorsichtig sein, um nicht zu verletzen!

       Wie kann man alle in eine Richtung zwingen?

       In verschiedene Richtungen blickend, vermögen die Menschen vielfältig zu sehen, ohne dem Allgemeinwohl zu schaden. Mögen sie nach verschiedenen Seiten schauen. Mögen sie alle Punkte des gestirnten Raumes betrachten! Das Auge muss

[Russisches Original. Seite 172.]


beobachten lernen. Mögen sie die allgemeinen Schätze nutzen, aber dabei das Allgemeinwohl beachten. Macht ihnen alle Quellen zugänglich, und wer mehr aufnimmt, wird der Größere sein.

       Die Erscheinung der Entflammung des Geistes ist so mannigfaltig. Darum lasst uns, auch wenn wir irren, die Möglichkeiten des Allgemeinwohls eher hervorheben als herabsetzen.

       Pflückt nicht sinnlos Blumen, wenn ihr über eine Wiese schreitet. Wenn ihr abtretet, bedenkt, dass selbst der ungeschickteste Mitarbeiter seinen Stein für den Aufbau beitragen kann. Es ist nicht notwendig, zurückzuweisen, solange die Grenze des Verrats nicht überschritten ist. Urteilt nach diesem schwarzen Merkmal.

 

       311.[54] Unsere Mitarbeiter unterscheiden sich in ihrer Tätigkeit von den anderen durch ihr bewegliches Streben und ihr weites Fassungsvermögen. Das kosmische Leben besteht aus Bewegungen von Anziehung und Abstoßung, mit anderen Worten, aus rhythmischen Explosionen und Ansammlungen. Die Tätigkeit Unserer Mitarbeiter weicht von dem Naturgesetz nicht ab. Man kann beobachten, wie die Tätigkeit das Bewusstsein anfüllt und Zerstörung durch eine Explosion nicht fürchtet.

       Eines ist Uns unbekannt — Ruhe in Untätigkeit. Genau wie Wir legen Unsere Mitarbeiter freigiebig die Fundamente.

       Wir brauchen die Aussaat und Wir wissen, dass die Samenkörner nicht verloren gehen können, denn Bestehendes kann nicht vernichtet werden. Wir haben kein großes Interesse an der Veränderlichkeit von Formen, denn das Korn ist unveränderlich. Solch ein unveränderliches Korn ist in jedem Wesen eingelagert. Selbst abstoßende Handlungen hindern Uns nicht, an die Gleichheit der Wesen zu denken; und dieses Bewusstsein lässt Uns

[Russisches Original. Seite 173.]


geduldig sein. Es ist offensichtlich für Uns, dass Missklang gewöhnlich nur von Nichtübereinstimmung des Rhythmus herrührt. Dieser Mangel an Übereinstimmung verhindert natürlich die Einheit der psychischen Energie ganzer Gruppen, wobei es gerade die Gruppenenergie ist, die die Nutzbarmachung der Strahlen näherbringen kann, ohne die Kräfte zunichte zu machen oder zu verbrennen. Vampirismus kann in beträchtlichem Maß auf nicht übereinstimmenden Rhythmus zurückgeführt werden. Das Ergebnis ist Aufzehrung, aber nicht Zusammenarbeit. Fühlt daher, wessen Wellen euch nicht schaden, selbst wenn sie euch äußerlich von einer Seele fremder Rasse erscheinen.

       Zwei an einem Tisch Gegenübersitzende können einander nicht feindlich gesinnt sein, wenn sie einem Lehrer angehören. Fassungsvermögen und Duldsamkeit sind eins. Nur Verrat kann nicht geduldet werden.

 

       312. Man muss zwischen Schwierigkeiten und Unfähigkeit unterscheiden. Schwierigkeiten hängen mit dem höheren Pfad zusammen. Unfähigkeit jedoch ist einem Mangel an Scharfsinn zuzuschreiben.

       Man muss wissen, dass es in Bezug auf die Beweglichkeit der Gesetze keine Grenze gibt. Man muss über die Gesetze als für den Durchschnitt anwendbar sprechen. Doch ihr kennt die Grenzen der Möglichkeiten. Sagt vielen, dass häufige Wiederverkörperungen die Kräfte übersteigen können. Nur unermüdliche Reisende wagen viele Seereisen. Deshalb lehre Ich, wie man im Geist ohne eine Wohnstätte bestehen kann!

       Weder die Feinheit der Lehre noch die Weisheit des Urteils sind vom Alter abhängig.

 

       313. Zufall ist gewöhnlich schon im Bewusstsein verankert. Und die Welten werden durch Zufall geformt, denn Schöpfung

[Russisches Original. Seite 174.]


geht aus Zufälligem hervor. Wir sind beides, Hüter der Gesetze und Verehrer des Zufalls, denn im Zufall liegt Beweglichkeit. Es ist falsch, allen die äußerste Möglichkeit zu suggerieren, mit anderen Worten, nicht jedes Fundament kann mit einem schweren Dach belastet werden.

 

       314. Man muss die Fristen für die verschiedenen Materieschichten kennen. Wenn ein Teil der Materie umgewandelt wurde, bedeutet das nicht, dass zur selben Frist eine ganze Gruppe von Planetenkörpern umgewandelt wird. Anders gesagt, wenn Satya Yuga auf einem einzelnen Planeten beginnt, wird es die ganze Gruppe der Planetenkörper erst nach einer längeren Periode vereinen. Die Merkmale werden auf verschiedenen Planetenkörpern beginnen. Man sollte sein Denken nie auf einen einzigen Planeten beschränken.

 

       315.[55] Die Mutter der Welt verfügte: „Winde, sammelt euch! Schneemassen, sammelt euch! Vögel haltet euch fern! Tiere bleibt fern!

       Kein menschlicher Fuß wird Meinen Gipfel betreten! Die Verwegenheit der Finsteren wird sich nicht erheben! Das Licht des Mondes wird nicht dauern! Doch die Sonnenstrahlen werden den Gipfel berühren.

       Sonne, hüte Meinen Gipfel, denn wo sonst soll Ich Meine Wache halten! Niemals wird ein Tier aufsteigen, noch wird menschliche Macht vorherrschen!“

       Sie Selbst, die Mutter allen Seins, wird mit einem feurigen Schild Ihre Wache halten.

       Was leuchtet auf dem Gipfel? Warum haben die Wirbelwinde eine strahlende Krone geformt?

       Sie, die Große Mutter allein, erstieg den Gipfel. Und niemand wird Ihr folgen.

 

       316. Die Erscheinung des irdischen Hauses schmälert die Bedeutung

[Russisches Original. Seite 175.]


des Feuers des Herzens nicht. Versteht das Schaffen von irdischen Heimen als Flamme der Erhebung.

       Schöpferische Arbeiten sind wie Lampenlichter. Hundertacht Feuer und ebenso viele Arbeiten.

       Tausend Feuer und ebenso viele Arbeiten. Eine Unmenge von Feuern und ebenso viele Arbeiten.

       Doch wenn die Feuer in die Finsternis gelenkt werden, bedeutet dies, dass die Augen des Menschen erlöschen.

 

       317. Auf dem höchsten Gipfel steht strahlend die Mutter der Welt. Sie trat hervor, um die Finsternis zu schlagen. Warum sind die Feinde gefallen? Und wohin wenden sie in Verzweiflung ihre Blicke?

       Sie hat sich in einen feurigen Mantel gehüllt und mit einer feurigen Mauer umgeben.

       Sie ist unsere Festung und unser Streben.

 

       318. Das Bellen von Hunden beachte man nicht. Man besitze seinen Stab und denke daran, dass eine einzige Spitze den wütendsten Hund erschrecken wird. Verschwendet keine Energie mit einem voreiligen Schlag, doch zeigt die Spitze!

       Am schwersten ist es für die Menschen, die Sättigung des Raumes zu verstehen. Sie lassen die Sättigung des Wassers und auch die der Erde gelten. Sie sprechen über die Metallisation von Wurzeln. Doch Raum ist für sie keine lebende Substanz. Daher ist für die Menschen die Freude der Bewegung unzugänglich und das Element Feuer furchtbar.

 

       319. Wohin soll man seinen Mut richten? Wohin den Willen lenken? Wohin sich selbst wenden? Zu demselben Geist-Feuer! Wir werden Kraft finden, um uns nicht zu erschöpfen, denn wir schreiten voran und sammeln die Worte des Wissens.

       Denken wir an die bekannten Heiligen verschiedener Völker. Durch welche Merkmale unterscheiden sie sich?

[Russisches Original. Seite 176.]


Vielleicht nur durch Bescheidenheit oder Gehorsam gegenüber ihren örtlichen Herrschern, oder durch Schweigen oder Verehrung? So würden sie uns armselig erscheinen.

       Doch wir sehen Krieger, Räuber, Ankläger von Königen, Erbauer und Besieger der Mengen. Gemäß dem Feuer des Geistes erkennt man den Aufstieg. Von Menschen verordnete Gesetze werden das Feuer nicht auslöschen. Seien wir daher vorsichtig mit den sich Nahenden.

       Wie Splitter von Himmelskörpern Diamanten bergen, so bergen die von weit her Herankommenden für die Menschen unbegreifliche Zeichen.

       In den Massen ist wenig Hoffnung vorhanden; doch der Stein von dem fernen Stern bringt seine einsame Botschaft.

       Anziehung vermehrt die Kraft; und die besondere Sprache des Feuers wird die Zeichen der Zukunft einprägen.

       Lasst uns wieder vorsichtig sein, denn das Feuer des Geistes ist unwägbar.

 

       320. Jede Epoche hat ihre Methoden. Sich auf alte Präzedenzfälle zu beziehen ist, als trüge man die Stiefel des Großvaters.

 

       321. Beschwörungen und Formeln können gewiss helfen, den Rhythmus einzufangen, doch das Gesetz der Evolution sieht den direkten Kontakt des menschlichen mit dem kosmischen Bewusstsein vor. Anstelle der Beschwörungsrhythmen sollte man das feurige Samenkorn des Geistes begreifen und schweigend die Verbindung des Geistfeuers mit dem Raumfeuer herstellen.

 

       322. Wer Wissen für sich allein errang, ist nicht Unser Baumeister. Wer kann ruhig sitzen, wenn die Gebäude einzustürzen drohen? Wenn selbst die entfernteste Naturkatastrophe den Organismus erbeben lässt, dann werden alle

[Russisches Original. Seite 177.]


Maurer, welche die neuen Fundamente legen. Ich sage dies, weil die unaufschiebbare Arbeit alle Kräfte aufruft.

 

       323. Wie soll mit Agni Yoga begonnen werden? Vor allem ist es notwendig, das Vorhandensein der psychischen Energie zu erkennen. Dann muss man sich bewusst werden, dass Feuer das Wesen des Geistes bildet. Natürlich ist fleischlose Nahrung nützlich, Gemüse ist anzuraten, außer einigen Sorten, wie Spargel, Sellerie und Knoblauch, die nur Arzneimittel sind.

       Auch muss man sich gegen feurige Krankheiten schützen. Das erste Mittel dagegen wird das Bewusstwerden und die Beherrschung der psychischen Energie sein. Aber als äußeres Reinigungsmittel kann man die Essenz von „Moru“, auch „Balu“[56] genannt, anwenden.

       Werdet ihr nach genaueren Angaben gefragt, so nennt Moru als erstes Mittel, das dem Wasser für Waschungen beigefügt werden soll. Man kann eine starke Essenz aus dem Saft der Blätter und Wurzeln herstellen. Wird die erste Formel vernünftig angewandt, kann die nächste gegeben werden. Diese Pflanze kann auch zum Einnehmen mit Milch verwendet werden, doch versucht es zuerst äußerlich.

       Verschmäht auch nicht die Behauptung, dass Baldrian ein mächtiger Beschützer inmitten der Flamme sein kann. Denkt so einfach wie möglich über die psychische Energie, denn die feinen Energien manifestieren sich nicht mit Donnergetöse. Sie durchdringen die fernen Schichten der Atmosphäre; ihre Symptome sind daher besonders fein.

 

       324. Ich muss den Rat geben, die Furcht vor der Zukunft

[Russisches Original. Seite 178.]


zu vertreiben. Wenn ein von Furcht befallener Mensch eintritt, schafft er keine der Tat zuträgliche Atmosphäre. Der nach Sieg strebende Mensch wird gebraucht.

 

       325. Wenn ihr Agni Yoga vermittelt, leistet ihr eine unsäglich wichtige Arbeit.

 

       326. Jedes Gebäude besteht aus äußeren Mauern und einem unsichtbaren Fundament. Man kann nicht ohne Mauern sein, noch werden Mauern ohne Fundament stehen. In allem gibt es zwei Aspekte der Erscheinung: der eine sind die Mauern, als das Symbol des Lehrers; der andere ist das Fundament, als die Erscheinung der Mutter der Welt. Welcher ist wesentlicher? Denkt darüber nach!

 

       327. Die Mauern und die Pfeiler des Fundaments sind für das Gebäude gleich notwendig. Wenn der Grundpfeiler aus der Ferne nicht wahrnehmbar ist, dann bleibt auch das Bildnis der Mutter der Welt unsichtbar. Die Mauern fangen die Sturmböen auf. Unser Name wurde der Menge bekanntgegeben, aber Wir nehmen den Ansturm der feindlichen Ströme hin.

       Ihr mögt oft gefragt werden: „Worin liegt der Unterschied zwischen diesen beiden Pfaden des Dienstes?“ Sagt: „Es gibt weder einen Unterschied noch einen Vorzug. Zwei heilige Flüsse füllen das Meer.“

       Man wird auch fragen: „Welchem Strom gehört jemand an?“ Natürlich zieht einen das Wissen des Geistes zu einem bestimmten Strom, je nach dem Strahl der Geburt.

       Man kann sich vorstellen, wie sehr ein Leben durch die Strahlen der Raumkörper bestimmt wird. Unsere Anhänger empfinden die Strahlen besonders stark, doch man sollte diese Feinfühligkeit nicht fürchten. Die Menschen erschrecken bei einem nahen Klopfen. Wie könnte dann ein entwickelter Geist auf ein fernes Erdbeben nicht reagieren, wenn selbst

[Russisches Original. Seite 179.]


ein Telegraphenmast mit der übertragenen Energie summt! Für die Menschheit ist es an der Zeit, alle im Körper vorhandenen Eigenschaften zu schätzen.

       Wie werden wir gegen die Wogen der Flamme ankämpfen?

 

       328. Es ist nützlich, vom Lehrer zu sprechen. Es ist nützlich, von der Lehre zu sprechen. Es ist nützlich, vom Leben zu sprechen. Es ist weise, die Spirale der Bewegung zu verstehen, denn die Anwendung der Energie lenkt den Strom aufwärts, doch das Gesetz der Anziehung senkt das Niveau. So werden die Stufen zusammengefügt.

       Sprecht gemäß dem Verständnis eurer Zuhörer. Unduldsamkeit ist ein Gewand, das man nicht ablegen kann.

 

       329. Die Krankheit — genannt Neuritis[57] — hat eine Beziehung zum Feuer. Auch vieles, was für Rheumatismus gehalten wird, sollte dem Feuer zugeschrieben werden. Von diesen Schmerzen kann man sich durch Aktivierung der psychischen Energie leicht befreien. Wenn diese Ablagerungen die Nervenkanäle verstopfen, dann können alle Arten von Schmerzen auftreten. So schädlich wie Steine in den inneren Organen können die Kristalle ungenutzter psychischer Energie sein.

       Besonders gefährlich ist der Kampf der Kristalle der psychischen Energie mit den Ablagerungen von Imperil. Oft sind nervlich entwickelte Organismen kränklich, daher ist die experimentelle Erforschung der psychischen Energie so notwendig.

       Man nimmt das, was physischen Maßstäben unterworfen ist, leicht an.

 

       330. Beachtet die Symptome von unerklärlichen Leiden.

[Russisches Original. Seite 180.]


Beachtet, um welche Zentren die Symptome und Schmerzen auftreten. Vielleicht schmerzen die Schultern, die Ellbogen oder die Knie. Vielleicht treten nahe dem Kelchzentrum drei Zeichen in Erscheinung, oder es tritt ein Brennen im Kehlkopf auf. Jedes Symptom weist auf die Tätigkeit des entsprechenden Zentrums hin. Wie in einem offenen Buch ist die Persönlichkeit eines Menschen eingeschrieben. Über seinem Haupt brennt das ständige Merkmal seines Wesens. Man vermag es selbst bei einfacher Beobachtung zu lesen. Doch die Menschen sind an handgreifliche Einwirkungen gewöhnt. Sie erwarten betäubenden Donner und grellen Blitz. Doch selbst vollführen sie die wichtigsten Tätigkeiten in der Stille.

       Wie ein mächtiger magnetischer Strom anschaulich nur von bestimmten Körpern gefühlt wird, doch auf alles einwirkt, so sind die durchdringendsten Energien unsichtbar. Doch wie bisher bitten Wir, den offensichtlichen Erscheinungen Aufmerksamkeit zu schenken.

       Vergleicht man den Charakter der Menschen mit den äußeren schmerzhaften Empfindungen, so kann man zu wertvollen Schlüssen gelangen. Wir sollten wissen, wie die Zentren auf die umgebenden Organe einwirken. Warum wird Tuberkulose einer Erkältung oder der Blutarmut zugeschrieben, wenn die Zentren nahe der Lunge bestimmte Merkmale des Organismus aufweisen? Warum werden Schwellungen der Schultern und Ellenbogen für Rheumatismus gehalten, wenn die Zentren der Schultern Spannung aufweisen? Unsere Aufgabe ist es nicht, durch vorbereitete Formeln zu nötigen, sondern rechtzeitig entlang dem Pfad des Stromes des universellen Gesetzes zu lenken.

 

       331. Wonach soll man die Mitarbeiter auswählen? Nur nach

[Russisches Original. Seite 181.]


ihrer Unersetzlichkeit. Es ist richtig, einen Menschen zu schätzen, dessen Platz nicht abgeschafft werden kann.

       (…)

       Ich kann jedem alles Notwendige gewähren, doch Ich erwarte die Entfaltung der Erfahrung. Verwirklicht das Werk im Leben, denn die sieben Jahre der ersten Periode gehen dem Ende zu.

 

       332. Worin besteht das Mitgefühl der Bodhisattvas*? Ohne Willenszwang lenken Sie unsichtbar und geduldig jede geeignete Kraft zum Heil. Es ist nicht schwer, sich entsprechend dem Befehl der Bodhisattvas zu verhalten. Denn jede Eigenart des Geistes ist von Ihnen vorgesehen.

       Arbeit kann nur dann als Bürde empfunden werden, wenn die Kräfte unrichtig verteilt sind; doch wird die Entsprechung von Befehl und Ausführung gewahrt, kann selbst eine schwierige Arbeit nicht beschwerlich sein.

       Am schädlichsten ist die Meinung, dass man alles gibt, ohne belohnt zu werden. Durch solches Verhalten kann man die herrlichsten Ergebnisse zunichtemachen. Vergessen wir nicht, dass man vorwärts kommen kann, wenn man das Ziel kennt. Doch die Steine zu zählen, auf die der kostbare Fuß tritt, gleicht einem Gänsemarsch. Lasst uns daran denken, dass die Vögel ohne Ziel fliegen, aber dafür zählen sie nicht jedes Flattern ihrer Flügel.

       Kein einziger Lehrer glaubte, dass Seine Arbeit beendet sei und Lohn verdiente. Dies ist die Eigenschaft der Selbstaufopferung der Bodhisattvas: schöpferische Arbeit jeder Bewegung der unermüdlichen Hand, denn das Auge erkennt die Entfernung zum Ziel. So wird die Arbeit der Bodhisattvas sein. Wie Feuer — allgegenwärtig, selbstaufopfernd und unerschöpflich in seinem Wesen.

 

       333. Es ist sehr wichtig, über den Begriff Lehrer zu sprechen. Man muss auf die Kette der Lehrer hinweisen, von denen

[Russisches Original. Seite 182.]


jeder der Schüler eines Höheren ist. Man muss sich an die Tatsache gewöhnen, dass die Lehre keine Widersprüche enthält. Man mag weit voneinander entfernte Meilensteine finden, doch diese werden Zeichen auf demselben Pfad sein.

       Wenn jemand behauptet, dass Wiederverkörperungen nur in Zeitspannen von 3000 Jahren stattfinden können, wird er genauso Recht haben wie jener, der auf einer Frist von nur drei Monaten besteht.

       Das Glück, Möglichkeiten zu erkennen, ist das Glück der Zukunft. Das Offenbaren von Möglichkeiten ohne Verletzung der Grundlagen des Gesetzes bedeutet, sich der Vervollkommnung nähern.

       Wenn in der zweiten Rasse eine weit längere Frist zur Inkarnation erforderlich war, so verringert in der sechsten Rasse die Annäherung physischer und astraler Zustände die Notwendigkeit längerer Perioden.

       Man muss sich auch an das Vermischen der Rassentypen gewöhnen. Die dritte Rasse wird kaum das Ziel erreicht haben, wenn die Samenkörner der sechsten bereits im Raum in Erscheinung treten.

       Wer der Lehre des Feuers folgt, muss verstehen, dass die Vervollkommnung der Materie möglich ist. Die Welten des Körpers und des Lichts haben sich beträchtlich vereinigt. Dies wird das Gesetz der Verwandlung des so genannten Todes sein. Gerade das Gespenst des Todes schließt die Tore des Wissens.

       Es ist nützlich, in den Schulen die Unsterblichkeit zu lehren. Ein Religionssystem, das den Tod lehrt, wird sterben, ebenso wie jene, die zu sterben wünschen, denn der zukünftige Zustand liegt in unserem Bewusstsein. Wer immer das Potential des Feuers in seiner Unsichtbarkeit erkennt, versteht das äußere Erscheinungsbild der Entkörperung.

 

       334. Zur Frage über das Gebiet der Welten muss man darauf hinweisen,

[Russisches Original. Seite 183.]


dass die Welten zu einem bestimmten System gehören oder intersystemare Körper sein können.

       Doch der Zustand der Erde ist sehr betrüblich. Die Erde ist krank.

 

       335. Man sollte nicht denken, dass das Werk nach irdischen Wohnungen bemessen wird. Wird etwa die Wahrheit der Worte Ramakrischnas vermindert, wenn sein Bett verbrennt?

       Ist der Schäfer gewiss, welches seiner Schafe die bessere Wolle liefern wird? Ist der Gärtner gewiss, wie viel Früchte die gezogenen Bäume einbringen werden? Doch die Sorge des Schäfers gilt seiner Herde und die Liebe des Gärtners seinem Garten.

 

       336. Kein anderer Name wird so viele Angriffe hervorrufen wie jener von Maitreya, weil Er mit der Zukunft verbunden ist. Aber die Menschen fürchten vor allem die Zukunft und werden gereizt.

       In die Zukunft strebend, seid für Kämpfe bereit! Doch verbergt euer Streben nicht, denn Feuer strebt aufwärts, und nur die Stufe des Strebens wird unsere Verbindung stärken.

       Die Lehre des Agni Yoga muss euer inneres Leben verwandeln. Doch äußerlich sollen weder Hörner noch ein Schwanz, noch Flügel, noch prahlerische Verachtung, noch Aberglaube, noch Bosheit eure Merkmale sein.

       Man darf sich nicht fürchten, seine Tätigkeit zu erweitern, denn das ist das beste Mittel für Angemessenheit. Unter einem Baum sitzend, kann man sich vorstellen, dass er der Mittelpunkt der Welt sei. Doch das Wesen des Geistes über die ganze Erde ausstreuend, werden wir wie alles durchdringendes Feuer.

 

       337. Das Bewusstsein ist der Maßstab. Schönheit duldet keine Hässlichkeit. Eine Lüge lässt sich nicht verbergen. (…) Das Bewusstsein ist

[Russisches Original. Seite 184.]


der Richter des Beweggrundes. (…) Es gibt so viele Aspekte des Lebens, dass nur das Bewusstsein als Richter bleibt. Entwickelt daher das Bewusstsein.

       Wenn wir uns durch tote Gesetze begrenzen, wäre es besser, auf einen Friedhof überzusiedeln.

       Etwas Durchschnittliches wird das Feuer des Raumes nicht anrufen. Opfer wird vom Bewusstsein gutgeheißen, doch wie genau muss der Meißel sein, der Gerechtigkeit eingraviert! Und wie fein kann die Findigkeit der Selbstrechtfertigung sein!

 

       338. Stunden des Glücks - so bezeichnen Wir jene Entwicklungsstufe des Bewusstseins, wenn sich Unseren Leuten, ohne sich vom Leben abzuwenden, die Gelegenheit bietet, mit Uns in Unserer Stätte zusammenzutreffen. Doch warum hat keiner dieser Auserwählten von dieser Möglichkeit unverzüglich Gebrauch gemacht?

       Während die Bewusstseinserweiterung die Tore zu Uns darstellt, gebietet dasselbe Bewusstsein, Unsere Werke in der Stunde der Not nicht im Stich zu lassen. Selbstaufopferung entspringt dem Bewusstsein, und die Verteidigung Unseres Hauses glüht wie ein Stein der Rettung. Die Entwicklung des Bewusstseins ermöglicht ein Verstehen der Wechselbeziehung der Lebensgesetze und gewährt dem Bewusstsein der Mitarbeiter Hilfe. Doch Unsere Sorge besteht darin, dass sich Unsere Auserwählten, sogar physisch, nicht zu weit von Unseren Bergen entfernen.

       Man sollte begreifen, dass nicht Mangel an Hingabe Unsere Brüder zeitweilig von Unserer Wohnstätte fernhält. Im Gegenteil, gerade ihre Hingabe leitet sie, ihre Annehmlichkeit und ihre Freude zurückzustellen.

       Man sollte bedenken, dass es unsagbar wenige entwickelte Bewusstseine gibt. Deshalb pflegt jedes Bewusstsein, auch das mit zahlreichen Fehlern. Ein Gleichmaß

[Russisches Original. Seite 185.]


von Mängeln und Tugenden gehört zu einem aufsteigenden Bewusstsein.

       Bedenkt, dass Unsere Werke nicht immer der Hilfe bedürfen. Ein Sämann streut seine Handvoll aus und antwortet auf den Ruf des Meisters: „Ich komme, Herrscher! — Kalagya![58]

 

       339. Die Menschen lieben Erscheinungen, nicht kleiner als ein Elefant, und einen Ton, nicht leiser als Donner. Doch in der Stille vollzieht sich die Einwirkung der feinen Energien.

 

       340. In erster Linie lernt, in Einsamkeit zu denken, und erkennt die Verantwortung des Denkens. Wahrlich, der Gedanke reißt die stärksten Mauern nieder. Zweifel, Gereiztheit und Selbstbemitleidung können bewusst vertrieben werden.

       Ich rate, sich selbst zu beobachten und zu bedenken, dass niemand anderer als der Lehrer helfen wird. Ich rate, den Lehrer als die einzige Festung zu betrachten.

 

       341. Wenn auf die Neue Ära des Feuers hingewiesen wird, bedeutet das, dass dieses Element beherrscht werden muss. Anders gesagt: Es ist nötig, die Lebenskraft des Feuers in sein Bewusstsein aufzunehmen. Schon vor langem habe Ich zu euch über die Notwendigkeit der Übung gesprochen, eure Gedanken in das Bewusstsein aufzunehmen. Kann man annehmen, dass die Lehre im Leben angewendet wird, wenn selbst die Gedanken keine neue Richtung erhalten haben? Dort, wo alles beim Alten blieb, sucht keine neuen Keimlinge. Wo das Alte fortbesteht, wird das Neue Feuer versengen, und das Leben wird keine neuen Segnungen erfahren.

       Mögen die Worte über das Feuer nicht als abstrakte Symbole betrachtet werden. Ich spreche vom wirklich existierenden Feuer. Nicht zum ersten Mal wird der Planet die Einwirkung

[Russisches Original. Seite 186.]


dieses Elementes verspüren. Bei jedem Rassenwechsel nähert sich das Feuer als reinigender Strom. Die Menschheit erinnert sich der Zerstörungen, die durch die Vereinigung des räumlichen Feuers mit seiner unterirdischen Ablagerung verursacht worden sind. Weshalb einen Untergang, ähnlich dem von Atlantis*, wiederholen, wenn die Wohltat des feurigen Elementes hervorgerufen werden kann? Um aber dem Feuer furchtlos näherzutreten, muss man lernen, darüber nachzudenken und es in das Bewusstsein aufzunehmen.

       Wenn ihr die Ausstrahlungen des menschlichen Körpers abbildet, dann werdet ihr mit besonderer Klarheit die Abscheulichkeit eines zwiespältigen Wesens erkennen, wenn das Gesicht Güte zeigt, doch der Gedanke sein Messer schleift.

       Man muss es lernen, die Lehre einfach aufzunehmen und das Leben mit ihr zu durchdringen. Feuer kann ein großer Segen sein.

 

       342. Beim Zerlegen von Materie muss man wissen, dass außer verschiedenen Bestandteilen immer zwei Faktoren gefunden werden, denen kein Name zugeordnet ist. Der erste wird die Ablagerung der psychischen Energie sein, der zweite die Substanz des Feuers. Solange der Kristall der psychischen Energie nicht ermittelt ist, kann die Substanz des Feuers nicht erkannt werden. Genauso wie die Ablagerung der psychischen Energie durch Imperil wahrgenommen werden kann, wird die Substanz des Feuers durch Beachtung der Spannung der psychischen Energie festgestellt werden.

       Das Raumfeuer kann in seltenen Fällen mit bloßem Auge beobachtet werden, wenn es sich nahe der schützenden purpurnen Grenze verdichtet. Der Raum erscheint, als ob er mit kleinen züngelnden Flammen angefüllt wäre. Doch für diese Manifestation

[Russisches Original. Seite 187.]


bedarf es einer gefestigten Aura, damit sie nahe dieser kondensierten Flammen keinen Schaden erleidet.

       Auf alten Bildern kann man um die Aura herum eine Ablagerung von Feuer wahrnehmen. Doch heute ist diese physische Erscheinung vollkommen in Vergessenheit geraten. Ihr kennt die volle Wirklichkeit des Gesagten. Doch mögen die Wissenschaftler nicht klagen, wenn Wir ihnen vorschlagen, vor der Entdeckung des Feuers den Kristall des Imperils zu finden, und zwar umso mehr, als sie ihn schon fast gefunden haben. Dabei ist es weit einfacher, mit dem Gift der Gereiztheit zu wirken, als die höhere psychische Energie zu suchen.

 

       343. Die Erscheinung von Feuer gehört zu den seltenen Manifestationen, weil die Beweglichkeit des Feuers jenseits des Sehvermögens der Augen liegt. Nur in der Nähe der Aura kann sich das Feuer manchmal festigen. Die Wellen des Feuers haben einen bestimmten Rhythmus.

       Ihr seid schon daran gewöhnt, dass die Phänomene der Manifestationen nicht von der Sichtbarkeit der äußeren Bedingungen abhängen.

 

       344. In Luftspiegelungen findet ihr die Lüge der Augenscheinlichkeit und die Wahrheit der Wirklichkeit. Ich wiederhole, ihr seht Wirklichkeit, doch das Äußere befindet sich an einem von euch unerwarteten Ort. Dieses Beispiel ist eines von vielen ähnlichen Phänomenen. Oft sehen die Menschen die Wirklichkeit nicht und bestehen auf ihren eigenen Vorstellungen.

       Die Leute werden fragen, warum die Erscheinungen der feinen Energien so selten sind. Sagt ihnen, dass sie dauernd stattfinden, doch das menschliche Auge und Ohr sich nicht bemühen, sie zu erkennen. Wenn das Auge sie auffängt, ist der Mensch davon überzeugt, dass es ihm nur so scheint. Dies ist die Formel der Unbewusstheit.

[Russisches Original. Seite 188.]


       In den Schulen sollte die Fähigkeit der Beobachtung entwickelt werden. Gerade in den Schulen ist es notwendig, Beobachtung zu üben, und Schweigen in der Dunkelheit ist das beste Mittel.

 

       345. Es ist gar nicht so leicht, denken zu lernen. Es ist schwierig, die Anspannung des Gedankens zu entwickeln; doch noch schwieriger ist es, eine hohe Qualität des Denkens zu erlangen. Oft nimmt sich ein Mensch im Geist vor, rein zu denken, doch sein Wesen ist an egoistisches Denken gewöhnt. Dann ergibt sich die am wenigsten erwünschte Gedankenform. Zwei Vögel aus verschiedenen Nestern kann man nicht zu einem vereinen.

       Es ist notwendig, das Denken zu üben, nicht nur verstandesmäßig, sondern mit dem Feuer des Geistes, bis jede Zweideutigkeit schwindet. Der Gedanke kann so lange Macht haben, wie er vollständig monolithisch ist. Jede Spaltung vermindert nicht nur seine Kraft, sondern ist auch kosmisch schädlich, weil sie eine Dissonanz in den Raum hineinträgt.

       Es ist notwendig, eine bestimmte Zeit für die Beherrschung des Gedankens aufzuwenden. Doch es ist nützlich, sich die Einheit des Wesens des Gedankens wiederholt vor Augen zu führen. Wir freuen uns über die Mannigfaltigkeit des Denkens, doch jeder Gedanke muss so rein sein wie ein Diamant.

 

       346. Über die Teilbarkeit des Geistes habe Ich bereits zu euch gesprochen. Man braucht nicht erstaunt zu sein, wenn ein entwickelter Geist sich freigebig offenbart, auch auf weite Entfernungen, wo er von der Qualität der Geistigkeit der Anwesenden angezogen wird. Man soll nicht glauben, dass solche Übertragung des Geistes immer unsichtbar sein wird. Wir verteilen Münzen, ohne von ihrer Prägung Notiz zu nehmen, und wissen auch nicht immer, wem

[Russisches Original. Seite 189.]


wir sie geben. Von welch höherem Grad der Freigebigkeit ist unser Geist durchdrungen, der wie die feinste Energie der besten Verwendung zueilt.

       Daher lasst uns selbstaufopfernd Fülle des Geistes entwickeln.

 

       347. Die Menschen sprechen so leicht die Worte „unermüdliche Arbeit“ aus, doch im Geist fürchten sie sie. Man kann niemanden nennen, der sich ohne Erweiterung des Bewusstseins über endlose Arbeit freuen kann. Nur Unsere Leute werden verstehen, dass das Leben mit Arbeit verschmolzen ist, durch die man Kräfte des Wachstums erlangen kann. Man möge verstehen, wie unerschöpflich Feuer und auch die durch Arbeit erlangte Energie sind. Mit der Stunde des Bewusstwerdens der Arbeit beginnt die Erfüllung des Agni Yoga.

       Wolken beginnen, das Feuer auszulöschen, wenn die Kraft der Energie unzulänglich ist. Die Anspannung der Energie kommt nicht vom Verstand, noch nimmt sie durch einen äußeren Befehl zu. Sie wächst nur von innen. Doch nur ein freies Bewusstsein kann Arbeit zu einem Fest des Geistes gestalten.

       Vermeidet es auch, Zwang auf den Willen eines anderen auszuüben. Mögen eure Rufe wie Feuer aufleuchten und den Raum erfüllen. Doch das sich aus diesen Feuern des Geistes ergebende Muster muss jeder für sich selbst gestalten. Gleicherweise wird die Arbeit der Sättigung des Raumes erkannt. Ein Unwissender betrachtet die Kräfte des Raumes als außerhalb seiner königlichen Persönlichkeit liegend. Er hofft, dass mit seinem Körper sein ganzes Wesen vernichtet wird. Doch der Kristall der Unwissenheit ist so lange unzerstörbar, solange das Wissen des Geistes sein tödliches Gewebe nicht auflöst.

       Den Yoga des Feuers suchend, müssen die Menschen Arbeit als den Entflammer des Feuers verstehen. Die Wechselwirkung

[Russisches Original. Seite 190.]


der Energien nährt das Feuer, und entlang den feurigen Kanälen gelangt es in die Sphären der höchsten Welten.

       Wir bezeichnen Agni Yoga als den für das Leben geeignetsten Yoga, weil Leben auf dem Austausch von Energien beruht.

 

       348. Man wird verstehen, dass Fleischgenuss für den Organismus unerwünscht ist, nachdem man den vollen Schaden — dem Organismus totes Gewebe zuzuführen — erkannt hat.

       Nur auf Reisen sei bestimmtes geräuchertes Fleisch gestattet, doch allgemein rate Ich, euch zu enthalten.

       Es ist nützlich, Äpfel auf dem Tisch zu haben. Die Essenz dieses Obstes ist, solange es nicht fault, für den Atem zuträglich.

 

       349. Der Lehrer wird nicht säumen, jedes Zeichen der Hingabe anzunehmen. Hingabe und Wachsamkeit schmieden den Bund zwischen den Welten.

 

       350. Man kann das Opfer als die Aneignung des Rechts auf den raschesten Zutritt verstehen.

       Beachtet, warum für physische Manifestationen ein tiefes Einatmen erforderlich ist. Besteht darin nicht eine Verbindung zur Manifestation der Energieübertragung, von der wir heute gesprochen haben? Gibt es denn unter physischen Manifestationen übernatürliche?

 

       351. Ihr wisst, wie Wir die Astralwelt betrachten. Ihr wisst, in welchem Maß sich dieser Zustand im Evolutionsprozess ändern muss. Obwohl Wir auf die Unvollkommenheit der Astralwelt hinweisen, können Wir sie nicht verwerfen; denn nichts Vorhandenes kann verworfen werden. So muss man das Wissen nicht nach persönlichem Wunsch aufbauen, sondern nach absoluter Bedeutung. Die Menschen sollten nicht nur von der Astralwelt wissen, sondern sie auch näher an die Grenzen des Sichtbaren bringen,

[Russisches Original. Seite 191.]


so kann man Unser Experiment der Verdichtung des Astralkörpers fördern.

       Wenn ihr über die wahrnehmbaren Manifestationen der Astralwelt lest, so mögen sie euch bislang ungewöhnlich erschienen sein. Doch damit zeigt ihr Unvollkommenheit des Denkens, wenn ihr das leugnet, was untrennbar nahe ist. Es ist nützlicher, anzuerkennen und den Standpunkt der Betrachtung einzunehmen. Wie könnten wir für Verbesserung der Lebensbedingungen kämpfen, wenn wir diese nicht beachten!

       Ihr könnt den sich Nahenden sagen, wie die Verdichtung des Astralkörpers das Leben beeinflussen wird, auch könnt ihr Näheres über das Experiment des Wechsels des Ortes und der verschiedenen Körper mitteilen. Man möge darauf hinweisen, dass ein Experiment, das auf chemischen Gesetzen beruht, nicht als übernatürlich bezeichnet werden kann. Allerdings kann das mit uraltem Staub bedeckte Bewusstsein die Wirklichkeit nicht sofort erfassen. Wenn ich daher über Geduld spreche, so muss man sie verstehen wie das Leben. Wer würde einen Gast in den Regen zurückweisen? Doch der Ansturm der Elemente währt nicht lange, man muss nur die Zeit so klug wie möglich nutzen. Außerdem ist es notwendig, zu verstehen, dass der räumliche Gedanke sich jetzt in Richtung Vereinigung der Sphären spannt und der menschliche Gedanke auf diesem Pfad der Erweiterung des Bewusstseins wandelt.

 

       352. Die Furcht vor astralen Erscheinungen beruht auf anderen Ursachen als auf Gespenstern. Man muss die Kälte des Astralkörpers als eine chemische Reaktion verstehen.

 

       353. Fragt man euch nach Belohnung, erzählt folgendes Gleichnis: Ein Mann gab für gute Werke viel Gold, doch er erwartete Belohnung. Einmal

[Russisches Original. Seite 192.]


sandte ihm sein Lehrer einen Stein mit der Mitteilung: „Empfange die Belohnung, den Schatz des fernen Sterns!“ Der Mann wurde unwillig: „Für mein Gold wird mir ein Stein geboten! Was bedeutet mir ein ferner Stern?“ Und in seinem Ärger warf er den Stein in einen Gebirgsstrom.

       Doch da kam der Lehrer und sagte: „Wie fandest du den Schatz? Im Stein eingeschlossen war der wertvollste Diamant, der unter allen irdischen Edelsteinen funkelt.“

       In Verzweiflung eilte der Mann zum Strom, und der Strömung folgend, versank er immer tiefer und tiefer. Doch das Kräuseln der Wellen verbarg den Schatz für immer!

 

       354. Wer Furcht, Vorurteil und Heuchelei aufgibt, kann mit dem unsichtbaren Leben verbunden werden. Man kann bemerken, wie sich ohne diese drei Feinde Hellhören und Hellsehen entwickeln.

 

       355. Wer Agni Yoga studieren will, muss seine Aufmerksamkeit dem Pulsieren der Elemente zuwenden, weil unter diesem herrschenden Gesetz verschiedene Elemente verbunden werden. Bei dem gestern durchgeführten psycho-physikalischen Experiment konnte euch gezeigt werden, dass der Rhythmus der Energie der Puls der Elemente war, wonach die Tätigkeit durch Stille unterbrochen wurde — wie auf Pralaya ein Manwantara[59] folgt. Natürlich wäre es unsinnig, die Wirkung der Elemente bei allen mechanischen Vorgängen Geistwesen zuzuschreiben. Allerdings gibt es unbezweifelbar eine Verbindungen zwischen bestimmten Geistwesen und den Augenblicken des Energiezustroms. Es ist erstaunlich zu sehen, wie sich die nicht verkörperten Geistwesen durch Benutzung des Ektoplasmas* des Raumes verdichten können, und diese manifestierten Körper können

[Russisches Original. Seite 193.]


feine Eigenschaften erlangen. Wahrlich, eine Brücke zwischen zwei Welten!

       Bedenkt, dass das Ektoplasma gerade mit Hilfe des feurigen Elementes abgesondert wird.

 

       356. Ihr erforscht den Rhythmus des Pulses der Elemente nicht aus Neugierde. Alles Wissen ist anwendbar. Man kann das Wissen über den Rhythmus nützlich im Leben anwenden. Schon seit langem wurde erwähnt, wie wichtig der Rhythmus ist. Doch der Rhythmus des Pulses der Elemente zeitigt besondere Ergebnisse.

 

       357. Mahavan und Chotavan[60] sind die charakteristischsten Rhythmen des Feuers. Über diese Rhythmen verfügend, kann man sich dem Element Feuer leicht nähern. Das ist keine gewaltsame Beschwörung, sondern nur das bewusste Eintreten in eine Sphäre, deren Bedeutung ihr als wesentlich erachtet.

       Man muss Rhythmen verstehen, denn wie sonst tragen wir Überzeugung in die Taten? Selbst der halbtote Sand ordnet sich bei Schwingung zu besonderen Mustern. In welch höherem Maß wird der Mensch vom Rhythmus beeinflusst! Nicht Zauberei, sondern Wissen eröffnet dem Menschen den Weg der Verwandlung — ein unaufschiebbarer Weg, denn so wurde die Menschheit in den letzten Tagen von Atlantis aufgerufen.

       Doch man sollte nicht denken, dass, wenn das Heute vorübergegangen ist, auch das Morgen vorbeigehen wird. Jede Stunde kann eine Verwandlung für die Neue Welt sein.

       Denkt darüber nach, wie ihr die Lehre in euer Leben leichter aufnehmen könnt. Selbst sehr beschäftigte Leute können jeden Tag eine Stunde der Annäherung an die Lehre widmen. Wir können nicht glauben, dass es keinen Augenblick für das Wesentlichste gibt, dafür, wofür wir leben. Wir nehmen täglich Nahrung zu uns, und ohne sie halten wir den Tag für

[Russisches Original. Seite 194.]


erbärmlich. Doch unser Geist erhält auch Nahrung durch Gedanken, und ohne sie ist der Tag sogar verbrecherisch.

       Stärken wir unser Denken und erinnern wir uns an die Grundlage des Yoga wie an Brot und Milch. Gewalt ist nicht nötig, denn die Lehre kann durch Bändigung alles Störenden anziehen.

 

       358. Es ist richtig, Sauerstoff als den Adler der alten Schriften zu verstehen[61]. Auch auf Phosphor, schwefelsaures Zink und Platin stößt man bei den alten Verbindungen.

 

       359. Besonders schwierig ist es, den schnell fliegenden Vogel zu nötigen, langsam zu fliegen. Es gibt kein größeres Opfer, als wenn sich das bereits erweiterte Bewusstsein der offenbarten Wirklichkeit widmet.

 

       360. Sobald sich die Menschen der psychischen Energie bewusst werden, wird die Neue Ära verwirklicht werden.

 

       361. Es gibt zwei Arten von Logik: Die eine ist die Logik des äußerlichen Denkens, die man mit Lehrbüchern zu festigen versucht. Die andere ist die Logik der geistigen Synthese, welche die Funken der Schlussfolgerungen des räumlichen Denkens sammelt und verbindet. Diese Schlussfolgerungen erscheinen dem Menschen als ein glücklicher Zufall, auch wenn dieser Zufall ein ganzes Jahrhundert im Raum heranreifte.

       Das erweiterte Bewusstsein bietet die beste Möglichkeit, die Knoten des räumlichen Gedankens einzufangen.

       Gewiss, vom Gesichtspunkt der äußerlichen Logik aus werden im Vorgehen der geistigen Logik immer Abweichungen gefunden werden. Wie Spiralringe dem Beschauer nur eine Windung zeigen und den inneren Ring verhüllen, so geht die geistige Logik entsprechend der Grenzlinie der nächsten Windung vor,

[Russisches Original. Seite 196.]


während die innere Grenzlinie mit den Strömen der Gemeinschaft des Raumes verschmolzen bleibt. Daher bemühen Wir Uns so um die Erweiterung des Bewusstseins, damit man zur Vereinigung mit dem räumlichen Denken gelangt.

       Man muss dies so einfach aufnehmen wie die Lebensbedeutung des Sauerstoffs. So einfach sollte die Vorstellung des spiraligen Ursprungs alles Bestehenden und der schöpferischen Explosionen erscheinen. So wird der Atem des Kosmos als die aufsteigende Spirale erkannt werden.

       Der reine Anfang — wir wollen ihn Sauerstoff nennen — taucht mit Hilfe von Materia Lucida aus dem nicht offenbarten Raum hervor, und mit dem Abfall des Lebens zusammentreffend, kommt es zu einer Reihe von Explosionen. Natürlich, man muss verstehen, dass diese Explosionen ohne das Feuer des Raumes keinen Rhythmus haben. Anders gesagt, das Feuer erweist sich als Regulator des kosmischen Pulses.

       Ihr mögt euch freuen, wenn ihr die euch gegebenen Rhythmen anwendet. Gewiss, ihre Aufeinanderfolge ist ziemlich individuell. Es können sich Folgen einstellen, die mit dem wechselnden Zustand des Organismus zusammenhängen. Man sollte die Sendungen aus dem Raum in den offenen Kelch aufnehmen. Das ist die Gewähr der Synthese. Gleicherweise muss man den inneren Rhythmus beachten, denn das entwickelte Bewusstsein bleibt nicht ohne Rhythmus.

       Wirkungsvoll für den Rhythmus des Feuers ist die Verbindung von zwei Dodekaedern[62]. Sobald ausreichend Energie gesammelt ist, will Ich es zeigen, denn für die Annäherung an Agni Yoga ist dieser fliegende Rhythmus notwendig.

 

       362. Wer ein Körnchen Wahrheit kennt, wird ein Okkultist genannt. Wer sich gegen die Grundlagen des Wissens erhebt,

[Russisches Original. Seite 196.]


gilt als Rationalist. Bei solchen Voraussetzungen kann man sich die Abwegigkeit irdischen Denkens vorstellen.

       Es ist schlecht, wenn die Bedeutung des Lehrers nicht erkannt wird, aber noch schlimmer ist es, wenn man, nachdem man den Lehrer erkannt hat, ihm das auferlegt, was man selbst vollenden muss.

       Daher mag man Achtung gegenüber dem Lehrer mit der Aufwendung der eigenen ganzen Kraft verbinden.

 

       363. Die Menschen sprechen gern über Ebbe und Flut, über Licht- und Tonwellen, über magnetische Ströme, doch die psychische Energie bleibt in Vergessenheit, obwohl psychische Wellen weit stärker sind als alle anderen Fäden des Raumes. Die Tatsache, dass die Wellen der psychischen Energie wie astrochemische Strahlen wirken, ist völlig wissenschaftlich. Man kann auf weiteste Entfernungen hin die Bereiche der Einwirkung oder der Gegenwirkung beobachten.

       Weder persönlicher Wille noch das Bewusstsein der Astralwelt, sondern die Akkumulation der Wellen des Raumes — als das Bewusstsein des Kosmos — wirkt auf alle feinfühligen Empfänger ein. Man kann sich vorstellen, welche Macht über die Welt fegt, wenn aus ihr Legionen von Lächeln oder Schrecken geboren werden.

       Wozu misst man den Druck der Atmosphäre, wenn man es andererseits versäumt, die Angaben über die Wirkung auf die Stimmung des Menschen zu nutzen? Das Leben wird auf solche Stimmungen aufgebaut. Es gibt einen ausreichenden Vorrat an feinfühligen Organismen, doch anstatt sie weise zu nutzen, werden solche Individuen mit Verachtung oder Aberglauben bedacht. Bedauerliche Unwissenheit verhindert die Anwendung

[Russisches Original. Seite 197.]


dieser Energien im Leben, die selbst an die Fenster klopfen. Es ist Zeit zu verstehen, wovon kollektives Streben herrührt und woher die Mehrheit Niedergang und Aufschwung schöpft.

       Andere Rassen haben der Wirkung der psychischen Energie Beachtung geschenkt. Doch unsere scheidende Rasse ist nicht gewillt, ihren Nachkommen dieses wohltätige Erbe zu hinterlassen.

 

       364. Wenn Ich nach Ablauf von sieben Jahren sage: „Alles ist möglich“, wird das verstanden werden? Werden nicht die Gegner weiter gegen die Wirklichkeit vorgehen?

       Der tote Buchstabe ist gefährlich. Doch ist das Bewusstsein bereit, die Grenzen der Schöpfung zu verstehen?

 

       365. Vor allem sollt ihr nicht mit der Lehre Schrecken einjagen. Wahrlich, in jedes Leben kann ein Blütenzweig hineingetragen werden. Wie das Morgenlicht soll die Lehre sein.

 

       366. Warum sollte Unsere Bürgschaft so beschränkt verstanden werden? Weiser ist es, den Schatz noch weiter zu tragen, als ihn nur für das gewöhnliche Leben anzuwenden. Das Suchen nach weiter Anwendung der Lehre wird der Hand Erfahrung verleihen. Doch ein vorbereitetes Ergebnis kann leicht zerstört werden, denn die Stimme aus der Ferne gleicht dem Rascheln des Schilfs. Man sollte keinen Einspruch erheben, wenn sich ein freier Wille auflehnt. Man kann es bedauern und erneut flüstern. Doch das Gesetz vom freien Willen beweist die Würde des Menschen.

       Wenn ich sage: „Ihr sollt keinen Zwang ausüben“, meine Ich gerade das Gesetz vom freien Willen. Wer würde einen Zweig biegen, der durch den Willen angespannt ist? Und wäre der Rückschlag nicht schlimmer

[Russisches Original. Seite 198.]


als die Biegung? So seid fähig, die Menschen ohne Willensbelästigung zu rufen.

       Selbstaufopferung kann nicht eingegeben werden. Selbstaufopferung kann nicht befohlen werden. Wenn der Geist, schonungslos gegen sich selbst, für andere leidet, handelt er aus freiem Willen. Selbst ein Wink ist ungebührlich, wo Opfer sich erhebt. Ist Teilbarkeit des Geistes möglich, wo Zwang besteht?

       Seht, wie die immer bereite Flamme auflodert! Wird der Schmerz abwenden, was der Wille eines reinen Geistes bereits aussandte?

 

       367. Streiten können selbst Hunde; daher ahmt die Tiere nicht nach. Das Bewusstsein verpflichtet, die Folgen eines Streites zu erkennen. Die sinnlosen Worte erheben sich wie schwarze Wirbelwinde. Es ist gefährlich, den Raum zu verunreinigen. Es ist gefährlich, auf sich und die Nahestehenden einen Rückschlag heraufzubeschwören.

       Man sagt, der Affe sei sehr leicht beleidigt. Was bedeutet das für uns? Der Panther sei sehr reizbar. Was bedeutet das für uns? Man sagt, die Henne gackere ohne Grund. Man sagt, der Geier nähre lange seinen Zorn. Was bedeutet das für uns? Ein Papagei wiederhole Schimpfworte. Was bedeutet das für uns? Man sagt, eine Ente beherrsche ihre Nerven nicht. Was bedeutet das für uns? Lasst uns sie nicht nachahmen!

 

       368. Weder Unzufriedenheit noch Gereiztheit, sondern das Gefühl des Glücks ist notwendig, denn es bedeutet wahrlich ein Glück, das Werk des Lehrers aufzubauen.

 

       369. Zum letzten Mal werde Ich über Gereiztheit sprechen. Erkennt ihren Schaden — nicht nur persönlich, sondern auch

[Russisches Original. Seite 199.]


für den Raum. Dieser hinter einem Lächeln der Höflichkeit verborgene Wurm hört nicht auf, die Aura zu zerfressen. Sein Schaden unterwühlt alle Werke.

       Um des Schaffens willen, seid von der Schädlichkeit der Gereiztheit überzeugt! Wenn sie wie ein Blutgerinnsel das Ohr verschließt, kann ein Mensch dann hören? Wenn das Auge getrübt ist, kann der Mensch dann sehen? Wenn das Bewusstsein verdunkelt ist, wo bleibt dann die Errungenschaft?

       Doch man muss das Feuer wie einen Schatz hüten. Der Phosphor der Nerven wird wie ein Lampendocht verzehrt; und ist die Lampe ohne ihn denn brauchbar? Man könnte Ozonöl hinzufügen, aber ohne Docht werden die Nerven das Feuer nicht entzünden.

       Das Symbol des Feuers erinnert an die heiligste Substanz, die mit so viel Mühe angesammelt, aber unverzüglich vertilgt wird. Wie können wir beim Photographieren der Ausstrahlungen Ergebnisse erwarten, wenn wir uns anschicken, in die Finsternis zu tauchen?

       Warnt die Freunde unermüdlich.

 

       370. Sagt Oriola[63], dem goldenen Vögelein: „Willst du zum hohen Turm fliegen, denke an die Vergangenheit! Erinnere dich, wie du Schätze zerstörtest, und wie du nachher zu den Schöpfungen des Geistes strebtest, aber den Weg zu ihnen nicht finden konntest.

       Doch Streben schwindet nicht, es wandelt sich im Leben. Du besitzt die Schätze des Geistes. Wie viele andere finden einen so vorbereiteten Weg vor?

       Doch wer keine Hindernisse kennt, muss umso leichter den Raum besiegen. Flügel sind den Vögeln nur zum Fliegen gegeben.“

       So merkt euch das!

 

       371. Die feinen Energien erforschend, werdet ihr überzeugt werden, dass

[Russisches Original. Seite 200.]


nicht nur die Hauptgruppen der Erscheinungen genaueste Aufmerksamkeit verdienen, sondern dass auch die kleinen Fäden der Spannung mächtige Ergebnisse zeitigen. Es ist sogar nötig, den fühlbaren Niederschlägen und Verbindungen den ersten Platz einzuräumen.

       Kürzlich begann man das Soma im Organismus zu erforschen. Auch an das purpurne Sperrnetz der Aura wurde kürzlich gedacht. Beide Manifestationen beziehen sich auf den Bereich des Feuers. Die erstere erste stellt das Ergebnis der Arbeit des Phosphors dar, die letztere verleiht die Macht des Feuers, die durch eine gesunde Ausstrahlung des Organismus aus dem Raum angezogen wird. Daher sollte man das Feuer des Körpers hüten, um eine mächtige Wirkung zu erzielen. Auf diese Feuer sind unsere Heilmittel ausgerichtet. Nicht die Muskeln, sondern die feurige Welle der Nerven verdient Beachtung. Sie muss wiederhergestellt und genährt werden.

       Die von euch von den Bergen mitgebrachte Pflanze ermöglicht eine Reihe nützlicher Experimente. Die angespannte Energie des Saftes nährt die Macht des Feuers. Aber auch andere Möglichkeiten ihrer Anwendung sollten erforscht werden. Die Wärme, die durch die Essenz der Blätter und das Öl der Rinde erlangt wird, bildet das beste Stärkungsmittel für das Sperrnetz der Aura.

       Das Sperrnetz der Aura leuchtet wie ein Harnisch zwischen den beiden Uranfängen von Licht und Finsternis. Wahrlich, diese Linie ist die Grenze zwischen Licht und Finsternis! Von einer anderen Seite treten wir an die Goldene Mitte des Testamentes Buddhas heran.

       Diese Linie trennt die Uranfänge. Wie ein Blitz strahlt sie aus dem einen Prinzip der Urquelle. Wie ein Schutzwall und wie eine Brücke vereint das Feuer die Gegensätze. Wie sehr sollten die Menschen die Macht der Einheit schätzen. Wer auch immer sie besitzt, ist der Besieger der Finsternis.

[Russisches Original. Seite 201.]


       Die Ärzte sollten die Bedeutung von Soma und des Sperrnetzes studieren.

 

       372. Es ist nützlich, sich der interplanetaren Kämpfe bewusst zu werden. Man kann das Aufeinanderprallen der kranken und der gesunden Atmosphäre nicht anders benennen. Die gestern erwähnten Ströme schützen allerdings den Planeten vor giftigen Ausdünstungen. Das Bewusstsein der lebenden Wesen trägt zu dieser traurigen Erscheinung viel bei. Man kann sich die Gefahr dieser Ausstrahlungen nicht vorstellen. Nur die Beherrschung des Raumfeuers kann eine Entspannung bewirken. Doch dieses Feuer sollte ins Leben hineingetragen werden.

       Es genügt nicht, die Zeichen des Feuers am menschlichen Organismus zu beachten. Man sollte auch beachten, wie das Feuer auf das Bewusstsein einwirkt. Dieses häusliche Experiment wird die Technik liefern, die ein toter Buchstabe nicht enthält. Das Feuer nähert sich dem Leben öfter, als man denkt.

 

       373. Beweglichkeit des Bewusstseins ist eine Eigenschaft der höheren Welt. Man sollte verstehen, wieso auf königliche Inkarnationen solche von Schuhmachern folgen können, ohne zu erniedrigen. Auf Erden erfasst man die Beweglichkeit der äußeren Formen nur schwer, weil sich die Menschen den Aufstieg des Geistes nicht vorstellen. Beweglichkeit lehrt einen, die Dinge von verschiedenen Blickwinkeln aus zu verstehen. Und die Formel „mit menschlichen Händen und Füßen“ hört auf, eine Abstraktion zu sein.

       So versteht auch die Unfehlbarkeit des Gesamtplanes. So sucht auch ihr. Stützt euch nicht nur auf eine Lösung. Wenn die Feinde einen Weg versperren, übersehen sie damit gleichzeitig einen anderen.

 

       374. Wer der Lehre folgt, büßt die den Menschen so lieb gewordene Untätigkeit ein. Doch wer ihr nicht folgt,

[Russisches Original. Seite 202.]


erhält den vollen Schauer des Karma. Urteilt selbst, wer den wahren Pfad gewählt hat. Kann es Misserfolg geben, wenn ihr der Lehre folgt? Als ein Glück bringt die Lehre Verfeinerung des Bewusstseins. Wo kann man sonst eine Kraft finden, die den Ergebnissen der Lehre gleichkommt? Daher befolgt sorgsam Unsere Testamente.

 

       375. Worin besteht der Erfolg eines Yogi? Weder in der Anziehung von Massen noch in der Bekehrung der Menge. Doch nahe den Werken des Yogi kann man bewusste und unbewusste, freiwillige und unfreiwillige Nachahmungen gewahren. Die Menschen beginnen das gleiche zu tun. Sogar Feinde folgen fluchend dem gleichen Weg.

       Es ist, als ob sich um die Taten eines Yogi eine besondere Atmosphäre gesammelt hätte. Dies ist wirklicher Erfolg, wenn weder Gold noch Mengen, sondern das unsichtbare Feuer menschliche Herzen entflammt. Doch mit dem Wunsch, nachzuahmen, betreten sie dieselbe Atmosphäre und tragen Tropfen desselben schöpferischen Taus mit sich. Der Erfolg kommt nicht allein von außen, er wird durch das Zusammenwirken von menschlichen Händen mit dem Gedanken des Raums geschaffen. Doch der Yogi wird zum ersten Kanal, zum primären Empfänger der Raumenergien. Daher leuchtet der Yogi wie ein aufrufendes Feuer.

       Er baut auf, was aufgebaut werden muss. Er fügt die vorbestimmten Steine zusammen. Und selbst Feinde schaudern und sprechen die von ihm übergebenen Worte nach. Der Yogi ist kein Prediger. Er erscheint selten; doch die anvertrauten Werke wachsen in einer eigenen Farbe. Andere anerkennen selbst das Blühen dieser Werke nicht, denn ihre Bestimmung es ist nicht, zu verschlingen, sondern zu entflammen.

[Russisches Original. Seite 203.]


       Wohin ergießt sich der Funke des Feuers? Kann man alle entfachten Feuer sowie alle vom Feuer eines Agni Yogi erwärmten Wanderer sehen?

       Das Feuer lodert erfolgreich auf, denn es brennt nicht für sich.