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Bruderschaft

 

[1938]

 

Teil II

 

[Das Überirdische]


Band 2 (§§ 433 - 955)

 

 


433. Urusvati weiß, daß sogar die Großen Tatmenschen bei jeder Verkörperung unterschiedliche Eigenschaften offenbaren. Wenn man eine ganze Reihe von Verkörperungen betrachtet, kann man sich von der Perlenkette der Aufspeicherungen überzeugen. In diesem Zusammenhang ist besonders aufschlußreich, wie unterschiedlich die Reihenfolgen sich gestalten. Man darf nicht annehmen, daß die Eigenschaften sich irdischem Verständnis gemäß bilden und jede Verkörperung eine direkte Fortsetzung der vorangegangenen sei. Das Gesetz der Evolution ist in seinen Strukturen sehr viel weiter gefaßt. Von den überirdischen Höhen ist besser zu sehen, auf welche Weise der Geist sich vervollkommnen muß. Es besteht kein Widerspruch darin, daß ein Geist neue Facetten überirdischer Ordnung gemäß erhält.
     Doch nicht nur im Verlauf mehrerer Verkörperungen vollziehen sich verschiedene Aufspeicherungen, sogar während eines einzigen irdischen Lebens kann man einen Wechsel der Wünsche und Bestrebungen beobachten. Dies kann natürlich in einem involutionären Prozeß erfolgen; dann fällt der Mensch in Primitivität und Stumpfsinn. Nun jedoch spreche Ich nicht von solchen finsteren Erscheinungen, sondern möchte im Gegenteil hervorheben, wieviel ein Mensch im Verlauf eines einzigen irdischen Lebens anzusammeln vermag. Man kann unbegrenzt lernen. Der Impuls des wachsenden Bewußtseins wird eingeben, auf welch unterschiedliche Weise man suchen kann. Und bei solchem Suchen helfen Wir.
     Wir lenken die Aufmerksamkeit des Betreffenden auf ein neues Buch. Wir regen nützliche Wendungen von Gesprächen an. Wir senden Gedanken über neue Entdeckungen. Wir verhüten unmerklich schadenbringende Irrtümer. Es bereitet Freude, Hilfe unbemerkt zu erweisen. Wir schätzen es, wenn die Kämpfer beherzt die Schläge der Finsternis abwehren. Mögen die Menschen sich hin und wieder daran erinnern, wie sie in der Feinstofflichen Welt belehrt wurden, wie sich ihnen lichte Wesen näherten und das Wachstum des Bewußtseins den Lehrern die Möglichkeit gab heranzutreten. Genauso vollzieht es sich auch im irdischen Leben.
     Der Denker vertraute manchmal Seinen Schülern an, daß Er zwei Leben in sich fühle - ein lichtes und ein anderes, dunkles, doch daß das lichte als Führer in die Höheren Welten erscheine. Das lichte Leben sei immer wach: "Ruft es, und es wird antworten!"

     434. Urusvati weiß von dem herrschenden Irrtum, daß die Kräfte des Bösen auf dem irdischen Plan mächtiger in Erscheinung treten würden als die guten Kräfte. Dieser Irrtum beruht auf einer nur vom irdischen Standpunkt aus gemachten Beobachtung. In der Tat rauben die finsteren Kräfte

[Russisches Original. Seite 401.]



das Ektoplasma und entsprechen dem Gesetz des Weltalls nicht.
     Die Menschen sagen nicht selten, daß die finsteren Gebilde klarer in Erscheinung treten würden als die verschwommenen Gestaltungen der lichten Wesen. Doch auch diese Beurteilung ist nur vom irdischen Plan aus richtig. Die Kraft liegt jedoch nicht in äußerlicher Deutlichkeit begründet, sondern in der Macht der Energie, die jedoch unsichtbar ist. Dennoch sind die irdischen Beobachtungen nicht bedeutungslos.
     In der Tat leben die niederen Schichten von den irdischen Ausstrahlungen. Die Bewohner jener Schichten werden zur Erde hingezogen und versuchen ihr Tun fortzusetzen, anders gesagt, Böses zu schaffen. Man braucht ihnen das Böse nicht erst beizubringen, denn sie haben es auf der Erde gelernt und setzen ihr Handeln instinktmäßig fort, da ihnen das Gute langweilig und fade zu sein scheint. Man braucht auch nicht zu erwarten, daß für solch böses Tun irgendwelche Hierophanten des Bösen erforderlich seien. Auf der Erde ist selbst der kleinste düstere Bewohner in der Lage, genügend Böses zu vollbringen, und feinstoffliche Wesenheiten, die das ganze Ergötzen an bösem Tun bereits kennen, nähern sich ihnen.
     Wenden wir uns jedoch den Lichten Kräften zu. Wir haben bereits gesagt, wie behutsam Sie die uranfängliche Energie gebrauchen und wie Sie das Gesetz des Weltalls beachten. Sie wissen, daß jede ungesetzliche Verschwendung von Energie sich auf das gesamte Weltengebäude auswirkt. Sie arbeiten für die Wahrung des Gleichgewichts. Kann man diese erhabene Arbeit mit den nichtigen Angriffen des Bösen vergleichen?! Wer vermag zu behaupten, die Erde könne auch ohne die Energie des Lichts bestehen? Wer entschließt sich, den ausdruckslosen Glanz boshafter Wesenheiten mit dem Leuchten der höheren Sphären zu vergleichen? Vergessen wir jedoch nicht, daß die Menschen solcher Ermahnungen bedürfen.
     Der Denker rief mitunter aus: "Bürger, euer Auge ist nicht nach gewöhnlicher Art konstruiert, es ist bösem Tun zugewandt, und eure Ohren sind gespannt, etwas Böses zu erfahren!"

     435. Urusvati weiß, daß die Entzündung der Schleimhäute im Begriff ist, zu einer Geißel der Menschheit zu werden. Die vergiftete Atmosphäre greift die Gewebe an. Es ist unvorstellbar, wie vielfältig die Anzeichen dieser Krankheit des Jahrhunderts sind. Die Menschen versuchen, die festgestellten Symptome bisher bekannten, bereits vergangenen Krankheitsarten zuzuschreiben, ohne die ganze Besonderheit dieser Epidemie zu verstehen. Oftmals tritt sie mit scheinbar harmlosen Anzeichen in Erscheinung, ohne daß die Hände des Arztes Ursache und Entwicklung der Krankheit bestimmen könnten. Daher ist es von Nutzen, daß die Ärzte den menschlichen Organismus mit allen wissenschaftlichen Methoden erforschen.

[Russisches Original. Seite 402.]



     Niemand vermag zu sagen, wann die Entzündung in eine echte Schädigung des Gewebes mit allen verschiedenartigen Folgeerscheinungen übergeht. Es kann sein, daß die Entzündung nachläßt und verschwindet, doch auch diesen Prozeß muß man verfolgen. Es läßt sich auf sehr einfache, nicht reizende Speisen verweisen, doch die Ernährung muß so gestaltet sein, daß der Organismus daraus genügend Vitalität erhält.
     Das Erscheinungsbild der Krankheit selbst kann äußerst verschiedenartig sein. Die anderen Organe können direkte oder indirekte Schmerzen hervorrufen. Die Entzündung der Schleimhäute ist mit dem Nervensystem verbunden und kann daher reflektorische Schmerzen verursachen. Daher ist die allseitige Erforschung des gesamten Organismus so sehr notwendig. Nicht selten läßt sich bemerken, daß eine bösartige Entzündung durch Schmerzen in einem entgegengesetzten Teil des Körpers angezeigt wird. Überhaupt üben die Schleimhäute bei den verschiedensten Funktionen des gesamten Organismus eine Mittlerfunktion aus, und sie nehmen als erste die Sättigung der umgebenden Atmosphäre auf. Auch wenn sich kein gefährlicher Prozeß vollzieht, muß man ihm daher dennoch Aufmerksamkeit widmen und Behutsamkeit walten lassen.
     Vergessen wir nicht, daß diese Epidemie schon vor langer Zeit vorausgesehen wurde. Wenn Wir vom Harmagedon sprachen, hatten Wir keineswegs nur Krieg im Blick, sondern sämtliche unheilvollen Folgen der Verwirrung der Menschheit. Man darf nicht in Mutlosigkeit verfallen, da sich der Mensch in solch niedergeschlagenem Zustand allem Giftigen öffnet. Es ist jedoch weise zu wissen, daß Epidemien dem Harmagedon folgen. Man darf sich nicht begrenzen, indem man nur die bekannten Krankheitsformen sieht, sondern muß bereit sein, äußerst komplexe und ungewöhnliche Krankheitszeichen zu bemerken. Mögen die Ärzte, wenn auch erst teilweise, die neue Krankheit, die überall zutage tritt, erkennen.
     Der Denker sprach: "Wird sich etwa ein derart dünkelhafter Mensch finden, der meint, bereits alle Erscheinungen der Natur erforscht zu haben?"

     436. Urusvati weiß, daß Heilungen mittels Schwingungen überaus individuell verlaufen. Bei der Vielzahl der anwendbaren Schwingungen ist es unmöglich, ihren Einsatz zu beschreiben. Notwendig ist der Weg der Erprobung auf der Grundlage dreier Hilfsmittel: Das eine ist das Hellsehen, das zweite ein Talisman, und das dritte die Führung des Patienten

[Russisches Original. Seite 403.]



unter Suggestion. Nur unter Anwendung dieser Hilfen ist es möglich, ertastend die erforderlichen Schwingungen herauszufinden. Die Therapie selbst kann mittels eines elektrischen Apparates durchgeführt werden, möglich sind jedoch auch durch die Hände des Behandelnden vermittelte Schwingungen.
     Ich verwende einen besonderen Apparat, den Urusvati bei Uns gesehen hat, für den jedoch besondere, den Ärzten unzugängliche Bedingungen erforderlich sind. Daraus darf man aber nicht schließen, daß die Anwendung von Schwingungen unmöglich wäre. Unter allen Bedingungen ist bei dem Arzt nur eine besondere Auffassungsgabe und Beweglichkeit gefordert. Er wird bemerken können, wann es notwendig ist, einen wechselnden Strom anzuwenden, und dann muß er rasch das Ergänzende finden. Er muß auch verstehen, wann ein dämpfender und wann ein anregender Strom anzuwenden ist. Man darf in der Auswahl der Ströme nicht fehlgehen, da anderenfalls unerwünschte Folgen eintreten.
     Ebenfalls muß man im Blick haben, daß bei der Epidemie, von der wir sprachen, sehr schnell wechselnde Symptome auftreten können, die man beobachten muß. Man darf gleichfalls keine starken Schwingungen anwenden, wenn die Erfahrung noch unzureichend ist. Jede neue Anwendung muß unbedingt an kleinen, ungefährlichen Erkrankungen erprobt werden. Auch erprobt werden muß, welche der drei vorgenannten Hilfsmittel wir anwenden, da ihre Anwendungen und Aufnahme individuell sind.
     Urusvati hat Unsere Schwingungen oftmals verspürt. Sie weiß, wie unterschiedlich sie sind und wie verschieden ihre Anwendungsdauer ist. Sie können sehr angenehm, doch manchmal auch schwer erträglich sein. Durch volles Vertrauen vermag ihre heilende Wirkung sich noch zu verstärken.
     Der Denker sprach: "Das Vertrauen ist die sicherste Waffe. Wo aber befindet sich die Grenze des Vertrauens? Der Mensch weiß, daß Vertrauen grenzenlos ist."

     437. Urusvati weiß, daß manche Unserer im voraus gegebenen Hinweise in wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen sich bereits verwirklichen. In weitem Maße erreicht der Gedanke die Gelehrten. Sie legen sich jedoch keine Rechenschaft darüber ab, weshalb sie gerade in der gegebenen Richtung zu forschen beginnen. Man darf sie nicht damit verdrießen, daß ihnen die Gedanken eingeflößt wurden. Sie erkennen nicht, daß die Ideen von einem zum anderen übergehen. Man darf einem Menschen nichts aufdrängen, wenn er meint, er selbst sei Anfang und Vollendung einer Sache. Selbst wenn ihr bemerkt, daß

[Russisches Original. Seite 404.]



jemand offen eure Ideen benutzt, ohne die Quelle anzugeben, so haltet ihm dieses nicht entgegen. Möge alles Nützliche auch auf allen Feldern wachsen.
     Nur eines kann man bedauern, nämlich wenn vereinzelte, aus einem Zusammenhang gelöste Ideen nur Splitter eines vorherbestimmten Ganzen ergeben. Doch auch in solchem Falle sagen Wir: Möge jedes Korn, das dem Wohl der Menschheit gereicht, wachsen. Mögen auch alle Freunde sich an die Aussaat der Ideen gewöhnen, ohne miteinander in Wettstreit zu treten und sich gegenseitig zu verletzen. Man muß sich über jede Ernte freuen.
     Wir wissen zur Genüge, daß die Gedanken Uns nicht gehören, sondern daß Wir nur Überbringer dieser räumlichen Gaben sind. Es ist nicht möglich zu erfahren, wo der Beginn jedes Gedankens liegt. Sogar auf den irdischen Wegen ist solche Suche unmöglich. Was aber soll man erst über die höchsten Welten, die unversiegbare Quelle der Gedanken, sagen!
     Gleichfalls möge man sich zur Freude erziehen, wenn man erkennt, daß man sich in einer Kette der Zusammenarbeit befindet. Es wird dort keine Mutlosigkeit geben, wo man die unzertrennliche Verbindung mit dem Allerhöchsten klar erkennt. Gerade die Menschen vermögen diese Verbindung zu halten und den Regen des Guten aufzunehmen.
     Mögen die Freunde sich gemeinsam mit Uns darüber freuen, daß irgendwo schon ein Zweig der Erkenntnis gedeiht. Wenn der Gärtner dieses Zweiges einem auch nicht vertraut erscheinen mag, so laßt uns in ihm seine allerbeste Seite sehen. Laßt uns nichts fortstoßen, was sich als Keim der Evolution erweisen könnte.
     Genau das gleiche sagte der Denker: "Selbst wenn der größte Verneiner ein Wort der Wahrheit sagt, so werden wir auch ihm zuhören."

     438. Urusvati weiß, daß jede Unserer Weisungen die Öffnung eines Tores darstellt. Wir geben jedoch keine Weisung, deren Ausführung keine Arbeit erforderte. Es existieren viele Lügengeschichten über einen Luxus Unsererseits, der nie vorhanden gewesen ist, doch wenig wird über Arbeit gesprochen. Wenn wir uns die angespannteste menschliche Arbeit vorstellen und dieses Bild in die Unbegrenztheit erweitern, werden wir die Qualität aller überirdischen Arbeit verstehen.
     Es ist der Menschheit anzuraten, Anspannung bei der Arbeit zu erzeugen. Gerade in den Tagen des Harmagedon wird solcher Rat der dringlichste sein. Jeder kann bei seiner Arbeit bleiben, doch möge er sie vermehren. Allein solches Bemühen um Anspannung und Qualität

[Russisches Original. Seite 405.]



der Arbeit kann bis zu einem gewissen Grade die Verwirrung der Menschheit ausgleichen. Wer in sich die Kraft findet, sogar inmitten der Wirrnis zu arbeiten, schafft bereits in seinem Umkreis Gleichgewicht. Besonders letzteres ist unerläßlich, wenn ganze Völker dem Wahnsinn verfallen.
     Mögen die Menschen nicht über weltweite Arbeiten selbst in Zeiten der Schlacht spotten. Wir mühen Uns nicht für heute und nicht für die Erde, sondern für den Kampf mit der Finsternis. Glaubt jedoch nicht, daß solche Maximen bereits von allen verinnerlicht worden wären. Man kann sich davon überzeugen, wie irrig die verständlichsten Weisungen ausgelegt werden. Es ist daher notwendig, die dringlichsten Maßnahmen, die die Lage zu erleichtern vermögen, wiederholt zu bestätigen.
     Man wird fragen: "Was aber sollen wir tun?" Antwortet: "Arbeiten wie niemals zuvor." Möge jeder seine Arbeit verbessern, selbst wenn es die einfachste, alltäglichste Arbeit ist.
     Man wird fragen: "Wäre es nicht besser, sich gedanklich zu konzentrieren?" Doch dieser herrliche Zustand kann infolge räumlicher Ströme und Wirbel gestört werden. Überdies ist gerade das Volk nicht in der Lage zu denken und schwankt wie Schilfrohr im Wirbelwind. In solchen Wirbelwinden muß man sich jedoch an etwas Sicherem, Beständigem ganz festhalten, und dieses Beständige kann für das Bewußtsein des Volkes nur die Arbeit sein. Ein Lehrer muß die Schüler zur Arbeit erziehen und die beste Qualität loben. Zu solcher Vervollkommnung wird sich auch das Wachstum des Denkens gesellen.
     Der Denker liebte es, auf Wasserträgerinnen hinzuweisen. Er sprach: "Sie wissen nicht, wessen Durst sie damit stillen werden."

     439. Urusvati weiß, wie oft es nötig ist, selbst die verständlichsten Unserer Weisungen zu erklären. So wurde gesagt, daß der Schüler die Energie des Lehrers nicht übermäßig beanspruchen dürfe. Jemand fand hierin bereits einen Widerspruch zu der Weisung über das Gespräch mit dem Lehrer. Ist es jedoch nicht möglich zu verstehen, daß die Überbeanspruchung von Energie mit einem Gespräch nichts gemein hat? Das Gespräch schließt keine Bitte in sich ein, denn es erweitert allein das Bewußtsein. Jede Erweiterung bedeutet jedoch schon ein Wachstum von Energie.
     Nicht nur, daß die Erweiterung die Energie des Lehrers nicht überbeansprucht, unterstützt sie im Gegenteil

[Russisches Original. Seite 406.]



eine Stärkung der Aura, die für den Schüler so segensreich ist. Doch kann jemand nicht verstehen, daß ein Schüler den Lehrer mit Bitten nicht belasten sollte? Der Schüler weiß hinreichend, daß alles, was möglich ist, auch gegeben wird. Er versteht, in welcher ständigen Anspannung sich der Lehrer befindet, wenn Er unermüdlich Seine Energie sendet.
     Jemand nimmt an, daß ein Gespräch allein in Bitten bestehe. Vielleicht haben einzelne angenommene Bittgebete die Völker daran gewöhnt, von der Gottheit nur irdisches Wohl zu fordern. Dieser Irrtum betrifft auch die gesamte Schülerschaft. Die Menschen hören auf, nach Erleuchtung zu streben, und führen die Verbindung mit dem Höchsten nur um der Vermehrung ihrer irdischen Güter willen. Auf solche Weise muß man klarstellen, daß die Lehre des Lebens keine Widersprüche enthalten kann. Möge, wer nicht versteht, fragen und sich dessen vergewissern, daß die Lehre das Leben in all seinen Bereichen kennt. Möge man sich daran erinnern, daß der ergebene Schüler sich in einem einzigen, gemeinsamen Energiestrom mit dem Lehrer in Verbindung setzt.
     Der Denker wies darauf hin, wie sehr die Menschen ihre Kräfte vermehren könnten, wenn sie sich in einen einzigen, gemeinsamen Energiestrom vertieften.

     440. Urusvati weiß, daß Menschen sich damit selbst rechtfertigen, wegen irdischer Angelegenheiten keine Muße für die Verbindung zu Höherem zu finden. Vergleichen wir jedoch die wichtigsten irdischen Angelegenheiten mit den Funken der geringsten Erleuchtung. Betrachten wir sie nach einem Verlauf mehrerer Jahrzehnte und erkennen, daß die irdischen Angelegenheiten verwischt, in Nebel versunken sind, während indessen die Erleuchtung klar hervorgetreten und deutlich zu einer herrlichen Bestätigung herangewachsen ist. Dieser Vergleich der irdischen Angelegenheiten mit der Erleuchtung vermag zu zeigen, wo der wahre Wert liegt.
     Laßt uns nicht dem Irrtum erliegen, die Menschen würden diesen Wert leicht verstehen. Dennoch bewahrt jeder Mensch in seinem Herzen einen herrlichen Augenblick höherer Erleuchtung. Doch wie sehr wird sich dieses Gefühl verstärken, wenn der Mensch solche Freunde hat, denen er sein höheres Gefühl anvertrauen kann. Daraus kann gleichsam ein Megaphon werden, und inmitten allgemeiner Bestrebung wird die umgebende Atmosphäre gereinigt. So mögen die Menschen verstehen, welche Angelegenheiten die besten sind. Mögen sie auch das Gleichgewicht zwischen irdischer Arbeit und den Blitzen der Erleuchtung finden.

[Russisches Original. Seite 407.]



     Es herrscht kein Widerspruch zwischen den Weisungen über angespannte Arbeit und augenblickliche Erleuchtung. Jeder, der die blitzartige Erleuchtung kennt, versteht, daß sie nicht an Zeit gebunden ist und nicht auf verstandesmäßigem Wege, sondern nur durch das Gefühl erreicht werden kann. Dieses Gefühl erblüht bei würdevoller Arbeit hoher Qualität. Die einfache Wahrheit, daß Arbeit Gebet ist, ist den Menschen nicht immer zugänglich, weshalb man gut daran tut, diese Wahrheit mit Nachdruck zu wiederholen.
     Möge ein Lehrer mehrere Handwerke beherrschen, um inmitten geistiger Übungen auch die Anregung zu hoher Qualität handwerklichen Schaffens geben zu können.
     Der Denker beharrte darauf, daß die Schüler sich irgendein Handwerk auswählten, um auch darin Vervollkommnung finden zu können.

     441. Urusvati weiß, wie notwendig es ist, der Ungelehrigkeit energisch Einhalt zu gebieten. Wir haben an das Pranayama erinnert, gleichzeitig aber auch auf die natürlichen Wege des Aufstiegs. Liegt darin nicht ein Widerspruch? Erklären wir also: Wir lehnen das Pranayama nicht ab und weisen sogar auf seine Nützlichkeit hin. In manchen Fällen wird Pranayama wie eine Medizin für den Organismus wirken.
     Wir raten jedoch immer zu einer leichten Form des Pranayama. Wir sehen die Atmung als einen wichtigen Vorgang, doch in allem wird ein natürliches Pranayama die allerbeste Lösung sein. Die Menschen sollten sich nicht nur zu bestimmten Zeiten der Reinigung des Atems widmen. Der Reinheit der Atmung bedürfen sie nämlich im Verlauf des Tages mehrfach. So ist es daher heilsam, vor der Aussprache bedeutsamer Worte einige Male frisches Prana einzuatmen. Ein solches natürliches Pranayama entspricht der heutigen Lage der Dinge.
     Man könnte sagen, daß Redner sich dieser Methode oft bedienen. Doch üben sie diese selten bewußt aus. Indessen verwandelt gerade die Bewußtheit jeden Atemzug. Auf solche Weise gesprochen wird jemand, der Einwände erhebt, verstehen, daß Wir eine bestimmte Eigenschaft des Pranayama ausdrücklich bestätigen, doch quälende Anwendungsarten aus alter Zeit müssen überprüft werden.
     Desgleichen müssen auch die Ansichten über das Kastenwesen erneuert werden. Im fernen Altertum waren solche Beschränkungen weise in Betracht gezogen worden. Doch die Evolution hat inzwischen viele Umläufe vollzogen, und weise wird es heute sein, die Lebensbedingungen neu zu bewerten. Möge

[Russisches Original. Seite 408.]



vorurteilsvolles Denken kein Hindernis sein.
     Der Denker lehrte, daß auf der Erde kein Zustand von Sklaverei herrschen dürfe, anderenfalls könne die Natur des Menschen nicht göttlich sein.

     442. Urusvati weiß, daß jedes Ereignis sich als Glied einer langen Kette von Ursachen und Wirkungen erweist. Gewöhnlich wird unter dem Begriff Ereignis etwas vom irdischen Standpunkt aus Wichtiges verstanden, doch jede Alltagserscheinung unterliegt genau demselben Gesetz. Wer vermag zu entscheiden, wo sich die Entstehung eines großen Ereignisses vollzieht?
     Ein erweitertes Bewußtsein hilft beim Rückblick, um die Quellen der Ereignisse zu erkennen. Solch ein Gefühlswissen muß man sich zu eigen machen, um den Weg der Ereignisse nicht mittels Vorurteilen, sondern mit dem sich rasch vermittelnden Gefühl zu erfassen. Es ist nicht möglich, daß die Menschen lange über die Entstehung jeder Daseinserscheinung nachdenken, doch den Lebensweg muß man erkennen. Nur in dieser klaren Erkenntnis der Quellen stellt sich auch eine natürliche Vorausschau ein.
     Solche Glieder einer bereits geschmiedeten Kette muß man vorherzusehen lernen. Ich spreche nicht von Hellsichtigkeit, die erst wenigen eigen ist, sondern habe eine natürliche Vorausschau im Blick, die sich auf nahe wie ferne Ursachen gründet. Möge man jedoch nicht denken, daß sich diese natürliche Vorausschau leicht erlangen ließe, doch das Licht erlaubt es, zurück- wie vorauszuschauen. Der vergangene Weg ist bereits durch viele Merkmale bekannt, der zukünftige jedoch kann völlig unbekannte Umrisse aufweisen, und wie soll der Wanderer sich in ihnen zurechtfinden?
     Wir haben nicht nur einmal von dem natürlichen Gefühlswissen gesprochen. Möge die Verbindung mit Uns solch ein natürliches Vorgehen unterstützen. In einer solchen Bewegung möge auch klar werden, daß manche Alltagserscheinungen weitaus bedeutsamer als sogenannte Ereignisse von Weltbedeutung sind.
     Der Denker wies darauf hin, daß jeder Mensch ein Beweger bemerkenswerter Ereignisse ist, doch selten solche Momente erkennt.

     443. Urusvati weiß von der Existenz kosmischer Freude, kosmischer Traurigkeit und kosmischer Unruhe. Der Kosmos lebt, und die Bekundungen seines Lebens werden sich auch in irdischen Empfindungen widerspiegeln. Man kann persönliche Erlebnisse empfinden,

[Russisches Original. Seite 409.]



man kann durch irdische Erschütterungen in Unruhe versetzt werden, darüber hinaus jedoch wird man auch kosmischen Empfindungen nicht ausweichen können. Sie stehen nicht in Bezug zum menschlichen Leben, kündigen weder Erdbeben noch die übrigen Nöte des Planeten an und wirken sich dennoch auf ein feinfühliges Herz aus.
     Gewöhnlich verstehen die Menschen nicht, daß die ihnen innewohnende psychische Energie unbegrenzt ist. Mit irdischen Worten sind überirdische Erlebnisse nicht wiederzugeben, doch besitzen sie alle Eigenschaften des menschlichen Mikrokosmos. So kann man auch vom Makrokosmos sagen, daß er sich freut oder traurig ist. Es wird kein Fehler sein, den kosmischen Gedanken als etwas Fühlendes zu verstehen. Und ein feinfühliges irdisches Herz wird mit dem großen Wellenschlag der Gezeiten der kosmischen Energie gemeinsam schwingen.
     Unzweifelhaft ist diese Energie einzigartig, doch sind ihre Erscheinungen derart verschieden, daß der menschliche Verstand jeder Eigenschaft ihre besondere Bezeichnung zu geben versucht. Es wird vorstellbar, wieviel Irrtümer aus solchen eigenmächtigen Abgrenzungen der einen Energie entstehen.
     Es ist völlig richtig, daß einzelne Eigenschaften der Energie zufällig in Erscheinung treten. Natürlich ist diese Zufälligkeit relativ, da es im Kosmos grundsätzlich keine Zufälligkeit geben kann. So ist nicht selten der Atem des Kosmos fühlbar. Die Menschen haben seit alters her den Atemrhythmus gesucht und dabei versucht, sich dem Großen Atem zu nähern.
     Ein Lehrer muß darlegen, daß es dreierlei Gefühlsempfindungen geben kann: persönliche, planetare und kosmische.
     Der Denker sah in allem Einheit und Dreiheit.

     444. Urusvati weiß, daß die uranfängliche Energie um so stärker in Erscheinung tritt, je bewußter sie aufgenommen wird. Dieser Umstand war die Grundlage dafür, diese Energie als Lebensenergie oder göttliche Energie zu bezeichnen. Der Mensch ist befähigt, mittels der uranfänglichen Energie zu handeln, wenn sie für ihn unbestreitbar ist. Die Menschen können diese Kraft fühlen, wenn sie sie lieben. Ein überzeugter Arzt wird einem Kranken die von ihm am meisten begehrte Speise verordnen. Genau das Gleiche

[Russisches Original. Seite 410.]



geschieht, wenn für den Erfolg eines Experiments diejenige Materie festgelegt wird, mit der sich der Betreffende am allerliebsten beschäftigt. Sogar der einfachste Mensch fühlt in seinem Inneren, was ihm besonders nahesteht. Es lassen sich bemerkenswerte Experimente durchführen, in denen die für einen bestimmten Organismus geeigneten Substanzen herausgefunden und verglichen werden. Man kann sich davon überzeugen, daß der Mensch selbst das für ihn Nützliche erfühlt, doch muß man alles daran Fremde, nicht eigentlich Zugehörige beiseitelassen, da anderenfalls Trinker behaupten werden, daß ihnen nur der Wein nützlich sei.
     Zur unterscheidenden Erkenntnis der Neigungen eines Menschen muß man sich manchmal der Suggestion bedienen. Der Mensch wird nicht nur von ihm nützlichen Lebensmitteln sprechen, sondern auch Mineralien, Metalle und Pflanzen nennen, derer er am meisten bedarf. Hierbei wird eine verblüffende, unwiederholbare Individualität zutage treten. Es wird dabei sichtbar, daß der Mensch die unterschiedlichsten Dinge nennt, die sich auf den ersten Blick gegenseitig auszuschließen scheinen, doch bei feinstofflichen chemischen Untersuchungen wird man sehen können, daß sich gewisse Verbindungen als nützlich erweisen.
     Überhaupt muß das grundlegende Prinzip der Individualität klar erkannt werden, besonders in der gegenwärtigen Zeit. Die Menschen sind dagegen bestrebt, alles gleichzumachen und zu verallgemeinern, doch die Natur zeigt in jeder Erscheinung Individualität. Wenn man den Reichtum dieser Grundlage versteht, kann man leicht über natürliche Weiterentwicklung nachdenken. Man sollte in allem die Bedeutung der Individualität anerkennen.
     Alle, die sich gegen die Relativität der menschlichen Unterschiede auflehnen, sollten gleichzeitig auch das Gesetz der Individualität anerkennen. Es gibt keine Erscheinung auf der Erde, die nicht eine prägnante Individualität aufweisen würde. Wir haben vom Ektoplasma gesprochen, das jedem Menschen zu eigen ist, doch jedes Inerscheinungtreten von Ektoplasma wird individueller Natur sein. Dasselbe läßt sich auch von der Absonderung des feinstofflichen Körpers sagen. Alle existierenden, mit Zwang arbeitenden Verfahren werden eher hinderlich sein, da gewöhnlich keine Vorschrift auf die Individualität Rücksicht nimmt. Um so mehr schätzen Wir es, wenn der Mensch auf individuelle Weise an einen Gegenstand herantritt.
     Der Denker sprach: "Jeder Mensch hat seinen unvergleichlichen Weg."

[Russisches Original. Seite 411.]



     445. Urusvati weiß von der Unbegrenztheit aller gedanklichen Manifestationen, einschließlich des freien Willens. Die Menschen können den freien Willen sogar kosmischen Erscheinungen entgegensetzen. Es darf nicht erstaunen, wenn sogar ein Gesetz durch die Bemühungen freien Willens erschüttert wird. Daher rührt die Vielzahl karmischen Unglücks. Die Menschen rufen stärkste Erschütterungen hervor, statt dem vom Kosmos vorgegebenen Weg zu folgen. Man darf nicht davon ausgehen, daß die Harmonie des Kosmos von der Hartnäckigkeit des freien Willens nicht verletzt werden könnte. Doch wird sie nicht nur einfach verletzt, sondern eine Spur der Zerstörung durchzieht alle Sphären.
     Weise des Altertums versuchten, den Menschen mit Erzählungen über Helden, die mit fernen Welten zu sprechen vermochten, ins Gewissen zu reden, doch wurden aus den Erzählungen Märchen, die niemand mehr für wahr hält. Auch im gegenwärtigen Jahrhundert, das als energetisches Zeitalter bezeichnet wird, messen die Menschen der Macht des Gedankens wie ehedem keine Bedeutung bei. Es ist erfreulich, wenn man an den Universitäten beginnt, an der Gedankenübertragung zu arbeiten. Leider laufen diese Forschungen bisher auf bloße mechanische Verfahren hinaus, die der Menschheit keine Aufklärung über die Bedeutung des Gedankens als einer äußerst feinstofflichen Energie vermitteln können.
     Die Erkenntnis des Gedankens muß auch zur Disziplin des freien Willens führen. Es ist notwendig zu verstehen, daß den ganzen Planeten überziehende Ereignisse von der Wut des ungezügelten freien Willens abhängen. So durchlebt die Erde das Harmagedon, doch auch in dieser Katastrophe hat der freie Wille große Bedeutung. Unirdische Kräfte könnten ohne langandauernde Beteiligung der Menschheit eine solche Katastrophe nicht herbeiführen.
     Ich bitte, der Epidemie des Wahnsinns Aufmerksamkeit zu widmen. Man darf das Geschehen nicht einzelnen Personen zuschreiben, sondern muß erkennen, daß es die Völker sind, welche die weltweiten Erschütterungen fördern. Es wäre falsch anzunehmen, daß die Ereignisse von selbst kämen und wieder vergingen. Geht vielleicht nun die vor etwa zweitausend Jahren ausgestreute Saat auf? So sorgfältig bewahrt der Raum die Manifestationen des Denkens auf.
     Der Denker wies darauf hin, daß die Menschen ihre Umstände verstehen könnten, wenn sie in sehr alte Archive schauen würden.

     446. Urusvati weiß, daß der freie Wille sogar in der Feinstofflichen Welt in Erscheinung tritt.

[Russisches Original. Seite 412.]



Nur in den höheren Sphären befindet er sich in Harmonie mit den höheren Formen der psychischen Energie, woraus sich wahre Zusammenarbeit ergibt. In den niederen und mittleren Sphären hingegen ist häufig ein Zweikampf wahrnehmbar; die dort Lebenden wollen die Zweckmäßigkeit der Daseinsgesetze nicht anerkennen. Besonders erbärmlich anzusehen ist es, daß solche Bewohner einer Verkörperung zu entgehen versuchen. Sie wissen genau, daß sie bei ihrer karmischen Last in der Feinstofflichen Welt keine weiteren Fortschritte machen können und ziehen dennoch eine bestimmte Verwirrung vor, nur um keinen neuen Erdenweg auf sich nehmen zu müssen.
     Wir nennen ihren Zustand Verwirrung, auch wenn man ihn als Qual bezeichnen könnte. Niemand anderes quält sie, doch selbst in den niederen Schichten wird fühlbar, daß dort kein weiterer Fortschritt zu erreichen ist. Solche Widerspenstigkeit des freien Willens beweist, daß die Betreffenden während des irdischen Weges ihr Bewußtsein nicht erweitert haben und keinerlei Neigung hegten, den Kosmos zu verstehen. Überdies hatten sie natürlich auch keine Liebe zur Hierarchie in sich. Diesen Umstand muß man wohl verstehen. Die Menschen sprechen viel von Liebe und Ergebenheit, ohne ihnen aber Ausdruck zu verleihen.
     Die Menschen sprechen viel vom Lehrer, wenden jedoch keine Mühe auf, eine feste Verbindung zu knüpfen. Wir sagen nicht, daß die Menschen sich dem Lehrer ganz überlassen sollen. Im Gegenteil raten Wir zu weitgehender Selbsttätigkeit, doch wird im Inneren des Herzens die Liebe brennen. Erst dann wird auch das Feuer als Antwort zu leuchten beginnen. Erklärt es wie ihr wollt, und sei es als elektrischen Strom, doch solche wahre Liebe wird eine feste Leitung sein. Auch echtes Vertrauen erwächst nur aus der Liebe.
     Der Denker glaubte fest daran, daß die Liebe eine göttliche Gabe sei.

     447. Urusvati weiß, daß für die höheren Verbindungen Ruhe notwendig ist. In starke Bewegung versetztes Wasser ist für bestimmte Erscheinungen erforderlich, doch wenn jemand die Tiefe eines Brunnens erforschen will, muß die Wasseroberfläche ruhig und das Wasser selbst sauber sein.
     Oftmals sind die Menschen darüber im Zweifel, welche Art von Ruhe inmitten der Wirren der Welt möglich sei. Doch Wir haben die Ruhe des Bewußtseins im Sinne, die, wenn man sie erst erreicht hat, nicht mehr gestört werden kann. Die äußeren Zentren des Menschen können in Unruhe versetzt werden, er kann in Worten Empörung äußern, doch sein Bewußtsein wird klar bleiben. Es ist nicht leicht,

[Russisches Original. Seite 413.]



diesen Zustand zu erlangen, und er wird sich nicht durch mechanische Methoden einstellen. Das äußere Feuer kann man mit Rhythmen beruhigen, doch die Unerschütterlichkeit des Bewußtseins erwächst aus der Verbindung mit dem Höchsten.
     Man muß jeden Bewußtseinsfunken hüten, da um ihn herum Zornwirbel toben werden. Es werden viele Verführer auftreten, die die menschliche Vorstellungskraft übersteigen. Sie dulden keine Klarheit des Bewußtseins. Für sie ist jedes erweiterte Bewußtsein ein Hindernis auf ihrem dunklen Weg. Soll man jedoch bedauern, daß sich die finsteren Wesenheiten an einem erweiterte Bewußtsein stoßen? Ganz im Gegenteil, man kann sich darüber freuen, daß die Wesen der Dunkelheit über ein klares Bewußtsein stolpern werden.
     Wer einmal die Ruhe des erweiterten Bewußtseins erfahren hat, wird sich die kosmischen Ströme vorstellen können, die dennoch das Weltengebäude nicht anzugreifen vermögen. Mögen diese Worte an Unsere Ruhe erinnern, die auf einer langen Erfahrung gründet, wobei auch der Zusammenarbeit große Bedeutung zukommt. Sie unterstützt jeglichen Fortschritt.
     Hört ihr, daß Ich von Zusammenarbeit spreche? Jede Verletzung der Zusammenarbeit ist der Finsternis ein Dienst. Hört ihr, daß es Zerstörung bedeutet, wenn man der Finsternis zuarbeitet? So denkt an Unsere Türme, wo der Herd der Zusammenarbeit brennt.
     Der Denker sprach: "Jeder Mensch ist von Zusammenarbeit umgeben."

     448. Urusvati weiß, daß der Turm Tschung ein Brennpunkt der drei Welten ist. Solche Einheit ist möglich, da sich einige der Lehrer im irdischen Körper befinden, das feinstoffliche Wesen jedoch abtrennen können, andere hinwieder halten sich im feinstofflichen Körper auf, können sich aber leicht der grobstofflichen Welt nähern. Es wird verständlich, wie notwendig es ist, die Harmonie der Schwingungen zu beachten, damit solche Einheit zustande kommen kann. Es ist äußerst wichtig, die gesamte umgebende Atmosphäre zu bewahren, so daß nichts Fremdes eine Verwirrung der Ströme bewirken kann.
     Die Menschen streben danach, Unsere Türme zu finden, ohne zu verstehen, daß ihr Eindringen eine Katastrophe hervorzurufen vermag. Es ist notwendig, unter gewöhnlichen irdischen Bedingungen Einigkeit zu wahren, die ein Unserer Einigkeit wenigstens annähernd ähnliches Ergebnis bringt. Mögen die Menschen sich in dem Wissen freuen, daß irgendwo gleichsam eine Leiter der Welten existiert. Bereits

[Russisches Original. Seite 414.]



dieses Bewußtsein wird eine Brücke zur Weiterentwicklung sein.
     Ein unerfahrener Prediger könnte dazu raten, die höhere Einigkeit außer acht zu lassen. Es wird nicht nützlich sein, auf solche Weise andere an den irdischen Plan zu binden. Jede Begrenzung ist wie eine verschlossene Tür und wie der Entzug frischer Luft. Sogar im dürftigsten Alltagsleben träumen die Menschen von einer Erweiterung ihrer Möglichkeiten. Kann aber ein Mensch leben, ohne seine Augen zu den Sternen erhoben und ohne ein einziges Mal über die Unbegrenztheit nachgedacht zu haben? Mag ein unvernünftiger Prediger ruhig die Vorzüge höherer Errungenschaften für sich allein in Anspruch nehmen; es wird jedoch der Tag kommen, da man ihn fragen wird, aufgrund welchen Rechtes er seinen Nächsten den Traum vom Schönsten vorenthalten hat. Wenn die Menschen schon von den Feinstofflichen Welten wissen, werden sie unausbleiblich über höhere Grenzen nachdenken. Niemand vermag den Menschen dasjenige vorzuenthalten, was sie schon in sich vorausfühlen. Es ist nicht klug zu versuchen, die Tür zuzuschlagen, wenn sich der Schlüssel zu ihr bereits in den Händen des Gastes befindet.
     Der Denker wies darauf hin, daß der Mensch die göttliche Welt erkennen müsse.

     449. Urusvati weiß von besonderen Apparaten, die Wir zur Konzentration auszusendender Ströme verwenden. Apparate sind überall anwendbar, wenn sie einen sparsamen Umgang mit der psychischen Energie unterstützen. Man kann auch ohne materielle Hilfsmittel vorgehen, doch sollte überall das Prinzip der Wirtschaftlichkeit beachtet werden. Überdies treten derart angespannte Momente ein, in denen es unerläßlich wird, sehr rasch einen anderen Energiestrom entgegenzusetzen. Die Menschen spüren mitunter solche Anspannungen, ohne jedoch in der Regel zu wissen, woher deren Wellen kommen.
     Wir weisen immer wieder auf die Einigkeit als Grundlage der Zusammenarbeit hin, doch manchmal werdet ihr bemerken, daß Wir sie besonders betonen, wofür es viele Gründe gibt. So kann es sein, daß ein Zerfall der Einigkeit droht, doch kein geringerer Anlaß liegt in der Notwendigkeit, eine bewußte Vereinigung von Energien herbeizuführen. Wenn eine Spinne angreift, ist Aufmerksamkeit nötig. Ein hinterlistiger Skorpion erfordert vereinigte Bemühungen.
     Oftmals verlieren die Menschen das Gleichgewicht, wenn sie von Gefahr hören. Indem sie eine einzige Gefahr fürchten, rufen sie selbst zehn andere hervor. Mit einiger Erfahrung werden sie jedoch verstehen, daß Gefahr vor allem Gleichgewicht erfordert. Wenn man die Wanderer vor Gefahren

[Russisches Original. Seite 415.]



warnt, verhalten sich nur wenige vernünftig. Ein ängstlicher Wanderer wird sämtliche möglichen Gefahren aufzählen und sich noch nie dagewesene Schwierigkeiten selbst suggerieren. Ein echter Kämpfer jedoch wird all seine Kräfte sammeln, um alle möglichen Hindernisse abzuwehren. Er weiß, daß Gefahr von oben und unten, von allen Seiten kommen kann, was ihn jedoch nicht ängstigt. Im Gegenteil, die Anspannung aller Kräfte wird ihn mit Freude erfüllen.
     Ein erhabenes Gefühl ist die Freude der Bereitschaft! Dieses strahlende Gefühl ist unbegrenzt, es erleuchtet die Aura und vermehrt die körperlichen Kräfte. Stark ist die Mutter, die ihr Kind rettet. Ebenso stark ist derjenige, der zur Abwehr aller Hindernisse bereit ist. Zu solch voller Bereitschaft ist die Vereinigung bestimmter Energien erforderlich. Auch über solche außergewöhnlichen Vereinigungen sprechen Wir, doch die Menschen lieben Hinweise auf außergewöhnliche Gefahren nicht. Möge das Gefühl voller Bereitschaft von den ersten Jahren an anerzogen werden; es wird den Sieg über die Selbstsucht bedeuten.
     Der Denker unternahm lange Reisen mit Seinen Schülern. Er fragte sie, ob sie die beste Waffe bei sich hätten. Unschlüssig, was Er meine, fragten sie: Welche Waffe? Er aber antwortete: "Das für eine Reise Vorteilhafteste ist volle Bereitschaft."

     450. Urusvati weiß, daß alte Sprichwörter oftmals einen bestimmten wissenschaftlichen Gehalt besitzen. Erst mit der Zeit verloren sie die innere Bedeutung und wurden als äußerliche, kurze Formeln wiederholt. So heißt es zum Beispiel: "Der Schlaf ist dem Tod ähnlich" und niemand denkt daran, daß sich darin eine große Wahrheit verbirgt. Gerade der sogenannte Tod führt den Menschen in die Feinstoffliche Welt, doch auch jeder Schlaf stellt eine Berührung mit ihr dar.
     Man kann viele Stadien eines solchen Zustandes nennen, doch in jedem von ihnen tritt der Mensch an die Feinstoffliche Welt heran. Einige senden ihren feinstofflichen Körper auf weite Reisen, während andere die feinstofflichen Bereiche nur leicht berühren. Die Ärzte bemerken richtig, daß der Schlaf Erholung bedeutet. Der Schüler sollte wissen, daß jedes Herantreten an die Feinstoffliche Welt schon Erholung für den physischen Körper darstellt. Auf diese Weise haben die Ärzte recht, wenn sie die äußere Bedeutung des Schlafes bestimmen. Doch dieser äußere Sinn erklärt nicht den inneren, weitaus wichtigeren. Mögen die Menschen im Gedächtnis behalten,

[Russisches Original. Seite 416.]



daß jeder Schlaf sie an die Feinstoffliche Welt heranführt, jene Welt, die sie für nicht existent halten wollen.
     Offenkundige Manifestationen feinstofflicher Wesen auf der physischen Ebene werden für Gaunerstückchen von Medien gehalten, doch wollen Wir jetzt nicht auf solche besonderen Phänomene verweisen, sondern auf einen natürlichen, jedem Menschen eigenen Zustand. Wenn die Menschen den Gedanken von der Aufgabe des Schlafes annehmen, werden sie viele Einzelheiten bemerken.
     In ihren Überlegungen über die Bedeutung des Schlafes verfallen manche solchen Irrtümern, daß sie annehmen, man könnte ohne Schlaf auskommen. Bei einigen Krankheiten schwindet der Schlaf, doch ist solch ein Zustand qualvoll und schädlich. Richtig ist dagegen, daß der Schlaf auf den Höhen verkürzt ist, ohne sich aber ganz zu verlieren.
     Die Menschen sollten verstehen, daß bei den Besuchen in der Feinstofflichen Welt Begegnungen mit den feinstofflichen Körpern noch Lebender stattfinden können. Oftmals meinen die Menschen, einen Traum gehabt zu haben, doch in Wirklichkeit trafen sie mit den feinstofflichen Körpern Lebender zusammen. Hierbei läßt sich feststellen, daß sich in diesen Begegnungen schon ein gewisses Verständnis der Bedingungen in der Feinstofflichen Welt zeigt. Menschen, die sonst wenig zurückhaltend sind, können sich dort in einem Meinungsaustausch als besonnen und äußerst angenehm erweisen. Im irdischen Leben werden sie es selbst niemals zugestehen, solch ein weitgefaßtes Urteilsvermögen zu besitzen. Sie bewahren bestenfalls kleine Splitter der Begegnungen in ihrem Gedächtnis, nehmen jedoch in ihrem Inneren trotzdem ein neues Verstehen der Dinge mit. Solche aus der Feinstofflichen Welt mitgenommenen Lehrstunden erbringen in verschiedenen Lebenssituationen großen Nutzen.
     Solche Aneignungen von Wissen könnten jedoch in bedeutendem Maße verstärkt werden, wenn die Menschen sich vor dem Eintritt in den Schlaf bewußt machten, daß sie die große Feinstoffliche Welt berühren werden. Machten sie sich wenigstens zunächst äußerlich die Tatsache dieser täglich erfolgenden Annäherung zu eigen, würde die Feinstoffliche Welt sich bereits zu nähern beginnen. Nicht selten wundert sich ein Mensch, im Schlaf Lebende wie Verstorbene gesehen zu haben, doch liegt darin nichts Verblüffendes, da der feinstoffliche Körper, unabhängig von Zeit und Raum, auf die andere Ebene vordringen kann. So raten Wir an, dem Schlaf die Bedeutung einer verfeinerten Reise zu höheren Gebieten beizumessen, wobei jedoch der feinstofflichen Energie kein Zwang angetan werden darf. Der Mensch behält die ihm in der Feinstofflichen Welt begegneten Erscheinungen nur selten

[Russisches Original. Seite 417.]



im Gedächtnis. Auch wenn der beschriebene Zustand auf natürliche Weise verläuft, möge man dennoch daran denken, daß man während des Schlafes die Feinstoffliche Welt berührt hat.
     Der Denker sprach: "Uns ist es verliehen, in jeder Nacht einen herrlichen Weg zu gehen."

     451. Urusvati weiß, daß die Menschen verschiedene Maßnahmen zur Wahrung des Gedächtnisses ergreifen. Sie haben dazu eine besondere Wissenschaft erfunden, die Gedächtniskunst. Sie teilen das Gedächtnis in viele verschiedene Arten auf und schlagen vor, viel auswendig zu lernen, wie um die Stärke von Gehirnmuskeln zu entwickeln. Dabei vergessen sie jedoch das Wichtigste, welches das Bewußtsein des Menschen völlig umgestaltet: Sie vergessen, daß das unablässige Denken an das Allerliebste sich als das sicherste Mittel erweist. Es besteht keine Notwendigkeit, das Bewußtsein mit unbedeutenden Fakten zu belasten; vor allem nötig ist, an das Wichtigste zu denken, welches sich der Mensch als leitenden Begriff erwählt hat.
     Wenn der Mensch sich angewöhnt, beständig an sein eigentliches Bestreben zu denken, wird sich bei ihm die beste Art von Gedächtnis entwickeln, welches Wir als Gedächtnis der Synthese bezeichnen. Solche Konzentration verfeinert und schärft auch die Nervenzentren.
     Dieser Rat scheint sehr einfach zu sein, man braucht sich also nur zu konzentrieren. Nur muß man zuallererst imstande sein, auch den Gegenstand der Konzentration auszuwählen. Man kann Unsere Schwester nennen, die in sich das unerschütterliche Gedenken an das Allerliebste trägt, was heißt, daß solche Errungenschaft auch inmitten irdischer Wirren möglich ist. Mögen die Menschen daran denken, daß ein sicherer Anker das Schiff selbst im Sturm zu halten vermag. Niemand zwinge zu solcher Konzentration, die menschliche Natur selbst lenkt zu dem zuverlässigsten Mittel.
     Der Denker dachte unablässig an die von Ihm erwählte Muse. Er verbarg es nicht, daß Er in Tagen der Erschütterung dank Jener feststand, die Ihm Stütze war.

     452. Urusvati weiß, daß jeder Herantretende viele Bewohner der Feinstofflichen Welt mit sich führt, was keine Besessenheit ist, sondern nur auf einem Zusammenklang der Auren beruht. Natürlich drängen Bewohner der Feinstofflichen Welt sich ohnehin schon um uns herum, doch jedes Herantreten eines anderen bringt auch das entsprechende Gefolge mit sich. Es ist nicht wünschenswert, daß diese neuen Gäste sich mit den gewöhnlichen Bewohnern zu streiten anfangen, vielmehr ist es besonders segensreich, wenn alles in einem übereinstimmenden

[Russisches Original. Seite 418.]



Chor zusammenfließt. Eine jede solche Verstärkung zieht auch sofort hohe Besucher an.
     Möge das Gesagte nicht als ein neues Märchen aufgefaßt werden, möge besser Unser wissenschaftliches Verständnis auf diese unanzweifelbaren Fakten angewandt werden. Auch wenn eine Beweisführung von einer Gegenseite erfolgen sollte, wird niemand belegen können, daß alle Angaben über die Feinstoffliche Welt unmöglich seien. Möge man ruhig neue Argumente suchen, um all das im Verlauf von Jahrtausenden angesammelte Wissen umzustoßen.
     Wir erwarten keinen blinden Glauben und nehmen daher die Herausforderung beliebiger Verneiner bereitwillig an, doch bitten Wir sie, auf wissenschaftliche Weise vorzugehen. Oberflächliche Verneinung ohne wissenschaftliche Beweisführung ist unerträglich. Mögen die Verneiner es sich angewöhnen, solche Tatsachen beizubringen, die die Unmöglichkeit Unseres Wissens über die Feinstoffliche Welt beweisen. Möge dieser Disput jedoch nicht an den Streit über die Bewohnbarkeit ferner Welten erinnern.
     Es ist nicht überzeugend, wenn die Widersprüchler sagen, daß nach ihrer Meinung allein die Erde bewohnbar sei. Niemand wird sich mit derart flachen Behauptungen begnügen. Im Gegenteil wird jeder, der die Möglichkeit bewohnter ferner Welten oder die Erfülltheit des Raumes unterstellt, dazu physikalische Gesetze zu Hilfe nehmen können. Es erfordert nicht viel Arbeit, die Existenz von Mikroorganismen zu beweisen, und von ihnen läßt sich ein Faden zum Makrokosmos ziehen.
     Bevor man meint, solch ein Vergleich sei primitiv, möge man in Betracht ziehen, wieviele Menschen noch nie durch ein Mikroskop oder Teleskop geblickt haben. Laßt uns dies nicht armen Landbewohnern vorwerfen, sondern sehen wir besser unter den Auserwählten der Völker nach. Man kann nur erstaunt sein, wieviel Unwissenheit sich in den städtischen Türmen und auf den Märkten findet. Diese Menschenansammlungen sind als Pflanzstätten der Unwissenheit zu bezeichnen. Man soll lieber ein Gespräch mit einem einfachen Landbewohner führen als an dem tödlich unwissenden Urteil der Städter auch nur vorüberzugehen. So mögen die Verneiner wissenschaftliche Beweise sammeln.
     Der Denker schlug den Mitbürgern vor, für jede Entscheidung eine wissenschaftliche Grundlage zu finden.

     453. Urusvati weiß, daß die Menschen fortwährend in sich geschlossene, unteilbare Begriffe auseinandernehmen. Solch eine Vergewaltigung geistiger Gehalte zeugt von Unwissenheit. Der Begriff der Evolution

[Russisches Original. Seite 419.]



wird in einen materiellen und einen idealistischen Prozeß zerlegt, doch darf man den erhabenen Begriff der Evolution derart entstellen und ihn somit seiner Anwendbarkeit auf das Leben berauben?
     Hört ihr Unser Bedauern, wenn die Einheit gestört wird? Mag sich ein Arzt den Menschen auch nur aus Muskeln oder Nerven bestehend vorstellen - existieren kann solch ein Organismus nicht. Kann man sich also die Evolution als einen rein materialistischen oder rein idealistischen Prozeß vorstellen? Weder das eine noch das andere wäre lebensfähig. Allein die volle Evolution sämtlicher Begriffe vermag das Leben umzugestalten. Und dieses nennen Wir Synthese, da die Synthese eine Verbindung bestimmter Teile erfordert. Im Falle der Evolution handelt es sich nicht um eine mechanische Verbindung - Muskeln und Nerven der Evolution stellen einen einzigen Organismus dar. Es ist widernatürlich sich vorzustellen, ein Organismus könnte um einen seiner bewegenden Teile beraubt leben. So läßt sich in der Geschichte der Menschheit verfolgen, daß sogar die Blütezeiten von Staaten und Völkern nur von kurzer Dauer waren. Solange die Harmonie aller Grundlagen der Evolution nicht gefunden wird, wird die Menschheit hinken.
     Laßt uns auch aufmerksam prüfen, ob selbst die Begriffe des Materialismus und des Idealismus richtig verstanden werden. Wir werden finden, daß beide falsch erklärt werden. Wenn die Menschen erst wissen, daß Materie auch Geist und jeder Zustand beider nur eine Manifestation ein und derselben uranfänglichen Energie ist, so wird jeder Versuch einer Aufspaltung dieser Einheit nur eine Verstümmelung sein. In den Händen Unwissender erscheint die Materie als ein bedingter Begriff. Auf dieselbe Weise ist auch der Begriff des Idealismus in den Händen von Toren ein bedeutungsloses Banner.
     Möge die große Evolution nicht geschmälert werden, möge man alle Wissenschaften herbeirufen, um zu begründeten Urteilen zu gelangen. Allein bei Anwendung wissenschaftlicher Methoden werden die Menschen die Bedeutung der Evolution erkennen.
     Der Denker sprach: "Bürger, warum habt ihr das eine Bein hochgebunden? Für einen langen Weg taugt ihr so nicht."

[Russisches Original. Seite 420.]



     454. Urusvati weiß, daß jede menschliche Handlung zum Bösen gelenkt werden kann. Die Ärzte des Altertums fügten ihrer Heilungstätigkeit das Wort hinzu: "Möge dieses Gute nicht ins Böse verkehrt werden." Es ließen sich auf solche Weise viele Beispiele dafür anführen, wie aus besten Absichten Elend entstand. Ein Bauer, dem befohlen wurde, nur an seine Bewaffnung zu denken, kann nicht hinreichend über Acker und Aussaat nachdenken. Der Lehrer muß erläutern, daß auch das Gute viele Stufen hat. Ein Mensch strebt nicht richtig zum Guten, wenn er mit seinem Handeln Böses hervorrufen kann. Was aber nur tun, um auch vergleichsweise geringfügig Böses zu vermeiden? Erneut kommen wir zum Gefühlswissen.
     Wir werden wissen, daß Finstere bis zu einem gewissen Grade auch das beste Vorhaben entstellen können. Wir sind darüber nicht betrübt, daß das von uns vollbrachte Gute irgendwo vielleicht entstellt wird. Wir wägen ab, wann das Gute die beste Ernte einbringen wird und werden nicht weinen, wenn es irgendwo entstellt wird. Allein unter Anwendung der Entsprechung kann man die Rechtfertigung seiner Taten finden.
     Vergessen wir nicht, daß die Finsternis sogar sehr hell strahlende Feuer zu verdecken vermag, doch geht die Sonne nur deshalb unter, um wieder aufzugehen. So wird jede kosmische Erscheinung auch eine Vorstellung vermitteln können, wie menschliche Arbeit vonstatten geht. Man darf nicht meinen, daß das Ende gekommen sei, da es kein Ende gibt. Freude erwächst aus der Unbegrenztheit.
     Der Denker tröstete die Schüler damit, daß Freude unbegrenzt sei.

     455. Urusvati weiß, daß um den Begriff der augenblicklichen Erleuchtung herum viele Mißverständnisse entstanden sind. Die Menschen bilden sich oftmals ein, bereits erleuchtet worden zu sein, wenn sie eine vorübergehende Begeisterung empfanden. Augenblickliche Erleuchtung ist wohl vorstellbar, doch wird sie auf langwährende innere Arbeit gegründet sein. Diese Arbeit kann sogar unbewußt verlaufen, als geistiges Erbe der Vergangenheit, und dennoch vollzieht sie sich und ermöglicht erst die Erleuchtung.
     Unter Erleuchtung ist kein zufälliges Aufflammen zu verstehen, sondern eine ganze Bewußtseinsstufe. Die Menschen verstehen oft nicht, daß solch eine Stufe unerwartet eintreten kann, wie als Folge eines zufälligen Ereignisses. In der Tat kann ein äußeres Ereignis den Anstoß zur Öffnung eines "Lotos" geben, die Blüte selbst jedoch ruhte bereits in der Tiefe des Bewußtseins.

[Russisches Original. Seite 421.]



Ein geöffneter "Lotos" wird durch viel Arbeit gezogen, doch oftmals bemerken die Menschen nicht, daß sie den herrlichen Garten bestellen. Nur nach einer fleißigen Aussaat kann Erleuchtung erst wachsen! Ohne Ursachen wird es auch keine Folgen geben.
     Desgleichen wird oft nicht verstanden, was Feierlichkeit ist. Man mag denken, daß solch erhabener Zustand zufällig eintrete. Nein. Er gestaltet sich als Folge langer Prozesse des Nachdenkens. Wenn er jedoch erstarkt, erweist der Mensch sich als auf einer festen Stufe stehend. Wir schätzen kein rasch vergängliches Aufflammen, sondern das unverlöschliche Brennen.
     Der Denker lehrte, daß jedem Menschen ein Öllämpchen verliehen sei.

     456. Urusvati weiß, daß die psychische Energie den Zug der Vögel lenkt, ebenso wie sie die menschlichen Verbindungen herbeiführt, doch ist es notwendig, an die Erziehung des Willens zu erinnern, des besten Hilfsmittels für die Erleuchtung. Wie eine wegweisende Fackel lodert die Erleuchtung auf und erhellt den Weg, doch wie soll man den Willen erziehen? Vielleicht mittels Konzentration oder Pranayama? Jedes Mittel wird seinen Nutzen haben, doch der stärkste Wille wird in den Lehrstunden des Lebens ausgebildet.
     Man darf keine ungewöhnlichen Ereignisse erwarten, um den Willen zu üben. Möge er an den gewöhnlichsten Alltagserscheinungen wachsen. Auf diese Weise erstarkt der Wille zu seiner ganzen Unüberwindlichkeit. Es ist schlecht, wenn der Mensch sich die Eigenschaft des Willens einredet; aufgespeichert werden sollte er innerhalb psychischer Impulse. An jeder Arbeit üben wir uns in der Stärkung des Willens. Bei jeder Begegnung offenbaren die Menschen den Grad ihres Willens.
     Das Denken des Menschen fließt dem Willensbefehl gemäß, und dieser soll Tore eröffnen, doch keine Sklaverei sein. Echte Erziehung des Willens beginnt mit dem ersten Erwachen des Bewußtseins. Schon von frühen Tagen seines Lebens an spürt der Mensch den Vorzug eines disziplinierten Willens. Nicht alle sind in der Lage, einen ungezügelten Willen leicht zu überwinden. Das Chaos kann nur durch die klare Erkenntnis, daß diese grobe Materie der Umwandlung bedarf, besiegt werden. Viele Verkörperungen muß man jedoch durchschreiten, um selbständig zu verstehen, wie unerläßlich die Überwindung des Chaos ist .
     Solange der Mensch nicht die Erfahrung gemacht hat, möge er den Rat über den Willen anhören. Er

[Russisches Original. Seite 422.]



wird verstehen, wie der Wille gestärkt oder gezügelt werden muß. Er wird verstehen, daß der Wille ihm hilft, den Nächsten nicht zu kränken. Der Wille wird eingeben, wann man Hilfe erweisen kann. Über den Kanal des Willens wird auch Unsere Führung eilen. Der Wille erfährt Läuterung, wenn er dem Guten zugewandt ist.
     Der Denker zeigte des öfteren auf vorüberziehende Vögel und sprach: "Welch herrliche Kraft führt diese Wanderer!"

     457. Urusvati weiß, daß die Stimme des Bewußtseins mitunter als kleine Stimme bezeichnet wird, was jedoch nicht ihrem eigentlichen Wesen entspricht. Ebenso wird sie als kaum wahrnehmbar bezeichnet, was auch nicht richtig ist. Man nennt sie auch Stimme der Tiefe, was ihrem Wesen schon näherkommt. Warum jedoch dem einfachsten Begriff aus dem Wege gehen, eben "Stimme des Bewußtseins"? Bei dessen Annahme ließe sich leichter verstehen, daß ein Befehl des Bewußtseins sowohl eine Erleuchtung als auch Zusammenarbeit mit der überirdischen Welt darstellt.
     Es läßt sich verstehen, daß das Bewußtsein nicht von außen unterdrückt werden kann, sondern von allen Energien des Raumes genährt wird. Unsere Führung kann kein Zwang sein, vermag jedoch die besten Kräfte des Bewußtseins zu nähren. Wer die Bedeutung der Zusammenarbeit versteht, vermag zu erkennen, wie man ohne Zwang helfen kann.
     Was aber tut der Mensch, wenn die Stimme seines Bewußtseins erklingt? Gewöhnlich müht er sich mit allen Kräften ab, sie zu ersticken. Es läßt sich bestätigen, daß die Menschen die Stimme des Bewußtseins als etwas überaus Störendes vertreiben. Kann der Mensch jedoch erfolgreich voranschreiten, solange er dieses Geschenk nicht klar als solches erkennt?
     Oftmals fürchtet man das sogenannte Gewissen. Es ist üblich zu denken, es spreche nur nach schlechten Taten. Welcher Irrtum! Das Gewissen oder Bewußtsein ruft zum Guten auf. Doch der Mensch ist, während er ein Verbrechen begeht, nervlich sehr angespannt und kann sich deshalb in einer so gespannten Erwartung befinden, daß in ihm die Stimme des Bewußtseins erklingt. Man darf nicht meinen, Zusammenarbeit bestünde in gegenseitiger Verdammung. Hörten die Menschen die Warnungen, würden sie viele Gefahren vermeiden. Die Stimme des Bewußtseins ist weder klein oder kaum wahrnehmbar noch stolz über ihre Unabhängigkeit. Wahre Zusammenarbeit wird nicht berechnen, woher der Erfolg kommt,

[Russisches Original. Seite 423.]



feinfühlig und dankbar wird sie die Gabe des Guten annehmen.
     Der Denker faßte diese Gaben als Geistesnahrung auf.

     458. Urusvati weiß, wie falsch und abweichend die Menschen neueste Erfindungen nutzen. So sind viele neue Filme in Gebrauch gekommen, die für Aufnahmen feinstofflicher Wesenheiten überaus geeignet wären, doch kaum jemand versucht, solche neuen Möglichkeiten anzuwenden. Mitunter läßt sich sehen, daß die Ergebnisse alter Aufnahmen besser waren. Seinerzeit wandte man unzweifelhaft mehr Bemühungen und Geduld auf als jetzt. Überdies verfielen die Forscher damals nicht so schnell der Resignation.
     Es ist nicht möglich, für alle feinstofflichen Experimente alle kosmischen Bedingungen vorauszusehen. Hinweisen läßt sich jedoch darauf, daß der Chemismus starker Sonnenstrahlen ungünstig sein wird, ebenso wie Orkane und Bodenschwankungen. Stille und gleichmäßiges Licht sind besonders hilfreich, desgleichen können die Harmonie der Anwesenden und Musik das Experiment unterstützen, doch befinden sich alle diese Bedingungen auf der untersten Stufe der Anforderungen. Überdies treten unzweifelhaft viele feinstoffliche Einflüsse hinzu, nützliche wie entgegenwirkende. Man sollte wissen, daß unter den feinstofflichen Wesen keine gleichen Ansichten herrschen. Es kann sein, daß sie mit der Nützlichkeit der gegebenen Manifestationen nicht übereinstimmen und Gegenwirkungen veranlassen. Ebenso möglich sind feindliche Versuche, eine Mitteilung zu unterbinden, was jedoch Geduld und Streben zu überwinden vermögen.
     Laßt uns auch nicht vergessen, daß die Teilnahme von Frauen den feinstofflichen Versuchen besonderen Erfolg verleiht. Man kann feststellen, daß das Gleiche auch bei Filmaufnahmen geschieht. Wenn eine Frau körperlich oder feinstofflich teilnimmt, gelingen die Aufnahmen in der Regel gut. Wir haben bereits über die Teilnahme von Frauen bei allen Arten wissenschaftlicher Experimente gesprochen. Die Alchimisten des Altertums verstanden den vollen Wert der weiblichen Mitarbeit, den heutzutage viele Gelehrte jedoch in Abrede stellen. So tritt indirekte weibliche Mitarbeit an die Stelle der direkten, und dennoch wird selbst das Wesen der Dinge die Frau hinzuziehen, und sie wird ihre Hand an die neuen Entdeckungen legen.
     Es ist daher unerläßlich, die Lage der Frau zu wandeln. Neben Gleichgewicht und Gleichberechtigung muß man auch die Feinstofflichkeit der weiblichen Natur verstehen. Es ergäbe einen traurigen Anblick,

[Russisches Original. Seite 424.]



die Frau an der Stelle von Soldaten oder bei einer Arbeit sehen zu müssen, die grobe Kraft erfordert. Wenn wir uns von der Anwesenheit kostbarer feinstofflicher Energie überzeugen, so muß sie auch um der Zweckmäßigkeit willen angewandt werden können. So gelangen wir erneut zur wahren Zusammenarbeit.
     Wir müssen für jede Begabung den ihr gemäßen Platz finden. Das Zeitalter der Mutter der Welt bedeutet keine Rückkehr zur Welt der Amazonen. Es steht eine weitaus größere, erhabenere und verfeinerte Aufgabe bevor. Man kann beobachten, daß Maschinen in den Händen von Frauen nicht so rasch ermüden und Pflanzen langsamer welken. Natürlich spreche Ich nicht von allen Frauen, sondern von denen, die Ausdruck feinstofflichster Energie sind. Sämtliche derartigen Fähigkeiten werden dem Zeitalter der Mutter der Welt gemäß sein. Der Bereich der ärztlichen Tätigkeit wird zu solchen Fähigkeiten in Beziehung stehen.
     Eine weitere Eigenschaft wird der Frau eigen sein: Sie wird Trägerin höchster Hingabe sein. Die höchsten Wahrheiten treten dank der Frau ins Leben. Diese Aussage wird von der Wirklichkeit selbst bestätigt. Die Frau kann dabei helfen, daß die Entdeckungen in rechter Weise Anwendung finden.
     Der Denker wandte sich Seiner Muse zu und wollte damit Seiner Verehrung der feinsten Kräfte Ausdruck verleihen.

     459. Urusvati weiß, wie sehr Menschen es vorziehen, zu den fernen Welten zu streben, statt sich um die irdische Situation zu kümmern. Die Ursache ist klar: Die fernen Welten scheinen den Erdbewohnern ohne Verantwortung zu sein, die Verpflichtung für das irdische Leben aber wirft viele Sorgen auf. Niemand oder fast niemand möchte verstehen, daß sich die Realität der fernen Welten nur demjenigen eröffnet, der die irdischen Bedingungen trägt.
     Ohne klare Erkenntnis der irdischen Aufgabe ist es unmöglich, in überirdische Räume vorzustoßen. Allein über irdische Vervollkommnung erweisen wir uns für Reisen in ferne Welten als geeignet. Wenn wir vom Überirdischen sprechen, müssen wir vor allem unserer irdischen Lage zustimmen. Wiederum betone Ich, daß nicht in rechter Weise zum Überirdischen streben kann, wer nicht auch fähig ist, an das Irdische zu denken.

[Russisches Original. Seite 425.]



     Glaubt nicht, daß gerade die Leser der gesandten Vermächtnisse diese auch im Leben anzuwenden in der Lage sind. Doch laßt uns deswegen nicht betrübt sein; jeder, der viele irdische Wege durchschritten hat, weiß, wie sich seine Erfahrung zusammengesetzt hat. Er, der sich vieles zu eigen machte, wird sich barmherzig den Irrenden zuwenden.
     Man darf nicht vergessen, daß wir uns bei jedem irdischen Inerscheinungtreten in bezug auf bestimmte Fähigkeiten vervollkommnen, während viele andere Aufspeicherungen gewissermaßen im Zustand der Vergessenheit bleiben. Daher wundern sich die Menschen nicht selten, wenn sie sehen, daß jemand sich in bestimmter Beziehung erfolgreich entwickelt und in anderer schläft. Erst in der Feinstofflichen Welt flammen auch die anderen Aufspeicherungen auf, allerdings auch die Fehler.
     So sagte der Denker oftmals, um jemanden zu rechtfertigen: "Wissen wir, was in seinem Busen ruht?"

     460. Urusvati weiß, daß die Überfüllung des Raumes gefährliche Folgen zeitigen kann. Fassen wir diese Ermahnung rein wissenschaftlich auf. Man sollte wissen, daß sogar die Überschneidung von Radiowellen räumliche Verwirrung schafft. Noch größere Unruhe entsteht jedoch aus unmittelbarem menschlichen Aufschreien.
     Psychiater sollten ihre Aufmerksamkeit auf psychische Epidemien lenken. Es muß erforscht werden, bei welchen psychischen Massenerscheinungen entsprechende Wirkungen auftreten. Die Entstehung psychischer Epidemien darf nicht nur der Besessenheit zugeschrieben werden. Doch kann natürlich ein von räumlichen Giften belasteter Organismus leicht auch Besessenheit aufnehmen.
     Achtet auf das Wort "Vergiftung". Es bringt das Wesen der Epidemien besonders gut zum Ausdruck. Die Ärzte müssen verstehen, wie der Chemismus zustande kommt, der sich im Zustand des Organismus widerspiegelt. Hierbei ist besonders wichtig zu studieren, welche Massenbewegungen diese Erkrankung am meisten begünstigen.
     Es wird erkennbar, daß nicht selten größte Explosionen weniger gefährlich sind als die sogenannte Erregung der Gemüter. Vergessen wir nicht, daß es Zeiten geben kann, die schlimmer als Krieg sind. Wenn Wir daran erinnern, haben Wir die Vergiftung des Raumes im Blick. Bei jeder Erregung werden Gase gebildet, doch menschliche Verwirrung kann ein sehr

[Russisches Original. Seite 426.]



starkes Gift erzeugen, und niemand denkt daran, daß die Menschen selbst die Zerstörung schaffen.
     Die Zeit, als man noch von einer abstrakten Psychologie des Menschen sprach, ist vorbei. Nun aber hat man begriffen, daß die Psyche das wirklichkeitsnaheste Laboratorium ist, in dem Gifte hergestellt werden. Es könnten darin jedoch ebensogut auch wohltuende Heilmittel geschaffen werden. Man muß nur das Denken dem Guten zuwenden.
     Der Denker drängte die Bürger, im Guten zu handeln, auf daß jede Lebenstätigkeit ein Heilmittel würde.

     461. Urusvati weiß, daß die Qualität der Tat von der Begeisterung des Handelnden abhängt. Hier muß darüber nachgedacht werden, ob eine wissenschaftliche Definition der Eigenschaft der Begeisterung gefunden worden ist. Wir sprechen weder von Wunsch oder Anstrengung, noch Eingebung, sondern möchten den Sinn der Begeisterung bestätigen.
     Wir wissen, daß sie sich in der Aura widerspiegelt und diese entflammt, doch die Gelehrten sind noch nicht in der Lage zu verstehen, welche der Nervenzentren bei Begeisterungsschwüngen am meisten tätig sind. Bei jeder Arbeit kann diese erhabene Anspannung hervorgerufen werden. Die Alten nannten diesen Zustand "Göttlichen Gruß". Er allein kann jeder Arbeit das Leuchten der Vervollkommnung verleihen.
     Man könnte sagen, daß solches Streben zur Vervollkommnung nur für höheres Schaffen auf allen Gebieten charakteristisch sei, was jedoch eine relative Definition ist. Wir bestätigen, daß jede Arbeit von Begeisterung, die zur Vervollkommnung führt, getragen werden sollte. Meister jedes beliebigen Handwerkes wissen, daß sogar die alltägliche Arbeit auf beständige Vervollkommnung hin ausgerichtet sein kann. Sprecht mit den besten Handwerksmeistern, und sie werden euch bestätigen, daß die Qualität der Arbeit unaufhörlich verbessert werden kann. Genau dasselbe sagen Wir auch von Unseren Arbeiten: Nehmt Uns die Begeisterung, und alle Arbeitsrhythmen werden gestört!
     Urusvati weiß, wie solche Störung des Rhythmus zum Ausdruck kommt. Es ist gar nicht erforderlich, daß irgendwelche finsteren Kräfte eindringen; es genügt, daß der Energiestrahl des Gesprächspartners sich als disharmonisch erweist, und der Rhythmus wird gestört sein. Es ist nicht leicht, einen Rhythmus wieder aufzubauen, man

[Russisches Original. Seite 427.]



muß dafür eine besondere Tätigkeit bestimmter Zentren hervorrufen. Doch eine solche eilige Einflußnahme kann auch physische Folgen haben. Wir gelangen erneut zu der Feststellung, daß eine Zeit angebrochen ist, in der die Tätigkeit der Nervenzentren studiert werden muß. Die Lehre von den Nervenreflexen wird den Anstoß zu weiterer Forschung geben, doch ohne ein Verständnis der psychischen Energie werden nicht die notwendigen Schlußfolgerungen gezogen werden können.
     Der Denker riet, jegliche Störung von Rhythmen wahrzunehmen und darauf zu achten, welche körperlichen Störungen sie hervorrufen.

     462. Urusvati weiß, wie schmerzhaft sich disharmonische Ströme auswirken. Auch mit der selbsttätigen Wiederherstellung des Gleichgewichts sind viele schmerzhafte Empfindungen verbunden. Man kann daran erinnern, wie Unser Bruder K. litt, als Er die Einwirkung boshafter und unwissender Sendungen verspürte. Er hätte diese Einflüsse in geringerem Maße empfunden, wenn die räumlichen Ströme zu der Zeit nicht ebenfalls schwer gewesen wären.
     Wir haben bereits über die Epidemie der Entzündung der Schleimhäute gesprochen. Auch diese Erscheinung muß der Einwirkung von Strömen zugeschrieben werden, die allerdings durch die irdische Verwirrung verstärkt sind. Wir sprechen dieses Wort der irdischen Verwirrung aus, um auf die Hauptursache hinzuweisen.
     Es ist nicht leicht, das Gleichgewicht wiederherzustellen, wenn von allen Seiten eine Flut äußerst schädlicher Ströme heranbrandet. Heilung erfordert vor allem Ruhe, die jedoch mitunter nicht erreichbar ist. Unser Bruder litt langanhaltend, da, selbst unter günstigsten Umständen, die Ruhe nicht unverzüglich hergestellt werden konnte.
     Wir kennen diese Anstürme irdischer Wirrnis. Jeder von Uns hat irgendwann einmal solche Anspannungen erfahren. Sogar gewöhnliche Ströme erweisen sich unter solchen Bedingungen als übermäßig belastend. Wir halten solche Schwingungen, die Schaden bringen könnten, sogar nach Möglichkeit zurück. Man darf sich nicht wundern, daß zu solcher Zeit keine gehaltvollen Offenbarungen möglich sind. Der Organismus muß geschont werden. Wir können den Rat geben: Überanstrengt euch nicht, und wenn ihr eine Anwandlung von Schläfrigkeit verspürt, so erlegt euch keinen Zwang auf.
     Ein intensives Zusammenprallen von Strömen muß sich auf feinfühlige Organismen auswirken. Früher ging man in die Wüste, um von der irdischen Wirrnis verschont zu sein, doch jetzt haben die Menschen sogar den Luftraum erobert, und die Ströme sind noch angespannter. Wenn Wir daher von der Überfüllung

[Russisches Original. Seite 428.]



des Raumes sprechen, so haben Wir keinen abstrakten Prozeß im Blick, sondern die irdische Realität.
     Der Denker sprach von der unsichtbaren Schlacht.

     463. Urusvati weiß, wie trübe das Leben ohne den Lehrer ist. Die Menschen fassen dies in eigentümlicher Weise auf. Verneiner bemühen sich mit ihrem Tun sehr, den Lehrer zu bestätigen. Jeder Verneiner ist für seine eigenen Anhänger ein Lehrer und bestätigt somit diesen Begriff. Und sogar die Gegner des Lehrertums schaffen denselben Begriff. Laßt uns nicht darauf bestehen, daß alle Menschen auf die gleiche Weise denken, doch möge jeder auf seine Weise zu denselben Lebensgrundlagen gelangen.
     Auch wißt ihr, daß das Leben ohne den Helden wie tot ist. Fragt alle Bewohner der Erde, ob es ihnen nie widerfahren ist, vor sich das anziehende Bildnis eines Helden zu sehen? Jedes Schulkind wird bekennen, daß es von Kindesbeinen an in seinem Herzen einen Auserwählten liebevoll gehegt hat. Leuchtende Taten stellten für sie die besten Impulse dar. Sie werden auch eingestehen, daß niemand sie die Verehrung des Helden lehrte, sondern diese Eigenschaft von allein in ihnen wuchs.
     Gerade die Grundlagen des Daseins bilden sich selbständig, sie treten aus der Schatzkammer des "Kelches" zum Vorschein. Lange lebten sie im Inneren, als Lehrstunden aus der Feinstofflichen Welt. Nicht selten vermögen die Menschen diese Vermächtnisse gar nicht in Worte zu fassen, dennoch sind sie da und wandeln zur vorbestimmten Stunde das Leben um.
     Werdet nicht müde, von dem Lehrer und dem Helden zu sprechen. Beide Begriffe bezeichnen, vom inneren Wesen her, ein und dasselbe. Sie führen zum Erfolg. Sie helfen, die Schwere des Lebens zu durchstehen. Sie sind die Quelle der Tapferkeit und des Mutes.
     Der Denker sprach: "Der Lehrer ist der beste Held. Seine Rüstung rostet weder noch nutzt sie sich ab. Ein ganzes Heer kann die Flucht ergreifen, doch der Lehrer wird nicht weichen. So laßt uns Ihm den Heldenkranz verleihen! "

     464. Urusvati weiß, daß räumliche Ströme die Erde in unterschiedlichen Rhythmen erreichen. Kosmische Schwingungen schaffen auf diese Weise besondere Muster. Man darf daher nicht denken, die überirdischen Chemismen näherten sich gleich einer riesigen drohenden Wolke, die die Erde wie Nebel einhüllt. Eher ließen sich die Rhythmen der Chemismen mit Mustern vergleichen, wie sie durch Tonschwingungen im Sand gezeichnet werden. Dadurch wird auch erklärt, weshalb die Menschen

[Russisches Original. Seite 429.]



die Chemismen nicht gleichmäßig strömend wahrnehmen, sondern intervallartig. Genau durch diesen Umstand ist auch die Erforschung der räumlichen Chemismen erschwert.
     Natürlich können die Wellen irdischer Gase gute Beispiele abgeben. Oftmals leiden Menschen durch Gase, während andere in der Nähe keinen Schaden verspüren. Überdies wird jede räumliche Welle verschieden aufgenommen, nämlich in Abhängigkeit vom Zustand der Nervenzentren. So können beispielsweise angespannte Zentren solche Wellen geradezu anziehen, da die Anspannung eine magnetische Kraft eigener Art entfaltet.
     Wenn Wir von der Notwendigkeit der Ruhe sprechen, verweisen Wir mit Nachdruck auf ihre Zweckmäßigkeit. Ein Mensch, dessen Gleichgewicht gestört ist, wird eine Menge äußerst starker Chemismen herbeiziehen und zum Zentrum ihres unsichtbaren Zusammenprallens werden. Bis zu einem gewissen Grade können Wir natürlich mit Unseren Schwingungen zu Hilfe kommen, doch darf nicht vergessen werden, daß hereinbrechende Chemismen sehr stark sein können und demgemäß mächtige Einwirkungen erfordern. Für den Menschen wird es nicht leicht sein, Objekt von Wirbeln zu werden, die um ihn herum in einer Schlacht toben. Daher raten Wir oftmals dazu, nicht im Übermaße betrübt zu sein. Den Menschen mag es erscheinen, als ob sich etwas vollzogen habe, das nicht wiedergutzumachen sei, doch in Wirklichkeit handelte es sich nur um eine vorüberziehende dunkle Wolke. So ist jede Unserer Weisungen ein medizinischer Rat.
     Der Denker sprach: "Womit nur sollen wir unseren Unsichtbaren Ärzten danken?"

     465. Urusvati weiß, daß wahre Hingabe vom Herzen geboren wird, nicht jedoch vom Verstande. Überdies darf dieses herzliche Bestreben nicht als etwas Abstraktes aufgefaßt werden, sondern als Realität. Wie aber soll man dem Bewußtsein einprägen, daß Hingabe an das Gute die Grundlage des Lebens darstellt? Der Mensch muß klar erkennen, daß das Gute nicht nur zum Nutzen für die Welt ist, sondern auch für ihn persönlich.
     Mögen die Menschen sich verschiedener anderer erinnern, die sich vom Guten abgewandt haben und nach den Ursachen hierfür suchen. Sie werden dabei vor allem entdecken, daß jene, die sich vom Guten abwenden, nicht an eine Fortdauer der Lebenskette glauben. Solche Menschen hoffen, daß ihre schlechten Taten zusammen mit ihnen sterben. Sie fürchten den Tod sehr, und in ihrer Angst suchen sie das irdische Leben zu verlängern. Doch wenn sie in die Feinstoffliche Welt blickten, würden sie den Nutzen des Guten schätzen lernen. Sie werden sagen: "Wozu

[Russisches Original. Seite 430.]



diese Gespenster einer Feinstofflichen Welt? Wir bezahlen lieber die Gelehrten, damit sie unser Leben hier verlängern, wo wir uns ausgelassenem Vergnügen widmen können."
     Die Erscheinung solcher finsteren, vom Guten abgewandten Menschen beunruhigt diejenigen, die dem Guten zugeneigt sind. Immer wieder kann man hören, daß die Menschen nicht wissen, wie man mit solchen vom Guten Abgewandten verfahren sollte. Laßt uns aber betrachten, was der Mensch aus der Feinstofflichen Welt mitbringt. Er bringt ein dreifaches Erbe mit: allem voran ein karmisches, sein eigenes Erbe; dann den Atavismus der Vorfahren; und schließlich in der Feinstofflichen Welt Angeeignetes. Letzteres kann sowohl lichter wie finsterer Art sein. Es läßt sich genau beobachten, wie ein Mensch sein Dasein gestaltet hat, doch wenn alle drei genannten Umstände finsterer Natur sind, so wird auch eine Einflußnahme vergeblich sein. Man muß gleichfalls die Ursache erforschen, und es wird sichtbar werden, wie die vom Guten Abgewandten aus sich selbst kosmischen Unrat gemacht haben.
     Der Denker sprach: "Möge Zeus seine Blitze sammeln, um die Erde vom Unrat zu reinigen."

     466. Urusvati weiß, wie oft selbst die einfachsten Unserer Weisungen entstellt werden. So haben Wir davon gesprochen, daß es notwendig ist, die Rüstung behutsam und sorgfältig zu prüfen und im Falle der Not fürsorglich zu helfen. Man sollte meinen, daß es sich um einen ganz klar verständlichen Rat handelte, doch die Menschen leiten eine Verurteilung des Nächsten daraus ab. Wo aber sich der Wurm der Verurteilung eingenistet hat, ist keine Ernte zu erwarten.
     Untersuchen wir zunächst den Unterschied zwischen der Verurteilung und einem gerechten Urteil. Jeder wird verstehen, daß es solche Verbrechen geben kann, die ein strenges Gerichtsurteil unausweichlich machen, doch unter der alltäglichen Verurteilung ist ein oberflächlicher und schädlicher Begriff zu verstehen.
     Nicht selten versuchen Menschen mit der Verurteilung eines anderen, diesen zu veranlassen, ihren Wünschen gemäß zu handeln. Sie wollen nicht verstehen, daß jeder Vogel sein eigenes Lied hat. Man kann den Vogel töten, ihn jedoch nicht zwingen, ihm fremde Klänge hervorzubringen.
     Es ist sehr betrüblich, sehen zu müssen, wenn Menschen jemandem einen fremden Willen aufzwingen, doch noch trauriger ist es, wenn solche Gewaltanwendungen sich im Umkreis einer Lehre des Guten ereignen. Als Wir von einer fürsorglichen Haltung gegenüber der Rüstung des Nächsten sprachen, hatten Wir gerade eine äußerst sanfte Berührung im Sinn, nicht aber geschwätzige Verurteilung. Es ist an der Zeit,

[Russisches Original. Seite 431.]



sich die Vorstellung zu eigen zu machen, daß die Atmosphäre unmöglich mit nichtdurchdachten Verurteilungen verseucht werden darf. Ganz nah bei diesen steht auch die Verleumdung. Jeder widernatürliche Zwang wird auch in der Verbindung zu Uns ein Hindernis sein.
     Wir sprachen von überirdischen Gefühlen und wissen, wie fein sie sind und ferne Übertragungen unterstützen. Ist in solch feinstofflicher Wohnstatt Grobheit zulässig?! Möge auf der von Herzen kommenden Freundlichkeit gegenseitige Hilfe aufgebaut werden. Wenn die Menschen die Kraft der von Herzen kommenden Freundlichkeit verstehen, werden sie einen weiteren Weg zu Uns kennen.
     Der Denker vermochte Freundlichkeit von Verschlagenheit zu unterscheiden.

     467. Urusvati weiß, daß sich der freie Wille in den höheren Sphären zur Zusammenarbeit mit dem kosmischen Gedanken wandelt. Die Menschen verstehen diesen Vorgang nur sehr schwer. Einige glauben, der freie Wille würde niedergehalten, andere nehmen an, er würde absorbiert. Die Auffassungen sind vielfältig, doch überaus selten kann man von einem Verständnis der Harmonie hören, in der die Macht des Denkens sich festigt. Es kann dort weder Versklavung noch Zwang geben, sondern nur erfolgreiches Voranschreiten in Unbegrenztheit.
     Ebensowenig nehmen die Menschen die Tatsache an, daß der freie Wille auch in der Feinstofflichen Welt existiert. Sie möchten nicht anerkennen, daß die Feinstoffliche Welt der grobstofflichen gleicht, nur andere Dimensionen aufweist. Wer sich bereits im irdischen Leben Disziplin angeeignet und eine Vorstellung von Harmonie hat, vermag diese Errungenschaften in der Feinstofflichen Welt gleich nach der Ankunft anzuwenden. Ein solches Verstehen wird mit "Flügel des Heils" bezeichnet, da es ein rasches Voranschreiten erlaubt.
     Doch nicht oft versehen die Menschen sich im irdischen Leben mit solchen Flügeln. Gewöhnlich gehen sie mit einem ungezügelten Willen und ungesättigten Wunschvorstellungen hinüber. Die Menschen bereiten sich im irdischen Leben gedanklich nicht auf einen weiteren Weg vor. Sie geben sich mit fremden Formeln zufrieden, die im Laufe der Zeit versteinern, und weder in der Familie noch in der Schule wird über das zukünftige Leben gesprochen. Im Gegenteil, solch ein Gespräch würde als unzulässig erscheinen. Die Familienmitglieder halten es nicht für möglich, über den Übergang in die Feinstoffliche Welt zu sprechen, und in den Schulen würde solch ein Thema zur Entlassung des Lehrers gereichen. So ziehen die Menschen es infolge von Unwissenheit und Scheinheiligkeit vor, in der Finsternis

[Russisches Original. Seite 432.]



zu verbleiben.
     Es gibt nicht viele, die fähig sind, über die hohe Bestimmung des Menschen zu sprechen. Schon von den ersten irdischen Lebenstagen an muß der Mensch unter dem Druck der ihn umgebenden Lebensweise seine feinstofflichen Lichtfunken vergessen.
     Man kann sich leicht vorstellen, wie das Leben umgestaltet würde, wenn ein rechtes Verständnis der Daseinsaufgabe herrschte. Wieviele scheinbar unlösbare Probleme werden leicht zu lösen sein, wenn die Menschen verstehen, wohin sie streben müssen.
     Der Denker wies darauf hin, wie lange die Menschheit in der Finsternis umherirren werde, statt den Sinn des Daseins zu erkennen.

     468. Urusvati weiß, daß man beim Studium der großen Lehren nicht nur ihren Inhalt im Blick haben muß, sondern auch die Sprache, in der sie gegeben sind. Eine Lehre wird nicht ohne Grund in einer bestimmten Sprache gegeben. Man kann alle Lehren seit dem Altertum verfolgen und erkennen, daß die verwendete Sprache zeigt, welchem Volk es obliegt, eine Stufe des Aufstiegs zu offenbaren.
     Mitunter wird angenommen, daß eine Lehre in derjenigen Sprache gegeben wird, die dem Empfänger am nächsten ist, doch ist solche Erklärung unzureichend. Die Ursachen müssen in ihrer ganzen Fülle beachtet werden. Nichts geschieht zufällig. Der Empfänger der Lehre ist nicht zufällig, die Sprache ist der Notwendigkeit entsprechend gewählt.
     Es läßt sich sehen, daß die Lehren in verschiedenen Sprachen gegeben wurden, und diese Bedingung entsprach immer wichtigen Umständen, die auch weltweite Bedeutung trugen. So ist die Sprache, in der die jeweilige Lehre gegeben wird, ein Geschenk eigener Art an das betreffende Volk. Denkt nicht, daß die Lehre dadurch an weltweiter Bedeutung verlöre. Jede Wahrheit ist allgemeinmenschlich, doch hat jede Periode ihre Aufgabe und jedes Volk seine Verpflichtung.
     Nicht wenig Zeit erfordert es, den Kristall des Wesens eines Volkes zu schaffen. Bei vorhandenem Bevölkerungsreichtum ist es schwierig zu erkennen, worin sich die wahre Natur des Volkes offenbart. Dem unerfahrenen Beobachter können sich oberflächliche Züge kundtun, die das eigentliche Wesen überdecken. Daher raten Wir so sehr dazu, sich Geduld und Beobachtungsgabe anzuerziehen,

[Russisches Original. Seite 433.]



um nicht später leichtfertige Urteile bereuen zu müssen.
     Die Menschen haben sich daran gewöhnt, leichtfertig zu urteilen und hoffen, daß es nie zu spät sei, einen Entschluß zu ändern. Die Änderung einer Entscheidung ist jedoch dem Verrat sehr ähnlich, jener Eigenschaft, die Uns besonders zuwider ist. Es darf dort keine Leichtfertigkeit herrschen, wo die Psychologie eines ganzen Volkes und die Bedeutung einer ganzen Epoche zu beurteilen ist.
     Man könnte einwenden, daß es nicht leicht sei, bei strömenden Wellen auf den Grund eines Flusses zu blicken. Doch dafür werden die Lehren gegeben, die die unterschiedlichsten Seiten des Daseins berühren und die keine zufällige Sammlung treffender Worte, sondern ein Mosaik des gesamten Lebens darstellen. Möge der Wanderer wählen, auf welchen Steinen der Fluß zu überqueren ist.
     Der Denker sprach: "Es gibt im Fluß viele Furten. Muse, hilf, sie zu finden!"

     469. Urusvati weiß, daß die Vorstellungskraft durch Eindrücke aus der Wirklichkeit entsteht. Wenn ein Mensch Beobachtungsgabe und Beweglichkeit in sich entwickelt, so sammelt er in seinem "Kelch" Lebensschätze an, die seine zukünftige Existenz umgestalten werden.
     Vergessen wir jedoch nicht, daß man unter Vorstellungskraft auch noch andere Erscheinungen verstehen kann. Der Mensch vermag auch die Wirklichkeit der Feinstofflichen Welt widerzuspiegeln, die in einem bestimmten Moment vor ihm ersteht. Dieses halten die Menschen jedoch überhaupt nicht für möglich. Sie vergessen dabei die endlose Vielfalt der Feinstofflichen Welt. Diese Welt beeinflußt den Menschen ständig, und empfängliche Organismen vermögen, ihrer Entwicklung entsprechend, vieles in den überirdischen Sphären Geschaffene wahrzunehmen.
     Die Menschen sollten allerdings solche Wahrnehmungen nicht allein ihrer eigenen Fähigkeit zuschreiben, denn es kann dabei unsichtbare Helfer geben. Auf solche Weise kann die Vorstellungskraft ein überaus kompliziertes Zusammentreffen vieler Bedingungen sein. Ihr wißt bereits, wie wichtig die Entwicklung der Vorstellungskraft im irdischen Leben ist. Viele verstehen gar nicht, was Vorstellungsvermögen bedeutet. Sie werden bekunden, keinerlei hervorrufbare Bilder in sich zu tragen. Sie werden sagen, daß allein Künstler Phantasie besäßen, anständige Bürger jedoch sich solcher Leichtfertigkeiten zu enthalten hätten.
     Sie verstehen nicht, daß das Vorstellungsvermögen ein zum Schönen geöffnetes Fenster ist und dadurch

[Russisches Original. Seite 434.]



das Leben vervollkommnet. Wenn aber die Wissenschaft die Menschheit zu gesundem Urteilsvermögen bewegt haben wird, dann kann man auch das Wissen auf eine neue Grundlage stellen.
     Jede Erscheinung erfordert wissenschaftliche Erforschung, doch wenn selbst der Wissenschaftler ohne Vorstellungskraft ist, wie wird er dann wissenschaftliche Apparate nutzen können?
     Laßt uns erkennen, daß das gesamte Leben aus einer Reihe bemerkenswertester wissenschaftlicher Fakten besteht. Doch man muß sie auch erkennen. Es ist gut, daß man die Wirkungsweise der Mikroorganismen verstehen gelernt hat, doch hat man die psychischen Erscheinungen vergessen, die in machtvoller Weise rettend oder zerstörend sein können. Man muß diesen Aspekt des Lebens auf wissenschaftlicher Basis verstehen. Unsere Türme basieren allein auf der Erkenntnis der Natur.
     Der Denker wußte, daß Evolution möglich ist, wenn Erkenntnis und Wissen Allgemeingut werden und die Festung klaren Vorstellungsvermögens wissenschaftlich begründet wird.

     470. Urusvati weiß von der wissenschaftlichen Bedeutung der sogenannten Talismane. Wir sprachen bereits über die Magnetisierung von Gegenständen, die unter günstigen Bedingungen lange wirksam sein kann. Doch für einige ist dennoch die Frage des Schicksals von Talismanen, die in unwürdige Hände fallen, unklar geblieben. Der Talisman in unwürdiger Hand verliert seine Kraft, so wie ein Magnet seine Macht unter ungünstigen Bedingungen verliert.
     Viele Menschen wurden um der Talismane willen gepeinigt und verbrannt, doch nun hat die Wissenschaft die Magnetisierung von Gegenständen festgestellt. Die Menschen möchten wissen, welches Magnetisierungsverfahren am besten sei. Hierbei handelt es sich um einen individuellen Vorgang: Jemand fährt mit Streichbewegungen über den Gegenstand, ein anderer legt ihn nachts unter das Kopfkissen, einer trägt ihn bei seinem Herzen, ein anderer berührt ihn nur, wohingegen ein weiterer den Gegenstand nur ansieht. Es kann eine Magnetisierung auch auf Entfernung erfolgen, doch muß man dazu den Gegenstand kennen, um ihn sich deutlich vorstellen zu können.
     Ebenso notwendig ist es, daß der Gegenstand in ein und derselben Umgebung verbleibt und ihn niemand mit bloßer Hand berührt. Ein elektrischer Nichtleiter wird zu diesem Zweck nützlich sein. Grenzt dies alles nicht schon an Zauberei? Doch solche Hinweise stellen nur

[Russisches Original. Seite 435.]



die einfachste wissenschaftliche Prophylaxe dar. Für solche Experimente reicht selten Geduld allein aus, da die Übertragung von Energie eine der mächtigsten Manifestationen ist. Bei solchen Versuchen könnte man zu dem Urteil gelangen, daß der Besitz der Energie etwas Außergewöhnliches sei.
     Grundsätzlich betrachtet ist dieses Geschenk jedoch nichts Außergewöhnliches, es hängt nur vieles von den umgebenden Bedingungen ab. Bedauerlicherweise sind die Menschen nicht in der Lage, mit den sie umgebenden Bedingungen zu kämpfen. Von hundert Familien können sich höchstens fünf harmonischer Umstände rühmen. Bei den häuslichen Meinungsverschiedenheiten wird viel Energie nutzlos vertan! Die Vervollkommnung des häuslichen Lebens muß auch Zweckmäßigkeit lehren.
     Jeder Mensch, der über einen großen Vorrat an psychischer Energie verfügt, muß fürsorglich geschützt werden, doch die Menschheit denkt sogar darüber nicht nach. Wenn andere Entdeckungen so sehr geschätzt werden, so müssen auch alle Menschen mit einer besonderen psychischen Energie geschützt werden. Jede Pflanze besitzt eine bestimmte Heileigenschaft, deren Anwendung jedoch gefunden werden muß. Pflanzenmixturen vermögen überaus komplexe Wirkungsweisen zu entfalten. Was aber ist von der Mixtur menschlicher Energie zu sagen? Wird sie etwa auch erforscht? Für die Eheschließung wird ein medizinisches Attest gefordert; es wird eine Zeit kommen, daß dafür psychische Energie gefordert und dadurch das Problem der Disharmonie gelöst werden wird.
     Der Denker sprach: "Weshalb hängen die Menschen sich einen Mühlstein an den Hals, wenn es doch besser wäre, sich um Flügel zu bemühen?"

     471. Urusvati weiß, daß es Stufen der Zusammenarbeit gibt. Die Menschen ziehen die niederen Stufen vor, da auf ihnen weniger Verantwortlichkeit herrscht, Eifer braucht nur in relativem Maße angewandt zu werden, und man muß sich nicht damit behelligen, angespannte Findigkeit zu entwickeln.
     Die höheren Stufen sind den Menschen jedoch schwer. Auf ihnen muß man selbständig auftreten. Man muß fähig sein, ein einziges Wort des Führers zu erkennen. Man muß den Mut finden, viele Pfeile in seinem Schild aufzufangen. Auf diese Weise ist es um so schwerer, je höher man steht. Überdies kann der Mensch nicht wissen, wo und wie seine psychische Energie wirkt. Nicht selten mag es für ihn den Anschein haben, als sei nichts erreicht worden, während indessen sich dank seiner psychischen Energie bereits vieles vollzogen hat.

[Russisches Original. Seite 436.]



     Der Mensch kann seinen gesamten Gesichtskreis nicht überblicken, und es ist unmöglich, alle Ströme der psychischen Energie zu finden, die in Vereinigung mit den Energien des Lehrers segensreich wirken. Möge der hingebungsvolle Mitarbeiter seine psychische Energie in die Verfügungsgewalt des Führers legen. Es ist nicht angebracht, über die Wege des Führers nachzusinnen. Solche Wege vermögen überaus komplex zu sein. Man darf unmöglich zur Zeit der Schlacht damit beginnen, Erwägungen über die Gedanken des Führers anzustellen, man kann nur seine ganze Bestrebung anspannen, um das Beste zu tun. So muß man auf den höheren Stufen der Zusammenarbeit davon ausgehen, daß die Energie in viel weiterem Maße Anwendung finden kann, als man denkt.
     Wir haben das Beispiel erlebt, daß ein großer Heerführer einen Sieg errungen hatte, ohne es jedoch erkennen zu können. Ihm schien es, als seien alle seine Streitkräfte geschlagen, doch aus der Entfernung war es ihm nicht möglich zu sehen, daß es sich um den Feind handelte, der der Vernichtung erlegen war.
     Der Denker sprach: "Hört zu, hört aufmerksam zu! Seid ihr in der Lage zu wissen, wo eure Kraft gerade handelt? Der vorherbestimmte Sieg kann bereits stattgefunden haben, während es euer Auge nicht zu erfassen vermag."

     472. Urusvati weiß, daß der Mensch mitunter nicht die Grenze zwischen dem persönlichen und dem Gemeinwohl erkennen kann. Der Verstand flüstert, daß das Persönliche dem Gemeinsinn entgegengesetzt sei, doch das Herz sagt etwas anderes. Bei Disharmonie kann es einen Widerspruch zwischen dem Persönlichen und dem Gemeinsinn geben, doch ist vorstellbar, wann das Persönliche auch dem Gemeinsinn entspricht. Solche Harmonie erfordert auch den Zusammenklang aller umgebenden Bedingungen.
     Irgend jemand wird sagen, daß solcher Zustand im irdischen Leben unerreichbar sei. Kann man jedoch ermessen, was möglich ist und was nicht? Solch eigenwillige Trennung wird nur einem kurzen, vorbeifließenden Augenblick entsprechen, nicht jedoch für die Zukunft anwendbar sein. Im Verlauf eines einzigen menschlichen Lebens läßt sich beobachten, wie plötzlich die Daseinsbedingungen sich ändern können. Was soll man da von Jahrhunderten sagen?
     Natürlich werden die Liebhaber der Widerrede finden, daß sich der menschliche Charakter in vielerlei Hinsicht wenig ändere. Beobachter mit mehr Forscherdrang werden jedoch erkennen, wie sehr die Psychologie des Menschen sich verändert, und in solcher Beweglichkeit ist das Unterpfand künftiger Erfolge verborgen. Die Menschen werden irgendwann zu der Schlußfolgerung gelangen, daß das Wohl ein geeintes ist und es keine Trennung

[Russisches Original. Seite 437.]



in persönliches und in Gemeinwohl geben kann.
     Viel Zweifel ruft auch die sogenannte Zementierung des Raumes hervor. Die Menschen stellen sich vor, daß persönliche Gedanken Selbstsucht seien. Können jedoch gute Gedanken in einer finsteren Entladung von Selbstsucht enthalten sein? Wenn natürlich ein Mensch um etwas für die Menschheit Verderbenbringendes beten würde, so wäre solches Beten eine Verschmutzung des Raumes. Doch jeder Gedanke des Guten ist sowohl ein dem persönlichen wie dem Gemeinsinn entsprechender. Mit solchen Gedanken muß man den Raum auszementieren.
     Der Denker sprach: "Möge jeder einen sowohl für ihn selbst wie auch für die Menschheit nützlichen Gedanken finden. Dann nämlich wird sein Ich dem Herzen der Menschheit gleich."

     473. Urusvati weiß, daß die Aufenthaltsfrist in der Feinstofflichen Welt von vielen Ursachen abhängt. Neben den karmischen Bedingungen müssen zwei Umstände beachtet werden. Gewöhnlich sagt man, daß karmische Fristen nicht verändert würden, doch in der Tat befindet sich alles in Bewegung, und in die Lebensläufe können verschiedene Umstände eintreten. Einer von ihnen wird eifrige Teilnahme an Erkenntnisarbeit sein. So kann es Experimente geben, die unmöglich unterbrochen werden dürfen, und in solch einem Fall muß dem größeren Nutzen entsprochen werden. Gleichfalls kann ein solch starker Wunsch herrschen, den Erdbewohnern zu helfen, daß solches Bestreben die Aufenthaltsfrist verlängert.
     Wie ihr seht, wird in beiden Fällen Selbstaufopferung geschätzt. Es ist nicht leicht, den Erdbewohnern zu helfen, da sie solche Hilfe fürchten. Sie sind fähig, bei der ersten Erscheinung in Ohnmacht zu fallen. Auch die Experimente in der Feinstofflichen Welt erfordern eine große Disziplin, und einige Zustände sind nicht leicht.
     Mitunter kann man sich davon überzeugen, daß gewisse Bewohner lange in der Feinstofflichen Welt verbleiben. Man darf sie nicht verdächtigen, daß sie sich dem Dienen entzögen. Sie arbeiten dort so viel, wie es auf der Erde gar nicht möglich wäre. Das Gesetz lebt und beurteilt gerecht die wahren Absichten. So streben einige so rasch wie möglich zur erneuten Verkörperung, was eine wertvolle Heldentat darstellt, doch hat auch die bestrebte Arbeit in der Feinstofflichen Welt ihre Gründe.
     Man kann sich vorstellen, wie notwendig bestimmte Tatmenschen in der Feinstofflichen Welt sind. Überdies

[Russisches Original. Seite 438.]



dürfen einige von ihnen ihr Wissen nicht vorzeitig auf die Erde tragen, können es jedoch inzwischen mit gutem Nutzen in der Feinstofflichen Welt anwenden. Sie können mithelfen, daß die feinstofflichen Sphären nicht mit Häßlichkeiten überladen werden. Auf der Erde werden die Fähigkeiten eines Menschen nur selten in gerechter Weise beurteilt, doch in der Feinstofflichen Welt wird das Urteil immer dem Zweck entsprechen.
     Der Denker wußte, daß wahre Begabungen immer geschätzt werden, wenn nicht auf der Erde, so doch in der Überirdischen Welt.

     474. Urusvati weiß, daß ein langes irdisches Leben für sich genommen nicht als unbedingtes Vorbild dienen kann. Doch kann es, außer dem Atavismus, drei Gründe geben, die das Leben auf der Erde verlängern können: erstens, wenn ein Mensch eine bestimmte Arbeit beenden möchte, die dem Gemeinwohl dient; zweitens, wenn ein Mensch danach strebt, jemandem oder einer Sache zu helfen; drittens, was nicht weniger einleuchtend ist, wenn ein Mensch Ereignisse bezeugen kann, die bisher unrichtig beleuchtet wurden. Doch für alle drei Gründe ist bewußtes, unaufhaltsames Streben erforderlich.
     Diese letztgenannte Bedingung darf nicht von zersetzenden Umständen, unter ihnen an erster Stelle die Angst, betroffen werden. Eifriges Streben wird unmöglich, wenn Angst es verwässert. Es läßt sich auf chemischem Wege prüfen, wie sehr die Angst Leben vernichtet. Natürlich zersetzen sowohl Bosheit, Neid und alle übrigen finsteren Gewohnheiten die Energie, weshalb der Mensch auch nicht allein mit Worten überzeugen kann, er sei voller Selbstaufopferung. Man kann sich Selbstaufopferung unmöglich einreden, wenn sie nicht in der Tiefe des "Kelches" angelegt ist. Die Menschen werden versichern, daß sie nichts fürchten, werden jedoch beim ersten Anlaß zittern.
     Möge in den Schulen Tapferkeit erprobt werden. Man kann sich ein ganzes Schulfach vorstellen, in dem die Schüler beantworten müssen, wie sie bei verschiedenen Gefahren handeln würden. Man darf nicht fordern, daß die Kinder gleich Findigkeit offenbaren, doch kann man sie durch ständigen Unterricht in Lebenserkenntnis zu mutigen Entscheidungen führen. Solch ein Wettkampf der Findigkeit wird die beste Übung der Gehirntätigkeit sein. Später werden die Schüler verstehen, wie die besten Tatmenschen zu höchster

[Russisches Original. Seite 439.]



Bestrebung gelangten.
     Der Denker forderte, daß Seine Schüler sich wenigstens an einem Tag der Woche dem Marathon der Findigkeit widmeten. Er wußte, daß diese Rüstung im Leben oft gebraucht wird.

     475. Urusvati weiß, daß mitunter sogar größte Tatmenschen in Geistesschwäche endeten. Dafür ließen sich historische Beispiele anführen. Es ist den Menschen vollkommen unverständlich, daß ein großer Geist sich irgendwie verflüchtigen könnte. Die Ärzte schreiben solche Erscheinung gewissen Krankheiten oder einer übermäßigen Erschöpfung unter dem Druck ungewöhnlicher Arbeit zu, doch wie immer vergißt man auch hierbei den Hauptgrund.
     Ein Tatmensch, der sich besonders verausgabt, ist unglaublichen Angriffen ausgesetzt. Man braucht nicht zu denken, daß solche zahllosen bösen Pfeile keinen Schaden zufügten. Sie bringen nicht nur psychische Verwundungen bei, sondern, indem sie die Aura durchschneiden, rufen sie unerträgliche Schwingungen hervor. Bei Verteidigungsschlägen vollzieht sich eine heftige Schlacht, und das Zentrum befindet sich wie in einem Wirbelsturm.
     Wir raten bei solchen Angriffen, nach Möglichkeit den Wohnort zu wechseln. Es mag als unwahrscheinlich vorkommen, doch feindliche Sendungen können den neuen Ort nicht so bald erobern. So hätte auch bei den historischen Beispielen vieles anders werden können, wenn die Tatmenschen ihren Aufenthaltsort rasch gewechselt hätten. Es ist jedoch nicht leicht, den Ort zu wechseln und die Schlacht für das Gemeinwohl verlassen zu müssen. Niemand wird einwilligen, so zu tun, als ob er vor dem Feind zurückweichen würde und ihm die Möglichkeit zum Triumph verschaffen. Und von den Umgebenden wird niemand die Weisheit der Entscheidung verstehen, sondern alle werden den Betreffenden der Feigheit bezichtigen. So wurde Apollonius von Tyana nicht nur einmal der Unbeständigkeit und des Verrates beschuldigt, als er die Notwendigkeit verspürte, neue Kräfte in fernen Ländern zu sammeln.
     Der Denker sprach: "Perikles, der große Vater des Volkes, wurde mit vergifteten Pfeilen getötet. Er hatte sich nicht mit einem Schild bedeckt, obwohl der Schild ein unerläßlicher Teil der Waffenausrüstung ist."

[Russisches Original. Seite 440.]



     476. Urusvati weiß, daß man nur mit einer klaren Vorstellung vom zukünftigen Leben die irdische Existenz umgestalten kann. Einige fürchten die Zukunft und schwächen sich dadurch, andere erklären sich die Feinstoffliche Welt auf ihre Weise und schaffen dadurch falsche Bilder; dritte schließlich benehmen sich wie wahrhaftige Leichname und denken an nichts anderes als an die Marktpreise. Doch niemand versteht, daß sogar ein Alter von Jahrhunderten nur einen Augenblick in der Unbegrenztheit darstellt.
     Das Denken über die Zukunft erfolgt auf dreierlei Art. Die erste wird dergestalt sein, daß ein Mensch seine Gedanken in Worte zu fassen vermag. Die zweite Denkweise ist bereits nicht mehr in Worte zu kleiden und gleicht den Wellen des Ozeans. Der Mensch wird von den Gezeiten erschüttert, und ihm scheint es, als ob er ein von den Wellen fortgetragenes Bild vergesse. Die dritte Denkweise schließlich ist die tiefgründigste, weder in Worten noch in Bildern auszudrücken, und nur die psychische Energie und das Sonnengeflecht erinnern an das, was sich vollzogen hat.
     So stellt sich der Mensch die Zukunft also auf dreierlei Weise vor. Solche Vorstellung ist dem Auswerfen eines Ankers in gewissem Sinne ähnlich - das Schiff wird an sicherem Anker hinaufgezogen. Auf die gleiche Weise wird der kluge Denker sich auf das gewünschte Ziel ausrichten. Der Weise weiß, worin er sich zum besten Nutzen äußern kann. Nur ein Dummkopf kann von vergänglichem Flitter träumen. Sogar jene, die in der Vergangenheit hohe Stellungen einnahmen, werden sich nicht von Äußerlichkeiten hinreißen lassen, sondern an die Würde der Arbeit denken.
     Man muß sich dazu erziehen, an die Zukunft zu denken, sich dabei rechtzeitig vorzubereiten, unverzüglich auf ferne Reisen gehen zu können und gleichzeitig zur Gänze den irdischen Aufgaben zu entsprechen. Dieses wird ein zweckmäßiges Gleichgewicht sein.
     Viele Male haben Wir an die Zweckmäßigkeit erinnert, und man muß sich daran gewöhnen, daß diese Eigenschaft in allen Lebensbereichen erforderlich ist. Wir erinnern erneut daran, da Wir wissen, wie falsch dieser Begriff von den Menschen aufgefaßt wird. Sie meinen, Zweckmäßigkeit müsse in gewissen besonderen Fällen angewandt werden. Es muß jedoch nicht nur einmal wiederholt werden, daß jede Daseinserscheinung eine Folge vieler Ursachen ist.
     Die Unterscheidung in geringe und große Taten ist illusorisch. Ihre Bewertung erweist sich nicht jetzt; der Weise erinnert sich der wichtigen Momente seiner Wanderung und wendet sie zweckentsprechend auf das zukünftige

[Russisches Original. Seite 441.]



Leben an. Er weiß, daß das Gute unerschöpflich ist, das Böse aber endlich. Ihr habt bemerkt, daß Wir mitunter eine böse Erscheinung nicht durchbohren. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen muß manchmal die Tactica adversa angewandt werden, zum anderen ist das Böse ohnehin endlich. Die Übeltäter können nicht ohne Ende vom Bösen leben, und man kann sich vorstellen, welch abstoßenden Anblick die Übeltäter darbieten, die sich selbst vernichten; Ich spreche hier von irdischen Handlungen.
     Der Denker bewegte die Schüler, auf das Gute zu gründen. Er sprach: "Das Gute ist unerschöpflich, begrenzt jedoch das Böse."

     477. Urusvati weiß, daß der Begriff der Lehrerschaft in den Menschen von frühen Jahren an entwickelt werden muß. Jeder Mensch ist in der Lage, irgend jemanden irgend etwas zu lehren, und er sollte auch fähig sein, dies zu tun. Wir heißen es gut, wenn Schulkinder ihre jüngeren Mitschüler unterrichten.
     Es ist nicht leicht, die beste Unterrichtsmethode auszuwählen, da sie individueller Natur sein wird, und der Lehrer sollte spüren, wie man besser an das Bewußtsein des Schülers herantritt. Ohne Übungen wird man unmöglich eine überzeugende Vermittlung von Tatsachen erreichen. Allein Unwissende meinen, es sei ausreichend, Kenntnisse einfach vorzulesen, um sie den Schülern einzuflößen.
     Man kann nur erstaunt sein, daß die eigentliche Kunst des Lehrens keine Aufmerksamkeit erregt. Doch jeder wird sich erinnern können, wie unterschiedlich die Unterrichtsinhalte im Verlauf der Schulzeit aufgenommen wurden. Dies hängt nicht allein von den Fähigkeiten des Schülers ab, sondern hauptsächlich von der Überzeugungskraft des Lehrers.
     So möge die Lehrtätigkeit inmitten breitester Schichten Anwendung finden. Möge der Lehrer selbst dafür Sorge tragen, daß sein Wert eine hohe Stufe einnimmt. Gedanken über die Großen Lehrer entwickeln sich leichter, wenn der Begriff der Lehrerschaft ganz klar erfaßt wird.
     Das Handeln des Lehrers muß frei von Eigennutz sein. Der Lehrer vermittelt das von ihm angesammelte Wissen, ohne es jedoch als sein eigenes auszugeben. Er sollte das Geschenk des Wissens aufnehmen, um es mit derselben Bereitschaft den folgenden Generationen zu übergeben. Die Arbeit des Lehrers muß nicht nur in materieller Hinsicht würdig entgolten werden,

[Russisches Original. Seite 442.]



sondern auch durch allgemeine Hochachtung. Die Lehrerschaft stellt eine der höchsten Rangstufen in einem Staate dar. Nicht der Lehrer, sondern das Lehren selbst eröffnet dem Volk höchste Kultur. So möge nicht persönlicher Vorteil, sondern der Dienst am Gemeinwohl zur Lehrtätigkeit führen.
     Solches Verständnis des Dienens tritt nicht unvermittelt ein, sondern es muß dazu erzogen werden. Möge sich daher schon jedes Schulkind als Lehrer im Verhältnis zu den Jüngeren empfinden. Mögen Unterrichtsstunden eingerichtet werden, von älteren Schülern geleitet, damit jeder sein Wissen vermitteln kann.
     Solches Dienen darf man nicht als langweilige Last ansehen, möge im Gegenteil sich jeder selbst zu freudigem Weitergeben erziehen, denn nur in solchem Geben wächst wahre Freude.
     Der Denker lehrte: "Jeder vermag seinem Nächsten zu dienen; jeder vermag zu teilen, selbst wenn er keinen einzigen Gegenstand besäße. Wie ruhmreich ist die Gabe, die nicht erschöpft werden kann!"

     478. Urusvati weiß, daß der Mensch nicht nur fähig sein sollte aufwärtszuschauen, sondern auch in seine eigenen Tiefen zu blicken. Das zweite ist nicht leichter als das erste. In der Tiefe des "Kelches" ruht eine alte Giftschlange, die durch jede falsche Bewegung geweckt werden kann: Sie vollbringt Böses, raubt Kräfte, überdeckt gute Absichten. Mit großer Anstrengung kann sich der Mensch von der alten Giftschlange befreien.
     In beharrlichem Bemühen ist er fähig, in sich eine Eigenschaft zu entwickeln, durch die er den Winkelzügen der Giftnatter widerstehen kann. Bei Herzensreinheit wird er das Maß spüren, nach dessen Überschreiten die Herrschaft der Giftschlange eintritt. Indem er diese Grenze spürt, schiebt der Mensch eine geplante Tat zunächst auf, und dann treten weitere Zeichen ein. Die Hauptsache ist, sich zweifelhafter Handlungen zu enthalten. Jene Grenze vermag der Mensch wahrzunehmen, ohne dabei die Giftnatter zu wecken. Es ist besser, in seinen Handlungen wählerisch zu sein, als später das Begangene zu bereuen.
     Wir haben von zweifelhaften Handlungen gesprochen. Man muß diese Definition sehr vorsichtig handhaben. Der nachlässige Mensch wird aufgrund seiner Faulheit die Mehrzahl von Taten als zweifelhaft ansehen. Er wird nicht der Stimme des Herzens lauschen,

[Russisches Original. Seite 443.]



sondern sich hinter Heuchelei verstecken, um sich nicht anstrengen zu müssen. Jeder kennt solche Heuchler, die große Worte führen, hinter denen sich jedoch Faulheit und Selbstsucht verbergen. Man kann sich die ganze Tiefe der Hinterlist, die in den Windungen der Giftschlange lebt, nicht vorstellen. Zu wahrer Arbeit taugen solche Heuchler nicht. Über sie wurde vor langem gesagt, daß es sich nicht lohnt, erhabene Worte zu ihnen zu sprechen, wenn die Wahrheit nicht im Herzen lebt.
     Ein altes Märchen erzählt von einer Giftschlange, die sich von menschlichem Blut ernährt - ein Symbol, das auf die erwachte Giftnatter hinweist, die sich wahrhaftig vom menschlichen Blut ernährt. Laßt uns nicht vergessen, daß alte Symbole eine wissenschaftliche Bedeutung haben. So vernichten blutsaugende Giftnattern ihre Opfer.
     Eine andere Erzählung spricht von einem versteinerten Drachen, der durch ein kleines Steinchen erwachte, das ein törichter Mensch auf ihn warf. Wahrlich, vom kleinsten Steinchen kann die Giftschlange erwachen.
     Der Denker sprach: "Schreitet vorsichtig voran, es kann sein, daß wir inmitten schlafender Schlangen gehen."

     479. Urusvati weiß, daß sogar die kleinste Handlung mit vielen umgebenden Bedingungen verknüpft ist. Dieselbe Grundlage gilt auch für große Taten. Die Menschen verstehen kaum, daß eine psychische Wirkung von vielen Bedingungen abhängt. Gewöhnlich wollen sie dies bei ärztlichen Einflüssen nicht anerkennen.
     Die Menschen vernachlässigen die Krankheiten. Nicht genug dessen umgeben sie die Kranken mit widerwärtigsten Einflüssen und fordern darauf unverzügliche Heilung. Doch für solche heilenden Einflußnahmen müssen entsprechende Bedingungen geschaffen werden. Das sogenannte Wunder kann unter widrigen Bedingungen nicht durchgeführt werden. Die Menschen sind bereit, den Arzt mit Drohungen und voller Mißtrauen herbeizurufen.
     Sie machen sich keine Vorstellung davon, daß sogar eine mächtige Energie verdorben und unterbunden werden kann. Nicht selten rufen sie den Arzt und flüstern hinter seinem Rücken das Wort des Mißtrauens. Mögen die Gelehrten erforschen, wieviel Prozent Heilungen bei Vertrauen zum Arzt erreicht werden und wieviele Verschlimmerungen bei mißtrauischer Einstellung die Folge sind.

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     Wir haben nicht nur einmal wiederholt, daß jede Tat von Wohlwollen begleitet werden muß. Selbst die gewohnte häusliche Arbeit wird wohlgestaltete Folgen tragen, wenn sie mit guten Gedanken ausgeführt wird. Viele gute Handlungen sind durch Gereiztheit und ungute Gedanken vernichtet worden.
     Der Denker bewegte die Schüler in besonderem Maße dazu, ihre guten Absichten nicht verderben zu lassen.

     480. Urusvati weiß, wie sehr Wir über jede vom Bösen verübte Entstellung bekümmert sind. Man wird sagen: Warum sich bekümmern, ist es nicht besser, die Ausbreitung des Bösen zu unterbinden? So sprechen die Unvernünftigen, die sich nicht vorstellen, wie vorsichtig man dem Bösen Einhalt gebieten muß. Nur der Arzt, der viele Krankheiten aufmerksam studiert hat, weiß, wie notwendig es ist, verschiedene Bedingungen in Betracht zu ziehen, nicht allein im Organismus selbst, sondern auch in dessen Umgebung.
     Man kann das Böse auch mit einigen Formen von Krebs vergleichen. Der Arzt versteht, daß der Krebs einiger Organe unheilbar ist. Der Arzt weiß auch, daß für eine Operation der allerbeste Moment ausgewählt und der Organismus auf solch eine Erschütterung vorbereitet werden muß. Genau das gleiche, doch in höherem Grade, wird im psychischen Kampf sichtbar. Die Menschen selbst machen sich nicht bewußt, daß in ihnen ein böses Ungeheuer entstanden ist, im Gegenteil versucht jeder Infizierte, sein Leiden zu verheimlichen.
     Kann man jedoch in das Wesen eines Menschen eindringen, wenn er sich auf jegliche Art solcher Hilfe widersetzt? Es ist richtig gesagt worden: "Untersucht jede Sache genau." Sind aber viele zu solcher Untersuchung bereit? Die Menschen lieben es nur nicht, über das nachzudenken, was in ihrem Inneren vorgeht, sondern begegnen feindselig jedem Versuch, ihr Denken auf ihr inneres Wesen zu lenken. Die Lehren sagen, daß zur Fortbewegung ein guter Wille notwendig ist. So ist auch die Zustimmung des Leidenden selbst nötig, um das Böse ausmerzen zu können.
     Uns entsteht über die Bildung eines bösen Ungeheuers deshalb Kummer, da Wir vorhersehen, welch komplizierte Schlacht bevorsteht. Es ist unmöglich, mit einem einzigen Schlage alle Köpfe der Hydra mit dem Schwert abzuschlagen. Es wurde gesagt, daß jeder ihrer Blutstropfen einen neuen Sprößling hervorbringt. Dies bedeutet, Maßnahmen solcher Art ergreifen zu müssen, daß das Ungeheuer des Hungertodes stirbt. Man muß seine Ernährung unterbinden, und es wird verschwinden, indem es sich in

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eine Prise Asche verwandelt. Solche Vernichtung erfordert jedoch Zeit und günstige Bedingungen. Die Menschen können zu solchen Bedingungen leicht beitragen.
     Der Denker sprach: "Alle sind wir Ärzte, jeder vermag irgendeine Heilung zu vollziehen."

     481. Urusvati weiß, daß das Weltengebäude einen Monolithen darstellt, der durch die uranfängliche Energie eine feste Einheit bildet. Ein Philosoph des Altertums stellte die Behauptung auf, daß die Himmelsfeste gesättigter sei als die irdische Feste. Man kann dieser Definition nicht völlig zustimmen, obwohl sie der Wahrheit nahekommt.
     Die Menschen sind selbst in einem gewöhnlichen Gespräch nicht in der Lage, die Welten gänzlich voneinander abzugrenzen. Wenn sie über die Feinstoffliche Welt sprechen, führen sie Beispiele aus der irdischen Welt an. Wenn sie jedoch die grobstoffliche Welt zu erhöhen suchen, stellen sie sie in einen Vergleich mit der Feinstofflichen Welt. Es ist wahrhaftig nicht möglich, eine Grenze zwischen den drei Welten zu ziehen. Diese Grundlage muß in der menschlichen Vorstellung gefestigt werden. Niemand vermag sich auf die grobstoffliche Welt zu begrenzen, sogar die Verneiner sind nicht in der Lage, Empfindungen aus sich zu verbannen, die nicht diesseitig sind.
     Viele Begriffe werden von den Menschen mit unrichtigem Inhalt ersonnen. Sie sprechen von einem Jenseits und durchtrennen damit den Monolithen der Einheit. Läßt sich aber etwas im eigentlichen Sinne Jenseitiges vorstellen? Auf diese Weise werden wir zu Charon zurückkehren, der auf das andere Ufer des Styx übersetzte. In einem Denken niederer Entwicklungsstufe ersannen die Menschen Symbole des Übergangs in eine andere Welt. Symbolische Darstellungen können jedoch schädlich sein, wenn sie sich durch ihren Farbenreichtum dem Bewußtsein so fest einprägen, daß sie nicht so leicht wieder entfernt werden können, um durch etwas ersetzt zu werden, das der Wahrheit näher kommt.
     Wie ihr es bereits bemerkt habt, vermeiden Wir Symbole, doch existieren ganze Schulen, die auf Symbolik gegründet sind. Man kann sich davon überzeugen, wie wenig Kraft alte Symbole noch besitzen, um der inzwischen erfolgten Entwicklung des Weltverständnisses noch zu entsprechen. Alles lebt, alles ist in Bewegung, und selbst die uranfängliche Energie offenbart früher nicht erkennbare Eigenschaften. Die Menschen sollten ihr Bewußtsein nicht mit verbrauchten Vorstellungen verbinden.
     Der Denker sprach: "Können wir etwa in den Vorstellungen unserer Großväter denken?"

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     482. Urusvati weiß, daß ein falsch verstandener Symbolismus der Vorstellung über Uns nicht wenig geschadet hat. Die symbolischen Strahlen, die Unsere Tätigkeit gleichsam begrenzten, haben inzwischen bereits die Idee der Einheit zerschlagen. Jeder hat seinen bevorzugten Arbeitsbereich, doch darf man keineswegs sagen, Er handele allein auf einem einzigen Strahl.
     Überdies sind selbst die Benennungen dieser Strahlen völlig willkürlich. Ihr wißt, auf welchem Wege diese Bezeichnungen entstanden sind. Ihr wißt auch, wie sie in die Literatur eindrangen und viele verwirrten. Es ist nicht möglich, solche Entstellungen zu unterbinden, doch werden sie sich mit der Zeit abnutzen und einer besseren Definition Platz machen.
     Die Strahlen existieren zwar, doch ist jeder ein Strahl psychischer Energie und kann daher in seinen Möglichkeiten nicht begrenzt werden. Anderenfalls könnte man zu einem Unsinn solcher Art gelangen, daß es zwar gestattet wäre, einen Menschen zu retten, ihn dabei aber nicht mit der rechten, sondern nur mit der linken Hand packen dürfte. Man kann sich bis zu solchen lügenhaften Erfindungen versteigen, daß sich statt einer Erweiterung der Möglichkeiten ihre Verringerung ergibt.
     Die Menschen sind mitunter um eines Zieles willen, das ihnen gut erscheint, dazu fähig, ihr Bewußtsein in ein undurchdringliches Labyrinth hinein zu treiben. Doch mögen diese Menschen, die alles zu zerteilen suchen, darüber nachdenken, ob sie damit Nutzen oder Schaden verursachen. Lügenhafte Erfindungen und Schmälerung der Möglichkeiten sind nicht nützlich. Höchst genau formulierte Lehren litten unter jeglicher Art von Auslegung, die die Wahrheit zerteilte. Wir wünschen, daß Unsere Arbeit in ihrer Ganzheit und Einheit verstanden wird. Allein dabei wird Zusammenarbeit vorstellbar, die doch im Fundament der Bruderschaft angelegt ist.
     Der Denker wies darauf hin, daß die Wahrheit nicht leichtfertig in Teile zerlegt werden dürfe. Er sprach: "Eine Idee zu zerlegen ist das gleiche, als würde man einen lebendigen Organismus zerlegen."

     483. Urusvati weiß, daß jede Wahrheitsverkündung ihre Feinde haben muß. Das Chaos kämpft mit dem Offenbarten. Über diesen Kampf darf man nicht traurig sein. Er ist nicht allein naturgegeben, sondern auch nützlich. Stellen wir uns eine Verkündigung ohne Feinde vor - sie wird dermaßen als unbedeutend erscheinen, daß sie niemanden zu überzeugen vermag. Die Feinde stellen Prüfsteine dar und bestimmen selbst durch ihre Wut

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die Bedeutung der Verkündigung.
     Gerade durch Feinde erwächst viel neue Energie. Ein bedeutender Regent sagte: "Heute bin ich sehr erstarkt, denn ein wütender Feind erschien bei mir." Man muß die Feinde als Stufen des Aufstiegs ansehen. Jedem von Uns erwuchsen solche Gedanken im Verlauf langer Leben.
     Wo aber ist die Beschreibung der Bruderschaft? Vor allem in der Beschreibung Unserer Erlebnisse. Wir teilen Unsere Sorgen und Arbeiten mit, um zu zeigen, daß Wir in der Arbeit die Kraft für den zukünftigen Aufbau schöpfen. Das Wesentliche liegt nicht in Zeremonien, sondern in der Arbeit. Es wäre entwürdigend, riefen Wir nicht auch zu der Arbeit auf, die doch Unser ganzes Dasein erfüllt. Das Leben der Bruderschaft ist überirdisches Leben, da es auf das Denken gegründet ist. Was könnte denn überirdischer sein als der Gedanke?
     Die Menschen könnten ihr grobstoffliches Leben überirdisch gestalten, sie bräuchten nur den Gedanken zur Grundlage ihrer Existenz zu machen. Die Lehre kann auch als Verkündigung des Gedankens bezeichnet werden. Groß ist der Festtag eines Menschen, der sich an das Denken gewöhnt hat. Und Uns ist es leicht, dort zu antworten, wo der Gedanke arbeitet. Man darf nicht meinen, die Antwort käme mit gewohntem Gesicht. Wie oft erfolgt die Antwort in der Entwicklung des Denkens selbst, ein Buch wird wie von selbst aufgeschlagen, und Saiten erklingen. Die Zeichen werden um so verschiedenartiger sein, je weiter das Feld des Denkens ist.
     Der Denker sprach: "Wo ist denn jene Finsternis, in die das Licht des Gedankens nicht eindringen könnte? Die Blumen des Denkens sind schöner als alle irdischen Blumen."

     484. Urusvati weiß, daß gewisse Länder über einen Niedergang der Geburtenrate beunruhigt sind. Hierbei ist besonders bezeichnend, daß die Lebensbedingungen in diesen Ländern sogar besser sind als in anderen, wo die Geburtenrate sich erhöht. Diese Erscheinung hat viele irdische Ursachen, doch die Menschen können ihre Aufmerksamkeit nicht auf das Hauptsächliche lenken. Niemand mag sich vorstellen, daß die Bewohner der Feinstofflichen Welt sich in gewissen Ländern gar nicht verkörpern wollen. Natürlich können verstärkte karmische Umstände herrschen, die dazu veranlassen, in einem bestimmten Volk aufzutreten, doch neben solchen Bedingungen kann auch der freie Wille wirksam sein.

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     Die Bewohner der Feinstofflichen Welt wissen nicht viel mehr als die Erdbewohner, doch in gewisser Hinsicht vermögen sie die Zukunft zu erkennen und deswegen sich auf die besten Bedingungen einzustellen. Kaum jemand wird eine schwelende Brandstätte betreten wollen. Wozu soll ein Mensch fremdes Karma mittragen, wenn er sich zu verstärkter Tätigkeit rüsten kann? Er kann in das Leben eines starken Volkes eintreten und so an großen Entscheidungen teilhaben. Er wird es spüren, wo anwachsende und wo absinkende Entwicklung sich vollzieht.
     Keine Aufgabe kann allein nach irdischen Erwägungen gelöst werden. Wenn die Menschen bereits über das Überirdische nachgedacht hätten, so hätten sie die Lösung schwierigster Probleme gefunden. Trotz großer wissenschaftlicher Errungenschaften sind die Menschen in der Erkenntnis überirdischer Aufgaben sehr zurückgeblieben. Es ist unmöglich, die Situation des Menschengeschlechts zu erörtern, während man in den irdischen Grenzen zurückbleibt. Man darf sich nicht Phantastereien hingeben, doch ist es an der Zeit, über die Vergangenheit und die Zukunft nachzudenken. Niemand hat eine ernsthafte Einstellung zum wichtigsten Umstand. Die Bewohner der Feinstofflichen Welt wollen keine überlebten Plätze betreten, und niemand kann sie veranlassen, sich ein überaus schlechtes Los zu erwählen, wenn das Karma sie nicht dazu zwingt. Es ist unvorstellbar, daß die Menschen nicht damit beginnen, alles Existierende zu beobachten. Sie könnten der künftigen Generation überaus notwendige Aufzeichnungen hinterlassen.
     Der Denker sprach: "Wir denken nicht für uns, sondern für die noch unsichtbaren Erben."

     485. Urusvati weiß, daß es den Menschen besonders schwerfällt, die Begriffe des freien Willens und der Führung miteinander zu vereinen. Die einen schreien von der Beseitigung des Führers, die anderen gegen den freien Willen. Doch das Leben selbst beweist, daß allein das Gleichgewicht einen Fortschritt zeitigt.
     Inmitten des gewöhnlichen Lebens läßt sich sehen, wie harmonisch beide Begriffe miteinander leben können. Der Lehrer setzt eine Aufgabe und fügt hinzu: "Wende dein Können an, um die bestmögliche Lösung zu erreichen." Diese einfache Erklärung beantwortet die Frage vollkommen, wie friedlich und erfolgreich die beiden Begriffe miteinander auskommen können. Die Führung entwickelt den freien Willen nur, und diesem wird

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im Laufe seiner Entwicklung die Zweckmäßigkeit der Führung bewußt. Dieser Frage muß sich jeder wiederholt zuwenden.
     Die Menschen haben sich gewissermaßen in zwei unversöhnliche Lager geteilt. Die leidenschaftlichen Verfechter des freien Willens bezeichnen die Anhänger eines Lehrers als rückschrittlich, und die einer Führung Folgenden heißen die Liebhaber des freien Willens Zerstörer. Solcherart ist der Streit, der die Menschen nur der besten Möglichkeiten beraubt. Man muß Umstände suchen, die es erlauben, die Extreme mit einem gemeinsamen Dach zu überspannen. Es ist leicht, sich das Leben in der Unbegrenztheit vorzustellen. Unter diesem Dach sind viele Begriffe miteinander vereinbar. Man wird Maßstäbe finden, die die Nichtigkeit eigenwilliger Teilungen zeigen.
     Ein echter Lehrer muß den freien Willen anspornen, und der einsichtsvolle Schüler möge, gerade in der Anspannung seines freien Willens, die Bedeutung des Lehrers schätzen. Ihr werdet bemerken, wie oft Wir zur vergleichenden Gegenüberstellung von Lehrertum und freiem Willen zurückkehren. Die Menschen bedürfen jedoch des Ausgleichs dieser untrennbaren Begriffe in besonderem Maße. Die möglichst beste Gestaltung der Zukunft hängt von einer Harmonie der Gegensätze ab. Wer aber diese rettende Grundbedingung nicht einsehen will, wird viel Leid auf sich nehmen müssen. Dem Lehrer ist es nicht möglich, den Eigensinn des Schülers umzuwandeln, wenn dieser keinen guten Willen zeigt. Denn der gute Wille ist auch ein freier Wille.
     Der Denker wies darauf hin, daß das Gute, die Freiheit und die Schönheit unter einem gemeinsamen Dach leben .

     486. Urusvati weiß, daß eine willkürliche Benennung die Richtung eines Gedanken stört und verzerrt. So habt ihr vom "elektrischen Baumeister" gelesen, den ein Gelehrter im Menschen gefunden haben will. Der Begriff des Baumeisters wurde in einigen philosophischen Schulen verwendet und hat dort seine Bedeutung, doch darf man in seinem Zusammenhang unmöglich von Elektrizität sprechen. Die Menschen haben sich eines einzigen Aspektes der uranfänglichen Energie bemächtigt und benutzen das betreffende Wort ohne jegliche Befangenheit als endgültige Definition.
     Wenn die Gelehrten nichts von der uranfänglichen Energie wissen, so könnten sie von einer bestimmten, besonderen Energie sprechen, doch darf die erhabene Grundlage nicht mit dem Wort Elektrizität eingegrenzt werden. Es ist ein unerträglicher Zustand, daß der Gelehrte seine Aufmerksamkeit nicht auf die besondere Eigenschaft

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der festgestellten Energie gerichtet hat. Allzu primitiv ist es, ihre Erscheinung auf elektrische Eigenschaften zurückzuführen. Die gemachte Beobachtung selbst ist lobenswert, doch die Bezeichnung wird zu neuen Irrtümern führen.
     Man kann sich vorstellen, weshalb ängstliche Forscher sich hinter gewohnten materialistischen Begriffen zu verbergen suchen. Sie möchten sich damit vor unwissenden Beschuldigungen schützen, ziehen gerade dadurch aber die Verurteilung künftiger Generationen auf sich. Mögen sie abwägen, was mehr Achtung gebietet - den Spott Unwissender über sich ergehen zu lassen oder sich den Verurteilungen künftiger Generationen auszusetzen.
     Vergessen wir nicht, daß sich ähnliche Vorgänge auf allen Lebensgebieten vollziehen. Die Menschen suchen vereinigende Begriffe herabzusetzen und sie gegen erdachte Definitionen auszutauschen, die keinerlei innere Bedeutung haben. Man muß diesen Prozeß aufmerksam verfolgen; ihm zugrunde liegt die Feigheit.
     Wird der Mensch etwa darin fortfahren, die Einheit des Weltalls in Splitter zu zerschlagen? Natürlich kann man einzelne Grashalme untersuchen, doch ohne zu vergessen, welch großem Organismus sie angehören. Man darf nicht Einzelerscheinungen studieren und dabei außer acht lassen, daß sie nur Glieder einer einzigen Kette sind. Wer der Synthese entbehrt, möge das Leben des Weltenalls gar nicht erst antasten.
     Der Denker lehrte über die Schönheit der Einheit, aus der Ströme von Energie fließen.

     487. Urusvati weiß, daß die Erziehung des Denkens ununterbrochen fortschreiten muß. Jeder vermag sich den entsetzlichen Zustand vorzustellen, wenn einem übelgesonnenen Menschen Gedankenkraft zufiele. Ethische Bildung muß daher dem Studium des Denkens vorangehen. Man darf sich keinesfalls auf äußere Verfahren zur Erkenntnis der Gedankenkraft beschränken, da anderenfalls böse Hexenmeister geschaffen werden.
     Vor langer Zeit trafen die Lehrer Vorsorge, daß ein böser Mensch zu Yogaübungen nicht zugelassen würde. Als sich später die Sitten vergröberten, traten Menschen auf, die sich einige äußere Methoden angeeignet hatten, ohne sich vorher um die Reinigung ihres Bewußtseins bemüht zu haben. Natürlich bedarf auch die Bewußtseinsreinigung einer Gedankenkonzentration, doch verläuft solches Denken innerlich und ohne äußeren Anstoß.

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     Die Menschen verstehen es nur wenig, daß man einen sauberen Gegenstand nicht mit schmutzigen Händen ergreifen darf. Man sollte meinen, daß solche Bedingung jedem einsehbar wäre, doch wird sie im Leben nur selten beachtet. Die Menschen überlegen gar nicht, ob ihre Hände schmutzig sind und können deshalb schädlichste Chemismen schaffen. Sie verstecken sich hinter laut tönenden Bezeichnungen, tragen jedoch in ihrem Inneren heimlich niedere Absichten. Wieviel Mißbrauch wird vollzogen! Es müssen äußerst besonnene Maßnahmen ergriffen werden, damit Machtmöglichkeiten nicht in die Hände von vorsätzlichen Verbrechern gelangen. Denkt darüber nach, wie sehr auch Unsere Arbeiten getrübt werden, wenn Menschen eindringen, die sich einige Yogamethoden mit schlechten Beweggründen angeeignet haben.
     Der Denker verfügte: "Laßt uns zuerst das Gute verstehen, um es danach erst auf gedanklichem Wege in die Welt zu senden."

     488. Urusvati weiß, daß besondere Vorgehensweisen erforderlich sind, wenn man Begriffe des Guten einführen will. Für viele Begriffe könnte man ganze Schulfächer einrichten, doch wenn Gespräche über das Gute angekündigt würden, so würden die Schüler versuchen, ihnen zu entgehen. Man muß das Gute unbemerkt lehren, indem man es in alle Themen einflicht.
     Es könnte gesagt werden, daß der Begriff des Guten überhaupt nicht existiere, so daß für die einen eben das Gute da sei und für die anderen das Böse. So sprechen aber jene, die oberflächlich urteilen und nicht in die Tiefe der Dinge zu dringen vermögen. Unzweifelhaft kann jeder seine Zeichen auf oberflächliche Weise setzen, er wird dabei aber nicht die Tiefe berühren. Im übrigen ist das Wesen des Guten unwandelbar. Das Herz wird jedoch aufzeigen, wo das Wesen des Guten liegt.
     Man kann sehen, daß sogar ein verbrecherischer Wille sich plötzlich verliert, wenn er unerwartet im Anblick des Guten steht. Die Menschen bezeichnen solche Wandlung als Wunder, doch liegt überhaupt kein Wunder darin, daß der Mensch die Saiten einer Vina streift und von ihrem Klang bezaubert ist. Jeder Mensch berührt unerwartet verschiedene Chemismen; die einen betäuben ihn, andere bringen eine Einsicht. So darf man nicht behaupten, dem Menschen sei etwas nicht erreichbar. Man kann sagen, daß er in einem gegebenen Moment bestimmtes Wissen nicht zu erfassen vermag, doch schon im folgenden Augenblick kann ein Chemismus des Guten zur Erkenntnis verhelfen.
     Feinfühlige Menschen wissen, wie schnell Chemismen wechseln. Chemische Wellen dauern keinen ganzen Tag an. Sogar innerhalb kurzer Intervalle

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lassen sich spürbare Wechsel wahrnehmen, nicht allein auf psychischer, sondern auch auf körperlicher Seite. So spürt der Mensch nicht selten rasche Wechsel von Hitze und Kälte. Er vermag einen Wechsel von Geruchswahrnehmungen zu bemerken, wie auch vorübergehende Schmerzen. Er kann eine Verzögerung oder eine Äußerung des Denkens wahrnehmen. Er kann auch Schwankungen seiner Wahrnehmungsfähigkeit feststellen. Chemische Wellen werden von vielen Erscheinungen der Freude und der Schwermut begleitet. Der Lehrer muß in der Lage sein, die Studierenden auf eine bewußte Wahrnehmung der vielen Erscheinungen im Laboratorium des Lebens vorzubereiten.
     Der Denker lehrte: "Wir müssen die beständige Gegenwart göttlicher Kräfte um uns herum wahrnehmen. Mitunter binden sie uns, verleihen nicht selten jedoch auch Flügel. Die Erhabenheit der Welt umgibt uns dicht mit herrlich schönen Hüllen."

     489. Urusvati weiß, welch unabhängige und tiefgründige Arbeit im menschlichen Bewußtsein vonstatten geht. Ich will dies anhand einer alten Parabel erklären. Es lebte ein hochgeachteter Lehrer, der nicht allein nützliche Wissenschaften lehrte, sondern auch auf jegliche Weise seinen Schülern half. Zu der Reihe seiner Vorzüge zählte auch äußerste Scharfsicht. Die Schüler waren davon überzeugt, daß der Lehrer ihnen immer zu Hilfe kommen werde, sogar ohne ihr Bitten.
     Eines Tages sagte der Lehrer zu dem vertrautesten Schüler: "Laß uns hören, was dein inneres Wesen spricht" und fügte darauf lächelnd hinzu: "Es spricht - Hilf!" Der Schüler geriet in Verlegenheit und begann zu versichern, er habe dem Lehrer niemals mit Bitten Verdruß bereiten wollen. Der Lehrer beruhigte ihn und erklärte: "Mein Freund, ich bin überzeugt, daß weder dein Herz noch dein Gehirn um Hilfe gebeten haben. Sie wissen, daß meine Hilfe rechtzeitig kommen wird, doch die Tiefe des Bewußtseins richtet die Stimme an den Lehrer in dem einen Ruf: Hilf!"
     "Sei von diesem Schrei des Bewußtseins nicht verunsichert, denn in ihm ist eine Verbindung eigener Art zur Hierarchie begriffen. Du hast doch nicht um Reichtum oder um Ehrung gebeten. Dein inneres Wesen sagt mit der Bitte um Hilfe: 'Lehre mich!' Du hast keine Bedingungen gestellt, sondern wolltest nur sagen: `Tue es, wie es am besten ist'. Du bist bereits überzeugt, daß alles zum Wohl bereitet wird. Auch wenn du einmal den Weg zum Wohl nicht sofort erkennst, so bist du dennoch überzeugt, daß die besten Maßnahmen ergriffen worden sind."

[Russisches Original. Seite 453.]



     "Du hast vom dreifältigen Denken gehört. Ihm entsprechen das Gehirn, das Herz und das Bewußtsein. Das Gehirn bringt die Vernunft zum Ausdruck, das Herz das Gefühl und das Bewußtsein die Weisheit. Das Bewußtsein ruft: `Hilf, lehre mich'. Auch mein Bewußtsein sagt genau dasselbe, und mein Führer spricht genau dieselben Worte; sie stellen keine Belastung dar. Die Hand streckt sich nach oben und weiß, daß auf der Stufe der Gefahr die helfende Hand entgegengestreckt werden wird. Es ist uns nicht gegeben zu beurteilen, welche Stufe die gefährlichste ist."
     Dies ist die Parabel, und der Denker kannte sie. Er fügte hinzu: "Es liegt eine besondere Schönheit darin, daß unser Bewußtsein ein Hort der Weisheit ist."

     490. Urusvati weiß von dem Fehler zeitgenössischer Philosophen, die den Menschen der Verbindung mit dem Universum berauben. Ihr Mensch erscheint zwar als denkendes Wesen, doch ohne Vergangenheit und Zukunft dastehend, und damit entbehrt er der Verbindung mit dem Weltall. Ein solches Denken ist nicht in der Lage, eine Zukunftsprognose zu stellen, weshalb die zeitgenössische Philosophie dem Leben so sehr entfremdet ist.
     Man darf sich den Menschen nicht so vorstellen, als befände er sich in einer Wüste, wo er den Weg nicht kennt. Der Mensch versteht, daß ihm ähnliche Wesen existieren, von denen er nicht weiß, woher sie kommen und wohin sie sich aufmachen. Ist es da etwa möglich, das Denken auf eine begrenzte Existenz hin auszurichten? Eine solche Vorstellung wird, allem voran, langweilig sein.
     Es ist notwendig, eine solche Lehre, die sich als schädlicher denn der begrenzte Materialismus erweist, zu überprüfen. Aus dem letzteren läßt sich noch ein Fortschritt ableiten, doch der aus dem Gesamtzusammenhang herausgelöste Mensch vermag nicht den Weg der Evolution zu gehen. Es ist nicht erstaunlich, daß viele zeitgenössische Philosophen abseits des Lebens stehen. Doch sollten die Denker sich gerade den Problemen des Daseins, in denen der Mensch einen entsprechenden Platz einnimmt, zuwenden. Es ist nicht nützlich, einem gesunden Organismus Teile abzuschneiden. Erfreulich jedoch ist jedes auf die Einheit des Weltalls gerichtete Denken. Man kann bedauern, daß die Gelehrten angewandter Wissenschaften keine Verbindung zu den Denkern zu knüpfen vermögen. Erneut sehen Wir tote Begrenzungen und die Fehler des Hasses.
     Man wird einwenden, daß es bei der gegenwärtigen Entwicklung der Wissenschaften unmöglich sei, in allen Bereichen des Wissens bewandert zu sein.

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Es spricht auch niemand von Allwissen, doch Verehrung des Wissens ist möglich. Auf diese Weise können die Menschen sich von Verneinung befreien. In jedem Gegenstand befindet sich etwas, das Beachtung verdient. Ein echter Denker vermag diesen Funken der Wahrheit zu erkennen. Der echte Denker wird sich auch allen Stufen des Fortschritts gegenüber gerecht verhalten.
     Gewöhnlich wenden die Menschen sich vor allem den Endphasen von Entdeckungen zu und verwerfen achtlos alle vorangegangenen Aufspeicherungen. In solchem Verhalten kommt größte Ungerechtigkeit zum Ausdruck. Unter den Vorbereitungsprozessen befinden sich unzweifelhaft viele noch nicht abgeschlossene Entdeckungen. Verfolgt man deren Denkwege, wird man größte Schätze finden können. Die Menschen ziehen es jedoch vor, sich allem Vorbereitenden gegenüber leichtfertig zu verhalten, wodurch viele bereits tastend erkundete Errungenschaften verlorengehen. Auch in solchen Fällen ist jene Wissensverehrung anzuwenden, von der Wir gesprochen haben.
     Meine Worte dürfen nicht allein auf mechanische Entdeckungen bezogen werden, sondern müssen ebenso auf die Geisteswissenschaften angewandt werden. Die Hauptsache besteht darin, das Denken von Vorurteilen, die sehr verschiedenfarbig sein können, zu befreien.
     Der Denker sprach: "Seht nur diesen wichtigtuerischen Freidenker, wie er rasch auf die andere Straßenseite geht, nur um nicht inmitten von Arbeitern gesehen zu werden. Gerade erst hat er eine Rede über die Liebe zum Volk gehalten."

     491. Urusvati weiß, daß ohne überirdisches Empfinden das Leben nicht umgestaltet werden kann. Ohne Vorstellungsvermögen kann keine Arbeit auf eine höhere Stufe geführt werden. Achtet auf das treffende Wort "Vorstellungskraft". Sie ist keine Phantasterei, noch ist sie verschlagene Ausflucht. Sie ist das Auffinden höherer Bilder, die Realisierung hoher Begriffe. Vorstellungskraft ist immer real und wahr. Es ist nicht darstellbar, wo diese Wahrheit wohnt, doch sie existiert.
     Glaubt nicht, daß echte Vorstellungskraft im Bösen möglich wäre; erforderlich ist gutes Bestreben. Jedes Böse schafft verzerrte Formen. Ein Kaleidoskop erfordert harmonische Bewegungen, und so bedarf die Schau höherer Bilder eines offenen Herzens. Jede Verdunkelung ruft verzerrte Vorstellungen hervor. Wiederum wird sichtbar,

[Russisches Original. Seite 455.]



wie sehr die physischen Gesetze mit psychischen Grundlagen verbunden sind.
     Selbst die höchsten Erkenntnisse können hier empfangen werden, und dies oftmals inmitten größter Not. Nicht selten sinnen Reiche darüber nach, wofür ihre Opferhilfe erleichternd wirken solle. Sie gehen davon aus, daß ein Opfer nur finanzieller Art sein könne, vergessen jedoch, daß ihnen ein herrlicher Auftrag anvertraut ist - Geld zu besitzen und dieses mit hohen Aufgaben zu verbinden. Dafür aber bedarf es des Vorstellungsvermögens. Gibt es viele, die danach streben, diese Eigenschaft in sich zu vervollkommnen?
     Der Denker lehrte: "Jedem Menschen ist es gegeben, in die göttlichen Prunkgemächer zu blicken, doch möge das Auge daran gewöhnt werden, den strahlenden Glanz des Himmels zu schauen und das gesamte Leben des Raumes zu erkennen. Wem der Himmel leer erscheint, der hat ein leeres Herz."

     492. Urusvati weiß, daß Ergebenheit nur von Wert ist, wenn sie in vollem Maße erwiesen wird, und zwar in solchem Maße, daß der Mensch sie nicht noch stärker zu bezeigen vermag. Dann wird ein mächtiger, wohltätiger Chemismus geschaffen, der über weite Entfernungen hinweg heilsame Wirkungen entfaltet. Jede Halbheit in der Hingabe jedoch muß in den Bereich der Hinterlist verwiesen werden.
     Der Mensch belügt sich selbst wie die anderen und schafft damit todbringende Gifte. Er müßte sagen: "Ich will mich hingeben, auch wenn es mir nicht von Vorteil ist." Doch um welche Mißgestalt von Ergebenheit wird es sich handeln, wenn die Menschen ausrufen: "Wir wollen uns hingeben, es wird uns großen Vorteil einbringen!" Niemand wird daran zweifeln, daß jede eigennützige Hingabe viele Bezeichnungen verdient.
     Unsere Bruderschaft ist auf gegenseitige Ergebenheit gegründet. Wir wissen, daß es keinerlei Umstände geben kann, die die Ergebenheit zu erschüttern vermögen. Man könnte sagen, daß sich solche Ergebenheit durch langwährende Zusammenarbeit einstellt. Richtig - doch in vielem arbeiten die Menschen zusammen, ohne daß Ergebenheit erstarken würde. So muß Hingabe von den kleinsten Anfängen an erprobt werden. Sie zeigt auf, wie behutsam man miteinander umgehen muß, ohne Komplikationen zu schaffen.
     Ergebenheit ist keine Knechtung. Sie ist das Lächeln gegenseitigen Verstehens und Mitgefühls. Denkt über dieses herrliche Wort nach. Es bringt auf einem Zusammenklang der Gefühle gegründete Harmonie

[Russisches Original. Seite 456.]



zum Ausdruck. Jeder Mensch träumt von Mitgefühl, doch fordert er dies oftmals nur für sich, wobei er vergißt, daß gerade dieser Begriff Gegenseitigkeit voraussetzt. In diesem Mißverständnis ist viel Unglück enthalten.
     Der Denker sprach: "Der Mensch fordert Mitgefühl, doch wo ist sein Beitrag? Er hält sich selbst für äußerst unglücklich; hat er jedoch das Unglück der anderen gemessen?"

     493. Urusvati weiß, daß die Menschen das Gefühl der Einsamkeit besonders fürchten, welches selbst keine Angst, sondern eine eigene bedrückende Empfindung darstellt. Dies ist für den Menschen, der weder von der Feinstofflichen Welt noch von der Fortdauer der Lebenskette weiß, völlig natürlich. Doch mitunter tritt genau dasselbe Gefühl auch bei denjenigen auf, die mit den Daseinsgrundlagen vertraut sind. Die Ursachen solch einer schwer zu überwindenden Empfindung sollen aufgezeigt werden.
     Es ist zu vermuten, daß unliebsame Wesenheiten Einfluß nehmen wollen, wie auch Vorahnungen einen solchen Zustand der Niedergeschlagenheit hervorzurufen vermögen. Doch außer solchen unzweifelhaft möglichen Ursachen können auch kosmische Einwirkungen auftreten. Der Chemismus schwerer Ströme vermag den Menschen einzuhüllen und gleichsam einen Zustand der Isolierung zu schaffen, in dem der Mensch Einsamkeit empfindet. Jedem aber ist ein Heilmittel gegeben. Er kann jede beliebige Einwirkung zerstreuen, indem er sich gedanklich an Freunde wendet. Der Mensch hat nicht nur auf der Erde Freunde, er kann auch aus der Feinstofflichen Welt treue Mitarbeitende herbeirufen.
     Überdies ist es möglich, daß er von Uns weiß, denn Hinwendung zu Uns wird nicht erfolglos bleiben. Er kann eine Antwort in zwar unerwarteter Form auslösen, doch der bedrückende Chemismus wird sich zerstreuen. Es stehen viele wissenschaftliche Entdeckungen bevor, doch wird die Erkenntnis der Daseinsgrundlagen nichtsdestoweniger die Grundbedingung dafür sein. So habt ihr bemerkt, daß die Gedankenübertragung auf Entfernung im wissenschaftlichen Bereich wenig vorankommt, weil die Anerkennung der Daseinsgrundlagen und überirdisches Fühlen dafür nicht ausreichend berücksichtigt sind.
     Der Denker bedauerte Menschen, die nicht nur das Leben, sondern auch den Gedanken verkürzen.

[Russisches Original. Seite 457.]



     494. Urusvati weiß, daß die Menschen zur Zeit einer Gefahr sogar äußerst rettende Ratschläge vergessen. Schon eingebildete Gefahr beraubt die Menschen zweckentsprechenden Denkens. Bei verschiedenen Völkern gibt es sehr lehrreiche Erzählungen, in denen ein Hausherr seine Nächsten lehrt, wie sie sich im Brandfalle zu verhalten hätten; wenn jedoch der Brandfall eintritt, handeln alle entgegengesetzt.
     In den Schulen Spartas gewöhnte man die Schüler an alle möglichen Gefahren, um dafür die Findigkeit zu entwickeln. Auch heute wäre es notwendig, so vorzugehen, da die Gefahren um ein Vielfaches zugenommen haben. Besonders befremdlich ist es jedoch, wenn Menschen Gefahren erfinden, die gar nicht existieren. Hierbei sind sie weniger um die weltweiten Gefahren bekümmert, sondern zittern vielmehr um ihr eigenes Dasein. Niemand kann es ihnen vermitteln, daß gerade die weltweiten Nöte ihren häuslichen Herd hinwegfegen werden. Und sie werden keineswegs zustimmen, daß die Gefahren für den Planeten weitaus größer sind als für ihr eigenes Haus.
     Selbst eine Erörterung der weltweiten Gefahren wird nicht gern gesehen, denn dafür sind irgendwelche diensthabenden Oberpriester da. Wenn jedoch die Epoche eintritt, in der allumfassende Zweckmäßigkeit verstanden wird, werden die Menschen die Ratschläge, wie den äußerst komplizierten Leiden zu begegnen ist, sammeln können. Auch wenn bereits in den Schulen auf mögliche Gefahren vorbereitet werden muß, so darf solches Wissen das Menschengeschlecht dennoch nicht der Lebensfreude berauben. Jedes vergangene Leben vermag davon zu erzählen, wie selbst in größter Gefahr Freude zu leben beginnt.
     Der Denker wußte, daß Freude in allen Gefahren geboren wird.

     495. Urusvati weiß, daß die Verausgabung psychischer Energie und ihre Erschütterung vom Wesen her verschieden, von ihren Merkmalen her jedoch ähnlich sind. Die Menschen verstehen nicht, daß die Entzündung der Schleimhäute mit einer Verausgabung psychischer Energie verbunden ist. Solch eine verstärkte Abgabe erfolgt auch bei einer Steigerung der Denktätigkeit.
     Drüsen und Körpergewebe werden in überaus individueller Weise in Mitleidenschaft gezogen. Auch Energiesendungen auf Entfernung rufen eine Anspannung der Drüsen hervor, besonders dann, wenn die kosmischen Ströme ungünstig sind. Eine Erschütterung der psychischen Energie jedoch kann auch ohne Anspannung der Denkenergie vonstatten gehen. Ethische Erschütterungen,

[Russisches Original. Seite 458.]



Kummer, sowohl unerwartete Niederlagen als auch Erfolge können den Energiefluß unterbrechen.
     Wenn die Weltereignisse schrecklich sind, können ganze Epidemien auftreten, die man jedoch unterschiedlich bezeichnen wird. Man wird die Epidemien auf Herzerkrankungen, Erkältungen oder Magenkrankheiten zurückführen wollen, ohne die wahre Ursache beim Namen zu nennen. Man wird eine Zunahme von Nervenerkrankungen feststellen, doch zieht letztlich jede Krankheit das Nervensystem in Mitleidenschaft. Die Therapie sollte sowohl auf körperlicher wie auf geistiger Ebene erfolgen. Notwendig ist eine beständige Zuwendung zu erhabenen Werken. Man muß sich in ruhiger Weise den Denkspruch Salomons wiederholen: "Auch das wird vergehen." Wenn die Selbstsuggestion unzureichend stark ist, so kann eine Suggestion von außen her durchgeführt werden.
     Nützliche Medikamente kennt ihr bereits: Nux vomica, Arsenicum album, Ferrum metallicum und, natürlich, der alte Freund Baldrian. Bei Kräfteverfall - Moschus. Warme Bäder sind immer nützlich. Das übrige hängt von der lokalen Erkrankung ab. So kann man in den verschiedenen Phasen psychischer Anspannung helfend eingreifen.
     Die Menschen sollten nicht annehmen, solche Epidemie verdiene keine Aufmerksamkeit. Im Gegenteil, alle die Nervenzentren betreffenden Erscheinungen können sich schnell ausbreiten. Unkenntnis der Ursachen wird immer zu schlechten Folgen führen. Wenn man dann auch noch alle möglichen Selbstvergiftungen hinzunimmt, so ergibt sich ein trauriges Bild.
     Man wird sagen: "Ihr jagt uns schon wieder Schrecken ein!" Doch dann ist jeder ärztliche Rat eine Einschüchterung. Wenn Wir eine Gefahr heraufziehen sehen, so müssen Wir auch davor warnen.
     Jemand wird über die Zuwendung zu erhabenen Werken spotten. Für ihn ist die Musik wie sämtliche Kunst nur Müßiggang. Er kennt das Wort "Ekstase" nicht und hält es für ein schädliches Vorurteil.
     Der Denker kannte solche Spötter. Er sprach: "Der Staat muß unverbesserliche Unwissende vertreiben. Mögen sie sich irgendeine Insel suchen. Das Meer allerdings wird einen solchen Hort der Dummheit verschlingen. Die Gesetze der Natur kann man nur bis zu einem bestimmten Grade stören . "

     496. Urusvati weiß, daß jeder, der falsch handelt, sich vor allem

[Russisches Original. Seite 459.]



damit rechtfertigt, man habe ihn nicht verstanden. Je mehr ihr die menschlichen Beweggründe kennen werdet, um so mehr wird man euch des Unverständnisses beschuldigen. Es läßt sich bemerken, wie sehr die Menschen ihre eigene Schuld auf andere zu übertragen suchen. Wir wollen jedoch nicht alle Arten menschlicher Verstellung aufzählen, da sonst kein Buch, sondern eine ganze Bibliothek entstünde.
     Es ist verwunderlich, daß die Menschen erst dann nach Hilfe suchen, wenn bereits keine Rettung mehr möglich ist. Man könnte vielleicht meinen, sie handelten so aus Schüchternheit oder Zaghaftigkeit, doch hat dies leider einen anderen Grund. Die Menschen denken gar nicht erst über jenen Mittelpunkt nach, von dem Hilfe kommen kann, geschweige, daß sie sich ihm anvertrauen. Erst wenn die Not sie an der Kehle packt, sind sie bereit, sich der vergessenen Türme zu erinnern. Nicht nur Ungebildete handeln derart unüberlegt, sondern sogar sehr belesene Menschen verfahren mit erhabenen Dingen in unwürdiger Weise.
     Die menschliche Psyche wird unverständlich, wenn die Menschen nicht mehr zu unterscheiden vermögen, wo das Nützliche und wo das Schädliche sich befindet. Sie sind mitunter in einem solchen Maße von ungeordneten Wünschen jeglicher Art erfüllt, daß sie ihr Tun nicht mehr von ihren Wünschen unterscheiden können.
     Der Denker wies die Schüler immer wieder an, die Truhe ihrer Wünsche in Ordnung zu halten.

     497. Urusvati weiß, daß die führende innere Stimme sich nicht immer in wörtlichen Formeln äußert. Oftmals verbleibt sie im Bereich des Impulses. Auf diese Weise erweist sich das führende Prinzip gleichsam als eine Stimmgabel, die einen Akkord hervorruft. Besonders Bemerkenswert ist jedoch, daß solche Zusammenklänge in den verschiedensten Bereichen in Erscheinung treten. Die Stimmgabel ruft auf und begeistert, doch örtliche Bedingungen und vorausgegangene Überlegungen schaffen die Formel der Tat.
     Der Mensch ist es nicht gewohnt, der tief verborgenen Stimme zu lauschen. Er nennt sie Stimme der Stille und hält sie in der Tiefe des Bewußtseins zurück. Kann er jedoch so all die Vorzüge eines solchen Impulsgebers nutzen?
     Ein kleiner Junge war traurig, daß er sein Spiegelbild im Brunnen nicht sehen konnte, da sein Bruder Steine hineinwarf. Davon vermögen viele zu erzählen, weil ihre Nächsten

[Russisches Original. Seite 460.]



beständig ihr Bewußtsein verdunkeln. In der Tat ist für alle Beobachtungen und Schlußfolgerungen Ruhe des Bewußtseins erforderlich, da anderenfalls deren Gestalt verzerrt wird. Solche Ruhe ist jedoch keine Entsagung von Tätigkeit. Man kann im Gegenteil an allen besten Lebensbereichen teilhaben, wobei gleichzeitig die Oberfläche des Bewußtseins dennoch ruhig bleibt. So geschieht es, wenn der Mensch seinen zukünftigen Weg kennt.
     Der Denker sprach: "Stellen wir uns ein Mühlrad vor. Es empfängt die Wasserkraft von oben und arbeitet für die Herstellung menschlicher Nahrung. Es weiß nicht, wer sich mit dieser Nahrung sättigen wird. Es weiß nicht, wer das Korn zum Mahlen brachte. Es weiß nichts von all den Bestandteilen des Wassers, doch um es herum fließt viel Energie. Die Lehre darf die Augen nicht vor der Unermüdlichkeit der Arbeit verschließen, denn die segensreiche Welle fließt unaufhörlich."

     498. Urusvati weiß, daß die Menschen zu allem Verbotenen besonders streben. Eine Erzählung spricht von einem gewissen Regenten, der im Leben eine nützliche Aufklärung bringende Maßnahme durchzuführen gedachte und dem überall Widerstand begegnete. Eines Tages wandte er sich an einen weisen Ratgeber, der ihn daraufhin fragte: "Hast du deinen Vorschlag mit allen möglichen Maßnahmen bekräftigt?" Nachdem er eine bestätigende Antwort erhalten hatte, sprach der Ratgeber: "Dann ist es notwendig, ein Gesetz zu erlassen, das gerade deine Maßnahmen verbietet. Du wirst sehen, wie die Menschen zu dem Verbotenen streben, und wenn das Gesetz ein strenges ist, wird der Wunsch, es zu übertreten, um so stärker in Erscheinung treten."
     Glaubt nicht, daß dieses alte Gleichnis heute keine Bedeutung hätte. Es läßt sich aufzeigen, daß ganze Bewegungen erstarkten und sich reinigten, allein dank Verboten. Auf der ganzen Welt kann man sehen, daß eine Tactica adversa eigener Art sich als bester Weg erweist. Es ist erstaunlich, weshalb die Menschheit ein verworrenes Labyrinth durchschreiten muß, wenn es doch einfachere Wege gibt. Die Spirale der Evolution jedoch ist kompliziert. Sie erfordert sogar zeitweiligen Niedergang, um dann eine um so höher führende Wendung zu nehmen.
     Uns sind diese irdischen Eigenheiten bekannt, und Wir erachten sie als unausweichlich. So müssen auch überirdische Gedanken eine Zeitlang komplizierte menschliche Wege gehen. Man muß

[Russisches Original. Seite 461.]



viel Geduld besitzen, um zu beobachten, wie die Wanderer dahinziehen, anstatt den kürzesten Weg zu nehmen. Dabei ist es notwendig zu wissen, daß man unmöglich in der Mitte des Stromes ein Hindernis aufstellen kann. Man darf nur leicht berühren, doch so behutsam, daß der Gehende es nicht bemerkt, damit er nicht aufschrickt und stolpert. Auch die wohlwollendste Berührung muß in voller Behutsamkeit erfolgen. Dies muß man im irdischen Leben inmitten der täglichen Arbeit lernen.
     Der Denker sprach: "Wir müssen es erfühlen, wo wir Hilfe bezeigen können. Je unmerklicher dies geschieht, desto vollkommener wird die Hilfe sein."

     499. Urusvati weiß von der hohen Bedeutung der Tatbereitschaft. Wir haben von Hingabe, von Zweckmäßigkeit und Aufnahmevermögen gesprochen, doch für all diese Bekundungen ist wahre Bereitschaft erforderlich. Man muß diese Eigenschaft im Gedächtnis behalten, da sie schwer erreichbar ist.
     Die Menschen bilden sich ein, zur Tat bereit zu sein, erweisen sich jedoch in der letzten Stunde als von unterschiedlichsten Zweifeln und Selbstmitleid heftig ergriffen. Indessen erfordert gerade Bereitschaft ein Anwachsen der Energie. Ein im Lauf zum Sprung ansetzender Mensch verfällt nicht der Kraftlosigkeit, sondern sammelt, während er Anlauf nimmt, allergrößte Energie. Dieses Beispiel laßt uns auf jede Tat beziehen.
     Mögen die Menschen anhand historischer Beispiele lernen, wieviel strahlendster Taten durch Zweifel, die in der letzten Stunde auftraten, zunichte wurden. Laßt uns nicht vergessen, daß die niederen Kräfte des Menschen jegliche Tätigkeit hassen, und um so mehr wird jede nützliche Tat den Schlägen der Finsternis ausgesetzt sein. Die Finsteren wählen dafür den letzten Moment aus, um eine furchtlose Entschlossenheit zu unterbinden.
     Der Lehrer muß mit Nachdruck darauf hinweisen, daß die Tapferkeit sich in Harmonie mit Bereitschaft entwickeln muß. Kann man sich eine leblose Tapferkeit vorstellen, der es an Bereitschaft mangelt und die dafür fortwährend Rechtfertigungen mit nichtigsten Alltagsumständen sucht?
     So behaltet es im Gedächtnis, daß die besten Kräfte mit euch sein werden, wenn ihr Bereitschaft in vollem Maße bekundet.
     Der Denker sprach: "Laßt uns Tag und Nacht bereit sein, dann schwindet auch die Finsternis."

[Russisches Original. Seite 462.]



     500. Urusvati weiß, was unstillbarer Tatendurst bedeutet. Dieses Bestreben kann unmöglich durch künstliche Maßnahmen vermittelt werden. Es muß sich in der Tiefe des Bewußtseins als Folge vieler Leben bilden. Errungenschaften solcher Art müssen besonders gehütet werden. Das erwähnte Tun ist nicht allein dem Tätigen selbst nützlich, sondern schafft eine Atmosphäre, die auch andere zu gesunder Arbeit erweckt.
     In Hochachtung der Arbeit sind erhabene Hymnen und Traktate verfaßt worden. Das alles ist richtig und geschieht für das Wohl. Stellt euch einen Arbeiter vor, der auf Lebenszeit an eine feststehende Maschine gekettet ist. Es wird ihm nicht besser ergehen als den Rudersklaven im Altertum, die man an die Ruder ankettete oder den Sklaven, die man an Rädern befestigte. Heute sind konkrete Ketten verpönt, doch an ihrer Stelle hat man viel fester anbindende Ketten erfunden.
     Die Hymnen der Arbeit, an ein und derselben, täglich zu bedienenden Maschine angestimmt, könnten anders klingen. Viele solcher Arbeiter sind selbst ihrer Beweglichkeit beraubt. In solcher Eintönigkeit verläuft auch die Erholungszeit, wenn sie nicht gerade in dem Grauen der Trunksucht zum Ausdruck kommt. Es ist leicht gesagt, daß die Menschen sich nicht betäuben sollen. Man muß ihnen jedoch höherführende Wege aufzeigen. Sie werden sich die Tatsache der Fortdauer der Lebenskette aneignen und die überirdischen Chemismen erkennen. Sie werden von der Gedankenkraft erfahren und von den besten Vorstellungen. Doch müssen sie noch etwas erhalten, was sie nämlich lehrt, die Qualität der Arbeit zu erhöhen: Das Handwerk muß jedem Menschen gegeben werden. In der Handarbeit erkennt der Mensch die ewige Vervollkommnung.
     In jeder sozialen Stellung vermag der Mensch irgendeine handwerkliche Tätigkeit auszuüben. Durch das Handwerk bewahrt der Mensch sich die Jugendlichkeit des Denkens. Es verwandelt das Haus in einen Herd der Schönheit. Wieviel Selbständigkeit und Selbstsicherheit schafft zwanglos ausgeübtes Handwerk! Die Menschen lieben Beispiele; im Verlauf mehrerer Jahrhunderte kann man sich von der Entwicklung frei ausgeübten Handwerks überzeugen. Bei handwerklichem Tun werden auch die Hymnen der Arbeit klangvoller ertönen, und viele nützliche Verbesserungen werden entstehen.
     Wir haben davon gesprochen, daß der Rhythmus bei der Arbeit einen Yoga eigener Art darstellt. Bei jeder Yogaform ist Bestrebung und Begeisterung notwendig. Und diese Blumen wachsen im Garten des Handwerks. Indem er das Handwerk liebgewinnt, lernt der Mensch auch jede andere Arbeit lieben, und desto näher wird er auch Uns sein.
     Der Denker lehrte, daß jene Arbeit zur Vervollkommnung führe, die Schönheit in sich trage.

[Russisches Original. Seite 463.]



     501. Urusvati weiß, wie oft die Menschen sich beklagen, daß Vervollkommnung jegliche Art von Unglück über sie niedergehen ließe - ein ungeheurer Irrtum. Man kann überzeugt sein, daß ein Mensch, der sich tatsächlich vervollkommnet, niemals einen solchen Unsinn sagen wird. Er weiß, daß bei einer Verfeinerung des Fühlens auch viel mehr wahrgenommen wird. Überdies wird er sich nicht wundern, daß es ihm anvertraut ist, an der Schlacht um das Wohl der Welt teilzunehmen.
     Kann diese Schlacht etwa als ein Unglück bezeichnet werden? Nur ein Feigling kann meinen, leichenhafte Verwesung sei besser als lebenschaffende Bewegung. Oftmals aber kann man Vertreter der Furcht begegnen, die ein leichenhaftes Dahinsiechen vorziehen. Sie sammeln Beispiele aus dem Leben von Helden, die ihrer Auslegung nach ein einfaches Leben führten, ohne sich in Weisheit fördernder Aktion zu offenbaren. Doch sie vergessen, daß das Denken solcher Einsiedler mitunter kosmische Macht besaß.
     Wer denn vermag die Kraft des Gedankens zu ermessen? Wer denn vermag nachzuprüfen, ob die diesen Denkern zugeschriebene Kraftlosigkeit ihrer Worte den Tatsachen entspricht? Über den Verlauf von Jahrhunderten haben Menschen die von anderen Menschen geprägten Worte völlig entstellt. Was soll man da erst von Jahrtausenden sagen? Dabei ist es schwer festzustellen, wer mehr entstellt hat - Freunde oder Feinde. Nicht selten haben sogenannte Freunde aus persönlichen Beweggründen den grundlegenden Sinn verzerrt. Und vergessen wir nicht, daß auch die Abschreiber ihren Beitrag geleistet haben. Ihr wißt selbst, wie groß die Zahl der Druckfehler ist! Und so war es in allen Jahrhunderten.
     Der Denker sprach: "Ich möchte wissen, in welcher Weise Meine Niederschriften weiterleben werden."

     502. Urusvati weiß, daß der Begriff des Annehmens klar festgelegt werden muß. Viele meinen, Annehmen sei das Übernehmen entgegengesetzter Argumente. Indessen bedeutet Annehmen das Verstehen innerer Beweggründe. In mitfühlender Weise kann man dann die Beweggründe verstehen, die einen Gesprächspartner lenken, doch wäre es falsch, wenn man dadurch gleich von seinen eigenen, lange durchdachten Überzeugungen abwiche.
     Annehmen besitzt Ähnlichkeit mit Mitleid. Es läßt sich beobachten, daß Widerspenstige in Irrtümer verfallen und gegen ihren eigenen Nutzen handeln. Wie behutsam jedoch muß man sie daher zu überzeugen versuchen! Überdies muß man sich des alten Sprichwortes erinnern: "Über Geschmack soll man nicht streiten."

[Russisches Original. Seite 464.]



Man kann die karmischen Ursachen solcher Wunschbilder erkennen. Man kann die Spuren des Atavismus sehen, doch es ist unmöglich, die Aufspeicherungen von Neigungen schnell auszumerzen.
     Denkt nicht, daß Wir hier nur auf klar hervortretende Gewohnheiten, welche die Menschen beherrschen, hinwiesen. Im vorliegenden Fall spreche Ich von den Wunschbildern, die bei weitem tiefer liegen als Gewohnheiten. Ebenso schwer ist es, Wunschvorstellungen eines Menschen in Abrede zu stellen, die ihn von ihn Umgebenden unterscheiden, jedoch in sich nichts Abstoßendes enthalten. Man könnte hier Disharmonien erkennen, doch nicht jedes Ohr ist fähig, diese wahrzunehmen.
     Der Denker lehrte: "Lernt es, das Herz so sehr zu erweitern, daß es fremden Schmerz wahrzunehmen vermag. Dann werdet ihr auch das tröstende Wort finden."

     503. Urusvati weiß, daß Wohnungen, der psychischen Energie beraubt, rasch verfallen. Wir haben bereits darüber gesprochen, wie verschieden Maschinen in Abhängigkeit der sie benutzenden Hände arbeiten. Hier läßt sich auf ein überaus leicht durchzuführendes Experiment hinweisen. Stellt euch drei gleich gebaute Häuser vor. In der Folge bleibt das eine leer stehen, das zweite wird von disharmonischen Menschen eingenommen, und das dritte dient einer harmonischen Familie als Wohnung. Es wird aufschlußreich sein zu beobachten, wie verschieden das Baumaterial auf die unterschiedlichen Bedingungen reagiert. So läßt sich auch bei Staaten beobachten, wie unterschiedlich die Energien der Regierenden wirken. Man darf dies nicht allein auf Experimente mit Produkten beziehen. Der Erfolg eines ganzen Staates hängt von der Qualität der psychischen Energie seines Führers ab.
     Es sind weniger Bildung und Erfahrung als vielmehr aufgespeicherte Energie, die schwerste Umstände überwinden kann. Oftmals sind die Menschen erstaunt, wie jemand erfolgreich regieren kann, ohne in Übereinstimmung mit den herrschenden Bräuchen zu handeln. Man möge nur einen Arzt fragen, ob die psychische Energie dieser Person nicht eine besondere Qualität in sich trage. Der Arzt muß natürlich eine Vorstellung von der psychischen Energie besitzen, um auf ihre Besonderheit hinweisen zu können.
     Für Experimente mit psychischer Energie sind keinerlei ungewöhnliche Bedingungen erforderlich. Die uranfängliche Energie ist überall gegenwärtig, und sie sollte in allen Lebenserscheinungen beobachtet werden. Es läßt sich sagen: Je einfacher die Umstände ihrer Beobachtung sind,

[Russisches Original. Seite 465.]



desto wertvoller wird das Experiment sein. Nützlich ist es jedoch, eine besondere Eigenschaft dieser Energie zu begreifen. Ihr wißt bereits, daß eine Verausgabung der psychischen Energie sich auf die Drüsen auswirkt. Wir beobachten eine sehr scharf ausgeprägte Reaktion der Drüsen, wenn die Energie verschiedenen Völkern, in verschiedene Länder gesandt wird. Solche Erscheinung wird durch die Unterschiede der Psychologie der Völker erklärt. Die Energie wird nicht überall in harmonischer Weise aufgenommen, und es erfolgen sogar Rücksendungen. Gerade diese aber begünstigen eine Entzündung der Drüsen.
     Lernt es zu verstehen, daß sogar Menschen, die nicht einmal feindlich gestimmt sind, ein so eigentümliches Bewußtsein haben können, daß es eine Energiesendung gar nicht aufnehmen kann. Wir erachten die Energiesendungen daher als ein großes Opfer. Doch die Menschheit wird es nicht so bald verstehen, von welcher Art Opfer Wir sprechen.
     Der Denker lehrte: "Denkt nicht, euer Gedanke wäre überall ein erwünschter Gast. Auch euer bester Gedanke wird euch viel Kummer einbringen können. Gleich einem Bettler wird er auf den Türschwellen verharren müssen, Verletzungen erfahren und bei seiner Rückkehr euer Herz verwunden. Seid darüber nicht betrübt, denn das ist unausweichlich.

     504. Urusvati weiß, daß die Erscheinung der Hierarchie sogar Geringes in Kostbares verwandeln kann. Man sollte meinen, daß solcher Hinweis vor allem geistige Kostbarkeiten im Blick hat, doch die Menschen streben derart zu materiellen Gütern, daß sie auch in einem solchen geistigen Hinweis noch etwas Physisches suchen.
     Überhaupt wäre es sehr aufschlußreich zu sehen, ob viele Anhänger der Hierarchie verblieben, wenn Wir sagten, daß die Hierarchie sich nur um geistige Kostbarkeiten kümmere. Man kann beobachten, wie die Menschen bestrebt sind, jede Andeutung zu erkennen, die, ihrer Meinung nach, irdisches Wohlergehen berührt. Laßt uns diese Menschen nicht allzu sehr anklagen, da die Mehrheit von ihnen Not erleidet. Doch begegnen einem auch sehr wohlhabende Menschen, die zur Hierarchie streben, um ihre irdischen Güter zu vermehren. Sie können nicht verstehen, daß, auch wenn irdische Güter auf dem Pfad empfangen werden, dies doch nicht geschieht, wenn man nach ihnen strebt.
     Lenkt eure Aufmerksamkeit auf jene Menschen, die sich um irdischer Güter willen nähern. Sie sind

[Russisches Original. Seite 466.]



das beste Beispiel dafür, wie sehr eine geistige Lehre entstellt werden kann. Indessen vermag bereits der geringste Kontakt mit der Hierarchie viele Lebensprobleme zu lösen. Doch höhere Erkenntnis darf nicht für ein Linsengericht verkauft werden.
     Oftmals waren Wir darüber bekümmert, daß dem Streben die Suche nach irdischen Gütern zugrunde lag; gerade dadurch gehen sie verloren. Allein in klarer Erkenntnis von Opferbereitschaft kann man den Schatz der Welt finden. Solche Beispiele sind notwendig, da die Menschen oft dem Einfachsten aus dem Wege gehen.
     Der Denker bat Seine Schüler, wenn auch nur für einige Tage, einmal nicht an irdische Güter zu denken. So könnte sich klares Denken einstellen.

     505. Urusvati weiß, daß Wir irdische Erfolge mitunter betrauern. Über sogenannte irdische Not kann man sich dagegen freuen. Irdischer Erfolg oder Mißerfolg erlangen aus überirdischer Sicht eine völlig andere Bedeutung. In der Feinstofflichen Welt vergißt man irdisches Unglück, doch klar erinnert man sich der Folgen solcher Erschütterungen.
     Ein verfeinerter Geist wünscht sich auf der Erde Kämpfe und Fortschritte. Für ihn sind jegliche Erschütterungen und Schmerzen nur Impulse für Errungenschaften. Die verfeinerte Natur sucht kein Wohlergehen, da sie zur Vervollkommnung strebt.
     Es ist falsch zu meinen, daß Leiden auf der Erde als unerläßliche Pflicht auferlegt wären. Die Vervollkommnung ist auferlegte Pflicht, doch disharmonische Bedingungen können verschiedene Schmerzen verursachen. Wie aus einer zu engen Grotte kämpft sich der Mensch zum fernen Licht durch. Wieviele Schrammen und Wunden zieht er sich an scharfen Felsvorsprüngen zu. Welche Aufstiege an glitschiger Felswand stehen bevor, wo er sich an nichts klammern können wird, wenn in ihm keine Vorstellung von der Hierarchie lebt. Wo Gefahr entsteht, eilen Wir zu Hilfe. Nicht selten tritt sie gerade bei irdischen Erfolgen auf.
     Der Bewertung von Erfolg und Mißerfolg liegt ein Maßstab eigener Art zugrunde. Die irdische Umgebung steht allzu nah vor Augen und hindert so, die Folgen klar zu erkennen. Ohne überirdische Betrachtung ist es unmöglich, über das irdische Gleichgewicht zu urteilen. Ihr wißt, wie vielfältig Unsere Hilfe zu sein pflegt. Manchmal halten die Menschen sie für ein Unglück, weil sie die Folgen noch nicht verstehen können. So ist es auch

[Russisches Original. Seite 467.]



jetzt, da viele die Ereignisse nicht zu fassen vermögen. Doch um das Kostbarste zu retten, muß man auf gewisse Ursachen verzichten.
     Später wird man nicht mehr wissen, aus welchem Anlaß diese Worte gesprochen wurden, und man wird sogar den Begriff des Harmagedons wieder vergessen. Doch ihr wißt, in welch angespannter Stunde Wir sprechen. Allein der überirdische Maßstab vermag das Gleichgewicht zu geben.
     Als der Denker sah, daß die Mitbürger sich zum Kriege rüsteten, sprach Er: "Freunde, denkt nur an die Heimat!"

     506. Urusvati weiß, daß die Menschheit auf wissenschaftlicher Grundlage erfolgreich sein wird, doch muß gerade dieses Axiom auch verstanden werden. Die Gelehrten haben das Recht, sich für Kulturträger zu halten, doch werden wir viele Arten von Gelehrten unterscheiden, unter denen sich nur wenige finden werden, die die Bedeutung des zukünftigen Wissens anerkennen.
     Wir wollen die Wissenschaft nicht in eine materialistische und eine idealistische, in eine irdische und eine überirdische einteilen. Möge nur die hauptsächliche Grundlage des Fortschritts offenbart werden - die psychische Energie muß auf den verschiedensten Lebensgebieten Anwendung finden. Erkenntnis wird nicht vorwärts gerichtet sein, wenn sie nicht von der uranfänglichen Kraft beflügelt ist. So kann man fleißige Gelehrte sehen, die bedeutsames Material sammeln, ohne es jedoch zu einer herrlichen Entdeckung zusammenfassen zu können. Auf der anderen Seite lassen sich Gelehrte finden, die sogar mit geringen Mitteln Erfolg haben und zu nützlichen Neuerungen gelangen. Sie sind fähig, die psychische Energie anzuwenden, vielleicht bewußt, und wenn unbewußt, dann ohne ihr zu widerstreben.
     Stellt eine Liste hervorragender Gelehrter zusammen, die bereits Arbeiten über die feinstofflichen Energien durchführen. Ihr werdet sehen, daß sich in verschiedenen Ländern eine Bewegung vollzieht, die jedoch noch ohne Einigkeit ist. Die Gelehrten nähern sich einem Verständnis der psychischen Energie jeweils auf ihre Weise. Man kann sehr erstaunt sein, in welchem Maße sie der einen Energie verschiedene Bezeichnungen zu geben versuchen, gerade so, als ob irgendeine Kraft sie zwingen würde, von der einfachsten Lösung abzuweichen. Stellt euch indessen vor, wie sehr die voneinander getrennt verlaufenden Versuche sich bei Einigkeit gegenseitig verstärken würden. Dies würde die Wissenschaftler auch lehren, die Forschungen ihrer Mitbrüder zu achten. Von einer solchen Achtung ist allerdings nichts zu sehen.

[Russisches Original. Seite 468.]



     Ein beherzter Beobachter wird unausbleiblich überaus feinsinnige Mitarbeiter um sich herum sammeln. Man darf ihn nicht einer unzureichenden Spezialisierung anklagen, denn die psychische Energie erfordert weitgefaßte Beobachtungen. Es ist notwendig, Wissen aus alten Zeiten zu sammeln. Solche Aufzeichnungen dürfen nicht als bloße Erfindungen bezeichnet werden. Das unvoreingenommene Auge wird ganz im Gegenteil viele wissenschaftliche Hinweise finden. Dabei wird erkennbar werden, daß für ganze Epochen das Irdische und das Überirdische keine Gegensätze waren. Die psychische Energie wird nur dann in Begeisterung versetzen, wenn sie als Verbindung aller Welten verstanden wird. Die Wissenschaft der Zukunft wird als Quelle erhabenster Lösungen erscheinen.
     Der Denker lehrte Seinen Schülern, daß Wissenschaft schön sein müsse; dann würde sie unbegrenzt sein.

     507. Urusvati weiß, daß der Begriff der Intuition Fehldeutungen ausgesetzt ist. Sogar jene, die die Intuition anerkennen, verhalten sich ihr gegenüber nicht behutsam. Man stellt es sich so vor, daß gewisse Menschen von ihr in Begeisterung versetzt werden, ohne daß von deren Seite eine Teilnahme erforderlich wäre. Es fließt etwas vom Himmel und macht die Menschen scharfsichtig. Niemand überlegt, welche Aufspeicherungen bei diesen Menschen vorhanden sein und welche Anspannungen sie erleiden müssen.
     Man muß es nicht für euch wiederholen, welch feinste, innerräumliche Zusammenhänge bestehen, doch widerfährt es euch oft, andere Menschen von der Notwendigkeit überzeugen zu müssen, der Intuition gegenüber behutsam zu sein. Niemand stellt sich vor, wie gering die Zahl jener ist, die diese Eigenschaft bereits entwickelt haben. Dabei kann sie nur teilweise auf bestimmte Bereiche hin ausgerichtet werden. Wenn jemand nur in bezug auf seine Verwandten Vorahnungen hegt, physische Erscheinungen vorhersagen oder etwas Beliebiges über sich selbst bemerken kann, so bedeutet dies nicht, daß ein solcher Mensch auch zu anderen Ereignissen in Resonanz zu stehen vermag. Daher ist es richtig, von den Menschen nur das zu erwarten, was sie in einem bestimmten Moment auch geben können.
     Es ist ein großer Fehler, die Menschen zu etwas zu zwingen, was sie in einem gegebenen Moment nicht erfühlen können. Das Meer feinster Schwingungen ist unerschöpflich und kann von einem einzigen Menschen nicht erfaßt werden. Man muß wissen, daß Intuition auch ein Verstehen des Zustandes Nahestehender erfordert. Allein bei gegenseitiger Behutsamkeit wird die innere

[Russisches Original. Seite 469.]



Stimme gereinigt.
     Man kann die innere Stimme bis zu einem Grade verstärken, daß sie nicht mehr verstummt, doch bei der Unordnung der irdischen Schwingungen raten Wir nicht dazu, die irdischen Einflüsse in einem solchen Maße zu mißachten. Stellt euch einen Menschen in der irdischen Wirklichkeit vor, der ununterbrochen seiner inneren Stimme lauscht. Er wird einem Radiohörer gleichen, der seine Arbeit liegengelassen hat, nur um von außen Kommendes zu hören. Ohne Schlaf und Nahrung wird er sterben.
     So möge die innere Stimme erklingen, wenn man sie mit harmonischen Schwingungen berührt. Auf diese Weise wird der Mensch mit der höchsten Welt verbunden sein, ohne den irdischen Pfad zu verlassen, und das Gleichgewicht wird nicht gestört.
     Die Lehrer aller Zeiten sprachen davon, daß der irdische Weg unter irdischen Bedingungen verlaufen muß. Man kann nur zeitweilig von den irdischen Aufgaben abgehen, um dann um so nutzbringender der Menschheit zu Hilfe zu eilen.
     Mögen die Menschen alle ihnen anvertrauten Schätze hüten, unter ihnen vor allem die psychische Energie. Man darf nicht denken, weil sie uranfänglich sei, bedürfe sie keiner Behutsamkeit. Jede kosmische Substanz erfordert Harmonie; dies ist die Ökonomie des Weltalls.
     Der Denker bestätigte: "Bewahrt Harmonie, denn man kann sie wie ein äußerst feines Gefäß zerschlagen."

     508. Urusvati weiß, daß Wir Tatmenschen ausbilden, die unbeugsam, willensstark und arbeitsam sind. Es lassen sich jedoch nicht oft Menschen finden, die schon zur Aufnahme bereit sind. Man muß ganze Generationen abwarten, bis die Zahl neuer Mitarbeiter zunimmt. Es zeigt sich, daß sie durch die unterschiedlichsten irdischen Bedingungen voneinander getrennt sind. Oftmals erkennen sie einander gar nicht, und ihre Kräfte können sich nicht zusammenschließen. Überdies sind sie schon von klein an Gegenstand von Unterdrückung und Spott. Sie gleichen den sie Umgebenden nicht, und ihre Fähigkeiten erregen Neid.
     Man darf sich nicht wundern, daß ihr Leben nicht leicht ist. Sie sind wie Vögel im Käfig, und selbst wenn der Käfig golden ist, wird er dennoch ein Kerker sein. Doch mögen diese Kühnen nicht in Verzweiflung fallen. Wir nehmen jeden ihrer Schritte wahr und wenden viele

[Russisches Original. Seite 470.]



Gefahren von ihnen ab. Möge jedoch jeder, der den Impuls des Dienens in sich spürt, behutsam voranschreiten. Beim Großen Dienen muß jede Unbesonnenheit ausgeschlossen sein.
     Ich sage den Tatmenschen: Laßt keine Verlegenheit bei euch zu, selbst wenn ihr Bedenken gegenüber einer Sache tragt, sondern vergleicht die euch vorgesetzten Erwägungen streng mit der Wahrheit. Denkt daran, daß Verlegenheit ein Wurm der Zersetzung ist. Wir haben viel über den Zweifel gesprochen, doch seid in der Lage, auch die Schwingungen der Verlegenheit klar unterscheidend zu erkennen.
     Für Kurzsichtige liegen Furcht, Zweifel und Verlegenheit in demselben Korb, doch Weitsichtige müssen die verschiedenen Schwingungen dieser Eigenschaften voneinander unterscheiden können. Einige meinen, Verlegenheit sei eine Form der Bescheidenheit, doch haben beide nichts miteinander gemein. Verlegenheit stellt eine Trübung der Gefühle dar, doch müssen die Gefühle gerade der Tatmenschen klar und von gespannter Aufmerksamkeit sein. Allein in dieser Wachsamkeit wird der Tatmensch die Giftschlange bemerken.
     Mögen sich in dem geliebten Land Tatmenschen im vollen Sinne der Tat herausbilden. So wünschen Wir, daß das Überirdische im vollen Maße mit den irdischen Arbeiten zu einer Einheit verbunden werde.
     Der Denker wurde nicht müde, darauf hinzuweisen, daß ein Tatmensch ein Diener der höheren Gesetze sein müsse.

     509. Urusvati weiß, daß jedes Korn Wahrheit wohlwollend aufgenommen werden muß, ohne Unterschied, woher die Wahrheit kommt. Sie kann in einer beliebigen Sprache formuliert werden. Sie kann mit den Gewändern jedes Jahrhunderts bekleidet sein. Sie kann in unterschiedlichen Umständen verkündet werden. Es gibt keine alte, noch gibt es eine neue Wahrheit. Wer kann verbürgen, daß eine bestimmte Wahrheit nicht bereits auf einem verschwundenen Kontinent verkündet wurde? Die einen Verkünder zeichneten sich durch eine hohe Gelehrsamkeit aus, während andere sogar Analphabeten waren und dennoch Säer der Wahrheit.
     Weshalb erinnern Wir daran? Es treten Menschen auf, die sich der Wahrheit bemächtigen und versichern, allein über sie könne die Wahrheit offenbart werden. Es ist jedoch Zeit, daran zu erinnern, daß der Weg der Wahrheit weitgefaßt ist. Ihr Haupthindernis ist die Unduldsamkeit. Glauben jene Usurpatoren etwa, daß ihr Gebäude fest stehe? Je mehr Duldsamkeit und Wohlwollen herrschen, desto fester ist die Grundlage. Jeder Schritt der Wahrheit ist auf das Gemeinwohl gerichtet, und dieses wird der Maßstab sein.

[Russisches Original. Seite 471.]



     Man wird fragen: "Wo ist denn die Liebe, die Stütze der Welt?" Kann aber das Gemeinwohl etwa ohne die Liebe existieren? Überhaupt möge weniger Verurteilung, sondern mehr Aufmerksamkeit herrschen. Laßt uns sehen, in welchen Gewändern die Wahrheit in verschiedenen Jahrhunderten in Erscheinung trat. Einmal nackt, doch dann wieder auch in prunkvollem Gewand. Leider wird die bloße Wahrheit nicht immer angenommen. Wir sagen dies, damit die Tatmenschen die Wahrheit in weitem Maße verstehen. Wohlwollen muß man erziehen, daß es seine Aufrichtigkeit bewahre. Bei der irdischen Verwirrung ist es schwer, echtes Wohlwollen zu finden, doch ohne Wohlwollen ist selbst eine einfache Belehrung nicht aufnehmbar. Daher ist das Gesagte nichts Abstraktes, sondern höchst lebenswichtige Realität.
     Der Denker lehrte: "Der Erfolgreiche zeichnet sich durch Wohlwollen aus."

     510. Urusvati weiß, daß Ruhe um so notwendiger ist, je komplizierter die Umstände sind. Nehmt dies nicht für eine Moralpredigt, sondern als einen ärztlichen Rat. Es ist kaum vorstellbar, in welchem Maße komplizierte Ströme den Organismus in Mitleidenschaft zu ziehen vermögen. Daher sind Autosuggestion und Ruhe so sehr nützlich.
     Die Menschen vergiften sich und ihre Umwelt mit Gereiztheit. Dies ist bekannt, und Imperil wird bereits in vielen Büchern erwähnt, ohne daß die Menschen darauf achten würden. Überdies versichern sie im Zustand der Gereiztheit, völlig ruhig zu sein. Seien wir ehrlich uns selbst gegenüber. Vergessen wir auch nicht, daß ein Augenblick des Schweigens eine Welle der Verwirrung zu beruhigen vermag.
     Mögen die Ärzte die Menschen untersuchen, während diese sich in Verwirrung und Gereiztheit befinden. Sie werden die Wurzeln der künftigen Krankheiten finden. Die Beobachter werden erstaunt sein, daß bei Trübung einer harmonischen Verfassung Keime aller Arten von Erkrankung in Erscheinung treten. In Ruhe bleiben sie verborgen und können nicht erkannt werden, doch bei finsteren Einwirkungen treten sie zutage. Früher riet der Arzt dem Kranken vor einer Untersuchung, zur Ruhe zu kommen, doch nun wird der Arzt solchen Zustand als nicht aufschlußreich finden. Es ist natürlich nicht leicht, den Kranken zu untersuchen, wenn er verwirrt ist. Dazu ist volle Beobachtungsfähigkeit erforderlich, und es wird lehrreich sein zu sehen, wie alle Arten finsterer Kräfte bereits in Mitleidenschaft gezogene Organe aktivieren.

[Russisches Original. Seite 472.]



     So vermehren sich in allem Existierenden die schlechten Eigenschaften, wenn etwas sie hervorruft. Etwas Böses gedanklich in Erwägung zu ziehen, wird bereits Schaden bewirken.
     Der Denker bat: "Seid eure eigenen Ärzte. Das Heilwasser des Guten wird ein ausgezeichnetes Mittel sein."

     511. Urusvati weiß von vielen Eigenschaften der psychischen Energie. Ihr Wesen bleibt unverändert, doch um dieses Korn herum können überaus verschiedenartige Eigenschaften gelagert sein. So wäre die Einwirkung der Blutbeschaffenheit zu nennen. Zur Zeit widmet man den rassischen Unterschieden viel Aufmerksamkeit. Diese Unterschiede lassen sich jedoch nicht nur bei der Blutzusammensetzung feststellen, sondern auch bei den Eigenheiten der psychischen Energie.
     Die Menschen können die Wirkung des Denkens einiger Völker stärker wahrnehmen, während sie in anderen Fällen unberührt bleiben. Neben dem Atavismus und karmischen Ursachen kann man eine Ursache dafür auch in der Blutbeschaffenheit suchen, die auf die psychische Energie einwirkt. Man kann unmöglich aufzählen, wieviele Verbindungen zwischen den Menschen bestehen. Es müßte das Menschengeschlecht beschämen, daß es seine Verbindungen und Eigenschaften nicht studiert. Die Psychologie muß sich mit allen wissenschaftlichen Gebieten befassen, die das künftige irdische Leben zu erhellen vermögen.
     Der Gedanke findet bei den anerkannten Wissenschaften noch kein Asyl, doch die Psychologie ist fähig, zu einem einzigartigen Bollwerk der Erforschung des Gedankens, anders gesagt der psychischen Energie, zu werden. Jetzt ist es besonders notwendig, diese Fragen auf wissenschaftlichen Boden zu stellen. Dafür jedoch ist Zusammenarbeit einer ganzen Reihe Gelehrter erforderlich, die auf verschiedene Laboratorien verteilt sind.
     Ist es nicht beschämend, daß sich die Wissenschaften bis auf den heutigen Tag in verschiedene Lager aufteilen, die keine Verbindung untereinander haben? So kommt es vor, daß die einen Wissenschaften als unbestreitbar erachtet werden, man die Glaubwürdigkeit anderer jedoch dem Zweifel unterzieht. Natürlich beruht solcher Zweifel auf Unwissenheit und Vorurteil.
     Man kann sich nicht vorstellen, wie hartnäckig die Vorurteile herrschen. Dies muß man von den Palästen bis zu den Hütten unablässig wiederholen, und wahrscheinlich sind die Vorurteile in den Palästen noch am stärksten. So muß man immer wieder von der Bestimmung der Wissenschaft sprechen.

[Russisches Original. Seite 473.]



     Der Denker lehrte: "Lernt es, der Wissenschaft die Tür zu öffnen. Es wäre beschämend, müßte sie mit abgerissenem Gewand in der Kälte stehen bleiben. Hört ihr, wie das Wissen anklopft?"

     512. Urusvati weiß, daß überirdische Explosionen alle irdischen Explosionen übertreffen. Niemand hört sie mit dem irdischen Ohr, sondern allein ein geöffnetes Gehör kann die volle durch sie erzeugte Anspannung wahrnehmen.
     Viele sind der Meinung, daß Personen, die irdische Macht halten, die überirdische Schlacht in besonderem Maße spüren müßten, doch das pflegt in Wirklichkeit nicht so zu sein. Irdische Machthaber sind gewöhnlich weit davon entfernt, überirdische Vorgänge wahrzunehmen, doch gibt es manche Gesandte, die die Bürde dieser Welt tragen. In viel höherem Maße können sie als irdische Häupter bezeichnet werden, da sie eine große irdische Last aushalten müssen.
     Die Menschen wissen nicht, auf welchen Säulen und auf welchen Sprungkräften das Gleichgewicht ruht. Doch die Zerstörer wissen, woher die psychische Energie kommt. Ihre Geschosse fliegen um die Auserwählten. Die Menschen richten keinerlei Aufmerksamkeit auf solche Schlachten auf überirdischer Ebene. Noch existieren keine Apparate, die gleich einem Seismographen überirdische Anspannungen feststellen könnten. Man kann sich vorstellen, welche psychischen Wirbelstürme die Grenzen der irdischen Feste überschreiten und sich mit höheren Energien vereinigen. Solche besondere Zeit trägt auch besondere Zeichen. Doch die Menschen bleiben weiter in den irdischen Maßstäben und gleichen sich den Heuschrecken an. Der Lehrer rät, Ruhe zu bewahren, als irdischen Schild.
     Der Denker sprach: "Sie schützen uns auf allen Wegen, und der offenbarte Schild steigt von oben herab. Mögen wir auch einen Schild besitzen, der uns vor den irdischen Pfeilen schützt."

     513. Urusvati weiß, daß Wir Furcht und Mißtrauen nicht gutheißen und diese Eigenschaften der Unwissenheit zuschreiben. Zur gleichen Zeit bestehen Wir auf Wachsamkeit und Vorsicht, die beide einem erleuchteten Zustand eigen sind. Für unkluge Menschen ist es nicht leicht, die Grenzen zwischen den verschiedenen Gefühlen zu finden. Mißtrauen nennen sie Vorsicht, und Angst halten sie für Wachsamkeit. Auf solche Weise werden beste Eigenschaften in einen schmachvollen Zustand übergeführt. Der Kluge wird jedoch verstehen, wo auf Einsicht gegründete

[Russisches Original. Seite 474.]



Vorsicht unerläßlich ist.
     Wenn die Welt in Wirrnis erschaudert, wird der Unvorsichtige ein Dummkopf sein. Der Kluge wägt alle Ursachen ab und kann die Entstehung von Schäden klar einschätzen. Er beläßt die Giftschlange nicht auf der Schwelle, da die Entstehung von Bösem giftige Früchte zeitigt. Er wird nicht sagen, daß es nicht lohne, seine Aufmerksamkeit auf einen kleinen Skorpion zu richten, denn auch ein kleiner Biß kann tödlich sein. Der Kluge versteht besonders gut, daß solche kosmischen Anspannungen herrschen können, daß die ganze Aufmerksamkeit auf die Lage des Planeten gelenkt werden muß.
     Ihr habt bemerkt, daß die gewohnte Arbeit mitunter von höheren Sorgen verdrängt werden kann. Solche Sorgen sind meist nicht in Worte zu fassen, doch das Bewußtsein spürt, wie angespannt der Raum ist. Wenn der Organismus Ströme starker Anspannung aufnimmt, vermag er zu erkranken. In solchen Stunden wäre es nicht erlaubt zu sagen, daß Aufmerksamkeit unnötig sei. Im Gegenteil, es muß jede Wachsamkeit begrüßt, jegliche Furcht aber mißbilligt werden.
     Wir sprechen vom Irdischen und Überirdischen, da Wir, die Wir ständig auf der Wacht stehen, nicht darum verlegen sind zu sagen, daß Wir Unsere Wachsamkeit noch verstärken. Glücklicherweise ist diese Eigenschaft unerschöpflich. Auch ihr zögert nicht zu wiederholen, daß in einer Stunde höchster Anspannung auch höchste Wachsamkeit bezeigt werden muß. Nicht Furcht nötigt euch zu solcher Bestätigung, sondern der Wunsch, im besten Maße zu dienen. Aus solchem Wunsche entstehen Helden. Wir haben von den Eigenschaften des Helden gesprochen. Zum Glück kann der Held auf jedem beliebigen Platz im Leben stehen.
     Der Denker sprach zu Seinen Schülern: "Fühlt euch als Helden und erspürt, welche Heldentat ihr heute vollbringen könnt."

     514. Urusvati weiß, daß die psychische Energie ernsthaft erforscht werden wird. Zur Zeit nehmen die Menschen nur primitive Formen ihrer Gegenwart wahr, doch die nahe Zukunft wird zeigen, daß alle wissenschaftlichen Errungenschaften mit der psychischen Energie verbunden sind. Hierbei wird man zwei Aspekte unterscheiden: einen willkürlichen und einen unwillkürlichen. Der letztere wird die besondere kosmische Bedeutung der uranfänglichen Energie offenbaren.

[Russisches Original. Seite 475.]



     Die Menschen beginnen bereits, die Bedeutung des Gedankens zu verstehen und versuchen, ihn anzuwenden. Auch Willenssendungen werden allmählich zu einer Tatsache. Weitaus geheimnisvoller aber bleibt noch die Frage der unwillkürlichen Äußerung der Energie. Bis heute erkennen die Menschen es nicht an, daß starke Äußerungen der Energie räumliche Bedeutung haben könnten. Es läßt sich jedoch beobachten, daß manche Tatmenschen Energie ausstrahlen, ohne es selbst zu wissen. Solche Macht ergießt sich über weite Entfernungen hinweg.
     Warum bemerken diese Tatmenschen es nicht, wenn sie zu einer vielleicht großen Sache beitragen? Sie arbeiten in Übereinstimmung mit dem Willen des Kosmos. Sie können solche Zusammenarbeit nicht vermeiden, so wie eine Saite auf eine gesandte, hohe Schwingung hin schön erklingt. Solche Tatmenschen verstärken die planetaren Ströme. Es muß natürlich erforscht werden, ob sie es als Retter oder Zerstörer der Menschheit tun.
     Ohne Mühe lassen sich die verblüffendsten Erscheinungen im Umkreis mancher Tatmenschen beobachten. Die Menschen sind jedoch nicht in der Lage, an solche Erscheinungen heranzugehen; sie haben noch nicht einmal Bezeichnungen für die verschiedenen Wahrnehmungen. Mögen sie ihre Aufmerksamkeit auf die gegenseitige Berührung von Irdischem und Überirdischem lenken. Mögen sie aufmerksam beobachten, so wie es für freie Wissenschaftler angebracht ist.
     Der Denker lehrte: "Laßt uns nicht vergessen, daß jeder von uns höhere Erscheinungen zu sehen vermag. Möge er sie jedoch vor allem auch in seinem Geiste zulassen."

     515. Urusvati weiß, daß Evolution freiwillig vollzogen werden muß. Im Bogen der Evolution kann keinerlei Zwang herrschen. Die Menschen wollen nicht wissen, daß sich diese Grundlage auf alle Arten von Evolution bezieht. Jede, auch die kleinste Evolution ist mit der großen kosmischen Evolution verbunden.
     Mögen die Urheber der Kriege darüber nachdenken, in welchen Strudel sie den Planeten stürzen. Auch wenn ein Krieg nur einige Länder erfaßt, bringt er dem ganzen Planeten Zersetzung. Niemand denkt darüber nach, daß der Krieg eine Krankheit des Planeten darstellt. Man kann verfolgen, welche Vervollkommnungsprozesse des Lebens durch frühere Kriege abrupt abgebrochen wurden. Doch wo sich gesunde und erfolgreiche Entwicklung zu vollziehen vermag, sind Kriege nicht zu gebrauchen.

[Russisches Original. Seite 476.]



     Die Empfindung von Schmerzen erfüllt den Raum! Explosionen erschüttern die Laboratorien, in denen für die Gesundung der Völker gearbeitet wird. Mögen die Menschen darüber nachdenken, ob sie nicht etwas Unwiederholbares zerstören, vielleicht etwas, das in Jahrhunderten von Weisen entwickelt wurde. Es ist leicht, etwas zu zerstören, doch es ist nicht üblich, in kosmischem Ausmaß zu denken. Nun aber ist es an der Zeit, sich vor Augen zu halten, welcher Schaden in der Feinstofflichen Welt entsteht. Zeigt vertieftes Verstehen der Verbindung der zwei Welten.
     Wir haben gesagt, daß Evolution freiwillig vollzogen werden muß. Versteht dies in jeglicher Hinsicht. Evolution muß nicht nur frei von Zwang, sondern auch ganz von gutem Willen erfüllt sein. Mancher meint, daß Evolution nur von höheren Kräften geschaffen werde und menschliche Teilnahme zwecklos sei. Dieser Irrtum zeitigt eine Fülle verderblicher Folgen. Die Menschen müssen als Mitarbeiter an der Evolution teilnehmen.
     Die Menschen müssen den guten Willen anspannen, um ihre angesammelten Kräfte dem Strom höherer Energien hinzugeben. Der Mensch kann gegenüber der Vervollkommnung des Lebens nicht teilnahmslos sein. Er muß, als ein Hüter der Vervollkommnung, auf der Wacht stehen.
     Es ist notwendig zu verstehen, daß Verdammungen und Verurteilungen eine schlechte Waffe sind. Man kann sehen, wie sich das Karma der Völker gestaltet. Jene, die viele Verdammungen aussprachen, sammeln eine schwere, dunkle Wolke über sich. Evolution ist die Wandlung zum Besseren. Möge jeder Mensch darüber nachdenken, was er für das Allerbeste hält. Mag er anfangs auch noch fehlgehen und Exzesse der Selbstsucht für etwas Gutes halten, doch wenn er sein Denken vertieft, wird er schließlich in sich die Funken des Gemeinwohls finden.
     Laßt uns keine komplizierten Bezeichnungen und Überlegungen fordern, die Evolution ist harmonisch und einfach in der Schönheit ihrer Zweckmäßigkeit. So laßt uns für das Gemeinwohl arbeiten, wissend, daß jeder aufrichtige Wunsch des Guten bereits ein wirklicher Beitrag sein wird, und laßt uns dabei das Wohlwollen erlernen.
     Der Denker sprach: "Wenn wir sämtliche bitteren Kräuter sammeln, so wird auch unsere Suppe überaus bitter sein."

[Russisches Original. Seite 477.]



     516. Urusvati weiß, daß jegliche Achtlosigkeit höheren Erscheinungen gegenüber unzulässig ist. Man sollte meinen, daß dieser Hinweis völlig klar wäre, doch ruft er Fehldeutungen hervor. Die Menschen streiten sich darüber, was eine höhere Erscheinung sei. Sie möchten beweisen, daß solche Erscheinungen derart selten seien, daß man ihnen im Leben unmöglich begegnen könne. Auf diese Weise befreien sich die Schlauköpfe von der Suche nach höheren Erscheinungen inmitten des menschlichen Daseins.
     Doch Weise wissen, daß gerade höhere Erscheinungen inmitten zutiefst irdischer Existenz auftreten können. Sie verstehen, daß sich jeder Mensch in einem Augenblick von Begeisterung schon in einem überirdischen Zustand befindet. Er vermag gerade solche Empfindungen zu verspüren, die an Höherem teilhaben. Ein jeder solcher Zustand stellt eine Wahrnehmung von etwas Überirdischem dar. Er macht den Menschen hellsichtig und hellhörig, nur muß er diese in ihm natürlich vorhandenen Eigenschaften auch erkennen.
     Einige Denker sind der Auffassung, daß ein beständiger Kontakt mit höheren Erscheinungen höher stehe als eine besondere Erschütterung. Es wäre zu wünschen, daß die Menschen es lernten, ihren Organismus für einen beständigen Verkehr mit Höherem zu verfeinern. Dennoch würde eine einzige starke Erscheinung ihnen zeigen, was Unbegrenztheit der Höchsten Macht bedeutet.
     Das Gefühl angespannter Aufmerksamkeit verfeinert den Organismus, doch muß auch die Anspannung erprobt werden, die vor dem feurigen Tor entsteht. Erst dann wird der Mensch tapfer. Weisheit ist tapfer, wenn sie auf Erprobung gegründet ist. Niemand vermag für sich selbst zu bürgen, solange er nicht vor die Feurigen Kräfte gestellt wird.. So muß man für die Möglichkeit höherer Erscheinungen offen sein und solche Offenbarungen lieben lernen. Jede Achtlosigkeit wird bereits ein Zurückweichen in die Finsternis sein.
     Der Denker schlug vor, Tapferkeit bei jeder gewöhnlichen Erscheinung zu erproben. Er sprach: "Wer tapfer die häuslichen Sorgen zu lösen vermag, der wird auch nicht vor einem Überraschungsangriff erschrecken."

     517. Urusvati weiß, daß Ruhe ein relativer Begriff ist. Wir weisen auf die Unerläßlichkeit hin, Ruhe zu bewahren, wissen jedoch, daß dies selbst bei gutem

[Russisches Original. Seite 478.]



Willen nur bis zu einem bestimmten Grad erreicht werden kann. Doch wenn ein Mensch sich die Notwendigkeit der Ruhe immer wieder vor Augen hält, vermag er sie trotzdem in gewissem Maße zu erlangen.
     Laßt uns den Menschen nicht vorwerfen, daß sie die Bedeutung einer ärztlich verordneten Ruhe nicht begreifen. Unter Ruhe verstehen sie mitunter völlige Untätigkeit und Gedankenlosigkeit, doch muß Ruhe als Harmonie des Denkens erkannt werden. Einsiedler könnten gefragt werden, wie sie das Gleichgewicht erreichen. Sie werden erklären, daß der Gedanke an die Zweckmäßigkeit des Weltalls die beste Hinführung zur Ruhe ist.
     Die Menschen können feststellen, in welch weitem Maße sich zurückliegende Sorgen nach einigen Jahren als nichtig erweisen; auf diese Weise erkennen wir einen Prüfstein. Hierbei erweist sich, daß viele groß scheinende Ereignisse ihre ganze Bedeutung verloren haben, kleine Wendungen in der Entwicklung jedoch Bedeutung erlangen können. Sie werden im Gedächtnis der Menschheit bewahrt, da das Bewußtsein seine eigenen, tiefliegenden Maßstäbe besitzt.
     Ein Arzt bestätigte, daß er in einigen Fällen düsterer Verzweiflung eine entgegengesetzte Taktik anwende. Wenn der Kranke beteuere, daß alle gegen ihn seien, füge der Arzt hinzu: "Nun vergessen Sie nicht die Möglichkeit von Erdbeben; bei einer solchen Katastrophe werden sämtliche menschlichen Winkelzüge nichtig." So muß man auch über die Ruhe nachdenken. Es kann sowohl beständige Ruhe als auch beständige Unrast geben. Unmöglich ist es jedoch, bei ständiger Ruhelosigkeit voranzuschreiten, und Begeisterung kann nicht denjenigen ergreifen, dessen sich Unruhe bemächtigt hat.
     Der Denker sprach: "Ein unruhiger Mensch gleicht einem Sack voller Nußschalen."

     518. Urusvati weiß von der inneren Bedeutung irdischer Erfolge und Mißerfolge. Über kurze Fristen hinweg sind aufschlußreiche karmische Erscheinungen beobachtbar. Es läßt sich sehen, daß mitunter eine einzige kleine Handlung den Kelch zum Überlaufen brachte. Es läßt sich sehen, daß ein Mißerfolg sich als das beste Tor zum Sieg erwies. Es läßt sich sehen, daß sich verlogene Pracht in Armseligkeit verwandelte.
     Man kann alle möglichen lebendigen Erscheinungen beobachten, und allein das Studium

[Russisches Original. Seite 479.]



der Vergangenheit kann eine gewisse Aufklärung über die Ursachen geben. Doch wer die meisten Ursachen kennt, vermag auch über höhere Gerechtigkeit zu urteilen. Oftmals bezeichnen die Menschen als Unglück, was nur unausweichliche, schon vor langer Zeit geschaffene Folge ist.
     Eine Erscheinung auf der Erde stellt nicht nur eine Offenbarung irdischer, sondern auch überirdischer Ursachen dar. Vergessen wir nicht, daß die von den Menschen durch ihre Taten geschaffenen Verflechtungen in der Feinstofflichen Welt weiter andauern. Natürlich könnte vieles in der Feinstofflichen Welt beendet werden, doch erfolgt eine solche Lösung nicht oft. Die Bewohner der Feinstofflichen Welt sind imstande, die Zeit des gesamten Aufenthaltes mit den irdischen Folgen zu vergeuden. Sie besitzen nicht genügend Entschlußkraft, den vergangenen Irrtümern ein Ende zu setzen und eilig ihr Bewußtsein zu erneuern. Indessen gewährt die Feinstoffliche Welt viele Möglichkeiten zu einer solchen Erneuerung. Man kann höchste Unterweisungen erhalten, doch werden diese überirdischer Natur sein. Mögen die Menschen es lernen, überirdische Belehrungen inmitten des irdischen Lebens bereits anzuwenden.
     Der Denker verfügte: "Mögen die Menschen das Leben aus der überirdischen Quelle reich gestalten."

     519. Urusvati weiß, daß das Irdische und das Überirdische als untrennbare Wirklichkeit verstanden werden müssen. Die Menschen behindern ein solches Verstehen sehr. Die einen setzen das Irdische herab, andere schmähen das Überirdische.
     Wir senden einen Gedanken über die Harmonie dieser Prinzipien, doch ist es schwer zu erklären, daß Weitsicht und Kurzsicht qualitative Eigenschaften darstellen, von denen man weder der einen noch der anderen den alleinigen Vorzug geben darf. Der Weitsichtige läßt nahegelegene Gegenstände aus seinem Blickfeld entweichen, während der Kurzsichtige nicht die Schönheit der Ferne zu erkennen vermag. Man muß aber erkennen, daß beide Eigenschaften ihren Vorzug besitzen. Ebensowenig wollen wir das Irdische zum Ruhme des Überirdischen herabsetzen. Die Ganzheit des Weltenalls stellt Schönheit dar, und der Mensch muß die ganze Schöpfung lieben lernen, nur dann vermag er seine Bestimmung zu erfüllen.
     Oftmals brüsten Yogis sich mit ihren Errungenschaften, vergessen dabei jedoch, daß ein in Harmonie tätiger Arbeiter nicht geringer ist als sie. Es muß auch noch von dem Streben nach einem langen Leben gesprochen werden. Wenn seine Ursache nicht eine besondere Aufgabe ist, vermag es sogar im Widerspruch zum Gesetz der Natur zu stehen. Alle natürlichen Erscheinungen müssen

[Russisches Original. Seite 480.]



in Harmonie verlaufen, und der Mensch muß den Bedingungen der Welt ein aufmerksames Gehör schenken. So wird er verstehen, was natürlicher Yoga, wahre Verbindung mit dem Höchsten ist.
     Wir haben hinreichend über die drei Welten gesprochen, die klar erkannt werden müssen. Es ist keine Bekundung von Evolution zu erwarten, wenn die Grundlagen des Daseins nicht anerkannt werden. Es kann dann Krämpfe, es kann Zerstörungen geben, in denen Elemente der Evolution vernichtet werden können. So laßt uns aufmerksam auf das Stöhnen des Raumes hören.
     Der Denker sprach: "Seid aufmerksam, ob euer Ohr nicht das Stöhnen des Raumes wahrnehme!"

     520. Urusvati weiß, wie eilig sich bisweilen irdische Ereignisse bilden, sogar außerhalb menschlichen Verstehens. Man muß darüber nachdenken, ob solche Prozesse sich allein auf der Erde vollziehen können. Solche Ereignisse bezeugen, daß Überirdisches in Erscheinung tritt.
     Wahrlich, man kann sich von dem Vorhandensein überirdischer Wirklichkeit überzeugen, wenn man das Geschehen auf der Erde beobachtet. Doch die Menschen neigen dazu, die Ereignisse für zufällige Verkettungen von Einzelelementen zu halten. Sie möchten die Gegenwart einer überirdischen Vernunft nicht zulassen, obwohl bereits die Weisheit des Altertums die erhabene Vernunft - den Nous - kannte. Ein solches Denken erlaubte seinerzeit, die irdischen Ereignisse in ein Gleichgewicht zu bringen, nun jedoch, ungeachtet der wissenschaftlichen Erfolge, ist die Philosophie in einem bedeutenden Maße zurückgeblieben. Die Philosophie hat dadurch viel Elend hervorgerufen, was darin zum Ausdruck kommt, daß die Menschen keine vernünftige Lösung mehr zu finden vermögen.
     Man kann daran erinnern, daß ein gewisser Regent sich vor einer Entscheidung in die Einsamkeit entfernte, um wenigstens für einen Tag ohne den Druck alltäglichen Ungemachs zu sein. Man kann das Denken auf eine herangereifte Frage konzentrieren, doch noch besser läßt man es in die überirdische Welt gehen; es wird durch die Macht überirdischer Kraft gestärkt zurückkehren.
     Möge der Mensch es lernen, sich an die überirdische Welt zu wenden. Die irdischen Ereignisse beweisen jedoch, daß die Menschen die Verbindung mit der Quelle der Macht nicht wünschen. Das große Maß an Unglück stürzt die Massen in Verzweiflung, doch selbst im Elend sind die Menschen nicht bereit, die Hilfe anzunehmen.
     Der Denker wies oft darauf hin: "Ergebt euch nicht der Verzweiflung, denn so lehnt ihr nur die Hilfe ab."

[Russisches Original. Seite 481.]



     521. Urusvati weiß, wie sehr verfeinert die überirdischen Energien sind. Selbst mächtige Ströme können durch irdische Einwirkungen abgebrochen werden. Es fällt den Menschen schwer, solche Vorgänge zu verstehen, doch ihr selbst habt erfahren, daß irdische Bewegungen heilende Ströme abschneiden können.
     Von Uns gesandte Gedanken können leicht durch verschiedenen menschlichen Lärm abgebrochen werden. Von fern kommende Sendungen werden leicht durch irdische Überlegungen verdrängt. Das alles bedeutet, daß im Erdkreis alle Anziehungen nach irdischem Gesetz wirken. Es ist notwendig zu verstehen, daß für die Aufnahme Unserer Wellen der Organismus verfeinert werden muß, vor allem durch gedankliche Verfeinerung. Vor langem wurde von Bewußtseinserweiterung gesprochen, doch auch dieser Begriff wird falsch ausgelegt. Nicht selten wird angenommen, Bewußtseinserweiterung bestehe darin, alles zuzulassen, doch dann würde sich das Bewußtsein in eine Herberge für alles und jeden verwandeln! Echte Bewußtseinserweiterung vermehrt die Aufnahmefähigkeit und das Erkennen. Nur das Denken vermag diese Läuterung zu unterstützen, und für die Verbindung mit Uns muß man fähig sein zu denken.
     Wer nicht fähig ist zu denken, gerät in ein Dickicht von Widersprüchen, anstatt einen zusammenfassenden Sinn zu finden. Allein durch große Unermüdlichkeit kann man die Mauer irdischer Anziehungen durchbrechen. Allein der freie Wille kann zu weitem Verstehen der überirdischen Besonderheiten hinführen.
     Vor kurzem haben Wir von der Untrennbarkeit des Irdischen und des Überirdischen gesprochen. Scheint es nun ein Widerspruch zu sein, wenn Wir von überirdischen Besonderheiten sprechen? Es ist jedoch kein Widerspruch, wenn es sich auf dem Gipfel anders atmen läßt als am Fuße des Berges. Einige fürchten die Luft der Höhen, so wie einige die Gedanken an das Überirdische fürchten. Diese Furcht ist gewöhnlich so groß, daß sie das Gehirn paralysiert.
     Ihr kennt Menschen, die nicht an das Überirdische denken können. Die Psychiater sollten solche einseitig entwickelten Individuen studieren; bei ihnen arbeiten gewisse Gehirnzentren nicht. Für die Entwicklung der Vorstellungskraft ist lange Erfahrung unter dem Wechsel verschiedener Zustände notwendig. Eine rechte Entwicklung der Vorstellungskraft bewahrt vor Angst.
     Die Besserwisser werden euch das Gegenteil sagen. Nach ihrer Meinung ist Phantasie Illusion und sollte durch das Gesetz des Verstandes ausgetrieben werden. Doch richtiger ist es,

[Russisches Original. Seite 482.]



nicht nach dem Gesetz des Verstandes zu leben, sondern gemäß dem Gesetz der Vernunft. Der Nous des Altertums erlaubt es, die überirdische Welt anzuerkennen.
     Der Denker ehrte die Vernunft als Weg zum Überirdischen.

     522. Urusvati kennt die Freude über die Universale Gerechtigkeit. Die Bezeichnungen für dieses Gesetz bei den Völkern sind vielfältig. Jedes Volk nannte es auf seine Weise: Karma, Moira, Fatum, Kismet. So verstanden die Menschen das Schicksal. Die einen nahmen es in freudiger Weise wahr, die anderen in trauriger, doch niemand verneinte die Existenz des Gesetzes, das im gesamten Kosmos in Erscheinung tritt. Die Vernunft dieses Bewegers weist auf den geordneten Aufbau des Weltalls hin.
     Einzelne Glaubensbekenntnisse versuchten, den tiefen Sinn der kosmischen Gerechtigkeit zu beseitigen, fielen dadurch jedoch selbst in bitterste Verirrung. Es läßt sich beobachten, wie jene, die sich gegen die Wahrheit erhoben, ihre Bedeutung verloren, gleichzeitig aber diejenigen Erfolg davontrugen, die die Offenbarung des kosmischen Gesetzes verehrten.
     Wenn wir die Geschichte der Völker und einzelner Tatmenschen betrachten, werden wir sehen, daß die Universale Gerechtigkeit schön ist. Laßt uns nicht bei Hinweisen auf einen Racheakt dieses Gesetzes verweilen, denn einen solchen Zwang kennt es nicht. Im Gegenteil, aus dem Karmagesetz entspringt Zweckmäßigkeit, die die Waage der Gerechtigkeit bestimmt. Erneut nehmen wir die Binde von den Augen der Themis herab. Gerechtigkeit muß klarsehend und weitblickend sein.
     Laßt uns die kosmischen Ereignisse nicht fürchten, sondern würdig, als Wirkung des erhabenen Gesetzes, aufnehmen. Bei aufmerksamer Einstellung werden wir uns davon überzeugen, daß die Folgen ihre Ursachen hatten.
     Der Denker legte den Mitbürgern nahe, das gegenwärtige Geschehen aufmerksam zu betrachten, um dessen Ursachen finden zu können.

     523. Urusvati weiß, wie hoch Wir eine geistig erfolgreiche Entwicklung schätzen. Sie muß in sich sowohl die Absage an Selbstsucht als auch die Kenntnis der irdischen Bedingungen fassen. Ein Mensch, der allem Irdischen entsagt, vermag kein rechter Richter zu sein, und wer sich in irdische Begierden versenkt, kann sich nicht zu einer Schau des Gerechten erheben.

[Russisches Original. Seite 483.]



     Selten jedoch ist eine Vereinigung dieser beiden Voraussetzungen zu finden; die Menschen meinen, daß sie einander widersprechen würden. Die Menschen bemerken es nicht, in welch weitem Maße geistiger Erfolg gerade in diesem ihrem Leben erreicht werden kann.
     Die Klöster wurden ursprünglich zur Unterstützung schwacher Geister gegründet, doch vermochten Starke auch aus dem Kloster heraus ihr Wissen weit zu verbreiten. Sie konnten niemals lange in der Wüste verbleiben; wenn sie ihr geistiges Gefäß angefüllt hatten, verspürten sie die Notwendigkeit, zu den Menschen zurückzukehren. Auf diese Weise überbrachten sie nicht nur geistige Hilfe, sondern erwarben sich auch selbst Kenntnis des Lebens. Diese letztere Bedingung wird gemeinhin nicht verstanden, da die Menschen nichts vom Gleichgewicht wissen.
     Als Beispiel läßt sich Unsere Bruderschaft anführen. Ohne das Verstehen der irdischen Bedingungen könnte sie nicht existieren. Wer die irdischen Bedingungen von sich weist, beraubt sich selbst der Barmherzigkeit und des Mitleids. Doch ohne diese Eigenschaften ist geistiger Fortschritt unmöglich. Die Lehre von einer erneuerten Welt kann nicht inmitten von Hartherzigkeit leben. Die Geisteswissenschaften vermögen sich dort nicht zu entwickeln, wo das Herz schweigt.
     Der Denker empfahl Seinen Schülern, den menschlichen Blick verstehen zu lernen.

     524. Urusvati weiß, daß die ungeordnete Masse besonders gefährliche Emanationen erzeugt. Eine von einem einzigen Streben bestimmte Menschenmasse verursacht geringeren Schaden als die Offenbarung von Unordnung. Sobald die Gelehrten in der Lage sind, die menschliche Aura auf wissenschaftliche Weise zu erforschen, werden sie sich davon überzeugen, welch todbringende Chemismen bei chaotischen Strömen erzeugt werden.
     Man braucht nicht zu denken, daß einhellige Übereinstimmung der Masse leicht herbeizuführen wäre. Jede Menschenmenge besteht aus unterschiedlichen Antrieben, und neue giftige Chemismen werden gerade infolge uneinheitlicher Bestrebungen erzeugt. Auf diesen Umstand sollten die Gelehrten ihre Aufmerksamkeit richten.
     Niemals zuvor kamen solche Menschenmassen zusammen wie jetzt. Die Geschichte kennt solche gigantischen Städte nicht, wie es sie jetzt gibt. Rom erreichte in der Periode seines Verfalls zehn Millionen, doch trug diese Zusammenrottung nur zu seinem Zerfall bei, so wie es auch jetzt geschieht. Es existieren zahlenmäßige Höchstgrenzen, nach deren Überschreitung der Leviathan zu verfaulen beginnt.
     Es wurden viele Hinweise gegeben, damit die Menschen sich außerhalb der Städte ansiedeln, doch wurden alle Ratschläge

[Russisches Original. Seite 484.]



mißachtet, und die Menschen vergiften sich in ihren Babylons selbst. Man kann bereits sehen, wie die Ereignisse den vor langem aufgezeigten Verlauf nehmen. Es ist unmöglich, einen logisch ablaufenden Prozeß anzuhalten, der in Gang gesetzt wurde und nun wächst. Die Frage besteht nur darin, wer das Segensreiche dieser Entwicklung zu sehen vermag oder den Untergang eines neuen Atlantis darin sieht. Freude über die Umwandlung kann die besten Formen des Gemeinschaftslebens schaffen, doch gibt es viele, die zu solcher Freude fähig sind?
     Der Denker wies darauf hin, daß die Menschen die höchsten Freuden nicht kennen.

     525. Urusvati weiß, daß der Mensch Gesundheit in dreierlei Hinsicht wahren muß. Erstens, seine eigene Gesundheit, dann die Gesundheit des Planeten, und schließlich die Gesundheit des Überirdischen. Das letztere ist keine Übertreibung. Die Menschen müssen sich darüber Rechenschaft ablegen, daß sie in die Harmonie der überirdischen Welt nicht gewaltsam eingreifen dürfen. Auch die Gesundheit des Planeten hängt von der weisen Nutzung seiner Kräfte ab. Die kleinen menschlichen Organismen stellen mächtige Batterien dar, die wahrlich auf die nächstgelegenen irdischen Schichten beherrschenden Einfluß ausüben. Und seine eigene Gesundheit darf der Mensch nicht allein um seiner selbst willen hüten, sondern muß es auch um seiner Nächsten willen tun. Allein das erfolgreiche Verstehen der drei Aspekte der Gesundheit kann auch wahrhaft erfolgreiche Fortentwicklung zeitigen.
     Wenn Ich von Gesundheit spreche, habe Ich nicht allein die körperliche, sondern auch die geistige Gesundheit im Blick. Anhand der Geschichte der Menschheit kann man sich davon überzeugen, daß die Evolution sich glänzend vollzog, wenn beide Bedingungen in Harmonie waren. Man kann sehen, daß sich in Hellas die Gesundheit der Athleten mit der Weisheit der Philosophen vereinigte, und der Staat entwickelte sich erfolgreich.
     Doch lassen sich Länder nennen, in denen der Sport zu einem Kult geworden ist und damit die Bedeutung des Geistes unterdrückt. Man kann sich davon überzeugen, wohin solches Ungleichgewicht führt, doch die Gesundheit des Geistes ist weder Scheinheiligkeit noch Heuchelei. Wir können nur darauf hinweisen, wie sehr erhabenes Wissen und aufrichtiges Dienen am Gemeinwohl die Pfeiler der Gesundheit des Geistes bilden.
     Abwendung vom Leben darf es nicht geben, da die natürlichste Form der Gesundheit des Geistes in der Esse des Lebens geschmiedet wird. Auch die körperliche Gesundheit muß in besonnener Weise verstanden werden: Man muß den Schatz des Lebens hüten, ohne vom Prinzip der Selbstaufopferung

[Russisches Original. Seite 485.]



abzuweichen. Es ist unmöglich, Gleichgewicht unter den alltäglichen Gegensätzlichkeiten zu finden, doch der gesunde Geist wird seine weise Lösung finden.
     Der Mensch vermag einen gefährlichen Strom zu durchqueren, um einen Nächsten zu retten, ohne sich dabei ein tödliches Fieber zuzuziehen, wenn er von den Flügeln des Geistes getragen ist. Der Mensch kann zu einem Wächter des Planeten werden, wenn ihm das Gleichgewicht von Geist und Körper innewohnt. Der Mensch kann nur dann reine Gedanken in die überirdischen Welten senden , wenn sein Geist gesund ist.
     Der Denker fragte: "Meint ihr nicht, daß wir mit unserem Denken allen Musen helfen könnten?"

     526. Urusvati weiß, wie oft bei Gedankensendungen nur vereinzelte Worte ankommen. Dafür gibt es einige Gründe, und sie liegen vor allem darin, daß nicht alle Worte mit der gleichen Kraft gesendet wurden. Überdies können kreuzende Ströme auftreten, die die Mitteilung abbrechen und sogar fremde Mitteilungen herantragen können. Solche Ströme können auch Schlaflosigkeit verursachen.
     Wenn die Menschen begreifen könnten, welche Stürme in ihrer Umgebung toben, so wären sie in all ihren Handlungen von Vorsicht erfüllt. Sie stellen es jedoch noch nicht einmal anheim, daß von ihnen gehörte Worte auch räumliche Bedeutung haben könnten. Solch schwere Einflüsse lassen sich besonders zu Zeiten irdischer Kriege bemerken. Schon dies eine sollte daran erinnern, in welchem Maße irdische und überirdische Zusammenstöße miteinander verbunden sind. Man muß sich dem inneren Gehör gegenüber sehr behutsam verhalten. Es können Anspannungen auftreten, welche die Ärzte irdischen Ursachen zuzuschreiben suchen, wobei sie übersehen, daß die überirdischen Ursachen hundertfach überwiegen. Die Menschen nehmen an, der Himmel sei leer, doch die Wissenschaft weiß bereits von der Fülle des Raumes. Ist dieses Axiom denn so schwer zu verstehen?
     Ihr habt Schreie von Entsetzen gehört, doch mitunter auch Ausrufe von Freude. Lautes Klagegeschrei des Entsetzens wird häufiger als anderes herbeigetragen, da die Menschen die meiste Energie in solche Ausdrucksformen fließen lassen, weniger jedoch in Formen der Freude. Jetzt, da ein unerhörtes Maß an Greueln die Erde verfinstert, kann man die Ausstrahlungen der Kräfte von Verzweiflung beobachten. Die Gelehrten können zu der Schlußfolgerung gelangen, daß, wenn ein Schrei des Entsetzens den Raum so weit durchdringt, dies bedeutet, er sei

[Russisches Original. Seite 486.]



von einer mächtigen Energie gesandt und gäbe überaus wahrnehmbare Strahlen ab. Es ist richtig zu denken, daß jedes menschliche Wort seine Aura besitzt und den Raum auf weite Entfernung hin durchdringt.
     Desgleichen kann man in Tagen der Verwirrung unvernünftige Menschen sehen, die ihr Leben fortsetzen, als ob nichts geschehen sei. Man darf sich über eine solche Unvernunft nicht wundern. Sie gleicht dem Verhalten von Menschen, die bei einer Feuersbrunst zu tanzen beginnen. Es ist nicht klug, in Verzweiflung zu fallen. Wir raten zur Ruhe, doch diese Ruhe ist voller Bewußtsein des Geschehens. Der Weise versteht, welche Taten zur Zeit weltweiter Erschütterung angemessen sind.
     Ihr könnt bemerken, daß Wir in Tagen besonderer Anspannung das Wort "Harmagedon" nicht aussprechen - die Papageien haben sich seiner bemächtigt. In allen Tonlagen zwitschern sie bedeutsame Worte und tanzen gleichzeitig auf einem Vulkan.
     Wir rufen: "Feuer, Feuer!", doch nur wenige verstehen, welches Feuer in der Welt lodert und welche Anspannung herrscht.
     Der Denker lehrte: "Auch wenn jeder Augenblick die Zerstörung eines Himmelskörpers bringt, können solche Anspannungen auftreten, daß allein ein Chor von Übereinstimmung eine Katastrophe zu verhindern vermag."

     527. Urusvati weiß, daß Nirvana eine äußerst hohe harmonische Anspannung der Energie darstellt. Paranirvana stellt eine noch höhere Anspannung dar. Die Menschen nehmen an, das Nirvana sei ihnen unerreichbar, und für Samadhi sei eine langandauernde, körperliche und geistige Übung erforderlich. Vergessen wir jedoch nicht, daß der menschliche Organismus ein vollkommener Mikrokosmos ist, in dem alle möglichen Erscheinungen in Unbegrenztheit enthalten sind.
     Jeder Mensch kann Empfindungen von Nirvana und Samadhi andeutungsweise wahrnehmen. Solche Andeutungen gehen jedoch so schnell vorüber, daß das irdische Bewußtsein sie nicht festzuhalten vermag. Dem Menschen mag es scheinen, als ob er grundlos das Bewußtsein verliere, von einem unerklärlichen Feuer ergriffen werde oder ihm das Körpergewicht schwinde. Solcher Erscheinungen gibt es viele, sie sind nur von einem erweiterten Bewußtsein bemerkbar, und allein besonders Auserwählte können den Vorgang klar zu erkennen. Unter den vielen wissenschaftlichen Errungenschaften

[Russisches Original. Seite 487.]



wurde bisher die Bestätigung nicht ausgesprochen, daß jeder Mensch höheren Empfindungen teilhaftig werden könne, dafür jedoch den Geist rein erhalten müsse.
     Wer aber vermag geistige Reinigung zu erreichen? Man wird sagen: "Dazu muß man solch ein Denker sein, wie Anaxagoras, Platon oder Pythagoras es waren." Doch außer durch Denker ist die Welt auch von solchen Führern wie Perikles und Akbar bewegt worden. Sie hinterließen die Erinnerung an blühende Epochen. Neben Großmut und Barmherzigkeit bestätigten sie auch Standhaftigkeit, nachdem sie den Weg zur Rettung des Volkes erwählt hatten. Jeder kennt den Schuster Böhme und den Chemiker Wogan. Es wurden in allen Jahrhunderten viele Beispiele gegeben, damit die Menschen verstünden, daß geistige Reinigung unter jeglichen Umständen erreichbar ist.
     Auch jetzt gibt es auf der Erde Mitarbeiter der Evolution, auch wenn die Menschen nicht in der Lage sind, sie zu erkennen. Die Masse hat die mit den Händen schwer erarbeiteten Errungenschaften noch nie richtig erkannt. Auf der Erde sind sowohl die Hände als auch die Füße Mitarbeiter des Geistes. Die Träger der Evolution unterscheiden sich nicht durch königliche Kleidung, und so kennt man sie nicht. Allein die Resultate der Geschichte werden ihren Weg reinigen. Mögen die Menschen sich darüber freuen, daß auf der Erde immer Auserwählte wandeln, um so hoffnungsfreudiger wird der Glaube an die Schaffung einer neuen Welt sein.
     Selbst als der Denker der Sklaverei überantwortet wurde, sagte Er: "Welch herrlicher Beweis für die Mannigfaltigkeit der menschlichen Wege!"

     528. Urusvati weiß, daß man aus einer Vielzahl Blumen sowohl eine schöne als auch eine häßliche Girlande flechten kann, was ganz von der Zusammenstellung abhängt. So lehren Wir auch, mit jedem gemäß seinem Bewußtsein zu sprechen. Damit möchten Wir nicht den Gesprächspartner herabsetzen, sondern sehen nur viele irdische Besonderheiten voraus. Wenn selbst die Sprachen sich unterscheiden, wie dann erst recht die Erkenntnisfähigkeiten.
     An jedem Aufbewahrungsort kann man einen äußerst wertvollen Gegenstand finden. Um einen solchen Fund zu machen, muß man jedoch erst eine Vielzahl weniger wichtiger Dinge einzeln abtragen und Ordnung herstellen. Dabei kann man staubig und schmutzig werden, es kann geschehen, daß man sich Kränkungen und Lästerungen anhören muß, doch nach all diesem kann man kostbares Wissen finden.
     Um dem Bewußtsein entsprechend zu reden muß man vor allem dem Gesprächspartner zuhören, seine Ausstrahlungen wahrnehmen und seine Absicht verstehen. Vergessen wir nicht, daß die Menschen

[Russisches Original. Seite 488.]



zahlloser Einzelheiten wegen in heftige Erregung geraten und die rettende Synthese schon nicht mehr in Betracht ziehen. Die Menschen träumen mitunter von einer physischen Weltsprache, vergessen jedoch, daß man vorher über gegenseitiges geistiges Verstehen nachdenken muß.
     Unter den Menschen hat sich eine besondere Art von Predigern herausgebildet, die die Denkweise ihrer Zuhörer nicht berücksichtigt. Aus solcher Überheblichkeit erwächst nicht wiedergutzumachender Schaden. Die unzulänglichen Prediger verstehen die Bedürfnisse der Zuhörer nicht und befehlen zu glauben, wobei sie vergessen, daß Glaube eine Folge des Wissens ist. Doch sind sie nicht nur selbst solchen Wissens beraubt, sondern besitzen auch keinen Magnetismus. Ich spreche nicht nur von Predigern, sondern auch von Schullehrern. Eine einfache Weisung über das dem Bewußtsein des Zuhörers gemäße Gespräch ruft viele Mißverständnisse hervor. Traurig ist es, doch man muß es sagen, daß die Menschen nicht selten ihrem eigenen Bewußtsein entsprechend reden, was vor allem durch die Unfähigkeit zuzuhören geschieht.
     Freunde! Lernt es zuzuhören, um so leichter werdet ihr euch dem Gesprächspartner nähern können. Natürlich ist es einem erweiterten Bewußtsein leicht, die Eigenheiten des Gesprächspartners zu verstehen, doch ist eine solche Stufe frühen Erkennens selten anzutreffen, und deshalb wendet die gewohnten Maße der Menschlichkeit an. Gegenseitige Achtung wohnt in der Nachbarschaft des Mitleids.
     Der Denker lehrte, Blumengirlanden zu flechten: "Wer eine schöne Zusammenstellung von Blumen gefunden hat, wird auch eine nützliche Zusammenstellung von Menschen finden."

     529. Urusvati weiß, wie groß die Freude ist, in der Zukunft leben zu können. Ein solches Leben kann evolutionär genannt werden. Dabei muß man lernen, die Vergangenheit nicht zu schmälern und zu verstehen, daß eine Gegenwart nicht existiert - entweder war es, oder es wird sein.
     Es ist nicht leicht, sich in die Zukunft als eine Realität zu versetzen. Die Menschen sind unfähig, an die Zukunft zu denken, da sie sie fürchten. Sie haben Angst, daß die Zukunft ohne sie eintrete. Sie wollen nicht über die Fortdauer der Lebenskette nachdenken und verstehen nicht, daß sie mit der Feinstofflichen Welt zusammenarbeiten können. Auf solche Weise trennen sie sich selbst von der Zukunft ab, sie wünschen nicht, die Vergangenheit zu verstehen und beharren auf einer Gegenwart, die gar nicht existiert. Die gefährlichste Situation herrscht, wenn man nicht an der Zukunft teilhat. So leicht jedoch könnten die Menschen

[Russisches Original. Seite 489.]



an der Zukunft teilnehmen, und dies besonders jetzt, da die Biologie große Fortschritte gemacht hat.
     Wir freuen Uns besonders, wenn Wir die Fähigkeit bemerken, sich in die Zukunft versetzen zu können. Ein solches Bestreben gleicht dem Auswerfen eines Ankers, der es erlaubt, sich dem rettenden Ufer zu nähern. Die Grundlage der Bruderschaft ruht in dem Bestreben zur Zukunft. Die Ereignisse müssen planmäßig eintreten. Man muß die Architektur des Weltengebäudes verstehen, um sich mit dem Gedanken seiner Unbegrenztheit anzufreunden. So wie es unmöglich ist, in Unbegrenztheit zu fallen, so erlaubt auch die unbegrenzte Zukunft grundsätzlich, immer einen nützlichen Weg zu finden. Versucht, euch ein irdisches Leben ohne Vergangenheit und Zukunft vorzustellen. Welch langweiliges Leben ergäbe sich, wie auf einer kleinen Insel inmitten eines Ozeans. Natürlich bliebe den Menschen noch der Blick nach oben, wenn sie denn so weitsichtig wären.
     Der Denker bedauerte jene, die nicht in der Lage sind, sich über die Zukunft zu freuen und emporzuschauen.

     530. Urusvati weiß von dem Auftreten neuer Krankheiten. Ihre Grundlage ist eine Entzündung der Drüsen, die in ihren Erscheinungsformen überaus verschiedenartig ist. Die Menge der von den Drüsen abgesonderten Sekrete kann größer oder geringer sein. Die Drüsen selbst können sich vergrößern oder bis zum Absterben schrumpfen.
     Die Menschen könnten einander aufschlußreiche Einzelheiten mitteilen, tun dies aber nicht und unterstützen somit die Entwicklung einer Epidemie. Man kann feststellen, daß Puls und Temperatur sehr stark schwanken; auch Schmerzen in den Nervenzentren können auftreten. Eine derartige Krankheit hängt nicht direkt vom betroffenen Menschen selbst ab, sondern es wirken räumliche Chemismen auf ihn ein, woraus sich eine ausweglose Lage ergibt.
     Mit ihren Gedanken verstärken die Menschen die Wirkungen der räumlichen Chemismen, doch der Chemismus zieht wie ein Bumerang denjenigen in Mitleidenschaft, der ihn geschaffen hat. So entsteht eine gefährliche Epidemie. Die Ärzte suchen sie mit alten Namen zu benennen, ohne die neuen Symptome zu bemerken. Natürlich wirkt der Chemismus zuerst auf die schwachen Organe, wodurch sich die Verschiedenartigkeit der Symptome ergibt.
     Man kann sagen, daß die Menschheit sich selbst vergiftet, und es können

[Russisches Original. Seite 490.]



vor allem die feineren Organismen leiden. So treten bei überaus gefährlichen Entwicklungen neue Krankheiten in Erscheinung. Leider wurde aus der Geschichte diese Übereinstimmungen nicht festgestellt.
     Bei Uns werden aufschlußreiche Tabellen zusammengestellt, die zeigen, wie sich die Menschheit selbst geißelt.
     Der Denker unterhielt sich immer wieder mit Ärzten und fragte sie, ob sie die Wellen der Epidemien denn nicht bemerken könnten?

     53l. Urusvati weiß, daß Wir die neue Epidemie "gelbe Krankheit" nennen, da sie eine gallefarbene Pigmentierung nicht allein der Ausscheidungen, sondern auch auf allen Schleimhäuten hervorruft. Diese Krankheit darf sich nicht verbreiten. So muß man eine ruhige Verfassung wahren, doch bedarf dieser Begriff der Erklärung.
     Man darf eine schlechte seelische Verfassung nicht allein einer Magenverstimmung oder einer Erkältung zuschreiben. Mögen die Menschen verstehen, daß man die Ursache in den Nervenzentren suchen muß, die von verschiedenen räumlichen Chemismen Impulse erhalten. Es wird eine Zeit kommen, da die Ärzte die Fähigkeit besitzen werden zu unterscheiden, welches der Zentren verletzt ist, doch bis jetzt stellen sie lediglich Behauptungen über angeblich schlechte Nerven auf, die sie mit Narkotika zu kurieren suchen.
     Nun jedoch ist es bereits an der Zeit, die Bedeutung des Nervensystems zu erkennen, welches einen Mittler zum überirdischen Bereich darstellt. Es handelt sich nicht darum, daß ein Mensch schlechte Nerven hat, sondern darum, welche Chemismen gerade herrschen und auf welche Zentren sie einwirken. So erhält die Wissenschaft höchste Bedeutung zur Erforschung dieses Gebietes. Es ist notwendig aufzuzeigen, daß die psychische Energie des Raumes erforscht werden kann, und das Lebensverständnis vermag sich unter den Augen einer einzigen Generation vervollkommnen.
     Der Denker lehrte: "Nicht nur ein Wassertropfen enthält eine ganze Welt, sondern jedes Luftteilchen ist bereits ein ganzer Mikrokosmos."

     532. Urusvati weiß, daß Wir in allem zu einem der Wirklichkeit entsprechenden, wissenschaftlichen Denken raten. Selbst höchste Inspiration muß durch wissenschaftliche Beobachtung gefestigt werden. Man darf nicht meinen, ein solches Vorgehen setze irgend etwas herab. Es darf

[Russisches Original. Seite 492.]



nicht vergessen werden, daß viele herrliche Ideen durch unvorbereitetes Verständnis zerfallen. Ein solcher unbegründeter Glaube bildet dann den Ersatz für das Licht der Erkenntnis.
     Selbst in den besten Religionen bemühten deren Diener sich, auch Gelehrte zu sein, um dadurch um so leichter eine Grundlage für die Glaubensbehauptungen zu finden. Vergessen wir jedoch nicht, daß Erkenntnisgewinnung frei von Vorurteilen sein muß. Es gibt nicht wenige Gelehrte, die selbst zu Scheinheiligkeit geraten und damit die herrliche Freiheit der Wissenschaft untergraben. Das Überirdische sollte breite Möglichkeiten zu wissenschaftlichen Beobachtungen bieten. Ihr seht selbst, wie gebunden das heutige menschliche Denken ist.
     Man kann sich davon überzeugen, daß sogar im Altertum hervorragende Geister sich nicht fürchteten, über den lebendigen Raum nachzudenken. Mitunter bevölkerten sie ihn unter dem Druck der Menge in etwas eigentümlicher Weise, doch war der Flug ihrer Gedanken nichtsdestoweniger weit. Wir gingen den materiellen sowie den ideellen Erkenntnisweg, um zu der Schlußfolgerung zu gelangen, daß beide Formen des Denkens in ihrem höchsten Ausdruck zur Einheit führen. Man darf nicht unterstellen, Wir wollten nur Unsere eigene Überzeugung aufzwingen. Wir wollen nur die Ketten fortnehmen, die den Schritt der Menschheit erschweren.
     Der Denker lehrte: "Laßt die Fesseln hinter der Schwelle, denn sie stören beim Gespräch über die Freiheit des Denkens."

     533. Urusvati weiß, daß unter Beachtung bestimmter Bedingungen eine Blutübertragung mitunter zulässig ist. Dies ist ein physischer Vorgang, doch kann es auch eine wechselseitige Übertragung von psychischer Energie geben, die auf rein psychischer Ebene verläuft. Die Ärzte werden noch nicht so bald zu einer wissenschaftlich durchgeführten Übertragung von psychischer Energie gelangen, doch vollzieht sie sich auch bereits ganz von allein bei Berührung der Ausstrahlungen.
     Die Übertragung psychischer Energie wird in der Zukunft zu einem ganz gewöhnlichen Studiengegenstand werden. Man kann die Harmonie der Menschheit durch eine Verteilung uranfänglicher Energie unterstützen. Wenn man ohne Schaden eine beachtliche Menge Blut übertragen kann, so ist es auch möglich, einen Vorrat an psychischer Energie zu teilen. Beim Blut müssen rassische Voraussetzungen und der physische Zustand der Organismen berücksichtigt werden, doch für die Weitergabe psychischer Energie bedarf es weit stärker

[Russisches Original. Seite 492.]



verfeinerter Bedingungen. Es ist unerläßlich, daß der Energiekoeffizient harmonisch ist, und diese Voraussetzung kann auf wissenschaftlichem Wege erreicht werden. So werden beispielsweise beim Ausatmen gewisse Substanzen der Energie abgesondert, die man auf einem Metallspiegel auffangen kann.
     Man muß der Tatsache Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß bei den Alten der Brauch herrschte, den Zustand der Energie anhand der beim Ausatmen auf einer Metallplatte hinterlassenen Spuren zu beobachten. Die Legierung, von der Wir bereits sprachen, wurde im Altertum besonders gern verwendet, doch unsere heutigen Gelehrten widmen den antiken Lehren keine Aufmerksamkeit. Aus diesem Grund haben sie auch die jüngst erfolgte Annäherung des Mars nicht von der psychischen Seite untersucht. Die Menschen sprachen wiederholt vom Nahen eines Krieges, dachten jedoch nicht daran, den Zustand des vom Chemismus des Mars vergifteten menschlichen Gehirns zu beobachten.
     Man muß bedauern, daß die Menschen die Zeichen der Natur nicht nutzen. Seit langem wissen sie von der Geistesverwirrung und führen dennoch keine psychologischen Beobachtungen durch.
     Der Denker lehrte: "Laßt keinen Augenblick unbeobachtet, in dem die Natur eine Offenbarung ihrer selbst gibt."

     534. Urusvati weiß, daß der Vampirismus im Gegensatz zu einer rechten, wechselseitigen Energieübertragung steht. Man darf nicht vergessen, daß der Vampirismus weit verbreitet ist und die Wissenschaft nicht imstande ist, ihn zu bekämpfen. Es ist unmöglich, dort mechanische Maßnahmen anzuwenden, wo der Begriff der uranfänglichen Energie herabgewürdigt ist.
     Unkundige Menschen verstehen überhaupt nicht, wo sich die Grenze zwischen Vampirismus und einer wohltuenden Übertragung von Energie befindet. Sie urteilen nach sich selbst und meinen, jede wechselseitige Energieübertragung sei bereits ein egoistischer Akt, können sich jedoch nicht vorstellen, daß es in manchen Fällen unerläßlich ist, eine besondere Energie zu offenbaren. Ein solches Opfer wird durchaus nicht um seiner selbst willen erfolgen, sondern wegen des Gemeinwohls.
     Man darf sich nicht wundern, daß eine verfeinerte Energie ihre unersetzlichen Eigenschaften besitzt. Das Inerscheinungtreten der uranfänglichen Energie ist darüber hinaus vielfältiger Art, so wie es bei allen kosmischen Erscheinungen ist. Für unvorbereitete Augen erscheint die gesamte Natur einförmig zu sein,

[Russisches Original. Seite 493.]



doch das Denken hilft, unzählbare Gaben des Weltenalls zu unterscheiden. Laßt uns nicht mit jenen streiten, die ein wissenschaftliches Herangehen an kosmische Erscheinungen nicht akzeptieren.
     Es ist erstaunlich, daß der Mensch gewöhnlich einer Erkenntnis der für ihn nützlichsten Daseinsgesetze widerstrebt. In diesen Kämpfen läßt sich die ewige Schlacht des Chaos mit dem Offenbarten feststellen. Ihr solltet daher nicht betrübt sein, wenn die einfachsten Grundlagen von den Menschen so schwer aufgenommen werden.
     Der Denker beschämte Streitsüchtige mitunter, indem Er sie darauf hinwies, daß das Einfachste besonders schwer anzunehmen ist.

     535. Urusvati weiß, daß die Absonderung von psychischer Energie sichtbar sein kann, und zwar als leichter Dunstschleier oder sogar als Lichtschimmer. Man darf jedoch nicht vergessen, daß ein unerfahrenes Auge diese Erscheinungen nicht zu bemerken vermag. In der Regel sind die Menschen nicht in der Lage zu erklären, weshalb viele psychische Erscheinungen in unerwarteten Situationen sichtbar sind, sich indessen bei angespannter Erwartung nicht zeigen. Doch mögen die Menschen sich vergegenwärtigen, wieviele äußere Energien sie umgeben und auf sie einwirken.
     Wir können Uns an viele Fälle erinnern, da die Menschen offenkundigste Zeichen nicht anerkannten und sie auf die egoistischste Weise zu erklären suchten. Die Ursache solcher Irrtümer liegt darin, daß die Menschen nicht an die Möglichkeit äußerer Einwirkungen denken, und wenn sie es doch tun, dann nur im Sinne einer Gewalteinwirkung. Zusammenarbeit ist bei einer solchen Denkweise völlig ausgeschlossen.
     Wertvoll ist jegliche gute Zusammenarbeit, doch besonders kostbar ist psychische Zusammenarbeit. Bis zum heutigen Tag hat man der Bedeutung solcher Zusammenarbeit keine Aufmerksamkeit gewidmet. In gewissen philosophischen Versammlungen war es üblich, sich in tiefe Konzentration zu versenken, doch lief dieser Brauch später auf ein bedingtes, abstraktes Denken hinaus, woraus sich keine gedankliche Zusammenarbeit ergab.
     Viele Redner können indessen bezeugen, daß ihre Rede mitunter von besonderer Klarheit und Überzeugungskraft war, gerade so als ob eine bestimmte

[Russisches Original. Seite 494.]



mächtige Energie auf sie einwirkte. Natürlich können überirdische Einflüsse herrschen, doch kann es sich außerdem auch um Denkeinwirkungen von Mitarbeitern und Zuhörern handeln.
     So könnten die Redner auch bestätigen, daß bisweilen ganze Unterbrechungen ihres Gedankenflusses eintraten, ihnen die Worte entfielen und eine bereits einstudierte Rede sich verflüchtigte. Hierbei hat es sich ebenfalls um die Einwirkung des ungeordneten Denkens der Masse gehandelt. Wir haben jedoch keine Kunde davon, daß Gelehrte solche Einwirkungen untersucht hätten. Wenn schon der Einfluß des Denkens nicht erforscht wird, muß man sich dann wundern, daß überirdische Einwirkungen nicht anerkannt werden?
     Der Denker lehrte: "Laßt uns nicht vergessen, daß wir unsichtbare Freunde und Feinde haben."

     536. Urusvati weiß, daß jede menschliche Berührung bereits einen magnetischen Vorgang darstellt. Einige Menschen haben aufgrund dessen dem Händedruck entsagt, doch tritt nun eine Zeit heran, da die Wissenschaft die gesunden Bedingungen jeglicher Berührung mit den Händen erläutern sollte. Bis zum heutigen Tag lenkte man seine Aufmerksamkeit auf mechanische Massagen, und die Medizin verordnete Arzneien zur Einreibung. Die Menschen messen solchen Einwirkungen eine große Bedeutung bei, und sie haben auch die große Bedeutung solcher Heilanwendungen über die Haut unter allen Heilmaßnahmen richtig verstanden, doch das Wichtigste wurde übersehen. Niemand hat sich darum gekümmert, wer denn die Einreibung durchführe. Indessen ist diese Bedingung weitaus bedeutsamer als die Einreibung selbst.
     Man muß verstehen, daß die psychische Energie allein bei einer harmonischen Verbindung heilsam wirken kann. Bemerkt, daß bei gleichartigen Erkrankungen Einreibungen dennoch überaus verschieden wirken. In vielen Fällen wirkt eine leichte Berührung mit der Hand eines harmonischen Menschen als beste Arznei. Offensichtlich ist jedoch auch, daß sich selbst bei bester mechanischer Massage ein unzweifelhafter Schaden einstellen kann. Nicht nur die Ärzte, sondern auch die Pflegepersonen müssen in bezug auf die Qualität ihrer psychischen Energie geprüft werden. Es ist nicht allein Vertrauen zum Arzt notwendig, sondern auch seine heilsame Energie.
     Die Anwendung solcher vorbereitenden Studien wird es ermöglichen, die Volksgesundheit zu heben. Hierbei darf nicht unterstellt werden, daß eine unharmonische Energie bereits schlecht ist. Sie vermag nur nicht zu entsprechen, ein Schaden jedoch wird nicht

[Russisches Original. Seite 495.]



zwingend sein.
     Der Denker bestand darauf, daß die Menschen lernen, die Bedeutung der Harmonie zu verstehen, anderenfalls würden Hunde sich in einer besseren Lage befinden.

     537. Urusvati weiß, wie verschiedenartig die Eigenschaften der psychischen Energie sind. Sie lassen sich im Rahmen der Erforschung von Ausstrahlungen und Schwingungen studieren. Solche Erforschung kann jedoch erst in der Zukunft bei Vervollkommnung der Apparate durchgeführt werden. Es gibt aber noch ein weiteres Verfahren, das angewandt werden kann. Wir sprachen bereits über die Magnetisierung von Wasser. Ihr habt selbst beobachtet, in welchem Maße Wasser die Eigenschaften der psychischen Energie des Menschen annimmt und welch kurze Zeit dafür nur erforderlich ist.
     Es läßt sich beobachten, wie individuell das Wasser die Einwirkung der Energie aufzeigt, wenn man es in der Nähe des Kopfes aufstellt. Gleichfalls kann man feststellen, welche mineralischen Zusätze die Beobachtungen unterstützen. Eisenhaltige Wässer sind gut geeignet, schwefelhaltige dagegen versprechen keinen Erfolg.
     Im Altertum wurden solche Versuche oft durchgeführt. Mitunter brachte man auf der Wasseroberfläche einige Tropfen eines Baumharzes auf, in der Annahme, daß es die Konzentration von Strömen fördere. Ebenso achtete man auf die Art des Gefäßes; so zog man kupferne Gefäße vor, verwandte aber keine tönernen. Die Gefäßwände mußten poliert sein, und ein solches Gefäß durfte nicht im häuslichen Alltag verwendet werden; man hielt es mit einem kupfernen Deckel geschlossen. Solche Gegenstände zeigten, wie wohlüberlegt die Alten handelten.
     Sie werden sicherlich auch noch andere Verfahren angewandt haben, um unterschiedliche Zustandsformen der Energie zu beobachten. Überdies bezeichneten die Alten ihre Beobachtungen als Wahrsagen, wodurch die Beobachtungen in den Augen von Skeptikern ihre wissenschaftliche Bedeutung verloren. Ein denkender Geist ist von neuem offen, um der Menschheit zu zeigen, wie unerschütterlich die Grundlagen sind. Man kann darüber lächeln, wie sehr die Menschen sich mit bedingten Bezeichnungen einfach abfinden. Deren inneres Wesen ist jedoch unverändert geblieben, und unter den Bräuchen des Altertums lassen sich wissenschaftliche Errungenschaften finden.
     Der Denker lehrte: "Glaubt nicht, eure Ahnen seien Dummköpfe gewesen. Ihr habt nur einfach viele ihrer Errungenschaften vergessen."

[Russisches Original. Seite 496.]



     538. Urusvati weiß, daß es die Übertragung von Gefühlen auf Entfernung gibt. Eine solche Erfahrung bestätigt um so mehr das Vorhandensein der Energie, die den gesamten Raum sättigt. Vergessen wir nicht, daß das Phänomen der Teraphime auf einer solchen Übertragung beruht. Man muß nicht unbedingt ein bestimmtes Bild dafür besitzen, wenn die Energie durch den Willensbefehl gesandt wird. Jeglicher Teraphim stellt nur ein Hilfsmittel dar, doch bedarf ein starker Wille eines solchen Hilfsmittels nicht.
     Es muß daran erinnert werden, daß die Übertragung von Gefühlen im Leben ebenso oft vonstatten geht wie Gedankenübertragung, doch achten die Menschen nicht darauf. Die Übertragung von Gefühlen kann bewußt und absichtlich erfolgen, ebensogut jedoch auch unbewußt. Die unbewußten Übertragungen erfolgen häufiger als die bewußten, und viele schmerzhafte Empfindungen und Stimmungen sind Folgen solcher Übertragungen.
     Es ist bereits vorhersehbar, daß die Menschheit der Zukunft das ungeheuer große Gebiet des Denkens ordnen wird. Man darf nicht in dem Irrtum verbleiben, daß nur einige Zauberer und Hexenmeister der Naturkräfte mächtig seien. Jeder Mensch befindet sich in Berührung mit der Macht der Energie, will aber dennoch diesen Vorzug nicht erkennen. Man könnte eine ganze Reihe von Büchern über Fragen des Geheimwissens verfassen, doch wäre dies so lange nicht nützlich, als der Mensch von dem Gedanken seiner Möglichkeiten noch nicht erleuchtet ist. Alle Ratschläge, selbst die dringendsten, werden die Menschen wie eine Tagesneuigkeit gelangweilt lesen. Sie denken nicht darüber nach, daß das Geschriebene ihnen zur unverzüglichen Anwendung übergeben worden ist.
     Der Denker trieb die Mitbürger an, die unsichtbare, doch fühlbare Welt zu erkennen.

     539. Urusvati weiß von vielen Warnungen und Unterweisungen, die der Menschheit gesandt worden sind. Vergleicht den Sinn der Lehren des Pythagoras mit den Briefen des Priesterkönigs Johannes, mit den Taten Saint Germains und den Mahatma-Briefen, und überall werdet ihr die Sorge

[Russisches Original. Seite 497.]



um die Gesundung der Menschheit finden.
     Mögen die Unterweisungen auch in verschiedenen Sprachen gegeben worden sein und die Züge der zeitgenössischen Epochen tragen, so ist es doch aufschlußreich, die Grundlagen dieser Botschaften zu verfolgen. Die Menschen halten solche Schriften mitunter für unecht, fällt es jedoch nicht auf, daß ein einziger Gedanke über verschiedene Jahrhunderte hinweg lebte? Viele Botschaften werden bestimmten Personen zugeschrieben, doch in noch größerer Zahl existieren anonyme Schriften. Es läßt sich sehen, wie sie sich in verschiedenen Ländern verbreiteten und ihre Anhänger hatten. Man muß diese umfangreiche Literatur studieren, doch wurde sie bisher nicht gesammelt noch nach ihrem inneren Sinn zusammengestellt.
     Oftmals beklagen sich die Menschen, keine Führung zu haben. Nehmt jedoch nur Handschriften und Druckwerke aus den Regalen der Bibliotheken, um euch davon zu überzeugen, welche Vielzahl unbekannter Autoren an der Evolution der Menschheit gearbeitet hat. Vergessen wir nicht, daß einige dieser Tatmenschen mehrere Pseudonyme verwandten. Daher darf man die Arbeiten nicht nach Autoren sammeln, sondern nach ihrem inneren Wert.
     Wir legen keinen Wert auf Unsere Namen, da im Verlauf eines langen Lebens die Namen oft wechseln. Wir schätzen den Sinngehalt der Arbeit, messen jedoch der Frage, ob ein Name auf dem ersten oder zehnten Regal zu finden ist, keine Bedeutung bei. Vergessen wir auch nicht, wieviele Handschriften von den Händen unverhohlener Neider vernichtet wurden.
     Der Denker sprach: "Können wir davon überzeugt sein, daß unsere Schriften unter unserem Namen überdauern werden? Laßt uns darüber nicht erst nachdenken, da ein solches Denken nur Zeitvergeudung darstellt."

     540. Urusvati weiß, wieviele nützliche Aufzeichnungen man außerhalb staatlicher Bibliotheken in Familienarchiven finden kann. Es ist ein großer Irrtum zu meinen, staatliche Bibliotheken könnten sämtliches in Handschriften hinterlassene Material erschöpfend aufführen. Ein ebensolcher Irrtum ist es anzunehmen, daß die ungeheure Menge gedruckter Bücher die wichtigsten Lebensfragen abdecke. Im Gegenteil, es läßt sich bestätigen, daß die wichtigsten Aufzeichnungen nicht herausgegeben wurden oder in privaten Kellern verderben.
     Erschreckend der Gedanke, daß eine Vielzahl unwiederholbarer menschlicher Errungenschaften

[Russisches Original. Seite 498.]



zugrundegeht! Man muß damit beginnen, die Privatarchive zu bewahren, auch wenn dies nicht einfach sein wird.
     Man darf nicht voraussetzen, daß gerade die Archive bekannter Leute besonders interessant seien. Äußerst bemerkenswerte Aufzeichnungen können sich ebensogut bei unbekannten Bürgern befinden. Diese Aufzeichnungen können Zeugnis von sehr aufschlußreichen Erscheinungen ablegen, wie Bestätigungen alter Generationen, die von den Nachkommen nicht wiederaufgegriffen wurden. Niemandem kam es in den Sinn, solche Niederschriften zu drucken.
     Eine große Zahl von Chroniken ist auch in Klöstern und in den Archiven verschiedener Ordensverbindungen verschwunden. Vieles ist bereits verdorben, doch vieles liegt noch im Staub begraben. Die Menschen sollten nicht sagen, sie hätten über verschiedene Fragen keine Kenntnis, sondern erkennen, wieviel sorgsam Aufgezeichnetes in dunklen Verliesen ruht. Möge jeder aufmerksam hinhören, wenn er von Aufzeichnungen erfährt, die jemand verwahrt. Viele strahlende Gedanken wurden aus Bescheidenheit oder Trägheit begraben. So wird man auch in Bibliotheken ungeordnete Handschriftenbündel finden können.
     Der Denker regte Seine Schüler dazu an, Familienaufzeichnungen aufzubewahren.

     541. Urusvati weiß, mit welcher Mühe die Sichtung von Familienarchiven verbunden ist. Überaus bedeutsames Wissen kann beiläufig erwähnt sein, bekannteste Namen erscheinen aufgrund von Absprachen, in Form von Initialen oder als Beinamen. Schließlich kann die gesamte Darstellung in einem bestimmten verabredeten Stil verfaßt sein. Das letztere ist nicht selten aus Furcht vor Verfolgung geschehen, weshalb manche Archive, auch solche, die als erforscht gelten, in Wirklichkeit vieles noch Unbemerkte enthalten.
     Solche Archive, wie die von Choiseul, Goethe, Stroganov, enthalten viel nützliches Wissen. Solches Tatsachenmaterial bietet besonders Aufschlußreiches über das innere Leben Unserer Bruderschaft. Man muß Ademar für die Hinterlassenschaft von Aufzeichnungen danken, ohne die viele Seiten der Tätigkeit Saint Germains nicht bekannt geworden wären. Jemand wird sich dennoch erstaunt zeigen, wozu denn die Aufzeichnungen des Ademar nötig seien, wenn Wir doch alles viel vollständiger erklären könnten. Doch die Menschen schätzen Aussagen ihrer Zeitgenossen, und solche Aufzeichnungen werden in den Augen der Menschheit als Beweisstücke weitaus mehr Gültigkeit besitzen

[Russisches Original. Seite 499.]



als Unsere anonymen Mitteilungen.
     Desgleichen müssen auch arabische und iranische Aufzeichnungen studiert werden, in denen sich Zeugnisse Reisender finden lassen. So wird verständlich, weshalb Wir so oft von Zusammenarbeit sprechen. Eine einzelne Erzählung, in verschiedenen Jahrhunderten von historischen Persönlichkeiten wiederholt, stellt ein überaus reales Zeugnis dar.
     Es ist erstaunlich, wie Wissen über die Bruderschaft unerwartet in Länder eindrang. Man kann es in Irland, Norwegen und Spanien finden, wohin es Seefahrer aus dem Osten trugen. Mögen die Forscher sich nicht ihre eigenen Wege abschneiden. Funde können sich ganz unerwartet einstellen.
     Der Denker lehrte, nicht zu verzweifeln: "Suchende, ihr könnt nicht wissen, wo und wann ihr die Schwelle zum Fund überschreiten werdet."

     542. Urusvati weiß, daß die Hauptgrundlage Unseres inneren Lebens die Übung des Denkens ist. Es irrt sich, wer annimmt, ab einer bestimmten Stufe brauche das Denken nicht mehr entwickelt zu werden. Das Denken muß von Beginn an entwickelt und fortan immer weiter vervollkommnet werden. Des Mitleids wert sind jene, die meinen, in irgendwelchen feierlichen Prozessionen Leben antreffen zu können. Arbeit ist in allem, so auch in dem Bestreben des Denkens.
     Wir bedauern jene, die der Auffassung sind, für sie sei Denken nicht erforderlich. Ein überaus großer Teil der Menschheit denkt überhaupt nicht. Die ungeordneten Fetzen verworrener Geister dürfen nicht für Denken gehalten werden. Sie entstehen aus dem Chaos und vergehen ebenso schnell wieder wie Schneeflocken bei Tauwetter. Viele empfinden eine dem Denken gewidmete Existenz als außerordentlich langweilig.
     Ihr möchtet von Unserem inneren Leben erfahren. Auch wenn Ströme die mannigfaltigsten irdischen Ereignisse herantragen, finden Wir dennoch auch inmitten solcher Wirren Zeit, um nachzudenken. Die Gedankenbildung bedarf keiner langen Zeit, und ihre Klarheit und gute Organisation wird durch beständige Übung erreicht. Für solche Übungen braucht es keine bestimmte Verfassung. Wenn das Wesen dem Gemeinwohl zustrebt, wird auch jede Phase des Denkens in die gleiche Richtung gebracht.

[Russisches Original. Seite 500.]



     Das Denken vermag streng oder freudig zu sein, auch beständig mitfühlend und barmherzig, was eine Art Schlüssel des Denkens darstellt, doch die Klarheit der Vorstellung hängt von dem Vorrat an psychischer Energie ab.
     Einige meinen, bei Uns dürfte es nicht nötig sein, Uns um diesen Vorrat zu bemühen. Dummköpfe verstehen nicht, daß die Harmonie der Energie wohl gehütet werden muß. Der eine kann den Vorrat an psychischer Energie etwas langsamer wiederherstellen, der andere kann dies schneller erreichen, und einem weiteren genügt es, die Augen zu schließen und tief durchzuatmen, um einen entstandenen Verlust wieder auszugleichen. Auch Wir müssen Unseren Vorrat wieder auffüllen, dies zu leugnen wäre unwissenschaftlich.
     Mitunter erhaltet ihr keine rasche Antwort. In einer solchen Stunde können besonders eilige Ereignisse vonstatten gehen, doch ebensogut kann es sein, daß gerade der Vorrat an psychischer Energie wieder aufgefüllt werden muß. Laßt uns über alles nachdenken, wie es auch im menschlichen Leben ist, so werden wir nicht fehlgehen. Der Mikrokosmos wird den Zustand des Makrokosmos verstehen. Auch über Unser inneres Leben denkt menschlich. Bewahrt in allen Überlegungen die Schönheit der Vorstellung und lernt es, die Vorstellung von Arbeit für das Gemeinwohl zu lieben.
     Der Denker sprach: "Wenn wir mit allen Kräften lieben würden, wären wir erfolgreich."

     543. Urusvati weiß, daß der Zustand voller Wachsamkeit ebenfalls eine der Grundlagen Unseres inneren Lebens ist. Glaubt nicht, eine solche Wache sei etwas Übernatürliches. Menschen zeichnen sich nicht selten durch eine besondere Empfindsamkeit aus. Sie haben einen feinfühligen Schlaf von gespannter Aufmerksamkeit, in der sie sogar Luftbewegungen wahrnehmen. Dies geht ohne lange Vorbereitungen vonstatten, die psychische Energie arbeitet selbständig, wenn sie nicht von äußeren Bedingungen belastet ist. Doch wenn die Energie bei einer ihr gegenüber unbewußten Einstellung arbeitet, wie offenbart sie sich erst bei bewußtem und bestrebtem Bemühen! Fügt noch die lange Dauer Unserer Existenz hinzu, so werdet ihr euch vorstellen können, wieviele Eigenschaften sich verstärken.
     Die Menschen behaupten, daß ständige angespannte Wache etwas

[Russisches Original. Seite 501.]



Unerträgliches sein müsse, doch ist diese Befürchtung unbegründet. Jeder Tatmensch, der Fähigkeiten besitzt, hält solche Mühe nicht für unerträglich. Er ist dermaßen an sie gewöhnt, daß er nicht ohne sie zu sein vermag.
     Ebenso kann uns auch hohe Feinfühligkeit, in vernünftiger Weise entwickelt, nicht belasten. Sie wird zu einer natürlichen Tatsache, besonders wenn auch der Schlaf sehr kurz wird. Besser wäre es, solchen Schlaf als Ausruhen zu bezeichnen.
     Wir lassen den feinstofflichen Körper nicht immer fort, um die Bewußtheit nicht einzubüßen. Wenn Wir in die Feinstoffliche Welt zu gehen wünschen, übernimmt ein Freund die Wache, in die Er auch den Körper miteinbezieht, um keine unerwünschten Ströme herantreten zu lassen. So seht ihr, daß die Wache unter zusätzlichem Vorhandensein bestimmter Apparate eine unverrückbare Bedingung Unseres inneren Lebens ist.
     Der Denker lehrte: "Möge jeder Feinfühligkeit in sich entwickeln, so wird er hundertfach erfolgreicher voranschreiten."

     544. Urusvati weiß, daß einige Aspekte Unseres inneren Lebens einer Fehldeutung ausgesetzt sind. So sagt man, Wir erwiesen jenen, die Uns in vergangenen Leben begegnet sind, einen Vorzug. Aus Unwissenheit halten die Menschen dies für ungerecht, doch selbst bevorzugen sie als Mitarbeiter jene, von denen sie überzeugt sein können.
     Sie wünschen, daß nur erprobte Mitarbeiter sie umgeben. Niemand wird eine solche Auswahl als ungerecht bezeichnen - dies ist ein menschlicher Aspekt. Vergessen wir überdies die Harmonie nicht, die für die Mitarbeit unerläßlich ist. Es ist nicht wenig Zeit erforderlich, um die Nervenzentren in Übereinstimmung zu bringen. Wir brauchen übereinstimmende Bestrebungen, um die Energie nach Möglichkeit nicht zwecklos zu verausgaben. Wer aber vermag besser zu der gemeinsamen Arbeit beizutragen als eine Persönlichkeit, die bereits an ihr teilgenommen hat? Es ist klar, daß Wir bevollmächtigte Tatmenschen aus jenen auswählen, die bereits für das Gemeinwohl gearbeitet haben.
     Wir helfen jenen, die einen besonderen Auftrag haben. Dies ist vollkommen gerecht, da sich um diese Gesandten eine Vielzahl schwerer Ströme verdichtet. Viele möchten

[Russisches Original. Seite 502.]



von diesen Tatmenschen verschont bleiben, und wenn sie es könnten, würden sie auch Uns vernichten. Man darf jedoch nicht sagen, Wir würden Uns nur auf diese alten Freunde beschränken - die Eingänge zur Zusammenarbeit sind geöffnet. Doch nur erprobte Tatmenschen können verstehen, was Vertrauen bedeutet, absolutes Vertrauen bis zum Schluß, ungeachtet der Umstände. Solche Bedingungen der Zusammenarbeit werden nicht aufgezwungen noch befohlen, sondern durch die Erfahrung erkannt. Desgleichen zeigt auch nur Erfahrung auf, worin Unsere Hilfe besteht. Kurzsichtige erkennen sie nicht, da sie nach sich selbst, ihrem eigenen Bewußtseinshorizont gemäß urteilen.
     Der Denker bestätigte: "Die höhere Hilfe ist so herrlich, daß allein ein hoher Geist ihre Schönheit zu verstehen vermag."

     545. Urusvati weiß, daß manche einem derartigen Irrtum verfallen, Uns sogar der Selbstsucht zu bezichtigen. Ein solcher Irrtum beruht darauf, daß Wir, nach den Worten der Ankläger, nur dort helfen würden, wo es Uns von Vorteil sei. Überdies erwiesen Wir gerade solchen Menschen keine Hilfe, die sie zu erhalten wünschten. Und schließlich würden Wir nicht in derjenigen Weise helfen, wie die Menschen es sich vorstellten. Derartige Beschuldigungen werden nicht selten laut ausgesprochen, doch noch öfter gedanklich zum Ausdruck gebracht.
     Die Menschen wollen nicht begreifen, daß Hilfe nur auf der Grundlage kosmischer und karmischer Gesetze möglich ist. Ebensowenig wollen die Menschen anerkennen, daß eine harmonische Vereinigung ein bedeutendes Maß an Zeit für ihre Entwicklung und beiderseitiges Bestreben erfordert. Die Menschen schreien nach Hilfe, ohne sich die Mühe zu geben, ihr den Weg zu bereiten. Bei Krankheiten wendet man sich gewöhnlich erst dann an Uns, wenn der Organismus bereits in nicht wiedergutzumachender Weise gestört ist.
     Man muß all diese hinterlistigen und offenen Beschuldigungen in bezug auf Uns grausame Faulpelze hören, die eben keinen Teil Ihrer unerschöpflichen Energie abgeben wollten. So flüstern auch Menschen, die von Uns wissen, sie hätten von Entsprechung und Angemessenheit gehört, doch sind diese Begriffe für sie abstrakt geblieben. Mitunter verursachen jene, die nichts von Uns wissen, weniger Schaden als diejenigen, die in unverantwortlicher Weise den Raum verseuchen.
     Die Lehre zeigt ausführlich auf, wie besonnen die Energie verteilt werden muß. Sie darf nicht in einer Weise verwendet werden, daß sie zum Schaden einer Vielzahl von Umständen gereichen könnte. So besitzt Unser inneres Leben viele Aspekte, die bei besonnener

[Russisches Original. Seite 503.]



menschlicher Mitarbeit verbessert werden können.
     Der Denker bat Seine Schüler, zielgerichtet und zweckentsprechend zu handeln: "Lernt es, den Pfeil in die Mitte des Zieles zu schießen."

     546. Urusvati weiß, daß das innere Leben der Tatmenschen auf viele Disziplinen gegründet ist. Selbsttätigkeit, Tapferkeit, Zweckentsprechung, Unermüdlichkeit, Barmherzigkeit, Verehrung der Hierarchie und viele andere Disziplinen werden mit Fleiß und bewußt entwickelt. Es ist unmöglich, sich ein besonnenes, vernünftiges Leben vorzustellen, wenn es von ungeordneten Erscheinungen umgeben ist.
     Die Tatmenschen wissen, daß sie jede Disziplin freiwillig annehmen, und sie bedauern keine ihnen auferlegte Arbeit. Sie verstehen, daß Selbsttätigkeit bis zum äußersten Grade entwickelt werden muß. Bevor er sich an den Führer wendet, wird sich jeder Tatmensch selbst fragen, ob er nicht noch ein weiteres selbsttätig vollbringen könne.
     So können auch alle übrigen Disziplinen in beliebigen Lebensverhältnissen entwickelt werden: die Menschen können dies nicht verstehen, da sie sich die Tatmenschen als herrschaftlich und reich vorstellen, ohne zu verstehen, daß Wir sämtliche Schwierigkeiten des Lebens durchschreiten und in ihnen erstarken. Nur wenige sind einverstanden, den irdischen Aufenthalt in seiner Fülle zu durchleben, da in vielerlei Hinsicht die durch die menschliche Unwissenheit hervorgerufenen Kümmernisse überwiegen. Doch die Tatmenschen wissen, daß jede Disziplin für die Fortentwicklung unerläßlich ist. Es ist besser, die volle Bürde auf sich zu nehmen, als auf demselben Weg hin und her zu laufen. In der Lehre ist die Aufgabe der Tatmenschen klar aufgezeigt worden, und jeder vermag zu entscheiden, welche Disziplin ihm unerläßlich ist. Unser inneres Leben ist voll strenger Disziplin.
     Der Denker lehrte Seine Schüler, die Disziplin zu lieben. Ohne sie sei es unmöglich, im Tun zu erstarken.

     547. Urusvati weiß, daß in der Welt alles unwiederholbar ist. Das Gesetz ist einheitlich, doch seine Einwirkungen auf die Materie rufen unzählbare Verbindungen hervor. Die Menschen lassen sich in zwei bestimmte Typen einteilen: Die einen fühlen diesen unwiederholbaren Reichtum des Kosmos,

[Russisches Original. Seite 504.]



für die anderen ist alles unbeweglich, gleichförmig und besitzt weder Bedeutung noch Schönheit. Unter der letzteren menschlichen Sichtweise werdet ihr die Egoisten finden, die sich selbst höher als alle hohen Erscheinungen der Natur stellen.
     Doch gewisse Apparate, wie auch Wir sie verwenden, zeigen die unaussprechliche Mannigfaltigkeit der Energie und der Materiesubstanz auf. Das Lebenspendel fällt unter solche Apparate. Sie können verwendet werden, um die Eigenschaften der psychischen Energie aufzuzeigen, für die Erforschung des Erdbodens und die Gedankenübertragung. Bei dem letzten Versuch konnte man sehen, daß der Gedanke schlagartig auf die psychische Energie einwirkt und mit großer Schnelligkeit arbeitet. Einige nehmen an, der Zeiger bringe ihre eigenen Gedanken zum Ausdruck, was davon kommen kann, daß gesandte Gedanken sich bereits im Bewußtsein widerspiegeln. In jedem Fall aber zeigt solch eine Übertragung, wie ein Gedanke sich in physische Energie umwandelt und bedeutsame, vielfältige Meßwerte ergibt.
     Manche Apparate erfordern die Übertragung jedes Buchstaben und bedürfen der Anwesenheit einiger Personen, womit sie einem physikalischen Telegraphen ähneln. Doch Wir sprechen nun von der Gedankenübertragung. So kann man sich ein Urteil über den Formierungsprozeß des Denkens bilden. Die Erscheinung der Vielfalt läßt sich anhand der Meßwerte der psychischen Energie sehen. Nur ein scharfsichtiges, feinfühliges Auge kann die Meßwerte höchst individueller Eigenschaften voneinander unterscheiden.
     Der Denker wies bereits in Seinen Aufzeichnungen auf die unzählbaren Besonderheiten des menschlichen Geistes hin.

     548. Urusvati weiß, daß Grausamkeit, Grobheit, Heuchelei und Lüge den Fortschritt der Menschheit behindern. Die Wissenschaft, stolz auf ihre Errungenschaften und Erfolge, verhilft nicht dazu, Menschlichkeit zu finden. Die Kunst erhöht das Bewußtsein nicht. Mit einem Wort: mit der Welt steht es ungünstig.
     Die Gesellschaftslehren weisen auf die Grundlagen des Fortschrittes hin, und nirgends sind Lobpreisungen der vier genannten Untugenden zu finden. In allen Hinweisen wird dagegen immer wieder hervorgehoben, wie notwendig der Aufstieg des menschlichen Bewußtseins ist. Die extremsten Lehren preisen die Lüge nicht. Doch haben weder Wissenschaft noch Kunst und Religion die dem Menschen wie Ketten anliegenden Untugenden ausgemerzt.

[Russisches Original. Seite 505.]



     Man muß hingegen daran erinnern, daß sowohl Wissenschaft als auch Kunst und Religion die primitivsten Erscheinungen sogar gefördert haben. Selbst gewisse philosophische Vereinigungen erörtern höhere Dinge und geben sich unmittelbar danach schändlichsten Untugenden hin. Man muß die Wurzel der gesellschaftlichen Krankheit genau betrachten. Allein eine Gesundung des inneren Lebens wird dazu verhelfen, auch die gesellschaftlichen Erscheinungen auf eine höhere Stufe zu heben. So ist, neben wissenschaftlicher Erkenntnis und den von der Kunst vermittelten kurzen Momenten der Begeisterung, Tapferkeit notwendig, um das innere Leben zu verbessern. Tapferkeit entwickelt auch Geduld. Ein Mensch, der dem Wesen nach geduldig ist, wird tapfer und ausdauernd sein.
     Wir müssen dem Chaos das Beste entgegenstellen, was in uns lebt und sich in uns offenbart. Allein durch solche Selbsttätigkeit vermag man unaufhörlich aufzusteigen. Die Menschen fürchten das Wort "Sittlichkeit", sprechen aber gern von Sitten, geradezu als ob diese beiden Begriffe nicht ein und dieselbe Wurzel hätten. Das sittliche Wesen verändert sich jedoch nicht ohne Einwirkung auf das innere Leben.
     Der Denker lehrte: " Die Sitten der Völker gestalten die Geschichte der Menschheit. Mögen diese Feuer hell leuchten!"

     549. Urusvati weiß von den Sympathien und Antipathien, die in den menschlichen Beziehungen aufkommen. Oftmals vermögen die Menschen die Ursache solcher sich steigernder Gefühle nicht einmal zu erkennen. Über karmische und physische Ursachen hinaus muß es auch noch etwas geben, das eine Grenze zwischen den einzelnen Menschen aufbaut. Diese Grenze existiert, und nichts anderes als die psychische Energie stellt die Ursache dar.
     Es läßt sich feststellen, daß an psychischer Energie beraubte Menschen jene zu hassen beginnen, die sie in höherem Maße besitzen. Die Menschen kennen dieses Gesetz nicht und suchen die Ursachen des Hasses in allen möglichen Bedingungen. Auch der Neid beruht in den meisten Fällen darauf, daß anderen ihre psychische Energie geneidet wird.
     Man kann unterschiedliche Menschentypen beobachten. Neben Rassen- und Klassenunterschieden muß man noch ein internationales Phänomen erkennen. Der Unterschied in den Eigenschaften der psychischen

[Russisches Original. Seite 506.]



Energie liegt wie ein Schwert zwischen den Menschen. Letztere erkennen die Ursache, die in ihnen Neid und Haß entstehen läßt, nicht an. Sie könnten die Ursache auch gar nicht erklären, da dieser Menschentyp gewöhnlich überhaupt nichts von der psychischen Energie weiß. Für sie ist diese Energie ein leerer, abstrakter Begriff. Doch ist auf diese auch in besonderem Maße der Zusatz "bettelarm" anwendbar.
     Jeder Neider, Verleumder und Hasser ist vor allem bettelarm. Er hat sich selbst der höheren Aufspeicherungen beraubt. Auch in der Vergangenheit hat er sich nicht darum gesorgt, die Grundlagen des Daseins zu erkennen. Mit Schmerzen beobachten Wir, wie solche Bettler sich selbst und anderen Schaden zufügen. Und es ist unmöglich, ihnen Erleichterung zu verschaffen, da ihnen jeder Gebende bereits verhaßt ist.
     Der Denker kannte solche unversöhnlichen Neider. Er sagte von ihnen: "Seht, wie die Last ihres Hasses ihren Rücken zu einem Buckel gekrümmt hat."

     550. Urusvati weiß, daß Besitzergreifer vor allem nicht die Gegenwart eines großen Vorrates an psychischer Energie ertragen. Sie prallen wie Pfeile von diesem festen Schild ab. Um so stärker wird ihre Bosheit sein, und Besessene handeln dann im Haß sogar gegen ihren eigenen Nutzen. Man kann oft beobachten, wie Besessene allem gesunden Menschenverstand zuwider handeln, nur um Böses zu vollziehen.
     Man muß verstehen, wie viele solcher Übeltaten es gibt, die vollbracht werden, um den unsichtbaren Übeltäter zu befriedigen. Die Menschen nennen sie Dämonen, doch einfacher ist es, sie als Abschaum zu bezeichnen. Man darf nicht meinen, für Besessenheit bedürfe es irgendwelcher mächtiger Dämonen. Jeder irdische Verbrecher wird in der Folge unausbleiblich danach streben, von einem anderen Besitz zu ergreifen um dadurch seinen unausgelebten und nicht überwundenen Haß zu nähren.
     Man muß begreifen, daß nicht allein Kleinmütige, sondern auch alle, die sich dem Zweifel hingeben, leicht zu Opfern von Besitzergreifern werden. Bei einer solchen Erkrankung weiß der Mensch selbst nicht, was er tut, und Außenstehende sind über die rasche Persönlichkeitsveränderung erstaunt. Es wird jedoch eine Zeit kommen, da wissenschaftliche Apparate die Bewußtseinsspaltung solch gefährlicher Kranken aufzeigen werden. Viele historische Ereignisse spielten sich unter dem Einfluß von Besessenheit ab - vergessen wir dies nicht.

[Russisches Original. Seite 507.]



     Der Denker sprach: "Manchmal scheint es, als würden anstelle der Archonten irgendwelche Gespenster reden, die die bluthaltige Nahrung lieben."

     551. Urusvati weiß, daß einige radikale Tatmenschen in rückschrittlicher Weise leben, was bedeutet, daß sie keine Tatmenschen, sondern zeitweise Schädlinge sind. Das persönliche Vorbild ist gefordert, wie in der Verbreitung der höheren Wahrheit, so auch in jeder beliebigen Alltagssituation.
     Wir können die Begriffe Geduld, Tapferkeit oder Barmherzigkeit aussprechen, wenn wir selbst die Kühnheit besitzen, diese Eigenschaften zu bekunden. Wir können in der Vergangenheit nachforschen, ob wir Helden oder Dulder gewesen sein könnten. Erst dann sind wir in der Lage, diese Grundlagen des irdischen Daseins auch in Worten zu bestätigen. Doch darf man sich bei den Nachforschungen in der Vergangenheit nicht allein auf irgendwelche großen Taten beschränken, die man für das ganze Volk vollbracht haben könnte. Ausgezeichnete Beweise lassen sich auch inmitten des Alltagslebens erbringen, und an jedem Tag können wir das innere Chaos überwinden und ein wildes Tier zähmen. Man muß jede herausragende Tat schätzen. Nicht nur die Heldentat für das Volk, sondern auch die äußerlich unbemerkbare Errungenschaft kann dazu dienen, beste Stufen zu ersteigen.
     Ich habe bereits davon gesprochen, daß es schwer ist zu beurteilen, wo die Grenze zwischen kleinen und großen Taten liegt. Wahrlich, die sogenannte kleine Tat ist in der Lage, die hervorragendsten Samenkörner zu legen. Wir wissen, wovon Wir sprechen. Die Menschen nennen solche Fortentwicklungen Prüfungen, doch ist es nicht besser, sie als Vervollkommnungen zu bezeichnen? Warum über Prüfungen jammern, wenn man in Vervollkommnung und Erfolg triumphieren kann!
     Der Denker bewegte Seine Schüler dazu, an jedem Tag in irgendeiner Angelegenheit erfolgreich zu sein.

     552. Urusvati weiß, daß der Keim einer Krankheit von größerer Bedeutung ist als ihre Folgen. Wir warnen vor dem Keim, da es später unmöglich ist zu helfen. Der Keim jedoch läßt sich durch gedankliche Heilmaßnahmen sehr gut beeinflussen. Ich spreche hier von psychischen als auch von körperlichen Erkrankungen. Besonders nützlich ist es, wenn mehrere Gedanken in derselben Richtung vereinigt sind. Nicht selten vermutet der Erkrankte noch nicht einmal die Möglichkeit einer Erkrankung. Nützlich wäre es, wenn sein Bewußtsein offen wäre und er den wohltätigen Sendungen

[Russisches Original. Seite 508.]



nicht entgegenwirkte. Daher ist es so notwendig, auf räumliche Sendungen zu hören.
     Man darf nicht der Scheinheiligkeit verfallen und sich etwas vorstellen, was nicht existiert, doch möge das Bewußtsein dennoch auf der Wacht stehen. Es ist traurig, beobachten zu müssen, daß die Menschen sich der Möglichkeit einer Hilfe erst dann erinnern, wenn sie bereits ohne Nutzen ist. Es gibt viele Beispiele, da Menschen hätten geheilt werden können, ihr Bewußtsein jedoch widerstrebte und die helfende Hand zurückstieß.
     Bisweilen unterstützen die Menschen, auch wenn sie mit den Gesetzen der psychischen Energie wenig vertraut sind, unbewußt nützliche Einflußnahmen. Wir freuen Uns, wenn ein Mensch auf den richtigen Weg gelangt, selbst wenn dies unbewußt geschieht. Solchen unbewußt vorgehenden Menschen muß man sich sehr vorsichtig nähern, da sie sich leicht abwenden könnten, doch eine sanfte freundschaftliche Berührung kann ihre versiegelte Schatzkammer öffnen. Dazu bedarf es nicht nur der Geduld, sondern auch einer großen Nachsicht. Diese Eigenschaft ist in allem hilfreich, ebenso bei der gedanklichen Heilung. Ein guter Arzt weiß, wie man sich um einen Kranken kümmern und ihm helfen muß.
     Der Denker suchte die Ärzte zu überzeugen, daß ihr Herz und Wille die besten Arzneien darstellten.

     553. Urusvati weiß, daß die Eigenschaft der Nachsicht falsch ausgelegt wird. Man versteht sie entweder als Hochmut oder als Fahrlässigkeit. So wie diese beiden Begriffe etwas Schändliches darstellen, so wird auch der Begriff der Nachsicht in ungutem Sinne verwendet. Wir aber verwenden ihn, um eine Eigenschaft der Menschlichkeit zu bezeichnen. Im Gemeinschaftsleben ist sie eine wechselseitige Erscheinung. Das gesamte irdische Leben besteht aus einem ständigen Wechsel von Nachsicht und Mitleid. Die Menschen bekunden diese wohltätigen Eigenschaften mitunter bewußt, doch erweisen sie Nachsicht öfter aus reiner Gutmütigkeit, ohne ihrem Lächeln eine besondere Bedeutung beizumessen.
     Im Alltagsleben weiß irgend jemand immer mehr als andere, doch aus Menschlichkeit wird er sich damit nicht wichtig tun und den anderen ihre Unwissenheit vorhalten. Er wird im Gegenteil alle Mühe aufwenden, um sein Wissen auf menschlichem Wege einzubringen. Bereits vor langem haben Wir davon gesprochen, daß Gespräche dem Bewußtsein des anderen entsprechend verlaufen müssen, und solche Gespräche kann man als menschlich bezeichnen.

[Russisches Original. Seite 509.]



     Man fragt Uns nach Unserem inneren Leben - es ist menschlich und auf erhabene Geduld gegründet. Unterstellt Uns keinen Hochmut, wenn Ich von erhabener Geduld spreche. Sie muß groß, erprobt und auf Menschenliebe gegründet sein.
     Es ist nicht möglich, Geduld im Alltagsleben leicht zu erreichen. Die Angefülltheit des Raumes unterstützt dieses Ziel nicht. Viele Ströme behindern die Menschen, die davon noch nicht einmal eine Vorstellung haben. Wir wissen, wie schwer das irdische Leben ist. Es irrt sich, wer das Leben aus Unwissenheit für leicht hält. Doch ist der Übergangszustand weise eingerichtet, um die Klinge des Geistes wahrhaft zu härten. Das Korn des Geistes ist unerschütterlich, doch ist es in ein Gewand gehüllt, das der Mensch selbst webt.
     Das Weben dieses Gewandes ist nicht leicht. Wenn man dies weiß, kann man Samenkörner der Menschlichkeit säen. Man darf sie nicht mit einem bestimmten Vorsatz ausstreuen, denn dieser Garten wird um der höheren Schönheit willen errichtet. So zählen Wir die Grundlagen Unseres inneren Lebens auf. Wenn in jemandem der Wunsch und die Festigkeit lebt, sie anzuwenden, möge er es tun. Je angespannter die Stunde, um so größer ist der Verdienst der vollbrachten Tat. Wir verheimlichen die Komplexität der Lebensgrundlagen nicht, und in diesem beiderseitigen Vertrauen erstarkt die Menschlichkeit.
     Der Denker verstand, wieviele Hindernisse auf dem Weg des Menschen liegen. Wenn ein Zusammenstoß erfolgte, flüsterte Er: "Beachte diesen Stein nicht!"

     554. Urusvati weiß, daß der Mensch ein Behältnis alles Existierenden darstellt. Von den Keimen sämtlicher Krankheiten bis zu den höchsten transzendentalen Möglichkeiten vermag er alles in sich hervorzurufen. Durch eigene Zulassung kann er jede beliebige Krankheit hervorrufen, doch ebenso auch mit den höchsten Kräften in Verbindung treten. Der Mensch muß nur seine unzertrennliche Einheit mit dem Weltall verstehen. Unglück resultiert daraus, daß die Menschen ihre Möglichkeiten vergessen. Sie tun dies jedoch allzu oft, weshalb auch die Zahl der Nöte allzu groß ist.
     Keine Spezialwissenschaft ist in der Lage, das Bewußtsein von der Bestimmung des Menschen zu ersetzen. Das Bindeglied der Welten ist der Mensch. Diese seine Bestimmung darf er

[Russisches Original. Seite 510.]



nicht vergessen. Sie erstreckt sich als ein großes Schicksal auf alle Bereiche der Arbeit. Der Mensch darf von den ihm verliehenen Gaben keinen Abstand nehmen, da er anderenfalls zu einer Quelle von Elend wird. Besonders in den Tagen des Harmagedon sollte der Mensch über den inneren Sinn seines hiesigen Aufenthaltes nachdenken. Er darf sich nicht von den vorbestimmten Möglichkeiten ausschließen.
     Keine äußere Religion wird den Menschen retten, wenn er sich durch äußere Bedingtheiten selber eingrenzt. Das Auftreten kosmischer Phänomene darf nicht vergessen werden. Mögen die Gelehrten hinter die Grenze des Zufalls blicken. Möge jemand die Verbindung zwischen den Stimmungen der Menschen und physikalischen Phänomenen aufzeigen. Möge die Wissenschaft sich eine Auffassung von feinstofflichen Verbindungen und Wechselbeziehungen bilden. Wir werden es nicht erzwingen, sondern bringen allein den Wunsch zum Ausdruck, daß die Wissenschaft das Wesen des Menschen in größerem Maße erhellen möge.
     Der Denker wußte, daß die Zeit kommen würde, da die Wissenschaft die irdische Existenz von allen Seiten betrachten würde.

     555. Urusvati weiß, daß die meisten Menschen zur Gedankenübertragung auf Entfernung vollkommen unfähig sind. Sie besitzen sogar nicht einmal eine richtige Vorstellung davon, was gedankliche Konzentration bedeutet, und ihre Gedanken gleichen Schmetterlingen in der Nähe eines Feuers. Sie wollen sich nicht vorstellen, daß Denken durch die alltäglichen Gedankenhüpfer zerschlagen wird und dadurch einer Kakophonie gleicht. Sie wären sehr entrüstet, wenn ein Telegraphist mitten in eine Mitteilung seine eigenen Worte einfügte. Sie wären empört, wenn jemand mitten im Spiel eines Virtuosen dessen Saiten berührte. Aus der Sicht der Zuhörer wäre dies unzulässig. Wenn aber Gedanken durch irgend jemandes unsinnige Ausrufe jäh abgebrochen werden, so wird dies nicht verurteilt, da man noch nicht einmal die Bedeutung der Gedanken überhaupt versteht. Doch muß man erkennen, daß der Gedanke das grundlegende Wesen des Daseins darstellt.
     Man wird sagen, für Gedankenkonzentration seien irgendwelche besonderen Schulen notwendig. Keineswegs. Jeder Mensch vermag sich in der Gedankenkonzentration zu üben, mit den einfachsten Gegenständen beginnend. Wenn man sich selbst dazu veranlaßt, klar zu denken, wenn auch erst nur eine Viertelstunde am Tag, so wird dies bereits gute Folgen zeitigen.
     Vergessen wir überdies nicht, daß jeder Gedanke von irgend jemandem gehört wird. Ist es nicht beschämend,

[Russisches Original. Seite 511.]



ein ungeordnetes Denken in den Raum treten zu lassen? Wir sind sehr betrübt, wenn Uns anstelle klarer Gedanken irgendwelche ungereimte Fetzen erreichen. Man muß den Empfänger schonen und versuchen, die Sendung kurz und klar, ohne überflüssige Beifügungen zu gestalten. Ihr selbst entscheidet, was für euch das Wichtigste ist und werdet so die passendste Ausdrucksweise finden.
     Der Denker lehrte: "Wenn ihr das Erhabenste in kurzer Form zum Ausdruck bringen könnt, so tut dies."

     556. Urusvati weiß, daß den Atlantern die Luftfahrt bekannt war. Ist es nicht seltsam, daß diese Errungenschaft nach dem Untergang von Atlantis verschwand? Es hätten doch einige übriggebliebene Atlanter vom Geheimnis des Fliegens wissen können. Doch es schimmerten in den Chroniken nur kurze Aufzeichnungen über Luftschiffe durch, und später wurden auch diese für lange Zeit vergessen. Die lückenhafte Kenntnis über Salomon und sein fliegendes Schiff blieb im Bereich der Märchen, ebenso wie auch die Erzählung vom fliegenden Teppich. Die Menschheit hat bereits mehrmals von Flügeln geträumt, doch die Suche danach dauerte Jahrtausende.
     Aus welchem Grund sollte die Menschheit aber für lange Zeit eines solchen Vorzuges beraubt sein? Doch nicht nur eine einzige Errungenschaft wurde vergessen, als ob sie mit Gewalt fortgenommen worden wäre. Es konnte nicht anders sein, da die Menschen ihre ursprüngliche Bestimmung vergessen hatten.
     Man darf sich nicht wundern, daß auch heute viele Entdeckungen zurückgehalten werden. So kann man erfahren, daß notwendige Aufzeichnungen verschwinden und schon zur Veröffentlichung Bereites aufgeschoben wird.
     Die Menschen sind bereit, verschiedenen Märchen Glauben zu schenken, bemerken jedoch die Wirklichkeit nicht. Der Fortschritt hat seine Kurven. Es ist an der Zeit, die Aufmerksamkeit auf die Wellen menschlicher Errungenschaften zu lenken. Richtig sagt man, daß die Geschichte nur fragmentarisches Wissen herüberbrachte, doch einem nachdenklichen Forscher helfen diese kurzen Andeutungen dennoch.
     Dem Denker war das Alter der Erde und des Menschen bekannt. Er bestätigte, daß der Planet viele Katastrophen durchlebt habe. Und Er war es auch, der von Atlantis schrieb, was die Menschen jedoch lange für ein Märchen hielten. Für die Unwissenden ist die beste Wirklichkeit das Märchen.

[Russisches Original. Seite 512.]



     557. Urusvati weiß, daß der feinstoffliche Körper durch gute Handlungen genährt wird. Viele fassen dies als ein Paradoxon oder eine Ungereimtheit auf. Für sie existiert der feinstoffliche Körper gar nicht, und der Begriff des guten Handelns sei überaus relativ. In der Tat jedoch erstarkt der feinstoffliche Körper durch alles Hohe, und deshalb sind gutes Denken und Handeln so sehr nützlich.
     Auch die Kunst trägt Augenblicke höchster offenbarter Freude herbei, was für den feinstofflichen Körper überaus stärkende Nahrung bedeutet. Wenn alte Redewendungen von einer Ernährung durch Luft sprachen, so war damit die Einwirkung guter Verbindungen auf den feinstofflichen Körper gemeint.
     Einige meinen, der feinstoffliche Körper sei unzerstörbar, und irdische Gegebenheiten könnten daher auch keinen störenden Einfluß auf ihn ausüben, doch entbehrt diese Auffassung der realen Grundlage. Der feinstoffliche Körper ist trotz seiner Feinheit eben ein stofflicher, ein materieller Körper. Er vermag Schmerz zu empfinden, kann erstarken und sogar sich zersetzen. Er besitzt sein Eigenleben, und manchmal befindet er sich sogar nicht in Übereinstimmung mit dem grobstofflichen Körper. Inmitten verschiedener Einwirkungen kann gerade der feinstoffliche Körper früher reagieren als der grobstoffliche.
     Wir sprachen von den sogenannten lebenden Leichnamen. Sie sind im feinstofflichen Körper bereits gestorben, während der grobstoffliche noch lebt. Die psychische Energie befindet sich in solchen Fällen in einem unnormalen Zustand. Mit dem Absterben im feinstofflichen Körper zieht auch sie sich nahezu gänzlich zurück, doch wenn die physische Arbeit des Herzens weitergeht, so bleibt auch die Energie in gewissem Maße mit der sich zersetzenden Hülle verbunden.
     Man muß verstehen, daß solche Organismen nicht gleichmäßig zu schaffen vermögen und in ethischer Hinsicht absinken. Wir nennen solche Organismen leere Hüllen. Man darf sie jedoch nicht mit Besessenheit verwechseln, die bei Schwächung des feinstofflichen Körpers eintreten kann. Wahrlich, der feinstoffliche Körper nährt sich durch hohe Taten.
     Der Denker beharrte darauf, daß der Mensch sein Herz durch Musik erneuern müsse. Die Musik wurde als die alle Musen umfassende Sphäre verstanden.

     558. Urusvati weiß, wie vielfarbig der Agni Yoga ist. Das aufmerksame Auge

[Russisches Original. Seite 513.]



vermag viele Farbabstufungen in der Flamme zu unterscheiden. Umgebungsbedingungen beeinflussen die Farbe der Flamme. Ebenso traten zu verschiedenen Zeiten besondere Notwendigkeiten für einen bestimmten Yoga auf. So kann man die würdevolle Größe des Raja Yoga sehen, man kann das lichte Strahlen des Bhakti Yoga feststellen und die Anspannung des Gnana Yoga, doch läßt sich auch die wichtigste Notwendigkeit des strahlenden Karma Yoga finden. Intensive Arbeit ist in den Tagen der Wirrnis der Menschheit unausweichlich. So werden wir inmitten der verschiedenen Farben des Agni Yoga den Stab des Karma Yoga finden. Auf dieser Grundlage wird die Menschheit Gerechtigkeit erfahren.
     Laßt uns nicht erstaunt sein, daß dem sehr strengen Karma Yoga nicht immer der Vorzug gegeben worden ist. Mitunter hat man ihn unter dem Eindruck der Größe und des Lächelns anderer Errungenschaften vergessen. Wir wissen, daß der Karma Yoga solche ungestümen Errungenschaften wie der Bhakti Yoga nicht zu geben vermag, doch wird intensive Arbeit der Rettungsanker des Planeten sein. Möge auch der Purpur des Raja Yoga majestätisch und das hellblaue Strahlen des Bhakti Yoga herrlich sein, doch nicht weniger herrlich sind das Dunkelblau und das Violett des Karma Yoga. Er hat gewissermaßen etwas von dem Purpur und ebenso eine Verdichtung des hellblauen Strahlens empfangen. Intensive Arbeit ist sowohl majestätisch erhaben als auch voller Liebe. So laßt uns in der Flamme des Yoga, der Agni Yoga genannt wird, die Farben der intensiven Arbeit erblicken.
     Es ist notwendig, daß der Mensch die Schönheit des Blühens der Arbeit tiefgreifend erkennt. Möge er auf die Arbeit nicht als etwas blicken, das ihm das tägliche Brot sichert, sondern die Rettung des Planeten. Gerade bewußte, intensive Arbeit schafft heilsame Emanationen, die in der Lage sind, mit den vergifteten niederen Schichten der Atmosphäre zu kämpfen.
     Wir beobachten die intensiv Arbeitenden. Unter ihnen treten wahre Karma Yogis in Erscheinung, doch können sie sich oftmals nicht als solche bezeichnen, da sie dieses Wort noch nie gehört haben. Unser Freund, Ivan der Hunderttausendste, weiß nichts von diesem Wort, doch er kennt die Arbeit.
     Der Denker lehrte: "Keine Geschichtsschreibung vermag die wahren Arbeiter aufzuzählen. Ihr Verzeichnis wird jenseits der Wolken geführt."

     559. Urusvati weiß, daß jeder Yoga eine tiefgreifende Disziplin erfordert. Daran muß erinnert werden, da einige meinen, verschiedene Yogaformen bedürften keiner tiefgreifenden Disziplin. Sie meinen, es gäbe leichte und schwere Yogaformen, und träumen

[Russisches Original. Seite 514.]



von der allerleichtesten. Die innere Disziplin aller Yogaformen ist jedoch ein und dieselbe.
     Die Anspannung der uranfänglichen Energie muß mächtig sein. Sie bildet Immunität, die bei geöffneten Zentren so sehr notwendig ist. Irgend jemand bezeichnete den Yogi einmal als einen Menschen mit abgezogener Haut. Zwar ist dies ein grober Vergleich, doch entbehrt er nicht der Wahrheit. In der Tat, wenn der Yogi sich keine Immunität erarbeitete, ertrüge er die Berührungen mit den räumlichen Strömen nicht. Urusvati weiß, daß einige Ströme schmerzhafte, quälend beunruhigende und sogar stechende Empfindungen vermitteln. Man kann sich vorstellen, was ohne die Bildung einer Immunität geschähe!
     Nun wird jemand lachen, wenn Wir sagen, daß der Hauptfaktor beim Erringen von Immunität das gute Denken ist. Wer die Kraft guter Gedanken nicht anerkennt, kann kein Yogi werden. Das gute Denken ist der beste Pförtner beim Eintritt in die Feinstoffliche Welt.
     Wieviele Menschen halten sich selbst für Yogis, sind aber voller Bosheit! Die Menschen nehmen an, daß eine plötzliche Erleuchtung sie zwingend über alle Hindernisse hinwegführe. Erleuchtung kann plötzlich eintreten, doch ist dafür eine große innere Anspannung erforderlich. Einen solchen Zustand muß man ansammeln. Nicht das Kreuzen der Beine, sondern die Konzentration guten Denkens bringt rasche Hilfe. Die freiwillige, täglich geübte Disziplin des Denkens zeitigt die besten Folgen.
     Wir kehren wiederholt zum Begriff der Freiwilligkeit zurück. Sie ist die der Disziplin am nächsten kommende Bedingung. Die kleinste Vorstellung von Zwang vernichtet alle Errungenschaften. Ein Lehrer nötigt grundsätzlich nicht, und auch der Mensch soll sich nicht Zwang auferlegen. Die Disziplin des Guten ist Freude, die sich selbst erzeugt. Welch unzerstörbare Immunität wird durch Freude geschaffen! Und die Ruhe eines Yogi rührt nicht von arroganter Gelassenheit her, sondern von innerer flammender Freude - dies ist der Weg der Disziplin. Man wird sagen: Wie einfach! Doch wissen sie nicht, daß Freude eine besondere Art der Weisheit ist.
     Der Denker lehrte: "Wer die Freude gelernt hat, der hat den Weg der Weisheit betreten."

     560. Urusvati weiß, daß die psychische Energie sogar auf geringfügige atmosphärische Erscheinungen reagiert. Darüber hinaus ist diese Energie selbst überaus individuell ausgeprägt.

[Russisches Original. Seite 515.]



Ihre Eigenschaften zu erkennen ist um so schwerer, als es keine Nomenklatur zur Bezeichnung ihrer Erscheinungen gibt. Es läßt sich verfolgen, daß die psychische Energie auf alles antwortet, was den Tatmenschen berührt.
     Man kann die unzusammenhängendsten, chaotischsten Worte vernehmen, die einem als sinnlos erscheinen mögen, doch wird jedes von ihnen mit einer direkten oder indirekten Beziehung ausgesprochen. Der Tatmensch selbst vermag seinen Apparat nicht zu verschließen, um gleichzeitig herantretenden fernen Rufen Einhalt zu gebieten, doch fühlt er, wenn etwas eine besondere Bedeutung besitzt. Nicht selten ist es schwierig zu bestimmen, wann das Gehörte besonders starke Bedeutung trägt, doch die Mitteilungen werden im Archiv des Bewußtseins zusammengesetzt. Mit der Zeit tauchen sie aus der Tiefe des Bewußtseins an die Oberfläche auf und bestätigen das Geschehen.
     So beobachten Wir all die unzählbaren Eigenschaften der psychischen Energie. Man kann sie unmöglich einem einfachen Gesetz unterordnen, doch liegt in der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen dieser Energie ein besonderer Zauber. Die Freigebigkeit des Kosmos kommt in allen unwiederholbaren Erscheinungen zum Ausdruck, die der menschliche Verstand niemals erfassen wird. Dies hindert jedoch nicht daran, die Energie zu erforschen. Sie ist wie ein nie endendes Buch der Natur. Daher rufen Wir die gesamte Menschheit zur gemeinschaftlichen Erforschung der uranfänglichen Energie auf.
     Der Denker sah bereits voraus, daß der Mensch die Natur überwinden könne, wenn er verstünde, durch welches Tor man zu solcher Schlacht hinausgehen müsse.

     561. Urusvati weiß, daß ein Führer den freien Willen des Schülers nicht zwingen darf, die Führung jedoch gleichzeitig fortgesetzt werden muß. Diese Aufgabe ist selbst für einen erfahrenen Führer schwierig. Man kann sehen, daß ebensolche Schwierigkeiten in jedem Alltagsleben bestehen.
     Keine ausgeklügelte Methode, sondern das Klopfen des Herzens vermag die Konsonanz zu finden, die wiederum den Weg zur Vervollkommnung des freien Willens findet. Er kann erzogen werden, doch welche sanften Berührungen sind erforderlich, um ihn nicht zu reizen. Der Lehrer muß wissen, daß der Wille den kostbarsten offenbarten Sieg darstellt. Allein der Wille spürt die Annäherung an den Weg der Evolution. Man darf diese sich über

[Russisches Original. Seite 516.]



den Verlauf vieler Existenzen entfaltende Blume nicht zertreten. Möge die äußerst verfeinerte Fürsorge um eine aufklärerische Bildung des Willens, ja gerade des Willens, bezeigt werden.
     Ich bestätige, daß nicht allein Bildung, sondern Aufklärung notwendig ist, wenn die Führung solch einen empfindlichen Apparat berührt, wie es der Wille ist, denn er ist mit der psychischen Energie verbunden. Er ist geradezu die Offenbarung des Vorwärtsstrebens. Er schwingt unaufhörlich und muß sich entwickeln. Der Verlust des Willens bedeutet Zersetzung. Ohne Willen vermag man unmöglich den Wellen des Chaos zu begegnen.
     Der Denker half Seinen Schülern, den Willen an den alltäglichsten Gegenständen anzuspannen. Er sprach: "Ein Bogen darf nicht ohne Übung bleiben, da er anderenfalls austrocknen und brechen wird."

     562. Urusvati weiß, daß in den Chroniken mystischer Bruderschaften der Antike von vielen Hindernissen erzählt wird, die den Eingeweihten auf ihrem Wege begegneten. Anhand dieser Aufzeichnungen läßt sich sehen, daß die Bruderschaften ein umfangreiches Wissen über die Gesetze des Daseins besaßen. Die Lehrer solcher Bruderschaften setzten die Eintretenden vorher von der Unausweichlichkeit finsterer Angriffe in Kenntnis. Ängste durften die Brüder nicht verwirren; im Gegenteil, sie wußten, daß in dem Maße des Aufstiegs auch die Angriffe stärker würden.
     Viele Ratschläge wurden gegeben, wie Verwirrung und Zweifel zu vermeiden wären. Es existierte sogar eine feierliche Hymne, die in Zeiten besonderer Bedrückung zu singen war. Freude mußte zum Ausdruck gebracht werden, wenn Ungerechtigkeit sich gegen die Brüder richtete. Es wurde auch darauf hingewiesen, welches Mitgefühl die Bedrängten umgeben mußte, und man mußte sie als Empfänger von Ehrenzeichen begrüßen.
     Auf eine weitere Bedingung wurde jedoch nicht hingewiesen: Gerade über Reichtum und Geld äußern sich die Chroniken in keiner Weise. Die Ursache dessen ist einfach - jeder in die Gemeinschaft Eintretende verzichtete auf persönliches Eigentum. Wenn er Geld besaß, legte er dies offen und alle wurden Hüter dieses gemeinschaftlichen Besitzes. Eine solche, auf vollstem Vertrauen gegründete Vereinigung konnte nur bei hohem Denken bestehen.
     Man darf sich nicht wundern, daß solche Gemeinschaften existieren konnten. Vom heutigen Standpunkt aus müßten sie eine unsinnige Organisation darstellen, doch in fernen Zeiten, als die Menschen

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keine eisernen Flügel hatten, verfügte man mitunter über Flügel des Lichts. Die Menschen erkennen nicht an, daß ihre Ahnen Aufschwünge des Denkens gehabt haben könnten, die sie zu herrlicher Selbstaufopferung führten. Doch hat die Erde auch solche Bewohner gehabt, die in der Lage waren, an das Gemeinwohl zu denken .
     Der Denker schlug den Mitbürgern vor: "Wenn ihr die Heldentat vergessen habt, so laßt uns auf den Friedhof gehen. Mögen die Sarkophage eurer Ahnen euch an die Kühnheit erinnern, in der das Leben für das Vaterland hingegeben wurde. Die Nekropolis erweist sich mitunter als lebendiger denn die Akropolis."

     563. Urusvati weiß, daß nur ein geringer Teil der Menschheit der Auffassung ist, nach dem Abtreten von der Erde folge nichts. Mit diesen Menschen kann man nicht über die Feinstoffliche Welt sprechen; sie ertrügen die Erinnerung daran nicht. Ihr Bewußtsein kann die Wirklichkeit der Feinstofflichen Welt nicht aufnehmen und festhalten. Es ist nicht möglich, ihnen mit Worten die Fortdauer der Lebenskette nahezubringen. Allein aufgrund eigener Erfahrung werden sie schrittweise das Wesen der Dinge erkennen und ihr Bewußtsein vertiefen lernen.
     Solche Verneiner kann man unter jenen Menschen finden, die sich als praktische Realisten bezeichnen. Natürlich werden auch diese beiden Begriffe in falscher Weise verwendet. Sie sollten auf die Wirklichkeit bezogen werden, doch nur zum Ausdruck gebrachte Verneinung ist Unwissenheit. Ebenso vorsichtig muß man an die Mehrheit der Menschen herantreten, die die überirdische Existenz auf ihre jeweils eigene Weise deutet. Diese Menschen stellen sich die Feinstoffliche Welt in Abhängigkeit der Traditionen ihrer Glaubensbekenntnisse sehr unterschiedlich vor. Und die Feinstoffliche Welt ist in der Tat derart vielfältig aufgebaut, daß jede Vorstellung von ihr eine gewisse Grundlage haben wird. Daher darf man die Menschen nicht von ihrer Auffassung abzubringen versuchen und ihnen sagen, ihre Vorstellung finde in der Wirklichkeit keinen Platz. Beim Gedankenschaffen können sich die ungewöhnlichsten Verbindungen ergeben. Das Wesen der Feinstofflichen Welt erweist sich in der menschlicher Vorstellung wie von Spinngeweben bedeckt.
     Mögen auch die Bewohner der Feinstofflichen Welt die Schönheit des Aufstiegs durch die Erfahrung lieben lernen. Man kann die Menschen nicht zwingen, die Schönheit zu verstehen, wenn ihr Auge die Wirklichkeit nicht zu erkennen vermag. Worum man sich jedoch bemühen muß,

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ist, daß die Menschen die Fortdauer der Lebenskette verstehen, diese Wahrheit als unbestreitbar aufnehmen und den Weg des Aufstiegs lieben lernen. Laßt uns nicht darüber streiten, wie man sich dieser Erkenntnis auf bessere Weise nähere. Möge man jedoch daran denken, daß jeder Wanderer sich der Wahrheit nähern kann, wenn er es will. So mögen die Menschen dies wollen, und nichts Irdisches wird diesen Wunsch behindern können.
     Der Denker sprach: "Der Wille zum Guten wird den Sieg ermöglichen. Steinmetz und Baumeister, beide errichten sie den Tempel."

     564. Urusvati weiß, daß Zwietracht auf religiösem Gebiet besonders schwerwiegend ist. Man darf sie nicht mit einem Meinungsstreit in Religionsfragen verwechseln. Man muß das Gute schaffen, und die Menschen mögen einander nicht mehr im Namen des barmherzigen Gottes abschlachten.
     Eine Lehre ist anständig, wenn sie sich in würdigen Händen befindet. Dies läßt sich auf alle menschlichen Einrichtungen anwenden. Es wurde vor langem festgestellt, daß die Lebensverhältnisse von der Ehrenhaftigkeit der Regenten abhängen. Man muß alle Duldsamkeit bekunden, um sich nicht in benachbarte Glaubensbekenntnisse einzumischen.
     In vorsichtiger Weise kann man in der Bildung mit allen Glaubensbekenntnissen bekannt machen, doch muß dieser Lehrgegenstand weise unterrichtet werden. Wir haben von dem Schaden gesprochen, der durch Zwang entsteht. Erinnert euch, daß Zwang eine Vergiftung des Bewußtseins darstellt. Jeder hat die Freiheit, seine Grundlagen zum Ausdruck zu bringen. Möge er dies aus sich selbst heraus tun und für sich selbst, um nicht in den Verdacht zu geraten, jemand anderen von seinem Wege abbringen zu wollen.
     Es ist schwer, Anerkennung auszusprechen und keinen Zwang auszuüben. Nur ein verfeinertes Bewußtsein wird eingeben, wo sich die herrliche Grenze befindet, innerhalb derer sich das Streben zu freiem Dienen offenbart. Die Menschen fürchten dieses Wort, da es Verpflichtung mit einschließt. Tapfer muß man alles annehmen, was mit der auf das Gemeinwohl ausgerichteten Pflicht verbunden ist.
     Der Denker lehrte: "Hört ihr den Lärm auf dem Platz? Erneut stürzt man die alten Götter, um den Olymp mit neuen zu bevölkern."

     565. Urusvati weiß, daß Liebe zur Menschheit die Liebe zum Heimatland nicht ausschließt. Man kann dem Irrtum begegnen, ein einzelnes Volk versinke in der Vorstellung von

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der Menschheit. Einige bilden sich ein, solcher Irrtum sei Zeichen eines weitgefaßten Denkens. Wir haben hinreichend oft von der Menschheit als Ganzem gesprochen und ihr Aufmerksamkeit gewidmet. So ist es um so angebrachter, auch über den Begriff der Heimat, des Vaterlandes zu sprechen.
     Nicht ohne Grund wird ein Mensch in einem bestimmten Land geboren und gehört einem bestimmten Volk an. Karmische Bedingungen lenken den Menschen an einen bestimmten Ort. Vor der Verkörperung erkennt der Mensch die Ursachen seiner Bestimmung und stimmt sich auf diese ein. Jede Verkörperung erfolgt freiwillig. Es kann eine Abneigung bestehen, zur Erde zurückzukehren, doch wird dies schließlich unausweichlich und im letzten Moment auch zu einem freiwilligen Schritt.
     Die Berührung mit verschiedenen Völkern schafft eine besondere Nähe oder Entfremdung, doch gewichtige Gründe lenken den Ankömmling zu einem bestimmten Volk. Wenn man dies alles weiß, kann man die Anziehung eines Menschen zu seinem Heimatland verstehen. Beim Dienst an der Menschheit wird unzweifelhaft ein großer Teil dem Heimatland zukommen.
     Man darf nicht denken, daß eine besondere Liebe zum Heimatland ein beschränktes und unvollkommenes Gefühl sei. Man kann die Unvollkommenheit der Taten für das Vaterland sehen, doch wird die ihm zugewandte Bestrebung trotzdem nicht nachlassen. Karma führt den Menschen nicht allein an einen bestimmten Ort, sondern auch zu einer bestimmten Aufgabe, die dem bestimmten Volk dienen soll.
     Die Menschen lehnen nicht selten ihr Heimatland aufgrund verschiedener nebensächlicher Umstände ab. Sie kennen das Wesen der Dinge nicht und erfüllen auch nicht ihre karmische Aufgabe. Nicht selten geben sie ein altes zynisches Sprichwort von sich: "Wo es mir gut geht, dort ist meine Heimat." In diesem Zynismus liegt ein großer Irrtum. Wahrlich, derjenige vermag der Menschheit besser zu helfen, der es im gleichzeitigen Blick auf sein Vaterland tut. In Zwietracht geht die menschliche Würde verloren. Unter dem Trugbild allgemeinen Verständnisses verlieren die Menschen jegliches Verständnisvermögen. Dies bedeutet, man muß sich den Grundlagen, den wirklich wissenschaftlichen Grundlagen zuwenden. Die Erkenntnis der Karmagesetze wird auch die Bestimmungen des Menschen lehren.
     Aus dem Gesagten folgt nicht, daß ein heimatgebundener Mensch befangen und unglücklich wäre. Flügel vermögen ihn über die ganze Welt zu tragen. Er wird die ganze Menschheit lieben, aber auch wissen, was dem Heimatland dient.

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     In der Lehre des Lebens muß in klarer Weise von der Bestimmung des Menschen gesprochen werden. Auf dem Weg liegen eine Menge Hindernisse und Wirren. Kaum jemand wird als Fortschrittsfeind gelten wollen. Im Wunsch nach Verallgemeinerungen ist der Mensch bereit, sich um die Völker des gesamten Planeten zu kümmern und dabei die Erfordernisse seines eigenen Heimatlandes zu vergessen. Möge der Mensch daran erinnert werden, wo seine besten Kräfte angewendet werden müssen.
     Der Denker strebte danach, ein der Wahrheit entsprechendes Verstehen der Heimat zu entwickeln. Er sprach: "Bürger, dient dem Vaterland und macht euch bewußt, daß ihr hierhergekommen seid, um eine große Aufgabe zu erfüllen."

     566. Urusvati weiß, daß jeder von Uns, zum Überirdischen strebend, das Irdische nicht mißachtet hat. Ist es möglich, die Erde zu mißachten, die doch die Menschheit ernährt und auf der sich Heldentaten der Vervollkommnung vollziehen? Der Mensch versteht die Kostbarkeit der Erde, legt sie jedoch oftmals falsch aus.
     Ihr habt feststellen können, daß jeder von Uns für das Irdische gearbeitet hat, sogar jene, die ein Leben im Kloster bevorzugten, und jene, die sich selbst zum Einsiedlerleben verurteilten. Sie setzten ihr Schaffen fort und trugen ihre Werke zum Nutzen der Menschheit bei. Sie waren nicht mit Gold behangen, verkehrten jedoch mit den weltlichen Menschen und hinterließen mit ihrem Tun ein Andenken als Friedensstifter und Baumeister des Lebens.
     Wir verurteilen die Einsiedler nicht, die mit der Kraft ihres Denkens große Hilfe erwiesen haben. Laßt uns sehen, wie diese selbstlosen Streiter des Geistes die psychischen Kräfte zu beherrschen vermochten. Sie reinigten ihr geistiges Wesen in einer solchen Weise, daß sie die Menschheit überholten. Doch Unsere Arbeit besteht in unmittelbarer Hilfe für die Menschen.
     Unser inneres Leben ist mit dem einen Wort definierbar: "Wir helfen", und diese Arbeit ist sehr mühsam, da die Menschen sich wirklicher Hilfe auf jede erdenkliche Weise erwehren. Sie bitten um Hilfe, doch wenn sie sich zu gestalten beginnt, unterstützen die Menschen sie nicht nur nicht, sondern rüsten sich geradezu gegen sie.
     Nicht nur einmal haben Wir die Menschen davor gewarnt, der Hilfe zu widerstreben. Doch die Menschen urteilen nach sich selbst, und jedes weitergefaßte Verstehen schreckt sie bereits. Auf solche Weise erfahren Wir selten Zusammenarbeit, doch ist sie kostbar, da die Erde

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ein übergroßes Maß an Bestrebungen mit menschlichen Händen und Füßen braucht. So führt das Überirdische dazu, an das Irdische zu denken.
     Der Denker forderte als großer Philosoph, daß die Schüler tätige Bürger würden.

     567. Urusvati weiß von Magnetstürmen, die auf das Befinden der Menschen und Tiere wie auf alles Existierende einwirken. Doch über solche Einwirkungen hinaus befindet der Mensch sich unter dem Einfluß psychischer Stürme. Man muß es anerkennen, daß solche psychischen Stürme neben den magnetischen Stürmen existieren. Diese Ströme können überaus schwer sein und ihre Wirkung wird durch die psychischen Stürme noch verstärkt.
     Magnetstürme vollziehen sich außerhalb menschlicher Ursachen, doch die Entstehung psychischer Stürme wird gerade durch menschlichen Wahnsinn verursacht. Während gewaltiger Kriege und Erschütterungen läßt sich beobachten, wie sehr nicht nur Krankheiten, sondern auch Zustände psychischen Ungleichgewichtes zunehmen.
     Es erstaunt Uns, daß die Ärzte gerade in Kriegszeiten keine Beobachtungen vornehmen. Sie werden sagen, in solchen Zeiten sei vorrangig die chirurgische Arbeit gefordert, lassen jedoch ihrer Aufmerksamkeit entgehen, daß auch psychiatrische Ärzte notwendig sind. Sie beachten die ungewöhnlichen Umstände nicht, die sich niemals zuvor derart verdichteten, wie es jetzt geschieht.
     Faßt das Gesagte nicht als eine Philosophie des Harmagedon auf. Die Anzahl und die Anspannung der Zusammenstöße nehmen derart zu, daß heilsame Einflußnahmen erforderlich sind. Laßt uns nicht verzagen, denn auch solche weltweiten Schrecken werden der Reinigung dienen. Dennoch laßt uns dessen bewußt sein, daß das innere Leben angespannt ist.
     Der Denker sah voraus, daß bei dem zahlenmäßigen Anwachsen der Menschheit sich die sichtbaren wie die unsichtbaren Gefahren vermehren würden.

     568. Urusvati weiß, daß eine unentwickelte Vorstellungskraft dem Vervollkommnungsprozeß überaus schadet. Unter Vorstellungskraft verstehen die Menschen etwas Unwirkliches, doch

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dient eine richtig entwickelte Vorstellungskraft tatsächlich der Erweiterung des Bewußtseins. Sie fördert die Aufnahmefähigkeit und Beweglichkeit des Denkens.
     Wenn den Menschen irgendeine Mitteilung zu Ohren gekommen ist, unterstellen sie gewöhnlich ihr eigenes, egoistisches Verständnis. In dem Maße, wie sie sich mit ihren illusionären Deutungen beschäftigen, befindet sich ihre Fähigkeit zu begreifen in einem ungeordneten Zustand. Doch bei ungeordneter Vorstellungskraft werden auch die Deutungen der Mitteilungen und Geschehnisse entsprechend begrenzt sein.
     Die Menschen nehmen an, Vorstellungskraft sei ein gewisser Zustand, der sie von der Wirklichkeit wegführe, indes erlaubt eine entwickelte Vorstellungskraft, die Wirklichkeit in umfassender Weise aufmerksam zu beobachten. Vergessen wir nicht, daß die Vorstellungskraft eine Aufspeicherung von Erfahrungen vergangener Leben darstellt. Bei auf Erfahrung gegründeter, aufmerksamer Beobachtung kann es keine Trugbilder geben.
     Ein Mensch mit breit angelegter Bildung sollte auch über eine weitgefaßte Vorstellungskraft verfügen. Für ihn verringert sich das Unmögliche, und es tut sich ihm ein weites Blickfeld alles Möglichen auf. Es ist unbegründet, mit Vorstellungsvermögen begabte Menschen als Träumer zu bezeichnen. Der Traum eines erleuchteten Geistes wird reale Vorschau sein. Über die Bedeutung des Vorstellungsvermögens muß man zu einer klaren Übereinkunft gelangen. Dies ist im Jahrhundert der Umgestaltung der Welt und der Neueinschätzung der Werte unausweichlich. Man muß die bedingte Bedeutung vieler Begriffe überprüfen, da die Menschen andernfalls zwischen Phantomen umherirren werden. Möge echtes Wissen zum Überirdischen führen. Bei der Überprüfung der Lebensweise muß man mutig entschlossen sein.
     Der Denker lehrte: "Es mag sein, daß Staub in unsere Augen gelangt ist; dann laßt uns das Haus vom Staube reinigen."

     569. Urusvati weiß, was Freude an hervorragender Qualität bedeutet. Man kann an der Erhabenheit der Natur Freude haben; man kann an einer selbstaufopfernden Heldentat Freude haben; man kann an der hohen Qualität von Erzeugnissen Freude haben; man kann an der guten Konstruktion von Maschinen Freude haben. Freude haben kann man an allem, worin sich höhere Qualität offenbart. Eine solche Begeisterung wird eine der am wenigsten egoistischen Empfindungen sein.
     Den Menschen ist die herrliche Gabe verliehen, nicht nur in allem schöpferisch tätig sein zu können, sondern sich auch der Qualität zu erfreuen. Der Reiche wie der Arme, der Herrscher wie der Bettler, alle haben die Fähigkeit zur Begeisterung, und diese

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Freude bildet eine Art heilsamer Kuppel über die vielgeplagte Erde.
     Die Menschen entsetzen sich ganz zurecht über die Menge an Abscheulichkeiten, die die Erde vergiften. Sie fragen, womit man diese Eitergeschwüre der Menschheit bedecken könnte. Eine der sichersten Maßnahmen dazu wird die Freude sein. Sie ist das beste Mittel gegen die sowohl physische wie psychische Vergiftung. Glücklicherweise ist niemand der Fähigkeit zur Freude beraubt.
     Hell leuchtet die Freude über hohe Qualität. Nicht Selbstsucht, sondern das Gemeinwohl wird in dem Augenblick geboren, wenn Freude entsteht. Wir leben durch diese Freude. Die Natur und die schöpferische Tätigkeit verleihen eine unerschöpfliche Freude, anderenfalls würde eine entsetzliche Schlacht alles mit Finsternis überziehen. Man fragt nach Unserem inneren Leben - es besteht nicht allein in der Arbeit, sondern auch in der Freude.
     Der Denker kannte die heilsame Eigenschaft der Freude. Er lehrte: "Selbst der letzte Sklave ist der Fähigkeit, sich über das Weltall zu freuen, nicht beraubt."

     570. Urusvati weiß, daß ein verzögertes Karma zehnfach verstärkt wirkt. Der Mensch muß verstehen, wie sehr er die karmischen Folgen fördert. Er muß erkennen, wie wenig nützlich es ist, sich gedanklich in die Vergangenheit zu versenken. Besser, viel besser ist es, an kommende Taten zu denken. Mögen sie vollkommen sein, und möge dazu der stärkste Wunsch aufgebracht werden. Inmitten der Gedanken über eine bessere Zukunft wird ein bedeutender Teil von Karma überwunden.
     Die sogenannte Reue wird jedoch falsch ausgelegt. Sie wird als eine Art Trauer über das Vergangene verstanden, doch verhindert der Mensch damit sein eigenes Vorankommen. Ist es nicht besser, Unvollkommenheit durch etwas Vollkommeneres zu ersetzen? Ihr müßt oftmals andere Menschen davon überzeugen, daß es notwendig ist, an die Zukunft zu denken. Möge das Schiff in den Bestimmungshafen streben und nicht auf der Suche nach verlorener Ladung auf dem Ozean umherirren. Sie liegt bereits auf tiefem Meeresgrund, und das Schiff kann mit nutzloser Suche nur die Frist versäumen. Besser ist es, das Schiff verliert einen Teil seiner Ladung, als daß es nicht rechtzeitig den Zielhafen erreicht, wo es eine neue Bestimmung erfährt.
     Aus dem Leben lassen sich viele Beispiele anführen, in denen das Streben in die Zukunft

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die besten Früchte zeitigte. Dieses Streben ist nicht nur auf der Erde, sondern auch in der Feinstofflichen Welt nützlich. Wenn wir über das Überirdische nachdenken, möge auch gleichzeitig das Streben in die Zukunft in uns erwachen. So werden wir die richtige Einstellung zum Karmagesetz entfalten.
     Der Denker sorgte sich darum, daß Seine Schüler zu einem wahren Urteil über das sogenannte Schicksal gelangten. Er sprach: "Die Moiren werden euch nicht ergreifen, wenn ihr schnell seid und ihnen zuvorkommt."

     571. Urusvati weiß, worin der Unterschied zwischen Heldentat und wohlüberlegter Vernunft besteht. Eine Heldentat kann schön, erhaben, feierlich, weise und siegreich sein, doch niemand wird sie als Entscheidung wohlüberlegter Vernunft definieren.
     Wenn Jeanne d'Arc sich an die Ältesten ihres Dorfes gewandt und ihnen von Heldentat geredet hätte, so hätten diese sie für unbesonnen und gar für unvernünftig gehalten. Wahrlich, Heldentat ist unvernünftig, da sie nicht auf vernünftiger Überlegung beruht, sondern auf Gefühlswissen.
     Für eine Vielzahl von Menschen existiert die Heldentat überhaupt nicht. Höhere Ethik endet bei ihnen an wohlüberlegter Vernunft. Für sie ist sämtliche Weltanschauung durch wohlüberlegte Vernunft begrenzt. Dank dessen sind sie fähig, einem Nächsten die Hilfe zu verweigern, fähig, dem Heimatland zu schaden, fähig, die Menschheit zu verraten und bereit, bei all ihren Verbrechen das tote Wort der wohlüberlegten Vernunft zu wiederholen.
     Doch legt Unser Verhältnis zur wohlüberlegten Vernunft nicht falsch aus. Dies Wort besteht aus guten Begriffen. Das Wohl ist immer gut und weise Vernunft nützlich. Doch die Alltagskommentatoren bringen es zuwege, für gute Begriffe eine nahezu schändliche Anwendungsweise zu finden. Könnten sie es, so würden sie das Wort Heldentat vernichten, derart ist es ihrer Psychologie zuwider.
     Dies ist nun ein weiterer Aspekt Unseres inneren Lebens. Wir können bestätigen, daß jeder von Uns der Heldentat teilhaftig wurde. Einige der Heldentaten blieben durch die Geschichte bewahrt, eine größere Zahl jedoch wurde nicht niedergeschrieben. Der Tatmensch selbst sollte sein Gedächtnis mit der Suche danach, was nun gut war, auch gar nicht martern. Das Wort der wohlüberlegten Vernunft verwenden Wir jedoch nicht. Wir können rechtzeitig auf Vorsicht und Besonnenheit hinweisen, doch je tiefgründiger eine Tat ihrer Bedeutung nach ist, um so mehr freuen Wir Uns. Wir vermerken jede Heldentat. Sie schafft ein Glied in der Kette der Evolution.
     Ein Lehrer muß in seinem Unterricht die Unterschiede zwischen vielen Begriffen aufzeigen, da die Schüler

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sie anderenfalls sinnlos wiederholen, so wie es gewisse Vögel tun. Die Verschmutzung der menschlichen Rede ist ein gesellschaftliches Verbrechen.
     Der Denker lehrte: "Wohlüberlegte Vernunft überlaßt den Händlern, lernt ihr die Taten der Helden lieben."

     572. Urusvati weiß und hat es gehört, daß Ajita das Panzerhemd angelegt hat. Ziemt es einem Friedensstifter, in eine Kriegsrüstung zu steigen? Wir haben hinreichend über das Heil des Friedens gesprochen. Wir haben den Schutz der menschlichen Werke bekräftigt. Wir haben auf die Schrecken des Brudermordes hingewiesen, doch sprachen Wir auch über die Würde des Heimatlandes. So ordnete der ergebenste Friedensstifter an, daß erst alle Maßnahmen zur Erhaltung des Friedens ergriffen werden müßten. Dann aber sandte er ein Kriegsheer, um die Landesgrenzen seines Volkes zu verteidigen. Vor den Menschen steht nach wie vor die ungelöste Aufgabe, wie ein Friedensstifter ein Heer in den Kampf entsenden kann. Diese Aufgabe fällt dem Menschen schwer, wenn er falsche Werte zugrunde legt. Der Mensch muß die Verteidigung und Rettung des Vaterlandes anerkennen, dabei aber einer Unterjochung anderer entsagen. Möge der Mensch in seinem Herzen abwägen, wieweit Verteidigung geht und wo Unterjochung beginnt.
     Nun muß noch über den Panzer gesprochen werden. Wir besitzen keinen Panzer aus Stahl, da ein Panzer aus psychischer Energie weitaus sicherer ist. Man kann sich mit einem unsichtbaren, undurchdringlichen Panzer umgeben. Manchmal haben Menschen die Unverwundbarkeit einiger Helden bemerkt. Ein starker Wille muß sich anspannen, um den Körper außer Gefahr zu bringen.
     Der Denker lehrte die Jungen: "Mitunter ist die sicherste Rüstung eine unsichtbare. Lernt es, euch selbst zu befehlen, einen solchen Panzer zu offenbaren. Er wird sich jedoch nur bilden, wenn ihr für das Gemeinwohl kämpft."

     573. Urusvati weiß, daß Feinsinnigkeit anerzogen werden muß. Wenn Wir von einem hellhörigen Ohr sprechen, nehmen einige an, es handele sich um das physische Gehör. Ebenso meinen andere, Feinsinnigkeit sei eine natürliche Eigenschaft, weshalb es zwecklos sei zu versuchen, sie anzuerziehen. Natürlich ist Feinsinn eine angeborene Eigenschaft, doch hängt sie von der Reinheit des Bewußtseins ab. Selbst in den günstigsten Fällen muß sie entwickelt oder, besser gesagt, aus der Tiefe

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des Bewußtseins hervorgerufen werden.
     Vor allem muß der Wunsch vorhanden sein, Feinsinn hervorzurufen. Man muß sich eine angespannte psychische Aufmerksamkeit aneignen. Glauben wir nicht, dies sei leicht. Jeder wird in sich ganz individuelle Hindernisse finden. Den einen hindert Trägheit, den anderen Mißtrauen, einen dritten das Gedränge des Lebens. Jeden hindert irgend etwas, doch die Willenskraft überwindet alles.
     Man darf auch nicht in Vorurteil verfallen, da der Mensch sonst etwas zu fühlen meint, was nicht sein kann. In ehrlicher Weise muß man das psychische Gehör vertiefen und Empfindungen auch der Wahrheit entsprechend bemerken. So können Erdbeben und kosmische Perturbationen eine ausgezeichnete Schulung der Feinsinnigkeit vermitteln.
     Desgleichen stellt auch die Wahrnehmung fremder Auren ein weites Beobachtungsfeld dar. Inmitten alltäglichster Lebensumstände kann man dieselben Möglichkeiten wie in den höchsten Laboratorien finden. Möge der Mensch alle Möglichkeiten zur Anwendung kommen lassen, denn jeder befindet sich unter kosmischem Einfluß.
     Der Denker lehrte: "Die überirdischen Welten senden uns feinste Gefühlsempfindungen. Lernen wir, sie aufzunehmen."

     574. Urusvati weiß, daß die Verbreitung falschen Wissens eine besonders schädliche Form der Unwissenheit darstellt. Wie aber soll man mit den Schulbüchern verfahren, die derart viele Irrtümer enthalten? Die Geisteswissenschaften und die Naturwissenschaften sind in Bewegung und streben zu neuen, hervorragenden Errungenschaften. Ist es da gerecht, daß die junge Generation statt bester Errungenschaften überholte, armselige Irrtümer erhält? Durch solche falschen Kenntnisse wird viel Verwirrung in die jungen Bewußtseine getragen.
     Wenn man die Lehrbücher nicht rechtzeitig berichtigt hat, so muß der Lehrer die Schüler mündlich vor den Fehlern der Vergangenheit warnen. Ist es nicht beschämend, daß die Irrtümer beibehalten und die jungen Bewußtseine damit belastet werden? So verhält es sich auch mit den Erkenntnissen über das Überirdische.
     Laßt uns nicht in Verlegenheit geraten, wenn alte Texte nicht verstanden oder unrichtig übersetzt wurden. Einige Sprachen besitzen viele Termini, die in bestimmtem Zusammenhang verstanden werden müssen. Für das heutige Verständnis haben sie eine der Wahrheit nicht entsprechende Bedeutung, doch werden die Gelehrten sich nach und nach in diesem Labyrinth zurechtfinden, und die Jungen müssen als erste die richtigen

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Kenntnisse erhalten.
     Die Gelehrten müssen die Grundlagen der Wahrheit bestätigen, selbst wenn sie bisherige Theorien umstoßen. Weise wird es sein, wenn die Geisteswissenschaften richtige Übersetzungen alter Texte vorlegen. Es ist erstaunlich, daß die Menschen viel über Berichtigungen sprechen, die Lehrbücher jedoch voller Irrtümer belassen. Ihr wißt, daß es für überirdische Erkenntnisse einer besonderen Ehrlichkeit bedarf.
     Der Denker sprach: "Wenn die Menschen über irdische Gegebenheiten eine ehrliche Aussage abgeben müssen, um wieviel aufrichtiger muß man dann an das Überirdische herantreten!"

     575. Urusvati weiß, daß Zeit im irdischen Sinne in der Überirdischen Welt nicht existiert. Es gibt Fristen, die auf den unausweichlichen Folgen gegründet sind. Unter den zuverlässigsten Fällen plötzlicher Erleuchtung ist kein Hinweis auf das Vorhandensein irdischer Zeit zu finden. Ihr wißt bereits, daß überirdische Fristen dadurch charakterisiert sind, daß sie bei nebensächlichen irdischen Ereignissen scheinbar zufällig hinzutreten. Dieser Hinweis zeigt nur, daß die Überirdischen Welten den Verlauf der Ereignisse voraussehen, ohne aber auf die sogenannte Zeit einzugehen. Ein feinfühliges Bewußtsein kann die Anzeichen der hinzutretenden Ereignisse bemerken, im Gedächtnis behalten und durch sie auch das übrige klar erkennen.
     Der Mensch kann es auch in seinem eigenen irdischen Leben klar erkennen, daß Zeit gewissermaßen zu schwinden vermag. So kennt er keine Zeit, wenn er etwas sehr Wichtigem zustrebt. In der Überirdischen Welt herrscht jedoch gerade solch eine Anspannung vor. Wir können Uns in die Arbeit vertiefen und dabei die Zeit vernachlässigen. Nicht ohne Grund ist gesagt worden, daß bestrebte, konzentrierte Arbeit zu einem langen Leben verhilft. Sie läßt Harmonie entstehen. Sie erlaubt, überirdisches Wissen klar zu erkennen. Sie verleiht das Wissen über die logische und chemische Bedeutung der Ereignisse. Man muß es immer im Gedächtnis haben, daß jede Erscheinung von einem bestimmten Chemismus begleitet und unterstützt wird.
     Dies ist ein weiterer Aspekt Unseres inneren Lebens. Wir sind bestrebt, mit der Überirdischen Welt in Harmonie zu stehen. Auf die Zeit als solche legen Wir keinen Wert. Das Wesen der Ereignisse, ihr Verlauf und ihre Koordinierung besitzen hingegen ungewöhnliche Bedeutung. In zugänglicher Form teilen Wir die Bedeutung der Ereignisse mit. Man muß in allem

[Russisches Original. Seite 528.]



das Wesenhafte erfühlen, da sich darin auch die Fähigkeit zu derjenigen Ruhe verbirgt, von der Wir bereits gesprochen haben.
     Der Denker lehrte: "Strebt dem Wesen der Dinge zu, in ihm wird die Gerechtigkeit des Weltalls offenbar."

     576. Urusvati weiß, daß der Zustand plötzlicher Erleuchtung bei den Ägyptern als "heiliger Schlaf" und bei den Griechen als "göttliche Heimsuchung" bezeichnet wurde; auch in Babylon kannte man die "Berührung durch einen unsichtbaren Fremden". Jedes Volk wollte auf seine Weise die Besonderheit, ja Außerordentlichkeit der plötzlichen Erleuchtung hervorheben, die eintritt, wenn der irdische Mensch die überirdischen Bereiche berührt.
     Die Menschen ältester Zeiten kannten diesen Zustand besser als die heutigen Menschen. Sie lebten in der Natur und waren nicht durch todbringende Fluida vergiftet. Dies ist jedoch hinreichend bekannt, hier möchte Ich über anderes sprechen. Unsere Zeitgenossen schätzen die Suggestion zu Recht und beginnen, sie mit Nutzen in der medizinischen Therapie und anderen Bereichen anzuwenden. Doch für Suggestion ist die Mitwirkung einer anderen Person erforderlich. Auch wenn es sich um eine sehr hochstehende Persönlichkeit handelt, wird sie dennoch gewisse individuelle Eigenheiten miteinbringen.
     In der Zukunft muß man zu der unmittelbaren Erleuchtung zurückkehren. Sogar die Delphischen Orakel mußten besondere Dämpfe einatmen, was für sie deshalb notwendig war, weil die Ankömmlinge ihre uranfängliche Energie außerordentlich belasteten. Die Evolution hat jedoch vorgesehen, daß die Menschen die Erleuchtung allein durch ein reines Bewußtsein erreichen sollen. Solche Bestrebung des Denkens gewährt eine Erleuchtung in ihrer natürlichen Bedeutung.
     Dies ist wiederum ein Hinweis über Unser inneres Leben. Nach Abschluß vieler Lebenserfahrungen wenden Wir Uns der natürlichsten Anwendung Unserer Energien zu. Die Synthese ist nicht einfach, doch führt sie zur natürlichsten Lösung.
     Der Denker lehrte: "Möge jeder versuchen, in sich die einfachste Lösung zu finden. Die Freunde werden nicht helfen können, wenn der Mensch in eigener Kraft vor die Überirdische Erhabenheit hintreten muß."

[Russisches Original. Seite 529.]



     577. Urusvati weiß, daß in der Unwiederholbarkeit der Erscheinungen und der Individualität der Ereignisse eine besondere Schönheit des Weltalls liegt. Sogar ein einfacher Hirte vermag die Besonderheiten seiner Herde klar zu unterscheiden, doch die Städter büßen die Eigenschaft der Individualität ein. Im gesamten Leben werden Massenrezepte angewendet, die die Begeisterung für die Freigebigkeit der Natur trüben.
     Auch Uns fragt man nach solchen Rezepten, ohne verstehen zu wollen, wie verschieden alle Erscheinungen sind. Man kann auf eine allgemeine Richtung hinweisen, doch die weiteren Einzelheiten werden individuell ausgeprägt sein. Die Menschen möchten Kenntnis von Unseren Apparaten erhalten, doch wären sie sehr überrascht zu erfahren, daß viele von ihnen aus miteinander sympathisierenden Metallplatten bestehen. Viele Platten bestehen aus einem reinen Metall, andere jedoch aus verschiedenen Legierungen. Es gibt auch mineralische Platten und sogar einige aus gewissen Baumarten. Sowohl für die Sendung wie für den Empfang existieren ganze Register von Anwendungsverfahren. Alle Naturreiche können beste Mittler sein, doch die jeweilige Anwendung gestaltet sich überaus individuell.
     Unsere Hilfsmittel wurden nicht in Eile ausgewählt, sondern in langwährenden Versuchen. Es könnte gesagt werden, daß Wir genügend Zeit gehabt hätten, die Eigenschaften der Natur zu studieren. In verschiedenen Jahrhunderten, unter verschiedenen Klima- und sonstigen Bedingungen sind diese Erkenntnisse gesammelt worden. Allem voran erstarkte der Wunsch nach Wissen, und dann bildete sich die Überzeugung, daß Beobachtungen unter den verschiedensten Bedingungen durchgeführt werden müssen. Ein gestählter Wille verhalf dazu, Wissen aus der Überirdischen Welt herüberzutragen. Und es gestaltete sich das Bewußtsein, daß Zeit in der Unbegrenztheit ohne Bedeutung ist. Trotz vieler Mißerfolge kamen keine Zweifel auf. Die entwickelte Beobachtungsfähigkeit beschleunigte die Wahrnehmung, und auf solchem Weg der Erfahrung erkannten Wir auch Freunde und Feinde.
     Glaubt nicht, daß die Experimente und Beobachtungen leicht seien. Wenn ein Versuch von hundert gelingt, so wird dies ein Erfolg sein. Wir beklagen Mißerfolge nicht, da jeder von ihnen Uns noch mehr gelehrt hat, wie der Erfolg zu erreichen ist. Man kann es nur bedauern, wenn jemand etwas noch am selben Tag zu beherrschen sucht. Zeit zu verlieren ist nicht notwendig, doch ihretwegen zu weinen ist auch nicht richtig. Sich selbst zu beobachten ist notwendig, doch sich selbst zum Zentrum des Weltalls zu machen, darf nicht sein. Man kann immer und in allem einen Erfolg finden, und nur in diesem Bemühen erstarkt

[Russisches Original. Seite 530.]



der Wille.
     Ihr versteht, daß man nicht allen vorschreiben darf, in einem eisernen Bett zu schlafen oder eine Lithiumplatte unter der Hand liegen zu haben. Rosen und Äpfel werden nicht für alle nützlich sein, doch wird es Menschen geben, für die diese Gaben der Natur nützlich sind. Achtet auf die Anzeichen von Folgen. Ihr wißt von verschiedenen Überempfindlichkeiten, ihre groben Formen verblüffen bereits durch ihre Offensichtlichkeit, doch das gesamte Dasein ist voller Überempfindlichkeit. Man muß fühlen können, was gerade einwirkt und wie es das tut. Die Besonnenheit solcher Beobachtungen wird ein würdiges Herangehen an Yoga sein.
     Der Denker lehrte: "Man sagt, einige Himmelsbewohner seien allmächtig. Nun denn, sammeln wir unsere Kräfte! Vielleicht wird auch uns ein Platz im Himmel bereitet sein. Doch diese Leiter ist lang!"

     578. Urusvati weiß, daß der Gedanke an die Ewigkeit keine düstere Erinnerung an den Tod ist. Eine Biene fliegt in ein Wohnhaus, und der Mensch versucht, sie wieder in die Freiheit zu entlassen. So spricht man auch vom Flug in die Freiheit. Verhält es sich beim Menschen nicht genauso? Hier befindet er sich in Unfreiheit, dort aber in Freiheit, was bedeutet, daß die Freude dort ist. Doch der Gedanke an die Ewigkeit verleiht auch Freude im Hier und Jetzt. Wer über die Bedeutung des Lebens als einem Flug über die irdischen Hindernisse hinweg nachdenkt, der vermag sich zu freuen.
     Unwissende meinen, daß erhabenes Denken ein Symbol für Traurigkeit und Langeweile sei, doch ein Mensch, der sich um Erkenntnis bemüht, wird voller Lebensfreude sein. Selbst wenn er sich seiner Fehler in der Vergangenheit erinnert, wird er sich freuen, da er versteht, daß die Erkenntnis der Fehler bereits der rechte Weg zur Überwindung der Irrtümer ist.
     Jemand wird sich darüber wundern, wie man in schwierigen Tagen über Freude sprechen könne. Doch Freude stellt die Flügel zur Überquerung eines Abgrunds dar. Gelangt ein Mensch an eine reißende, undurchquerbare Strömung, nachdem er eine gefährliche Grenze hinter sich gelassen hat, kann er nicht zurückkehren, sondern muß das Hindernis überfliegen. Es ist ein Glück, daß der Mensch die Flügel der Freude immer bei sich hat. Die Schönheit des Weltalls hilft, aus der Tiefe des Bewußtseins alle Freude hervorzurufen. Dies ist eine weitere Seite Unseres inneren Lebens.
     Der Denker wies auf die Sterne als Funken der Freude.

[Russisches Original. Seite 531.]



     579. Urusvati weiß, daß es dem Menschen überaus schwerfällt, mit seinem eigenen Denken zurechtzukommen. Durch Willensanstrengung kann er einen äußeren Gedanken zurückwerfen, doch dies bedeutet noch nicht, daß es ihm gelungen wäre, sein Bewußtsein von der Wurzel jenes Gedankens zu befreien. Es vollzieht sich ein tiefgründiger psychischer Prozeß. Man kann der Auffassung sein, das Denken habe sich bereits verändert, doch der kleinste äußere Anstoß zeigt, daß die Schlange in der Tiefe lebt und bereit ist zu erwachen.
     Das beste Beispiel bieten die Meeresströmungen. Was hat die Oberflächenströmung gemein mit der Tiefenströmung, wo sich ein Ungeheuer regt, das sich niemals an der Oberfläche zeigt? Genau dasselbe vollzieht sich auch im menschlichen Denken. Da spricht man von der Willenskraft, die dem Denken gebieten könne. Doch Wir fragen: Von welchem Denken ist die Rede? Der Mensch kann bestätigen, daß er sich von einem bestimmten Gedanken befreit hat, wenn er überzeugt sein kann, ihn mit der Wurzel entfernt zu haben. Es ist jedoch nicht leicht, über die Tiefe des Bewußtseins eine Bestätigung abzugeben.
     Man kann beobachten, welch flüchtige Begleitumstände einen Gedanken hervorrufen können. Ton, Farbe, ein zufälliger Umstand vermögen eine deutliche Wiederbelebung eines längst vertriebenen Gedankens zu bewirken. Der Mensch weiß, daß es nicht nützlich ist, zu vergangenen Irrtümern zurückzukehren, und dennoch irrt er um die überflüssige Asche herum.
     Der Mensch muß lernen, viele Denkschichten zu unterscheiden. Er darf nicht leichtfertig anhand einer äußeren Denkschicht urteilen, die einem wütenden Orkan ausgesetzt ist. Möge der Mensch sich an vielen Erscheinungen erproben. Nicht selten scheint es ihm, daß er an etwas Bestimmtes nicht mehr denke, doch ist er in Wirklichkeit gerade tief in diesen Gedanken versunken. Eine Lehre über das Denken muß dessen verschiedene Arten aufzeigen.
     Der Denker bestand darauf, daß Seine Schüler sich in den verschiedenen Denkschichten erprobten: "Ein unsichtbarer Drache vermag sich eines Menschen zu bemächtigen."

     580. Urusvati weiß, daß viele die Existenz Unserer Bruderschaft um keinen Preis zugestehen. Würden sie Uns begegnen, verhielten sie sich skeptisch. Ihr Skeptizismus kennt keine Grenzen. Auf der einen Seite berührt er die Unwissenheit, auf der anderen die Lüge. Ein Skeptiker wird keinen Abgrund überqueren. Doch gibt es

[Russisches Original. Seite 532.]



auch andere, die wenigstens Unsere Existenz im feinstofflichen Körper für möglich halten.
     Man darf sich einer solchen Überzeugung nicht widersetzen, wichtig ist, daß die Existenz von Ideen zugestanden wird. Man darf nicht auf einer bestimmten Form beharren, sind Uns doch die Mitarbeiter aus der Feinstofflichen Welt nahe. Solcherart befinden sich jene, die auch nur Teilzugeständnisse machen, doch schon auf dem Weg der Wahrheit. In Geduld muß man die Teilchen der Wahrheit zulassen, ihnen läßt sich auch alles übrige hinzufügen.
     Viel schlimmer sind Buchstabengelehrte, die entweder alles ihrer Verstandesüberlegung gemäß fordern oder gar nichts anerkennen. Besonders in der Sphäre der feinstofflichen Energien muß man jede Hypothese anzunehmen bereit sein. Nicht selten sind Wir über Prediger bekümmert, die mehr Menschen von der Wahrheit abbringen als zu ihr hinziehen. Man muß all seine Beobachtungsgabe anspannen, um zu erkennen, wie groß die Aufnahmefähigkeit des Gesprächspartners ist. Hierbei dürfen wir nicht vergessen, daß ein besonders wütender Verneiner sich augenblicklich in einen Anhänger verwandeln kann. Eine solch angespannte Verneinung wird manchmal als Öffnung eines Geschwürs bezeichnet. Doch wenn ihr jemandem begegnet, der Unsere Existenz leugnet, so rate Ich, nicht beharrlich zu sein - mögen die Früchte erst völlig reif werden.
     Der Denker sprach: "Man darf das menschliche Bewußtsein unmöglich zwingen. Wer nicht aufnehmen will, möge erst heranwachsen."

     581. Urusvati weiß, daß Unsere Freunde den sogenannten Okkultisten nicht ähneln. Diese Menschen bezeichnen sich als Geheimwissende, behalten jedoch viele Eigenschaften bei, die allein Unwissenden gemäß sind. Sie sind bösartig, mißgünstig, grob, neidisch und sehr unduldsam. In Büchern des Geheimwissens werden solche schändlichen Eigenschaften jedoch nicht gestattet.
     Es ist erstaunlich, daß die Menschen gute Bücher lesen und sich dennoch nicht von ihren niederen Gewohnheiten zu trennen vermögen. Die Lehre des Guten setzt jedoch voraus, daß der Leser, wenn auch erst auf unterer Stufe, das Gelehrte anwendet - doch ist es im Leben oft genau umgekehrt: Ein Leser kann Tränen des Entzückens vergießen und unmittelbar danach etwas Schändliches vollbringen. Es kommt hinzu, daß die sogenannten Geheimwissenden es lieben, mit dieser Bezeichnung zu prahlen.

[Russisches Original. Seite 533.]



     Lenkt eure Aufmerksamkeit auf die echten Freunde der Vervollkommnung. Sie werden niemandem ihre Überzeugung aufzwingen. Sie meiden Einweihungstitel. Sie wissen vorzüglich, wann es nützlich ist, sogar über bemerkenswerteste Begegnungen zu schweigen. Zudem sind sie gut und bereit, Hilfe zu erweisen. So wird die erste Aufgabe echten Geheimwissens sein, den Menschen zum Guten zu führen. In solch einem Zustand wird er auch, einem Magneten gleich, das Gute anziehen. Ebenso macht Geheimwissen die Ruhe zur Pflicht. In solcher Harmonie ist der Mensch in der Lage, feinstoffliche Schwingungen zu empfangen, die sein Bewußtsein reinigen.
     Unsere Freunde werden nicht hochmütig und wichtigtuerisch sein, da Einfachheit ihr Leitbild ist. Wir schätzen jedes hohe Bestreben; es führt nicht nur mit Uns zusammen, sondern trägt auch zur Gesundung des Planeten bei. Hingegen bekümmern Wir Uns über verlogenes Geheimwissen. Selbst dieses Wort gefällt Uns nicht, da jede Wissenschaft bereits Geheimwissen ist. Gestern drangen wir in ein bestimmtes Geheimnis noch nicht ein, doch heute haben wir es erreicht. Dies ist der natürlichste Evolutionsprozeß, und es ist nichts daran, dessen man sich rühmen könnte.
     Der Denker sprach: "Haltet euch nicht für Denker, und bezeichnet euch auch nicht als solche, denn jeder Mensch soll denken."

     582. Urusvati weiß, daß das menschliche Denken sich oft um eine vorherbestimmte Entdeckung herum im Kreise dreht und nicht weiß, wie dieser Kreis aufzubrechen ist. Die Menschen studieren die Radiowellen, ohne sich jedoch vorzustellen, daß genau dieselbe Methode auf die Gedankenwellen anwendbar ist. Die Gelehrten wissen von Magnetstürmen, ohne aber dieselben Überlegungen auf psychische Stürme anzuwenden. Die Menschen studieren das Nervensystem, denken jedoch nicht an feinstoffliche Energien. Mitunter liegt das Gefundene genau an dem Tor zum Vorherbestimmten, doch der letzte Hebel wurde nicht in Bewegung gesetzt. Wer keine Erweiterung des Bewußtseins wünscht, wird sich lange in einem Kreis ohne Ausweg drehen.
     Wir lieben ein gewisses Volk, da es weniger als andere in einem engbegrenzten Kreis befangen ist. Urusvati versteht es richtig, daß die Suche nach Gerechtigkeit und das Bestreben zu dienen einem Volk Beweglichkeit verleiht. Ein solches Volk nähert sich bereits dem Fortschritt. Mag man es auch wegen vieler Unvollkommenheiten verurteilen, doch sind in solchen Unvollkommenheiten

[Russisches Original. Seite 534.]



Möglichkeiten enthalten. Es gibt nichts Schlimmeres als einen vollkommen runden Ball, der sich in einem engen Kreis herumbewegt.
     Ein Volk lernt durch schwere Leiden. In der Geschichte der Menschheit hat es in ruhigen Perioden keine Erfolge gegeben. Jedes Siegervolk besitzt auch Beweglichkeit. Das Denken eines solchen Volkes ist offen für neue, mutige Entdeckungen. Ein harter Alltag lenkt das Volk in die Zukunft. Es ist eine Freude, dort zu helfen, wo auch inmitten von Elend das Streben zum Dienen wächst.
     Der Denker sorgte sich um die Bewegung des Volkes: "Möge man Bewegung lernen, so wird auch der Rhythmus leichter zu finden sein."

     583. Urusvati weiß, daß ein potentieller Verräter sich besonders entrüstet, wenn man in seiner Gegenwart von Verrat spricht. Ein herangereifter Verräter ist sehr aufgebracht, wenn man von der Verhinderung des Verbrechens spricht. Doch in den Lehren aller Völker sind erschütternde Beispiele von Verrat aufgeführt worden. Dies ist nicht geschehen, um zu drohen, sondern um bemerkenswerte Beispiele von Unwissenheit zu geben.
     Der weise Menschenfreund sagte zu Seinem Verräter: "Was du tun willst, das tue gleich!" Vom Gesichtspunkt der Überirdischen Welt her ist diese Aussage sehr weise; das Geschwür ist bereits reif, und so mögen nun auch die Folgen zutage treten.
     Wir wollen auch an ein allgemein bekanntes Beispiel aus Indien erinnern. Es hatte den Anschein, als verehrten die Schüler Ramakrishnas ihren Lehrer, doch hielt sie dieses nicht davon ab, ihn insgeheim mit negativem Motiv zu beobachten. Ramakrishna gab sich ganz im Dienen hin. Er litt unter der übermäßigen Abgabe von psychischer Energie. Durch seine extreme Selbstaufopferung ging er vorzeitig. Das gleiche geschah mit seinem Schüler Vivekananda. Ramakrishna war ein Yogi aus eigener Natur. Er war ein Tatmensch höchsten Wohls. Man darf nicht sagen, daß er kein vollkommener Yogi gewesen sei.
     Ihr wißt andererseits, daß es Sadhus gibt, die des Morgens Pranayama üben und am Abend einen Menschen töten. Ihr Bewußtsein setzt die Verfahren, die dem Guten dienen sollten, nur herab.
     So wollen wir uns vor dem großen wie dem kleinen Guten verneigen. Laßt uns nicht,

[Russisches Original. Seite 535.]



den Geldverleihern gleich, abwägen, sondern uns freuen, wenn wir dem Guten und Wohlwollen begegnen. Gerade diese sind in den Tagen der Anspannung notwendig. Die Lehre droht nicht, sondern warnt aus Fürsorge. Mögen jene, die zu keinem Dienst bereit sind, sich wenigstens der Verleumdung enthalten.
     Der Denker bat die Mitbürger: "Wenn jemand nicht zur Verteidigung des Vaterlandes hinausziehen kann, möge er sich nicht mit Verleumdungen belasten."

     584. Urusvati weiß, wie schwer es ist, mit jenen umzugehen, die versichern, das Unsichtbare existiere für sie überhaupt nicht. Sie vollziehen ihre Schlußfolgerungen ähnlich wie ihre Vorväter, die vor den Erfindungen von Mikroskop und Teleskop lebten. Keinerlei Analogie vermochte sie zu überzeugen. Sie bezeichnen sich selbst als Realisten, Materialisten und Skeptiker, alle übrigen nennen sie Idealisten und verurteilen sie aufgrund vorgefaßter Meinungen.
     In der Tat verhält es sich jedoch umgekehrt. Solche Realisten sind echte Idealisten, da sie an eine Idee glauben, die sie sich selbst ausgedacht haben. Indessen erweisen sich jene, die man allgemein als Idealisten bezeichnet, als wahre Realisten. Sie wollen lernen, und ihr Wissen beruht auf Beobachtungen. Sie lassen weder Aberglauben noch Vorurteile zu, da sie von der Unerschöpflichkeit der Erscheinungen der Natur wissen. Sie bürgen nur für zuverlässige Zeugnisse. Man kann gerade sie als Materialisten bezeichnen, da sie die Eigenschaften der Materie bestätigen.
     Darf man sich denn im Namen von Beschränktheit und Unwissen als Materialist bezeichnen? Man kommt nicht umhin, sich allerorten davon zu überzeugen, wie groß die Zahl unwissender und durch ihre Unwissenheit streitsüchtiger und uneinsichtiger Menschen ist. Tröstet euch nicht damit, daß einige ehrenhafte und wissensdurstige Beobachter mit den Wissenschaften des höheren Realismus beschäftigt sind. Ihre Zahl ist gering, und sie gleichen den frühen Christen, die genötigt waren, sich in Katakomben zu verbergen. Solche Forscher sind achtenswert, doch es schaden ihnen im besonderen Maße die verlogenen Buchstabengelehrten. Es schaden auch jene, die nicht begreifen können, warum ihnen ein gewisses Verständnisvermögen unerreichbar ist. Sie sind fähig, alles Existierende, außer sich selbst, zu verurteilen.
     Der Denker wies auf einen Hund und sprach: "Er sieht vieles, was uns nicht sichtbar ist, doch kann der Mensch nicht schlechter sein als ein Hund."

[Russisches Original. Seite 536.]



     585. Urusvati weiß, daß Verletzung der Disziplin die besten Vorhaben zugrunde richten kann. Glaubt nicht, ein solcher Wurm sei leicht wahrzunehmen. Selbst beste Mitarbeiter fallen oft in einen solchen ungeordneten Zustand.
     Über Disziplin zu sprechen ist nahezu unmöglich. In vielen Fällen sind die Menschen bereits bei der geringsten Andeutung auf ihr zerstörerisches Verhalten tief gekränkt. Leichter ist es, über Unordnung zu sprechen, da die Menschen diesem Begriff keine so tiefgehende Bedeutung beimessen. Verletzung von Disziplin ist jedoch Disharmonie, anders gesagt, ein äußerst schädlicher Zustand.
     Die Menschen können die nützlichsten Bücher lesen, doch irgendein äußerer Umstand kann eine überaus disharmonische Kakophonie auslösen. Menschliche Vereinigungen befinden sich in der Gefahr, durch unbedachte Erscheinungen von Unordnung zu scheitern. Selten stimmen die Menschen zu, daß sie an solchem Schaden schuld sind. Ihnen scheint es, als seien sie für das Wohl tätig, doch verhindern sie tatsächlich die besten, tiefgründigen Entwicklungen. Die Menschen sind fortwährend der Auffassung, Disziplin sei ihr ureigenstes Anliegen, doch welche Disziplin ist es denn, wenn die Menschen einen nützliche Entwicklung zerstören?
     Harmonie ist nicht augenblicklich herzustellen; man muß alle auf den Dienst an der Harmonie gerichteten Bemühungen hüten. Die Harmonie gleicht einem scheuen Vogel, den man schwerlich wieder herbeilocken kann, wenn er erst einmal verscheucht ist. Gleichfalls muß man darüber nachdenken, wie sehr Disharmonie den Führern schadet. Daran wird oft überhaupt nicht gedacht.
     Der Denker warnte: "Tragt keinen Schaden herbei, weder gedanklich noch durch Taten, denn es ist leicht, ein kostbares Gefäß zu zerschlagen. Haltet euch oft die Notwendigkeit wahrer Harmonie vor Augen."

     586. Urusvati weiß, daß es leichter ist, den Drachen auf der Schwelle zu sehen, als einen Schwarm von Chamäleons und Würmern. Wer aber sagt, welche Erscheinung gefährlicher ist? Kleine Chamäleons kriechen mit einer Vielzahl von Verdächtigungen und hinterlistigen Andeutungen herbei. So flüstern sie: "Wir kennen das Wesen des Agni Yoga nicht. Vielleicht sind es nur leere Worte und eine Verführung zu Irrtum? Wäre es nicht besser, sein Wesen in einem ganz bestimmten Wort auszudrücken, das wir dann abwägen und verurteilen könnten?" - Nun, so sei es.
     Agni Yoga ist Dienst am Guten. Versteht diese Begriffsbestimmung in ihrer vollen Bedeutung.

[Russisches Original. Seite 537.]



Lernt es, dem Guten zu dienen. Lernt die Hingabe an das Große Dienen kennen. Findet flammende Kräfte, die euch helfen, Tapferkeit auf allen schweren Wegen zu offenbaren. Versteht, weshalb diese Wege schwer sind. Werdet fähig, die Feuer eurer Natur auch in natürlicher Weise anzunehmen. Versteht die ganze Größe des Weltenalls. Glaubt nicht, die tägliche Arbeit, dieses erhabene Pranayama, könnte euch ermüden. Helft allen Suchenden, die euch auf euren Wegen begegnen.
     Begreift die Erhabenheit des Denkens, das in der Unbegrenztheit lebt. Bewahrt euch und andere vor Angst. Vertieft euch in das Erkenntnisstreben, denn Unwissenheit ist ein schweres Vergehen. Lächelt den Jungen zu, denn ihr seid es, die ihnen die Brücken und die Wege baut. Verordnet euch selbst die schwerste Arbeit und gebt allen ein Beispiel. So wird euch die ganze Bedeutung des Dienstes am Guten eröffnet. Fürchtet die Einflüsterungen der Chamäleons nicht, sie sind nun einmal verschiedenfarbig und werden euer Schatten sein. Möge dieser Schatten lang sein. So konzentriert euch auf die natürlichen Errungenschaften.
     Der Denker lehrte: "Allein das Natürliche wird eine strahlende Zukunft schaffen."

     587. Urusvati weiß, wie schadenbringend eine ungeordnete Tätigkeit der psychischen Energie ist. Es ist bekannt, daß die Gedankenenergie im Raume lebt und niemand die Grenze ihrer Ausbreitung kennt. Doch die Mehrzahl der irdischen Gedanken ist schwach und energielos, so daß sie sich im Raum leichter auflösen als konzentrierte Gedanken.
     Nun stellt euch vor, daß die Menschheit in ihrem gegenwärtigen Zustand die Möglichkeit klaren Denkens erhielte, das dann auch im Raum dauerhaft lebte. Es ist unmöglich vorstellbar, welch gefährliche und zerstörerische Verwirrung der Energie sich ergäbe! Die Menschheit muß sich reinigen und für die gute Qualität ihres Denkens die Bürgschaft übernehmen, dann können auch die Fristen der Evolution näherkommen.
     Oft hört ihr Klagen über ein Mißlingen von Gedankenübertragungen, doch stellen diese Klagen eine Beschwerde über die Gerechtigkeitsprinzipien des räumlichen Gleichgewichts dar. Wer sich darüber beklagt, möge die Qualität seiner Gedanken überprüfen; es werden sich sicherlich solche von schlechter Qualität finden. Laßt uns auch nicht vergessen, daß der Mensch verschiedene Denkschichten besitzt.

[Russisches Original. Seite 538.]



Er wird nichts dagegen haben, wenn einige seiner Gedanken öffentlich bekannt würden, doch hält er viele Gedanken lieber geheim. Bei Ungeordnetheit des Denkens wird der Raum mit höchst unzulässigen Gedanken gesättigt. So muß der Mensch sich um die Reinheit seines Denkens bemühen, was eine Tat zum Wohl der Menschheit darstellt.
     Der Denker bat darum, daß der Mensch, einatmend wie ausatmend, rein bleibe.

     588. Urusvati weiß, welches der tiefe Sinn des alten Sprichwortes ist: "Sucht die Unsichtbaren Freunde". Freunde aus der Höheren Welt werden eine feste Bürgschaft sein. Mitunter kennt ihr Sie, doch meist ist Ihr Name unbekannt, und allein die Freude des Bewußtseins zeigt Ihre Nähe an. Versucht nicht, Ihre Namen zu erfahren. Seit langem haben Sie irdischen Beinamen entsagt. Wie die Zeit für Sie nicht existiert, haben auch irdische Auszeichnungen ihre Bedeutung für Sie verloren.
     Möge die Zahl solcher Beschützer groß sein. Sie schätzen jedes lichte Bestreben, und nichts wird Ihre Gunst ablenken, wenn Sie Sich von einer vollbrachten Heldentat überzeugen können. Sie helfen dort, wo der Glaube fest ist. Möge der Segen der Unsichtbaren Freunde mit euch sein.
     Ein Wanderer erhält eine Weisung und erwartet die angekündigten Zeichen, doch der Weg ist lang, und die Zeichen gleichen nicht den vorausgesagten. Handelt es sich also um einen Irrtum? Befindet der Wanderer sich etwa nicht auf dem richtigen Pfad? Schon sind Zweifel eingedrungen, die die Kräfte rauben und die Tapferkeit abtöten. Doch dann blitzte das vorangekündigte Zeichen auf, und der Wanderer sieht sich in äußerstes Erstaunen versetzt: "Ist die Frist etwa bereits angebrochen?" Schade, daß die Tapferkeit nun gelitten hat.
     Doch wollen Wir nicht allein von den Überirdischen Freunden sprechen. Auch auf der Erde gibt es Unsichtbare Freunde. Man muß Ihnen einen Gruß senden. Sie pflegen tätiger zu sein als manche bekannten Freunde. Werdet fähig, diesen irdischen Mitarbeitern ein Lächeln zu senden.
     Der Denker sprach: "Nicht nur sichtbare Freunde helfen, sondern noch mehr die Unsichtbaren. Sorgen wir uns nicht um eine Begegnung mit Ihnen, doch senden wir Ihnen den Gruß unseres Herzens."

[Russisches Original. Seite 539.]



     589. Urusvati weiß, daß die Evolution Zeiten extremer Anspannung durchlaufen kann. Es existiert die irrtümliche Annahme, daß Evolution ohne Schwankungen verlaufe und ihr Gesetz in absoluter Weise wirke. Doch Wir wissen, daß alles in individueller Weise lebt und sich bewegt. Dies bedeutet, daß eine besondere Koordinierung und Disziplin herrschen muß, damit der Zusammenhang nicht verletzt wird.
     Es gibt eine Logik der Evolution. Diese höhere Logik führt das Gesetz in Bewegung über, wenn Harmonie klar hervortritt und im Fundament des Lebens angelegt ist. Besonders schwer sind die Jahre weltweiter Umgestaltung. Die Menschen müssen in klarem Verständnisbemühen den Weg der Vervollkommnung erkennen, wofür die Körnchen der Wahrheit die Volksmehrheiten erreichen müssen.
     Man kann sich leicht vorstellen, wieviele Samenkörner in solch einem Aussaatprozeß verlorengehen - und nicht nur verlorengehen, sondern verdorben werden. Zusammenstöße sind dort unausweichlich, wo die Wahrheit entstellt wird. Die Völker erheben sich gegen alles Menschliche, und gleichzeitig wagen sie es nicht, das Überirdische zu erfassen. Die Folgen solcher Uneinigkeit laufen auf sinnlosen Brudermord hinaus. Man darf nicht denken, die Evolution erfordere solche grausamen Erscheinungen. Man muß weinen, wenn man sieht, wie die Menschheit sich das entsetzliche Jammertal selbst erwählt.
     Wir sind erstaunt, wenn die Menschen ungeachtet vieler Errungenschaften dennoch die niedrigsten Entscheidungen vorziehen. Solche Verwirrungen treten am Vortage großer kosmischer Fristen in Erscheinung. Wenn ihr diese Lage kennt, seid ihr fähig, das Geschehen in besonnener Weise zu betrachten.
     Der Denker lehrte: "Neben den uns bekannten Gesetzen existieren auch solche, die der menschliche Verstand nicht zu erfassen vermag. "

     590. Urusvati weiß, daß nur durch die Erfahrung früherer Existenzen jene Eigenschaft aufgespeichert wird, die man Kultiviertheit nennt. Ein wahres Verstehen der Zusammenarbeit, Entflammtheit des Denkens, geistige Höhe der Tätigkeit, Verfeinerung, Aufnahmefähigkeit, Liebe und Schönheit sind Eigenschaften, von denen jede sich allein durch beharrliches Streben bildet. Die Menschen denken, daß augenblickliche Erleuchtung

[Russisches Original. Seite 540.]



unverzüglich die höhere Natur des Menschen schaffen könne. Erleuchtung vermag eine Schatzkammer zu öffnen, doch wenn sie leer ist, wird es auch keine Folgen geben.
     Ihr wißt, daß die Menschen sehr damit einverstanden sind, wenn sie keine verantwortungsvolle Arbeit vor sich sehen, doch wenn aufgezeigte Fristen sich nähern, so finden sie auch Anlaß zur Zwietracht. Man kann sich wundern, daß die Menschen zwar nützliche Bücher lesen, doch bei einer Möglichkeit, das Gelesene anzuwenden, sich in Finsternis versenken. Wahrlich, nichts Erhabenes rührt sie. Die Menschen haben hinreichend vom Harmagedon gehört, doch wenn es eintritt, halten sie es für ein zufälliges Unglück, das einen nicht unbedingt hätte treffen müssen.
     Mögen Unwissende auch so urteilen, doch warum fallen denn auch vernünftige Menschen in Verwirrung? Sie legen sich keine Rechenschaft darüber ab, wieviel Schaden sie sich selbst und ihrer Umgebung damit zufügen.
     Sind die Menschen denn tatsächlich so furchtsam, daß sogar das Gespenst einer ernsten Stunde sie in Feiglinge verwandelt und sie in ihrem Lauf alles von ihnen selbst Geschaffene umstoßen? Wahrlich, inmitten süßen Wohlergehens trägt der Mensch schon eine Maske, doch in Gefahr setzt er eine abstoßende Grimasse auf. Doch, liebe Menschen, ihr lebt in ständiger Gefahr von oben wie von unten. In jeder Stunde kann euer Wohlergehen zusammenstürzen.
     Der Denker sprach: "Die Menschen teilen sich in zwei Arten. In der einen herrscht das Göttliche Prinzip vor, doch die andere ist im Irdischen versunken. Wir wissen nicht, wie man später das Göttliche Prinzip nennen wird, doch diese Einteilung der Menschheit wird dennoch bestehen bleiben."

     591. Urusvati weiß, daß die Erkenntnis von Zusammenhängen zur Erkenntnis des Überirdischen führt. Vor nicht langer Zeit irrten die Menschen zwischen blindem Glauben und blinder Verneinung hin und her. Diese Verwirrung ist aus ebenfalls blinder Angst vor dem Unbekannten entstanden. Kinder fürchten sich mitunter, etwas Bestimmtes anzublicken und verschließen lieber ihre Augen mit den Händen, nur um nicht die Wirklichkeit zu sehen. Genauso versichern auch Erwachsene, daß man jenseits einer vermuteten Grenze nichts mehr wissen könne. Existiert aber ein Verbot des Wissens?
     Es ist verständlich, wenn ein Wilder sich irgendwelche unwahrscheinlichen Götter vorstellte,

[Russisches Original. Seite 541.]



der heutige Mensch dagegen versucht, alles Existierende grundsätzlich zu leugnen. Es fragt sich, wer von beiden mehr recht hat. Eines ist jedoch klar - in beiden Fällen regiert die Angst. Der Wilde konstruierte sich ein furchterregendes Götzenbild und ängstigt sich vor dessen Grausamkeit, doch der Verneiner ist von derselben Angst eingenommen, ohne dies bei sich anzuerkennen. Erinnern wir uns einer alten Erzählung.
     In einem von vielen Menschen bewohnten Haus herrschte ständig Streit. Eines Tages kam ein Einsiedler und brachte zwei völlig ähnliche Schatullen, die er in einen Winkel stellte. Er sagte: "Die eine enthält ein Heilmittel, doch die andere ist mit einem zerstörenden Gift gefüllt. Habt acht auf sie, bis ich wiederkomme, doch seid euch bewußt, daß der geringste Lärm die entsetzlichste Zerstörung verursachen kann." Der Einsiedler ging fort, und im Hause begann eine friedvolle Stille zu herrschen. Ich frage: Welche Schatulle hat diese Verwandlung bewirkt? Aufgrund eurer Kenntnis der gewöhnlichen menschlichen Natur vermögt ihr zu antworten. Genau dieselben Ängste herrschen auch in der gegenwärtigen Zeit.
     Das Ende der Erzählung besteht darin, daß ein kleiner Junge in Abwesenheit der Erwachsenen die Schatullen öffnete und sich beide als leer erwiesen. Doch ebenfalls aus Furcht bekannte der Junge seine Entdeckung nicht. Zieht daraus nicht die falsche Schlußfolgerung, der Junge könnte die Hauptsache nicht bemerkt haben. So möge die Wissenschaft frei von Furcht sogar das Unsichtbare erkennen.
     Der Denker sprach: "Ich weiß nicht, wie man später eine göttliche Wissenschaft nennen wird, doch es wird sie geben. Das Überirdische wird sichtbar werden und das irdische Leben dadurch überirdisch."

     592. Urusvati weiß, daß der finsterste Aberglaube der Aberglaube der Verneiner ist. Sie lehnen den natürlichen Erkenntnisprozeß ab. Sie vergewaltigen die Wissenschaft, indem sie sie eigenmächtig begrenzen. Sie handeln ohne Beweise, da ihre verlogenen Überzeugungen jeder Grundlage entbehren. Sie bezeichnen sich als Gelehrte, vergessen dabei jedoch das Prinzip der Wissenschaft. Sie bezeichnen alle anderen als Fanatiker, stecken aber gerade selbst tief im Fanatismus. Sie beharren auf der Unbewohntheit der Welten, können ihre Schlußfolgerungen jedoch nicht begründen. Unter dem Einfluß von Aberglaube schreitet die Wissenschaft auf einem von Lüge bestimmten Weg.

[Russisches Original. Seite 542.]



     Die Abergläubischen wollen nicht bemerken, daß wahre Gelehrte die Entwicklung des Bewußtseins voranbringen. Die energetischen Grundlagen sind den Abergläubischen verhaßt, da die Menschen sich nur auf diesem experimentellen Weg einem Verständnis des Überirdischen annähern werden. Die Abergläubischen fürchten besonders solche unbestreitbaren Beweise. Für sie soll der Raum leer sein, nur damit sie ihre oberflächlichen Verneinungen darin ausspeien können.
     Die Entdeckung der psychischen Energie ist für sie unzulässig. Die Gedankenenergie ist für sie ein leeres Wort. In ihrem Starrsinn merken sie nicht, daß sie zu bösen Rückschrittlern werden. Wahnsinnige, könnt ihr denn die Menschen daran hindern, in unbegrenzter Freiheit zu denken?
     Nur in einer Sache kann man den Abergläubischen dankbar sein, nämlich, daß sie den Amboß bilden, auf dem der glühende Hammer die Klinge der Wahrheit schmiedet. Die Abergläubischen geraten bei dem Vergleich mit dem Amboß in Wut; sie möchten der Hammer sein, doch ein solcher Hammer schmiedet Evolution, die auf freie Erkenntnis gegründet ist.
     Die allergrößte Schande der Menschheit besteht im Aberglauben. Abergläubische sind überdies auch immer hochmütig; diese Eigenschaft befindet sich immer im Nest der Unwissenheit .
     Wir sprechen vom Überirdischen, da die Menschheit seiner Erkenntnis bedarf. Wir möchten, daß das Überirdische auf wissenschaftlichem Wege erkannt wird, dem Weg der Beobachtung und Erforschung. Für solche Errungenschaften muß der Mensch das Bewußtsein vertiefen und das Denken heben. Dem freien Denken sind die Abergläubischen nicht gefährlich, doch wollen wir ihre bösen Versuche nicht geringer darstellen, als sie sind. Über die freie Erkenntnisgewinnung sagen sie: "Dein Leben ist mein Tod."
     Der Denker sprach: "Wer kann denn das Denken begrenzen? Er wäre nicht nur unwissend, sondern auch wahnsinnig."

     593. Urusvati weiß von weiteren Feinden der Evolution, den gleichgültigen Zweibeinern. Wenn Wir die Abergläubischen mit einem Amboß verglichen haben, womit dann die Gleichgültigen? Vielleicht am besten mit Leichnamen? Ein Philosoph lehrte, daß Gleichgültigkeit der Seelenlosigkeit gleichkomme. Er hatte recht, da das Bewußtsein der Gleichgültigen derart niedrig entwickelt ist, daß es der Evolution nicht zu dienen vermag.

[Russisches Original. Seite 543.]



     Leider ist die Zahl der Gleichgültigen groß. Sie tragen nicht nur zum Verderb des Planeten bei, sondern stellen für die Feinstoffliche Welt die schwerste Belastung dar. Sie gehen ohne durchgeistigte Wünsche hinüber und wissen nicht, wie sie sich den Bedingungen der Feinstofflichen Welt anpassen sollen. Sie bedürfen einer besonderen Betreuungsweise, da sich selbst die beste Führung an ihrer stumpfsinnigen Gedankenlosigkeit bricht. Sie übertragen die engen Grenzen des irdischen Daseins auf die Feinstoffliche Welt, obwohl diese Sphäre davon keineswegs belastet werden dürfte. Sie hegen keine Bestrebungen, und sie besitzen keinerlei Vorstellung von der Bedeutung des Denkens. Sie übertragen ihr irdisches Dahinvegetieren in eine herrliche Wohnstätte. Aus diesen mächtigen Möglichkeiten können sie keinen Nutzen ziehen.
     Es ist kaum vorstellbar, welch häßliches Schauspiel diese Zweibeiner bieten! Nicht einmal für entsprechende Gewandung vermögen sie zu sorgen. Sie streben zu keinen Führern und irren schleppend in dichter Finsternis umher. Auf der Erde stellen sie das Hauptübel dar. Wir nennen sie die Quelle des Elends. So wie es in verwesenden Leichnamen von Würmern wimmelt, tragen diese Zweibeiner die Keime weltweiten Elends in sich.
     Der Denker kannte sie und litt besonders unter ihnen. Er sprach: "Es ist schwer, sich unter verwesenden Leichnamen aufzuhalten."

     594. Urusvati weiß von der tiefen Bedeutung des Schweigens. Es fällt auf, daß gewisse große Feldherren, Regenten und Führer sich vor einem wichtigen Befehl in Schweigen vertieften. Die Menschen schrieben dieses Schweigen einer Ermüdung oder Niedergeschlagenheit zu, doch tatsächlich vollzog sich ein wichtiger psychologischer Prozeß. Der Regent begleitete seinen Befehl in dem Moment gedanklich bei der Durchführung.
     Man muß verstehen, daß ein gedanklicher Befehl durch eine Willenskonzentration verstärkt und auch der vernünftigste Befehl durch ein Abschneiden des Energiestromes in seiner Wirkung geschmälert werden kann. Es lassen sich historische Beispiele anführen, da Entscheidungen durch geringfügige Umstände zunichte wurden.
     Das weise Schweigen ist schon vor langer Zeit von den Völkern geschätzt worden. Die wichtigsten Taten erfolgten im Schweigen, nicht jedoch unter dem ungezügelten Geschrei der Massen. Wir haben bereits darüber gesprochen, wie schwer Harmonie erreichbar ist. Sie verliert ihre Macht

[Russisches Original. Seite 544.]



durch chaotische Ströme, die durch einen undisziplinierten Willen hervorgerufen werden. Zur Zeit ist die Welt krank an dieser Epidemie, die entsetzlicher als Krieg ist. So entstehen Zeiten, die schlimmer sind als Krieg.
     Die Menschen erkennen dies nicht an, da sie die Ursachen von Heuchelei und Lüge nicht wahrnehmen wollen. Von psychischen Erscheinungen wollen sie nichts wissen und stellen sich allen wahrhaft friedvollen Ideen feindlich entgegen. So kann man sich großer Gelübde des Schweigens erinnern.
     Die Tatmenschen sollten es spüren, wann ihr Denken des Guten Früchte trägt. Allein ein erweitertes Bewußtsein vermag die Stunde der wahren Frist einzugeben. Unsichtbare Freunde versuchen nicht selten, einen nützlichen Gedanken zu senden, der aber unter dem Klagegeschrei der Massen nicht zugänglich ist.
     Der Denker sprach oft: "Wer ruft mich? Die Sprache eines Freundes ist jedoch nicht immer zu verstehen. Wer stört daher?"

     595. Urusvati weiß, daß Schadenfreude eine schlechte Eigenschaft ist. Man kann traurig sein, oder sich empören, doch Schadenfreude ist der Menschenwürde nicht gemäß. Überdies trägt Schadenfreude einen Teil des Karma desjenigen, über den wir Schadenfreude hegen, zu uns und erlegt es uns selbst auf - daran muß erinnert werden. Die Grenze zwischen Schadenfreude und Verletzung ist sehr fein. Jeder, der Schadenfreude hegt, wird dereinst in dieselbe Lage geraten. Die Menschen können sich irren, ein Verbrechen begehen und dadurch der Verurteilung wert werden, doch nicht der Schadenfreude.
     Die Analyse von guten und schlechten Eigenschaften führt zu Yoga. Nachdenken über gute und schlechte Eigenschaften gewährt Zugang, ja Fortschritt. Wir weisen oft auf würdige Eigenschaften hin, da Wir dadurch Andeutungen auf Unser inneres Leben geben.
     Man darf nicht denken, daß es ab einem bestimmten Grad geistiger Entwicklung nicht mehr nötig sei, sich um eine gedeihliche Entwicklung seiner guten Eigenschaften zu bemühen. Jede Stufe erfordert den Gebrauch aller guten Eigenschaften. Man muß sich unermüdlich überprüfen. Zu einer solchen Selbstprüfung muß man Liebe entwickeln. Seine Rüstung zu kontrollieren wird ein Zeichen der Bereitschaft zur Schlacht sein. Auf das Symbol der Schlacht wurde bereits in den ältesten Lehren immer wieder hingewiesen. Inmitten der Schlacht

[Russisches Original. Seite 545.]



kommt das Wort der Weisheit zum Ausdruck. Vergessen wir nicht, daß die Einheit von Weisheit und Tapferkeit das beste Unterpfand des Erfolges ist.
     Inmitten unserer Lebenserfahrungen erkennen wir, weshalb Kampf und Bestrebung, als Strom des Lebens, weitergehen.
     Der Denker lehrte: "Blickt auf die Wellen des Stromes. Ihr Muster ist kompliziert, doch streben sie voran. Nichts hält sie auf. Und so möge auch die menschliche Seele eilen."

     596. Urusvati weiß, daß jeder menschliche Umgang Folgen für alle Beteiligten zeitigt. Man muß dies allen Menschen wiederholt sagen, da die Mehrheit überhaupt nicht versteht, wovon die Rede ist. Selbst Gebildete meinen, es sei irgendeine wichtige Tat vonnöten, um Folgen hervorzurufen, und der gewohnte Alltag stehe in keiner Beziehung zu dem Gesagten. Es muß jedoch betont werden, daß Wir von jeder Handlung, unabhängig von ihrem Ausmaß, sprechen.
     Man könnte fragen: "Kann der häusliche Alltag etwa eine tiefe Bedeutung haben?" Gerade dies! Unaufhörlich wird von Unglücklichen gesprochen, die unschuldig leiden würden, doch sehen wir auf die Wurzeln ihrer Lebensweise und finden dort eine Vielzahl von Ursachen, die das Unglück hervorgerufen haben. Es kann direkte wie indirekte Ursachen geben. Ein Mensch kann zwar durch Schuld anderer leiden, doch muß es dabei irgendeine Verbindung von Folgen geben.
     Erzeugt die übliche Lebensweise in den Familien etwa nicht eine Vielzahl von Folgen? Die Familie ist vergessen und stellt oftmals nur noch eine Brutstätte von Feindschaften dar. Kann, was dort verursacht wird, folgenlos bleiben? Überdies sind die Ergebnisse solchen Tuns gewöhnlich an einen bestimmten Ort gebunden und verstärken dort die Züchtung gleichartiger, verderblicher Bakterien. Solche menschlichen Brutstätten stellen gefährliche Feinde des Glücks für die gesamte Menschheit dar. Laßt uns in diesem Zusammenhang auch solche menschlichen Einrichtungen nicht vergessen, in denen viele Menschen zusammenkommen, und in denen der Menschenhaß nistet. So sollten die Menschen sich ihrer Pflicht erinnern, den Raum nicht zu verseuchen. Wir besitzen Apparate, die die Verseuchung des Raumes anzeigen.
     Die Regierenden rufen zur Lösung der Weltprobleme auf, doch die Ursache der Zwistigkeiten liegt ganz und gar nicht in erfolglosen Regierungsanordnungen begründet, sondern in der alltäglichen Lebensweise der Völker.

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     Der Denker sprach: "Nicht die höchsten Politiker erklären einen Krieg, sondern jeder Bürger verbirgt ihn in seinem eigenen Hause."

     597. Urusvati weiß, daß die Arbeit in den Tiefen des Bewußtseins unaufhörlich vonstatten geht, und wie selten die Menschen diese Arbeit bemerken. Ein feinfühliger Mensch nimmt diese inneren Rufe wahr, die ihm bei bestimmten Ereignissen helfen. Die Gelehrten suchen dieses Phänomen als Intuition oder Unterbewußtsein zu bezeichnen. Sie fürchten sich, diesen Prozeß als Arbeit des Bewußtseins zu benennen. Wenn man unscharfe Grenzen zwischen Überbewußtsein und Unterbewußtsein ziehen wollte, wo bliebe da das Bewußtsein? Dem Herzen gleich arbeitet das Bewußtsein Tag und Nacht, doch das Herz regiert im irdischen Bereich, während das Bewußtsein ein Organ der drei Welten ist. Die Aufspeicherungen des Bewußtseins folgen in jede neue Hülle nach.
     Wir nennen das Bewußtsein auch unterirdisches Feuer. Es gibt viele Analogien zwischen diesen beiden Erscheinungen. Das Feuer ist für das Gleichgewicht des Planeten unerläßlich, doch vermag es neben wohltuenden Erscheinungen auch zerstörende hervorzurufen.
     Läßt sich das gleiche nicht aber auch vom Bewußtsein sagen? Es bewegt den Menschen zur Vervollkommnung, doch kann es in ungeordnetem Zustand auch Zerstörung verursachen. Ein unbewußter Mensch ist zu vielen beliebigen Verbrechen bereit, er verliert das Gleichgewicht und die feurige Natur des Bewußtseins bedingt eine Katastrophe.
     Nach seinen Entartungen, die durch Unausgeglichenheit ausgelöst wurden, sucht der Mensch vergebens die vernichteten Bewußtseinsteilchen wieder zu sammeln, doch bleibt es ihm für später nicht erspart, neu zu beginnen und weitere Erfahrungen zu sammeln. Als welch schwarze Last legen sich die Schlacken verbrannten Bewußtseins auf den Menschen in der Feinstofflichen Welt! Ein Dichter könnte solche belasteten Wanderer beschreiben, wie sie mühsam einen Berg zu erklimmen versuchen. Jeder denkt: "Warum habe ich mir nur diese Last aufgebürdet?" Doch bräuchte man nur der Stimme des Bewußtseins zu lauschen, und die Last würde leicht werden. Überdies könnten auch Wir dann leichter helfen. Uns kommt die große Freude zu, jedem in seinem Bereich zu helfen. Doch oft fliegt die beste Sendung unangenommen zurück. Wir haben große Archive mit nicht angenommenen Sendungen, ähnlich wie sich auf der Post Briefe häufen, die ihren Empfänger nicht erreichten. Doch könnten einige Unserer Korrespondenten vorsichtiger sein. Wozu sich

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in Zweifel und Gereiztheit hüllen? Wenn Wir vom Überirdischen sprechen, muß aufmerksam zugehört und jedes Wort aufgefangen werden - so sollte man meinen.
     Unser inneres Leben ist voller psychologischer Momente, da jede feinfühlige Beziehung zu Uns Unsere Dankbarkeit hervorruft. Urusvati hat nicht nur einmal dieses Wort der Dankbarkeit gehört. Wenn Wir zu noch größerer Ruhe aufrufen, so heißt dies, daß Wir Anspannung voraussehen und die Tage behutsam durchlebt werden müssen. Niemandem fällt es schwer, aus dem Gleichgewicht zu geraten, doch welch glücklicher Zustand sollte dies denn sein? Man muß nicht nur die Vernunft anspannen, sondern auch der Stimme des Bewußtseins aufmerksames Gehör schenken.
     Der Denker sprach: "Mein armer Verstand, wohin gehst du ohne die herrliche Führerin, ohne den Geist?"

     598. Urusvati weiß, weshalb einige Unserer Mitteilungen vor der Frist nicht breiter Öffentlichkeit bekannt gemacht werden dürfen. Die Menschen erkennen nur die Folgen an, ohne jedoch über die Ursachen nachdenken zu wollen. Sie geraten sogar noch in Zorn, wenn man ihnen die gegebenen Ursachen dafür aufzeigt. Sie unterstellen nicht, daß die angezeigte Ursache gerade diese bestimmte Folge haben solle.
     Sie werden sagen: "Was haben die Ereignisse, unter denen wir leiden, mit Ursachen gemeinsam, die doch dem gegenwärtigen Geschehen in keiner Weise ähnlich sind?" So sprechen jene, die es nicht erreicht haben, ihr Vorstellungsvermögen zu entwickeln, und daher ihre Aufnahmefähigkeit nicht erweitert haben. Solche Menschen können die wahren Ursachen falsch deuten, in Gereiztheit verfallen und dann nur Böses erzeugen.
     Man muß alle Beweggründe vermeiden, die Böses verstärken könnten, das ohnehin schon in den menschlichen Siedlungen wuchert. So müssen viele Voraussagen behutsam in den Grenzen gehütet werden, wo sie weder Unglauben noch Schmähung hervorrufen können. Das gleiche betrifft auch Unterweisungen, wenn sie aus unbekannter Quelle kommen. Anfangs können solche Worte scheinbar wohltätig wirken, doch können sie sich später als zerstörerisch erweisen. In Standfestigkeit ist ein Mensch in der Lage, alle Erscheinungen zu erforschen; ist er jedoch unbeständig, kann Schaden die Folge sein. Erneut gelangen wir zum Vergleich von Ursache und Wirkung.
     So ist es nicht leicht zu akzeptieren, daß eine scheinbar kleine Ursache Quelle

[Russisches Original. Seite 548.]



großen Elends sein kann. Daher muß man in der Lage sein, sich vorzustellen, wie ein kleines Bächlein sich in einen mächtigen Strom verwandeln kann.
     Der Denker sprach: "Mögen die Götter des Olymp mich lehren, den Anfang von Ereignisse zu verstehen."

     599. Urusvati weiß von Abtrünnigen. Jede Lehre hat ihre Abtrünnigen gehabt. Es ist aufschlußreich zu beobachten, aus welch niederträchtigen Beweggründen sich wütende Abtrünnigkeit bildete. Die Geschichte zeigt dafür bereits genügend Beispiele auf, doch hat es in Wirklichkeit weitaus mehr solcher für die Menschheit erniedrigenden Erscheinungen gegeben.
     Wir erinnern an solch schändliches Tun allein aus dem Wunsch heraus, daß man sich ihm gegenüber richtig verhalte. So mancher ist überaus bekümmert, wenn er von Abtrünnigen hört, doch darf man ihnen keine allzu hohe Bedeutung beimessen. Sie erweisen sich als eine eigene Art von Resonanzboden, und ihre Energie verleiht der Bewegung eine besondere Anspannung. Es gibt viele, die ihre Energie nicht ohne Antithese anspannen können. Es ist das gleiche wie mit dem Amboß, über den Wir sprachen.
     Es ist erstaunlich, daß es nicht nur Verneiner, sondern auch noch Abtrünnige gibt, wobei die letzteren noch stärker als die Verneiner sind. Man muß nicht erst den komplizierten Prozeß der Abtrünnigkeit verfolgen, um zu verstehen, wie große Ideen in niederträchtigen Bewußtseinen umgeformt wurden. Das Beste, was solch ein Abtrünniger tun kann, ist, sein Vorhaben zu beschleunigen. Das Schicksal des Abtrünnigen ist nicht beneidenswert; die Geschichte bestätigt dies. Die anderen sollten jedoch keine Zeit darauf vergeuden, den Abtrünnigen umzustimmen, da ein Geschwür mit einer Krisis enden muß. Darum laßt uns solch eine Erscheinung mit Ruhe betrachten.
     Der Denker kannte die Abtrünnigen unter Seinen Schülern. Er selbst riet ihnen, möglichst bald zu gehen.

     600. Urusvati weiß von den Eigenschaften derjenigen, die an der Erkenntnis der Überirdischen Welt teilhaben. In unerschütterlicher Weise verstehen sie die Realität dieser Welt. Sie wissen, daß man unaufhörlich lernen muß. Sie wissen, daß jede menschliche Handlung entsprechende Bewohner der Überirdischen Welt herbeiruft.
     So mancher jedoch versteht nicht, wie tief sich diese Eigenschaften in der menschlichen Natur

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festsetzen müssen. Die Menschen sind bereit, von der Realität der unsichtbaren Welten zu zwitschern, bemühen sich jedoch noch nicht einmal, sich die Erhabenheit der Unbegrenztheit vorzustellen und darüber nachzudenken. Keineswegs möchten sie ständig lernen, und der ehrenvolle Titel "Schüler" erscheint ihnen als schmachvoll. Sie nehmen auch nicht die Wahrheit an, daß jede ihrer Überlegungen eine Vielzahl unsichtbarer Wesenheiten hervorruft, die manchmal dienlich sind, oft genug jedoch Schaden herbeitragen.
     Ebensowenig erkennen die Menschen wissenschaftliche Analogien an, und der Hinweis, daß der Raum von Mikroorganismen ganz erfüllt ist, sagt ihnen gar nichts. Sie ziehen daraus auch nicht die Schlußfolgerung, daß die Wissenschaft täglich irgendeine neue Entdeckung herbeiträgt. Diese Entdeckungen sind nicht für die Verneiner gedacht, sondern zur Anwendung und Bestätigung. Menschen, die die Wirklichkeit nicht erkennen, berauben sich selbst der höchsten Freude.
     Der Denker sprach: "Wo wird es eine Schule geben, die die Menschen Freude lehrt?"

     601. Urusvati weiß, daß Unsere Fürsorge um jede Art von Selbstaufopferung eine ständige ist. Der Strom dieser Fürsorge umfaßt auch benachbarte Erscheinungen. Dieser Umstand wird selten in Betracht gezogen. Mit Verwunderung stellt man fest, daß einige, Uns gar nicht nahestehende Erscheinungen unter Unserem Schilde verlaufen. Seht jedoch genau hin und erkennt, daß sich nicht weit davon entfernt selbstaufopfernde Tatmenschen befinden.
     Wahrlich, die Eigenschaft der Selbstaufopferung ist auch für die Feinstoffliche Welt nützlich. Sie wird im irdischen Leben entwickelt, doch trägt sie Früchte in der Überirdischen Welt. Durch diese Heldentat gewöhnen sich die irdischen Tatmenschen daran, sich nicht an ihre Werke zu binden. Man muß anerkennen, daß die Bindung an die eigenen Werke in der Feinstofflichen Welt eine starke Belastung ist. Ein Wesen, das in seine Werke verschiedener Jahrhunderte versenkt ist, verliert die Fähigkeit zu neuer Konzentration, die jedoch für feinfühlige Erkenntnisse notwendig ist.
     Wenn sich ein Bewohner der Feinstofflichen Welt an die Weltsicht seiner vergangenen Existenzen hängt, hindert er sich daran, ein neues Weltverständnis zu erlangen. In der Ekstase von Selbstaufopferung lösen die Menschen sich leichter als auf andere Weise von den Banden des Fleisches. Wir schätzen solche Aufschwünge des Geistes hoch ein.
     Achtet ebenso auf die Kämpfer gegen Ungerechtigkeit. In der Feinstofflichen Welt werden sie

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eine Fülle neuer Möglichkeiten haben. Die Heuchler sagen, daß Ungerechtigkeit ein relativer Begriff sei. Entgegnet ihnen, daß Ungerechtigkeit in jedem einzelnen Fall eine offenkundige Erscheinung ist und ein feinfühliges Herz die Grenze der Ungerechtigkeit ausgezeichnet wahrnimmt.
     Der Kampf gegen Ungerechtigkeit ist eine reine Erscheinung, frei von Selbstsucht, und ihr, Unsere Freunde, helft den Kämpfern gegen die Ungerechtigkeit, wobei ihr mit Uns im Handeln eins sein werdet, stellt doch jede harmonische Tat bereits die Entstehung von Macht dar.
     Das heute Gesagte ist eine Seite Unseres inneren Lebens. Die Fürsorge um selbstaufopfernde Tatmenschen und die Hilfe für die Streiter gegen Ungerechtigkeit erweist sich als Unsere Lieblingsbeschäftigung. Diese beiden Arten von Tatmenschen sind besonderen Angriffen der Finsternis ausgesetzt. Viele von ihnen ertragen diesen Kampf nicht, da sie Gewohnheiten haben, die sie schwächen.
     Mitunter bitten Wir um den höchsten Grad des Vertrauens, der eine rettende Ruhe schafft. Der Kämpfer sollte ruhig sein, da er um die Makellosigkeit seiner Ziele weiß. Er kennt die böswilligen Absichten der Finsteren, und er weiß, daß die Schlacht unausweichlich ist. Doch möge er auch wissen, daß starke Freunde bei ihm sind. Möge er dies in ganzer Unerschütterlichkeit wissen. Jedes Schwanken seinerseits fügt dem Freunde Schmerz zu.
     Denkt über diesen Schmerz nach, und erinnert euch der Schweißtropfen.
     Der Denker sprach: "Lernt es, euer Denken mit den überirdischen Welten zu vereinigen."

     602. Urusvati weiß, daß im Wechsel der Arbeit Erholung besteht. Doch laßt uns inmitten verschiedener Arbeiten jene gedankliche Arbeit nicht vergessen, die die Vorstellungskraft, die Phantasie entwickelt. Wir Selbst sind ständiger gedanklicher Übung nicht enthoben. Ein oberflächlicher Beobachter würde vielleicht denken, Wir befänden Uns im Schlaf, wenn Wir inmitten der Arbeit die Augen schließen und das Denken im Reich der Phantasie wandern lassen. Dieser Augenblick hat eine große Bedeutung, denn die vorgestellten Bilder werden Realität werden. Wir vermögen nicht zu entscheiden, wann diese Realisierung eintreten wird, doch sie wird sein und wird der Menschheit helfen.

[Russisches Original. Seite 551.]


     Glaubt nicht, daß diese gedankliche Arbeit nur besonderen Wesen obliege. Jeder vermag seine Vorstellungskraft, seine Phantasie zu entwickeln, doch auch hierbei muß eine wichtige Bedingung beachtet werden. Es ist gut, wenn ein Mensch schöne Vorstellungen hegt; wenn er jedoch Häßlichkeit erzeugt, so wird unnennbarer Schaden entstehen. Daher muß man in schöner Weise denken. Die Natur vermittelt uns dazu ausgezeichnete Bilder, doch wenn jemand nicht imstande ist, die Natur zu betrachten, möge er sich in Kunstwerke vertiefen, da die Künstler in ihnen eine Synthese ihrer Beobachtungen zum Ausdruck gebracht haben.
     Lernt es auch, euch auf die besten Werke zu konzentrieren, da ihr anderenfalls auf Häßliches stoßen werdet, ja sogar auf Erzwungenes!
     Wir bemühen Uns, den Künstlern zu helfen. Nicht selten geraten sie unter den Einfluß von unsichtbaren Spöttern, die sich über jede Häßlichkeit freuen. Studiert die Kunst in verschiedenen Epochen. Mögen die Menschen verstehen, wie sehr das künstlerische Schaffen in Blütezeiten auf Synthese beruhte.
     Der Denker zeigte Begeisterung angesichts von genialer Skulpturen und sprach: "Im irdischen Leben haben wir solche vollkommenen Formen nicht angetroffen, doch hat der Bildhauer sie seiner Phantasie entnommen und für die Zukunft geschaffen."

     603. Urusvati weiß, daß der Erfolg der Medizin vor allem in einer rechten Prophylaxe besteht. Es ist erstaunlich, daß man mit der medizinischen Vorbeugung bis heute nur die physische Seite im Blick gehabt und den psychischen Aspekt vollkommen ignoriert hat. Doch wissen alle, daß besonders dieser Aspekt wesentliche Bedeutung für den Erhalt der Gesundheit besitzt. Bekannt sind Erbkrankheiten, Infektions- und Berufskrankheiten; in all diesen Fällen ist psychische Einflußnahme unerläßlich, da sie die Entwicklung einer Krankheit verhindern kann.
     Allein rechtzeitige Hilfe mittels Suggestion kann den Keim einer Krankheit in seiner Entwicklung zurückhalten oder gar auflösen. Laßt uns nicht hoffen, die Menschen könnten dafür Autosuggestion erfolgreich anwenden. Nur sehr wenige Organismen sind in der Lage, selbst die ersten Andeutungen einer Erkrankung wahrzunehmen und mit ihrem Willen deren Entwicklung zu verhindern. Für die Mehrheit der Menschen ist eine von außen kommende Suggestion unerläßlich, doch nur in wissenschaftlicher Weise und unter staatlicher Aufsicht darf eine solche Einimpfung von Gesundheit vorgenommen werden.

[Russisches Original. Seite 552.]


     Es müssen besondere Institute geschaffen werden, in denen ein ganzes Heer von Ärzten in der Wissenschaft der Suggestion ausgebildet wird. Hierbei muß streng auf die ethische Seite geachtet werden, da die Suggestion anderenfalls zum Verbrechen wird. Doch werden so oder anders solche Einrichtungen Wirklichkeit werden. Die Menschen werden verstehen, daß selbst hygienischste Verhältnisse nicht imstande sind, das Problem der Heilung zu lösen. Die größte Epidemie droht von psychischer Seite.
     Ihr wißt, wie sehr die Kriminalität ansteigt. Man kann sie unmöglich mit Pülverchen und Spritzen überwinden, nötig sind energische, wissenschaftlich fundierte Maßnahmen. Selbst einige Geißeln der Menschheit wie der Krebs bedürfen einer rechtzeitigen psychischen Vorbeugung.
     Der Denker lehrte: "Verehrt die Hygieia. Sie vermag euch zu lehren, wie man die Gesundheit des Volkes verbessern kann."

     604. Urusvati weiß von Unserer Freude, wenn Wir einem würdigen Tatmenschen helfen und ihm einen guten Rat erteilen können. Doch müssen zwei Erschwernisse genannt werden, die dabei oft auftreten. Das erste ist darin begründet, daß die Menschen jeden Rat gern auf ihre eigene Weise deuten. Achtet darauf, daß auch der einfachste Rat dem Verständnis des Empfangenden gemäß ausgelegt werden kann. Es wurde zwar gesagt, man solle dem Bewußtsein des anderen gemäß sprechen, doch ist dies nicht leicht. Das Bewußtsein stellt sich mitunter als ein einziges Konglomerat dar, und der eine Teil des Ratschlages entspricht dem Verständnis des Empfangenden, der andere wird jedoch nicht angewandt. So muß man die Folgen eines Ratschlages überwachen. Die Menschen sind individuell geartet. Wahrlich, sie folgen keinem Gesetz, selbst dem klarsten nicht.
     So wollen die Menschen nicht anerkennen, daß Gedanke und Wort einen mächtigen Sender darstellen. Hierin besteht die zweite Erschwernis. Einige nehmen zwar an, daß das Wort, wie der Ton, schon eine gewisse räumliche Ausbreitung erfährt, was man der Gedankenenergie jedoch nicht zugesteht. Kann man einen Menschen davon überzeugen, daß jedes seiner Worte auch Zuhörer hat und der Gedanke, als ein feinstoffliches Phänomen, in viel weiterem Umkreis aufgefangen wird als ein Wort? Wem sollte dies denn wichtig sein, wenn die Existenz unsichtbarer Welten kaum aufgenommen wird!

[Russisches Original. Seite 553.]


Es muß darauf hingewiesen werden, daß gewisse Gedanken verschlossen werden können, doch muß für einen solchen Erfolg der feinstoffliche Zustand verstanden werden. Denkt daran, wieviele Ratschläge verzerrt oder vorzeitig ausgeplaudert werden können.
     Der Denker sprach: "Der Hirte Theokles versicherte, er sei heimlich auf die Höhe des Olymp gedrungen und habe dort nichts angetroffen. Vielleicht nahm er an, eine prunkvoll gedeckte Tafel vorzufinden, an der man ihm berauschenden Nektar und eine besonders große Scheibe Ambrosia reichen würde."

     605. Urusvati weiß, daß Wir alles gutheißen, was im Menschen das Gefühl von echtem Rhythmus erweckt. Das Gefühl für Rhythmus ist angeboren, doch wird es leicht von chaotischen Elementen überwuchert. Auch wenn die Menschen rhythmisch handeln, sind sie größtenteils noch weit davon entfernt, die große Bedeutung des Rhythmus zu verstehen. Mitunter wünscht ein Tatmensch seiner Entscheidung etwas Rhythmisches vorauszusenden, was ihm sein Gefühl richtig eingibt und womit der Tatmensch Harmonie sucht. Selbst ein schwacher Versuch bewirkt wohltuende Folgen.
     Wir haben die sehr einfachen Rhythmen Mahavan und Chotavan gegeben, doch kann man auch zu sehr komplizierten Rhythmen gelangen. Erinnern wir uns der im Sanskrit, in Griechenland und Rom gegebenen Rhythmen, in denen wohldurchdachte Klangformen zu finden sind. Im Altertum wußte man bereits von der Notwendigkeit, eine Verbindung mit dem Kosmos zu suchen.
     In bestimmten Perioden irdischer Anspannung muß man intensiv über den Rhythmus nachdenken. Durch ihr Klagegeschrei des Entsetzens stürzen die Menschen sich in einen chaotischen Strudel. Glaubt nicht, Wir billigten große Gelage in Pestzeiten. Doch wenn ein Hindu die Bhagavad Gita singt, handelt er weise, und diese Harmonie wird heilsam wirken. Rhythmus stellt Flügel dar und dient der Zementierung des Raumes.
     Die Menschen suchen die Verbindung zu Uns, doch wird dazu die klare Erkenntnis des inneren Rhythmus der erste Schlüssel sein. Mit tauben Ohren kann man die beste Musik und den schönsten Gesang hören, ohne daß etwas im Herzen widerhallt, doch ein feinfühliges Herz wird im Rhythmus der Harmonie erbeben. Der Mensch wird dadurch besser, tapferer und stärker, er macht sich dadurch zu einem würdigen Mitarbeiter im Irdischen wie Überirdischen, und er erkennt die Freude.
     Erinnern wir uns daran, daß die Erde unter einer ungewöhnlichen Anspannung leidet. Kann man sich zur Zeit des Harmagedon dem Chaos anheimgeben? Denkt an diese Erinnerung bei kleinen wie bei großen Taten. Der Mensch lernt das Nachdenken nicht im Wohlergehen,

[Russisches Original. Seite 554.]


sondern im Kampf. Wird er ein Kämpfer sein, wenn er gleich in der ersten schweren Stunde den führenden Stern verliert? Wodurch wird er sich dann von dem letzten Dummkopf unterscheiden, der über nichts nachdenkt? Solch ein Mensch denkt nicht über die Stunde der Entscheidung nach, und die erschreckendsten Erscheinungen sind für ihn purer Zufall. Doch der Kluge nähert sich in solchem Moment den kosmischen Rhythmen und nimmt in solcher Rüstung tapfer den Kampf an. Dann ist er mit Uns.
     Der Denker sprach: "Herrliche Musen, in eurem harmonischen Chor verleiht ihr dem Menschen den rettenden Rhythmus."

     606. Urusvati weiß, daß Wir oft vom Kampf sprechen. In der Tat ist Kampf, als Überwindung des Chaos, immer herrlich und schön. Für den Fortschritt gibt es keinen anderen Weg, doch auch dieser einfache Begriff erfährt die unterschiedlichsten Auslegungen. Die Scheinheiligen erheben sich gegen ihn, indem sie ihre auf Gedankenlosigkeit und Tatenlosigkeit gegründete Welt preisen. Die Heuchler werden sagen, daß ihr Gezänk und ihre Raufereien bereits Kampf seien. Und schließlich werden noch die Hinterlistigen die absurdesten Vergleiche anstellen, nur um ihre eigenen bösen Vorhaben zu rechtfertigen.
     In der Tat muß man zum Verständnis des großen Kampfes vergleichen können. Möge der Mensch all seine Meßinstrumente nehmen, um herauszufinden, wo das Kleine und wo das Große ist. Man muß in der Lage sein, das Kleine im Hinblick auf das Große zu bestimmen. Möge eine einzelne Biene ruhig versuchen, ohne ihr Volk weiterzuexistieren. Ist es nicht aufschlußreich zu beobachten, wie kleine Quecksilberkügelchen einander anziehen und ein Ganzes bilden? Ähnlich verhält es sich mit verstreutem Sand, der sich unter der Einwirkung eines bestimmten Rhythmus in bestimmte Formen legt. Die Natur gibt Vorbilder von Anziehung, und in diesen Formen des Zusammenwirkens drückt sich der Kampf gegen das Chaos aus . Auf die gleiche Weise muß man die weltweiten Ereignisse ansehen, da man anderenfalls die großen Perioden der Geschichte nicht erkennt.
     Viele wertvolle Begriffe werden entstellt. Die Menschen verstehen die hohe Bedeutung der Liebe nicht, dieses Magneten der Welt. Sie urteilen von sich selbst aus und unterstellen ihre egoistischen Deutungen. Sie begreifen Liebe als Zwang, womit sie sich jedoch die Flügel der herrlichen Liebe selbst abschneiden.
     Der Denker wies auf die geflügelte Siegesgöttin und sprach: "Haltet eure Augen rein und offen, sonst werdet ihr nicht erkennen, wo das Licht ist."

[Russisches Original. Seite 555.]


     607. Urusvati weiß, wie schwer die Menschen die sogenannte innere Tapferkeit verstehen. Es ist nicht leicht zu erklären, daß äußere Tapferkeit trügerisch sein kann. Ein Mensch kann sich als tapfer zeigen, dabei jedoch innerlich zittern. Man könnte eine Vielzahl von Beispielen anführen, in denen gerade das Fehlen innerer Tapferkeit Ursache für einen Untergang war. Doch verwechselt diese Eigenschaft nicht mit vielen ähnlichen. Die Menschen werden sagen: "Ihr sprecht wahrscheinlich von der Ruhe". Nicht ganz, da die Tapferkeit nur einer von mehreren Aspekten der Ruhe ist. Auch Gleichgewicht ist nur ein Nachbar der Tapferkeit. Es ist schwer zu sagen, wie innere Tapferkeit, als ständige Bereitschaft zu kühnem Denken und Tun, aufzunehmen ist.
     Ein Mensch ist in der Lage, Freude zu empfinden, wenn nichts ihn hindert, eine schöne Tat zu vollbringen. Gewöhnlich stören viele Überlegungen schon beim Nachdenken über eine Heldentat. Möge der Mensch in Gedanken Heldentaten vollbringen; aus solchen Heldentaten bildet sich eine strahlende Aura. Wenn dieses Licht sich festigt, kann der Mensch seine Träume in die Tat umsetzen.
     Es ist nicht ohne Grund gesagt worden, daß jeder Traum irgendwann Wirklichkeit werden wird. Doch muß man einen großen Vorrat an Kühnheit besitzen. Innere Tapferkeit verleiht die Möglichkeit, kühn zu streben, und dies sollte man nicht nur für die Überirdische Welt, sondern auch für die Erde lernen. Versteht es, daß alles für die Überirdische Welt Nützliche auch für die Erde nützlich ist. So muß man in Ruhe über die größten Heldentaten nachdenken. Es mag sein, daß ihr euch dabei auch an etwas aus vergangenen Leben erinnert. Jeder hat eine Heldentat entweder vollbracht oder davon geträumt. Eine Heldentat kann man unter jeglichen irdischen Umständen vollbringen.
     Der Denker sprach: "Krieger ist nicht allein derjenige, der einen Helm trägt."

     608. Urusvati weiß, daß ein großer Meister der Musik geboren werden müßte, der der Menschheit den Widerklang der Sphärensymphonien gibt. Es kommt eine Zeit, da die Menschen der Symphonien des Raumes besonders bedürfen und die Harmonie der Klänge ein echtes Allheilmittel darstellt. Nicht nur einmal kamen Botschafter des Klanges, doch gelang es ihnen

[Russisches Original. Seite 556.]


nur in geringem Maße, das von ihnen in den feinstofflichen Sphären Gehörte festzuhalten.
     In Meinem Land gab es ein starkes Talent, das den Wert der Harmonie kannte, doch nahm er sich nicht in acht und ging, ohne die besten Errungenschaften übergeben zu haben. Wahrlich, Menschen, die eine gute Botschaft in sich tragen, müssen sich schützen. Sie befinden sich unter dem Druck zweier Arten von Belastungen. Oftmals können sie Gefahren und dem Druck von Personen ausgesetzt sein. Glaubt nicht, daß Wände über sie niederstürzen müßten. Nein, kleine Versuche können es sein, aus denen sich eine Vergiftung bildet. Diese Botschafter dürfen sich nicht durch Unvorsicht im Leben verausgaben. Mögen sie verstehen, daß ihre Botschaft eine bedeutende ist und sie einen Kelch tragen, der unverschüttet zu den anderen gelangen muß. So verfolgen Wir aufmerksam solche Botschafter nicht nur auf der Erde, sondern auch in der Überirdischen Welt, wo sie die Sphärensymphonien erfahren. Einiges bringen sie dann mit zur Erde, doch auch dieses Wenige wird dem Fortschritt der Menschheit dienen.
     Urusvati hat die Sphärenmusik gehört. Sie weiß, daß deren hauptsächliche Macht in der Harmonie und im Rhythmus liegt. Auf der Erde gibt es noch keine Instrumente, um die ganze Erhabenheit der Rufe des Raumes auszudrücken. Dies ist nun eine weitere Seite Unseres inneren Lebens. Ohne Klänge würden Wir Uns langweilen, und Wir wundern Uns, daß einige Menschen ohne Musik auskommen.
     Der Denker lehrte: "Das Schöne hören und das Schöne betrachten bedeutet, besser zu werden."

     609. Urusvati weiß, auf welch wunderschöne Weise sich das Bewußtsein eines denkenden Menschen augenblicklich wandelt, wenn er in die Überirdische Welt übergeht. Die Bedeutung der Lebensereignisse wird nun offenbar; die einen erscheinen nun größer, die anderen kleiner. Die wichtigsten Alltagserrungenschaften erweisen sich als nichtig, doch alles von Selbstaufopferung und Dienst an der Menschheit Bestimmte erreicht strahlende Dimensionen.
     Freude lebt gerade in diesen intensiven Erlebnissen, doch die vergänglichen irdischen Auszeichnungen verwandeln sich zu Kehricht. Der Mensch erreicht die Grenzen von Denkbereichen, denen er vorher keine Bedeutung beimaß. Gewöhnlich hat er kostbare Errungenschaften vergessen und sich in den Lärm des Marktlebens sinken lassen. Nehmt dies nicht für eine moralische Belehrung. Wir wollen nur an die Wirklichkeit erinnern, die auf den verschiedenen Stufen des Aufstieges Wandlungen

[Russisches Original. Seite 557.]


unterworfen ist.
     Einige kehren nicht mehr zu prunkvollen Verkörperungen zurück, sondern stellen sich ihr irdisches Dasein lieber sehr bescheiden und sehr schwer vor. Stärkste Bestrebung kam immer in viel Arbeit und Mühen zum Ausdruck; so vollzieht sich eine Umbewertung des irdischen Aufenthaltes. Auch ihr könnt euch mitunter an äußerst kurze Begegnungen erinnern, in denen eine Art Stromstoß erfolgte. Solche Funken können bedeutsam sein, und man erinnert sich ihrer gern mit Dankbarkeit. Wer kann denn behaupten, diese Begegnungen seien zufällig gewesen? Vielleicht war es ein alter Freund, der gekommen ist!
     Der Denker sprach: "Da ruft ihr 'Platon, Platon', und vielleicht ist sein Name ein ganz anderer."

     610 . Urusvati weiß von Unserem Erlaß: "Seid gerecht!" Von welcher Gerechtigkeit jedoch sprechen Wir? Die Menschen bringen es zuwege, viele "Gerechtigkeiten" zu erfinden. Sie kennen eine persönliche Gerechtigkeit, eine Familien-, Sippen-, Stammes- und Rassengerechtigkeit. Sie verstecken sich hinter einer dienstlichen, schulischen und beruflichen Gerechtigkeit. Es ist nicht möglich, alle menschlichen Gerechtigkeiten aufzuzählen! Vergessen hat man jedoch die menschliche Gerechtigkeit. Die Menschen urteilen aufgrund einer Vielzahl von Gesichtspunkten, doch der hauptsächliche - weltumfassende Gerechtigkeit - wird nirgends angenommen .
     Wir haben bereits von ungerechten Richtern als einer Schande der Menschheit gesprochen, doch darf man nicht allein von den Richtern, sondern muß von all den Menschen sprechen, die in Lüge versunken sind. Jeder Mensch spricht jeden Tag irgendeine Verurteilung aus. Er nimmt die Verantwortung auf sich, einen Pfeil der Lüge in den Raum geschossen zu haben, denn gewöhnlich urteilt er aufgrund von Bedingtheiten und von Unwissenheit. Überdies ist der Mensch von Drohungen erfüllt und empfindet sogar Schadenfreude, wenn er Gift aussendet.
     Es gibt viele physische Gifte, doch noch mehr psychische. Die Kinder werden von ihren frühesten Tagen an vergiftet. Sie spüren die Böswilligkeit der Erwachsenen, und ihr Organismus wird dadurch bereits früh für die schlimmsten Krankheiten geöffnet. Man darf nicht nur Maschinen und Roboter erfinden, sondern auch eine allmenschliche Gerechtigkeit. Wenn dies nicht geschieht, wohin wird dann der Mensch in der Überirdischen Welt gehen, und wie wird das Gespräch mit Uns gestaltet sein?

[Russisches Original. Seite 558.]


Wir werden aufgrund von Menschlichkeit urteilen, doch der Gesprächspartner wird sich auf seine engen Überzeugungen beschränken und meinen, er spreche über Gerechtigkeit.
     Menschliche Gerechtigkeit muß man lernen. Man muß sich überprüfen, ob sich nicht ein voreingenommenes Urteil eingeschlichen hat. Und man muß sich im Alltagsleben prüfen. Glaubt nicht, Gerechtigkeit habe etwas mit staatlichen Einrichtungen zu tun - jeder ist ein Richter.
     Der Denker sprach: "Lernt die Gerechtigkeit, denn an jedem Tag sprecht ihr Verurteilungen aus."

     611. Urusvati weiß, wie aufmerksam man gegenüber augenblicklich aufkommenden Gedanken und Gefühlen sein muß. Es ist nicht möglich, die Ursachen ihrer Entstehung zu verfolgen. Weder die Vergangenheit noch Zufälliges helfen zu erkennen, wie diese Einwirkungen sich gebildet haben, doch sind solche Gedanken überaus bedeutsam und auf das Gemeinwohl gerichtet.
     Wir befinden Uns natürlich in einem harmonischen Zustand, um solche unerwarteten Boten zu empfangen. Möge jeder Mensch darüber nachdenken, wie dem Gemeinwohl zu dienen ist. Jeder Erdbewohner sät und erntet nicht allein für sich, sondern auch für andere, ihm Unbekannte. Möge er darüber nachdenken, daß das von ihm gezogene Korn irgend jemandem Gutes bringe. Jeder dieser Gedanken trägt zu allgemein menschlichem, gegenseitigem Verständnis bei. Eine jede Arbeit bringt jemand anderem Hilfe, besonders wenn sie von guten Gedanken begleitet wird.
     Möge jeder an die ganze Menschheit denken. Viele bedingte Hindernisse werden sich unter Einwirkung dieser guten Ströme verwischen. Wir horchen auf gedankliche Sendungen. Wir freuen Uns, wenn Wir den Gedanken des Gemeinwohls vernehmen. Wir sind traurig, wenn Wir spüren, daß der gesandte Gedanke von Voreingenommenheit gefärbt ist. Man muß versuchen, solche abscheulichen Motive auszumerzen. Wie Schlangen winden sie sich um das Herz und würgen es.
     Habt ihr nicht einmal bemerkt, wie eine plötzliche Atemnot auftrat? Vielleicht war von irgendwoher ein würgender Gedanke herbeigeflogen. Laßt uns alle Zeichen sammeln, die zum Gemeinwohl und zu den Unbekannten Freunden führen.
     Der Denker lehrte: "Wir bauen dem Unbekannten Gott Altäre; wollen wir nicht unsere Arbeiten den Unbekannten Freunden weihen?"

[Russisches Original. Seite 559.]


     612. Urusvati weiß, daß ein einziger Gesichtspunkt eine Weltanschauung verändern kann. Nicht nur äußere Einwirkungen setzen die Anschauungen in Bewegung, sondern auch viele Chemismen des menschlichen Organismus nehmen auf seelische Vorgänge Einfluß. Ein Anhalten des Atems oder seine Beschleunigung lassen stark wirksame Substanzen entstehen. Durch sie entstehen wiederum psychische Stimmungen, der Blutdruck wird verändert, die Gehirntätigkeit verlangsamt oder beschleunigt, und sämtliche Gefühle empfangen außergewöhnliche Impulse. Ein und derselbe Gegenstand kann auf diese Weise Freude wie Traurigkeit erregen. Nicht allein die Atmung, auch die Umgebungstemperatur wirkt auf den Zustand der psychischen Energie ein. Alles wird in Schwingung und Bewegung versetzt, weshalb der Mensch bewußt das Gleichgewicht hüten muß.
     Man muß das Volk mit den Grundlagen des psychischen Lebens bekannt machen. Wer dazu ein leicht verständliches Wort findet, wird eine große Tat vollbringen. Es ist die Zeit gekommen, da das Volk Aufklärung erfahren muß. Dies kann nur auf wissenschaftliche Weise geschehen, ohne Verurteilung und Verneinung. Laßt uns auf dem Feld des heutigen Tages ein neues Korn auslegen, dessen Ernte erprobt ist.
     Laßt uns nicht streiten, da in wahrer Wissenschaft nur unbestreitbare Erkenntnisse zur Geltung kommen. Wenn jemand Realist sein möchte, so möge er den Erkenntnisweg gewissenhaft gehen. Es ist ein schlechter Realist, der sich eine schwarze Brille aufsetzt und die Ohren zustopft. Welche Wirklichkeit wird er denn damit erkennen? Sogar Offensichtliches wird er nur entstellt wahrnehmen.
     Mögen die Gelehrten Bücher für das Volk vorbereiten und auf wissenschaftliche Weise über das Irdische und das Überirdische sprechen. In den Laboratorien möge die Einheit des Prinzips der Wissenschaftlichkeit bewiesen werden. Wenn schon ein Tropfen flüssigen Goldes einen ganzen Kosmos darstellt, wieviel allgemein verständliche Experimente könnten da durchgeführt werden.
     Das Jahrhundert des Volkes muß von wahrer Aufklärung gekennzeichnet sein. Dieses wird Großes Dienen sein, und jeder vermag daran teilzunehmen. Bei eiliger Bewegung müssen weitgreifende Maßnahmen geführt werden. Es gibt weder Altes noch Neues, sondern nur den ewigen Erkenntnisprozeß. Man kann alte Überlieferungen studieren und sie verehren, doch die Evolution ist mit solchen Schritten vorangekommen, daß sie in ein Gleichgewicht gebracht werden muß. Die gewundene Evolution ermöglicht nie dagewesene Sprünge, von Steinzeitverhältnissen bis zu höchsten Erkenntnissen. Groß ist die Zeit und

[Russisches Original. Seite 560.]


groß die Verantwortung! Laßt uns nicht durch Gegensätze in Furcht geraten. Kampf ist das Los des Fortschritts.
     Der Denker bat Seine Schüler, den Kampf nicht zu fürchten: "Man muß es lernen, mit dem Denken zu fliegen."

     613. Urusvati weiß, wie sorgfältig man Unsere Ratschläge anwenden muß. Ein Seefahrer, der alle Schiffstaue zwar aufzuzählen, aber nicht zu benutzen vermag, wird beim ersten Sturm untergehen. Viele lesen Unsere Weisungen, ohne sie jedoch im Leben anzuwenden, woraus sich nur geringer Nutzen ergibt. Heuchler rechtfertigen sich damit, ihnen sei die Überirdische Welt nicht gezeigt worden. Sie sehen jedoch den gestirnten Himmel und sind bereits darauf gekommen, daß überall ein Leben eigener Art herrscht. Und schließlich arbeiten in vielen Ländern Gesellschaften an psychischen Forschungen, bei denen man sich dem Überirdischen zu nähern sucht. Selten nur läßt sich beobachten, daß ein Mensch im Leben keine Berührung mit überirdischen Erscheinungen hatte.
     Die Wissenschaft hat bereits viele Analogien aufgestellt, die bei der Erkenntnis der Feinstofflichen Welt hilfreich sind. Man muß es unterstreichen, daß wissenschaftliche Schlußfolgerungen den Errungenschaften psychischer Forschungen nicht widersprechen. Es wird sichtbar, daß die nächste Zukunft der Menschheit die Möglichkeiten eröffnen wird, volle Verbindung mit der realen Überirdischen Welt aufzunehmen. Viele Lügen werden durch ein strenges wissenschaftliches Herangehen zerstreut werden.
     Man kann sich davon überzeugen, daß schon jetzt eine vernünftige Revision alter Überlieferungen vorgenommen wird. Man erkennt, daß viele Buchstaben wichtiger sind als einige bisher angenommene Texte. Wir erschüttern nicht, sondern führen eine Berichtigung der Weltanschauung durch. Man muß jede nachgewiesene Bestätigung verehren. Leichenhafte Enge des Denkens ist ein Zustand, den man nur als Tod bezeichnen kann. Wir senden Arbeiter der Wahrheit aus, die unermüdlich von den künftigen Schritten der Evolution reden.
     Der Denker lehrte: "Verehrt jene, die euch auf den richtigen Weg führen. Erst in der Zukunft werden ihre Errungenschaften gewertet werden, doch jetzt schon können wir spüren, wo der herrliche Weg liegt."

[Russisches Original. Seite 561.]


     614. Urusvati weiß, mit welcher Beharrlichkeit das menschliche Denken befreit werden muß. Man darf sich nicht damit beruhigen, der Gedanke sei von seiner Natur her schon frei, denn der Denkprozeß ist mit vielen Vorurteilen verbunden. Heute verbrennt man keine Hexen mehr, doch viele wissenschaftliche Bereiche hält man nahezu für Zauberei.
     Jeder von uns kann eine Vielzahl von Menschen nennen, die sich für kultiviert halten, viele wissenschaftliche Errungenschaften jedoch nicht anzuerkennen imstande sind. Es können Bücher herausgegeben werden, neue Fachrichtungen an Universitäten gebildet und anerkannt glaubwürdige Experimente durchgeführt werden, doch angesehene Repräsentanten des öffentlichen Lebens bleiben dennoch in ihren altersschwachen Vorurteilen stecken. Sie schämen sich nicht, sich Zyniker und leidenschaftliche Skeptiker zu nennen, wo es doch einfacher wäre, sich als Dummkopf zu bezeichnen. Es ist nicht schlimm, wenn irgendein Dummkopf die Wirklichkeit verneint, doch viele von ihnen nehmen Regierungspositionen ein und behindern somit den Aufklärungsprozeß.
     Es ist unmöglich aufzuzählen, mit welchen Ketten das Volksdenken gebunden ist! Wundert euch nicht, daß das psychische Niveau der Massen sich wenig von dem des Mittelalters unterscheidet. Damals trachteten die Unwissenden Leonardo da Vinci nach dem Leben, doch heute läßt sich gleiches beobachten. Ein Lehrer, der von der Disziplin des Denkens sprechen will, wird sich davon überzeugen, wie unmöglich es ist, von einfachsten Wahrheiten zu reden. Regierende und hochgestellte Lehrpersonen bringen es fertig, den Mund eines solchen mutigen Menschen, der über die Freiheit des Denkens nachdenkt, zu schließen.
     Der Denker sprach: "An jedem von uns klirren schwere Ketten."

     615. Urusvati weiß, wie behutsam man die Last auswählen muß, die der Überirdischen Welt ziemt. Ich will an dieser Stelle einige Zeilen aus dem Traktat "Über die große Grenze" eines griechischen Philosophen anführen: "Stellt euch ein Schiff vor, das einen Sturm durchfährt. Der Steuermann gibt Befehl, sofort die Boote zu besteigen. Die Menschen zeigen deswegen Entsetzen, weil sie darin gehindert sind, ihre Kostbarkeiten mit sich zu nehmen. Sie haben vorher nicht darüber nachgedacht, was das Bedeutsamste aus ihrer Habe ist. Sie quälen sich und ergreifen in der Eile die unnötigsten Dinge. Viele kommen um, da sie nicht entscheiden können, was ihnen am nötigsten ist.
     Doch einer der Reisenden nimmt unverzüglich ein kleines Kästchen unter sein Gewand, und es gelingt ihm, sich zu retten. Seit langem schon hatte er über das Wichtigste nachgedacht, da er sich auf die Große Grenze vorbereitete. Doch die Lehre vom Überirdischen kann jeden davon überzeugen, daß man in der Lage sein muß, die Grenze

[Russisches Original. Seite 562.]


mit einer würdigen Last zu überschreiten. Es ist zu spät, daran zu denken, wenn man das letzte Schiff schon betreten hat."
     Ich führe diese Zeilen an, um erneut daran zu erinnern, daß Denker seit alten Zeiten die Menschen von der Notwendigkeit zu überzeugen suchten, das Dasein klar zu erkennen. Sie wußten, daß das herrliche ewige Leben voller Grenzen ist, die man würdig überschreiten muß. Von diesen Grenzen gibt es so viele, daß man ständig lernen muß, sie zu überschreiten. Doch Wir sehen, daß sogar belesene Menschen sich dies nicht zu Herzen nehmen. Urteilt selbst - kann man sich selbst für wissend halten und zum Schaden von Mitarbeitern übel reden? Ich sehe nicht, daß diese dünkelhaften Menschen die Grenze erkennen würden.
     Der Denker sprach: "Glücklicherweise brauchen wir für die wichtigste Last keine Helfer."

     616. Urusvati weiß, daß sich psychische Wechselbeziehungen weitaus leichter zwischen Menschen einstellen, die sich bereits in vergangenen Leben begegnet sind. Dies beweist die Stabilität und Dauerhaftigkeit der Energie und ihres einmal hergestellten Rhythmus. Doch erkennen die Menschen solche Begegnungen selten und halten es vor allem nicht für möglich, daß ganze Gruppen von Verkörperten sich erneut an einem bestimmten Ort einfinden können. Dies ist jedoch völlig natürlich; die einen streben zu dem Ort, an dem sie bereits lange gelebt haben, andere werden von einem Magneten eigener Art dorthin gezogen.
     Einheimische erkennen einander oft an einem bestimmten Ort, da sie von einer Rückkehr zur Erde wissen. Sie sagen: "Ich gehe fort, mich zu erholen, um dann wieder zurückzukehren." Natürlich wollen sie auf eine ihnen bekannte Erde zurückkehren. Auch bei entwickelten Bewußtseinen ist die Neigung vorhanden, eine noch nicht beendete Arbeit fortzusetzen; daher begegnen sich auch oft frühere Mitarbeiter und Feinde. Der Magnet der Feindschaft ist sehr stark. Nur wenige verstehen, daß der Weg der Feindschaft nicht nützlich ist.
     Erklärte Feinde streben danach, rasch wieder auf die Erde zurückzukehren, um ihre düsteren Vorhaben zu beenden. Die überirdischen Führer erfahren mit solchen gehässigen Menschen große Erschwernisse. In anderer Hinsicht sind sie Überzeugungsversuchen zugänglich, doch die Rache ist ihr wunder Punkt. Sie sind mit ihren Absichten sehr zudringlich

[Russisches Original. Seite 563.]


und finden ihre früheren Gegner. Sie streben sogar danach, sich in derselben Familie zu verkörpern, um ihr Opfer leichter zu erreichen.
     Der einmal hergestellte Rhythmus unterstützt die feindlichen Versuche. So beobachten Wir den Rhythmus von Freundschaft und Feindschaft. Wir suchen die besten Worte, um vor den feindlichen Versuchen dahingehend zu warnen, daß man sich nicht tiefer in deren Karma einmischen solle. Nur selten jedoch achten die Menschen auf die freundschaftlichen Ratschläge.
     Der Denker sprach: "Ein und dieselbe Posaune verkündet Niederlage wie Sieg."

     617. Urusvati weiß, daß eine ganz gewöhnliche, banale Erwägung einen sehr feinstofflichen und herrlichen Gedanken für immer vertreiben kann. Man wird sagen: "Kann denn das möglich sein? Und was für eine grobe Kraft sollte es denn sein, die einen überirdischen Gedanken vertreibt?" Dies beweist nur sehr anschaulich den Gegensatz von Grobstofflichem und Überirdischem.
     Man kann sehr erstaunt sein, wenn ein überirdischer Gast vor einer groben Berührung fortfliegt. Doch schätzen die Menschen überirdische Briefe wenig. Sie stellen sich nicht vor, wieviel Arbeit es für die Überirdischen Freunde bedeutet, einen Gedanken durch die grobstofflichen Hüllen hindurchzubringen. Die Überirdischen Freunde haben die besten atmosphärischen Bedingungen ausgesucht, damit nichts Ihre Sendung störe. Sie haben auf die Stunde gewartet, da die Irdischen frei von Gereiztheit ihr psychisches Ohr öffnen. Alle Bedingungen scheinen vorausbedacht und bewältigt, doch dann geht ein Marktschreier vorbei, und der gewobene Gedanke wird vertrieben.
     Der Mensch läßt einen solchen Gedanken leichtfertig unbeobachtet wie eine lästige Fliege. Er beklagt sich, daß irgendeine Phantasterei sich in seinen Kopf eingeschlichen habe. Er denkt nicht darüber nach, daß ein Überirdischer Freund ihn vor Unglück bewahren wollte. Er stellt nicht anheim, daß sich jemand darum bemüht, für ihn eine schwere Lebensaufgabe zu lösen. Ein im Alltagsleben befangener Geist vermag kein Vorstellungsvermögen über eine Zusammenarbeit jenseits der irdischen Grenzen zu bekunden.
     Es ist den Überirdischen Freunden schwer, Briefe zur Erde zu senden, besonders wenn sie dringend sind. Zudem eilen böse Spötter, eine gute Botschaft zu verhindern. Sie versuchen, ihr zuvorzukommen, und der Mensch ist leider oft geneigt, der hinterlistigen Stimme zuzuhören. Das Bewußtsein eines Menschen ist selten derart erweitert und hochstehend, daß es die Qualität der Sendungen unterscheiden könnte. Der Mensch ist in Alltagssorgen befangen, und

[Russisches Original. Seite 564.]


die Stimme des Schweigens wurde nicht gehört. So ist es für die Überirdischen Freunde und Uns schwer, wenn ein taubes Ohr gegeben ist und Marktgeschwätz vorgezogen wird.
     Der Denker bat seine Schüler: "Seid Tag und Nacht auf der Wacht. Ihr wißt den Moment nicht, da eine überirdische Botschaft herbeifliegen wird. Werdet ihr sie etwa zurückweisen?"

     618. Urusvati weiß, daß der auf dem Turm Stehende mehr sieht als derjenige, der im Keller sitzt. Muß man diese einfache Wahrheit wiederholen? Wenn Ich jedoch davon spreche, heißt dies, daß dafür Notwendigkeit besteht. Die Menschen unterscheiden nicht zwischen Turm und Keller. Trotz aller Offensichtlichkeit schenken sie der Stimme vom Turm keine Beachtung.
     In Tagen größter Anspannung werden die Menschen in der üblichen Weise denken, doch stellt eine solche Denkweise eine verbrecherische Unterlassung dar. Geht es den Menschen nicht ein, daß jedes Ereignis von einer ihm würdigen Denkweise begleitet werden muß?
     Menschen, die aus einem brennenden Haus laufen, kümmern sich nicht darum, ob jemand sie zu einem weitaus bedeutenderen Ziel zu bewegen sucht. Selten stellen sie sich die wahre Lage der Dinge vor, und daher klingen ihre Stimmen, als kämen sie aus einem tiefen, dunklen Keller. Sie tanzen sogar in ihrem Keller, sind gereizt und streiten sich, selbst zu vorgerückter Stunde.
     Bei den Menschen herrscht die verblüffende Gewohnheit, alles durch ihre Brille zu sehen, dabei aber viel von objektiver Beurteilung zu sprechen. Es ist Zeit, die Zivilisation um die Fähigkeit, die Ereignisse richtig einzuschätzen, zu erweitern. Eine vernünftige Einschätzung könnte manch finstere Ereignisse verhindern. Die Menschen haben vom Harmagedon gehört, rechnen aber nicht mit seiner Wirklichkeit. Man muß entschieden die einfachen Wahrheiten wiederholen, weil gerade die einfachsten Wahrheiten abgelehnt werden - und mit welchen Zweifeln! Genauso muß wiederholt vom Vertrauen gesprochen werden - ein Vertrauen, das vom Turm aus weithin sichtbar ist!
     Der Denker sprach: "Wenn ich auf das Dach meines Hauses steige, wird mich Pallas Athene von der Akropolis aus noch unvergleichlich besser sehen."

     619. Urusvati weiß, wie herrlich die Ausstrahlung des Vertrauens ist. Aus Felsen des Vertrauens setzt sich der Berg der Treue zusammen, der das Weltall verschönert. In

[Russisches Original. Seite 565.]


dem Begriff der Treue vereinigen sich die besten Lebensgrundlagen: Liebe, Schönheit, Hingabe, Tapferkeit und Weisheit. Treue ist die Folge vieler in Besonnenheit durchschrittener Existenzen. Antipoden der Treue sind Treulosigkeit und Verrat, anders gesagt, die größte Schande der Menschheit. Im Gegensatz dazu bildet die Treue wahrlich den Gipfel des Berges. Unter einem Antipoden muß man sich einen Verfolger vorstellen.
     Treue muß als ein großer Schatz gewertet werden. Die kosmische Gerechtigkeit erweist sich für bezeugte Treue als freigebig. Doch die Belohnung erfolgt zur Frist. Nur wenige können diese fristgemäße Belohnung verstehen. Um die Frist zu verstehen, muß man eine hohe Stufe des Vertrauens offenbaren. Für eine solche Stufe des Vertrauens werden Wir dankbar sein. Gegenseitige Dankbarkeit ist der Schlüssel zur Harmonie. Diese einfache Bestätigung erscheint vielen als unsinnig. In solchen Herzen lebt weder Dankbarkeit noch Treue. Urusvati kennt die Kraft dieser Eigenschaften. Sogar bei großen Arbeiten erleuchten sie den Lebensweg. Es muß ein rohes Herz sein, das Vertrauen und Dankbarkeit nicht kennt.
     Die Schlauen auf dem Marktplatz lächeln und zählen auf, wie oft sie das Vertrauen eines anderen betrogen haben. Sie haben damit ihren Geldbeutel gefüllt und sich einen schweren Buckel geschaffen. Es ist besser, daß ein Mensch betrogen wird als selbst der Betrüger zu sein. Die Eigenschaft des Vertrauens läßt viele Erfolge entstehen. Doch möge diese gesegnete Eigenschaft nicht auf ungewöhnliche Zufälle warten, um sich zu offenbaren. Das alltägliche Leben gewährt die besten Möglichkeiten, um diese hervorragende Eigenschaft zu bekunden. So wird die feste Verbindung zu Uns geschmiedet.
     In einem einzigen Augenblick vermag der herrliche Purpur des Vertrauens zu erstrahlen. Welch mächtiges Sperrnetz entsteht! Nicht selten haben Wir von Freunden gesprochen, doch muß man dabei die wahren Freunde im Sinne haben. Es kann leichtfertige und unbesonnene Freunde geben, was durch unzureichende Treue verursacht ist. Wenn wir etwas sehr schätzen, so hüten wir es auch. So stehen der Fels des Vertrauens und der Berg der Treue unerschütterlich.
     Der Denker sprach: "Wenn ich auf den Markt gehe, wer wird mich dort betrügen? Der Betrügende weiß jedoch nicht, daß er mir damit einen Passierschein zum besten Ufer des Styx ausstellt."

[Russisches Original. Seite 566.]


     620. Urusvati weiß, daß man zu allem Überirdischen eine natürliche Einstellung haben muß. Hört gut zu - solange das Überirdische für euch etwas Verbotenes oder Außergewöhnliches darstellt, wird sich euer Bewußtsein nicht erweitern. Man kann bereits feststellen, daß einige, die sich dem Überirdischen zuwenden, das Gleichgewicht verlieren. Bei diesen Menschen schließen irdische Erwägungen jeglichen Verkehr mit dem Überirdischen aus.
     Man wird fragen, wie man sich denn dem Überirdischen zuwenden solle, ohne daß die irdische Hülle dabei Schaden erleidet. Würde die Vermischung irdischer Emanationen mit feinstofflichen Energien für den gewöhnlichen Menschen nicht zerstörerisch wirken?
     Eine solche Einschätzung ist falsch. Das Irdische und das Überirdische sind durch feinste Bande miteinander verflochten. Es wäre unvorstellbar, würden diese Verbindungen gestört, denn eine solche Erschütterung würde den Untergang der Erde bedeuten. Man darf sich nicht einbilden, daß die Erkenntnis des Überirdischen nur exklusiven Organismen eigen sei. Jeder, der über das Überirdische nachzudenken beginnt, wird unausweichlich lichtvolle Erkenntnisse über die herrliche Seite des Lebens erfahren.
     Fragt jene, für die das Überirdische etwas Normales geworden ist. Sie werden sagen, daß sie bereits von klein an über den herrlichen Himmel nachdachten, über die Sterne und einen geheimnisvollen Lehrer, der irgendwo lebt. Solche Gedanken sind diesen Kindern auf die Erde zugetragen worden, da sie aus ihren Familien keine Impulse erhielten. Und so beginnt ein großer Prozeß der Harmonisierung der beiden Welten.
     Manche lösen sich ab dem siebten Lebensjahr von den Keimen der Bewußtseinserweiterung und versinken ab dem zweiten Siebenerzyklus in eine niedere Natur. Doch andere vermögen die Verbindung mit dem Überirdischen zu bewahren, und dann nehmen die feinstofflichen Zeichen zu. Wo sich eine natürliche Einstellung dazu ausgebildet hat, sind keine erzwungenen Übungen die Ursache gewesen. Allein solch ein natürliches Verhältnis wird der Evolution entsprechen.
     Der Denker sprach, als Er zu einem herrlichen Stern aufblickte: "Wenn unsere Wünsche in Erfüllung gehen, werde ich eines Tages auf jener herrlichen Welt sein können."

     621. Urusvati weiß, daß einige Bewohner der Feinstofflichen Welt bewußt eine schwierige Verkörperung auswählen. Ich spreche von jenen, deren Karma auch eine leichtere Existenz erlauben würde, doch ein verfeinertes Bewußtsein weiß, daß ein schwieriges Leben

[Russisches Original. Seite 567.]


mehr wert ist als viele leichte. Überdies nehmen diese zur Selbstaufopferung bereiten Wanderer gern einen Auftrag an, den Kleinmütige eiligst von sich weisen.
     So versteht ihr auch Narada, genannt der Streitsüchtige. Er hatte die nicht leichte Aufgabe, mittels Streit eine vernunftbegründete Urteilsfähigkeit zu erwirken, womit viele Schlummernde aufgeweckt wurden. Ebenfalls haben nicht wenige Geistesstarke die Aufgabe übernommen, die Menschen von altersschwachen Überbleibseln der Vergangenheit zu befreien. Man kann sich vorstellen, wie schwer das Leben solcher Reiniger war! Sie ertrugen wütende Angriffe, und erst die ferne Zukunft wird ihnen ein gerechtes Urteil widerfahren lassen. Doch viele solcher Arbeiter haben ihren Namen nicht hinterlassen; in der Geschichte ist nur auf einige Bewegungen hingewiesen worden, die eine Erneuerung des Denkens förderten.
     Man darf nun nicht meinen, solcher Kämpfer habe es wenige gegeben. In verschiedenen Epochen gab es Geistesstarke, die mit ihrem Leben vom rechten Weg des Fortschritts zeugten. Mögen die Freunde über solche Arbeiter nachdenken, die um so wertvoller sind, als sie ein nahezu sorgenfreies Leben hätten erwählen können, sich aber für mühevolle Arbeit entschieden. Mögen diese Arbeiten Stufen lichten Aufstieges bilden.
     Der Denker legte den Schülern nahe, ein schwieriges Leben zu wählen: "Allein in mühevoller Arbeit werdet ihr erfolgreich voranschreiten."

     622. Urusvati weiß, daß hohe, verfeinerte Einfachheit ein guter Weg zum Überirdischen ist. Einfachheit bedeutet Erkenntnis und erfolgreiches Voranschreiten. Luxus bedeutet Fäulnis und Zersetzung. Die Geschichte gibt dafür Beispiele in verschiedenen Epochen. Unermüdlich Schaffende sind einfach in ihrem Alltagsleben, doch haben sie nichtsdestoweniger Einfluß auf die gesamte Umgebung.
     Jeder Tatmensch gibt ungewollt die Ausstrahlung seiner Bestrebungen ab, doch muß man es lernen, ein weises Maß seiner Bedürfnisse zu finden. Fanatismus jeglicher Art ist nicht die richtige Lösung. Man darf niemanden mit Gewalt von der Notwendigkeit der Einfachheit im Leben zu überzeugen suchen. Sie muß mit dem Gefühl der Harmonie einhergehen.
     Man muß es tiefgreifend verstehen, daß es nicht nützlich ist, mit seiner Einfachheit zu prahlen. Sie muß sich ganz natürlich ergeben. Wir erinnern oft an die Natürlichkeit der Errungenschaften. Sie verleiht Ruhe, abseits jeglichen Neides und der Nachahmung unsinniger

[Russisches Original. Seite 568.]


Gewohnheiten. Mögen gewisse Völker auch annehmen, Luxus sei ihre Bestimmung - oder besser gesagt - ihr Schandmal. Ein Leben voller Fäulnis kann nicht lange währen. Nicht nur einmal war es nur einer einzigen Generation vergönnt, solche vergiftete Luft einzuatmen. So wurden nicht Luxus, sondern letzten Endes die Leichenwagen bestätigt!
     Der Denker sprach: "Wenn das Gewand zerrissen und verschmutzt ist, kann man das Einfachheit nennen? Wenn die Worte grob und beleidigend sind, kann man das Einfachheit nennen? Wenn das Denken Böses und Hinterlist birgt, kann man das Einfachheit nennen?"

     623. Urusvati weiß, wie oft die Menschen unfähig sind, verwandte Begriffe miteinander zu verbinden. So erscheinen Beweglichkeit und Unerschütterlichkeit dem Erdbewohner als widersprüchliche Begriffe. Sie halten Beweglichkeit für Schwanken und Unerschütterlichkeit für Erstarrung; daraus entsteht eine Art schwankender Baum, der einen Vorbeigehenden bedroht und dabei ganz gefährlich knarrt. Der Vergleich von Beweglichkeit und Unerschütterlichkeit geht den Menschen nicht ein.
     Der Mensch muß beweglich sein und bereit zur Heldentat, doch muß er sich ebenfalls auf den Stab der Unerschütterlichkeit stützen. Allein in dieser Verbindung wird der Wanderer erfolgreich voranschreiten. Man darf nicht meinen, das Überirdische sei von völlig unirdischen Gesetzen bestimmt; auch dort ist ein Stab erforderlich, und auch dort wird der Drang zur Heldentat empfunden. Nicht wenige überirdische Bewohner träumen von herrlichen Flügen und bedauern die Last, die sie daran hindert. Wahrlich, eine solche Last wird nicht nur durch völlig unzulässige Verbrechen, sondern auch durch jegliches Schwanken und jegliche Verwirrung angehäuft.
     Vermengt das Schwanken nicht mit dem Suchen, das eine fortschreitende Bewegung in sich birgt. Eine solche Beweglichkeit nennen Wir edel. So bezeichnen Wir auch die Unerschütterlichkeit in der klaren Erkenntnis der Grundlagen als segensreich.
     Der Denker lehrte die Erkenntnis verwandter Begriffe. Er sprach: "Wir selbst sind es, die den erhabenen Leib des Seins zerschneiden."

     624. Urusvati weiß, daß wütendste Verneinung neben begeisterter Anerkennung wohnt. Stellen wir uns einen Kreis vor, in der Art des geschlossenen Ringes einer Schlange, und setzen fest, der Kopf sei das Zeichen höherer Anerkennung; wir sehen dann,

[Russisches Original. Seite 569.]


wie das Anerkennen sich verringert und schließlich in Gleichgültigkeit übergeht, die die Schwelle zur Verneinung bildet. Die Verneinung lebt im Schwanz der Schlange und ist derart wütend und leidenschaftlich, daß man den Verdacht hegen könnte, in ihr verberge sich Anerkennung. Es gibt viele Beispiele, da sich wütendste Verfolger in ergebenste Anhänger verwandelten.
     Man muß sich daher besonders vor Gleichgültigkeit, dem Vorläufer der Verneinung, hüten. Nach der Gleichgültigkeit verläuft der Weg zu den schändlichsten Formen der Verneinung. Doch hier beginnt in der Tiefe des Bewußtseins schon der Sturm, und die Polarität schafft eine Anspannung, in der bereits die Wahrheit erklingt. Das Chaos kämpft und zeigt sich stürmisch, doch die angespannte psychische Energie überwindet die Finsternis und vermag eine herrliche Apotheose hervorzurufen.
     Daher beobachtet, in welchem Stadium sich die Verneinung befindet. Möge sie einer Verfluchung auf dem Wege nur voraneilen; in den frühen Stadien wird sie nämlich noch nicht die Energie zur Erleuchtung bringen. Doch möge die Explosion eintreten, in der das Strahlen des Lichts eine Annäherung an die Wahrheit bewirkt. Ein solches lebendiges Beispiel kann man heute oft beobachten, da die Erdbewohner sich geradezu unversöhnlich entzweit haben und hier nur noch eine Explosion eine merkliche Wandlung herbeizuführen vermag.
     Der Denker sprach: "Leonid verfolgt und beschimpft mich so sehr, daß ich allmählich denke, in ihm entstünde Freundschaft. Doch nein, ich irre mich, seine Wut ist noch nicht leidenschaftlich genug."

     625. Urusvati weiß, wie falsch das Chaos und der Kampf mit ihm verstanden werden. Der Begriff des Chaos selbst wurde im fernen Altertum erkannt. Die klassischen Denker definierten das Chaos als grobe Materie, die sich einer Überwindung nicht ohne Widerstand ergibt. Später entstand die symbolische Darstellung des offenbarten Punktes im Kreis des Ungeoffenbarten. Die Definition und die Zeichnung sind richtig, und dennoch rufen sie Irrtümer hervor. Man könnte aus ihnen schließen, das Ungeoffenbarte oder Chaos und das Geoffenbarte seien völlig voneinander getrennt. So denken viele und beruhigen sich damit, daß sie ja außerhalb des Chaos lebten.
     Tatsächlich ist jedoch jeder den Wirkungen des Chaos ausgesetzt, welches wie eine Art Chemismus in das menschliche Herz eindringt. Man darf nicht sagen, daß solche Einwirkungen allein von niederen Organismen gefühlt würden. Alle befinden sich unter dem Druck dieses

[Russisches Original. Seite 570.]


unsichtbaren Feindes. Der Unterschied besteht nur darin, daß niedere Organismen solche Einwirkungen leicht anziehen, ein hochstehendes Bewußtsein sich den unerbetenen Einflüssen jedoch widersetzt.
     Wir haben davon gesprochen, daß Grausamkeit, Grobheit und Unwissenheit Brutstätten des Chaos sind. Im Umkreis solcher Herde entstehen gefährliche Epidemien. Ihr könnt beobachten, wie sich in Kriegszeiten das Selbstbewußtsein der Menschen verändert. Die Tore geistiger Festigkeit sind geöffnet, und die Wellen des Chaos vermögen ungehindert einzudringen und den Organismus zu vergiften. Das Denken verändert sich, die Logik entschwindet, und die Ehrenhaftigkeit zersetzt sich. Einzelne Helden versinken in den Wellen des Chaos. Die Menschheit ist es, die diesen verderblichen Prozeß hervorrief.
     Es ist bedauerlich, daß die Menschen nach Millionen von Jahren immer noch nicht verstehen, welche Gefahren sie aus dem Raume hervorrufen können! Doch selbst in den Tagen des Harmagedon kann man die nützliche Selbstvervollkommnung beginnen. Wenn die Energie nicht ausreicht, Boshaftigkeit, Grausamkeit und Grobheit zu vertreiben, so kann man sie dennoch zügeln und zurückhalten. Jeder ist in der Lage, bei diesem Tun mitzuarbeiten. Die Anspannung ist sehr groß, und es ist an der Zeit, die Leichtfertigkeit hinter sich zu lassen, denn sie stellt verhängnisvolle Unwissenheit dar.
     Der Denker lehrte: "Jeder kann seiner Unwissenheit den Krieg erklären. Dieser Krieg ist ein ehrenvoller, er ist das Unterpfand des Erfolges und stellt die Verteidigung des Vaterlandes dar."

     626. Urusvati weiß, daß einige Menschen zu behaupten suchen, Wir existierten überhaupt nicht. Solche Menschen sind von einer derartigen Wut erfüllt, daß man den Verdacht hegen könnte, sie wollten sich selbst davon überzeugen. Keinerlei Argumente wirken auf sie. Eine Person, die Uns begegnet ist, bezeichnen sie als Lügner und behaupten, sie habe unter Hypnose gestanden.
     Die wissenschaftlichen Analogien des drahtlosen Telegraphen und der Television überzeugen die Verneiner nicht. Die Menschen glauben, was sie wollen. Keinerlei Fakten überzeugen sie. Sie sagen, sie seien bereit zu glauben, wenn sie sich persönlich vergewissert hätten, doch wenn die Bestätigung einer Sache eintritt, werden sie sagen, es sei nur Schein. Dafür ließen sich Beispiele anführen.

[Russisches Original. Seite 571.]


Ich bestätige, daß solche Verneiner Kräften dienen, von denen sie gar keine Vorstellung haben. Weshalb behaupten sie, was sie nicht wissen? Mögen sie doch beweisen, daß Unsere Existenz unmöglich ist.
     Kann denn ein gewissenhafter Forscher behaupten, in seinem Bereich sei alles entdeckt und erklärt? Nur ein dummer, beschränkter Geist wagt zu behaupten, ihm sei alles bekannt. Jede neue Entdeckung ist nur ein weiterer Zugang zum bisher Unbekannten. Noch vor kurzem kannte man nur das Nordlicht, doch nun bemerkt man auch ein Leuchten im Himalaya. Doch niemand kann die Ursache solchen Leuchtens aufzeigen. Man könnte von Energieanspannung, von elektrischen Erscheinungen reden, doch diese Annahmen sind unklar.
     Warum herrscht denn irgendwo jenseits des Mount Everest eine ungewöhnliche Energieanspannung? Warum ist solche Erscheinung mit verschiedenen Einwirkungen verbunden? Es können viele Fragen aufkommen, doch das Wesentliche blieb bisher ungeklärt. Möge jemand darüber nachdenken. Möge ebenfalls jemand Kenntnisse über verschiedene seltsame Begegnungen sammeln; in den Literaturen finden sich viele Erinnerungen daran.
     Der Denker sprach: "Viele unbekannte Feuer leuchten den Wanderern."

     627. Urusvati weiß, daß der Mensch die feinstofflichen Energien nicht nur anerkennen, sondern sie auch unterstützen muß. Muß der Mensch etwa irgendein Gigant sein, um über Zusammenarbeit nachzudenken? In einer gut konstruierten Maschine hat jedes Teilchen seine unersetzliche Funktion. Möge sich der Mensch des öfteren als Teilchen des Weltenalls verstehen. Er ist imstande, seine Energie wahrhaftig mit dem großen Weltall zu verbinden.
     Der Gedanke ist des Menschen beste Energie, er kann sie unerschöpflich in die Gewölbe des Universums verströmen. Wie eine Lichtsäule kann das Denken sich emporschwingen und an dem großen energetischen Apparat teilhaben. Die Pflicht des Menschen wird aus seiner Bestimmung deutlich, doch die beste Pflicht kommt seiner Gedankenenergie zu. Gerade die bewußt strebende Energie kann der Verbindung mit der Höchsten Welt dienen; dies ist wahrer Yoga. Oft haben Wir über die Bedeutung der Bewußtheit gesprochen, sie wirkt nur belebend. Selbst das Prana muß bewußt eingeatmet werden.
     Der Denker sprach: "Jeder von uns, der in den Schlaf geht, möge einen schönen Gedanken, einen Gruß an die Kräfte der Natur aussenden."

[Russisches Original. Seite 572.]


     628. Urusvati weiß, daß ein Tatmensch einem fürsorglichen Gärtner gleichen sollte. Es ist nicht leicht, die schönsten und nützlichsten Pflanzen zu schützen, doch muß man ebenso verstehen, wie nützlich auch einige einfache Blumen sind. Unwissende könnten sie für Unkraut halten und sie zertreten. So muß man im gesamten Leben besonders die Bedeutung der kleinen, unscheinbaren Arbeiter erkennen, aus denen feste Mitarbeiter werden können. Man darf nicht über ihr geringes Wissen bekümmert sein, denn dafür sind sie in der Lage, Durchschnittswissen beiseite zu lassen und zum Höchsten zu streben.
     Wir und Unsere Nächsten haben das Streben zu den Kleinen, Einfachen, noch nicht von Hinterlist Berührten sehr entwickelt. Mag deren Denken zunächst auch noch durch eine gewisse Primitivität getrübt sein, doch dafür fällt man bei ihnen nicht in einen Morast von Sophisterei. So vermag auch Unser Volk unvermittelt vom Kleinen zum Hohen überzugehen, ohne aber sich dieses Hohen zu brüsten. Selbst seine Helden konnten nicht hochmütig werden. Sie verstanden, daß selbst die größte irdische Arbeit nur die Schwelle zum überirdischen Dasein ist.
     Sie kannten das Feuer und die leuchtende Flamme, doch ließen diese Zeichen sie nicht hochmütig werden. Eine solche Einfachheit war weder Demut noch Erniedrigung, sondern stellte das Leben des Herzens dar, das Leben von Selbstaufopferung. Sie erwarteten keine besondere Anerkennung, da sie wahre Arbeiter waren. Sie vermochten zu reden und zu schweigen.
     Der Denker sprach: "Laßt uns schweigen, die Gedankenblitze löschen. Möge aus dem tiefen Inneren das Wichtigste, das Verborgenste aufsteigen."

     629. Urusvati weiß, wie entschieden die Stimme aus den Tiefen unseres Bewußtseins erklingt. Klar ist, daß sich im Menschen zwei Arten psychischer Arbeit vollziehen. Die eine ist den grobstofflichen, irdischen Bedingungen unterworfen, die andere tritt bereits an die Feinstoffliche Welt heran.
     Man kann sich davon überzeugen, daß das Ergebnis dieser zweiten Arbeit weitaus begründeter ist und höher steht als das Ergebnis der ersteren.
     Nicht selten erwächst aus den Tiefen des Bewußtseins eine Stimme, die eine irdische Entscheidung wieder aufhebt. Es ist sehr aufschlußreich, diese sich im Menschen abspielenden Zweikämpfe zu beobachten. "Erkenne dich selbst" sagten die Philosophen, und sie hatten recht. Nur wer die Stimme aus den Tiefen des Bewußtseins anerkennt, kann sich als auf dem Weg der Erkenntnis befindlich erachten.

[Russisches Original. Seite 573.]


Es ist erstaunlich, wie bedacht und unerschütterlich das Bewußtsein in seinen Tiefen tätig ist.
     Man könnte fragen, wozu diese zwei einander oftmals entgegengesetzten Arten psychischer Arbeit überhaupt existieren. Doch Wir antworten - dies bestätigt nur den Unterschied zwischen den irdischen und überirdischen Bedingungen. Natürlich wird das feinstoffliche Bewußtsein auch gerechter und weitsichtiger als das von Verwirrung und Angst bestimmte irdische sein.
     Glücklich ist, wer es gelernt hat, der Stimme aus der Tiefe des Bewußtseins zuzuhören. Er wird neue Mittel für den irdischen Kampf finden. Er wird mit guten und gerechten Augen um sich blicken. Er wird die richtige Bestimmung vieler Eigenschaften finden und Tapferkeit bezeugen. Mag man diese Stimme auch als Unterbewußtsein, kleines oder großes Bewußtsein bezeichnen; doch ist dies nicht gleichgültig? Wesentlich jedoch ist, daß sich im Menschen eine große psychische Arbeit vollzieht.
     Der Denker sprach: "Hört die ermutigende und warnende Stimme. Der Richter und Freund ist immer bei euch."

     630. Urusvati weiß, wie unterschiedlich Unsere Antworten ankommen. Manchmal ist die Frage noch nicht beendet, doch die Antwort ist bereits da. Ebenso geschieht es, daß eine Antwort erst nach einigen Tagen eintrifft, was nur die Lebendigkeit des Prozesses beweist. In solchen Fällen, da die Antwort die Frage überholt, erweist sich, daß auch die Frage selbst schon durch einen vorher gesandten Gedanken hervorgerufen war.
     Stellt euch eine Vielzahl von Ursachen vor und denkt darüber nach, weshalb eine Antwort verzögert werden könnte. Nicht nur die Unentschiedenheit gegebener Umstände, auch von außen kommende Ursachen kann es geben, die eine Verzögerung bewirken. So kann man in allem die Lebendigkeit solcher Übertragungen beobachten.
     Nicht selten möchten die Menschen von solchen Umständen erfahren, die besondere Aufmerksamkeit erfordern, doch eilige Angelegenheiten erlauben keine sofortige Änderung des Stromes. So wie ihr im irdischen Leben nicht selten sagt: "Wartet eine Weile", so ist es im gesamten Dasein. Doch die Menschen sind Egoisten, wenn sie etwas nötig haben, und ziehen selbst kosmische Bedingungen nicht in Betracht. Man muß sich zu einer Übereinstimmung mit diesen Prinzipien erziehen und auch die Ausmaße Unserer Tätigkeit

[Russisches Original. Seite 574.]


verstehen. Wir können Uns in eiliger Tätigkeit befinden, wobei es unmöglich ist, den Strom zu unterbrechen. Jeder unterbrochene Strom gleicht einem zerbrochenen Pfeil.
     Der Denker lehrte, wie notwendig die Achtung fremder Arbeit sei. Er sprach: "Wie kann man den Fluß des Denkens kennen? Weise wird es sein abzuwarten, bis der Freund das angespannte Denken beendet."

     631. Urusvati weiß, daß viele den Begriff des Rhythmus einschränken. Ihrer Meinung nach kommt Rhythmus in Musik, Gesang, Tanz und Dichtung zum Ausdruck, doch vergessen sie den hauptsächlichen Rhythmus, der sich im gesamten Universum ergießt und das gesamte Leben nährt. Vor diesem uranfänglichen Rhythmus erweisen sich unsere irdischen Erscheinungen als langweilig. Für eine ungeordnete Lebensweise wird bereits jede rhythmische Handlung heilsam sein, doch ist dies nur die Schwelle zum erhabenen Rhythmus des Weltenalls.
     Mögen die Menschen darüber nachdenken, weshalb die einen Handlungen überzeugend sind, andere indessen die Saiten des Herzens nicht berühren. Wir antworten: Der innere Rhythmus wirkt überzeugend und bereitet die Anwesenden auf eine Aufnahme des Gesagten und Getanen vor, ohne daß sie diesen Vorgang bemerken würden.
     Die Tätigkeit der großen Spirale ist eine der Ausdrucksformen des großen Rhythmus. Ein Leser Unserer Gespräche rief aus: "So windet sich das Wissen des Lebens!" Er hat diesen Vergleich richtig gezogen. Wenn man das System der Gespräche analysiert, wird man eine Spirale als besten Zugang zu den Lebensgesetzen vorfinden. Man kann keine These abschließend definieren; ihre Erklärung ergibt sich nicht allein aus dem Gesagten, sondern auch aus dem Bewußtseinszustand des Gesprächsteilnehmers. Doch das Bewußtsein verändert sich, und es ist nützlich, ein neues Urteil zu vermitteln, damit die Empfangenden sich erneuern. So läßt sich der Rhythmus des Weltalls im gesamten Leben feststellen.
     Der Denker vermochte das Bewußtsein des Rhythmus zu erwecken: "Nicht in Tänzen, sondern im Pochen des Herzens haben wir das beste Beispiel des universalen Rhythmus."

     632. Urusvati weiß, welches der Unterschied zwischen den eigentlichen, wahren Fristen und den augenscheinlichen Fristen ist. Das Beispiel der ärztlichen Tätigkeit wird besonders aufschlußreich sein. Ein erfahrener Arzt versteht, daß

[Russisches Original. Seite 575.]


eine Krankheit nicht unmittelbar vor ihrem Ausbruch entstanden ist, sondern früher. Er wird nach den eigentlichen Ursachen forschen und das gesamte Leben des Kranken erneuern. So verhält es sich auch mit der Frage der Fristen. Die Menschen halten für Frist, was sie als offenkundiges Ereignis vor sich sehen. Doch dieses wird nicht der Beginn des Ereignisses sein, wo bereits der Kurzsichtige das Geschehen erblickt. Man kann davon überzeugt sein, daß die Entstehung des Ereignisses früher erfolgt ist. Weise ist es, gerade die Entstehung von Ereignissen zu erkennen, nur dann ist man in der Lage, ihre Entwicklung und Lösung zu beobachten.
     Die Entstehung der Ereignisse zu erforschen ist nicht nur um der Wahrheit willen nützlich, sondern auch, um sein Denken zu prüfen. Man muß sich jeglicher Voreingenommenheit enthalten können. Möge das Denken ruhig und frei sein wie das Wasser in einem sauberen Brunnen, wo man bis auf den Grund sehen kann. Ein solches ruhiges Denken ist allerdings nicht leicht zu erreichen. Der Mensch möchte seine vorsätzliche Entscheidung unterstellen oder doch wenigstens den Weg zu dem Urteil bestimmen.
     Wichtig ist jedoch auch, die karmischen Folgen zu bemerken. Dafür muß man die Geschichte der Völker kennen. Allein durch solche dokumentarischen Vergleiche kann man zu einer gerechten Entscheidung gelangen. Man muß wie ein echter Gelehrter werden, dem eine wahre Schlußfolgerung wertvoll ist, auch wenn sie seiner bisherigen Auffassung widerspricht. Man muß es lernen, persönliche Auffassungen um der Wahrheit willen freiwillig aufzugeben.
     Der Denker wies darauf hin und sprach: "Nicht meine zerbrechliche Meinung, sondern der Marmor der Jahrhunderte wird unsere Schlußfolgerungen bestätigen."

     633. Urusvati weiß, daß jede aus der Überirdischen Welt herankommende Aufgabe durch die irdischen Bedingungen einen gewissen Schaden erleidet. Darüber darf man nicht bekümmert sein, da der Unterschied zwischen den feinstofflichen und den irdischen Bedingungen frappierend ist. Man möge sich jedoch Unserer Weisungen erinnern: "Weiter als das Weite". Auf diese Weise erinnern Wir an die in der Feinstofflichen Welt festgesetzten ursprünglichen Aufgaben.
     Jeder Bewohner der Feinstofflichen Welt erhält einen Auftrag, der seinen Fähigkeiten entspricht. Es werden nicht nur große Aufträge erteilt, sondern auch solche, die im Alltagsleben erfüllt werden müssen, wo man auch einen bestimmten Nutzen erbringen kann. Doch nur wenige tragen noch eine Erinnerung an solche Aufgaben in sich, die auch das Karma miterleichtern sollten.
     Oft bedauern es die Menschen, nichts ausführen zu können, und wissen selbst nicht

[Russisches Original. Seite 576.]


weshalb ihr Herz schmerzt. Sie versuchen, sich an etwas zu erinnern, doch im grobstofflichen Zustand verhält sich ein feinstofflicher Gedanke wie ein schreckhafter Vogel. Solange die Menschen sich der Überirdischen Welt nicht zuwenden, können sie den richtigen Weg nicht fortsetzen.
     Desgleichen muß man den im Volk entstandenen plötzlichen Erleuchtungen Aufmerksamkeit widmen. Sie können aus tiefgründigster Quelle herrühren. Ihr tut recht, wenn ihr die Prophezeiungen aus dem Volk aufmerksam wahrnehmt. Man kann sich davon überzeugen, daß über solche Hinweise innerhalb einer gewissen Frist überall im Volke gesprochen wird und darüber staunen, weshalb die unterschiedlichsten Stimmen ein und dasselbe zu bestätigen anfangen. Dabei werden überzeugende Fristen genannt. Es läßt sich hinzufügen, daß solche Aussagen ebenso zuverlässig sind wie die Angabe, daß unter dem Fels des Gum eine Prophezeiung liegt. Man muß die Verbindungen des Irdischen mit dem Überirdischen genau beobachten.
     Der Denker sprach: "Lernt es, die Stimme des Volkes zu verstehen; in ihr erklingt ein überirdischer Befehl."

     634. Urusvati weiß, wo die Wahrheit liegt. Eine solche Synthese ist ein ganzes Buch wert. In der Tat ist es nicht leicht, alle irdischen Schalen zu entfernen und zu erkennen, wo die Wahrheit ist, die am Grunde der Ereignisse ruht. Eine solche Prognose ist auch für die Überirdische Welt von Nutzen.
     Es ist gut, wenn ein Mensch von seiner Aufgabe für das Gemeinwohl so sehr erfüllt ist, daß er in der Überirdischen Welt seine lichte Arbeit unverzüglich fortsetzen kann. Wundert euch nicht, wenn solche harmonische Weiterführung der Arbeit nicht leicht ist, denn in ihr vereinigen sich irdische und überirdische Bedingungen. Man braucht einen festen Willen, der keine Hindernisse kennt und muß solchen Mut fassen, daß er selbst einer Erholung im Schlafe nicht bedarf.
     Der Mensch vermag alle Hindernisse zu überwinden, wenn ihm das Ziel der Reise klar ist. Es mag sogar sein, daß er die Reise als solche gar nicht wahrnimmt, wenn er in der Ferne bereits das Licht sieht. Er wird dann die Schritte zu diesem Licht nicht zählen, da das Licht bereits in seinem Herzen leuchtet. So laßt uns die Verbindung zum Überirdischen finden, möge es den Menschen zur Freude führen. Möge der Mensch sich befehlen, unbeugsam zu gehen, um bei seinem Flug neue Bedingungen gar nicht erst zu spüren.
     Das Märchen des Lebens ist groß, und jeder ist imstande, über die Strahlen der Himmelskörper nachzudenken, das die Erde nach Millionen von Jahren erreicht. Beflügelt solche Berührung der Ewigkeit

[Russisches Original. Seite 577.]


den Menschen nicht? Schafft sie ihm keine Erneuerung des Denkens? Er kann die Wirklichkeit lieben lernen und in sich das Bewußtsein finden, welches ihm ermöglicht, das Überirdische wahrzunehmen, als wäre es genau hier. Die Lehre vermag solche Wahrnehmung nicht zu vermitteln, solange der Mensch die Überirdische Welt nicht annehmen will.
     Der Denker sprach: "Lernen wir zu erkennen, wo die Wahrheit liegt. Sie existiert, auch wenn sie von vielen Hüllen bedeckt ist."

     635. Urusvati weiß, daß Haß übelsten Wahnsinn erzeugt. Glücklicherweise ist voll ausgebildeter Haß nicht oft anzutreffen. Im Haß wachsen die Kräfte, und es treten unsichtbare, hinterlistige Gefährten hinzu. Solch ein Wahnsinn kann überaus gefährlich werden, doch ist das Karma des Hasses entsetzlich. Auch in der Überirdischen Welt bleiben solche Wahnsinnigen in ihrem wütenden Haß befangen. Das daraus entstehende Karma kann wahrlich als höllisch bezeichnet werden, und das Denken ist dann nur noch auf die Befriedigung des Bösen ausgerichtet.
     Die Tapferkeit eines Führers stumpft an der Feindseligkeit solcher Wahnsinnigen ab. Es ist daher unmöglich, sie zur Vervollkommnung zu bekehren. Wer sich daran versucht, wird, weil erfolglos, falsch handeln und rasch frühere Aufspeicherungen verlieren. Ein Hassender vermag nicht im Evolutionsprozeß zu bleiben. Ihr könnt es euch gut selbst vorstellen, daß der Weg eines von der Evolution Ausgestoßenen entsetzlich genannt werden kann. Mögen die Menschen es nur recht bald verstehen, daß Haß ein schlechter Führer ist.
     Haß ist unstillbar. Anhand dieser Eigenschaft kann man ihn von anderen Erscheinungen abgrenzen. Mitunter verwechselt man ihn mit Strenge. Die Menschen sprechen von den wütenden Taten großer Umgestalter, doch waren solche Taten in Wirklichkeit Taten der Strenge und weit entfernt von Haß. Wir wollen hier nicht über die Gründe solcher Strenge urteilen. Man kann sich den Strudel von Unwissenheit und Feindseligkeit vorstellen, der jedem Umgestalter des Lebens begegnete! Verwunderlich ist allenfalls, daß ein großer Tatmensch nicht selbst in Haß verfällt, doch dies ist großen Tatmenschen nicht eigen.
     Am Kriterium des Hasses läßt sich die Stufe eines Tatmenschen erkennen. Nur ein unentwickelter und dünkelhafter Mensch, der alles ihm Unbekannte mißachtet, wird durch sein Tun zum Opfer eines Strudels von Haß. Zum Hassenden wird man nicht in einem einzigen Augenblick. Statt

[Russisches Original. Seite 578.]


Tropfen heilsamen Arbeitsschweißes hat solch ein Mensch sich viele Tropfen Imperil aufgespart. Ein strenger Umgestalter grämt sich insgeheim über jede im Zorn begangene Handlung, doch der Hassende empfindet Triumph in jeder seiner Grausamkeiten.
     Die Evolution setzt voraus, daß der Haß als eine Schande der Menschheit erkannt wird; dann werden auch viele Hindernisse verschwinden, die durch Unwissenheit errichtet wurden. Der Haß ist ein besonderer Aspekt der Unwissenheit. Der gebildete Mensch weiß, daß Haß seinen Fortschritt behindert.
     Glaubt nicht, Hasser seien unbedingt Giganten des Bösen; es gibt auch scheinbar unbedeutende Hasser, die dennoch das Karma des Hasses voll tragen. Hierbei sind irdische Gerichte nicht anwendbar. Und weiß denn ein solcher Hassender, was er behindert und was er zu zerstören träumt? Viele Hassende wissen nicht, was sie bekunden sollen. Sie ähneln hilflosen Steinchen in einem Strom, über die eine mächtige Strömung hinweg verläuft. Doch auch diese Steine können ein Hindernis bilden.
     Der Denker sprach: "Ich bitte das Schicksal, die Menschen vor dem Wahnsinn des Hasses zu bewahren."

     636. Urusvati weiß, daß eine Vielzahl von Menschen mit falschem Denken in die Feinstoffliche Welt hinübergeht. Die einen gehen in Angst und Schrecken hinüber, andere in Feindseligkeit und Gereiztheit, dritte in Anhänglichkeit an irdische Personen, und vierte bilden sich ein, jenseits der irdischen Schicht sei nichts mehr.
     Viele nicht nützliche Gedanken fügen der feinstofflichen Existenz Schaden zu. Unter den nicht nützlichen Aufgaben gibt es auch solche, die zwar einen guten Kern haben, aber dennoch nicht anwendbar sind. So versprechen einige ihren irdischen Nächsten, ihnen später im feinstofflichen Körper zu erscheinen. Zum einen binden sie sich mit diesem Versprechen und enttäuschen zum anderen diejenigen, denen sie das Versprechen gegeben haben. Der Mensch muß die Schwelle frei und zur Vervollkommnung bestrebt überschreiten. Vielleicht ergibt es sich bei seinen Aufgaben auch, im feinstofflichen Körper zu erscheinen, doch soll sich eine solche erlaubte Möglichkeit natürlich und inmitten der übrigen Erfahrungen und Erkenntnisse ergeben.
     Zudem kann der Mensch nicht im voraus wissen, wem er wann erscheinen wird. Es kann beispielsweise sein, daß die Schwingungen einer ins Auge gefaßten Person sich nicht verändern, die einer anderen jedoch zugenommen haben; solche Veränderungen lassen sich nur von der Feinstofflichen Welt aus beurteilen, und es wäre nicht weise, eine Realisierung vorwegzunehmen. Möge alles natürlich und ohne vorgefaßte Absichten

[Russisches Original. Seite 579.]


verlaufen. In voller Bereitschaft sein heißt nicht, sich an vorgefaßte Absichten zu binden. Es ist sehr gut möglich, daß jemand im feinstofflichen Körper erscheint, um damit Menschen einen Nutzen zu bringen, doch wird dies kein furchterregendes Gespenst, sondern ein lichter Bote sein. Auf eine solche Erfahrung muß man sich vorbereiten und den Führer anerkennen.
     Der Denker sprach: "Wir brauchen keine furchterregenden Gespenster, doch möge ein lichter Bote anklopfen."

     637. Urusvati weiß, daß der menschliche Organismus auf alles Umgebende weitaus mehr reagiert als gemeinhin angenommen wird. Bis heute gehen die Menschen davon aus, sie lebten in einem leeren Raum, in dem es keine Verbindungskanäle gäbe. Selbst die Entdeckung der Radioübertragungen hat die Weltanschauung nicht erneuert. Doch möchte Ich nun an einen überaus realen Umstand erinnern, nämlich die Übernahme fremden Schmerzes über Entfernung.
     Ihr wißt bereits, daß Schmerzen unter Suggestion auf Anwesende übertragen werden können. Doch auch ohne Suggestion ist ein starker Wille in der Lage, Schmerzen anderer über allergrößte Entfernung auf sich zu nehmen. Nicht selten denkt ein Mensch aus Gutherzigkeit, das Leiden eines anderen erleichtern zu wollen und übernimmt die Krankheit selbst. Eine solche Übernahme von Krankheit kann keine physische Ansteckung sein, sondern ist ein psychischer Vorgang mit allen körperlichen Folgen.
     Es ließe sich eine ganze Reihe solcher psychischen Übertragungen nennen. Sie beweisen, wie feinfühlig der menschliche Organismus ist und wie sehr man auf solche feinen Erscheinungen achten muß. Die Wissenschaft hilft den meisten Menschen nicht, da sie selbst im Falle bester Erkenntnis im engbegrenzten Kreise der Gelehrten bleibt. Es ist jedoch unerläßlich, die Schlußfolgerungen der Wissenschaft den breiten Massen zu übergeben. Laßt uns keine Popularisierung fürchten, da viele neue Entdeckungen Besitztum des Volkes werden müssen.
     Der Denker sprach: "Ich sehe nicht, weshalb der Bauer weniger wissen sollte als der Städter."

     638. Urusvati weiß, daß lebendige Erkenntnis immer erweiternd ist,

[Russisches Original. Seite 580.]


nie jedoch begrenzend. An diesem Merkmal läßt sich wahre Wissenschaft erkennen. Die Menschen möchten in allem die Materie sehen, und sie sind auch nicht weit von der Wahrheit entfernt, wenn sie der gesamten Materie eine Vielfalt von Eigenschaften zuschreiben. Das Wort "Materie" selbst ist ein gutes Wort und verwandt mit dem erhabenen Begriff der Mutter. Jetzt, im Zeitalter der Mutter der Welt, muß man gegenüber allem, was an diese herrliche Grundlage gemahnt, besonders aufmerksam sein. Überdies muß man verstehen, daß gerade der Begriff der Materie die unterschiedlichen Eigenschaften dieses gebärenden Stoffes in sich faßt.
     Es wurde gesagt, daß Materie kristallisierter Geist ist, doch kann man dies auch umgekehrt sagen, da alles, von den feinsten Energien angefangen, Materie ist. Wenn jemand sich gegen das energetische Urprinzip erhebt, so wird dies ein ärmliches Urteil darstellen, da er damit gleichzeitig auch die Materie verneint. Was bleibt solchen Unwissenden dann noch? Es ist an der Zeit, die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs wiederherzustellen. Wer sich für einen Materialisten hält, sollte die Materie in all ihren vielfältigen Aspekten verehren. Es ist unstatthaft, sich als Materialist zu bezeichnen und das Wesen der Materie zu leugnen.
     Wie herrlich ist es indessen, die Materie zu studieren und mit dem Evolutionsprozeß zu vergleichen! Ein solcher Weg wird wissenschaftlich sein. Doch muß man sagen, daß auch diese Definition Entstellungen ausgesetzt ist. Ein positiv ausgerichtetes Studium wird niemals etwas Begrenztes sein. Im Gegenteil, es muß Symbol ständiger Erkenntnisgewinnung sein. So denkt über die Bedeutung vieler Begriffe nach, und es wird auch klar werden, wie sehr Wir wünschen, daß man an alles von wissenschaftlicher Seite herangeht. Für Uns widerspricht eine solche Grundlage der Freiheit des Forschers nicht, sondern sie weist nur auf die herrliche Materie hin, die die Mutter selbst ist.
     Der Denker sprach: "Lernen wir, die Mutter zu verehren! Dann werden wir auch das Wesen der Natur verstehen."

     639. Urusvati weiß, daß man beim Übergang in die Überirdische Welt und bei einem Besuch in ihr in sich die freudigsten Erinnerungen wachrufen muß. Wir haben oft von dieser Brücke der Freude gesprochen, doch die Menschen hören selbst besten Ratschlägen kaum zu. Einige sagen: "Unser Leben war düster und freudlos." Doch sie vergessen,

[Russisches Original. Seite 581.]


daß jeder Mensch Augenblicke der Freude gehabt hat. Gerade diese Augenblicke muß man aus dem Archiv des "Kelches" hervorrufen .
     Man darf nicht glauben, daß irgendwelche Siegesposaunen oder allgemeine Anerkennung im Volk erforderlich seien. Reine Freude kommt auch im intimsten Arbeitsleben zum Ausdruck. Jeder vollbringt selbstaufopfernde Handlungen, und man muß fähig sein, alles Beste zu sammeln. Der Mensch weiß es selbst, ob er menschenwürdig gehandelt hat. Man muß solche Augenblicke in seinem Bewußtsein hüten, denn sie werden ein kostbares Gepäck darstellen. Die Brücke der Freude kann so von einer Vielzahl heller Feuer erleuchtet sein. Jeder kann verstehen, daß ein solcher Hinweis auf das Beste im Leben auch das Leichteste sein wird.
     Man darf sein Denken nicht an düstere und schwere Erinnerungen hängen, sonst werden einem diese das Leben wie Blutegel aussaugen. Die Mißerfolge muß man vergessen, da sie im Leben jedes Tatmenschen vorkommen. Weshalb unnötig einen Schwanz von Schicksalsschlägen hinter sich herschleppen? Mögen sie nur das kosmische Lehrgeld sein. Doch Freude wird das Unterpfand künftigen Erfolges sein. Der Führer vermag dort besser zu helfen, wo die Funken der Freude erglühen. Dieser Aspekt Unseres inneren Lebens kann jedem nähergebracht werden.
     Der Denker sprach: "Man muß sämtliche Funken der Freude sammeln können, dann kann man auch ohne das Boot des Charon auskommen."

     640. Urusvati weiß, daß viele Unsere wiederholten Weisungen über die Ruhe nicht verstehen. Ihr Irrtum geht so weit zu denken, Wir wiesen auf Untätigkeit hin. Wir sprechen jedoch niemals über Untätigkeit, und der Hinweis auf die Ruhe hat die innere Ruhe im Sinne. Leider ist sie schwer erreichbar. Mitunter meint der Mensch, er sei ruhig, doch in seinem Inneren rumort ein wahrer Vulkan. Solcher Zustand des Nervensystems kann eine extreme Erschöpfung zeitigen.
     Wird es denn ein Widerspruch sein, wenn Wir von Scharfsicht und Wachsamkeit sprechen und gleichzeitig auf irgendeiner inneren Ruhe bestehen? In diesen Begriffen liegt jedoch kein Widerspruch, sondern voller Zusammenklang. Die Wacht wird erfolgreich sein, wenn sie mit Ruhe vereint ist. So muß der Mensch verstehen, daß die Mehrzahl der Umstände,

[Russisches Original. Seite 582.]


die Beunruhigung schaffen, bereits in die Vergangenheit entschwunden ist. Wir aber schlagen vor, in die Zukunft zu streben. Bei solchem Streben wird der Mensch in feinen Zusammenklängen schwingen und braucht sich nicht zu beunruhigen.
     Nur von den Türmen aus kann man weit sehen und verstehen, wie wertvoll die Zukunft ist. Man kann von einer angeblichen Notwendigkeit der Gegenwart lesen, und es existieren ganze Theorien darüber, daß man nur in der Gegenwart leben solle. Mögen diese Philosophen aber begreifen, daß die Gegenwart nicht existiert. Diese Mahnung muß wiederholt werden, da die Menschen anderenfalls nicht in der Zukunft leben wollen.
     Der Denker sprach: "Wir können uns der Vergangenheit erinnern und uns auf die Zukunft vorbereiten, doch die Gegenwart ist unendlich klein und unfaßbar."

     641. Urusvati weiß, wie unvorsichtig und geringschätzig die Menschen sich allem gegenüber verhalten, was die Überirdische Welt berührt. Ich spreche noch nicht einmal von den feinsten Berührungen, doch schon bei Materialisierungen stellen die Menschen Fragen solcher Art, daß man sich wundert, wie gebildete Menschen keine vernünftigeren Überlegungen anstellen! Die Menschen versammeln sich scheinbar wegen einer ernsten Angelegenheit, doch in der Art ihres Herangehens kann man sowohl Mißtrauen als auch unpassenden Spott erblicken.
     Ihr wißt zur Genüge, wie vorsichtig Wir gegenüber den sogenannten spiritistischen Sitzungen sind. Die Menschen verstehen nicht, daß sich außerhalb dieses Verkehrs im gesamten Leben eine Vielzahl von Berührungen mit dem Überirdischen vollzieht. In solchen Berührungen ist nichts Widernatürliches oder Erzwungenes. So kann jeder die Verbindung mit einem weiten Bereich feststellen, die seine gesamte Weltsicht umwandeln kann.
     Ganz und gar nicht heißen Wir die Wahnsinnigen gut, die sich von ihren irdischen Verpflichtungen lösen und nur Verwirrung um sich herum verbreiten. Sie sprechen von höheren Harmonien und vergessen gleichzeitig, daß Harmonie zwischen der irdischen und der überirdischen Welt herrschen muß. Wenn die Wahnsinnigen die irdischen Aufgaben für unter ihrer Würde erachten, so erweisen sie sich nur als unwissend. Sie sind auf die Erde zur Erfüllung einer bestimmten Aufgabe gekommen. Sie sollten ihre Aufgabe lieben lernen. In der Hingabe an eine irdische Arbeit können sie auch die Berührungen des Überirdischen wahrnehmen. Eine solche Vereinigung wird auch die natürliche Verbindung der Welten sein.
     Nach komplizierten Überlegungen muß man wieder zum Einfachsten zurückkehren. Der Mensch

[Russisches Original. Seite 583.]


kann die Evolution nicht bestimmen. Er muß an ihr teilnehmen. Er muß mit ihr in eine harmonische Verbindung treten. Erneut gelangen wir zum Rhythmus der Arbeit und verstehen, daß alle Müßiggänger das Leben nur belasten. In der Zeit angespannter Umgestaltung der Welt ist es besonders unzulässig, sich als Müßiggänger oder Scheinheiliger zu erweisen.
     Ihr mögt fragen, ob in der Unbegrenztheit ein solches Maß angespannter Arbeit etwa nötig und ob die Unbegrenztheit mit der Arbeit des einzelnen vergleichbar sei. Zum Erstaunen vieler sage Ich: Sie ist vergleichbar. Der Mensch ist ein lebendiges Teilchen der Menschheit, die die stärkste Energie des Planeten darstellt. Der Machtnehmer des Planeten darf kein Müßiggänger sein, denn es liegt unerhörte Verantwortung auf ihm. Und er kann sich ihrer nirgendwohin entziehen - und es bleibt ihm nur, sich die Überirdische Welt zum Freund zu machen.
     Der Denker sprach: "Jeder hat eine Vielzahl von Freunden, doch sollte er sie lieben lernen. Es kann keine Freundschaft ohne Liebe geben."

     642. Urusvati weiß, daß einige den Unterschied zwischen der Feinstofflichen und der Überirdischen Welt nicht verstehen. Ihnen scheint es, daß beide Begriffe in den Gesprächen abwechselnd gebraucht würden, nur um Wiederholungen zu vermeiden. Doch muß daran erinnert werden, daß die Feinstoffliche Welt ein bestimmter und eingrenzender Begriff ist, während im Begriff des Überirdischen nicht nur verschiedene Schichten, sondern auch die Gedankenenergie enthalten sind, derer sich auch die Erdbewohner bedienen. So muß man unterstreichen, daß die Überirdische Welt vor allem die Welt des Denkens ist. Sie herrscht sowohl in der Feurigen wie auch in der grobstofflichen Welt.
     Man muß wissen, daß Wir die Charakteristik Unseres Lebens nicht zufällig mit der Überirdischen Welt verbinden. Mögen die Menschen sich an das Bewußtsein gewöhnen, daß sich die genaueste Definition des inneren Lebens der Bruderschaft in einem Denkprozeß darstellt. So ist auch in jedem Leben das Denken der Prüfstein. Es wurde gesagt, daß der Mensch sich selbst erkennt, wenn er den Fluß seiner Gedanken verfolgt. Dieser Strom ist vielfältig, verläuft ohne Unterbrechungen und ist selten harmonisch. Es ist nicht leicht, seine eigenen Gedankengänge zu verfolgen!
     Eine richtige Lebensbeschreibung muß weniger die äußeren Taten eines Menschen vermerken als vielmehr den Strom seines Denkens, nur dann kann man das Wesen des Menschen erforschen. Oftmals sehen Wir den betrüblichen Irrtum, daß sogar erfahrene Tatmenschen

[Russisches Original. Seite 584.]


meinen, sie hätten eben nur gedacht und seien daher für die in ihnen verborgenen Gedanken nicht verantwortlich. Sie irren sich, wenn sie meinen, ein Gedanke bleibe ohne Folgen. Es ist schwer vorherzusehen, wann solche Folgen in Erscheinung treten werden, und es kann sein, daß sie sich überhaupt nicht in der grobstofflichen Hülle vollziehen. Eine Vielzahl karmischer Bedingungen kann auf eine Beschleunigung oder Verlangsamung von Fristen hin wirken, doch bedeutsam ist das Gesetz, daß jeder Gedanke Folgen trägt. Solche Prozesse beziehen sich gerechterweise auf die Überirdische Welt. Sie sind auf die psychische Energie gegründet, die die uranfängliche Kraft darstellt und alles Existierende erfüllt.
     Der Denker wies darauf hin: "Retten wir uns durch unsere Gedanken. Sie stellen sowohl unsere Segel als auch unseren Anker dar."

     643. Urusvati weiß, daß es ein geöffnetes und ein verschlossenes Erinnerungsvermögen gibt. Viele beklagen das Vorhandensein dieses verschlossenen Gedächtnisses. Doch sie stellen sich nicht das ganze Entsetzen vor, das entstünde, wenn die Menschen sich ständig ihrer früheren Existenz erinnerten. Wahrlich, es ergäbe sich ein ganzes Konglomerat von Dissonanzen, unter dem ein Vorankommen unmöglich würde. Weise ist das Gesetz, das alles aussondert, was der Vervollkommnung nicht dienlich ist.
     Unerfahrene Menschen bilden sich ein, bei Kenntnis alles Vergangenen bessere Fortschritte machen zu können, doch tatsächlich sind nur sehr wenige in der Lage, ihre früheren Beobachtungen nutzvoll anzuwenden. Überdies haben sie diese keineswegs verloren, sondern bewahren in ihrem Kelch lebendige Aufspeicherungen. Nicht selten gemahnt die Stimme der Stille an die Notwendigkeit, alte Erfahrungen hervorzurufen und zu nutzen. So kann man dem Gesetz über das verborgene Gedächtnis dankbar sein.
     Hört zu, kann sich ein Mensch heute im Zeitalter der Mechanisierung in die Psychologie längst vergangener Zeiten versenken? Solches Herangehen würde nur den Weg erschweren. Man kann die Kulturen des Altertums studieren und die Lösung früherer Probleme in gerechter Weise schätzen, doch darf man sich nicht in die Haut der Ahnen zurückversetzen. Solche Versenkungen in Vergangenes sind auch keineswegs notwendig. Jetzt haben wir das Zeitalter frappierender Entdeckungen, und der Mensch sollte sich nicht an die Vergangenheit anpassen, sondern an die Zukunft, um die psychische

[Russisches Original. Seite 585.]


Energie vernünftig anzuwenden.
     Der Denker sah voraus: "Es wird eine Zeit kommen, da die Menschen nicht nur fliegen, sondern auch zu fernen Welten streben werden."

     644. Urusvati weiß, wie wenig die Menschen die Bewußtseinserweiterung werten. Sie gleichen sich kleinen Kindern an, die für eine kleine Süßigkeit bereit sind, eine Lektion auswendig zu lernen, doch ohne Süßigkeiten sich noch nicht einmal das Wesentlichste aneignen mögen. Das gleiche läßt sich auch unter den Erwachsenen beobachten. Für die Seligkeit des Paradieses sind sie bereit, irgend etwas durchzulesen, doch ohne Entgelt werden solche Tagelöhner sich nicht vervollkommnen. Für sie ist es ein unzureichender Trost, ein neues Bewußtsein zu erhalten. Sie werden sagen: "Wozu dient uns irgendein unbekanntes Bewußtsein; es wäre besser, der Tageslohn würde erhöht". Auf diese Weise findet sich der Führer in der Lage eines Wohltäters, der Altersheime bauen läßt.
     Man kann sich unmöglich vorstellen, daß die Zahl derjenigen Menschen äußerst gering ist, die sich der Vervollkommnung nicht wegen einer Lohnerwartung, sondern um der Bewußtseinserweiterung willen widmen. Bemühe sich jeder, sich zu erinnern, ob ihm im Leben viele wahre Arbeiter an der Erkenntnis begegnet sind. Doch dafür wird er viele finden, die die Lehre des Lebens gelesen haben und dabei ihre eigenen Bedingungen einer würdigen Entlohnung stellten. Der eine erwartete den Lohn nach drei Jahren, ein anderer nach sieben, und ein dritter nach zehn Jahren.
     Es ist aufschlußreich, diese geheimen Verträge zu betrachten, die der Führer erfüllen sollte. Hierbei hat der Mensch selbst den Lohn nach seinem Geschmack bestimmt, ohne die wahre Lage zu beachten. Seine Irrtümer und Vergehen zieht er nicht in Betracht, doch dafür steht der Führer unter dem ständigen Verdacht, den Lohn vielleicht zurückhalten zu wollen, und was sei denn von der Aussage über die Überirdische Welt zu halten, wenn noch nicht einmal der irdische Lohn erhöht werde? Man kann an viele ähnliche irdische, geheime Überlegungen erinnern.
     Der Denker sprach: "Der Schild ist von außen ganz blank geputzt, doch was bedeckt er?"

     645. Urusvati weiß, daß viele entrüstet sind, wenn Wir von ständigen Prüfungen sprechen. Das alte Sprichwort, daß sich alle Welten in Prüfung befinden, wird als Metapher aufgefaßt,

[Russisches Original. Seite 586.]


die unanwendbar sei. Prüfungen werden als leidige Bestrafung angesehen. Doch mögen die Menschen das Wort Prüfung durch das Wort Prüfstein ersetzen. Jeder weiß, wie notwendig ein solcher Stein bei vielen Experimenten ist.
     Man sollte meinen, daß es den Menschen leicht falle, Vergleiche aus dem wissenschaftlichen Leben heranzuziehen und sie auf ihr eigenes psychisches Erleben anzuwenden. Doch bei der ersten ungewohnten Erscheinung geraten die Menschen in Streit, ohne zu überlegen, daß sich eine nützliche Übung für die bisher angesammelten Kräfte vollzieht. So sagt man, einige Lehrer würden schwierige Situationen zulassen, damit der Mensch seine Findigkeit erproben könne und den besten Ausweg finde. Wir richten alle Aufmerksamkeit auf die menschlichen Erlebnisse, da man nur an ihnen erkennen kann, in welch kluger Weise Erkenntnis angewendet wird.
     Ich erachte es als Tatsache, daß die Evolution von einer kleinen Minderheit vollbracht wird. Wundert euch nicht, daß das gleiche Verhältnis auch zwischen dem Geordneten und dem Chaos besteht. Dennoch vollzieht sich die kosmische Evolution unermüdlich. So muß man auch bei der Menschheit sehen, daß nur eine Minderheit bereit ist, die Umgestaltung des Lebens anzunehmen, und dennoch vollzieht sie sich. So kann man sagen, daß nur wenige bereit sind, dem Weg der Evolution zu folgen, doch ihr klares Bewußtsein erbringt genügend Energie.
     Der Denker sprach: "Mögen nur wenige bleiben, denn die Hauptsache liegt nicht in der Quantität."

     646. Urusvati weiß, daß Untrennbares nicht getrennt werden darf. Dies muß wiederholt werden, wenn vom Irdischen und Überirdischen die Rede ist. Aufgrund welchen unverständlichen Starrsinns trennen die Menschen zwei in ihrem Wesen verbundene Begriffe voneinander? Ist denn irgendeine Handlung vorstellbar, die im benachbarten Bereich keinen Reflex hervorruft? Alles ist eins und untrennbar. Selbst der kleinste psychische Vorgang ruft physische Folgen hervor. Ebenso spiegelt sich jeder physische unausweichlich im psychischen Vorgang wider.
     All das sollte einfach und logisch erscheinen, es stößt nichts um, doch die Menschheit läßt in ihrem gegenwärtigen Zustand diese Wahrheit nicht zu. Man kann sogar über eine Schwelle stolpern. Als eine solche winzig kleine Schwelle erweisen sich Widersprüche,

[Russisches Original. Seite 587.]


die ungeachtet wissenschaftlicher Beweise geradezu gezüchtet werden. Doch läßt sich erahnen, welch finsteren Kräften solche Uneinigkeit dienlich ist. Sie behindert die Umwandlung des Lebens. Die Menschen sind nicht abgeneigt, Erörterungen über das neue Leben zu führen, doch die meisten solcher Erörterungen erfolgen in einer Atmosphäre der Verantwortungslosigkeit.
     Wenn die Menschen aus dem Theater, der Kirche oder wissenschaftlichen Versammlungen kommen, versenken sie sich sofort wieder in den Staub des Alltagslebens. Gerade erst haben sie Tränen des Entzückens vergossen, sich im Geist emporgeschwungen, um all dies gleich danach wieder zu vergessen. Einer Unserer Mitarbeiter führte ein aufschlußreiches Experiment durch. Er stellte sich an einem Theaterausgang nach einer sehr hochstehenden Vorstellung auf, ebenso an einem Kirchenausgang und nach dem Vortrag eines bekannten Wissenschaftlers. Ihr werdet erstaunt sein, daß von hundert Menschen nur acht, von ihren Eindrücken erschüttert, herauskamen. Die übrigen offenbarten bereits an den Türen ihr gewohntes Alltagsverhalten, und die erhabenste Tragödie prallte an ihren steinernen Herzen ab.
     Genau das gleiche kann man anhand der Gespräche über das Überirdische beobachten, doch wie Wir sagten - die Evolution wird durch eine kleine Minderheit vollzogen. Bei all dem bleibt jedoch eine bemerkenswerte Beobachtung übrig, nämlich, daß die Überirdische Welt für die Menschen augenscheinlich gar nicht existiert. Sie wollen all die Erscheinungen nicht bemerken, die wie ein Regenbogen über dem Strudel des Alltagslebens strahlen. Wozu solcher Widerstand, wenn Wissensdurst zu unermeßlichen überirdischen Bereichen führen könnte!
     Der Denker bat Seine Schüler: "Schaut doch zum Sternenhimmel auf! Nur Schweine sind nicht imstande, ihren Kopf zu erheben."

     647. Urusvati weiß, wie leicht es ist, nützliche Maßnahmen im Alltagsleben zu ergreifen. So ist es richtig, vor dem Schlafengehen Ruhe zu pflegen, doch die Menschen lassen gerade zu dieser Zeit Streit und Zweifel Platz ergreifen. Sie stellen sich nicht vor, daß sie sowohl ihrer Gesundheit als auch ihrem Aufenthalt in der Feinstofflichen Welt damit schaden. Jeder gelangt in die Sphäre, die seinem psychischen Zustand gleicht. Überdies geht er der wohltuenden Folge des Schlafes verlustig, wenn er in Streit und Gereiztheit einschläft.
     Nicht ohne Grund wird schwangeren Frauen geraten, an Schönes zu denken und Schönes in ihrem Umkreis zu haben. Das gleiche muß auch denen geraten werden, die sich

[Russisches Original. Seite 588.]


in den Schlaf begeben. Es ist nicht schwer, während der letzten Minuten die Gedanken auf etwas Ernstes zu richten. Glaubt nicht, dies sei Heuchelei. Der Mensch sollte fähig sein, sein Denken zu lenken. Selbst wenn er mit schweren Erlebnissen belastet ist, kann er sich einige Minuten der Erholung davon gewähren und einem schönen Traum zustreben. Das gleiche gilt auch für die Gespräche bei den Mahlzeiten. Erfahrene Leute wissen, wie schädlich es ist, bei unangenehmen Unterhaltungen Speise zu sich zu nehmen. Jeder Arzt wird dies bekräftigen. So läßt sich in allem eine psychische Prophylaxe durchführen; sie wird nützlicher sein als viele Vitamine.
     So ist es auch weise, die Freunde zu bitten, nicht in Verzweiflung zu geraten, da sie in einem solchen Zustand allem möglichen Unheil die Türen öffnen. Es gibt bestimmte Krankheitsformen, die durch Kummer und Verzweiflung entstehen. Diese Krankheiten zu heilen ist schwierig, da die angegriffenen Nerven kein klar bestimmbares Bild liefern und physische Arzneien die Lage nur verschlimmern können.
     Der Denker sprach: "Bevor Aeskulap uns zürnt, laßt uns lieber die Musen rufen."

     648. Urusvati weiß, daß die wissenschaftliche Forschung der nächsten Zukunft sich den Drüsen und ihrer Tätigkeit widmen sollte. Die Menschen haben zwar noch nicht einmal genügend Kenntnisse über die Tätigkeit des Herzens und der Nervenzentren, doch besteht die dringende Notwendigkeit, das Leben der Drüsen zu studieren. Noch vor kurzem brachte man ihnen dermaßen wenig Aufmerksamkeit entgegen, so daß man sie eiligst entfernte, ohne sich zu fragen, weshalb denn der gesamte Organismus von einem ganzen System von Drüsen durchzogen ist.
     Inzwischen bekundet man eine gewisse Vorsicht bei der Entfernung von Drüsen, doch ihre lebenswichtige Aufgabe ist bisher nicht klargelegt. Indessen besitzen die Drüsen in der Verbindung mit der Feinstofflichen Welt eine überaus tiefe Bedeutung. Sämtliche Absonderungen der Drüsen unterstützen den Verkehr mit der Feinstofflichen Welt. Wesen der Feinstofflichen Welt machen sich die Drüsenabsonderungen nicht nur für Materialisationen zunutze, sondern ernähren sich auch von Drüsensubstanzen. So werden die Gelehrten bei der Erforschung der Drüsen unerwartet auf die Verbindung mit der Feinstofflichen Welt stoßen.
     Es ist nicht leicht, die Drüsenabsonderungen zu beobachten, da sie vielfältig sind und keinen irdischen Maßstäben unterliegen. Doch selbst die schwersten Aufgaben müssen gelöst werden. Man muß

[Russisches Original. Seite 589.]


nicht nur Physiologen und Biologen, sondern auch Ärzte hinzuziehen. Solche Beobachtungen müssen nicht allein in Krankenhäusern, sondern auch an Gesunden, die eine feinfühlige Natur besitzen, durchgeführt werden. Bestimmte Beobachtungen bei einer sich ergebenden Krankheit sollten daher begrenzt werden, da sich Erscheinungsformen daraus auf das ganze Leben auswirken, weshalb nur ein wahrer Gelehrter diese eigenartigen Auswirkungen bemerken kann. Darum lenken Wir die Beobachtung auf die Alltagserscheinungen. Wir sagen: "Wartet nicht auf irgendeine in Erstaunen setzende Offenbarung, sondern beobachtet aufmerksam den Alltag, der mit sogenannten Wundern ausgefüllt ist."
     Der Denker lehrte die Schüler, die Alltagserscheinungen zu beobachten. Er sagte: "Wir sind von den verblüffendsten Wundern umgeben, doch wollen wir sie nicht bemerken."

     649. Urusvati weiß, wie falsch und schädlich das Urteil über eine vollständige Trennung der drei grundlegenden Welten ist. Viele Leitern und Brücken bestehen zwischen allen Sphären. Im grobstofflichen Zustand trägt der Mensch das Korn der Feurigen Welt und den feinstofflichen Körper in sich, den er oftmals auch spüren kann. Ist denn ein einziges Unteilbares vorstellbar, wenn wir unüberwindbare Schwellen voraussetzen?
     Jede Verfeinerung der Gefühle und Erweiterung des Bewußtseins eröffnet neue Möglichkeiten für Verbindungen. Das Weltall ist nicht schuld, wenn die Menschen nicht darauf achten wollen, wie die Tür in das nächste Gemach zu öffnen ist. Nicht nur in einer Minute höherer Ekstase, sondern auch mitten im Alltagsleben erfährt der Mensch feinstoffliche Berührungen. Doch anstatt sie lieben zu lernen, verscheucht der Mensch sie wie eine lästige Fliege.
     Auch die Feinstoffliche Welt ist mit ihren Schichten mit der Feurigen Welt verbunden. Und im irdischen Zustand empfangen die Menschen mitunter einen feurigen Pfeil. Nicht ohne Grund wohnt jedem Menschen ein feuriges Korn inne. Dank seiner Anwesenheit töten die feurigen Pfeile nicht, sondern rufen angespannte Schwingung hervor.
     Man muß sich diese Wahrheit aneignen, da die meisten Menschen sie nicht zulassen. Indessen wurde bereits in den bekannten Religionen mit Nachdruck auf die grundlegenden Welten hingewiesen, und es wurden Möglichkeiten des Verkehrs mit ihnen angedeutet. Die Religionen sprechen über dasselbe, doch die Menschen

[Russisches Original. Seite 590.]


halten es für etwas Abstraktes. Sie unterstellen auch nicht die Möglichkeit, daß die Wissenschaft in ihrer eigenen Sprache über genau dasselbe sprechen könnte. Dies ist die große Tragödie der Menschheit!
     Der Denker sprach: "Oh Mensch! Fühlst du dich so übermäßig begabt, daß es dir leicht fällt, deinen Besitz zu verleugnen?"

     650. Urusvati weiß, daß eine aufrichtige Wohltat dem Karmagesetz nicht widerspricht. Es existiert die fanatische Auffassung, nach der man einem Nächsten nicht helfen dürfe, um sich nicht in sein Karma einzumischen. Welch schädlicher Irrtum! Die Fanatiker wollen sich nicht vorstellen, daß jeder Helfende bereits im Rahmen des Karma handelt. Der Mensch sollte jedoch jegliche Hilfe erweisen, ohne dabei an Karma zu denken.
     Die Hilfe äußert kostbare Emanationen, doch muß die Wohltat natürlich aufrichtig sein, darin ist jeder sein eigener Richter. Wir schätzen Hilfe, wenn sie aus intuitivem Antrieb erwiesen wird. Der Mensch darf nicht darüber nachdenken, warum er jemandem hilft. Viele helfen einem in Not befindlichen Wanderer, ohne zu überlegen, welch schöne Tat sie damit vollbringen. Und diese Einstellung ist richtig, denn Eigennutz vernichtet sämtliche guten Folgen.
     Wenn Hilfe erwiesen wird, ist es von Bedeutung, ob man auch rechtzeitig Mut zuspricht. Die Ermutigung ist wertvoller als viele andere Arten von Hilfe. Der Ermutigende übergibt einen Teil seiner Energie, und solche Abgabe aus dem besten Besitztum ist kostbar. Mögen alle, die über das Überirdische nachdenken wollen, vor allem die Freude des Helfens kennenlernen. Solche Freude ist herrlich, und sie kommt ganz gewiß nicht nur einigen Reichen zu. Ein Rat vermag einen Notleidenden zu heben, und jeder kann von seinem Wissen abgeben. In solch wohltätiger Anspannung eignet sich der Helfende Findigkeit an und empfängt neue Kraft. Möge herzliche Hilfe gesegnet sein!
     Der Denker lehrte: "Lernt es zu helfen, diese Wissenschaft ist gesegnet."

     651. Urusvati weiß, daß Nachdenken über das Überirdische von den bösesten Giftschlangen befreit - der Mutlosigkeit und der Gekränktheit. Vor langem wurde bereits gesagt, wie häßlich der Garten der Gekränktheit ist. Finster ist der Keller der Mutlosigkeit, doch lassen sich die Menschen derart oft in diesen Keller fallen und pflanzen nichts als Disteln an, so daß an die heilsamste Medizin gegen solche Vergiftungen erinnert werden muß, nämlich

[Russisches Original. Seite 591.]


das hohe Denken an das Überirdische. Man darf die Flamme hohen Denkens nicht einmal für eine Stunde in sich löschen. Der Weiseste verliert seine Waffe, wenn er das Denken an die zukünftigen Häuser unterbricht. Er wird unbewaffnet sein, und vom Grund des "Kelches" werden unangenehme Gefühle aufsteigen.
     Man wird fragen, ob das Denken an das Überirdische nicht die irdische Tätigkeit beeinträchtige. Doch möge dieses Denken den Menschen sogar bei der angespanntesten Tätigkeit begleiten. Bereits vor langem wurde gesagt, daß das Bildnis des Lehrers sich dem Gedächtnis für immer einprägen sollte. Und so wird auch das tiefe Nachdenken über das Überirdische kein Hindernis sein, sondern eine lebendige Brücke zu künftiger Errungenschaft.
     Herrlich ist es, wenn jemand hohes Denken unter allen Umständen in sich zu hüten vermag. Möge dies keine bloße Überlegung sein, sondern gerade tiefes Nachdenken ohne Übertragung in irdische Worte. Ihr versteht, was Ich sagen will. Vor zwanzig Jahren war die Erkenntnis der Begriffe noch nicht klar, doch war der Grundstein klar herausgearbeitet, und nun sind die Grundlagen des höheren Weltverständnisses bereits verhältnismäßig sichtbar.
     Der Denker verglich die Gedankenarbeit mit der Bildhauerei.

     652. Urusvati weiß, daß Wir, Bildhauern gleich, die Grundlagen der Bewußtseinserweiterung herausmeißeln. Urusvati weiß auch, daß es einer bedeutenden Zeit bedarf, sich diese Grundlagen anzueignen. Man kann sich nicht hin und wieder einzelne Worte oberflächlich aneignen, sondern muß das gesamte Wachstum der Weisungen in seinem Bewußtsein halten.
     Ein unerfahrener Anhänger nimmt an, daß ein vereinzeltes Auflodern von Aufmerksamkeit bereits genüge. Der ungeduldige Anhänger wird bekümmert sein, wenn er von dem planmäßigen Anwachsen des Wissens erfährt. Der Selbstsüchtige wird nicht verstehen, wozu ein Führer notwendig sein sollte. Der Rhetoriker weiß nicht, mit welchen Worten man die Bewußtseinserweiterung zum Ausdruck bringen sollte. Doch ihr habt sogar Weisungen über den Verlauf von zwanzig Jahren erhalten. Ihr könnt die damalige Aufnahmefähigkeit eures Bewußtseins mit der heutigen vergleichen.
     Bewußtsein ist nicht durch Worte definierbar, es führt durch Gefühle, die ebenfalls nicht in Worte zu kleiden sind. Wenn Ich von Feierlichkeit spreche, so werden jene dies nicht verstehen, die sie nicht in sich aufzunehmen vermögen. Doch möge jeder Gedenktag von freudiger Feierlichkeit

[Russisches Original. Seite 592.]


begleitet werden. Je schwerer ein Tag ist, um so feierlicher muß man ihn annehmen.
     Seit Unserem ersten Aufruf sind noch mehr Jahre vergangen, und Zeichen wurden schon vor mehr als einem halben Jahrhundert gegeben - ist es nicht so, Urusvati? Und die längst vergangenen Zeichen standen wie ein Banner des Sieges da. Wenn man zu rasch vorangeht, hält das Herz nicht stand, doch Bewußtseinserweiterung setzt vor allem voraus, daß das Herz nicht zerstört wird. Ein feinfühliges Herz muß beschützt werden. Es schlägt nicht für sich, sondern für das Gemeinwohl. Dieses Wort muß zu diesem Gedenktag ausgesprochen werden.
     Ihr erinnert euch, welche Andeutungen vor zwanzig Jahren gegeben wurden. Jeder Begriff wurde vom Standpunkt der Feierlichkeit her untersucht und erklärt. Wir scheuten Uns nicht, darauf hinzuweisen, daß sogar die höchsten Begriffe erforscht werden könnten. Wir wiesen darauf hin, daß für die Bewußtseinserweiterung auch die Wissenschaft notwendig sei. Wir gaben Züge der Psychologie Unserer Bruderschaft. Die Überirdischen Welten, Unsere Bruderschaft und die Erweiterung des Bewußtseins sind die Fundamente der veröffentlichten Gespräche. Ein Buch über die Erweiterung des Bewußtseins wird auch ein Buch über das Überirdische und die Bruderschaft sein. Man kann unmöglich aufzeigen, wo eine Grenze des Unteilbaren wäre.
     Mögen alle Freunde verstehen, wie sehr man den kostbaren Stein hüten muß. Mögen sie einen Bergkristall zum Gedenken an den Feiertag auf ihren Arbeitstisch stellen. So laßt uns das Gedenken an die besten Fristen bewahren.
     Der Denker sprach: "Laßt uns durch einen weißen Stein auf einen Gedenktag hinweisen."

     653. Urusvati weiß, daß viele veraltete Begriffe nicht mehr verwendet werden sollten. Sie haben nicht nur ihren ursprünglichen Sinn verloren, sondern führen die Menschen auch in Irrtümer hinein. Einer dieser Begriffe, die man künftig entfallen lassen sollte, ist derjenige des Okkultismus. Die Geschichte selbst beweist, wie bedingt er im Mittelalter aufkam. Besonders jetzt aber klingt er sinnlos. Die Wissenschaft erobert Schritt für Schritt neue Bereiche, und der Begriff des Geheimwissens klingt bereits wie eine Provokation. Die Erkenntnisgewinnung schreitet eilig voran, und die Scheiterhaufen der Inquisition gehören bereits der Vergangenheit an.
     Zudem erscheinen die sogenannten Okkultisten meistens als lächerlich. Sie bilden sich irgendwelche geheimen Entdeckungen ein, doch

[Russisches Original. Seite 593.]


bei dem ersten unverständlichen Geschehnis laufen sie ängstlich davon. Mögen echte, aufrichtige Forscher den Platz der eitlen Okkultisten einnehmen. Möge auch der Bereich der feinstofflichen Energien von Gelehrten erforscht werden. Wenn man in den Mauern der Universitäten beginnt, den feinstofflichen Energien Aufmerksamkeit zu widmen, so sind keine Beinamen erforderlich, die nur Verwirrung stiften.
     Ebenso veraltet ist der Begriff der Metaphysik. Die gesamte Natur von ihren niedersten bis zu den höchsten Erscheinungen gehört dem Bereich der Physik an. Man darf unmöglich dort Trennungen und Gegensätze einführen, wo eine einzige, unteilbare Grundlage herrscht. Auch die Metaphysik hat sich während der Zeit der geheimen Alchimie ausgebildet. Damals waren die Forscher leider gezwungen, sich vor den Angriffen von Unwissenheit und Scheinheiligkeit zu verbergen. Nun aber besteht keine Notwendigkeit mehr, die Wissenschaft in den Keller zu verbannen.
     Der Denker sprach: "Arzt, eile dorthin, wo die Gesundheit in Gefahr ist. Warte nicht erst auf den Ruf, sondern eile schon selbst. Auch du, Erbauer von Brücken, baue sie dort, wo das Volk ihrer besonders bedarf."

     654. Urusvati weiß, daß einige unschlüssig darüber sind, weshalb in einer neuen Lehre bereits seit langem Bekanntes zu finden ist. Das Neue besteht vor allem aus neuen Verbindungen von Elementen, unter denen sich auch bekannte antreffen lassen werden. Man kann sich nur darüber freuen, wenn die Menschen eine ethische Grundlage wiederentdecken, die bereits Fundament ihres Lebens war. Handelte es sich jedoch um echte Grundlagen oder nur um Buchstabengeplapper? Wenn es so war, dann ist es an der Zeit, diese Trugbilder in Wirklichkeit zu verwandeln. Nur dann kann man die neuen Verbindungen verstehen.
     Jeder hat Sterne gesehen, doch hat er sie mit einer Vorstellung von Unbegrenztheit verbinden können? Oft entdecken Wir, daß die heutige Art der Himmelsbetrachtung sich wenig von den Vorstellungen der Alten unterscheidet. So werden auch sämtliche erhabenen Chemismen ohne richtiggehendes Nachdenken über das Überirdische nicht ihre volle Bedeutung erhalten. Auch die Bedeutung des Gedankens wird ohne ein Verständnis der feinstofflichen Energien nicht erkannt werden. Natürlich, das Wort "Gedanke" existiert seit langem, doch muß man über sein Wesen nachdenken.

[Russisches Original. Seite 594.]


     Man kann die wahre Bedeutung des Neuen nur verstehen, wenn man frühere Wissensgehalte mit dem neuerworbenen vergleicht. Wer wird darauf beharren, seine früheren Vorstellungen seien weitergefaßt gewesen als die neuen? Es ist nicht leicht, frühere Vorstellungen mit dem neuen Bewußtsein in Einklang zu bringen. Gewöhnlich vergißt der Mensch seinen früheren Bewußtseinszustand, und es scheint ihm nun, daß er bereits vieles wußte, was er dennoch nicht begriff. Es ist nützlich, über das neue Bewußtsein nachzudenken. Wir sagten, daß es mitunter aufschlußreich sei, einen längst vergessenen Ort wieder einmal aufzusuchen, um zu spüren, wie wenig die alte Vorstellung den neuen Anschauungen entspricht.
     Der Denker sprach: "Torhüter, öffne schnell! Torhüter, ich kenne Dich nicht, doch ich weiß, weshalb dieses Tor geöffnet werden muß."

     655. Urusvati weiß, daß über den Begriff der Vorstellungskraft viel Unschlüssigkeit besteht. So sagt man: Wenn die Phantasie für den Fortschritt so sehr notwendig ist, wie verhält es sich dann mit böser und häßlicher Vorstellungskraft? Man muß verstehen, daß solche Unschlüssigkeit schon begründet ist und die Arten des Vorstellungsvermögens sehr genau voneinander zu unterscheiden sind.
     Es ist nicht leicht, mit einer bösen Vorstellungskraft zu kämpfen, da sie in der Regel von einer wütenden Leidenschaft bestimmt ist. Helfen kann man nur, indem man eine solche Person zum Schönen hinlenkt. Allein auf diese Weise ist eine böse Phantasie überwindbar, doch dies ist nicht leicht und erfordert viel Zeit. Eine böse Phantasie entsteht durch Atavismus. Ihr wißt, daß Atavismus, ebenso wie Gewohnheiten, fest wurzelt. Der Mensch befindet sich dann unter dem Druck der Allgemeinheit und kann sich oft selbst nicht in irgendwelchen verworrenen geistigen Strömungen zurechtfinden. Ein solcher Mensch kann kein tiefes Nachdenken über das Überirdische pflegen, da es unmöglich ist, sich diesem Bereich in Bosheit zu nähern.
     Wir haben viele Beobachtungen an starken Persönlichkeiten durchgeführt, die von einem bösen Vorstellungsvermögen beherrscht waren. Sie verursachen viel Schaden, und oftmals ist ihre Vorstellungskraft stärker als die Phantasie der vom Guten bestimmten Menschen. Die Heilung solcher Personen ähnelt der Heilung von Alkoholikern. Es ist auch schwer, eine Suggestion durchzuführen, doch die Hinführung zum Schönen läßt das Eis des Bösen tauen. Mögen die Schöpfer des Schönen sich erinnern, welche Bedeutung ihr Schaffen für sie hatte. Ich erachte das Schöne als einen Schild gegen das Böse.
     Der Denker sprach: "Möge sich jeder mit einem sicheren Schild versehen. Er wird ihn von den Musen empfangen."

[Russisches Original. Seite 595.]


     656. Urusvati weiß, wie verschiedenartig die nächtliche psychische Tätigkeit ist. Grob gesagt wird sie mit Träumen bezeichnet, doch ist sie eine Widerspiegelung mehrerer Lebensumstände. So kann es sich um Reflexe handeln, die von der Vorstellungskraft bekundet werden. Es kann sich um Erinnerungen handeln, die aus der Tiefe des Bewußtseins aufsteigen. Es kann sich um Einwirkungen aus der Feinstofflichen Welt handeln. Es kann sich um Eindrücke von Aufenthalten in den feinstofflichen Sphären handeln. Und schließlich kann es sich um eine ferne Botschaft handeln, die in Bildern zum Ausdruck kommt.
     Es wäre ein unmöglicher Zustand, die sich bei Beobachtung des Traumes eröffnenden ungewöhnlichen Möglichkeiten nicht zu nutzen. Einige Menschen behaupten, gar nicht zu träumen. Dies ist falsch, denn sie erinnern sich des Geträumten nur nicht. Man muß die gesamte Menschheit auch in dieser Hinsicht in zwei Arten einteilen. Die einen können sich ihrer nächtlichen Tätigkeit erinnern, die anderen erinnern sich nicht nur nicht, sondern beharren sogar hartnäckig darauf, daß eine Tätigkeit im Traum überhaupt nicht möglich sei.
     Eine besondere Situation nehmen die sogenannten Mondsüchtigen ein. Sie bekunden ihre nächtlichen Tätigkeiten auf physische Weise, ohne sich des Vorgefallenen jedoch irgendwie zu erinnern. Sie haben eine ungesunde Natur, und an ihnen angestellte Beobachtungen ergeben keine zu verallgemeinernden Schlußfolgerungen. Es handelt sich um Anomalien des Verhältnisses zwischen den Welten, die nur vom Standpunkt physischer Koordination her von Interesse sind. Beobachtungen jedoch, die an Gesunden während des Schlafes durchgeführt werden, können zu unersetzlichen Schlußfolgerungen führen.
     Beim Studium der Überirdischen Welt laßt uns vor allem nicht die Traumerscheinungen vergessen. Die Wissenschaft sollte sich dem Zustand, der der Feinstofflichen Welt am nächsten steht, sehr aufmerksam gegenüber verhalten.
     Der Denker sprach: "Wir dürfen über die Träume nicht in grober Weise reden. Ein feinstofflicher Zustand erfordert auch feinfühligste Beachtung."

     657. Urusvati weiß, wie sorgfältig die sogenannten elektromagnetischen Erscheinungen studiert werden müssen. Erst kürzlich verbreiteten sich solche Stürme, doch wieder wurden keine Beobachtungen durchgeführt. Indessen ist es notwendig, nicht nur die atmosphärischen Vorgänge zu beobachten, sondern auch ihre Einwirkungen auf den menschlichen Organismus.

[Russisches Original. Seite 59.]


     Selbstverständlich werden auch das Tier- und das Pflanzenreich aufschlußreiche Hinweise liefern. Und überdies werden die Gegner der energetischen Prinzipien wieder einmal bloßgestellt werden. Es ist zu wenig, wenn man beschreibt, die Übertragungen von Radio, Telefon und Telegraph seien gestört worden, denn dies ist noch keine Beobachtung, sondern nur eine Feststellung grober Folgen.
     Mögen Ärzte, die große Krankenhäuser betreuen, erzählen, in welchem Ausmaß der Mensch verschiedene Anomalien während solcher atmosphärischen Stürme zeigt. Die Dauer der Stürme war lang genug, so daß für Beobachtungen ausreichend Zeit vorhanden gewesen wäre. Man hätte wenigstens Puls und Temperatur verfolgen können. Man hätte feststellen können, wie der ganze Organismus auf solche ungewöhnlichen Bedingungen erbebte. Es ist unzureichend, Veränderungen der Sonnenflecken zu bemerken. Und wer vermag zu behaupten, daß diese Explosionen die Ursache der kosmischen Stürme waren? Vielleicht handelte es sich dabei um die Einwirkung einer bestimmten Energie.
     Möge man die Quelle kosmischer Energien nicht in irdischen Kräften suchen, jedoch ihre Einwirkungen auf die gesamte Umwelt studieren. Solche Beobachtungen stellen bereits ein Erforschen des Überirdischen dar.
     Der Denker bat die Menschen schon vor langer Zeit, alle Naturerscheinungen zu beobachten: "Nicht nur besondere Gelehrte, sondern das gesamte Volk kann zu einem zuverlässigen Beobachter werden."

     658. Urusvati weiß, welche Gefahren aufkommen, wenn Wissensfragmente in unsichere Hände gelangen. Ich spreche von unsicheren Händen, da Nichtwissen nicht so schädlich ist wie Verrat.
     Man muß verstehen, welche Vorbereitung erforderlich ist, um Kenntnisse in ein geordnetes System zu fassen. Manche Führer ließen die Vorbereitungszeit absichtlich lange dauern. Sie sagten: "Wenn ein Bewußtsein noch nicht bereit ist, so möge die Vorbereitungszeit anstrengend gestaltet werden, und die Unreife des Bewußtseins wird schwinden."
     Es ist richtig, wenn Wissen mit allen Maßnahmen gehütet wird. Ergreifen die Menschen doch die allerbesten Maßnahmen, wenn ein explosiver Stoff aufbewahrt werden soll. Dies tun sie nicht etwa, um ein Geheimnis zu wahren, sondern um eine Verwüstung zu vermeiden. So erweist sich auch Wissen in den Händen von Schadenbringern als ein hochexplosiver Stoff.

[Russisches Original. Seite 59.]


     Wir achten immer auf eine angemessene Zunahme des Wissens und raten dazu, ungeordnetes Denken zu vermeiden, da es in Chaos übergehen kann. Wenn sich jemand enttäuscht zeigt und geht, braucht man ihm keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken; er ist noch nicht bereit, und man darf ihm einen richtigen Verlauf des Denkens nicht mit Zwang vermitteln. Doch selbst kleine Samenkörner des Wissens werden nicht verlorengehen, sondern eines Tages ihre Wirkung zeigen.
     Der Denker sprach, als man Ihn nach etwas fragte, was noch nicht erkannt werden konnte: "Ein Jüngling bat einen Weisen, ihn die Staatsführung zu lehren. Der Weise sagte daraufhin: Gern, doch vorerst ernenne ich dich zum Regenten deines Herzens. Wenn du dieses Reich beherrschst, so komm wieder zu mir."

     659. Urusvati weiß, daß das Maß der Arbeit für das Gemeinwohl das Kriterium zur Beurteilung eines Tatmenschen ist. Um diese Wahrheit näher zu beschreiben, erinnern Wir an eine einfache Erzählung aus dem alten Indien.
     Am Rande eines Dorfes ließ sich ein unbekannter Mensch nieder. Der Fremdling bemerkte, daß die Bauern schädliches Wasser aus einem trüben Kanal nutzten. So begann er, einen Brunnen auszuheben. Ein guter Platz war bald gefunden, und eine unterirdische Quelle füllte den Brunnen. Böse Nachbarn jedoch, statt Anerkennung auszusprechen, flüsterten: "Er hat sich nicht für uns so abgearbeitet. Für sich hat er diese Quelle geöffnet!"
     Der Fremdling sagte: "Wenn ihr davon ausgeht, werde ich für mich selbst das Wasser von weit her holen." Da dachten sich die Nachbarn eine neue Verleumdung aus, nämlich daß das Wasser des Brunnens vergiftet oder verzaubert sei, um das ganze Dorf zu töten. Als der Fremdling dies hörte, verließ er diesen bösen Ort für immer.
     Die Leute mieden den Brunnen, doch das Vieh trank das herausfließende Wasser und gedieh prächtig. Nach längerer Zeit trank ein krankes Mädchen, vom Durst geplagt, aus dem Brunnen und genas rasch. Da vergaß die herangewachsene Generation die Lügengeschichten und entdeckte die Heilkraft der Quelle. Der verleumdete Fremdling wurde zu einem Heiligen ernannt, und um seine Person begannen sich Legenden zu ranken. Doch um von einem Vergifter zum Heiligen zu werden, brauchte es eine ganze Generation. Man kann sehen, wie das Volksgewissen über die Mühen für das Gemeinwohl urteilt.
     Der Denker kannte eine ähnliche Erzählung aus dem Leben Griechenlands, doch war in ihr, anstelle eines Brunnens,

[Russisches Original. Seite 598.]


vom Pflanzen eines Baumes die Rede. Jedes Volk kennt ungerechte Richter und wahre Anerkennung.

     660. Urusvati weiß, daß Beobachtungsfähigkeit sich unter ständiger Bestrebung, Scharfsicht und Bereitschaft ausbildet. Als Wir von unaufhörlicher Wacht sprachen, nahmen einige an, die Rede sei von irgend etwas Ungewöhnlichem unter besonderen Umständen gewesen. Sie vermochten es nicht zu fassen, daß Beobachtungsfähigkeit eine überaus gewöhnliche Eigenschaft ist; zumindest sollte sie es sein. Schon der einfachste Aufbau erfordert hohe Aufmerksamkeit. Man darf nicht denken, solch eine Eigenschaft bedürfe irgendeiner höheren Eingebung.
     Die Menschen suchen gern für jeden beliebigen Fehler eine Rechtfertigung. So sagen sie: "Heute bin ich zerstreut", ohne jedoch über die Bedeutung solch eines bedauernswerten Zustandes nachzudenken. Zerstreut zu sein bedeutet, äußerst zerstörerische Einflüsse in sich zuzulassen. Man kann unmöglich über das Überirdische nachdenken, wenn das Denken zerstreut ist. Einen zerstreuten Führer erwartet eine Niederlage. So kann Tapferkeit niemals zerstreut sein. Man spricht von der Klinge der Tapferkeit, doch mit einer Handvoll Sand ist Tapferkeit nicht zu vergleichen.
     Beobachtungsfähigkeit muß man erlernen. Ohne Beobachtungsvermögen kann man sich keinerlei Wissen aneignen. Einem Zerstreuten können Wir kein Zeichen geben. So muß gerade in den Gesprächen über das Überirdische die grundlegende Eigenschaft der Beobachtungsfähigkeit bekräftigt werden. Man kann Menschen begegnen, die versichern, infolge von Ermüdung die Beobachtungsfähigkeit verloren zu haben.
     Der Denker sagte dazu: "Ein Vogel verlernt auch im Käfig das Fliegen nicht."

     661. Urusvati weiß, daß eine Gedankenübertragung am besten von Menschen aufgenommen wird, mit denen bereits eine Grundschwingung hergestellt wurde. Des weiteren werden Sendungen auch von der Masse aufgenommen, wo jedoch die Schwingungen überhaupt in keiner Weise organisiert sind. Überaus schwierig ist es jedoch, in Verkehr mit einer kleinen Gruppe zu treten, die zwar mit einer gemeinsamen Angelegenheit beschäftigt ist, in der jedoch keine Harmonie herrscht.
     Solche Gruppen können eine Aufnahme vollkommen verhindern. Dabei bilden sie sich

[Russisches Original. Seite 599.]


noch ein, in einer gemeinsamen Tätigkeit auch einmütig verbunden zu sein. Doch in Wirklichkeit erweisen sich solche Menschen nicht selten als Heuchler. Diese Eigenschaft kann bei ihnen absichtlich und bewußt oder unbewußt vorhanden sein. Besonders schwierig ist es, wenn eine einmütige Tätigkeit vermutet wird, statt dessen jedoch unsichtbare Pfeile die Herzen gegenseitig durchbohren.
     Ist daher voller Erfolg zu erwarten, wenn die Hauptvertreter solcher Gruppen sich über gegenseitige Niederlagen freuen? Man kann ihnen unmöglich beweisen, daß sie damit nur ihre eigene Niederlage heraufbeschwören. Beispiele dafür lassen sich aus der Geschichte aller Völker und aus allen Jahrhunderten anführen. Auch jetzt, ungeachtet vieler Bücher der Lehre, kann man solche disharmonischen Vorgänge beobachten. Solch ein ungeordneter Zustand ruft Folgen hervor, wie sie die Teilnehmer gar nicht ahnen.
     Der Mensch ist imstande, mit einer einzigen Handbewegung eine vernichtende Feuersbrunst zu erzeugen. Vielleicht wird er danach seine Unvorsicht bereuen, doch was nützt ein solches Bedauern dann noch? Es ist an der Zeit, die alte Heuchelei hinter sich zu lassen, die da flüstert: "Versündige dich nicht, tue Buße".
     Der Denker sagte zu den Bürgern, die das Andenken des Perikles schmähten: "Mißgestaltete Zwerge, ihr habt Perikles wohl in der Dunkelheit gesehen, wenn ihr ihn euch als eine ebensolche Mißgeburt vorstellt, wie ihr es selbst seid!"

     662. Urusvati weiß, daß Biologie und Ethik voneinander untrennbar sind. Früher hat man dieses gefühlt, dann wieder vergessen, und nun beginnt man, sich dessen erneut zu erinnern. Wir haben vom Gefühlswissen gesprochen; in diesem Begriff sind sowohl die Biologie wie die Ethik enthalten. Die Biologie darf keine trockene Wissenschaft sein, denn sie schließt auch das Verstehen des psychischen Lebens mit ein. Gerade dieses muß erforscht werden, erst dann kann man über die Ganzheit des Lebens sprechen.
     Einige Wissenschaftszweige fordern für sich eine Begrenzung, andere dagegen werden nicht eingeschränkt, und darin liegt ihre Anziehungskraft. Auch der primitivste Materialist kann die wissenschaftliche Bedeutung der Biologie nicht leugnen und nimmt daher an weitgefaßten Erkenntnisaufgaben teil. Es ist unmöglich, Teile der Biologie herauszulösen, jeder ihrer Aspekte ist unlösbar mit

[Russisches Original. Seite 600.]


den folgenden verknüpft. Für unvoreingenommene Gelehrte besteht ein besonderer Reiz darin, daß dieser Bereich unbegrenzt ist. Wieviel benachbarte Bereiche dienen der Wissenschaft vom Leben!
     Einer Unserer Freunde bezeichnete sich als Biologen, wies jedoch darauf hin, daß er gleichzeitig auch Psychologe bleibe. Doch diese richtige Definition ist selten anzutreffen. Meist suchen die Biologen sich vom Leben abzusondern und sich in Laboratorien einzuschließen. Kann aber ein echter Biologe ohne weitgefaßte Beobachtungen im Leben existieren? Wir möchten allen Freunden sagen, daß sie sich nicht scheuen mögen, sich als Biologen zu bezeichnen. Die Menschen bedürfen allgemein anerkannter Bezeichnungen.
     Irgend jemand wird meinen, man müsse denjenigen, der über das Überirdische nachdenkt, passender als Astronomen bezeichnen, doch ist diese Überlegung unbefriedigend. Bis zum heutigen Tag verneinen gewisse Astronomen die Bewohnbarkeit der Planeten, und auf diesem Wege sind Wir nicht mit ihnen. Doch die Biologie berührt sehr leicht den Bereich der Ethik und wird von dort natürliche Zusammenarbeit erfahren. Freie Beobachtung führt zu wissenschaftlicher Erkenntnis.
     Viele sind der Auffassung, der Begriff des Gefühlswissens setze den Wert des Wissens irgendwie herab, was wiederum ein Irrtum ist. Die besten Gelehrten erkennen das Element der Intuition an, und so treffen wir uns. Wir rüsten Unsere Freunde für weite Reisen aus. Sie können dabei allen möglichen Einwänden begegnen und müssen eine Antwort darauf bei sich haben. Auf der einen Seite werden die Abergläubischen sie auf den Scheiterhaufen zerren, und auf der anderen stehen die Dienstgelehrten, die erst einmal das Diplom sehen wollen. Man braucht Standhaftigkeit, die sich durch Wissen bildet. Hilfreich ist auch das Bewußtsein ferner Mitarbeiter. Der Beobachter des Lebens ist nicht allein.
     Der Denker begriff die Bewohnbarkeit der Planeten. Er sprach: "Ich möchte nicht dem Wahnsinn verfallen, mir einzubilden, nur die Erde sei bewohnt."

     663. Urusvati weiß, wie nutzlos eine Auseinandersetzung mit voreingenommenen Gegnern ist. Man muß verstehen, wo die Grenze einer nützlichen Verbreitung der Wahrheit ist. Man darf unmöglich dort beharrlich sein, wo das Herz versteinert und einer Aufnahme nicht zugänglich ist.
     Es ist schwer zu fühlen, wo die Aufnahmefähigkeit endet. Wiederum ist nur

[Russisches Original. Seite 601.]


das Gefühlswissen in der Lage zu flüstern: "Geh fort, hier kann es kein Verstehen geben." Man muß die richtige Erkenntnis hüten, daß es besser ist, nicht zu Ende zu sprechen, als einen Gedanken weiterzuführen. Einige werden darauf bestehen, das ihnen übergebene Wissen müsse auch weitergeführt werden. Darin haben sie grundsätzlich recht, doch trägt jemand anders die Verantwortung für sie. Der Lehrer darf das Bewußtsein des Schülers nicht vorzeitig belasten, da dies eine Überbelastung bedeuten würde.
     Möge alles zielgerichtet gestaltet werden. Hierfür macht die Kinder bereits von frühem Alter an mit der Größe und Erhabenheit des Weltalls bekannt. Mögen den Kleinen Mikroskop und Teleskop gezeigt werden. Noch besser ist es, sie in ein Observatorium zu führen. Ein solches Erlebnis wird sich tief und für immer in ihnen einprägen und eine besondere Ausrichtung des Denkens zeitigen. Man darf nicht befürchten, die Kinder verstünden das Gezeigte nicht. Sie werden das Gesehene nicht nur irgendwann verstehen, sondern auch Freude erfahren. Ebensowenig darf man fürchten, daß die Kleinen von dem Erlebnis erschüttert würden. Im Gegenteil, was ihre Weltanschauung erschüttert, sind die familiären Streitigkeiten.
     Ebenfalls auf ein hohes Niveau heben muß man den Begriff des Volkslehrers, und zwar dahingehend, daß er eine der ersten Persönlichkeiten des Lebens in einem Staate ist. Wir sind sehr betrübt, die Erniedrigung des Lehrers sehen zu müssen. Mögen in allen Ländern die Lehrer wahre Erzieher des Volkes sein. Sie sollten ihm so viel geben, daß das Volk ihnen ein Leben voller Errungenschaften aufbaue. Kann aber ein erniedrigter und unterdrückter Mensch vom Überirdischen sprechen, auf die Schönheit des Himmels weisen und das Bewußtsein seiner kleinen Zuhörer erweitern?
     Überdies sollte die Bekanntschaft mit dem Teleskop bereits vor dem Schulalter beginnen. Man darf den Kleinen die erhabensten Beobachtungen keineswegs vorenthalten. Natürlich, wenn wir den Zustand vieler ländlicher Gebiete sehen, ist der Rat bezüglich des Teleskops noch Utopie. Doch muß man dennoch damit beginnen, um des Gemeinwohls willen.
     Der Denker sprach: "Bald wird das menschliche Auge nicht mehr genügen, um das bereits Vorbestimmte sehen zu können."

     664. Urusvati weiß, daß Heldentum vielgestaltig ist. Man sagt, die Umstände machten jemanden zu einem Helden, doch ist es besser zu sagen, daß die Umstände den Helden erwecken. Viele verstehen diese Erscheinung überhaupt nicht, andere jedoch wissen von dem ihnen Vorbestimmten und tragen die Aufgabe von frühen Jahren an in sich. Einige spüren, daß sie etwas vollbringen müssen,

[Russisches Original. Seite 602.]


doch das Bewußtsein trug noch keine klare Weisung an sie heran. Gerade für diese, die von ihrer Natur her das Heldentum in sich tragen, werden die Umstände der Schlüssel sein. Diese lassen tiefliegende Saiten erklingen und tragen die Ausführung der Heldentat herbei. Die heutigen Menschen sprechen nicht gern von Helden und Heldentaten. Wenn die Geschichte von Heldentaten erzählt, zucken sie mit den Schultern und sagen: "Uns ist es nicht gegeben, eine Heldentat zu vollbringen." Darf man aber seine Unwissenheit derart offen bekunden?!
     Jede Epoche räumt dem Heldentum einen Platz ein, vom Familienleben bis zu weltweiten Angelegenheiten. Man muß über die Grenzen des Alltagslebens hinaus auf die Belange des Gemeinwohls blicken können. Es tritt eine Vielzahl bedeutsamster Möglichkeiten auf, mögen die Menschen sich nur nicht vor dem Wort Heldentat schämen. Man könnte die aufschlußreiche, vergleichende Beobachtung anstellen, in welchem Volk das Wort Heldentum öfter verwendet wird. Bitten wir die Kleinen, Helden zu nennen, sie werden nicht in Verlegenheit geraten. Möge es ihnen gelingen, auch in der Zukunft ebenso feinfühlig die geliebten Helden zu bekunden.
     In Indien gab es ein Spiel, bei dem man die allergrößten Heldentaten nennen mußte. Ein kleiner Junge nannte Krishna. Man begann, ihm Vorwürfe zu machen und sagte, Krishna sei ein Gott. Doch der Junge bestand darauf, daß Krishna vor allem ein Held sei, da er zum Nutzen des Volkes gearbeitet habe. Er wies auch darauf hin, daß Krishna die Sprache der Tiere kenne. Darauf sagte man ihm, Krishna habe mit wilden Raubtieren gespielt und sie verzaubert. Der Junge beharrte darauf, daß gerade dies bedeute, Krishna habe auch die Sprache der Tiere gekannt.
     Der Denker erinnerte wiederholt an den Mythos von Orpheus und wies darauf hin, daß Orpheus ein Mensch gewesen sei.

     665. Urusvati weiß, daß ein besonderer Anlaß vorliegt, wenn Wir an Krishna, Orpheus, Zarathustra und andere Lehrer der Menschheit erinnern. Die Lehrer gaben ihre Unterweisungen, verschieden in der Sprache und im Ausdruck der Lebensbräuche, doch das Wesen des Gelehrten blieb unverändert eines.
     Die Arbeit einer vergleichenden Gegenüberstellung wurde bisher nicht durchgeführt. Man spricht von vergleichbaren Religionen, doch haben Wir in diesem Moment eine Auswahl der von den Lehrern gegebenen Grundlagen im Sinn. Wenn ein fleißiger Gelehrter alle Besonderheiten der Völker und Jahrhunderte auswählt, wird er

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an ihrem Grund Vermächtnisse finden, wie von einer einzigen Persönlichkeit gegeben. Unterscheiden kann man mehrere Individualitäten, die fortschreitend ihre Aufgabe erfüllten, die in ständiger Vervollkommnung der Menschheit bestand.
     In verschiedenen Jahrhunderten sprachen Lehrer, die einander nicht kannten, ähnliche Worte aus, ähnlich nicht nur dem Sinne, sondern auch dem Temperament nach. Selbst ein unkundiger Mensch kann auf den Gedanken kommen, ein Einziger habe diese Vermächtnisse gegeben. Kundige werden natürlich ihre Schlußfolgerungen ziehen.
     Nützlich wird eine Arbeit sein, die das Allgemeinmenschliche dieser Vermächtnisse aufzeigt. Solch eine Arbeit wird schwierig sein, da nur allgemein anerkannte Quellen verwendet werden können, anderenfalls würde man dem nicht glauben wollen. Es wird nicht gelingen, äußerst wertvolle Literaturwerke anzuführen, da man ihnen nicht glauben wird. Doch allgemein anerkanntes, historisches Material wird es gestatten, einen aufschlußreichen Vergleich zu ziehen. Die Wahrheit muß man mit anerkannten Beweisen belegen.
     Ungeachtet dessen, daß viele Materialien vernichtet sind, wird man genügend Aufzeichnungen finden können. Man muß die Aufzeichnungen der Schüler des Apollonius von Tyana und des Pythagoras verwenden. Aus ganzen Erzählungen lassen sich nur einige Wörter herauskristallisieren, doch diese Fragmente werden das Wesen der Lehre hinreichend beschreiben. Es wird sich erweisen, daß die verschiedenen Religionen zugehörigen Lehrer etwas Einheitliches bestätigt haben. Origenes sprach mit Worten aus mehreren Jahrhunderten, die er nie gehört haben konnte, doch bei eifrigem Studium ergäbe sich auch das Bild eines individuellen Weges. Solche Forschungen wären nützlich.
     Der Denker sprach: "Wenn ich die Erzählungen der Fremden höre, scheint es mir mitunter, als spreche ein einziger Mensch. Ich sehe unterschiedliche Kleidung, höre verschiedene Sprachen, doch das Herz erkennt einen einzigen Menschen."

     666. Urusvati weiß, wie der Weg der Vorausbestimmung verläuft. Die Technik der Prognose kann mit einem Boot verglichen werden, das steinige Stromschnellen durchfahren muß. Das Boot muß eine bestimmte Richtung einnehmen und die Last an ihren Bestimmungsort bringen. Die Richtung der Stromschnellen ändert sich jedoch ständig, und gefährliche Steine kommen immer wieder in den Weg. Der Steuermann muß während der Fahrt die am wenigsten gefährliche Strömung erfühlen.
     Die Uferbewohner freuen sich und denken, das Boot strebe lustig seinem Bestimmungsort entgegen.

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Sie sagen: "Der Steuermann kennt den Weg". Sie sehen aber nicht, wieviele Gefahren bereits mit einer einzigen Ruderbewegung umgangen werden. Der Steuermann darf in keine stille Seitenbucht einbiegen, da er von dort nicht mehr in die Strömung zurückfindet. Vieles muß geopfert werden, nur um nicht die richtige Richtung zu verlieren. Wasserspritzer vermischen sich mit Schweißtropfen, doch für die Zuschauer ist dieser Kampf nicht mehr als ein lustiges Treiben.
     So ist es auch mit den Vorausbestimmungen. Nur wenige verstehen die ganze Schwingung der Anspannung. Jeder möchte seine Gewohnheit zur Vorschrift machen und die Anlegestelle auf seine eigene Weise festsetzen. Wenn er die Gefahren nicht sieht, heißt es für ihn, daß es sie auch nicht gibt. Er strickt sich seine eingebildeten Umstände zurecht und versteht nicht, welche Gefahren er damit heraufbeschwört. So versuchen die Zuschauer auch oft, den Steuermann zu verwirren. Doch je gefährlicher der Ort des Geschehens ist, desto behutsamer müssen sich die Zuschauer verhalten. Wahrlich, nur sehr wenige vermögen Prognosen in vernünftiger Weise, abseits von Selbsttäuschung, zu verstehen.
     Man kann von einer Vielzahl Lichtstrahlen lesen, die von jedem Organismus abgegeben werden. So ist es auch. Dies ist nicht neu, doch jede solcher Überlegungen sollte auch auf gewisse Schlußfolgerungen stoßen. Die Wege von Gedankensendungen sind aufgrund unzähliger benachbarter Ausstrahlungen sehr gewunden. Auch die Schwingungen der Verbindungen sind sehr angespannt.
     Urusvati hat die Dringlichkeit richtig bemerkt, zu den bereits aufgezeigten Themen zurückzukehren. Es handelt sich jedoch nicht um eine Wiederholung, sondern es vollzieht sich eine fortschreitende Erweiterung des Bewußtseins. Man kann sehen, wie innerhalb kürzester Abstände eine neue Prognose erfolgt. Es darf nicht erstaunen, daß die Vorausbestimmungen bei aller scheinbaren Verschiedenartigkeit innerlich doch verbunden sind. Gerade jetzt, bei den weltweit sich vollziehenden Ereignissen, läßt sich eine äußerliche Verschiedenartigkeit bei innerer Verbindung bemerken. Man muß verstehen, daß das Boot über gefährliche Stromschnellen getragen wird, seine Bestimmung fest ist, doch viele Klippen umfahren werden müssen. Dies wird keine Abweichung vom Wege sein, sondern kluge Zielgerichtetheit.
     Wir sagen dies nicht in Untätigkeit, sondern inmitten angespannter Bestrebung - eine weitere Seite Unseres inneren Lebens.
     Der Denker sprach: "Ich kann mir einen Steuermann in reißender Strömung gut vorstellen. Die Sonne strahlt, ringsherum völlige Stille, doch in seinem Herzen spüre ich den Sturm."

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     667. Urusvati weiß, daß die Großen Lehrer der Menschheit grausamen Verfolgungen ausgesetzt waren. Diese Wahrheit ist den Menschen in solchem Maße bekannt, daß sie sich ihrer nicht erinnern wollen. Gleichzeitig sind sie jedoch bereit, mit jedem Träger des Guten ebenso zu verfahren. Überdies ertragen sie es nicht, daran erinnert zu werden, daß die von ihnen Verfolgten eben diese Verfolgung in Freude aufnahmen, geradezu als sei sie eine Bestätigung ihrer Heldentat.
     So können Wir auch auf einen Großen Tatmenschen hinweisen, den Wir den Unvergleichlichen Sänger nennen. Diese Bezeichnung kommt Ihm zu, da Er als erster auf die Macht des Tones hinwies. Natürlich legten die Menschen dies später falsch aus. Man muß darauf hinweisen, daß Er die Bedeutung der Einigkeit verstand. Er erklärte jede Zwistigkeit als Folge von Unwissenheit. Seine Arbeit am Begriff der Einheit und Einigkeit hinderte Ihn jedoch nicht, die Rüstung anzulegen, als Gefahr für die Menschheit aufkam.
     Viele verstehen nicht, warum der genannte Sänger sich ebenfalls als Krieger erweisen konnte. Auf solche Weise tragen die Menschen überall Begrenzungen hinein. Doch der Mensch ist ein vollkommener Mikrokosmos; er trägt auch Blitze in sich, für den Fall, daß eine Entladung räumlicher Spannung erforderlich sein sollte. Man darf sich nicht verkleinern, wenn das Leben eine aktive Heldentat erfordert. So läßt sich verfolgen, wie große Tatmenschen die unterschiedlichsten Eigenschaften in sich aufzunehmen vermochten. Leider haben die Menschen die inneren Beweggründe der Helden nicht bemerkt, wodurch die Taten oftmals als einseitig erschienen und sogar Verurteilung hervorriefen.
     Der Denker sprach: "Ich bin kein Krieger gewesen, doch wenn die Posaune mich ruft, werde ich in mir auch die Kraft finden, der Welt zu helfen."

     668. Urusvati weiß, daß das Gedankenschaffen unzerstörbar ist. Es hängt von vielen Bedingungen ab, verwirklicht sich jedoch auch in der grobstofflichen Welt. Wir erinnern daran, da manche darüber in Verwirrung geraten sind, daß sich in Unseren Archiven viele unausgeführte Vorschläge befinden. In dem Gesagten liegt kein Widerspruch. Wenn eine Aufgabe heute nicht verwirklicht wurde, heißt dies nicht, daß sie nicht morgen sogar in viel besserer Weise Anwendung finden kann.
     So sind die Menschen nach wie vor nicht in der Lage, vergleichende Gegenüberstellungen vorzunehmen. Es läßt sich

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auf viele Beispiele verweisen, da die Menschen sich selbst eingrenzten, der Gedanke jedoch schon eine grobstoffliche Folge erzeugt hatte. Erneut berühren wir die Frage des Vertrauens, es ist wie ein Zement, das einen feinstofflichen Aufbau mit seiner grobstofflichen Verkörperung vereint.
     Man muß die ethischen Grundlagen als überaus praktische, verwirklichbare Lösungsvorschläge erkennen. Weisheit ist nichts Märchenhaftes, sondern entsteht vor allem durch Vertrauen, das einen auch vor dem Schwanken bewahrt. Auch Zielgerichtetheit entsteht aus der Anwendung höchster ethischer Maßstäbe. Nur so ist es möglich, vergleichende Gegenüberstellungen zu begreifen. Nicht ohne Grund erkannte Buddha Seine Schüler an der unterschiedlichen Ausprägung dieser Gabe der Aufnahmefähigkeit.
     Der Denker lehrte: "Es ist unmöglich, nur in einer einzigen Richtung den Pfad entlangzugehen; man muß auch nach Haus zurückkehren können."

     669. Urusvati weiß, daß der Gedanke schafft und zerstört. Gleichzeitig sprechen Wir von der Unzerstörbarkeit des Gedankens. Darin liegt keinerlei Widerspruch. Zerstörung ist keine Vernichtung. Die von der Gedankenenergie geschaffene Substanz kann nicht vernichtet werden. Ein Baumeister kann sein Baumaterial nicht vernichten. Er kann die Hülle zerstören. Er kann den Zustand des Materials verändern, nicht jedoch vernichten. Dieser Grundsatz erlegt dem Denkenden eine besondere Verantwortung auf.
     Es ist richtig, daß es unter den feinstofflichen Bildungen viel Häßliches gibt, das jedoch der Notwendigkeit zur Umwandlung unterliegt. Wieviel Energie aber ist erforderlich, aus unvollkommenem Material etwas Schönes zu gestalten! Unsere Beobachtungen bringen Uns nicht wenig Kümmernisse, wenn Wir sehen müssen, wie unüberlegt und geschmacklos kostbarste Energie vergeudet wird. Dabei muß man sehen, daß ein energischer und dabei vorurteilsvoller Geist viel Häßliches schaffen kann. Ihr wißt, daß das Vorurteil auch im irdischen Leben ein schlechter Ratgeber ist.
     Es ist erstaunlich, wie sehr manche Denker vom Gefühl des Schönen entfernt waren! Auf anderen Gebieten bewiesen sie Logik des Denkens, doch im Bereich des Schönen blieb ihr Auge vollkommen geschlossen. Eine solche Mißbildung läßt sich nicht selten antreffen, und solche Verunstalter zeichnen sich durch großen Dünkel aus. Gewöhnlich

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ist es mit ihnen in diesem Leben bereits hoffnungslos, und in der Feinstofflichen Welt erweisen sie sich dann als echte Schädlinge. Im irdischen Leben kann man mit ihnen unmöglich über das Überirdische sprechen, und in der Feinstofflichen Welt werden sie die Schönheit des Kosmos nicht sehen können.
     Der Denker sprach: "Mensch, du schleppst eine lange Kette nichtswürdiger Gedanken hinter dir her. Willst du in der Überirdischen Welt etwa von denselben abscheulichen Begleitern umgeben sein?"

     670. Urusvati weiß, wie sehr die Menschen sich aus ihrer Natur her zum Ungewöhnlichen hinziehen lassen, gleichzeitig jedoch alles fürchten, was an das Ungewöhnliche erinnert. Man muß diese menschliche Eigenheit im Blick haben und darf von außergewöhnlichen Erscheinungen daher nur sehr vorsichtig sprechen. Es ist deshalb am besten, darauf hinzuweisen, man habe etwas von Zeugen erfahren, nicht aber sich selbst mit einzubringen. Anderenfalls werden die Menschen in Furcht geraten, auch wenn sie dies nicht gleich zeigen.
     Als Beispiel läßt sich wiederum der Unvergleichliche, Vollkommene Sänger nennen. Er besaß viele außergewöhnliche Eigenschaften, vermochte jedoch nicht, über sie zu sprechen, so daß es den Anschein hatte, sie vollzögen sich ohne Seine Teilnahme in Seinem Umkreis. Er brachte mächtigste Klangeinwirkungen zum Vorschein, ohne zu verstehen zu geben, daß gerade Er die Ursache für die geschaffenen Stimmungen war.
     Seine Unterweisungen wurden als dem Altertum entnommen erklärt. Er besaß hinreichend Geduld, den Menschen Seine Macht nicht zu zeigen, doch als einige Neider Ihn verdächtigten, die Quelle der außergewöhnlicher Fähigkeiten zu sein, setzten sie eine Verfolgung in Gang, die zu Seiner Ermordung führte. So kann man sehen, daß die Menschen einerseits alles Ungewöhnliche verbieten, es auf der anderen Seite jedoch selbst besitzen möchten. Man muß so feinfühlig sein, sogar das Wort "Überirdisch" nur im geeigneten Moment auszusprechen.
     Der Denker sprach: "Gebt acht, daß das Überirdische sich nicht in Unterirdisches verkehrt."

     671. Urusvati weiß, daß die Kosmologie an allen Schulen eingeführt werden sollte, als eines der anziehendsten Fächer. Gerade sie sollte

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alle Bereiche des Weltwissens mit einschließen. Wenn die Menschen das Bewußtsein des Volkes umwandeln wollen, sollten sie es mit den Grundlagen des Weltalls vertraut machen und dies in wissenschaftlicher und anziehender Weise tun.
     Mögen solche Einführungen in die Beschreibung des Weltalls in Form von Gesprächen erfolgen, ohne Prüfungen, die die Liebe zum Fach stören könnten. Wenn das Bewußtsein eines Schülers Splitter des Gegebenen bewahrt, wird er die Liebe zur Erkenntnis der Grundlagen leicht in sich entfachen. Wahrlich, Kosmographie muß in anziehender Weise unterrichtet werden. Hierbei müssen fortwährend neue wissenschaftliche Entdeckungen miteinbezogen werden. Mögen auch die Lehrbücher so gestaltet werden, daß neue Erkenntnisse leicht eingefügt werden können.
     In einer umfassenden Betrachtung des Kosmos werden viele Einzelfächer zu einer Synthese zusammenkommen. Astronomie, Astrochemie, Astrologie und Volksglauben werden alle in wissenschaftlicher Erklärungsweise hierin Platz finden. Wahrscheinlich wird die ältere Generation ein solches Fach für undurchführbar erachten, doch haben Wir die Jungen im Blick. Auf solche Weise geht das Überirdische in ein feinfühliges Bewußtsein ein.
     Der Denker erinnerte daran, daß einzelne Wissenschaften dereinst wahre Mitarbeiterinnen würden.

     672. Urusvati weiß, wie beharrlich Unsere Gedankensendungen sind. Der Unkundige könnte sich wundern, weshalb Wir mitunter das Gesagte nahezu wiederholen. Doch der Erfahrene wird verstehen, daß eine solche Vertiefung ihre Ursache in einer Bestätigung von Energie im Raume hat. Man muß verstehen, daß es im Umkreis Unserer Mitteilungen viele Gründe für bestimmte Erscheinungsweisen gibt. In ihrem Egoismus meinen die Menschen, alles werde nur für sie, für einzelne Personen gemacht, vergessen dabei jedoch das Gemeinwohl.
     Es läßt sich ebenso beobachten, wie verschieden Unsere Mitteilungen im Rhythmus und im Klang sind. Manchmal bewegen sie sich in Gedankenschnelle, dann wiederum sind sie derart klar und deutlich artikuliert und so beharrlich im Ausdruck, daß sie eine starke Schwingungsreaktion bewirken.
     So läßt sich auch beim Aussprechen eines Mantrams bemerken, daß entweder ein Rhythmus überwiegt, in dem einzelne Worte untergehen, doch dann wieder eine laute, deutliche Aussprache

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jedes einzelnen Wortes erforderlich ist. So wißt ihr, daß ein um Hilfe rufender Mensch sich bemüht, jede Silbe einzeln auszusprechen. Überdies kommen Unsere Mitteilungen entweder überaus schnell oder langsam herbei. Unsere komplizierte Arbeit erfordert viele Methoden.
     Der Denker sprach: "Glaubt nicht, es sei etwas nur für euch bestimmt. Es kann sein, daß viele Wege um höherer Gedanken willen begangen werden müssen."

     673. Urusvati weiß, daß bei jedem bedeutenden Ereignis außer vielen kosmischen Einflüssen vier Schichten menschlichen Denkens teilnehmen. Die erste Schicht wird von Personen gebildet, die unmittelbar an der Schlacht teilnehmen, denn jedes Ereignis ist eine Schlacht. Jene Kräfte der Feinstofflichen Welt, die nicht weniger als die Verkörperten kämpfen, bilden die zweite Schicht. Die dritte Schicht wird von Teilnehmern gebildet, die nicht körperlich, sondern im Geiste kämpfen. Die vierte Schicht wird von sichtbaren wie unsichtbaren Führern gebildet.
     Die ersten beiden Schichten wurden von Uns bereits mehrfach erwähnt, doch über die dritte Schicht muß gesprochen werden, da sie immer mehr Teilnehmer gewinnt. Die Menschen nehmen bewußt und unbewußt an komplexesten Ereignissen teil. Man kann sehen, daß die Gedanken dieser vielen Menschen eine mächtige Kraft bilden, die durch ihre Ungeordnetheit gefährlich ist.
     Menschen, die unverantwortlich und unbewußt denken und handeln, sich jedem beliebigen Einfluß unterwerfen, zu jeglichem Verrat bereit und von Bosheit erfüllt sind, diese Menschen füllen den Raum fortwährend mit ihrem unratvermehrenden Denken an. Es macht ihnen nichts aus, jeden Tag ein anderes Geschrei von sich zu geben, und sie erweisen sich als Quellen psychischer Epidemien.
     Damit nicht genug, schaden sie den Gedankensendungen bewußter Mitarbeiter des Guten. Sie vergiften oftmals die Atmosphäre, so daß viel Energie erforderlich ist, um solche finsteren Sendungen unschädlich zu machen. Sie verstehen den ganzen angerichteten Schaden gar nicht und möchten nicht wissen, welche Hindernisse sie auf dem Weg der Evolution schaffen.
     Man könnte fragen, was hieran neu sei, da doch die böswillige Unwissenheit schon seit langem als das Verderblichste erkannt wurde. Doch gerade jetzt, zur Zeit des Harmagedon, nehmen

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die Legionen der Schädlinge zu. Sie vernichten nützliche Arbeiten von Helfern des Wohls in einem solchen Maße, daß vor solchem Wahnsinn besonders gewarnt werden muß. Solche Störung von Schwingungen ist ungehörig. Die träge Volksmasse unterwirft sich auch leicht der Lüge.
     Der Denker wies wiederholt darauf hin, daß Unwissenheit eines der aktivsten Prinzipien ist und deshalb gefährlich.

     674. Urusvati weiß, daß das Fehlen von Angemessenheit als psychische Blindheit zu bezeichnen ist. Die Menschen wollen mitunter eine verheerende Feuersbrunst nicht bemerken, nur um in ihrem gewohnten Alltagstrott zu bleiben, geraten jedoch gleichzeitig über eine durchs Fenster hereinkommende Fliege in Entsetzen. Es ist notwendig, in allem Handeln die vielfach verlorene Scharfsicht zu entwickeln, da der Mensch anderenfalls in eine Primitivität eigener Art fällt.
     Ist es nicht befremdlich, daß die Menschen ihre grundlegenden Eigenschaften nicht entwickeln und sich sogar bemühen, nicht über die psychische Seite des Lebens nachzudenken? Um so schwerer ist es, das menschliche Denken zum Überirdischen zu lenken. Es ist unmöglich, den Stadtbewohnern von einem weitgefaßten Verstehen der überirdischen Bereiche zu reden. Sie meinen, sich die wissenschaftlichen Begriffe bereits angeeignet zu haben, ohne aber geistige Erkenntnisse in die Wissenschaft miteinbeziehen zu können.
     Glaubt nicht, Wir sähen viele Mitarbeiter, die Überirdisches ins physische Leben umsetzen könnten. So erhieltet ihr einen Brief, in dem Unsere Weisungen als nicht konkret bezeichnet werden. In solchen unüberlegten Urteilen birgt sich eine wahre Tragödie. Haben die Personen, die von einer angeblichen Abstraktheit Unserer Lehre schreiben, denn selbst überhaupt nachgedacht, wo die Grenze zwischen Realität und Abstraktheit verläuft?
     Wir weisen darauf hin, daß Realitätssinn gerade jetzt äußerst notwendig ist, da die Welt eine gefährliche Stufe der Umgestaltung durchläuft. In einer solchen Zeit wäre es unzulässig, sich in Abstraktheiten zu ergehen, wenn jede Stunde eine realistische Entscheidung erfordert. Die psychisch Blinden vermögen jedoch nicht zu unterscheiden, wo unaufschiebbare, arbeitsreiche Realität ist und wo schädliche Abstraktheit. Sie selbst füllen das Leben mit Abstraktheiten an und sehen nicht, welchen Schaden sie verursachen. Urusvati erinnert sich, wie die herausgeputzte Menge zu dem Schauspiel eilte, während das Gebäude bereits einstürzte.
     Der Denker lehrte: "Erkennt die Wirklichkeit, und befreit euch dadurch von den Ketten der Sklaverei."

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     675. Urusvati weiß, daß einige darauf bestehen werden, die körperliche Teilnahme an einem Kampf sei kraftvoller und schwieriger als ein psychischer Kampf. Solch ein Irrtum resultiert aus einem völligen Nichtverstehen des psychischen Lebens. Es ist sogar unmöglich, körperliche und psychische Anspannung zu vergleichen, um so bedeutsamer ist die zweite in jeder Hinsicht.
     Feinstoffliche Energien sind stärker als alle von Muskeln erzeugten, doch die Menschen können infolge ihrer falschen Lebensführung auch dieses Axiom nicht aufnehmen. Man muß es oft wiederholen, daß eine körperliche Niederlage mit den Leiderfahrungen der feinstofflichen Hüllen nicht zu vergleichen ist. Die größten körperlichen Gefahren können nicht mit psychischen Gefahren verglichen werden. Und die bedrohlichsten körperlichen Veränderungen sind nichts im Vergleich mit den psychischen Wechseln zwischen den Welten.
     Auch nun, da die Menschheit im Kampf um die Gestaltung der Welt angespannt ist, muß man der psychischen Seite des Lebens Aufmerksamkeit widmen. Es gibt jedoch auf solch einem natürlichen Evolutionsweg viele Hindernisse. Die Menschen werden mit aller Kraft widerstreben, um nützliche Kenntnisse nicht in ihr ärmliches Bewußtsein eindringen zu lassen. Es wird besondere Aufstände gegen die Erweiterung des Bewußtseins geben. Statt dessen werden unwürdigste Maßnahmen ergriffen, um eine Verbreitung notwendigen Wissens zu verhindern.
     Es ist aufschlußreich, den Geisteszustand solcher Aufständischen zu beobachten. Sie werden verschiedene Schlußfolgerungen erfinden, um über die psychische Energie zu spotten und sie herabzusetzen.
     Freunde, jeder von euch kann Beispiele aus seinen Beobachtungen anführen, als er Widersprüchen gegen Offensichtliches begegnen mußte.
     Der Denker lehrte: "Fürchtet die Unwissenden nicht, sondern eilt nur schneller auf dem Weg zur Erkenntnis voran."

     676. Urusvati weiß, daß jede bedeutende Eröffnung, jede Verkündung nur von einer Minderheit, einer überaus kleinen Minderheit aufgenommen und im Leben ausgeführt wird. Dem Wesen der besten Verkündungen begegnet die Mehrheit mit Haß. Nicht nur Widerstand, sondern geradezu wütender Haß schleicht den nützlichsten Eröffnungen hinterher.

[Russisches Original. Seite 612.]


     Jemand wird denken, man müsse die Ursache dafür im Neid suchen, doch liegt die Ursache tatsächlich viel tiefer. Die Ursache ist der Widerstand des Chaos gegenüber allem Schöpferischen. Man kann die Nützlichkeit von Verkündungen sogar daran messen, wieviel Haß dagegen ausgespien wird. Nicht allein böser Spott, sondern verderblichster Haß folgt allem nach, was einer Erneuerung des Lebens dient. Bemerkt, wie nahe solche Hasser dem Verrat stehen. Sie sind zu raffiniertesten Taten bereit, um einer Sache zu schaden, die ihnen keineswegs zum Nachteil gereichen würde.
     Die Hasser sind in zwei Arten einzuteilen. Die einen dienen nützlichen Verkündigungen als Megaphon. Es wurde richtig bemerkt, daß starke Menschen sich mitunter mit der ausgeprägten Bestimmung verkörpern, einer ganzen Bewegung als Megaphon zu dienen. Man muß verstehen, daß das Karma bei einer solchen festgelegten Bestimmung nicht belastet wird. Doch muß daran erinnert werden, daß die zweite Art der Hassenden sehr schädlich ist, da sie versuchen, der Menschheit auf dem Wege ihres Fortschritts Lügen zu vermitteln.
     Nicht nur einmal sind euch solche Schädlinge begegnet. Man darf sie unmöglich damit rechtfertigen, daß sie besessen seien. Sonst fände jeder willensschwache Mensch seine Rechtfertigung. Wir sind gegenüber solchen, verderblicher Besessenheit Unterworfenen sehr vorsichtig.
     Man muß verstehen, daß der überirdische Bereich die Wut solcher Hasser besonders weckt. Sie wollen lieber in ihrem alten Plunder verbleiben, bemühen sich jedoch, eine Maske der Vernunft aufzusetzen. Viele Wege werden durch solche Heuchler versperrt. Möge die Wissenschaft in weitgefaßter Weise zu uneingeschränkter Erkenntnis führen.
     Der Denker kämpfte bereits mit solchen Hassern. Er warnte die Schüler, keine philosophischen Abhandlungen offen liegenzulassen: "Vergeßt nicht, daß sich unter den sogenannten Verwandten Haßerfüllte befinden können."

     677. Urusvati weiß, daß sogar eine kleine Unpäßlichkeit eines Heerführers einen entscheidenden Einfluß auf wichtige Ereignisse ausüben kann. Die Historiker nennen dies Zufall, doch in Wirklichkeit lassen sich viele Ursachen erkennen. Außer den verschiedenen menschlichen Einflüssen können besondere kosmische

[Russisches Original. Seite 613.]


Bedingungen herrschen und, über allem, das unerbittliche Rad des Gesetzes.
     Man sollte nicht denken, daß ein besonders bedeutendes Ereignis ebenso große Einwirkungen erfordere. Es läßt sich sehen, daß das Schicksal eines Volkes von kleinen Umständen abhing. Solche Beobachtungen sind überaus aufschlußreich, da sie aufzeigen, daß die Wechselbeziehung der Dinge nicht von ihrem physischen Ausmaß, sondern von feinstofflichen Wechselbeziehungen bestimmt ist. Es ist besonders bedeutsam zu sehen, wie große Ereignisse des Harmagedon ihr Gleichgewicht in unwägbaren kosmischen Bedingungen haben.
     Es ist offensichtlich, wie gut das Karma diejenigen erreicht, die Ungerechtigkeiten vollbracht haben. Dabei läßt sich erkennen, wie gewunden die Wege des vollkommenen Gesetzes sind. Gewöhnlich erkennen die Menschen solche feinstofflichen Entsprechungen nicht an. Ihnen erscheint sogar die gerechteste Entscheidung als unzulässig, derart sind die überirdischen Bedingungen von den irdischen verschieden. Man muß jedoch die überaus komplizierten Aufspeicherungen, in denen sowohl die irdischen als auch die überirdischen Wechselbeziehungen zum Ausdruck kommen, in Betracht ziehen. Durch persönliche Vertiefung des Denkens läßt sich das erkennen. Niemand vermag dasjenige in Worten wiederzugeben, wohin nur das Gefühlswissen vordringen kann.
     Der Denker lehrte Seine Schüler, das Wesen der Ereignisse zu erkennen. Gewöhnlich ähnelt ihr Äußeres nicht ihrer inneren Bedeutung.

     678. Urusvati weiß, daß eine Voraussage und ihre Verwirklichung von vielen Umständen abhängig ist. Möge ein schwacher Mensch keine Voraussagen berühren. Er wird aus seinem bedingten Verständnis heraus über sie urteilen und dadurch nur den Fluß wichtiger Ereignisse erschweren. Jeder kann auf seine Weise einen Prozeß erschweren. Dabei kann sich auch ein Mensch, der ansonsten wenig nachdenkt, in bestimmter Hinsicht als Fanatiker erweisen und alles Existierende mit seiner Voreingenommenheit überziehen. Eine Voraussage erfolgt gewöhnlich frühzeitig, und es ist gefährlich, sie mit einer erdachten Frist einzuengen.
     Ebenso muß man verstehen, daß eine Voraussage vor ihrer Verwirklichung bereits den Raum psychisch anspannt und dadurch, wenn auch unsichtbar, schon bei vielen weltweiten Ereignissen mitwirkt. Es ist lehrreich zu beobachten, wie Unsere Voraussagen sich verwirklichen.

[Russisches Original. Seite 614.]


     Der Denker sprach: "Glaubt nicht, etwas existiere nur deshalb, weil ihr es mit irdischen Augen seht. Es kann sein, daß es schon früher im Raum geboren wurde."

     679. Urusvati weiß, daß das Überirdische von jedem beliebigen Gesichtspunkt aus studiert werden kann, wenn der Erkenntnisprozeß nur nicht eingegrenzt und von Vorurteilen bestimmt ist. Auf diese Weise kann sich jeder Wissenschaftsbereich den Zugang zum Überirdischen öffnen. Die Astronomie wird eine Wandlung hin zur Erkenntnis von der Bewohntheit der Welten vollziehen. Die Physik wird der Astrophysik einen Platz einräumen. Die Chemie wird sich der Astrochemie erinnern. Das Überirdische wird die Philosophie und die Psychologie verschönern. Die Physiologie wird die Verbindung des menschlichen Organismus mit dem Kosmos aufzeigen. Die Geschichte wird sich bemühen, wertvolle Hinweise in alten Schriften zu finden.
     Es läßt sich bereits erahnen, daß die Radioübertragung und die Television neue Aussagen über das Überirdische ermöglichen werden. Auf solchem Wege werden sogar die sogenannten positiven Wissenschaften, die nur vorgeblich reale Tatsachen gelten lassen, der Bewußtseinserweiterung dienen.
     Man braucht nicht erst irgendeinen ungewöhnlichen Epochenwechsel erwarten, wenn doch jeder unbeschränkte Geist sein Verständnis unmittelbar jetzt vertiefen kann. Hierbei werden dann auch verleumdete Wissenschaften, wie die Astrologie, Alchimie und das übrige Wissen über die feinstofflichen Energien, wieder aus ihrer Asche emporsteigen. Wenn die Menschheit frühere Errungenschaften nicht verwirft, kann sie das Leben erneuern. Möge nur jeder anstelle des Wortes "es darf nicht sein" das Wort "es kann sein" sagen. Nur in solcher Selbstöffnung werden die Menschen an das Studium lebenswichtiger Bereiche herangehen können. Selbst die Geologie kann Hinweise auf die Bildung von Erdschichten geben, die sich unter Einfluß überirdischer Ursachen vollzogen hat.
     Der Denker wies auf die Erde und sprach: "Auch du, Erde, gemahne uns an die Überirdische Erhabenheit."

     680. Urusvati weiß, daß die Stufe der Bereitschaft der beste Maßstab für den Erfolg ist. Von welcher Bereitschaft sprechen Wir? Man kann ein örtlich geltendes Gesetz kennen und bereit sein, ihm aufs Wort Folge zu leisten, doch wird die Folge solcher Bereitschaft gering sein. Man muß sich wahre Bereitschaft erringen. Wenn Wissen und Gefühlswissen miteinander im Einklang stehen, wird der Mensch durch viele Sendungen erstarken, die er behutsam und bewußt aufnimmt.

[Russisches Original. Seite 615.]


     Die Menschen werden oftmals durch Zwang zu einer bestimmten Arbeit hingezogen, die ihnen als Verpflichtung auferlegt wird, doch führt solcher Zwang nicht zum Guten. Der Mensch ist noch nicht bereit, die Bedeutung der ihm auferlegten Arbeit zu erfassen. Es ist an der Zeit, daß die Menschheit begreift, worin wahre Bereitschaft besteht. Bei wahrer Bereitschaft werden die Menschen zu Helden. Ein solch hoher Zustand wird eintreten, wenn der Mensch auf natürliche Weise die Schönheit angespannter Bereitschaft erkennt.
     Der Denker sprach: "Wer die Speise nicht zum Munde führt, wird auch nicht satt werden."

     681. Urusvati weiß, daß Schweigen ein Zeichen von Anspannung ist. Vor langem wurde gesagt, daß Stille lauter sei als Gewitter und Wirbelsturm. Aber waren es viele, die diese kosmische Wechselbeziehung verstanden? Gewöhnlich verstehen die Menschen Schweigen in der Weise, daß jemand etwas Wichtiges nicht sagen will.
     Die Menschen verstehen alles durch die Brille ihrer Selbstsucht; sie möchten etwas erfahren, was vielleicht überaus alltäglich ist, ohne aber die Überlegungen und Beweggründe des Gesprächspartners in Betracht zu ziehen. Sie vergessen jedoch, daß große Anspannungen in der Welt herrschen können, besonders im Überirdischen Bereich. In solcher Zeit sollte sich jeder vernünftige Beobachter feierlichem Schweigen hingeben, dagegen versucht Unvernunft aus etwas Erhabenem ein eigennütziges Alltagsgeschehen zu machen. Daher ist es oftmals schwierig, vom Überirdischen zu sprechen, wenn jemand das Gespräch ins Persönliche zu wenden sucht. Wer über das Überirdische nachdenkt, möge es seinen persönlichen Erfordernissen gegenüberstellen, vergleichen und verstehen, daß das Große auch dem Kleinen hilft.
     Der Denker forderte Seine Schüler dazu auf, sich die Bedeutung des Schweigens ganz bewußt zu machen und sich davon durchdringen zu lassen.

     682. Urusvati weiß, weshalb Wir oft an die Ruhe erinnern. Über sie muß dasselbe wie über das Nirvana gesagt werden. Für gleichgültige Menschen bedeutet Ruhe Gedankenlosigkeit, Willenlosigkeit und Gleichgültigkeit, doch für starke Menschen ist sie höchste Anspannung, in der eine Erweiterung des Bewußtseins, Weisheit und Tapferkeit zum Ausdruck kommen. Auf solche Weise ist Ruhe die Offenbarung erhabener Größe und Stärke. Auf solche eine Ruhe muß man sich bewußt vorbereiten und verstehen, daß Sendungen psychischer Energie unumgänglich sein werden.
     Urusvati versteht es richtig, daß die Weltereignisse eine besondere Abgabe psychischer Energie erfordern. Je verfeinerter ein Organismus ist, in um so stärkerem Maße

[Russisches Original. Seite 616.]


gibt er diese Energie ab. Man kann daher eine unverstandene Müdigkeit bemerken, die die Mehrheit der Menschen ergreift. Es entsteht daraus eine Epidemie eigener Art, die von der Wissenschaft noch nicht verstanden wird. Erst später werden die Menschen begreifen können, wo ihre Energie erforderlich war und welcher Magnet sie dorthin zog.
     Zur Zeit lassen sich ähnliche Erscheinungen beobachten, in denen die Verbindung des Irdischen mit dem Überirdischen klar zum Ausdruck kommt. Werdet fähig, echte Ruhe zu bewahren.
     Der Denker sprach: "Ich weiß nicht, wohin meine Kraft fliegt. Möge sie zum würdigsten Geschehnis eilen."

     683. Urusvati weiß, daß ein in Unruhe geratener Mensch die gesunden Schwingungen verliert und in einen Zustand zerstörerischer Schwingungen gerät. Doch wird er dadurch nicht nur selbst leiden, sondern auch zu einem psychischen Infektionsherd werden. Solche Menschen, die zur Ausbreitung von Epidemien führen, müssen unter medizinischer Beobachtung stehen, doch müssen die Ärzte natürlich vorher die Ursache solcher Erkrankungen erkennen. Sie dürfen den Organismus des Kranken nicht mit Narkotika vergiften. Diese vermögen das Bewußtsein nur vorübergehend zu betäuben, ohne daß die Ursache beseitigt würde. Im Gegenteil, wenn die Narkotika ihre Kraft verlieren, nehmen Erregung und Unruhe wieder zu. Sie akkumulieren sich geradezu, um dann mit doppelter Kraft über den ungeschützten Organismus herzufallen.
     Man kann beobachten, daß allein psychische Einflußnahme das beste Heilverfahren sein wird. Man kann die Energie aus weiter Entfernung auf den Kranken richten, doch nur, wenn er nicht dagegen handelt. Viele Manien entwickeln sich aus einer ständigen Unruhe. Aus der Feinstofflichen Welt kann man beobachten und staunen, aus welch geringfügigen Anlässen die Menschen aus dem Gleichgewicht geraten.
     Die Zeit selbst beweist, daß das Gespenst gar nicht so fürchterlich war und die Menschen die unruhige Stunde ausgezeichnet durchstanden. Der Hauptschaden besteht jedoch darin, daß der in Unruhe Geratene nicht über das Überirdische nachzudenken vermag.
     Der Denker sagte einem erkrankten Nachbarn: "Freund, hat es sich denn gelohnt, durch ständiges Darüberreden eine Krankheit heraufzubeschwören?"

[Russisches Original. Seite 617.]


     684. Urusvati weiß, daß jeder von Uns irgendwann einmal seine psychische Energie den grobstofflichen Bedingungen der Erde angepaßt hat. Ein solch schwieriges Herangehen ist nicht schnell durchführbar. Es muß auch daran erinnert werden, daß solche Prozesse mit irdischen Mitteln vollbracht werden müssen.
     Glaubt nicht, daß irgendeine Magie oder Zauberkunst bei diesem ersten Herangehen an das Irdische hätten helfen können. Wir mußten vor allem Beobachtungsvermögen entwickeln, um die Berührung mit den kosmischen Kräften wahrzunehmen. Es vollzog sich genau dasselbe, wie Wir es auch euch allen raten.
     Man darf sich nicht über angeblich seltene überirdische Offenbarungen beklagen; es sind ihrer viele, doch man muß ihre Einwirkungen verspüren. Ebensowenig darf man natürlich in Übertreibungen verfallen. Ihr wißt, daß manche neu Herantretenden bereit sind, jede flüchtige Berührung als etwas Gigantisches zu erklären. So darf man nicht erwarten, daß der Prozeß der Bewußtseinserweiterung schnell verlaufen könne. Der Mikrokosmos bedarf planmäßiger, ständiger Aufspeicherungen, sonst wäre er dem Makrokosmos nicht ähnlich.
     Die wesentliche Eigenschaft besteht jedoch darin, daß jede Aufspeicherung unauslöschlich ist und nichts die Qualität der psychischen Energie zerstört. Dies bedeutet, daß es nützlich ist, solche Energie anzusammeln. Und jeder kann sich jederzeit die gute Aufgabe stellen, die Qualität der psychischen Energie zu steigern. Dies wird eine Arbeit zur Erkenntnis des Überirdischen sein.
     Beginnt die Beobachtungen mit dem Einfachsten, mit dem Kleinsten. In jeder beliebigen Umgebung kann man kosmische Zeichen wahrnehmen. Wenn meteorologische und seismographische Beobachtungen möglich sind, so sind es kosmische ebenfalls, von Uns überirdische Beobachtungen genannt.
     Jeder kann ein Tagebuch anfangen mit Aufzeichnungen über Vorgefühle, Wahrnehmungen im Zusammenhang mit Ereignissen, so wie allen ungewöhnlichen Erscheinungen. Mit der Zeit wird man viele frühere Fehler bemerken können. Sie sind unvermeidlich, da das Zusammenwirken von Strömen schwer wahrzunehmen ist. Seid über Unsere vorbeugenden Hinweise nicht betrübt. Wir selbst haben solche Beobachtungen unter schwierigen Bedingungen gesammelt.
     Ein Umstand jedoch bildet einen besonderen Reiz, nämlich, daß bei kosmischen Beobachtungen Begriffe wie reich oder arm, berühmt oder einfach keine Gültigkeit haben. Allen Menschen ist der Weg zu uneingeschränkter Erkenntnis

[Russisches Original. Seite 618.]


geöffnet. Selbst die Erkenntnis der eigenen Fehler führt zu neuem Verstehen. Wie herrlich ist es, sich fortschreitend anhand von Erfahrungen zu erproben, jeder neue seelische Zustand ist dann besser als der vorherige.
     Das Vorgefühl ist eine Stufe des Gefühlswissens, doch möge physischer Überfluß das feinstoffliche Gefühlswissen nicht verdrängen. So denkt daran, daß jeder einen unbeugsamen Wunsch in sich entfachen muß, sein Gefühlswissen zu verfeinern. Wünscht und strebt.
     Der Denker sprach: "Aus meinem kleinen Fenster kann ich die gestirnte Erhabenheit schauen."

     685. Urusvati weiß, daß sich die heutige Wissenschaft vor einem Jahrhundert zu entwickeln begann. Eine jede Neubildung solcher Art hat den Auftrag, früher gewonnene Erkenntnisse in die Tat umzusetzen, ist aber auch von einer Aufteilung in viele verschiedene Wege geprägt, was eine schädliche Eingrenzung verursacht. Auch ist die Menschheit jetzt auf eine neue Stufe gelangt, auf der alte Wahrheiten in Erscheinung treten und die Notwendigkeit einer Synthese zu spüren ist.
     Was aber ruft solche Merkmale der Erneuerung hervor? Man darf nicht glauben, daß die Schulbildung befriedigend sei. Ebensowenig darf man sich damit beruhigen, daß unabänderliche Fristen eintreten und karmische Ströme schon irgendwie auf die Menschheit einwirken würden. Man muß auch nach weiteren Ursachen forschen, die eine Wandlung des Denkens unterstützen. Unter diesen Ursachen befinden sich die verstärkte Einbeziehung ungewöhnlicher Kräfte der Elektrizität wie auch die verstärkte Produktion chemischer Stoffe. Auf solche Weise können durchaus physische Ursachen Einfluß auf das Denken auszuüben. Genau diese Ursachen bewirken auch Entzündungen der Drüsen.
     Der Mensch bemerkt nicht, wie sehr er sich auf seinen engbegrenzten Wegen materiellen Zweckmäßigkeitsdenkens dennoch einer Verfeinerung des Bewußtseins annähert. Natürlich dürfen wir nicht glauben, daß ein derartiges Zweckdenken bereits eine neue Epoche schaffen würde, doch wenn die Djin Tempel erbauen können, so wird auch die durch chemische Substanzen erzeugte Anspannung die Menschheit zu verbessertem Suchen drängen. So können selbst die Tage des Harmagedon Samenkörner fortschrittlicher Erscheinungen schaffen.
     Der Denker sah das Stöhnen der Menschheit bereits lange voraus, doch sah Er auch, daß sich dieses Stöhnen in einen feierlichen Siegesruf verwandeln würde.

[Russisches Original. Seite 619.]


     686. Urusvati weiß, daß man Unsere Hinweise auf die Notwendigkeit kosmischer Beobachtungen mit skeptischen Bemerkungen bedenken wird. So wird man sagen: "Welche Bedeutung könnten solche nichtigen menschlichen Versuche vor der Unbegrenztheit haben? Doch nicht mehr, als ein Schmetterlingsflug zum Mond." Solche Vergleiche darf man jedoch nicht anführen, denn die psychische Energie des Menschen besitzt eine große Macht.
     Nicht alle Diamanten wurden durch berühmte Gelehrte gefunden. Erinnern wir uns, welch ausgezeichnete Entdeckungen durch ganz einfache Menschen gemacht wurden. Laßt uns hierbei nicht auf die Ursachen schauen, denn ohne Ursache geschieht nichts, sondern laßt uns nur daran denken, daß sich selbst Kinder als ausgezeichnete Beobachter und Entdecker erwiesen. Es sind kosmische Fristen gekommen, unter denen sich viele originelle Denkweisen entwickeln.
     In diesem Zusammenhang muß man sich vor Personen vorsehen, die sich als erleuchtet bezeichnen. Kein Philosoph hat je einen solchen Dünkel zugelassen. Keiner Unserer Mitarbeiter wird sich hochmütig seines Wissens rühmen. Jeder von Uns verfügt über eine gewisse Erfahrung, wobei er sich jedoch dessen bewußt ist, daß sein Wissen im Vergleich mit anderen auch nur relativ ist. Allein auf solche Weise kann man Kraft für den Fortschritt schöpfen. Räumliches Forschen kann nicht enttäuschen, da jeder Augenblick die Freude einer Entdeckung herantragen kann. Möge man die Folgen solcher Entdeckungen nicht voreilig abwägen, dann werden der Entdeckende und der Interpretierende sich auf überirdischen Wegen treffen.
     Der Denker begriff die Schönheit solch überirdischer Begegnungen. Sie erfolgen nicht zufällig, und ihre Ursachen sind von herrlicher Art.

     687. Urusvati weiß, daß Nichtwissen leicht in Wissen umgewandelt werden kann, wenn wenigstens eine geringe Neigung zur Erkenntnis besteht. Träger des Wissens werden als Lichtträger bezeichnet. Diese Bezeichnung ist keineswegs symbolisch, sondern definiert einen wirklichen Zustand. Wahrlich, wenn der Wunsch entsteht, sein Wissen zu übergeben, wächst und verschönert sich die Ausstrahlung. Eine solche Ausstrahlung ist einer heldenhaften Aura ähnlich. Bei jeder Vermittlung von Wissen vollzieht sich eine gewisse Heldentat. Und wenn das Wissen mit ebensolchem Feuereifer aufgenommen wird, entzündet sich ein wechselseitiges, herrliches Feuer. So kann man sehen, daß

[Russisches Original. Seite 620.]


Unsere Definitionen stets auf der Wirklichkeit gründen.
     Wenn wir jedoch davon sprechen, daß die Unwissenheit Finsternis ist, so ist dies leider eine traurige Wirklichkeit. Ein Mensch, der sich mit Unwissenheit und Verneinung beschmutzt, löscht seine Ausstrahlungen. Er öffnet sich den gefährlichsten Krankheiten, da sein Sperrnetz geschwächt wird. Solche Lichtlöscher können während desselben Lebens nicht geheilt werden, denn erst neu zu machende Erfahrungen in der Feinstofflichen Welt können ihnen ihren weiteren Weg eröffnen. Früher oder später werden solche Menschen verstehen, daß ihr Vorgehen dem Leben nicht förderlich war.
     Stellt in den Gesprächen mit Freunden die genaue Bedeutung der Begriffe klar, an die erinnert wird. Unterschiedliches Verstehen führt zu Zwietracht. Viele philosophische Systeme zerfielen infolge ungenauen Verstehens. So verstehen viele den Unterschied zwischen Nichtwissen und Unwissenheit nicht. Sie sind der Auffassung, daß beide Begriffe synonym seien, woraus sich traurige Mißverständnisse ergeben können.
     Man muß daran denken, daß man besonders bei Erörterungen über das Überirdische in Mißverständnisse geraten kann. Der eine könnte aus kirchlicher Sicht urteilen, der andere aus astronomischer, ohne daß dabei der wahre, weitgefaßte Begriff berührt würde.
     Der Denker bemerkte nach mehreren Disputen: "Es ist traurig, wenn die Menschen mit ein und denselben Worten über Gegensätzliches sprechen."

     688. Urusvati weiß, daß jeder menschliche Organismus auf seine Weise auf kosmische Erschütterungen reagiert. Feinfühlige Organismen reagieren noch stärker. Man darf solchen Reaktionen nicht auszuweichen versuchen, da dies unnatürlich wäre, doch ist es erforderlich, seine Kräfte solchen Anspannungen anzupassen.
     Zur Zeit durchschreitet die Menschheit ungewöhnliche Prüfungen. Man kann feststellen, daß die übergroße Mehrheit nicht bereit ist, die Bedeutung der Ereignisse zu erfassen. Die einen stecken nach Straußenart den Kopf in den Sand, andere vergiften sich mit Haß und schaffen damit ein neues schweres Karma, dritte wiederholen überkommene Beschwörungsformeln. Man könnte eine lange Liste befremdlicher und unzeitgemäßer Handlungen der Menschen aufstellen, über die wahre Bedeutung der Ereignisse wird jedoch nicht gründlich nachgedacht. Jene wahren Wege, die der Menschheit helfen würden, werden jedoch wieder einmal vergessen.

[Russisches Original. Seite 621.]


     Viele empfinden Unsere Gespräche über das Überirdische als unpassend und unzeitgemäß. Indessen kann nur das rechte Verstehen des Überirdischen eine Lösung der Verwirrung geben. Im Sturm muß man eine Vorstellung vom ersehnten Hafen haben.
     Eine allgemeine starke Bestrebung wird auch eine entsprechende Festigkeit verleihen. Es reicht jedoch nicht allein allgemeine Bestrebung, jeder einzelne muß sich bewußte Einheit vorstellen. Ihr wißt, daß jenes Heer stark ist, in dem jeder Krieger sich einen bewußten, unerschrockenen Sturm vorstellt.
     Wir haben viel über Einheit und Einigkeit gesprochen, und alles darüber Gesagte bleibt in Kraft. Denkt jedoch darüber nach, aus welchen Elementen sich nützliche Einigkeit zusammensetzen muß. Eine erzwungene, mechanische Einigkeit trägt keine Früchte, weshalb Wir nicht selten darauf hinweisen, daß unnütze Elemente sich entfernen sollen. Zersetzung kann sowohl körperlich als auch psychisch auftreten, weshalb ein infiziertes Glied entfernt werden muß. Es lassen sich viele Erkrankungen feststellen, bei denen keine Vorbeugungsmaßnahmen ergriffen wurden.
     Es ist eine festgesetzte, gefahrvolle Stunde eingetreten. Man kann sehen, wie falsch die Prognosen derjenigen sind, die in selbstsüchtiger Weise denken.
     Der Denker sprach: "Wir meinen, es vollziehe sich etwas Wichtiges, wenn tausend Bürger auf dem Marktplatz lärmen. Was jedoch wird sein, wenn Millionen in Verwirrung geraten!"

     689. Urusvati weiß, wie oft man die grundlegendsten Wahrheiten wiederholen muß, damit sie in das menschliche Bewußtsein eingehen. Hellsichtigkeit und Hellhörigkeit bilden sich nicht auf irdische Weise, doch fordern die Menschen irgendwelche, auf ihrem Alltagsleben gründende Vorschriften. Eines kann gesagt werden: Nehmt aufmerksam und scharfsinnig jedes Aufblitzen feinstofflicher Empfindungen wahr.
     Man darf solche Erscheinungen nicht erwarten, muß aber für ihre Aufnahme offen sein. Eine menschlich - irdische, gezwungene Erwartungshaltung kann die höheren Annäherungen nur erschweren. Es ist hinreichend bekannt, daß die klarsten Erscheinungen unerwartet eintreten und nur gestört werden, wenn die Stimme des Vorurteils erklingt. Man darf die feinstoffliche Natur nicht zwingen, muß jedoch jede ihrer Äußerungen begrüßen.

[Russisches Original. Seite 622.]


     Laßt uns nicht abwägen, welche Erscheinung gerade die allerwichtigste ist. Mitunter sind scheinbar kleine Lichtblitze von größerer Bedeutung als solche, die einen erschüttern. Lernt es, die Erscheinungen zu fühlen. Welche wird tiefer im Herzen erklingen? Die Wahrheit liegt im Herzen, das Wissen liegt im Herzen, die Erleuchtung erfolgt im Herzen. Es wurde darauf hingewiesen, daß der Yoga der Liebe der kürzeste Weg sei, doch kann man ihn auch ganz richtig den Yoga des Herzens nennen.
     Sämtliches Erkennen des Überirdischen bildet sich im Herzen. Der Gedanke wird im Herzen geboren und dem Gehirn nur übertragen. Möge jeder, der sich dem Überirdischen zuwenden möchte, die Macht des Herzens herbeirufen, nur das Herz erklingt auf die Unbegrenztheit.
     Der Denker lehrte: "Jeder Lehrer muß ein Schüler seines Herzens sein. Ohne das Herz werden unsere sämtlichen Bestrebungen in Zerstörung enden. Kummer haben die Herzlosen!"

     690. Urusvati weiß, wie unterschiedlich Unser Aufenthaltsort gedeutet wird. Die einen halten ihn für ein ganz gewöhnliches Kloster, andere bezeichnen ihn als Hexenhaus; die einen behaupten, Wir lebten in herrschaftlichem Überfluß, andere vermuten bei Uns strenges Asketentum; die einen verneinen Unsere Existenz, andere meinen, Unsere Ashrams seien überall verteilt.
     Man könnte eine Vielzahl verschiedener Auffassungen anführen, erwähnt werden muß jedoch eine ganz bestimmte, die nicht ganz ohne Bedeutung ist: Sie spricht davon, daß Wir nicht in einem physischen Körper lebten. Im Himalaya gebe es einen bestimmten Ort, erfüllt von Emanationen vieler Mineralien, wo ein ständiger Wirbel überirdischer Energien herrsche, der besondere Verbindungen mit der Überirdischen Welt ermögliche. So spricht man Uns zwar den physischen Körper ab, bestätigt damit aber wenigstens den überirdischen Wirbel, der die Verbindung besonderer Chemismen ermöglicht. Möge man also an die Verbindung mit dem Überirdischen erinnern, auch wenn es auf solche Weise geschieht.
     Besteht nicht auf der ganzen Formel, wenn jemand nützliches Verständnis einbringt, auch wenn es erst noch gering ist. Mögen sich die Wege des Wissens dann eben auf solche Weise gestalten. Erinnert euch, daß Wir kein Wissen verurteilen, auch wenn es zunächst noch gering und bruchstückhaft ist, das Wichtigste aber nicht verneint wird.
     Lacht nicht darüber, wenn jemand in seinem Nichtwissen Uns Attribute zulegt, die Uns fremd sind, wie beispielsweise herrschaftlicher Überfluß und Luxus. Gewöhnlich reden so einfache Menschen, für die Luxus die höchste Errungenschaft darstellt. Auf ihre Weise möchten sie Unser Dasein ausschmücken, ohne jedoch

[Russisches Original. Seite 623.]


zu wissen, daß es Besseres als herrschaftlichen Überfluß gibt. Sie schmücken heilige Darstellungen mit kostbaren Steinen und meinen, damit richtig zu handeln. Sie meinen, überirdische Chemismen müßten der Verschönerung von Luxus dienen.
     Der Denker sprach: "Mensch, wenn du in einem Brunnen ein klares Bild sehen willst, so warte, bis die Oberfläche sich beruhigt hat. Ruhe ist das Gewand der Weisheit."

     691. Urusvati weiß, daß auch bei klarstem Denken bestimmte unerwartete Gedanken eindringen können. Bei angespanntem Denken können sie jedoch nicht aus der Tiefe des Bewußtseins kommen. In der Tat sind solche Erscheinungen der beste Beweis für räumliche Sendungen. Glaubt nicht, daß solches Eindringen eine Unvollkommenheit des Denkens zeige. Die Botschaften können eiliger Natur sein und sowohl von hochstehender als auch ganz alltäglicher Art. Das letztere weist auf einen Zusammenklang der Schwingungen zwischen Personen hin.
     Jeder erfahrene Beobachter weiß, daß es einander ähnliche Schwingungen sowohl bei hohen, weitgefaßten Gedanken als auch bei einfachen, alltäglichen Gedanken geben kann. Wenn also räumliche Gedanken eindringen, muß man ihnen aufmerksam zuhören. Es mag sein, daß jemand um Hilfe bittet oder ein nützlicher Rat gesandt wird, woraus sich neue überirdische Zusammenarbeit bilden kann.
     Große Folgen entstehen aus kleinen Funken. Feinfühligste Zusammenarbeit wird nicht durch Nötigung, sondern durch Freude gewoben. Was würde aus Unserer Arbeit ohne freiwillige Zusammenarbeit werden? Ein einsamer Tatmensch kann nicht in allen Welten erfolgreich voranschreiten. Es ist schön, wenn ein Freund, ohne gerufen worden zu sein, zu Hilfe herbeieilt und eine dringende Arbeit mit weiterführt. Urusvati erinnert sich, daß Schwester O. ärztliche Hilfe erwies. Niemand hatte sie gebeten oder dazu veranlaßt, doch wahre Zusammenarbeit ist hundertäugig und hundertarmig.
     Wer über das Überirdische nachdenken kann, wird auch die Bedeutung feinfühligster Zusammenarbeit verstehen. Wozu hat man ganze Jahrzehnte über Zusammenarbeit geredet, wenn der erste nichterfaßte Umstand die zarte Zusammenarbeit wieder zerstören kann? Wozu hat man die Worte gelesen, wenn das erste Schwanken gleich

[Russisches Original. Seite 624.]


in Zweifel übergeht? Man muß es erfühlen, wie sehr gerade die Erkenntnis des Überirdischen zu besonnener Zusammenarbeit verpflichtet.
     Wir sind bereit zu wiederholen, da Wir den Raum sättigen, doch mögen Abtrünnige darüber nachdenken, ob ihr Tun zweckmäßig ist.
     Der Denker fragte, als ihn ein Schüler verließ, die übrigen, ob sie sich nicht zu dem Fortgehenden gesellen wollten: "Möge die Spreu vom Weizen getrennt werden."

     692. Urusvati weiß, daß Uns einige in ihrer Vorstellung Allmacht zukommen lassen, doch sehr Nachdenkliche verstehen, daß jede Macht eine relative Erscheinung ist. Niemand wird eine bestimmte Macht bekunden, wenn er weiß, wieviele Bedingungen dafür in Betracht gezogen werden müssen. Jeder versteht, daß eine Einflußnahme vorbereitet werden und jeder ihrer Aspekte Wohlwollen widerspiegeln muß.
     Man darf nicht denken, kosmische Ströme stellten kein bedeutendes Hindernis dar; man muß im Gegenteil unter ihnen die angemessenen auswählen. Nicht ohne Grund werden sie auch als Harfe des Raumes bezeichnet. Ein altbekannter Dichter sagte: "Ihr könnt meine Saiten verstimmen, nicht aber auf mir spielen." So sind die Menschen imstande, jede beliebige Harmonie zu stören, ohne darüber nachdenken zu wollen, wieviel Mühe aufgewandt werden muß, um eine große Harfe zu stimmen.
     Ebensowenig können die Menschen verstehen, wenn Ich von Unserer relativen Macht spreche. Ihrer Natur gemäß halten sie dies für Schwäche und Kraftlosigkeit. So muß man fähig sein, in vielem das Goldene Gleichgewicht zu wahren, nur dann werden die Menschen nicht enttäuscht sein.
     Der Denker sprach: "Die Kraft selbst des Stärksten wird angesichts der Unbegrenztheit beschränkt sein."

     693. Urusvati weiß, daß Unsere Gerechtigkeit von vielen nicht anerkannt wird. Unvermeidliche Folgen werden nicht in Betracht gezogen. Nur einige wenige werden sich erinnern, wie genau Unsere Weisungen waren. Doch es ist nicht leicht, die Lehre des Guten zu verbreiten, wenn sie nicht im Leben angewandt wird. Wer kann denn die ganze Bedeutung

[Russisches Original. Seite 625.]


des Überirdischen verstehen, wenn er sogar die gewöhnlichsten Hinweise ablehnt? Man sollte meinen, es sei nicht schwer, einen nützlichen Rat zur rechten Zeit anzuwenden, doch offensichtlich hindert etwas daran, sich seiner überhaupt zu erinnern. Vielleicht ist dieses Etwas ein böser Wille, doch gewöhnlich ist der Grund viel nichtiger, und man kann ihn mit Disziplinlosigkeit bezeichnen. Die Menschen lieben es jedoch vor allem nicht, wenn man ihnen solche Eigenschaften vor Augen führt. Sie versichern, auf ständiger Wacht zu stehen. Daher fordert nichts, was die Menschen aufgrund ihres derzeitigen Bewußtseins überhaupt nicht verstehen können.
     Besonders schädlich ist ein Mensch, der viel gelesen, sich aber nichts zu eigen gemacht hat. Oft ist es besser, etwas mit Nichtwissenden zu unternehmen, die jedoch einen guten Willen haben. Mögen gewisse Leser sich nicht ärgern, wenn Wir auf ihre schwächste, durch Disziplinlosigkeit entstandene Stelle aufmerksam machen. Das Überirdische erfordert eine klare Bestrebung, doch Disziplinlosigkeit ermöglicht keinen Flug.
     Der Lehrer weist darauf hin, daß man in den Tagen des Harmagedon angespannteste Aufmerksamkeit in sich finden muß. Ihr lest in den vorhergehenden Büchern viele dringende Weisungen, doch hat man sie beachtet?
     Der Denker sprach: "Fegt mit dem Unrat nicht auch die Perlen hinaus."

     694. Urusvati weiß, wie behutsam man sich den Besitzlosen gegenüber verhalten muß. Die Mehrheit der Bevölkerung ist arm, doch nur hier vollzieht sich die Erneuerung der Energien, weshalb es besonders unwürdig ist, die Armen zu verachten und für etwas Niedriges zu halten. Jeder vermag sich an Hand der Geschichte der Menschheit davon zu überzeugen, wie unbeständig sogenannter Reichtum ist.
     Überdies muß daran erinnert werden, daß es unter den Armen solche Menschen gibt, die freiwillig den Auftrag angenommen haben, mitten im Volke zu sein, um dessen Schicksal zu teilen. Äußerlich gesehen unterscheiden sich solche Boten nicht von der Masse. Man muß nahe an sie herankommen, um ihren inneren Reichtum zu spüren. Der Überirdischen Welt gegenüber werden solche Menschen sehr aufgeschlossen sein. Vielleicht müssen sie unter den Unglücklichsten als Vermittler lebensnotwendigsten Wissens dienen? Ein wichtigtuerischer Reicher findet keinen Zugang zu den Armen, und wenn doch, so nicht eine gemeinsame Sprache.

[Russisches Original. Seite 626.]


     Wir lenken Unsere Freunde beständig zu den Armen, da dort die Quelle der Zukunft liegt. Ein bestimmtes Volk hat schon die gemeinsame Bestimmung verstanden und beginnt, in die Zukunft zu streben - darin liegt Macht. In den Gesprächen über das Überirdische bestätigen Wir die lebendige Menschlichkeit. Sie wird eine Stufe zur Erkenntnis sein.
     Der Denker sprach: "Für die Armen die Zukunft, für die Reichen die Vergangenheit."

     695. Urusvati weiß, daß die Berührung mit feinstofflichen Energien in vielerlei Hinsicht einer Berührung mit Radium ähnlich ist. Es läßt sich sehen, daß Radium nur bei behutsamem Umgang keine zerstörerischen Folgen zeitigt. Ebenso können die feinstofflichen Energien heilsam oder zerstörerisch wirken. Sie sättigen die gesamte Atmosphäre, doch sind die Menschen nicht immer fähig, die gesunden Wirkungen aus ihnen zu schöpfen. So sind Wir veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß die Menschen vorsichtig dosiert mit diesen Energien umgehen wollen.
     Unwissende schlagen vor, mit gefährlichen Energien nicht in Verbindung zu treten, doch wie sollte dies möglich sein, wenn der Mensch von chemischen und anderen mächtigen Einwirkungen umgeben ist? So bleibt nur zu studieren, wie die überirdischen Sendungen aufzunehmen sind. Jeder kennt bereits den Wert reiner Luft und trifft dafür im Alltag entsprechende Maßnahmen. Genauso muß man darüber nachdenken, welche verfeinerten Zustände des Organismus solchen Energien entsprechen.
     Wir haben hinreichend über das Imperil gesprochen, und jeder sollte verstehen, welch zerstörerische Kräfte er damit in sich selbst trägt. Das Herz kann keine feinstofflichen Energien aufnehmen, wenn es von zerstörerischen Pfeilen verletzt ist. Ebensowenig ist der Mensch fähig, sich die überirdischen Gaben anzueignen, wenn in ihm bereits ein Krankheitskeim nistet; deshalb haben Wir von rechtzeitiger Prophylaxe gesprochen. Wahrlich, jeder kann bei entsprechendem Wohlwollen die überirdischen Energien in sich aufnehmen.
     Der Denker sprach: "Ein Arzt kann sich kein besseres Heilmittel ausdenken als Wohlwollen."

     696. Urusvati weiß, daß auch Wir bei einer Berührungsaufnahme mit besonders starken Energieströmen eine angespannte Harmonie wahren. Außer der Tatsache, daß Wir ein inneres Streben hegen, lassen Wir Uns in einer bestimmten Sitzordnung nieder. Unser Kreis ist in sehr weitgehender Harmonie gestaltet, und Wir

[Russisches Original. Seite 627.]


wechseln die gewohnten Plätze nicht. Jeder hat vor sich auf einem kleinen Tisch einen Handapparat stehen, der einer Verdichtung von Strömen dient. Dieser kann auch als Megaphon dienen, wenn die atmosphärischen Bedingungen ungünstig sein sollten.
     Wir achten ebenfalls darauf, daß Unsere Mitarbeiter in solchen Momenten keine Sendungen einbringen, wenn Wir mächtigen Energien zustreben. Die Bedingungen müssen sehr genau beachtet werden, da jede Strömung sich zerstörerisch auswirken kann. Dies darf man nicht als Zeichen Unserer Schwäche ansehen, sondern als Merkmal besonderer Stärke der Ströme. Daher sprechen Wir wiederholt von der Bedeutung der Harmonie, die nur über einen langen Zeitraum hinweg geschaffen, jedoch augenblicklich zerstört werden kann.
     Viele werden an dem Gesagten zweifeln, da sie selbst die Harmonie gestört haben, ohne daß sie danach irgendwelche Folgen wahrgenommen hätten. Diese Auffassung ähnelt der eines Verbrechers, der glaubt, die Folge seines Tuns gehe an ihm vorüber; doch er vergißt, daß jede Ursache ihre Folge hat, wobei dieses Gesetz sich nicht nach irdischen Erwägungen vollzieht.
     So können auch innere Schwankungen nicht leicht erkennbar sein. Wir können bestätigen, daß Unser oben beschriebener Verkehr keine Risse aufweist, da Wir ihn mit selbstaufopferndem Bemühen absichern. Man darf diese harmonischen Zusammenkünfte auch nicht für Zauberei halten. Wir versammeln Uns wegen unaufschiebbarer Taten für das Gemeinwohl.
     Der Denker sprach: "Sogar ein Fehltritt wird vergeben, wenn er um des Gemeinwohles begangen wird."

     697. Urusvati weiß, wie schädlich die willkürliche Begrenzung von Begriffen ist. So sprechen die Menschen von Menschlichkeit und verstehen darunter nur Barmherzigkeit und Mitleid, doch ist Menschlichkeit die Bekundung aller Qualitäten eines würdigen Mikrokosmos.
     Der Mensch kann nicht ohne eine Vorstellung von der Überirdischen Welt leben, sei sie auch von eigentümlicher Art. Hierzu läßt sich an ein Gleichnis erinnern, das von einem Menschen handelt, der die Überirdische Welt nicht anerkannte.
     Ein gewisser aufgeblasener Dummkopf behauptete, sein Leben stehe allein zur Erde in Beziehung. Ein Rishi sagte zu ihm: "Kannst du behaupten, daß dir außer der Erde nichts Überirdisches notwendig sei?" Der Dummkopf bestand hartnäckig darauf, so daß der Rishi

[Russisches Original. Seite 628.]


eine Probe durchführte:
     "Lege dein Gesicht ganz dicht auf die Erde und sage mir dann, wie lange du allein an der Erde Genüge hast." Der Dummkopf fuhr wütend auf und fragte: "Willst du mich etwa ersticken lassen?" Doch der Rishi lächelte und sprach: "Es ist also offenkundig, daß du ohne das Überirdische nicht einmal kurze Zeit leben kannst." So wurde in wenigen Worten die Gegenwart der Überirdischen Welt bestätigt.
     Überdies erinnern die Erzählungen des Ostens an die Lebensnotwendigkeit des Schlafes. Selbst der machtvollste Regent könne ohne Schlaf nicht auskommen.
     So muß Menschlichkeit auch in der Lage sein zu erkennen, wenn sich etwas Bedeutsames vollzieht. Gewöhnlich erkennen die Menschen eine wichtige, entscheidende Stunde nicht. Sie trennen willkürlich die Folgen von der Ursache, die sie ganz vergessen. Es ist daher unmöglich, von Fristen zu sprechen, da die Menschen die Entstehung von Ereignissen nicht verstehen.
     Selbst nachdenkliche Menschen lassen mitunter unnütze Begrenzungen von Begriffen zu. Sie sagen: "Meine psychische Energie und besonders meine uranfängliche Energie kann niemand in Besitz nehmen. Sie schwingt und verändert sich ständig im kosmischen Sinne. Wenn sie verausgabt ist, erneuert sie sich nicht von innen wieder, sondern von außen."
     Das Geisteskorn ist mit strahlender psychischer Energie umkleidet. Dieses Gewand kann ärmlich oder herrlich schön sein, doch weniger noch als alles andere ist sie Eigentum des Menschen. Er ist in großzügiger Weise mit ihr begabt, da der Mikrokosmos einen Verdichter psychischer Energie darstellt. Doch ist es unerlaubt, ein Geschenk, das zur Erkenntnis des Überirdischen verliehen wurde, sein Eigentum zu nennen.
     Ebenso falsch verstehen die Menschen den hohen Begriff der Gerechtigkeit. Meist erkennen sie die Gerechtigkeit als einen bedingten Richterspruch, doch ist der Mensch zu glaubwürdiger Erkenntnis aufgerufen und muß sein Herz zur Wahrheit wenden. Die Überirdische Welt kann das Bewußtsein erweitern. Wie eine Rute unterirdische Gewässer und Mineralien anzeigen kann, so kann das Zepter des Geistes die Wahrheit zeigen.
     Viele Eigenschaften dürfen nicht in bedingten Begrenzungen verstanden werden, sondern von ihrem inneren Wesen her. Der einfache Ausdruck "vom Wesen her" wird aber selten von den Menschen verstanden. Der Erkenntnisprozeß bedarf eines bedeutenden Maßes an Synthese, und dafür wiederum muß man vor allem die Bedeutung der Überirdischen Welt anerkennen.
     Der Denker lehrte Seine Schüler, die Einwirkungen des Überirdischen auf alle Lebenserscheinungen aufmerksam zu beachten. Gerade das Überirdische sei nicht nur eine Sphäre, sondern auch ein Bewußtseinszustand.

[Russisches Original. Seite 629.]


     698. Urusvati weiß, daß Unser Buch, ebenso wie Meine Fürsorge um euch, unerschöpflich ist. Doch kann jegliche Fürsorge nur dann Früchte tragen, wenn sie auf Zusammenarbeit trifft. Wie wunderbar wächst Zusammenarbeit bei ungeteilter Bestrebung! Wenn die Energien einander begegnen, erzeugen sie fruchtbringende Gedanken. Diese Funken sind wie Meilensteine des Erfolges; jegliche Arbeit gründet auf solche Feuer. Erneut bestätigen Wir die Bedeutung der Arbeit.
     Besonders traurig ist, wenn Menschen von vergeblich geleisteter Arbeitsmühe sprechen, da keine Arbeit verlorengeht und ohne Ernte bleibt. Bestimmt jedoch die Frist solcher Ernte nicht im vorhinein, denn um Ernte zu erbringen, muß ein Korn in der Erde ruhen.
     Möge die Erkenntnisarbeit hoch geschätzt werden, denn jede Erkenntnis dient der Erweiterung des Bewußtseins. Es ist ein Fehler zu meinen, nur geistige, philosophische Arbeit zeitige ein Wachstum des Bewußtseins. Denkt daran, daß jede Erkenntnisarbeit eine Bewegung darstellt, und in dieser erweitert sich das Bewußtsein.
     Der Kosmos entfaltet sich, so auch das Bewußtsein des Mikrokosmos. Wahrlich, man kann sagen: "Auf jedem beliebigen Weg zum Überirdischen werde Ich dir begegnen." Es läßt sich nicht erahnen, wer von den sich Nähernden andere bei ihrer Erkenntnissuche überholt. Wir werden für jeden ein Wort der Ermutigung finden; wenn er es abweist, um so schlimmer für ihn.
     Heuchler und Hinterlistige nehmen immer mehr zu, da sie keine Vorstellung vom Überirdischen besitzen. Sie verstehen nicht, daß sie in ihrer Lüge vor allem sich selbst betrügen. Man muß sich der Physiologie zuwenden, um der sogenannten Tugend eine wissenschaftliche Begründung zu verschaffen. Das Volk darf nicht mit Abstraktheiten in Unwissenheit gehalten werden. Eine Epoche tritt ein, da selbst die höchsten Begriffe wissenschaftlich begründet werden müssen.
     Man darf nicht befürchten, daß geisteswissenschaftliche Begriffe durch eine Berührung mit allen anderen Wissenschaftsbereichen leiden würden. Im Gegenteil, es läßt sich nur eine weiterführende Bewußtseinserweiterung voraussehen. Man kann es nur begrüßen, wenn Gelehrte die Grundlagen der Ethik vom Standpunkt der Physiologie und übriger Wissenschaften erforschen, die die Funktion des Mikrokosmos darlegen. Auf solche Weise wird der Mensch endlich über die wahren Grundlagen des Staates nachdenken.
     Vergessen wir nicht, daß schon im fernen Altertum Stimmen ertönten, die dazu aufriefen, das Leben nach Gemeinschaftsprinzipien zu ordnen. Natürlich erhob sich die Unwissenheit gegen jeden Versuch einer Erneuerung des Bewußtseins.
     Nun läßt sich feststellen, daß die Völker zu einer bedeutenden Umgestaltung der Welt gelangen. Viele Dinge werden mit neuen Worten beschrieben, doch ist ihr Wesen dasselbe geblieben. So eilt die Umgestaltung der Welt voran. Sie hätte sich unblutig vollziehen

[Russisches Original. Seite 630.]


können, doch hat das Bewußtsein der Völker die Menschlichkeit noch nicht angenommen.
     Der Denker sprach: "Da ein Volk aus Gemeinschaftswesen besteht, muß es über den Aufbau eines guten Staates nachdenken." Es ist wahrlich schön zu sehen, wie der Denker von einem Staat träumte, der auf den besten Prinzipien gründet.

     699. Urusvati weiß, wie notwendig es ist, dem Volk Kenntnisse über die Errungenschaften der Wissenschaft, der Kunst und der gesamten Kultur zu vermitteln. Die Regierungen sollten Publikationen herausgeben, die nicht allzu umfangreich sind, aber auch in das entlegenste Dorf gelangen. In ihnen muß auch von Helden und Führern des Volkes, von Volksheilkunde, Beobachtungen und Erzählungen des Volkes berichtet werden. Ein solcher "Freund des Volkes" sollte monatlich erscheinen und wird allen Generationen Freude bringen.
     Wir haben oftmals auf die Freude an der Arbeit hingewiesen, doch muß sie noch durch einen gesunden Wettbewerb verstärkt werden. Gerade ein solcher "Freund des Volkes" wird berichten können, wo und wie Findigkeit im Volke arbeitet. Bis in die entlegensten Regionen eines Landes verstreute Autodidakten werden so eine lebendige Verbindung mit Handwerksgefährten haben. Jeder Handwerker wird verstehen, daß er ein Meister seines Faches werden und sich unbegrenzt vervollkommnen kann. Ihr wißt, wie oft Autodidakten nützliche Verbesserungen zutage bringen.
     In Standfestigkeit und Freude kann sich unbegrenzte Zusammenarbeit ergeben. Doch muß die Standfestigkeit auf ein weises Gleichgewicht gegründet sein. Dieses wird in Erscheinung treten, wenn die irdische Arbeit durch klare Erkenntnis des Überirdischen einen Aufschwung erfährt. So schlagen Wir vor, daß die irdischen Forschungen mit der Erkenntnis des Überirdischen verbunden werden. Zur Zeit stehen diese Bereiche einander noch konträr gegenüber, doch müssen sie in freundschaftlicher Zusammenarbeit miteinander verbunden werden. Der Begriff der Zusammenarbeit wird oft entstellt. Die Menschen bilden sich ein, bereits Zusammenarbeit zu pflegen, wenn sie sich unter einem Dach befinden oder körperlich an einer gemeinsamen Angelegenheit teilnehmen, doch lassen sie die Hauptbedingung, nämlich die Harmonie der psychischen Energie, ihrer Aufmerksamkeit entgehen. Gesunde Zusammenarbeit eröffnet jedoch jedem Beteiligten Möglichkeiten des Fortschrittes und der Vervollkommnung .
     Ihr werdet Einwänden gegen einen "Freund des Volkes" begegnen. Die einen werden sagen, daß eine zusammenfassende Publikation nicht wissenschaftlich sei, andere werden hervorheben, das Volk verstehe keine wissenschaftlichen Ausdrücke. Doch viele werden auch sagen, daß solche Einwände überholt seien. Synthese

[Russisches Original. Seite 631.]


ist immer nützlich. Die höchsten wissenschaftlichen Gedankengänge können in leichtverständliche Form gefaßt werden. Überhaupt müssen Gelehrte ausgezeichnet werden, die sich in leichtverständlicher Sprache äußern können.
     Der Denker sprach: "Mitbürger, seid Sammler, doch ohne Eigentümer des Gesammelten zu werden." Niemand verstand diesen Rat, und man hielt ihn für einen Widerspruch in sich selbst.

     700. Urusvati weiß, daß jeder Aufruf zu einer Erneuerung des Lebens die Hinwendung zur Frau und zur jungen Generation miteinschließen muß. Einige meinen, diese Bewegungen stünden bereits fest und entwickelten sich erfolgreich, doch in der Tat befinden sich die Lage der Frau und die Erziehung der jungen Generation in einem unbefriedigenden Zustand. Nur eine kleine Zahl von Frauen bezieht das Prinzip der Gleichberechtigung auf sich selbst, und in den meisten Schulen werden die Grundlagen eines gesunden Lebens nicht unterrichtet. Die Evolution kann jedoch nicht erfolgreich verlaufen, wenn zwei ihrer wichtigsten Grundlagen keine Anwendung finden. Man darf nicht glauben, die Evolution verlaufe unter beliebigen Bedingungen. Sie wird verzögert, und kostbare Energie wird ungenutzt verfließen.
     Die Welt erschaudert bereits vor den entsetzlichen Erscheinungen des Harmagedon, und dennoch wird das Leben noch mißgestalteter und widernatürlicher. Die Menschen nehmen an, sie arbeiteten für irgendwelche höheren Ideen, doch beweist ihr Tun das Gegenteil. Man kann im heutigen Leben genau dieselben, noch nicht verheilten Wunden wiederfinden, welche die Menschheit bereits vor Tausenden von Jahren belastet haben. Dies darf keinesfalls mit unerträglichen Daseinsbedingungen gerechtfertigt werden, wenn sich nicht jeder einzelne Mensch selbst bemüht, in sein Alltagsleben Vervollkommnung, wenn auch erst teilweise, einzubringen. Kleine Gruppen mögen ihre nützlichen Erfolge aufzählen, doch hier haben Wir keine Ausnahmen, sondern die Masse der Menschheit im Sinne. Indessen sind es gerade die Massen, die die Evolution bewegen werden.
     Der Denker sprach: "Weise Männer, eure Mühen werden vergeblich sein, wenn die Frau euch nicht die Hand entgegenstreckt und ihr gemeinsam ein Geschlecht von Helden aufzieht."

     701. Urusvati weiß, wie leichtfertig die Menschen Bereitschaft auslegen. Man könnte meinen, es existiere eine Vielzahl von Helden, bereit zu selbstaufopfernder Heldentat.

[Russisches Original. Seite 632.]


Tatsächlich jedoch kann die Bereitschaft flammend oder kühl sein. Menschen mit kühler Bereitschaft betrügen nicht nur ihre Umgebung, sondern auch sich selbst. Sie merken es nicht, welche Lüge sie ständig aussprechen und dabei ihre eigene Situation nur verschlimmern. Wahrlich, besser ist der Zustand desjenigen, der offen seine Nichtbereitschaft bekennt, denn er kann sich wenigstens vervollkommnen. Doch der Hinterlistige und der Prahler verschließen sich den Weg des Fortschritts selbst. So müssen Wir an die Eigenschaft der Bereitschaft erinnern, nur sie verleiht den Mut zur Überwindung.
     Viele sprechen von ihrer Bereitschaft, mit Uns zusammenzuarbeiten, doch bei der kleinsten Schwierigkeit weichen sie ängstlich zurück. Einer der Hauptgründe dafür liegt darin, daß sie den Sinn des Lebens nicht verstehen. Sie denken nicht über die überirdische Unbegrenztheit nach, sondern ketten sich an ein irdisches Trugbild. Wie ein Pferd in einer Umzäunung langsamer läuft, so büßen die im Irdischen Gefangenen die Fähigkeit zu echtem Voranschreiten ein. Wenn Ich von der Bereitschaft spreche, erinnere Ich gleichzeitig auch an das Voranschreiten. Man muß zur Heldentat bereit sein. Man muß es lernen, über Heldentat nachzudenken, bevor sie dann im Irdischen manifestiert wird. Man muß sich bereits gedanklich vervollkommnen und dabei die Heldentat mit einer solchen Unerschütterlichkeit durchdenken, daß ihre Ausführung im Leben bereits unvermeidlich wird. Nur so wird lebendige Zusammenarbeit geschaffen, über die schon so viele Worte gesagt worden sind.
     Der Denker sprach: "Meint ihr nicht, daß kühle Bereitschaft einem Tropfen Nektar gleicht, der in einem ganzen Meer aufgelöst wurde?"

     702. Urusvati weiß, wie sehr die Menschheit von den Gespenstern der Widersprüche gequält wird. Der Mensch selbst hat diese Phantome entwickelt und vertieft. Sogar der grundlegende Begriff der uranfänglichen Energie ist von Überlegungen umgeben, die sich wenig vereinbaren lassen. So sagen Wir, die Energie sei unerschöpflich und sprechen gleichzeitig davon, in jeder Hinsicht behutsam mit ihr umzugehen. Doch der Mensch schreit bereits von Widerspruch. Jeder fürsorgliche Hausherr aber weiß, daß alles Wertvolle gehütet werden muß. So sprechen Wir auch von der Beständigkeit der Energie, und die Menschen klagen gerade über ihre Unbeständigkeit. Ihr Wesen liegt jedoch nicht in einer Unbeständigkeit, sondern in ihrer Mannigfaltigkeit. Genauso suchen die Menschen

[Russisches Original. Seite 633.]


irdische Fristen und Eigenschaften anzusetzen, vergessen dabei jedoch, daß das Leben der Feinstofflichen Welt nicht nach dem irdischen Kalender verläuft.
     Nicht ohne Grund wurde im Altertum gefordert, daß man Widersprüche verarbeiten müsse. Ein Schüler, der in Widersprüchen steckenblieb, hielt sich lange hinter dieser Schwelle zurück. Er vermochte nicht nur nicht über das Überirdische nachzudenken, sondern verlor sogar seinen irdischen Weg. Verstand er die Bedeutung der Zweckmäßigkeit und Zielgerichtetheit, konnte er die Lösung finden, doch wenn er sich in den Widersprüchen verirrte, ging ihm sogar der Sinn für die Zweckmäßigkeit verloren.
     Der Denker sprach: "Wenn alles Gelesene uns an Zweckmäßigkeit erinnern könnte, so würden wir den Drachen der Widersprüche vertreiben."

     703. Urusvati weiß, daß zum Nachdenken über das Überirdische Feierlichkeit notwendig ist, doch entflammt sie nur aus Vorstellungen über das Überirdische. Die Verurteiler werden sagen: "Schon wieder ein Widerspruch!" verstehen jedoch nicht, daß bei feuriger Bestrebung vieles nahezu augenblicklich in Erscheinung tritt und dabei sogar die Lichtgeschwindigkeit übertrifft. Wahrlich, Entflammtheit ist ein Born sämtlicher Möglichkeiten.
     Ebensowenig möchten die Menschen verstehen, daß sich etwas in der Feinstofflichen Welt vollziehen kann, bevor es im Irdischen Verwirklichung findet. Urusvati weiß, daß eine solche Abweichung zwischen der feinstofflichen und der grobstofflichen Welt recht bedeutend sein kann. Diese Divergenz kann in bezug auf eine Handlung in fernerer Zukunft normal sein, doch können auch Begleitumstände zur Auswirkung kommen, die gewaltsam in einen Prozeß eindringen und die Reihenfolge der Ereignisse ändern. Ein brausendes Meer ist das beste Beispiel für die komplexen Rhythmen der verschiedenen Welten.
     Die Menschen sind unfähig, eine Vorstellung von der Feinstofflichen Welt im Leben umzusetzen, womit sie jedoch die Evolution behindern. Es ist schwierig, einem irdischen Bewußtsein zu zeigen, in welch weitem Maße die Feinstoffliche Welt die Ereignisse der grobstofflichen Welt einleitet. Ganze Jahrzehnte können zwischen einem Ereignis in der Feinstofflichen und demselben in der grobstofflichen Welt liegen, und dennoch hat sich das Ereignis bereits vollzogen und ist unabänderlich geworden.
     Man könnte erstaunt sein, weshalb manche Ereignisse geradezu wie Leuchttürme auf gute Folgen hinweisen. Vergessen wir jedoch nicht, daß die Aufschichtung von Ereignissen überaus komplex verläuft. Sie ist einer einfachen Vorstellungsweise nicht zugänglich, und wer will entscheiden,

[Russisches Original. Seite 634.]


welches Ereignis das bedeutsamste ist? Wo sind die Ursachen und wo die Folgen? Man muß sich im Nachdenken über das Überirdische üben.
     Der Denker sprach: "Das Auge hat nichts gesehen, das Ohr nichts gehört, doch das Herz weiß, daß sich etwas vollzogen hat.

     704. Urusvati weiß, daß Begeisterung, von den Menschen auch Enthusiasmus genannt, bewußt aufrechterhalten werden muß. Doch auch Geduld, Aufnahmevermögen und die ganze große Duldsamkeit ergeben sich nur bewußt. Es ist falsch anzunehmen, die Gaben der Vervollkommnung kämen von außen - der flammende Herd lebt in der Tiefe des Bewußtseins. Der Mensch muß ihn erkennen, liebevoll hüten und seine Kräfte herbeirufen, dann kann auch von außen Hilfe hinzukommen.
     Selbst ein einfacher Mechaniker versteht die Grundlagen der Anwendung von Energie, um so mehr muß der Denkende lernen, seine Qualitäten anzuwenden. So sprechen Wir vom Überirdischen, das den Eigenschaften der menschlichen Natur entspringt. Wendet in den Gesprächen über die Vervollkommnung des Lebens die alltäglichsten Vergleiche an. Das Volk kann der beste Zuhörer sein, wenn man in einfachen Worten zu ihm redet. Das einfache Wort ist eine hohe Gabe.
     Der Denker sprach: "Findet das einfachste Wort über das Große. Die Liebe schreitet allein durch das Tor der Einfachheit herein."

     705. Urusvati weiß, wie behutsam man die psychische Energie verwenden muß. Sogar sehr erfahrene Tatmenschen wurden schuldig, indem sie die psychische Energie in übermäßiger und gar in gewissem Sinne verbrecherischer Weise verausgabten. Man darf sich nicht wundern, daß die unerschöpfliche psychische Energie einer sehr behutsamen Einstellung ihr gegenüber bedarf. Man muß verstehen, daß die Unerschöpflichkeit der räumlichen Energie mit den Energien des Menschen in Übereinstimmung gebracht werden muß. Einmal verausgabt, kann sie nicht so bald mit der Höchsten Lenkung vereint werden. So muß man bei jedem Prozeß an Angemessenheit und Zweckmäßigkeit denken. Gewöhnlich suchen die Menschen diese Begriffe als abstrakt zu bezeichnen, wobei sie vergessen, daß es im Weltall nichts Abstraktes geben kann. Mögen die Menschen daran denken, daß sie nicht nur in ständiger Gefahr leben, sondern auch ihre Teilnahme am Überirdischen nichts Abstraktes ist. Solch einfacher Erinnerungen bedarf es nicht nur auf

[Russisches Original. Seite 635.]


den ersten Stufen, sondern ständig.
     Der Denker riet an, sich nicht frei von Gefahren zu sehen, denn jeder, der sich auf den Lehrer verlasse, höre bereits auf, ein wahrer Mitarbeiter zu sein. "Schönheit lebt in bewußter Zusammenarbeit."

     706. Urusvati geht zu Recht davon aus, daß Wissen der Vorhof zur Arbeit ist. Die Qualität der Arbeit wird durch Wissen entwickelt. Ohne Wissen ist hohe Qualität nicht möglich. Jede Arbeit setzt vorheriges Wissen voraus. Solches Wissen kommt nicht nur von außen, sondern taucht auch von innen heraus auf.
     Im Menschen ist viel inneres Wissen vorhanden. Das eine ist leicht zu erkennen, das andere erfordert bereits schwierige Konzentration, um zum Bewußtsein zu gelangen. Scharfsinnige Konzentration muß an sämtlichen Lebenserscheinungen entwickelt werden, weshalb man sich nur zeitweise vom irdischen Leben entfernen darf.
     Geist ist eine bestimmte Eigenschaft der Materie. Daher wiederholen Wir - entfernt euch nicht vom irdischen Leben, auch in ihm könnt ihr geistige Freude finden, und Freude ist für überirdische Empfindungen notwendig. Besonders sorgen muß man für die Arbeitenden, damit ein rechter Arbeitsrhythmus in ihnen Freude des Herzens erzeugt. Der kleinste Arbeiter kann ein großes Gefäß der Freude sein, wenn er überirdische Schwingungen berührt. Klagt nicht, wenn einfache Begriffe wiederholt werden müssen. Viele Herzen warten auf einfache Worte. Sie möchten sich an einem Herzensfeuer erwärmen - so werden sie sich zum Überirdischen emporschwingen.
     Der Denker lehrte: "Beobachtet den Lauf der Gestirne. Alles Irdische strebt zum Überirdischen."

     707. Urusvati erhebt sich zu Recht gegen Vorurteile und Begrenzungen des Wissens. Die Menschen lieben es besonders, von der Freiheit der Wissenschaft zu reden, bemühen sich aber gleichzeitig, wissenschaftliche Zusammenarbeit zu unterbinden. Man muß unbedingt an die so hohe Bedeutung der Synthese erinnern, da die Menschen diese überhaupt nicht verstehen möchten.
     In den Schulen muß wiederholt werden, wie weitgehend sämtliche Wissenschaftsbereiche miteinander verbunden sind. Man muß vor Vorurteilen warnen, da selbst Gelehrte

[Russisches Original. Seite 636.]


an dieser widerwärtigen Krankheit leiden.
     Man darf nicht vergessen, daß Vorurteile das gefährlichste Hindernis zum Verstehen des Überirdischen sind. Doch es tritt die Stunde ein und ist bereits eingetreten, da die Erkenntnis des Überirdischen eine überaus reale Wissenschaft darstellt, dazu führen die Ereignisse des Harmagedon die Menschen bereits.
     Die Menschen sind nicht so dumm, um über viele auffallende Erscheinungen, die das heutige Leben erfüllen, nicht nachzudenken. Nicht zufällig vollzieht sich eine Verbindung psychischer und physischer Bedingungen; nie hat es eine solche Wirrnis in der Natur gegeben. Wahrlich, der Mensch ist König der Natur, denn er vermag Erschütterungen hervorzurufen, und sein Gedanke ist ein feuriger Pfeil. Daher beobachtet die Folgen des menschlichen Denkens. Erinnert euch, daß ein Gebet über Zerstörung keine Eigenschaft wahren Wissens zeigt.
     Der Denker sprach: "Das Symbol des Wissens ist die Unbegrenztheit."

     708. Urusvati weiß von dem Wert freiwilliger Heldentat. Jede Lehre stellt ein Geleitwort dar, nicht jedoch Zwang. Man muß daran denken, daß bereits der geringste Zwang für die Evolution nicht nützlich ist.
     Man könnte fragen: "Welche Beziehung hat denn der Begriff der Heldentat zum Überirdischen?" Doch ohne Heldentat wird es kein Voranschreiten geben. Man muß sich ein Verständnis des Überirdischen als eine nützliche Realität aneignen. Es ist zu wenig, das Überirdische nur zu unterstellen, es aber nicht in das Leben eines jeden Tages einzuführen. So muß man dafür Sorge tragen, daß die junge Generation von frühen Jahren an über das Überirdische nachdenkt.
     Mögen solche Gedanken bei der Betrachtung der Gestirne oder auf der Grundlage der Philosophie gedeihen. Es gibt viele Wege zu den überirdischen Höhen. Doch muß inmitten der Arbeit und der Schwierigkeiten unverrückbar der Leuchtturm der Höheren Welt stehen.
     Es ist nicht leicht zu erwarten, daß die von den Geschehnissen des Harmagedon ergriffenen Menschen verstehen, wie dringlich es ist, über das Überirdische nachzudenken, doch kann jeder in seinem Rahmen nützliches Wissen aussäen. Möge es vielgestaltig sein. Möge jedes Volk das Wissen in seiner Lieblingsfarbe zum Ausdruck bringen. Und schließlich, möge man sich an Aufnahmefähigkeit und Geduld erinnern. Möge man liebevoll über das gemeinsame menschliche Schicksal nachdenken und diesen Gedanken nicht vertreiben. Nur dieses gemeinsame Schicksal verhilft, über den Fortschritt der Menschheit nachzudenken.

[Russisches Original. Seite 637.]


     Der Denker lehrte: "Ich habe meinen Weg freiwillig gewählt, und nichts wird mich von der Erkenntnis des Überirdischen abhalten."

     709. Urusvati weiß, was segensreiche Beständigkeit ist. Das Herz schlägt beständig. Jede Stockung ist bereits eine unnatürliche, krankhafte Erscheinung. So ist auch die Unterbrechung des Strebens zum Überirdischen ein unnatürlicher Zustand. Man wird sagen: "Aber die meisten Menschen denken doch überhaupt nicht an das Überirdische!" Darauf läßt sich antworten, daß der psychische Zustand der meisten Menschen ja auch nicht natürlich ist.
     Desgleichen muß man lebendige von toter Ruhe unterscheiden. Nicht selten wandelt sich eine sogenannte Bestrebung in eine tote Gewohnheit, und solche Beständigkeit ist nicht segensreich. Jeder vernünftige Aufbau muß auf Zweckmäßigkeit gründen. Allein in solchem lebendigen Verstehen findet man Bestätigung und kann vorankommen. Erneut muß daran erinnert werden, wieviele scheinbare Widersprüche miteinander vereint werden müssen.
     Wir haben bereits mehrfach davon gesprochen, daß die Erkenntnis des Überirdischen in jedem menschlichen Zustand vertieft werden kann. Nicht nur ruhige Betrachtung, sondern auch heftige Schlachten können die notwendigen Impulse zum Voranschreiten geben. Dasselbe läßt sich über sämtliche äußeren Bedingungen sagen. Bei allem ist es für die Menschen notwendig, sich segensreiche Beständigkeit anzueignen. Man muß diesen Ausdruck so einfach wie möglich verstehen. Segen ist der Empfang überirdischer Energie. Sie wird jedem zuteil werden, der sich ihr zuzuwenden wünscht. Dabei entwickelt sich auch die Entsprechung, die es erlaubt zu unterscheiden, wo das Wichtigste und Unaufschiebbare liegt.
     Der Denker riet: "Nehmt den Befehl des Herzens an, doch erinnert euch vor allem, wo das Herz sitzt und wodurch es lebt."

     710. Urusvati weiß verschiedene Schichten des Denkens zu unterscheiden. Gewöhnlich wird angenommen, die äußere Schicht sei die vollkommenste, da sie sich leichter in Worten ausdrücken läßt, doch das ist unrichtig. Weitaus bedeutsamer ist die tiefe Schicht des Denkens, die in Gefühlen zum Ausdruck kommt. Sie beherrscht den Menschen in viel stärkerem Maße; aus ihr erwachsen die Handlungen, die auf das Karma einwirken. Ein feinfühliges, hochstehendes Bewußtsein vermag dem tiefliegenden Denken zuzuhören, bedarf dazu keiner wörtlichen Ausformungen und weiß, daß in der Esse der Stille der Aufstieg geschmiedet wird.

[Russisches Original. Seite 638.]


     Konzentration ist der Begleiter wahren Verstehens. Geduldig und zartfühlend wird dieser stetige Gefährte herbeigerufen. Zufällige äußere Ströme können das Auftauchen des tiefliegenden Denkens unterbinden. Ihr habt festgestellt, daß das Denken der Massen primitiv ist, doch nicht deshalb, weil die Masse aus Dummköpfen besteht, sondern weil zufällige äußere, sich kreuzende Ströme und unterschiedliche Rhythmen die höchsten Ausdrucksformen niederschlagen.
     Die Masse wird sich über das Überirdische nicht äußern. Die besten Worte werden unter einem Berg von Worten begraben. Selten, sehr selten ist das Denken der Masse aktiv. In der Geschichte der Menschheit gibt es nahezu keinen Hinweis auf Entdeckungen durch die Masse. Die Masse schreit ja oder nein, äußert jedoch keine höheren Begriffe. Seid daher nicht betrübt, wenn die Masse nichts vom Überirdischen hören will. Einzelne Denkende vereinigen sich zu besonderen Strömen, und ihr mächtiger Chemismus löst Felsen auf.
     Der Denker sprach: "Lehre mich, der Stimme der Stille zuzuhören."

     711. Urusvati weiß von der Kraft des Glaubens, doch noch kraftvoller ist das Gefühlswissen. Im Glauben ist eine Annahme enthalten, doch Gefühlswissen stellt unzweifelhafte Bestätigung dar. Es ist unzureichend, nur von einer Annahme auszugehen, auch wenn in vollem Vertrauen; die Bestätigung muß die Kraft eines Befehles haben; erst dann ist man fähig, den Weg zum Überirdischen zu finden. Laßt uns nicht glauben, jeder Gedanke über das Überirdische sei bereits fruchtbringend. Es gibt viele Eintagsfliegen, die im Weltall keine Spuren hinterlassen. Wird man nicht im Denken umherirren, solange das Bewußtsein keine Bestätigung gab, wo und wie das Wissen über das überirdische Leben zu suchen sei? Wir haben viel über die Realität der Überirdischen Welt gesprochen, doch liebt es der Mensch, das Überirdische vom Irdischen abzugrenzen, worin ein großer Schaden liegt, da allem voran die eine Energie verstanden werden muß, die in allem lebt.
     Möge in den Schulen aufgezeigt werden, in welch weitreichendem Maße der Mensch in drei Welten lebt. Wie leicht verstehen die Kinder die Beweglichkeit des Menschen. Und wie wird die Schönheit der Welt zunehmen, wenn man erkennt, daß der Mensch Ausgangspunkt jeglicher Fortentwicklung ist! Es ist bereits viel über die Fülle im Raum gesprochen worden. Jeder Physiker und jeder Chemiker wird, wenn auch erst auf einfacher Stufe, diese Gesetze bestätigen. Mögen sie auch erst nur von der Materie sprechen, ganz gleich, von welcher Schicht sie dabei ausgehen.

[Russisches Original. Seite 639.]


Die Unbegrenztheit jedoch wird dazu führen, daß die Ansichten erweitert werden.
     Der Denker lehnte nichts ab, wenn es den Keim der Erweiterung des Denkens in sich trug.

     712. Urusvati weiß, was natürliche Anwendung der psychischen Energie bedeutet. Kosmische Erscheinungen sind rhythmisch, ebenso auch alle psychokosmischen Erscheinungen. Man kann unmöglich heute ein Zwerg und morgen schon ein Riese sein. Viele Anspannungen gehen voraus, bevor sich ein natürlicher Evolutionsprozeß vollzieht. Oftmals haben Menschen eine bedeutende Höherentwicklung erreicht, und statt die Vervollkommnung beständig weiterzuführen, verfallen sie in die Routine eines einförmigen Alltagslebens. Man muß jedoch den Wert schrittweiser Vervollkommnung verstehen; sie zeitigt wahre Errungenschaften.
     Selbst kluge Forscher beachten nicht immer, daß Experimente ununterbrochen fortlaufen müssen. Sie fürchten, die Kürze des Lebens erlaube es ihnen nicht, das Begonnene zu vollenden. Würden sie jedoch die Tatsache der Fortdauer der Lebenskette und die Wahrung des Bewußtseins annehmen, so verhielten sie sich gegenüber ihren eigenen Aufgaben anders.
     Man muß daran denken, daß Ewigkeit nicht kurz oder lang sein kann; sie bedarf anderer Bezeichnungen, sie bedarf einer überirdischen Sprache. Allein im Gefühlswissen kann man den Begriff der Ewigkeit schweigend zum Ausdruck bringen. Der Mensch muß auf einem unendlichen Weg gehen, ohne über die Kürze der irdischen Existenzen nachzudenken. Er kann diese Existenzen miteinander verbinden. Er kann die irdischen Leben in einen Kranz geistiger Siege verwandeln. Um so mehr schätzen wir es, wenn hier auf der Erde die psychische Energie auf natürliche Weise, jeden Tag und unermüdlich angewandt werden kann - so geht die Schwester Urusvati voran.
     Der Denker riet: "Sammelt alle Kräfte, bevor ihr den höheren Weg betretet. Es darf keine Abweichungen geben, wenn der Mensch zum Überirdischen strebt."

     713. Urusvati weiß, daß nur wenige imstande sind, ihre Erfahrungen früherer Existenzen zu erkennen. Nicht selten beklagen sich die Menschen, über die vorangegangenen Leben keine Kenntnis zu erhalten. Aber wenn sie sie dann doch empfangen, werden sie traurig oder verfallen in Eigendünkel.

[Russisches Original. Seite 640.]


Selten besitzt ein Mensch so viel Urteilsvermögen, um zu einer rechten Auffassung über das Lehrreiche der Lebenswechsel zu gelangen. Selten erkennt er eine nützliche Aufwärtsentwicklung. Selten versteht er seine Fehler und die daraus entstandenen Folgen. Gewöhnlich sind Klagen über das Karmagesetz zu hören, da der Mensch in irdischen Ausmaßen darüber denkt. Doch das Karmagesetz ist von kosmischer Tragweite.
     Ein abgesondertes irdisches Leben ist in der Unbegrenztheit weniger als ein Senfkorn, doch wir müssen uns dem Überirdischen in der Weise zuwenden, daß wir an ihm teilhaben. Es ist kein Eigendünkel, sich für einen Bürger des Universums zu halten. Allein in solcher Auffassung kann man das Maß der Verantwortung verstehen, das mit der Teilnahme am großen Aufbau verbunden ist. Es fällt vielen schwer, sich selbst in der Eigenschaft eines Mitarbeiters vorzustellen, der am großen Aufbau teilnimmt. Die Menschen haben den Flug ihres Denkens durch die unterschiedlichsten Eingrenzungen unterbunden. Statt einer Befreiung des Denkens hat sich eine trübe Finsternis eingestellt.
     Bedauerlicherweise haben bei Millionen die irdischen Existenzen nicht ausgereicht, daß der Mensch sein Denken von der Knechtschaft befreite. Die Kunst des Denkens wird abgelehnt, und in den Schulen wird nirgends darauf hingewiesen. Wie aber soll man das Überirdische erkennen, wenn es überall Hindernisse und Verbote gibt? Man muß den Erkenntnisprozeß befreien, damit die Neue Welt geschaffen werden kann.
     Haltet den Gedanken über die Neue Welt nicht für unverwirklichbar; man muß sich allerdings als Teilnehmer an ihr empfinden. Es wird kein leerer Traum sein, zu einem erneuerten Leben zu streben, wenn das beste Schaffen der Völker in unaufhaltsam erfolgreichem Voranschreiten zusammenfließt.
     Der Denker sprach: "Lehrer, zeige mir auf, wie ich die Erfahrungen früherer Existenzen verstehen und anwenden kann."

     714. Urusvati weiß, daß Unduldsamkeit die Schwester der Unwissenheit ist. Weitgefaßte Duldsamkeit läßt Möglichkeiten zu, und daraus entsteht kühner Wagemut. Eifrigste Bestrebung erfordert neben Gefühlswissen auch, daß man in vernünftiger Weise Möglichkeiten zuläßt. Es ist unmöglich, die überirdische Welt ohne diese Grundlagen zu verstehen. Das Gefühlswissen kann dem Herzen zuflüstern, doch auch das Gehirn muß die Möglichkeit der Überirdischen Welt verstehen. Nicht nur einmal wurde gesagt, daß der Mensch ein Mitarbeiter der Schöpfung sei. Gerade dieses ist er. Jeder Gedanke schafft ein Bild. Dieses Werk wird unzerstörbar sein, und es ist an der Zeit, die Verantwortung für solche Werke zu erkennen.

[Russisches Original. Seite 641.]


     Viele leichtfertige und schädliche Gedankenkonstruktionen überlasten den Raum. Gewöhnlich glauben die Menschen nicht, daß ihre schwachen Gedanken im Raum Spuren hinterlassen könnten. Doch man muß sie daran erinnern, daß selbst ein vorübergehendes Gefühl bereits eine Hieroglyphe zeichnet, die nicht fortzuwischen ist.
     Nur wer den Sinn des Denkens voll erfaßt, kann lichten Wagemut in sich entwickeln. Glaubt nicht, dieses Wort habe etwas mit dreister Verwegenheit gemein. In letzterer ist Grobheit enthalten, doch höherer Wagemut ist immer gütig. Er eröffnet den Weg zu herrlichem Gedankenschaffen. Man muß jeden schönen Gedanken hüten. Möge er sich im Raum weiterentwickeln. Er wird ein wahres Geschenk für den Aufbau des Weltengebäudes sein. Doch mögen die Menschen beginnen, in natürlicher Weise über die Überirdische Welt nachzudenken und ihre Berührungen im Alltagsleben wahrzunehmen. Wir sprechen von einem Alltagsleben als einer ständigen Verbindung mit dem Überirdischen, als einem Leben, wo das Überirdische seine vollgültige Stellung einnimmt. Wer das Verstehen des Überirdischen einbüßt, macht sich selbst zu einer Quelle der Betrübnis.
     Der Denker sprach: "Nicht allein von außen erlangt man Erkenntnis über das Überirdische; es wird in unserem Inneren geboren. Möge das Zeichen kühnen Wagemutes im Herzen brennen."

     715. Urusvati weiß, daß selbst eine geringe Zufügung eines Fremdstoffes eine chemische Verbindung verändert. Ein Gift kann sich zu einer heilsamen Substanz umwandeln und umgekehrt. Dieses sehr einfache Beispiel muß man den Menschen vorführen, die den Gedanken nicht zulassen, daß die Gegenwart oder Abwesenheit eines einzigen Menschen sich auf große Ereignisse auszuwirken vermag.
     Die Unwissenden sagen: "Kann denn ein einziger Tatmensch auf den Verlauf der Verhältnisse Einfluß nehmen?" Die Unwissenden wollen nicht erkennen, daß Wir weniger die physische Anwesenheit eines Menschen als vielmehr seine psychische Einwirkung im Sinn haben. Es lassen sich viele Beispiele dafür anführen, daß eine einzige Person äußerst nützliche Entscheidungen herbeiführte. Ebenso läßt sich darauf verweisen, daß ganze Länder ihre Wohltäter vertrieben und damit einen überaus schweren Weg wählten.
     Es ist kein Märchen, daß die Aura gewisser Menschen von erschütternder Bedeutung ist. Sie kann eine äußerst giftige Verbindung in ein Heilmittel verwandeln, doch die Unwissenden lassen

[Russisches Original. Seite 642.]


eine solche wissenschaftliche Überlegung nicht zu. Sie ziehen es vor, den bittersten Kelch zu lehren, nur um keine vernünftige Überlegung zuzulassen. Es herrscht in der Welt um solcher Unwissenheit willen viel Unglück! Die Überirdische Welt kann solchen Unwissenden nicht erscheinen, die ihr eigenes Verderben vorziehen, nur um das Denken der Menschheit nicht zu befreien. Regenten haben viele der besten Aufschwünge des Denkens unterdrückt. Man darf die Evolution nicht derart martern! Die Überirdische Welt klopft im Bewußtsein an, doch muß die Unwissenheit groß sein, um einer natürlichen Erkenntnis derart zu widerstreben.
     Der Denker sprach: "Wer die Freiheit des Denkens vertreibt, bereitet sich einen entsetzlichen Weg."

     716. Urusvati weiß, wie gut man im fernen Altertum die Bedeutung der menschlichen Ausstrahlungen verstand. Oftmals vollzog man Heilungen durch Auflegen der Hände oder umgab einen Kranken mit Gesunden. Doch mit der Zeit unterließen die Menschen es nicht nur, diese heilsamen Eigenschaften weiterzuentwickeln, sondern vergaßen sie sogar.
     Als der Mesmerismus an solche Einflußnahmen erinnerte, hielten die Menschen ihn für vollkommen neu und ungewöhnlich. Ich spreche davon, um daran zu erinnern, wie oft die Menschheit ihre Errungenschaften vergaß. Gerade schien es, als befinde sich die Wissenschaft in unaufhörlicher Fortbewegung, doch dann wird klar, daß diese in Sprüngen und mit vielen Stockungen verlief. Doch sollten die Menschen sich nicht mit einer solchen Gewohnheit bescheiden. Dereinst werden sie sich viele vergessene Errungenschaften wieder vorstellen können.
     Es wäre nützlich, ein Buch über vergessene Wege zu schreiben. Es wird nicht nur übernatürliche Erscheinungen berühren, sondern auch auf eine natürliche Geschichte verweisen, aus deren Seiten vieles ursprünglich bekannt, doch dann wieder vergessen war. Man muß die breiten Massen an ihre vergessenen Errungenschaften erinnern. Hindernisse wird es dabei nicht wenige geben, da gleiche Begriffe in den verschiedenen Sprachen unterschiedlich zum Ausdruck kommen. Man muß viele Sprachen und die Psychologien der Völker kennen, um die Verbindung der Erkenntnisse zu verfolgen, die über die Jahrhunderte verstreut wurden.
     Bei solchen Nachforschungen muß man seine Aufmerksamkeit auf überirdische Gegebenheiten richten, die in den Archiven der Volksweisheit reichlich verstreut sind. Man darf die früheren Errungenschaften nicht mißachten. Es ist unvernünftig zu sagen: "Laßt uns mit dem Heute beginnen", wenn gestern bereits Schätze gesammelt wurden.

[Russisches Original. Seite 643.]


     Die Überirdische Welt ist in den Überlieferungen vielfach dargestellt worden, und dies in herrlichen Beschreibungen! So kann man vorwärtsschreiten, ohne Schmutz auf Vergangenes zu werfen.
     Der Denker sprach: "Hütet euch vor den Wegen der Unwissenheit, denn sie sind schmutzig."

     717. Urusvati weiß, was wahre Zusammenarbeit ist. Ich habe bereits davon gesprochen, daß jeder Mensch in jedem beliebigen Zustand unvermeidlich mit der Überirdischen Welt zusammenarbeitet. Doch eine solche unbewußte Zusammenarbeit kann als tierisch bezeichnet werden, während Wir bewußte menschliche Zusammenarbeit erwarten.
     Es läßt sich sagen, daß solche Zusammenarbeit sich auf natürliche Weise bei der Erkenntnis der Überirdischen Welt einstellt. Dieser Erkenntnisprozeß vollzieht sich schrittweise, wenn sich das Denken in einer Betrachtung über etwas ergeht, das außerhalb unserer selbst existiert. So beginnt das Feuer der Erkenntnis zu erglühen.
     Der Denker sprach: "Lehrer, erlaube mir, Dein Helfer zu werden."

     718. Urusvati weiß, wie untrennbar Biologie und Ethik sind. In fernen Zeiten stellten die Religionen starke Bindeglieder dar, die den Menschen zur Höheren Welt führten, doch später bauten sich im Umkreis der Religionen Verbrechen, Aberglaube und Heuchelei ein Nest. Die Menschen begannen darauf, viele vernunftbegründete Zugänge zur Überirdischen Welt zu suchen. Philosophische Erkenntnissuche und Wissenschaft zeigten Möglichkeiten der Annäherung an die Höhere Welt auf, doch begriffen die Denker auch, daß die Wissenschaft ohne ein ethisches Fundament eine tote Erscheinung bleiben würde. Wir müssen daher beständig daran gemahnen, daß die Wissenschaft ohne die Erkenntnis einer lebendigen Ethik nicht voranschreiten kann.
     Von den ersten Schuljahren an müssen bereits die Grundlagen der Biologie unterrichtet und die Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie sie im Leben anzuwenden sind. Vor einer Vertiefung in wissenschaftliche Formeln müssen feste Lebensgrundlagen vermittelt werden, nur dann läßt sich auch ein lebendiger Weg zu lebendigen Erfolgen finden.
     Wir lehnen nichts Nützliches ab. Die Fundamente wurden in vielfacher Wiederholung gegeben, ohne daß man sie sich jedoch bisher fest aneignete. Laßt uns daher die Erkenntnissuche begrüßen, doch ergänzen wir sie um den Begriff der Ethik. Macht euch die Tatsache zu eigen, daß ein unethischer Gelehrter kein Mitarbeiter der Evolution sein kann. Tiefgründige Denker werden auch Menschen mit einem hohen Ethikbewußtsein sein.

[Russisches Original. Seite 644.]


Der Denker sprach: "Lehrer, weise mir den Weg der Schönheit des Geistes."

     719. Urusvati weiß, daß der Mensch im irdischen Zustand die Qualität seiner Handlungen nicht einzuschätzen vermag. Nicht selten werden beste Taten durch Eigennutz getrübt und selbstaufopfernde Taten im Staub des Alltags vergessen.
     Ich bestätige, daß die Beweggründe der Handlungen in der Tiefe des Bewußtseins liegen. Selbst hochstehende Geister vermögen die Ursache ihrer Handlungen nicht zu erkennen. Natürlich ist solche Erkenntnis im feinstofflichen Körper erleichtert, aber dennoch auch dort eine relative.
     Man darf nicht glauben, die Unmöglichkeit einer wahren Einschätzung der Taten sei eine Katastrophe. Wozu sich in eine rationale Bewertung der Handlungen versenken, wenn es dem Menschen gegeben ist, das Gute zu schaffen? In jeder Handlung wird das Gute einen Nutzen darstellen. Je mehr das Gute hineingelegt wird, um so mehr nützlicher Aufspeicherungen gibt es. Man darf dem Verstand nicht in einem Bereich Zutritt gestatten, wo das Herz herrschen muß. Der Verstand könnte in eigennütziger Weise dort etwas rechtfertigen, wo das Herz bereits Unrecht erfühlt.
     Die psychische Energie lebt vor allem im Herzen. Die Wissenschaft kann nicht erfolgreich sein, wenn sie nicht die Grundlage der psychischen Energie versteht. Die Neue Welt, von der der beste Teil der Menschheit träumt, kann sich nur auf einem richtigen Verständnis der psychischen Energie gründend bilden. Der Mensch kann in Freundschaft mit ihr leben - oder in Feindschaft, doch eine solche Zersetzung ist unzulässig.
     Ihr könnt hinterlistige Menschen hören, die da sagen: "Wäre es nicht besser, alle Überlegungen über die psychische Energie den Gelehrten zu überlassen? Wenn die Wissenschaft dann von dieser Energie spricht, wird auch der gewöhnliche Erdenbürger über sie reden können." Doch die hinterlistigen Schädlinge wissen ausgezeichnet, daß psychische Energie Gemeingut ist.
     Die Menschheit muß verschiedene Erscheinungen der psychischen Energie unterscheiden. Die Beobachtungen dürfen unmöglich auf eine kleinere Gruppe von Gelehrten beschränkt bleiben. Überdies können unter ihnen eigennützige Personen mit vorgefaßten Urteilen sein. Die Entwicklung der gesamten Menschheit steht auf derjenigen Stufe, da entschieden alle zur Zusammenarbeit aufgerufen werden müssen, denn die Grundlage des Daseins besteht in vernünftiger Zusammenarbeit und klarer Erkenntnis der psychischen Energie, anderenfalls wird die Menschheit ins Chaos stürzen. Alle äußeren Errungenschaften werden nicht vor einer solchen gegenseitigen Zerstörung bewahren können.

[Russisches Original. Seite 645.]


     Es ist nicht vorstellbar, wie das Harmagedon ohne ein Verständnis der Daseinsgrundlagen beendet werden soll. Ich spreche so, damit die Menschen wissen, wie sehr das Überirdische die Entscheidung der irdischen Ereignisse darstellt. Glaubt nicht, das Überirdische könnte in Ruhe verweilen, wenn die irdische Wirrnis alles zersetzt. Doch Urusvati weiß, wie sehr wahre Erziehung der Gefahr von Verwahrlosung vorbeugen kann. Nach allen Erfindungen wenden die Menschen sich der Verwahrlosung zu! Haltet dies nicht für eine Übertreibung. Es ist leider so, daß die Kämpfe des Harmagedon mit unzählbarem Elend drohen.
     So sprach der Denker: "Es wird die Stunde eintreten, da die Menschen über Unbegrenztheit in allem nachdenken müssen."

     720. Urusvati weiß, daß Beobachtungsgabe eine der wertvollsten menschlichen Eigenschaften ist. Wir nennen sie Scharfsicht, die jeder Sehende besitzen sollte. Die Wirklichkeit beweist jedoch das Gegenteil. Die Menschen trüben ihr Denken mit Aberglauben und Vorurteilen, woraus eine Art Überillusion entsteht. Zur Beobachtungsfähigkeit muß jedoch erzogen werden.
     Nicht ohne Grund bestehen Wir so oft darauf, daß wahre Erziehung so unerläßlich ist. Ihr könnt feststellen, daß Wir von gewissen Eigenschaften wiederholt sprechen, was bedeutet, daß gerade diese Seiten des Lebens von einer umherirrenden Menschheit vergessen wurden. Unwissenheit herrscht nach wie vor. Stimmen der Aufklärung sind einsam und werden verfolgt. Auch wenn die Verfolgungen sich in der Art ein wenig von denjenigen früherer, verfinsterter Jahrhunderte unterscheiden, so existieren sie doch in all ihrer Unmenschlichkeit.
     Brüsten wir uns nicht mit der heutigen Kultur, denn sie hat verzerrte Formen angenommen. Was für eine Kultur ist es denn, die erfolgreich voranschreiten soll, wenn selbst die Kunst des Denkens der Jugend nicht gelehrt wird! Selbst gelesene Bücher helfen nicht, wenn der Inhalt nicht gründlich durchdacht wird. Es ist daher unerläßlich, Scharfsicht zu entwickeln, damit der Sinn der Weltereignisse offenkundig werde.
     Die Menschen suchen sich damit zu rechtfertigen, daß das Universum ins Chaos gestürzt und dadurch das menschliche Denken kraftlos ist. Doch auf das Denken ist solch eine Definition nicht anwendbar. Gerade der Gedanke ist in jeder Hinsicht machtvoll. Ein sehr bestrebtes Bewußtsein trägt bereits räumlichen Erfolg davon,

[Russisches Original. Seite 646.]


und sogar die Keime der Gedanken sind bereits machtvoll. Beobachtungsvermögen hilft zu erkennen, daß der Gedanke nicht allein die Muskeln bewegt, sondern auch die komplexesten Wirkungen im Leben ausübt. Inmitten des Alltagslebens kann man die wunderbarsten Erscheinungen beobachten.
     Der Denker sprach: "Ich möchte die Erscheinungen der Unbegrenztheit beobachten."

     721. Urusvati weiß und hat es selbst erfahren, wie sehr die unsichtbare und unhörbare Welt sichtbar und hörbar werden kann. Hierbei ist bedeutsam, daß eine wirkliche Aufspeicherung sich als natürlicher Weg herausstellt. Die ältesten Völker kannten bereits einige gewaltsame Methoden, um den Weg zum Unsichtbaren zu eröffnen, doch sind alle unnatürlichen Annäherungsversuche ohne Wert.
     Man kann sehen, daß im Weltall alles zweckmäßig ausgerichtet und mit völlig natürlichen Maßnahmen erreichbar ist. Daher sind die Aufspeicherungen Urusvatis so wertvoll. Natürlich können solche Stufen nicht unverzüglich erreicht werden. Man muß sich Schwingungen aneignen, die nur durch die Arbeit vieler Jahre aufgenommen werden können, noch besser gesagt: nicht vieler Jahre, sondern vieler Jahrhunderte. Um so mehr muß man solche Aufspeicherungen hüten. Diese haben nicht das persönliche Wohl zum Ziel, sondern die erfolgreiche Entwicklung der Völker.
     Die natürlichen Aufspeicherungen muß man besonders hüten, da die Wissenschaft oft keine Hilfe, sondern eine Erschwernis darstellt. Mittelmäßige Gelehrte sind zu Vorurteilen geneigt, wobei sie meinen, den Aberglauben damit auszutreiben; in der Tat jedoch säen sie neue schädliche Hindernisse. Sucht in allem die natürlichen Wege.
     Der Denker sprach: "Lehrer, öffne mir den einfachsten und direktesten Weg."

     722. Urusvati weiß von der Bedeutung des Rhythmus beständigen Verkehrs mit der Höheren Welt. Der Rhythmus höherer Energien wird durch langjährige Arbeit erreicht. Man darf nicht denken, eine Erleuchtung könne diesen Rhythmus festigen. Zunächst sind Hinwendungen in Worten erforderlich, die sich dann in schweigendes Streben wandeln und schließlich in einen Rhythmus zusammenfließen, der beständig im Herzen erklingt, im Wachen und im Schlafen. Eine grundlegende Eigenschaft verstärkt die Schwingung. Wir nennen diese Eigenschaft ekstatische Liebe; in ihr sind höchste Hingabe, unauslöschliches

[Russisches Original. Seite 647.]


Vertrauen und unerschöpfliche Macht enthalten. Eine solche Stufe des Aufstieges ist sehr hochstehend, doch nirgends gibt es ein Ende.
     Man kann es als eine sehr hohe Prüfung bezeichnen, wenn die geschaffene Stufe sich im irdischen Leben vollzieht, ohne vom Alltag abzuweichen. Natürlich ist es schwer, die Öllampe inmitten grober Schwingungen, Unwissenheit und Bosheit zu tragen, doch um so herausragender ist die Errungenschaft. Nicht in einer Abweichung vom Leben, sondern in ständiger Bestrebung zur Höheren Welt vollzieht sich jene Aufnahme des Höheren, die die Menschen Synthese nennen. Wie selten lassen sich im Leben Arbeiter finden, die sich dem Dienst an der höheren Welt widmen!
     Mitunter sprechen die Menschen vom Gemeinwohl, doch dieses wird erst möglich werden, wenn die Höhere Welt angenommen wird. Nur auf solche Weise wird das Ziel der Vervollkommnung ein weises sein und alles menschliche Suchen zusammenführen können. Man kann sich verschiedene Wanderer vorstellen, die auf demselben Pfad zu gehen versuchen und sich nur in ihren Worten unterscheiden.
     Der Denker sprach zu Seinen Schülern: "Nehmt auf, versteht und liebt."

     723. Urusvati weiß, wie schwer die Menschen die Teilbarkeit des Geistes verstehen. Sie meinen, dieser Begriff widerspreche der Wissenschaft, lassen jedoch neueste Entdeckungen ihrer Aufmerksamkeit entgehen, die dieses Gesetz der psychischen Energie nur bestätigen.
     Eine gewöhnliche Radio- oder Fernsehausstrahlung kann wissenschaftlich verständlich machen, wie eine Energieausstrahlung in viele Richtungen verläuft. Natürlich sind zu einer erfolgreichen Ausführung Apparate notwendig, Sende- wie Empfangsgeräte. Der Mensch selbst jedoch erweist sich als ein vollkommener Apparat für die Übertragung von Energien. So muß man verstehen, daß nicht allein naturgemäße Eigenschaften des Menschen, sondern auch sein freier Wille an jedem psychischen Experiment teilnehmen werden.
     Oft wird ein Gedanke richtig gesendet, doch der Empfänger kann ihn abweisen. Es kann auch umgekehrt sein, der Empfänger ist feinfühlig, die Sendung jedoch verworren. Den Menschen scheint es oftmals, als hörten sie etwas, sie können jedoch die Schwingungen nicht aufnehmen, wodurch sich nur ein Wirrwarr ergibt.
     Man darf nicht glauben, Übertragungen von Gedanken und Bildern seien nur auf den Höhen möglich; jedes beliebige Experiment mit psychischer Energie kann überall durchgeführt werden. Natürlich

[Russisches Original. Seite 648.]


ist die konzentrierte Besiedelung der Städte für die Klarheit einer Übertragung nicht günstig. Dennoch muß man sich dazu erziehen, die psychische Energie unabhängig von physischen Bedingungen arbeiten zu lassen.
     Urusvati kann bestätigen, daß anfangs jeder hinzutretende Laut Schmerz verursachte, doch dann konnte bei Festigung der Schwingungen das Experiment unter beliebigen Bedingungen verlaufen. Solche angespannte Aufmerksamkeit und Scharfsicht ergeben sich sehr schwer und erfordern zu ihrer Entwicklung eine äußerst lange Zeit, doch verdient die psychische Welt besondere Aufmerksamkeit.
     Der Denker sprach: "Laßt uns nicht zu den Zeiten zurückkehren, da der Donner für göttlichen Zorn gehalten wurde."

     724. Urusvati weiß, wie oft die Menschen mit falschen Anwendungen grundlegenden Begriffen schaden. So sprechen sie von übermenschlicher Anstrengung, doch ist im irdischen Leben alles menschlich. Man kann von würdiger oder erhabener Anstrengung sprechen, doch wird sie dennoch eine menschliche sein. Durch solche unwissenden Ausdrucksweisen setzen die Menschen sich selbst herab.
     Es kommt jedoch die Zeit heran, da alle Schätze, über die der Mensch verfügt, verstanden werden müssen. Man muß jene wahre Wissenschaft anerkennen, die sich mit der uranfänglichen Energie befassen kann. Die Menschen wissen vom Gold, das die Meere sättigt, doch wollen sie die Energie des Raumes nicht sehen. Wir nennen sie psychische Energie, doch ließen sich auch andere Bezeichnungen finden. Vielleicht habt ihr vom Segen gehört? Er existiert und ist nichts anderes als die psychische Energie.
     Man kann ihre Erwähnungen in den verschiedenen Sprachen des Ostens finden, doch ist ihr Verständnis sehr verzerrt. Wir bestätigen sie und rufen die Gelehrten auf, das energetische Prinzip anzuerkennen. Auf dieser Grundlage werden auch alle übrigen Lehren einen Platz finden.
     Wir verneinen nicht; Wir zerstören nicht, sondern bauen im Einklang mit der Psychologie der Menschheit auf. Jede Epoche hat ihre Bedingungen, die man nicht verneinen darf. Oftmals scheint das Erhabene verschleiert zu sein und zerstörerische Massen brechen ein, doch auch auf solche Zeichen muß man aufmerksam achten, da auch in ihnen eine künftige Stufe enthalten ist. Man muß die Evolution in all ihren Aspekten lieben lernen. Bewegung ist die Grundlage des Lebens.
     Der Denker wiederholte: "Wanderer, eile ans Ziel und übernachte nicht in eisigem Strom."

[Russisches Original. Seite 649.]


     725. Urusvati weiß, wie sehr die Menschen sogar einfachste Begriffe entstellen. Sie fassen Ruhe als leblose Untätigkeit auf, doch stellt gerade Ruhe angespannte psychische Tätigkeit dar, einem klaren Brunnen gleich, an dessen Grund heilsame Quellen ihr Naß zum Wohl der Menschheit herbeitragen. So muß man die Ruhe als vertiefte, erhabene Arbeit ansehen.
     Der Lehrer prüft den Schüler vor allem darauf hin, ob er in einer Stunde besonderer Anspannung Ruhe bewahrt. Es ist verblüffend, wie selten die Menschen diese Prüfung bestehen. Die Ursache liegt darin, daß die Menschen die Höhere Welt und die psychische Energie nicht anerkennen. Sie meinen, grobe physische Bedingungen seien trotz allem bedeutsamer. Man kann solche Unwissenheit bedauern, da sie eine Vielzahl bester Möglichkeiten fortgetragen hat. Ihr selbst habt oft gesehen, daß selbst gebildete Menschen wissenschaftlichen Grundlagen keine Aufmerksamkeit widmen wollten. Ihre eigene Wissenschaft schleppt wie ein träges Pferd mit verbundenen Augen seinen Karren hinter sich her.
     Wir werden nicht müde, immer wieder von den Wegen zu sprechen, die frei von Vorurteilen sind. Man könnte fragen, was daran Neues sei. Möge man sich jedoch vor Augen halten, wieviele neue Wege der Menschheit bevorstehen. Mögen an der neuen Evolution alle teilnehmen. Nicht einige besonders Auserwählte, sondern alle, die sich als Mensch bezeichnen. Mögen sie an die gemeinsame Arbeit gehen, die die Höhere Welt eröffnet.
     Laßt uns keine wichtigtuerischen Worte von uns geben. Möge die Arbeit aufrichtiger Erkenntnissuche die Arbeit des Alltags sein. Auch an solcher Arbeit sollten alle teilnehmen. Vergessen wir nicht, daß jeder Mensch ein Träger der psychischen Energie ist und wenigstens einige ihrer Erscheinungsformen erfahren kann. Auf solche Weise wird der Mensch sich einem neuen Glück nähern und verstehen, was Gemeinwohl bedeutet.
     Der Denker wies darauf hin, daß derjenige, der die Ruhe bewahren könne, bereits in einen heilsamen Brunnen geblickt hat.

     726. Urusvati weiß, daß die Macht der Gefühle die psychische Energie in Bewegung setzt. Besonders stark ist die Liebe, doch fast ebenso stark ist der Haß.

[Russisches Original. Seite 650.]


Man wird fragen, ob dies bedeute, daß man durchaus im Haß existieren könne. Man kann, doch ist dies nicht vorteilhaft. Der Haß erzeugt nicht nur Imperil und verkürzt das Leben durch Krankheiten, sondern die Hauptsache liegt in der entsetzlichen Bedeutung des Hasses in der Feinstofflichen Welt. Ihr wißt bereits, daß alle Gefühle und deren Folgen sich in der Feinstofflichen Welt verstärken. Stellen wir uns nun vor, wie schwer es dem Hassenden fallen wird, sich von verderblicher Furcht loszureißen. Er gerät nicht nur in den Umkreis des Bösen, sondern sein ganzes Wesen wird vom Gift des Bösen erfüllt. Er leidet, da er selbst diese Qual hervorgerufen hat. So sagen Wir - es ist vorteilhaft, im Guten und in der Liebe zu leben. Ein solcher Zustand verstärkt sich in der Feinstofflichen Welt und wird zu einer Quelle des Glücks.
     Vieles wird demjenigen Menschen zugänglich, der das Gute verstanden hat. Er vermag die Schwingungen der Höheren Welten wahrzunehmen, er wird die Sphärenmusik vernehmen können, er wird auf den Stufen der Harmonie und Schönheit emporsteigen. So haben diejenigen Philosophen recht, die bestätigen, daß die Schönheit das Gute sei und das Gute schön.
     Natürlich halten viele solche Formeln für abstrakt und unanwendbar im irdischen Leben. Doch müssen diese Verneiner noch viele Male die Bedingungen der Feinstofflichen Welt erfahren, um in ihrem Bewußtsein die Wahrheit zu festigen. Man kann diejenigen bedauern, die, des Lesens und Schreibens kundig, sich einbilden, damit bereits die Lehre des Lebens erfaßt zu haben.
     Laßt uns Nichtwissen nicht verurteilen, streng jedoch die Unwissenheit. Man muß verstehen, wo die Grenze zwischen Nichtwissen und Unwissenheit liegt. Das eine ist heilbar, während die andere oftmals schon nicht mehr in einem Leben zu bessern ist. Unwissenheit ist immer dünkelhaft und wichtigtuerisch. So läßt sich an alltäglichen Zeichen das Wesen des Menschen wahrnehmen.
     Der Denker sprach: "Nichtwissen ist verzeihlich, doch Unwissenheit taugt für die Zusammenarbeit nicht."

     727. Urusvati weiß, daß das Prinzip der Erkenntnisentwicklung ein einheitliches ist. Viele lieben es, daß sich alles auf wissenschaftlicher Grundlage vollziehe. Lassen wir ihnen die Möglichkeit der wissenschaftlichen Forschung. Die Wissenschaft hat sich jedoch derart verzweigt, daß einige ihrer Zweige sich sehr konträr gegenüberstehen und Einigkeit nicht gefunden wird. Mögen die Gelehrten den psychischen Zustand von Forschern in der Zeit ihrer höchsten geistigen Anspannung beobachten. Dabei lassen sich verblüffende Ähnlichkeiten in der Anspannung der schöpferischen Zentren entdecken. Der Philosoph und Physiker, der Geograph

[Russisches Original. Seite 651.]


und der Psychologe, sie alle werden in der Stunde ihrer glücklichen Entdeckungen Gleiches aufweisen.
     Beginnt von dieser Stunde an zu beobachten, und ihr werdet zu der Schlußfolgerung gelangen, daß die Wissenschaft als Erkenntnissuche ein einheitlicher Baum ist, dessen Zweige nur aus einer einheitlichen Wurzel herauswachsen können. So lassen sich lehrreiche Beobachtungen anstellen, und solch ein Weg wird zur Erkenntnis der Überirdischen Welt führen.
     Laßt uns nicht erstaunt sein, daß viele Gedanken gleichzeitig an verschiedenen Stellen der Erde auftauchen. Die sie hervorbringenden Gelehrten kennen einander nicht, sie gehen auf verschiedenen Wegen und denken in den Grenzen der Eigenschaften ihres Volkes, und nichtsdestoweniger zieht ein einheitliches Element sie zum Gemeinwohl hin. Wieviele herrliche Beobachtungen lassen sich durchführen, wenn das Bewußtsein erweitert ist und frei von Verneinung, die der Unwissenheit angehört! Laßt uns also lernen zu erfassen, und schauen wir mit freiem Blick empor.
     Der Denker bestätigte, daß die Menschen des Altertums bereits vieles wußten, was in den nachfolgenden Jahrhunderten wieder vergessen wurde.

     728. Urusvati weiß, daß Psychologie zu einer realen Wissenschaft werden sollte. Sie muß sogar noch realer werden, als es die Physiologie ist, doch ist es notwendig, sie von den ersten Schulklassen an zu unterrichten und entsprechend bis zu den höchsten Bildungseinrichtungen weiterzuführen.
     In sämtlichen Bildungsbereichen sollten die psychologischen Grundlagen miteinbezogen werden. Man kann solch eine Wissenschaft auch anders benennen, doch möge die bereits angenommene Bezeichnung dennoch bleiben. Wir vermeiden jähe Veränderungen, wenn man ein nützliches Ziel mit den gewohnten Ausdrucksformen erreichen kann. Die Psychologie muß die verborgenen Kräfte des Menschen studieren. Sie muß sich nicht nur der Philosophien des Altertums bedienen, sondern auch auf freiem, wissenschaftlichem Weg voranschreiten. Selbst ein vergleichendes Studium der Religionen wird ein Bereich der Psychologie sein, da sie alle die Erkenntnis der Überirdischen Welt zur Grundlage haben.
     Laßt uns nicht stolz an den Errungenschaften des Altertums vorbeigehen, da sich unter verschiedenen Bezeichnungen ein und dieselben, auf Erfahrung fußenden Schlußfolgerungen verbergen. Man muß gerade freie wissenschaftliche Methoden anwenden, denn das Leben weist in all seinen Erscheinungen auf Wege zur Erkenntnis der Unsichtbaren Welt. Viele Energien fließen entweder in einer zusammen oder aus einer hervor -

[Russisches Original. Seite 652.]


der psychischen Energie. Lehrreich sind Beobachtungen über die weitverzweigten Kräfte, die sich in jedem Wesen individuell ausprägen. Man muß hochschätzen, daß die Individualität so großzügig angelegt ist; gerade sie wird den Gelehrten helfen, scheinbar Nichtübereinstimmendes einander anzunähern.
     Der Denker sprach: "Man kann aus den unterschiedlichsten Stimmen einen klangvollen Chor gestalten. Die Menschen besitzen den Willen, doch nur wenige vermögen ihn besonnen anzuwenden."

     729. Urusvati weiß, daß der Wille geschärfte, zur Tat schreitende psychische Energie ist. Im Altertum war der Pfeil das Symbol des Willens. Heute spricht man viel von einer Entwicklung des Willens und schlägt künstliche Methoden vor, um den Willen zu stärken, doch sollte er durch eifrige Tätigkeit entwickelt werden.
     Wenn ihr sogenannten willenlosen Menschen begegnet, seid davon überzeugt, daß sie vor allem Faulpelze und in diesem Zustand nur halbbewußt sind, ohne zu versuchen, sich zur Selbsttätigkeit anzuspornen. Solche Menschen gibt es viele, und sie werden es nicht so rasch verstehen, daß schöpferische Arbeit ihren Pfeil der Errungenschaft schärft. Man muß festhalten, daß Willenlosigkeit von Angst, Mutlosigkeit, Undankbarkeit und anderen entsetzlichen Erscheinungen der Unwissenheit begleitet ist.
     Wenn wir über die Überirdische Welt nachdenken, müssen wir unseren ganzen Willen sammeln, um tapfer die niederen Schichten zu überwinden, welche die Menschen an ein von Unwissenheit geprägtes Dasein festnageln. Laßt uns diejenigen nicht bedauern, die sich selbst der Möglichkeit des erfolgreichen Voranschreitens beraubt haben. Aus Mitleid zeigen Wir solchen Menschen zwar, was sie verlieren, doch seid überzeugt, daß Unsere Ratschläge ihr Bewußtsein nicht erreichen.
     Allein ein arbeitsames Leben wird sie lehren, die Qualität produktiven Tuns zu schätzen, und auf solch einem Weg des Kampfes werden sie die Rüstung des Willens anlegen. Inmitten des Alltagslebens lassen sich schöne Übungen des Willens finden; mögen solche natürlichen Wege gesegnet sein.
     Der Denker mahnte Seine Schüler, nur keine Mutlosigkeit zuzulassen.

     730. Urusvati weiß, daß Aufmerksamkeit eine der ersten Bedingungen erfolgreicher psychischer Beobachtungen ist. Die Menschen sprechen gern von Bestrebung,

[Russisches Original. Seite 653.]


Scharfsicht, angespannter Beobachtung, ohne sich jedoch die einfachste Beobachtungsfähigkeit wirklich angeeignet zu haben. Für sie nimmt die Formel "in der Gefahr leben" eine absurde Bedeutung an. Gewiß, ein erweitertes Bewußtsein führt auch zu natürlicher Aufmerksamkeit, doch gibt es nicht viele solcher Bewußtseine.
     Glücklicherweise kann jeder zur Aufmerksamkeit erzogen werden, doch muß dies sowohl in der Familie als auch in der Schule geschehen. Man muß die Aufmerksamkeit der Kinder nicht nur auf bestimmte besondere Erscheinungen richten, sondern auch auf kleinste Züge des Alltagslebens.
     Die psychische Welt offenbart sich vor allem im Alltagsleben. Die wertvollsten Eigenschaften eines Geistes lassen sich sogar im grauen Alltag beobachten. Laßt uns als Helden nicht allein diejenigen ansehen, die in äußerlich sichtbar großen Taten zum Gemeinwohl streben, sondern erkennen wir aufmerksam auch die Arbeiter inmitten des Alltagslebens. Eine solche Aufmerksamkeit erbringt viele Beobachtungen, unter denen sich natürliche psychische Energie offenbart.
     Wenn wir von der Feinstofflichen Welt sprechen, müssen wir auch die feinsten Energien als gegeben unterstellen. Solche Energien müssen mitten im Leben beobachtet werden. Man darf nicht denken, daß sich irgendwo wundersame Kräfte offenbarten; sie sind bereit, sich in jedem Menschen zu offenbaren, nur muß man sie aufmerksam erkennen.
     Zu dieser Aufmerksamkeit im Alltagsleben raten Wir daher allen, die über die Überirdische Welt nachdenken wollen. Glaubt nicht, solche Übung sei leicht, denn die Menschen ertragen die dafür notwendige Beständigkeit nicht. Sie sind bereit, mitunter in Träumen zu fernen Welten zu fliegen, doch werden sie durch solche Träume nur flüchtig in den Raum getragen. Wir raten daher, die herrliche Gabe der Beobachtung mitten im Alltagsleben zu erlernen. Möge sie sich vom Kindesalter an entwickeln.
     Der Denker sprach: "Achtet auch auf den Boden unter euren Füßen, damit ihr nicht stolpert."

     731. Urusvati weiß, daß die Menschen nicht nur die Realität der psychischen Welt anerkennen, sondern auch ihre Wirkungen auf das irdische Leben wahrnehmen müssen. Viele sprechen wiederholt von der Existenz eines gewissen Etwas, ohne jedoch in ihrem Alltagsleben die Anwesenheit mächtiger psychischer Energien für möglich zu halten. Indessen ist die Zeit herangekommen, da der Mensch

[Russisches Original. Seite 654.]


seinen Stimmungen, Begeisterungs- und Erregungszuständen wie auch bestimmten Schmerzen Aufmerksamkeit widmen sollte.
     Eine Fortentwicklung des Menschen ohne ein bewußtes Herangehen an die psychische Welt ist nicht vorstellbar. Hierbei muß daran erinnert werden, daß Wir mehrfach vor Psychismus und Mediumismus gewarnt haben. Mögen die Menschen verstehen, daß solche künstlichen, ungesunden Abweichungen keine gesunde Erweiterung des Bewußtseins darstellen. Wir wiederholen mit Nachdruck, daß der Mensch sein Denken erheben muß, dann wird er auf dem Weg zur Überirdischen Welt auch vorankommen.
     Laßt uns keine bedingten Rituale vorschreiben, notwendig ist vor allem, die Individualität des Menschen zu wahren. Ein reiner und hochstehender Wille wird auf dem ihm eigenen Weg zur Vereinigung der Bewußtseine führen; er hilft, Augen und Ohren für das Verstehen weltumfassender Anwendungen zu reinigen. Allein mit dieser Art Auffassungsgabe wird sich der Mensch auf dem Weg wahrer Erkenntnis voranentwickeln. Laßt uns die Gelehrten bitten, feinfühlig zu sein und nicht jede Beobachtung abzuweisen, die zu weiteren Forschungen führen könnte. Allein gegenseitige Achtung erlaubt es, vieles zu verwirklichen.
     Mögen die Völker lernen, über das Gemeinwohl nachzudenken, da Eigennutz sich als das schwerste Hindernis bei der Fortentwicklung erweist. Die der Menschheit als Los zuteil werdenden entsetzlichen Prüfungen beschleunigen das Herannahen weltweiten Aufbaues.
     Der Denker sprach: "Lehrer, zeige mir auf, mit welchen Worten ich die Menschen zum dringlichsten aufrufen soll."

     732. Urusvati weiß, daß eine durch Liebe und Freude vermittelte Erleuchtung stärker ist als eine durch Leid entstandene. Und dennoch weist man ständig darauf hin, daß gerade das Leid den Menschen reinige.
     Wie kann es nur geschehen, daß der Mensch die stärkste Erleuchtung nicht zu nutzen vermag? Die Antwort ist einfach - das Leid wird vom Menschen in der grobstofflichen Welt ausgesät und dringt noch teilweise in die Feinstoffliche Welt ein. Reine Liebe und Freude jedoch leben in der Feurigen Welt und werden vom Menschen selten verstanden. Im Lauf der weiteren Evolution werden die Menschen jedoch erkennen, wo ihr Schatz liegt und werden sich dem lichten Heilmittel zuwenden.

[Russisches Original. Seite 655.]


 

[Die Seiten 656, 657, 658 sind leer.]


Unter den neuen Errungenschaften der Wissenschaft wird auch auf die mächtigen Gefühlsregungen der Liebe und der Freude hingewiesen werden. Möge sich die Menschheit Schritt für Schritt diesen lichten Bewegern annähern und verstehen, daß bereits jeder Gedanke an Freude ein heilsamer Beginn ist. Selbst inmitten von Unglück kann man Liebe und Mitleid offenbaren. Mögen diese Meilensteine dem ermüdeten Wanderer helfen. Mögen die Gelehrten aufzeigen, wie sehr der Rhythmus der Freude zu einer Flut von psychischer Energie führt. Möge die Wissenschaft aufzeigen, wie wichtig die Freude für die Gesundheit ist.
     Unwissende werden sagen, ein solcher Rat sei nicht lebensnah, da die Menschheit bereits an ihrem Leid zugrunde gehe. Nur Unwissenheit kann vorschlagen, sich lieber in Finsternis zu versenken, als sich auf die Suche nach dem Licht zu machen. Nur Unwissenheit vermag zu sagen, der Mensch werde es niemals lernen, die Gedankenenergie zu gebrauchen.
     Zur Erneuerung des Lebens muß man mit Hingabe streben. Jeder ist fähig, über Heldentum, Freude und hochstehende Liebe nachzudenken. Jeder kann über das herrliche Überirdische Leben nachdenken. Jeder kann die heilsame Medizin erreichen und ihre Emanationen in seiner gesamten Umgebung verbreiten.
     Der Denker sprach: "Kummer ist vorübergehend, Freude unvergänglich. Liebt das Licht, liebt das Schöne." So lenkte der Denker Seine Schüler zur einfachsten Lösung hin.

     733. Urusvati weiß, daß ein Pfeil in sicherem Flug auch zu einem einzigen Ziel strebt. Vergleicht den Pfeil mit dem menschlichen Gedanken. Eine zitternde Hand vermag dem Pfeil keine klare Richtung zu geben, und auch ein schwankender Gedanke wird sein Ziel nicht erreichen.
     Vermeidet besonders Zwiespältigkeit des Denkens. Oftmals merken die Menschen es nicht, daß in ihrem Inneren ein Sturm von Gedanken tobt. Ihre Gedanken schwirren umher wie ein Schwarm von Insekten, und es ist nicht möglich zu unterscheiden, welcher von ihnen der bedeutungsvollste ist. Dieser Umstand ist überaus wichtig, und zukünftige empfindliche Apparate werden anzeigen können, wie schädlich verworrenes Denken ist. Es wäre besser, gar nicht zu denken, als eine Verwirrung in sich entstehen zu lassen, die dem Wahnsinn gleicht.
     Man könnte fragen, welche Maßnahmen Abhilfe schaffen können. Laßt uns jedoch nicht

[Russisches Original. Seite 659.]


unter gewaltsamen Maßnahmen suchen. Besser ist es, daß jeder sich selbst beobachtet, um auf natürliche Weise sein Denken zu reinigen. Der Mensch ist fähig, eine Verwirrung seines Denkens zu bemerken; dann möge er sich darüber Rechenschaft ablegen, welcher der Gedanken für ihn notwendig ist.
     Zwar ist es nicht leicht, die am Grund des Bewußtseins wimmelnden Würmer aufzuspüren. Sie vermögen jeden beliebigen schönen Gedanken zu entstellen. Doch wenn der Mensch sich Mühe gibt, den ganzen Schaden zwiespältigen Denkens zu verstehen, so wird er beginnen, nach und nach die nicht notwendigen Gedankenimpulse auszusondern.
     Für das Nachdenken über die Überirdische Welt ist Klarheit des Denkens besonders notwendig. Man darf chemische Präparate nicht mit schmutzigen Händen berühren, ebensowenig darf man die hohen Chemismen der Überirdischen Welt beschmutzen. Mögen die Menschen in Reinheit über die Hohen Welten nachdenken.
     Der Denker riet, über das Überirdische in der Weise nachzudenken, als ob man persönlich an ihm teilhabe.

     734. Urusvati weiß, daß die Erde von Klangspiralen dicht umgeben ist, die sich in blitzartiger Geschwindigkeit drehen. Daraus entsteht eine dichte Schicht, die wohltuend als auch schadenbringend sein kann. Der Mensch vermag mit seinem freien Willen Heilung wie Verderbnis zu schaffen. Er kann nicht sagen, er leide schuldlos. Er selbst hat irgendwann das Gift in das kosmische Gewebe hineingetragen.
     Man hat bereits damit begonnen, kosmische Klangerscheinungen zu erforschen und versteht, daß jedes menschliche Wort eine unzerstörbare Tafel darstellt. Es bricht nun die Zeit an, da der menschliche Gedanke erforscht werden muß. Er ist schneller als das Licht. Er bildet eine mächtige Hülle um die Erde, doch ist das Denken oft auf das Wohl gerichtet?
     Die Menschen sind bereits in der Lage, die Qualität des Denkens darzustellen, doch ist sein Inhalt bisher nicht erfaßbar. Es naht die Stunde, da empfindliche Apparate den genauen Inhalt der Gedanken aufzeichnen können. Menschen, die an das Gemeinwohl denken, werden über ein solches Forschungsergebnis erfreut sein, doch alle, die in Haß, Bosheit, Lüge und Neid leben, werden eine solche Entdeckung auf jede erdenkliche Weise zu verhindern suchen. Ein für solche Entdeckung verantwortlicher Gelehrter wird von der heutigen Menschheit schwerlich als Freund bezeichnet werden.
     Das Gebot, daß man nicht in Haß leben dürfe, ist einfach, doch die heutigen Führer

[Russisches Original. Seite 660.]


schreien sogar noch von einer Notwendigkeit des Hasses. Sie wissen nichts von der Macht des Gedankens und vom Karma. Wer denkt, man könne das Böse mit Bösem vernichten, der irrt. Selbst ein solcher Schrecken wie der Krieg kann nicht mit Haß beendet werden. Nur viele auf das Wohl gerichtete, edle Gedanken werden die Menschheit retten. Kriegshelden werden nicht durch Haß gebildet, sondern durch einen flammenden Willen, der auf das Gute gerichtet ist.
     Der Denker sprach: "Ein entflammter Krieger kennt keine Hindernisse."

     735. Urusvati weiß, daß Heldentum der Ausdruck von Selbstaufopferung und flammendem Enthusiasmus ist. Während der Mensch eine Heldentat vollbringt, führt er seine Schwingungen auf eine höhere Stufe, befreit sich sogar von physischen Empfindungen und erfüllt sich mit feuriger Erkenntnis.
     Der Unwissende könnte fragen, wozu man in den Gesprächen über das Überirdische von Heldentum spreche. Der Unwissende versteht nicht, daß Bestrebung zum Überirdischen bereits eine Heldentat ist. Er weiß nicht, daß jeder Gedanke an das Überirdische bereits die Schwingungen verbessert und das Bewußtsein mit flammender Heldentat erfüllt.
     Wenn der Gedanke schwach ist, so wird auch die Folge nichtig sein, doch ein klarer, hingebungsvoller Gedanke schafft mächtige Wirkungen. Man muß es oftmals wiederholen, daß der Gedanke an das Überirdische heilsame Schwingungen schafft. Bald jedoch werden die Ärzte bei psychischem Ungleichgewicht dazu raten, sich in Gedanken dem Überirdischen zuzuwenden. Mögen die ersten Versuche auch noch primitiv sein und die Menschen die Wichtigkeit solcher Hinwendung noch nicht gänzlich erfassen, so wird doch schon das kleinste Quentchen dieses Heilmittels nützliche Folgen zeitigen. Der Gedanke an das Überirdische ist ein Heilmittel.
     Es ist keine Übertreibung, daß die Menschen einen Talisman in sich tragen, doch muß man vor allem die mit dem Gedanken an das Überirdische verbundene Begeisterung erfühlen. Ohne Wanderstab schleppt sich ein Wanderer mühsam und stolpernd dahin. Doch von Oben kann ein sicherer Wanderstab verliehen werden; man muß ihn nur annehmen und damit den Aufstieg rüstig fortsetzen.
     Der Denker bat Seine Schüler, das Bergsteigen lieben zu lernen; es helfe, zum Himmel aufzuschauen.

[Russisches Original. Seite 661.]


     736. Urusvati weiß, daß der Mensch sich der Überirdischen Welt weniger auf verstandesmäßigem Wege nähert, als vielmehr in Liebe. Die magnetische Kraft des Gefühls der Liebe ist groß, doch schätzt die Wissenschaft die Bedeutung solch eines Magneten leider nicht. Der liebende Mensch entspricht dem kosmischen Gesetz der Anziehung und nimmt so in bestimmtem Maße die diesem Gesetz eigenen Charakteristika selbst an. Der Mensch schärft seine Erkenntnisfähigkeit und vermag von Kühnheit erfüllt zu werden, die die Durchführung einer Heldentat unterstützt. Ebenfalls wird sichtbar, daß sich auch seine Gesundheit bessert, wenn er sein Gefühl zu hochstehendem Denken anspannt.
     Ein Irrtum ist es zu meinen, von der sogenannten Hysterie betroffene Menschen könnten mit der Überirdischen Welt besonders leicht Verbindung aufnehmen. Sie können in Mediumismus entarten, doch wünschen Wir andere Annäherungsweisen, gesunde und zweckmäßige. Ein vollkommener Weg zur Überirdischen Welt wird die Liebe sein.
     Ohne Liebe kann man sich unmöglich feinfühliger Erkenntnissuche widmen. Mit Lesen allein ist keine Annäherung erreichbar; notwendig ist eine Anspannung des Willens, doch kann ein solcher Wille nur aus Liebe entstehen. Desgleichen raten Wir dazu, sich nicht vom irdischen Leben zu entfremden, da es dem Menschen als Schlachtfeld gegeben ist. Nur im Leben kann man sich prüfen, und all diese Prüfungen werden schön sein, wenn die Kuppel der Liebe zur Überirdischen Welt über ihnen steht.
     Mögen die Kinder von klein auf an die Erkenntnis der Überirdischen Welt gewöhnt werden. Mögen Träume von höheren Erscheinungen im Denken des Kindes aufkeimen. Ein Arbeiter, der sich im irdischen Bereich überaus abmüht, kann seinen verborgenen Schatz in sich tragen und solche erhebenden Stunden lieben lernen.
     Der Denker riet Seinen Schülern, Träume über die Höhere Welt zu lieben. In solchen Stunden erneuere sich das Bewußtsein.

     737. Urusvati weiß, daß zur Zeit weltweiter Erschütterungen Erkenntnissuche und Verneinung in besonderer Weise in Erscheinung treten. Jedes hochstehende Wissen begegnet der Verneinung nicht allein seitens primitiver Unwissenheit, sondern auch seitens des auf Vorurteilen beruhenden

[Russisches Original. Seite 662.]


Aberglaubens. Die Wissenschaft wird von diesen zwei Seiten unter Druck gesetzt. Man spricht vergeblich von der Freiheit der Wissenschaft, da sie durch mechanisches Wissen eingegrenzt ist. Alles, was die Überirdische Welt berührt, wird jedoch nicht weniger bedrängt, als dies im Mittelalter der Fall war.
     Vergessen wir nicht, daß nur sehr starke Geister frei denken können, weniger starke jedoch durch die Emanationen der Verneinung eingeengt werden. Diesen Umstand muß man bei Gesprächen über die Lage der Wissenschaft im Blick haben. Nun aber muß mit allen Kräften die Notwendigkeit bestätigt werden, die Wissenschaft zu befreien.
     Die besten Denker haben genug erlitten. Die Unwissenden bedachten sie genug mit Pfiffen und Verfluchungen. Es hat genug Spott für alles gegeben, was den Wilden unerreichbar ist. Möge die neue Ära sich durch wirkliche Befreiung der Wissenschaft auszeichnen. Glaubt nicht, dies sei eine allgemein bekannte Tatsache - es ist ein Klageruf in der Wüste. Die Menschen glauben nicht, daß die Zeit weltweiter Erschütterungen von besonderen Schwingungen erfüllt ist.
     Die Menschen sprechen über jegliche Art von Vitaminen, vergessen aber, daß der ethische Zustand weitaus wichtiger ist als die Einnahme von Medikamenten, die sich bei ungesunden ethischen Bedingungen ohnehin in Gifte wandeln. Es fällt Uns schwer, sehen zu müssen, wie einsame Denker unter den primitiven Unwissenden leiden. Sie haben sich eingeschlossen, um sich die Freiheit ihres Denkens zu wahren, doch könnten sie der Menschheit eine mächtige Hilfe erweisen, gerade jetzt, da die Erde erschaudert. Mögen sie die Kraft finden, diese Zeit zu überstehen, in der das Kali Yuga sich dem Ende zuneigt.
     Der Denker riet Seinen Schülern, die Freiheit des Wissens zu bestätigen, die Freiheit des Denkens zur Rettung der Welt.

     738. Urusvati weiß, welchen Wert das Gleichgewicht hat. Es ist bekannt, daß der Mensch mit aller Kraft zur Überirdischen Welt streben soll. Er sollte diese Erkenntnis so sehr in sich aufnehmen, daß er sich in jeder Stunde als Teilnehmer an der Überirdischen Welt empfindet. Gleichzeitig soll er jedoch auch das irdische Leben schätzen, sich an der Qualität der Arbeit erfreuen und das irdische Leben weiterführen, da er in ihm neue Möglichkeiten der Vervollkommnung findet.
     Man wird fragen: "Aber wie kann man denn solche Gegensätze miteinander vereinen?" Wahrlich, dies ist möglich, denn der Mensch ist in der Lage, sein Bewußtsein zu vervollkommnen. Aus verschiedenen

[Russisches Original. Seite 663.]


Jahrhunderten lassen sich Beispiele dafür anführen. Hierbei muß eine besonders bedeutsame Erscheinung angemerkt werden: Menschen, die solche Gegensätze in sich zu vereinigen vermochten, gehörten nicht dem sogenannten geistlichen Stand an. Niemand ahnte, daß solche Arbeiter ein inniges Bewußtsein der Überirdischen Welt in sich trugen. Sie arbeiteten gewissenhaft. Sie liebten die Arbeit in ihrer höheren Qualität, doch ihre hingebungsvolle, innige Erkenntnis der Überirdischen Welt hüteten sie als einen geheimen Schatz.
     Es wird verständlich, daß solche Tatmenschen zur Vervollkommnung der Erde besonderen Nutzen beitrugen. Sie verheimlichten die Existenz der Überirdischen Welt nicht ganz, fühlten jedoch auch, wo eine Aussage darüber auch nur angenommen werden konnte. Sie verstärkten ihren Magnetismus und zogen auf solche natürliche Weise die Herzen ihrer Schüler an.
     Unerfahrene sind nicht allein über erkennbare Gegensätze erstaunt. Man könnte eine Vielzahl von Gegenüberstellungen herbeiführen, die ihnen befremdlich erscheinen würden. So soll der Mensch nicht in Leidenschaft verfallen, jedoch auch nicht leidenschaftslos sein. In allem muß man das Goldene Gleichgewicht erkennen, von dem im fernen Altertum gesprochen wurde.
     Der Denker sprach: "Der Mensch hat zwei Hände, eine für die Arbeit und eine, die dem Herzen nahe ist. Wenn eine Hand kürzer als die andere ist, nennen die Menschen das Mißbildung. So ist es in himmlischen wie in irdischen Dingen."

     739. Urusvati weiß, daß sogar Worte von großer Bedeutung vergeblich ausgesprochen sind, wenn sie nicht von einer Sendung psychischer Energie begleitet werden. Solche toten Worte belasten nur den Raum. Die Menschen müssen verstehen, wie notwendig die von der psychischen Energie verliehene Kraft ist. Zu diesem Zweck ist im Verlauf vieler Jahrhunderte nicht ohne Grund von der Unerläßlichkeit des Glaubens gesprochen worden.
     Überzeugtheit verleiht der Rede Überzeugungskraft, doch muß man auch die Bedeutung der Überzeugtheit verstehen, weshalb Wir den Begriff des Befehls hinzufügen. Natürlich darf Befehl nicht im Sinne groben Beharrens verstanden werden, das die Gesprächsteilnehmer nur provozieren würde. Wir haben den inneren Befehl im Blick. Er verleiht den Worten Unanfechtbarkeit. Leider sind allzu oft böse Vorhaben von einem starken Willen begleitet und richten damit großen Schaden an. Dies bedeutet, daß man es lernen muß, den Befehl des Guten zu beherrschen.

[Russisches Original. Seite 664.]


     Die Menschen sind nicht oft dazu in der Lage, ihren Willen um des Guten willen anzuspannen. Niemand hat ihnen in der Kindheit gesagt, welch mächtige Waffe sie in sich haben können und wieviel überirdische Helfer ihr guter Befehl herbeizieht. Nur ungewöhnliche Bewußtseine verstehen die Bedeutung des Befehls. Sie lassen ihren Willen nicht zum Bösen abweichen. Solche Beispiele lassen sich aus verschiedenen Jahrhunderten anführen, und Wir nennen sie Fackeln der Menschheit. Sie handelten bewußt in Übereinstimmung mit der Überirdischen Welt und vermehrten damit ihre psychische Energie.
     Der Denker sprach: "Lernt es, den guten Befehl anzuwenden. Er vermehrt die Kräfte."

     740. Urusvati weiß, daß jede atmosphärische Erscheinung auf den Menschen einwirkt. Man sollte meinen, eine solche Bedingung würde weiten wissenschaftlichen Errungenschaften den Weg öffnen, doch das Schlimme ist, daß die heutige Wissenschaft vor allem danach strebt, die Erscheinungen zu klassifizieren, und dabei vergißt, daß die Wirkungen auf den Menschen individueller Art sein werden. Daher sind die Gelehrten nicht imstande, ihre begrenzten Beobachtungen in ein System zu fassen.
     Die Gelehrten sollten bedingten Begrenzungen entsagen, dann werden sie neue, unüberschaubare Wege betreten. Dazu muß man erkennen, daß jeder Mensch ein Mikrokosmos im vollen Sinne dieses Wortes ist. Es ist auch nicht schwer zu begreifen, daß jeder Mikrokosmos individuell und unwiederholbar ist.
     Der Chemismus jedes Mikrokosmos wird ein besonderer sein, ebenso wie jedes kleinste Teilchen des Makrokosmos individuell sein wird. Eine solche Bedingung widerspricht der Existenz von Weltgesetzen nicht. Sie erfassen alle möglichen Bedingungen und finden in der unwiederholbaren Individualität alles Existierenden nur den Schmelztiegel neuer Verbindungen von Energien. Die Energien können sich nicht ohne individuelle Zusammenstöße erneuern. Auf solche Weise kann man erfühlen, daß die vor langem aufgezeigte Einheit ein Konglomerat aus einer Vielzahl Individualitäten ist.
     Weise Regenten verstanden seit langem, daß die Individualität der Persönlichkeit sorgsam gewahrt werden müsse. Ein erfahrener Schullehrer fühlt, wie man die Individualität der Schüler wahren muß. Nur Unwissenheit kann zu der Annahme führen,

[Russisches Original. Seite 665.]


man könne alles über einen Kamm scheren. Solche Unwissenden handeln den kosmischen Gesetzen zuwider. Sie dürfen sich nicht Gelehrte nennen, da jeder wahre Forscher über die Fähigkeit verfügen muß, in großem Maßstab Möglichkeiten zuzulassen. Wir müssen immer wieder über solche elementaren Grundlagen sprechen, da der größte Teil der Menschheit von toten Termini betört ist und die Augen vor den einfachsten Erscheinungen der Natur nicht öffnen will. Man sollte meinen, die Individualität alles Existierenden sollte die Menschen erfreuen, denn gerade diese Bedingung gibt jedem Menschen einen besonderen Platz im Weltall. Gerade dieser Vorzug kann neue Errungenschaften eröffnen. Ein solch unermeßlicher Reichtum wird die künftige Wissenschaft zu Entdeckungen führen, die jetzt noch als märchenhaft erscheinen.
     Die Menschen sprechen oft über die Ähnlichkeit von Charakteren, die für Zusammenarbeit unerläßlich sei. Doch darf man nicht von Ähnlichkeit sprechen, sondern von Harmonie. Allein die Harmonie von Energien kann nützlich sein, doch ist Harmonie keine Wiederholung. Sie schafft einen Akkord; möge er kraftvoll und klangvoll sein. Eine Symphonie aus eintönigen Oktaven ist nicht vorstellbar. Mögen die Menschen die Polyphonie lieben lernen. Je reicher sie ist, desto mehr wird sie die menschlichen Herzen anziehen und zur Tat aufrufen. So laßt uns für die Mannigfaltigkeit der Wahrnehmungen offen sein. Möge die Natur nicht arm genannt werden.
     Der Denker sprach: "Die Natur ist unerschöpflich."

     741. Urusvati weiß, wie notwendig es ist, in freudiger Bereitschaft leben zu können. Über Bereitschaft haben Wir nicht erst einmal gesprochen, doch muß die Notwendigkeit freudiger Bereitschaft bekräftigt werden. Anderenfalls würde Bereitschaft nicht selten in etwas Verzagtes und Mißmutiges verkehrt werden, wozu der Betreffende sich verdammt fühlen würde. Mit solchen Eigenschaften gerät eine Bereitschaft zum Schaden für den Übergang in den feinstofflichen Zustand. Man darf nicht meinen, Wir würden hier nur vom moralischen Aspekt sprechen; ganz im Gegenteil: Wir haben den wissenschaftlichen Aspekt im Sinn.
     Man muß über die Notwendigkeit nachdenken, vor allem die besten Schwingungen zu wahren. Freude verleihen solche Schwingungen ebenso wie hochstehende Bestrebung. Doch die Menschen verstehen ein hochstehendes Gefühl oft falsch, während das Gefühl der Freude ihnen zugänglicher ist. Mögen sie an gute Begegnungen denken. Mögen sie die freudigsten

[Russisches Original. Seite 666.]


Vorstellungen in sich wachrufen. Mögen die Menschen in der Stille des Nachdenkens die besten Erinnerungen finden.
     Auf jede Erscheinung kosmischer Ordnung muß man sich lange, aber auch in Geduld vorbereiten. Wir raten immer dazu, sich zu konzentrieren und die Kraft in sich zu finden, die höchsten Entdeckungen geheimzuhalten. Eine Perle auszustreuen ist leicht, ermüdend jedoch, sie wieder zu suchen. Wer allzu leicht etwas ausplaudert, zerstört das Schloß vor dem verborgenen Archiv in sich. Beständiges Gleichgewicht zeichnet den Weisen aus. Er wird solche Samenkörner inmitten seiner Alltagsarbeit sammeln. Solche Arbeit sät Freude und Trost in seinem Bewußtsein gegenüber Kränkungen und Ungerechtigkeiten. Heldentat wird vor allem in freudiger Bereitschaft bestätigt.
     Der Denker rief fortwährend zur Erkenntnis der Freude als höchstem Heilmittel auf.

     742. Urusvati weiß, welchen Wert reine Vorstellungskraft hat. In ihrem Bereich leben auch Begeisterung und die übrigen Helfer des Aufstieges. Man muß jedoch die Reinheit der Phantasie besonders betonen, da anderenfalls Verbrecher meinen, ihre Phantasie sei von Wert.
     Unwissende meinen, Vorstellungskraft bilde sich von selbst und erfordere keine Erziehung. Dies ist ein großer Irrtum, denn alle Eigenschaften bedürfen der Erziehung. Man muß die Phantasie anhand der besten Beispiele heldenhafter Selbstaufopferungen erziehen. Die Natur gibt beste Beispiele verschiedener Errungenschaften, weshalb die sogenannten Naturwissenschaften sorgfältig unterrichtet werden müssen. Man muß die besten Seiten der Menschheit hervorheben. Die Kinder mögen verstehen lernen, daß hohe Wege offen vor ihnen liegen, und in solch einer Vervollkommnung werden sie auch Fragen über die Überirdische Welt stellen.
     Die Menschen berauben sich ihrer Möglichkeiten oft selbst. Sie begrenzen ihr Denken. So gehen sie beispielsweise davon aus, daß die Gedanken im Raum verschwinden würden. Dies ist ein Irrtum, da alles transmutiert wird, nichts jedoch verschwindet. Für die Entwicklung des Vorstellungsvermögens muß man solche Allgegenwart anerkennen.
     Der Mensch hat einen Weg gefunden, um Tonübertragungen über weite Entfernungen hinweg zu empfangen, ist aber dem Irrtum erlegen, der Ton bleibe in festgelegten Grenzen. Man kann die Verbreitung von Tonübertragungen nicht willkürlich begrenzen. Der Mensch

[Russisches Original. Seite 667.]


bildet sich ein, er habe bereits die Grenze des kosmischen Gesetzes erfaßt, doch sogar der Flug in die Stratosphäre wird erst ein kindlicher Versuch sein. Nur die Vorstellungskraft vermag den Menschen vor voreiligen Schlußfolgerungen zu bewahren. Es ist nicht möglich, ohne entwickeltes Vorstellungsvermögen über die Überirdische Welt nachzudenken. Man muß verstehen, daß die Wissenschaft frei und uneingegrenzt sein muß.
     Der Denker sprach: "Die Menschen träumen von Flügeln, doch die schnellsten Flügel sind in ihnen selbst."

     743. Urusvati weiß, daß auch die mächtigste Pflanze aus einem kleinen Samenkorn wächst. In einem winzigen Samenkorn sind die Grundlagen leuchtender Farben, starker Aromen und reichhaltiger, sowohl heilsamer als auch giftiger Stoffe enthalten! Dabei ist die Lebensfähigkeit des Samenkorns lang andauernd. Gleichgültig nehmen die Menschen solche wunderbaren Gaben der Natur hin, ohne zu überlegen, daß in allen Bereichen der Natur dieselbe Kraft wirkt.
     Die Menschen denken nicht darüber nach, daß jedes Korn psychischer Energie dieselbe Fähigkeit zu wunderbaren Wandlungen besitzt. Natürlich sind nicht alle Menschen so leichtsinnig; es gibt viele eifrige Beobachter, doch verteilen sie sich auf viele Stufen. Nicht selten können sie keimhafte Erscheinungen nicht von vollausgebildeten Errungenschaften unterscheiden. Einen Augenblicksfunken nehmen sie für eine abschließende Errungenschaft und vergessen dabei, daß der Weg vom Funken bis zum feurigen Lotus ein weiter ist.
     Wahres Gleichgewicht, Goldene Mitte genannt, erlaubt, die verschiedenen Stufen der Errungenschaften zu unterscheiden. Mögen die Menschen sich über jeden feurigen Funken freuen, aber verstehen, wie lang der Weg der Errungenschaft ist. Inmitten gesunder Vervollkommnung wird der Mensch auch über die Überirdische Welt in gesunder Weise nachdenken. Wir tragen gerade für die gesunde Vervollkommnung Sorge; sie ergibt sich durch beständiges und vernünftiges Nachdenken.
     Der Denker rief dazu auf, über wunderbare Naturgegebenheiten die Überirdische Welt zu erkennen.

     744. Urusvati weiß, daß der Mensch sich vor Gleichgültigkeit hüten muß. Sie ist der Untergang der Schwingungen, sie ist der Tod des Aufstieges, sie ist der Weg zum Stumpfsinn. Man wird sagen: "Aber Gleichgültigkeit soll doch von Wünschen befreien." Ein Irrtum, denn niemand hat gegen den Wunsch heldenhafter Selbstaufopferung gesprochen. Solche Wünsche

[Russisches Original. Seite 668.]


müssen als Wagemut verstanden werden. Sie sind wie Meilensteine des Aufstiegs. Bekundet Freude, wenn ihr Versuche solchen Wagemutes seht. Sie beweisen, daß solch ein Mensch niemals in Gleichgültigkeit verfallen wird. Anfänge von Wagemut lassen sich inmitten des Alltagslebens beobachten; solche Lichtblitze sind sehr wertvoll. Sie sind sogar wertvoller als Wagemut, der durch Erschütterungen und Nöte hervorgerufen wird.
     Man wird sagen:" Not schafft Helden", doch steht es höher, wenn das Heldentum aus sich selbst heraus entsteht, nämlich wenn ein erweitertes Bewußtsein die Schönheit der Heldentat erkennt. Möge Heldentat von jungen Jahren an geschaffen werden. Mögen die Kinder fühlen, daß sie schon selbständig etwas Schönes schaffen können. In jedem Alltag kann man die Aufschwünge kindlichen Denkens beobachten. Niemand hat die Kinder dies gelehrt, niemand hat ihnen ein Beispiel gegeben, doch das Bewußtsein gab ihnen ein, daß sie etwas Ungewöhnliches und jemand anderem Nützliches vollbringen könnten und müßten.
     Der Denker sprach: "Ersetzt die Gleichgültigkeit durch Edelmut.

     745. Urusvati weiß, daß die Psychologie als Wissenschaft ebenso real wie die Biologie sein und Wissen über die Überirdische Welt bekunden muß. Es war ein großer Fehler, die Psychologie als etwas Abstraktes darzustellen. Sie ist hingegen die Fortsetzung der Physiologie. So müssen sämtliche Stadien der Natur erkannt werden.
     Weshalb stellten die Gelehrten die Psychologie als etwas Abstraktes hin? Der Grund ist einfach, sie kannten die Überirdische Welt nicht. Für sie war die Überirdische Welt ein Märchen unwissender Siedler. Indessen erhebt sich die große Frage, wer sich in diesem Fall als Unwissender erweist. Können wir in der Psychologie rechte Schlußfolgerungen ziehen, wenn wir nichts von den Eigenschaften der psychischen Energie wissen? Ebenso notwendig ist es, die volle Realität der Überirdischen Welt in sich aufzunehmen. Man muß fähig sein, uneinheitliche Aussagen und Hinweise geduldig zu sammeln und sich ihnen gegenüber unvoreingenommen zu verhalten. Wir raten dazu, die Wissenschaft nicht mit neuen Termini zu überfrachten, sondern ihre Evolution fortzusetzen. Verkomplizierung führt zu unnötigen Teilungen. Wir raten immer, zu einer Synthese zu streben.
     Der Denker wies auf Menschen des Altertums hin, die mit wenigen Beobachtungen künftige Jahrhunderte beschreiben konnten.

[Russisches Original. Seite 669.]


     746. Urusvati weiß, daß ein guter Arzt vor der Verordnung einer Therapie sorgfältig sowohl von der körperlichen Seite wie von der psychischen Seite her untersucht. Der Arzt versteht, daß der psychische Zustand des Patienten ein Freund oder ein Feind sein wird.
     Jeder Arzt sollte auch Psychiater im besten Sinne dieses Wortes sein. Er kennt die gewöhnliche Erfahrung, daß ein und dasselbe Medikament, bei verschiedenen psychischen Zuständen verabreicht, auch völlig unterschiedliche Wirkungen zeitigt. Laßt uns dieses Beispiel auf alle Lebensfälle anwenden, besonders dann, wenn es sich um die Überirdische Welt handelt.
     Selbst die kleinste psychische Unpäßlichkeit kann einen zuverlässigen Mitarbeiter in einen Schädling verwandeln. Man muß den Zustand des Gesprächspartners umsichtig verstehen, um seine Lage nicht noch zu verschlimmern. Es ist besser zu schweigen, als einen schädlichen Streit anzufangen.
     Man muß besonders erfahrene Psychologen auszeichnen, wenn es ihnen gelingt, ohne jegliche Kränkungen Streit und Zwietracht zu vermeiden. Manchmal braucht man nur einen Tag oder gar nur eine Stunde abzuwarten, bis sich die seelische Verfassung des Mitarbeiters geändert und sich sein Zustand in Bereitwilligkeit gewandelt hat. Es ist wertvoll, solche Schwingungen auffangen und in überzeugender Weise dann Kenntnisse von der Überirdischen Welt vermitteln zu können.
     Der Denker sprach: "Lernt es zu vereinen, statt zu trennen."

     747. Urusvati weiß, daß ein von Synthese geprägtes Gedächtnis eine Folge großer Aufspeicherungen ist. Zu Beginn häuft der Tatmensch eine Menge Wissen an, dann erweitert sich das Bewußtsein, und dieses Wissen fließt in einer Erkenntnis ganz großer Erscheinungen zusammen. Schließlich fallen viele trockene Blätter ab, und es bleibt der Kristall der Erkenntnis über die Vervollkommnung der Menschheit übrig.
     Der Prozeß solcher Umgestaltung des Gedächtnisses kann wie ein Verlust desselben aussehen, was jedoch nicht den Tatsachen entspricht, denn viele Kenntnisse wandeln sich zu neuem Verstehen. Einem im Bewußtsein nicht standhaften Menschen muß man aufzeigen, wie rasch eine Synthese zu weiser, zusammenfassender Schlußfolgerung führen kann. Bei überaus bedeutenden Entdeckungen läßt sich beobachten, wie sehr der Geist des Forschenden in zusammenfassende Schlußfolgerungen mündet. Solche Phasen werden zu Recht als Stunden der Begeisterung bezeichnet, in denen

[Russisches Original. Seite 670.]


bestimmte Wissensansammlungen abfallen und der Pfeil dem Ziel zustrebt. Eine solche Synthese tritt besonders beim Nachdenken über das Überirdische hervor, und darum laßt uns jederzeit bereit sein, mit dem Denken zum Wesentlichen zu streben. Dieses Wesentliche ist das Ziel der irdischen Existenz. Lernen wir zu verstehen, daß über allen Wissenschaften die Erkenntnis des Überirdischen steht.
     Der Denker sprach: "Lernt es, alles von euch zu werfen, was die Erkenntnis des Überirdischen behindert."

     748. Urusvati weiß, daß das Schaffen des Guten die Pflicht des Menschen ist. Solches dem Wohl dienende Tun ist vielfältig. Man muß die Art seiner Einflußnahmen weise dem Bewußtsein entsprechend gestalten. Man muß das vertiefte Bewußtsein des Gesprächspartners verstehen, doch jeder ist fähig, Wissen in angemessener Form einzubringen.
     Vergessen wir nicht, welches die schlimmste Not der Menschheit ist - nicht physische Armut, sondern geistige Unwissenheit. Es herrscht die Überzeugung, nach dem irdischen Ende existiere nichts mehr, und leider verbreitet sich dieser Irrtum zunehmend. Die Religionen helfen wenig, da sie von unverständlichen Überlieferungen reden. Die Wissenschaft ist ebenfalls eine schwache Hilfe. Sie beeilt sich nicht aufzuzeigen, daß unanfechtbare wissenschaftliche Forschungsergebnisse die Überirdische Welt bestätigen.
     Die Wissenschaft weist nicht darauf hin, daß sich ein Mensch, von der Nichtexistenz nach dem irdischen Ende überzeugt, in der Feinstofflichen Welt in einer äußerst bedauernswerten Lage befindet. Sein Zustand wird schlimmer sein als der eines Anhängers auch der beschränktesten Religion. Er hat sein Bewußtsein selbst zur Verneinung erzogen, weshalb er sich beständig in einem unverständlichen und beängstigenden Trugbild befindet.
     Der Gedanke besitzt ein großes Beharrungsvermögen, in der Bestätigung wie in der Verneinung. Man kann sich vorstellen, wie bloßgestellt der Verneiner ist, wenn er in seiner gewohnten Denk- und Lebensweise in die Überirdische Welt eintritt. So wird jede Erklärung des Wesens der Überirdischen Welt eine wahrhaft gute Tat sein.
     Helft den Unwissenden, wo ihr könnt.
     Der Denker forderte die Schüler auf, immer die Überirdische Welt zu bestätigen.

[Russisches Original. Seite 671.]


     749. Urusvati weiß, wie oft man psychische Erscheinungen mit physischen vergleichen kann. Ein Flugpilot fürchtet Abgründe in der Luft; ebenso existieren auch psychische Abgründe. Wenig erfahrene Prüflinge fürchten sich sehr vor ihnen, da sie meinen, die Ursache des Geschehens befinde sich in ihnen selbst. Sie denken, ihre Fähigkeiten ließen nach oder verschwänden ganz, doch die Erfahrung zeigt, daß hier eine kosmische Ursache vorliegt.
     Ich will einen noch einfacheren Vergleich anführen. Seht auf euer Abbild in ruhigem Wasser, bewegt darauf dessen Oberfläche, das Spiegelbild verschwindet, zeigt sich darauf in verzerrter Form, und erst nach einiger Zeit wird es wieder klar. Ebenso wirkt psychischer Aufruhr, das menschliche Antlitz verliert sich und verkehrt sich für lange in eine häßliche Maske. Kann man sich in solcher Häßlichkeit der Überirdischen Welt zuwenden? Sie wird durch die Häßlichkeit verändert erscheinen. Es bedarf längerer Zeit, bis die geistige Oberfläche wieder ihr wahres Spiegelbild zeigt. So erinnert euch anhand einfachster Beispiele, welche Bedingungen dem besten Verstehen der Überirdischen Welt dienlich sind.
     Es ist im irdischen Leben nicht immer möglich, beste Möglichkeiten zu bekommen, doch dann darf man die feinstofflichen Bereiche nicht berühren. Der Aufruhr wird sich legen, und dann kann man sich den erhabenen Dingen leicht zuwenden. Anderenfalls ergäbe sich eine Schmähung, doch ihr wißt, wie schädlich diese ist. Auf solchem Weg der Selbstbeobachtung läßt sich erkennen, wie abstoßend ein verzerrtes Spiegelbild ist.
     Der Denker riet:" Bewegt die Wasseroberfläche, und studiert, was mit eurem Antlitz geschieht."

[Russisches Original. Seite 672.]


     750. Urusvati weiß, welchen Wert ein feierlicher, freudiger Zustand hat. Die einen bezeichnen solch eine Verfassung als Leuchte der Überirdischen Welt, andere als Tor zur Feinstofflichen Welt. Freudig muß man in das geliebte Vaterland eingehen. Jeder vermag die Bedingungen seines Übergangs zu verbessern. Der Mensch wird durch seinen Magneten von Schwingungen angezogen, was bedeutet, daß es nützlich ist, die eigenen Schwingungen zu heben. Der weitaus leichteste Weg wird sein, sich mit feierlicher Freude zu erfüllen.
     Man darf jedoch nicht denken, solche Verfassung sei leicht erreichbar. Sie ist keine ausgelassene Heiterkeit. Die meisten Menschen können Freude von irdischer Heiterkeit nicht unterscheiden, doch ist der Unterschied groß. Man muß sich vorbereiten, um feierliche Freude klar erkennen zu können. Wir bestätigen vor allem eine feierliche Verfassung. Man kann in einem solch glücklichen Zustand leben, daß aller irdischer Kummer eine besondere Bedeutung gewinnt. Natürlich sprechen Wir nicht von künstlicher Feierlichkeit. Manche geben den Anschein, als würden sie Feierlichkeit kennen, tatsächlich jedoch betrügen sie nur sich selbst. Mögen die Menschen anstreben, über die Überirdische Welt in feierlicher Einstellung nachzudenken. Mögen die schönsten Bilder sie begleiten. Mögen die höchsten Harmonien helfen, die Schwingungen zu heben.
     Der Denker gebot: "Schöne Bilder und harmonische Klänge werden überirdische Leuchten sein."

     75l. Urusvati weiß, daß Furchtlosigkeit stärker als jegliche Art von Beschwörung ist. Ihr wißt jedoch auch, daß ein Sprung den Wert eines kostbaren Steines herabsetzt. So verliert auch Furchtlosigkeit ihre Kraft, wenn sie nicht vollständig ist. Man darf sich nicht damit beruhigen, der Mensch könne halbe Furchtlosigkeit besitzen. Er wird vor Furcht nicht sicher sein, und wie will er es dann wagen, in die Unbegrenztheit zu blicken? Möge der Mensch Furchtlosigkeit lernen, anderenfalls wird ihn die Überirdische Welt ängstigen.
     Es ist nicht leicht, Furchtlosigkeit zu erlernen, wenn keine in Vorleben gewachsene Kühnheit vorhanden ist. Jedes Hindernis der Vergangenheit hat bereits gelehrt, wie man es überwindet. Der in der Vergangenheit bekundete Sieg hilft, sich neuen Überwindungskämpfen zu stellen.

[Russisches Original. Seite 673.]


     Möge der Mensch nur verstehen, daß niemand ihn seines Lebens berauben kann. Es ist falsch zu meinen, Leben gebe es nur auf der Erde. Tapferkeit erstarkt durch das Bewußtsein, daß Leben unzerstörbar ist. Eine solche Überzeugung ist der Weg zur Furchtlosigkeit. Ebenso muß man sich klarmachen, daß nur das volle Verstehen der Unzerstörbarkeit des Lebens von Wert ist. Ein kleiner Beschwörer weiß bereits, daß sein Wort mit vollem Glauben ausgesprochen werden muß, da sonst auch die mächtigste Formel ihre Bedeutung verlieren wird. So möge der Mensch danach streben, völlige Furchtlosigkeit in sich zu tragen, wenn er in die Überirdische Welt schauen will. Furchtlosigkeit hebt die Schwingungen.
     Der Denker sprach: "Mitunter scheint es mir, als sei ich furchtlos, doch werde ich vor furchterregender Gefahr auch bestehen? - Ich befehle mir standzuhalten!"

     752. Urusvati weiß, daß Geduld die Mutter der Duldsamkeit ist. Unduldsamkeit ist ein Gezücht der Unwissenheit. Nichts unterbindet Errungenschaften so sehr wie Unduldsamkeit. Von klein an muß man zu Duldsamkeit erzogen werden. Neben ihr wohnt das Mitleid. Duldsamkeit bestätigt den besten Weg. Man darf Streitsüchtige nicht ablehnen, denn in ihren Worten ist ein Teil der Wahrheit enthalten. Möge dieses kleine Teilchen eine Brücke zur Vereinigung werden. Doch braucht man Geduld, um solch ein Teilchen der Wahrheit auch zu erkennen. Bei einem Besuch in der Feinstofflichen Welt kann man sehen, wie sehr gerade Duldsamkeit gestattet, die besten Schwingungen aufzuspüren. Das Bewußtsein muß eingeben, wo wahre Mitdenker vorhanden sind. Dem Äußeren und der Ausdrucksweise nach können sie überaus verschieden sein, in den Schwingungen jedoch sind sie sich ähnlich. Allein wahre Duldsamkeit läßt auch gemeinsame Freundschaft wachsen.
     Möge die Lehre über die Überirdische Welt alle Eigenschaften aufzeigen, die für die Errungenschaft notwendig sind. Nicht nur die ethische Grundlage, auch gegenseitiger Nutzen ist beim Nachdenken über die überirdische Existenz notwendig.
     Der Denker lehrte die Schüler, vor allem mit Schönheit verbundene Duldsamkeit zu bekunden.

     753. Urusvati weiß, weshalb die uranfängliche Energie zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Namen

[Russisches Original. Seite 674.]


erhielt. Dies ist völlig natürlich, da die Benennungen der Energie dem Bewußtseinszustand entsprechen muß. Überdies ruft die Einwirkung der Energie auf die verschiedenen Nervenzentren auch ganz bestimmte Vorstellungen hervor.
     Der Gedanke beruht auf der uranfänglichen Energie. Ein Mensch in geistiger Anspannung zieht die räumliche Energie herbei und vermag durch sie in besonderer Weise erfolgreich zu sein. Die Menschen können gewöhnlich nicht verstehen, weshalb sie nicht in der Lage sind, von der Energie Gebrauch zu machen, die doch offensichtlich jeden unterstützt. Sie haben jedoch ihr Denken nicht entwickelt und können ihren Magneten nicht verstärken, wodurch sie sich selbst der Hilfe von oben berauben.
     Die Wissenschaft spricht bereits wiederholt von einer räumlichen Kraft, kann aber nicht erklären, wie sehr das Laboratorium des Menschen der räumlichen Ströme bedarf. Der Mensch kann sich der Überirdischen Welt nicht nähern, wenn ihm die Erkenntnis der räumlichen Energie fremd ist.
     Bemerkt, daß Wir jetzt die uranfängliche Energie als räumliche Energie bezeichnen, damit die Gelehrten hierbei nichts Religiöses unterstellen. Wir möchten niemanden erbittern, möge jeder auf seinem Weg gehen, doch wenn er denkt, wird er irgendwann zur Erkenntnis der Macht der uranfänglichen Energie gelangen. Möge der Mensch über die Erkenntnis der Reflexe seine Aufmerksamkeit gegenüber ungewöhnlichen Erscheinungen in seiner Umgebung erhöhen. Später wird er darauf kommen, daß eine ungewöhnliche Erscheinung dennoch eine überaus natürliche, gewöhnliche Erscheinung der Macht der Energie ist.
     Der Denker wies auf den Magneten des Herzens. Er wußte, welches Zentrum der beste Empfänger für die uranfängliche Energie sei.

     754. Urusvati weiß, wie schmerzlich sich gewisse Laute bei einer Gedankenübertragung auswirken können. Dabei läßt sich feststellen, daß mitunter großer Lärm leichter vertragen wird als kleine, schrille Ausrufe. Man sollte meinen, solche Erscheinungen bedürften der Erforschung, doch wie und wo findet man Ärzte, die eine sich vollziehende Transmutation des Organismus aufmerksam beobachteten? Der Arzt sollte für

[Russisches Original. Seite 675.]


das Verständnis solcher Erscheinungen offen sein, doch viele Ärzte unterbinden allein durch ihre Anwesenheit schon jegliches Inerscheinungtreten der psychischen Energie.
     Man muß sich dessen bewußt sein, daß es viele solcher toten Verneiner gibt, besonders unter den sogenannten Gelehrten. Statt die Gefühle zu verfeinern, töten sie sie in nicht wiedergutzumachender Weise. Wie könnten sie bei Gedankenübertragungen anwesend sein? Wie könnten sie den Zustand des Organismus erforschen, der ferne Ströme empfängt? Dennoch wird man solche verfeinerten, objektiven Beobachter finden können, die nicht nur nicht stören, sondern die Erscheinung sogar verstärken.
     Möge das Denken zu psychischen Beobachtungen streben. Bei solchen Forschungen werden die Menschen einander unwillkürlich näher kommen und zu nützlicher Zusammenarbeit zusammenfinden. Mögen sie gedanklich in der Überirdischen Welt reisen. Wenn die ersten Reisen noch primitiv sind, darf das nicht bekümmern. Hilfe wird eintreffen, wenn das Bestreben nur aufrichtig ist.
     Der Denker sprach: "Wann nur werden Ärzte auftreten, die den Menschen erkennen?"

     755. Urusvati weiß, daß der geistig erfolgreich Voranschreitende zu erkennen vermag, worin das Wichtigste und Unaufschiebbarste besteht. Man darf nicht denken, der Verstand sei bei dieser Art unterscheidender Erkenntnis behilflich. Ganz im Gegenteil, der Verstand kann in einen Abgrund von Fehldeutungen führen. Allein die in Verbindung mit der Höheren Welt getretene psychische Energie kann das Urteilsvermögen auf den Weg der Wahrheit lenken.
     Das Wichtigste, das absolute Sein, wird dennoch jedem Menschen individuell erscheinen. Man muß nur verstehen, wie sehr die Individualität sich aus einer Vielzahl von Bedingungen zusammensetzt, die sich im Verlauf verschiedener Jahrhunderte inmitten verschiedenster Ursachen entwickelt haben. Dennoch kann der geistig erfolgreich Voranschreitende die Funken des Absoluten klar erkennen.
     Es ist nicht leicht, das Wichtigste inmitten des irdischen Daseins zu erkennen, man muß ihm ungeachtet aller Hindernisse zustreben. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß die Hindernisse, anders gesagt die Wasserbewegung des Lebensflusses, helfen, die hauptsächliche und damit für die Weiterentwicklung rettende Strömung wahrzunehmen. Nur geistige Anspannung vermittelt das Verstehen, wie immer und überall

[Russisches Original. Seite 676.]


die führende Macht wahrgenommen werden kann. Allein der Gedanke an die Überirdische Welt hilft dem Menschen, das für ihn jeweils erreichbare Teilchen des Absoluten klar zu erkennen.
     Der Denker schlug vor, daß jeder sich die Aufgabe stelle, verstehen zu lernen, wie das Höchste sich inmitten irdischer Stürme offenbart.

     756. Urusvati weiß, wie tiefgreifend der Mensch erkennen muß, daß er in ewiger Bewegung und ständiger Umwandlung begriffen ist. Beide Bedingungen können wissenschaftlich bewiesen werden, und dennoch denken die Menschen nicht darüber nach. Besonders die zweite Bedingung, die Umwandlung, bereitet Schwierigkeiten. Die Menschen können noch zustimmen, daß sich Veränderung in Verbindung mit dem Wachstum und dem Gesundheitszustand vollzieht, nicht jedoch begreifen, in jeder Stunde in Umwandlung begriffen zu sein.
     Natürlich sind besonders empfindliche Apparate in der Lage, die Veränderung der menschlichen Schwingungen und aller Nervenzentren anzuzeigen, doch werden solche Apparate noch nicht angewandt, und erst vor kurzem ist der Wissenschaftszweig zur Erforschung der Nerven und der Drüsen entstanden. So wird das Wichtigste für die Erkenntnis der Überirdischen Welt mißachtet.
     Ebenso mißachtet wird das Studium des Gedankens. Doch nicht allein solche Grundfunktionen des Menschen schätzt man noch gering, selbst die den Menschen umgebende Atmosphäre wird nicht studiert. Man hat die Zusammensetzung der Luft entdeckt, übersieht aber die atmosphärischen Schwingungen und die mächtigen chemischen Einwirkungen auf alles Existierende. Kann man jedoch über Umwandlung sprechen, wenn es den Menschen leichter fällt, sich ihre Erstarrung vorzustellen?
     Auf den Wegen der Umwandlung erinnert euch des Vermächtnisses des Denkers: "Lernt es, geduldig fremdem Schmerz zuzuhören. Pflegt das Wohlwollen in euch, die Freude des anderen zu entfachen. Ihr kennt die Quelle der Leiden anderer nicht. Ihr kennt nicht die Ursachen, die die Freude entstehen lassen. Lernt es jedoch, den Nächsten zu erwärmen und ihn zu beflügeln."

     757. Urusvati weiß, daß die Erkenntnis der Überirdischen Welt in naher Zukunft zunehmen wird. Die Wissenschaft wird dazu beitragen, doch überdies wird auch das Bewußtsein der Menschen im Volke auf die Erscheinungen jeden Tages aufmerksamer werden. Man muß das Volk ermutigen und aufklären, daß Aufmerksamkeit

[Russisches Original. Seite 677.]


gegenüber psychischen Erscheinungen kein Aberglaube ist. Es ist bereits hinreichend aufgezeigt worden, daß Aberglaube und Vorurteil Folgen der Unwissenheit sind. Nun aber muß gesagt werden, daß Unaufmerksamkeit gegenüber feinstofflichen Erscheinungen genau solche Unwissenheit sein wird.
     Man muß das Bestreben erstarken lassen, die feinstofflichen Erscheinungen der Umgebung zu beobachten. Man muß Auge und Ohr schärfen, um im Alltag die Verschmelzung des irdischen Lebens mit der Feinstofflichen Welt zu erkennen. Es muß erklärt werden, wie nahe die Feinstoffliche Welt jedem Wesen steht. Solche Beobachtungen werden der Wissenschaft nützlich sein. Man darf es nicht spöttisch belächeln, wenn unerfahrene Beobachter zu falschen Schlußfolgerungen gelangen. Jede Beobachtung kann einen Funken der Wahrheit in sich bergen, und die Gelehrten können diese Funken erkennen.
     Möge Wohlwollen die Grundlage aller psychischen Beobachtungen sein, anderenfalls werden die Menschen sich in Schweigen verschließen, und viel Wertvolles wird verlorengehen. Erscheinungen der Feinstofflichen Welt können einem Spinngewebe ähnlich sein; man kann es zerreißen, doch wird man die Anwesenheit von etwas Feinstofflichem lange verspüren. Erinnert euch, daß die Feinstoffliche Welt sich in feinsten Berührungen offenbart, und so sollte die Wissenschaft sich in ihrer Beobachtungsweise solchen feinsten Ausdrucksformen anpassen.
     Möge man sich der Worte des Denkers erinnern: "Das Feinste kann nur mit großer Aufmerksamkeit wahrgenommen werden."

     758. Urusvati weiß, weshalb Wir oft an den Wert der Arbeit erinnern. Arbeit erzeugt Rhythmus. In der Arbeit tritt man mit überirdischen Schwingungen in Verbindung, weshalb eine hohe Arbeitsqualität so sehr von Bedeutung ist. Dabei hebt jeder Arbeiter seine Schwingungen und nähert sich dem Aufstieg.
     Man darf nicht besondere Arbeitsbereiche hervorheben, da man in jeder Arbeit hohe Anspannungen erreichen kann. Arbeit sollte rhythmisch sein und daher täglich durchgeführt werden. Für Arbeit darf man nicht erst irgendwelche besonderen Begeisterungssprünge erwarten. Das Gebet der Arbeit kann in jeder Stunde erklingen, in ihm erreicht der Mensch neue Vervollkommnung.

[Russisches Original. Seite 678.]


Laßt uns Maschinenarbeit nicht ablehnen, wenngleich in angespannten Händen wahre Handwerkskunst zum Ausdruck kommt. Wer wird zwischen Handwerk und schöpferischer Arbeit eine Grenze ziehen wollen? Wahrlich, ein bewußter Arbeiter ist in seinem Bereich immer auch ein schöpferisch Tätiger. Glücklicherweise kann man jeden Bereich vervollkommnen. Dabei nimmt der Mensch unwillkürlich Berührung mit höheren Schwingungen und der Überirdischen Welt auf. Ein jeder Augenblick solcher Verbindung kann eine nützliche Entdeckung herbeiführen, wobei wohlwollende Zusammenarbeit unterstützend wirkt.
     Die Vervollkommnung der Arbeit ist eine sehr naheliegende Aufgabe. Nicht ferne Jahrhunderte, sondern künftige Jahre werden den Sieg der Arbeit offenbaren, und damit wird die segensreiche Schwingung der Neuen Epoche nahen. Vergessen wir nicht, daß man an der Grenze zur lichten Epoche Arbeit als ehrenvolle Aufgabe werten muß.
     Der Denker sprach: "Man kann die Arbeit ehren, doch muß man auch ihre hohe Bestimmung verstehen."

     759. Urusvati weiß, wie wertvoll schweigende Zuwendung zur Überirdischen Welt ist. Jede wörtliche und gedankliche Zuwendung enthält eine Bitte, einen Wunsch oder irgendein menschliches Gefühl in sich, doch das Wesen der Überirdischen Welt ist unaussprechlich, es ist nicht in Worte zu fassen. Die Hinwendung zu einem hohen Wesen sollte ebenso wortlos erfolgen.
     Möge das Denken des Menschen für einen Augenblick ruhen, seine Augen geschlossen und sein Gehör verstummt sein - dann kann ein Seufzer den Menschen in höchste Überirdische Welten führen. Er möge nicht bitten, nicht fordern, nicht loben, sondern sich nur an das große Sein wenden. Jeder vermag einen Augenblick solchen Emporschwingens zu finden. Jeder kann die gesunde Stärkung durch die Berührung der Höchsten Welten wahrnehmen.
     Es bedarf keiner besonderen Beschwörungen. Der Geist strebt seiner Natur gemäß und wird von dem Großen Magneten angezogen. Gebt dem Geist nur die Freiheit, und bindet ihn nicht in menschliche Beschränkungen. Er wird sich selbst emporschwingen und jubelnd zurückkehren. Auf solche Weise wendet sich der Mensch zur Überirdischen Welt. Eine solche Zuwendung vollzieht sich weitaus häufiger, als man gemeinhin annimmt. Die Menschen bemerken nicht, wie sich eine Erneuerung vollzieht und schreiben sie irgendwelchen irdischen Bedingungen zu, doch groß

[Russisches Original. Seite 679.]


ist der Wert der schweigenden Zuwendung zur Überirdischen Welt! Mögen die Menschen dieses Tor nicht vergessen.
     Der Denker riet den Schülern:" Lernt es, die Größe der Gedanken nicht durch irdische Nichtigkeit herabzusetzen."

     760. Urusvati weiß, wie segensreich Zusammenarbeit ist. Viele verstehen, daß Zusammenarbeit die Produktivität vermehrt und die Qualität erhöht, doch nun möchte Ich auf eine weitere wertvolle Eigenschaft der Zusammenarbeit hinweisen. Nehmen wir einen Chor von Soldaten oder Arbeitern, so werden sich in einer solchen Vereinigung nicht wenige finden, die von Unglück bedrückt sind, doch überdeckt die durch die gemeinsame Aufgabe erwirkte Vereinigung ihre persönlichen Mißgeschicke. Ein solches gemeinsames Streben hilft, vom persönlichen Leiden Abstand zu gewinnen. Man darf nicht meinen, die gemeinsame Arbeit lasse die persönlichen Gefühle verstummen; im Gegenteil, sie macht es möglich, die Bestrebung auf eine höhere Stufe zu führen, was natürlich nur bei hoher Arbeitsqualität gilt. Auf solche Weise kann gemeinsame Arbeit den Menschen helfen.
     Ebenso verstehen muß man, daß die Annäherung an die Überirdische Welt bei gemeinsamem Herangehen verstärkt werden kann. Die unterschiedlichen Formen des Verständnisses vermögen einen harmonischen Chor zu bilden. Solche hingebungsvolle Bestrebung kann auch einem gemeinsamen Wunsch Ausdruck verleihen.
     Mögen, wo es möglich ist, kleine Gruppen gebildet werden, in denen man zu überirdischer Erkenntnis strebt. In solchen Freundeskreisen kann man einander große Hilfe erweisen. Man stärkt sich gegenseitig gegenüber dem Spott der Massen, man hilft sich, Aufmerksamkeit gegenüber Erscheinungen der Überirdischen Welt zu erlangen. Solche Gruppen sollen klein sein, da die Schwingungen der einzelnen Teilnehmer die Harmonie nicht stören dürfen. Niemand vermag das Bestreben zur Wirklichkeit des Seins zu befehlen, doch schafft die Verbindung der Schwingungen einen mächtigen Aufstieg.
     Der Denker rief Seine Schüler zu gemeinsamer Arbeit auf: "Möge schöne Arbeit eure Wunden heilen."

[Russisches Original. Seite 680.]


     761. Urusvati weiß, daß die Wissenschaft das Vorhandensein eines Giftes im menschlichen Organismus festgestellt hat, das durch Zorn und Gereiztheit entsteht. So wird die Wissenschaft auch das Gift erkennen, das durch Furcht und Zweifel entsteht. Zweifel ist eine Abart der Furcht und zersetzt den Organismus.
     Es muß daran erinnert werden, daß der Zweifelnde nicht nur sich selbst, sondern auch den wohlwollenden Kräften schadet. Schon die Ausstrahlung eines solchen Menschen macht es unmöglich, daß er die ihm gesandten Energien aufnimmt. Solch ein Mensch kann die Feinstoffliche Welt nicht berühren. Er kann die Realität feinstofflicher Wirkungen nicht wahrnehmen. Er befindet sich gewissermaßen in ständiger Verneinung und zerstört sein eigenes Schaffen.
     Man muß totenähnlichen Zweifel von feinfühliger Erkenntnissuche unterscheiden. Der Mensch soll vernünftig über das Geschehen nachdenken, und dafür ist ihm das Gefühlswissen gegeben. Es bewahrt ihn vor Fehlern. Es kann entwickelt werden und rettet vor den Giftnattern des Zweifels.
     Ein vom Gift des Zweifels erfüllter Mensch kann auf feinstoffliche Energien nicht reagieren. Ein verseuchtes Wesen kann sich nicht zu Flügen in höchste überirdische Bereiche emporschwingen. Körperliche Gesundheit rettet den Menschen nicht, es bedarf der Gesundheit des Geistes.
     Der Denker sprach: "Ein Zweifelnder gleicht einem furchterfüllten Krieger, der aus dem Kampf fortläuft."

     762. Urusvati weiß, daß die Wissenschaft den durch Schwermut und Neid erzeugten schädlichen Chemismus bald feststellen wird. Es läßt sich beobachten, daß solche Anwandlungen mit einer teilweisen Lähmung gewisser Nervenzentren einhergehen. Selbstverständlich wird die Färbung der Ausstrahlungen anschaulich aufzeigen, wie sehr die Energie des Organismus gleichsam dahinwelkt. Kann man unter solchen Bedingungen überirdische Zeichen empfangen?
     Überhaupt ist es unerläßlich, die verschiedenen seelischen Stimmungen des Menschen gut zu verstehen. So könnte man ein Verzeichnis positiver und negativer Eigenschaften anlegen, die den im Strom des Lebens Schwimmenden heftig ergreifen können. Dabei wird man beobachten können, daß es tief verwurzelte wie auch nur halb oder schwach ausgeprägte Eigenschaften gibt. Sie gleichen einem verdorbenen chemischen Experiment. Die Reaktion kommt nicht zustande, und feinstoffliche Energien können nicht zur Anwendung gelangen.

[Russisches Original. Seite 681.]


Werdet nicht müde, den Anfängern zu wiederholen, daß die Bedingungen der Feinstofflichen Welt von den irdischen vollkommen verschieden sind. Diese einfache Überlegung ist der heutigen Menschheit völlig fremd. Die Menschen ziehen es vor, neue Erkenntnisse zu verneinen, anstatt über ihre seelische Verfassung und deren Folgen nachzudenken.
     Es wäre dem Menschen nützlich, öfter in wissenschaftlichen Vergleichen zu denken. Man darf nicht meinen, wissenschaftliche Termini könnten das zur Feinstofflichen Welt bestrebte Herz austrocknen. Das überirdische Laboratorium ist dem gesamten Weltall ähnlich.
     Der Denker sprach: "Wer der Schwermut verfällt und sich von Neid bemächtigen läßt, gleicht einem Leichnam."

     763. Urusvati weiß, daß Freude wie ein seltener Vogel ist. Wenn er ans Fenster klopft, müßt ihr ihn hereinlassen können. Selbst die geringste Freude im Alltagsleben vermag die Ausstrahlungen des Menschen schon zu verändern. Man kann sich vorstellen, wie sehr das Wesen des Menschen sich bei Freude über die Höhere Welt erhellt.
     Es lassen sich durch Freude erzeugte wohltuende Chemismen entdecken. Krankheiten können durch Freude geheilt werden. Es ist an der Zeit, daß die Wissenschaft den Wert der Freude zu erforschen beginnt. Nicht selten wird von grundloser Freude gesprochen, was eine falsche Definition ist. Nichts kann grundlos sein. Die Fähigkeit, ferne Ursachen zu fühlen, kennzeichnet bereits ein hochstehendes, verfeinertes Bewußtsein.
     Es kann für Flüge des Denkens keine Grenzen geben, und so vermögen auch die Flügel der Freude aus der Überirdischen Welt herbeizustreben. Um so aufmerksamer muß man auf die im Herzen aufkommende Freude hören. Doch ist es notwendig, einigen Menschen zu erklären, daß Wir die reine Freude im Blick haben, Freude über das Gute, Freude über schöpferisches Tun. Anderenfalls werden alle, die sich in Schadenfreude ergehen, lachen und sich einbilden, ihre Ausstrahlungen würden dabei lichter werden.
     Schadenfreude erzeugt ein starkes Gift und stürzt den Menschen in Finsternis. Denkt nicht, Ich würde über abstrakte Grundlagen sprechen, Ich wiederhole nur die Gesetze der Biologie.
     Der Denker sprach zu denen, die nach Glück suchten: "Freude ist Glück."

[Russisches Original. Seite 682.]


     764. Urusvati weiß, wie sorgsam man jede positive Erscheinung hüten muß. Hier nun sprechen wir über die Eigenschaften der Freude: "Mensch, verfinstere die Freude deines Nächsten nicht. Es mag sein, daß sie dir fremd und bedeutungslos erscheint, doch läßt sie den Raum gesunden, und es ist nicht an dir, über die Quellen solcher Freude zu urteilen. Mensch, setze etwas Nützliches nicht mit deinem Spott und deinen Kränkungen herab."
     "Mensch erinnere dich, daß du zum Hüter des Raumes bestimmt bist. Du kannst ihn gesund erhalten oder ihn beschmutzen. Du kannst der Überirdischen Welt nicht zustreben, wenn du tötende Gifte erzeugst. Mit jedem Atemzug sendest du dem Raum Gesundung oder Zerstörung."
     Weshalb denkt der Mensch so selten über die hohe Verantwortung nach, die mit seinem Dasein verbunden ist? Bei seinem Gang auf die Erde dachte er an etwas Vollkommenes; weshalb träumen die Menschen dann im irdischen Leben so selten von Heldentat?
     Überlieferungen aus alten Zeiten erscheinen ihm als Märchen, die nicht verwirklichbar sind, und grabesähnliche Verwesung drückt das Denken des Menschen nieder. Indessen bildet jeder schöne Gedanke eine räumliche Kraft.
     Die Menschen träumen nur selten von der zukünftigen Existenz, um so beharrlicher muß man immer wieder von der Realität der Überirdischen Welt sprechen. Möge ein Lehrer die Möglichkeit finden, mit jedem Gesprächsgegenstand an die Erhabenheit der Unbegrenztheit zu erinnern. Mögen die Kinder sich öfter in Träumen dorthin emporschwingen, wo es ihnen wohl ergehen wird.
     Der Denker bat: "Vermeidet Streit und schlechte Erinnerungen, denn sie sind schädlich."

     765. Urusvati weiß, wieviele Einzelbereiche in der Astrobiologie enthalten sein werden. Ganze Universitäten werden dem Studium dieser Forschungsgebiete gewidmet sein, die für die Menschheit überaus wichtige Bedeutung haben. Mögen solche Einrichtungen im engen Zusammenhang mit Aufgabenstellungen aus dem physischen und psychischen Bereich des Lebens arbeiten.
     Gemeinsam mit der Astrobiologie muß auch die Psychobiologie des Menschen entwickelt werden. Nur in solcher Zusammenarbeit läßt sich die innige Verbindung zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos erkennen. Leider wird das Studium der Psychobiologie zumeist in entstellter Weise durchgeführt.

[Russisches Original. Seite 683.]


Die psychischen Forschungen erstrecken sich meist nur auf besondere Erscheinungen, während doch die normalen Lebenserscheinungen Forschungsgegenstand sein sollten.
     Die Menschen dürfen sich die Gegebenheit der Überirdischen Welt nicht als etwas Übernatürliches vorstellen, sondern müssen sie sich als Grundlage des irdischen Lebens zu eigen machen. Nur wenn die Realität der Überirdischen Welt erkannt wird, kann die Evolution voranschreiten. Um so mehr muß man zu der Erkenntnis streben, daß die heutigen Lebensbedingungen von vergiftenden Einflüssen gereinigt werden müssen, die von der Menschheit selbst hervorgerufen wurden.
     Vor den Augen aller vollziehen sich Vergiftung und Zersetzung. Die Menschen bringen das Gift selbst in das Leben ein und fördern damit die Zersetzung ihrer eigenen Nachkommenschaft. Vor langem schon wurde über den Schaden gemischten Blutes gesprochen, doch wird dieses zur Zeit nicht in großem Maße praktiziert? Richtig ist, daß damit in vielen Fällen das Leben erhalten wird, doch lösen die inneren Wirkungen nicht wiedergutzumachende Schäden aus. Gemischtes Blut harmoniert selten mit dem individuellen Blut des Menschen.
     Die Menschen lieben es, über den Zerfall ganzer Völker zu sprechen, doch vollzieht sich solch ein Prozeß über viele Jahre. Aus diesem Grund muß die Psychobiologie beachtet werden.
     Der Denker sprach: "Es ist eine Freude zu erkennen, daß wir in ständiger Zusammenarbeit mit der Überirdischen Welt stehen."

     766. Urusvati weiß, wieviele überholte Begriffe durch zweckmäßigere ersetzt werden müssen. Man darf nicht meinen, solche Begriffe hätten sich bereits in fernen Zeiten überlebt. Einige von ihnen sind noch nicht einmal hundert Jahre alt, ohne ihrer ursprünglichen Bestimmung noch dienen zu können. So ist beispielsweise das Wort "Spiritismus" nicht alt, hat jedoch seinen Nutzen bereits verloren. Es hat sich als beschränkter und oberflächlicher Begriff erwiesen. Die Suche nach Wissen muß in Verbindung mit weitgefaßten überirdischen Bereichen vorgenommen werden und darf sich nicht auf spiritistische Sitzungen beschränken, die doch nur wenig Wissen vermitteln. Psychische Forschungen hingegen geben den Boden für neue Erkenntnisse.
     Ebenfalls vermieden werden müssen absurde wissenschaftliche Konstruktionen, die nur den einheitlichen Korpus der Wissenschaft zerstückeln. So wird von Parapsychologie gesprochen. Wozu soll eine solche Konstruktion dienen, wenn der weite Bereich der Psychologie auch all solche scheinbaren Überbauten in sich aufnimmt? Auch die Metaphysik kann nur so lange existieren, als die Physik nicht hinreichend verstanden wird.

[Russisches Original. Seite 684.]


Es lassen sich viele Beispiele dafür anführen, daß der Korpus der Wissenschaft ohne jegliche Notwendigkeit geteilt wurde. Gleichzeitig spricht man dann viel von Synthese, von der großen einen Energie, doch bleiben solche Worte nur leere Hüllen.
     Die Menschen ziehen es vor, sich in kleinen Bereichen der Spezialwissenschaften zu isolieren, die der übrigen Wissenschaft angeblich überlegen seien, anstatt bei den großen Aufgabenstellungen zusammenzuarbeiten. So ergeben sich spitzfindige, lange Bezeichnungen, die zu nichts dienlich sind. Natürlich weist jede Wissenschaft viele Teilbereiche auf, doch müssen sie Zweige eines einheitlichen Baumes sein.
     Die Menschheit durchlebt jetzt eine schreckliche Stunde, und es ist die Zeit wahrer Synthese gekommen. Ohne bewußte Zusammenarbeit wird man jetzt das in Stücke gerissene Wesen des Menschen nicht mehr zu einem Ganzen wieder zusammenfügen können. Mitarbeiter wird man ohne gegenseitiges Vertrauen nicht finden, doch dieses Vertrauen erwächst aus dem Gefühlswissen.
     Der Denker gebot Seinen Schülern, über den Ursprung des Gefühlswissens nachzudenken.

     767. Urusvati weiß, daß ein Arzt eine Krankheit nicht hinlänglich bekämpfen kann, wenn er den Menschen nicht schon im gesunden Zustand beobachten konnte. Man muß die individuellen Eigenheiten des Organismus beobachten, um einer Krankheit widerstehen zu können. Desgleichen müssen auch die psychischen Erscheinungen in ihrer ganzen Individualität verstanden werden. So muß man sowohl im Mikrokosmos als auch im Makrokosmos die Bedeutung der Individualität begreifen. Die Menschen verstehen es nicht, daß auch der Makrokosmos individuell geartet sein kann. Doch jeder erfahrene Beobachter weiß bereits, wie vorsichtig man mit Verallgemeinerungen umgehen muß. Das Leben in seiner Freigebigkeit zählt seinen Reichtum nicht.
     Man wird fragen: "Welcher Yoga führt auf dem kürzesten Wege zur Erkenntnis?" Ihr wißt, daß der Agni Yoga eine feurige Synthese ist, doch haben sich viele noch nicht mit feuriger Erkenntnissuche angefreundet. Sie wollen einen Hinweis auf eine der früher aufgezeigten Yogaformen, und darum nenne Ich den Karma Yoga: Das schöpferische Tun, die bewußte Arbeit, das Streben zu höchster Qualität wird auf dem kürzesten Wege zum Höchsten führen. Jedoch, der Karma Yoga bedarf der Zeit, während der Agni Yoga als blitzartiger Yoga bezeichnet werden kann. Denkt darüber nach, wie herrlich der Weg des Blitzes ist, doch vergeßt dabei nicht, wie schwer blitzartige

[Russisches Original. Seite 685.]


Anspannung zu ertragen ist.
     Der Denker sprach: "Möge das Schwerste auch das Schönste sein."

     768. Urusvati weiß, auf welche Weise die Menschen ihren Unwillen, über das Überirdische nachzudenken, zu rechtfertigen suchen. Vor allem werden sie beginnen, von Zeitmangel zu reden, von Alltagssorgen, von kräfteübersteigenden Arbeiten: "Wir haben keine Zeit", so werden sie sagen. Bedarf es jedoch für einen blitzartigen Gedanken langer Zeit?
     Selbst die unvollkommenste Zuwendung zum Überirdischen bringt bereits Segen. Wenn das Sehvermögen des Menschen ermüdet, schließt er für einen Moment seine Augen und erfährt Erleichterung. So übt auch ein blitzartiger Gedanke an das Überirdische einen gesundenden Einfluß auf den Organismus aus.
     Es ist bereits aufgezeigt worden, daß die grundsätzliche Erkenntnis der Überirdischen Welt voraussetzt, daß man ihre Existenz überhaupt erkennt, und in solcher Erkenntnis darf es keinen Zweifel geben. Ich bestätige, daß zweifelndes Denken den Menschen der Überirdischen Welt nicht näherzuführen vermag. Es läßt sich sehen, daß Menschen trotz vielen Lesens von einem Verständnis des überirdischen Lebens dennoch weit entfernt sein können. Gleichzeitig vermögen einige nur durch das Gefühlswissen in große Höhen vorzudringen und wohltuende Hilfe zu empfangen.
     Wahrlich, Herz und Gefühl erinnern an den kürzesten Weg, doch wird dieses Axiom nur selten erkannt. Ohne diese Erkenntnis jedoch sind Verstehen und Zusammenarbeit mit der Überirdischen Welt nicht möglich. Wir sprechen nicht allein von einem Glauben an die Überirdische Welt, sondern gerade von einer Zusammenarbeit mit ihr. Selbst die größten Alltagssorgen lassen dem Menschen einen Augenblick, um sich gedanklich emporzuschwingen. Es bedarf keiner Worte, wenn das Herz hoch emporfliegt. Möge der Mensch nicht versuchen, seine Faulheit und Unwissenheit zu rechtfertigen.
     Der Denker sprach: "Sagen wir den Betrübten: Der Flug ins Überirdische wird euch Erleichterung verschaffen."

     769. Urusvati weiß, mit welchem Gefühl man sich der Überirdischen Welt nähern muß. Die Furcht ist ein schlechter Führer, der Verstand führt nicht zu den Höhen - man muß die Überirdische Welt lieben.
     Mögen die Skeptiker sich nicht wundern, daß Wir anstelle komplizierter wissenschaftlicher Formeln

[Russisches Original. Seite 686.]


von dem allgemein-menschlichen Gefühl der Liebe als dem besten Führer sprechen. Doch bei jedem beliebigen Forschungsgegenstand wird der beste Erfolg erreicht, wenn der Forscher diesen Gegenstand liebt. Allein Liebe schafft höchste Anziehung. Ihr kennt die Bedeutung der Anziehung zur Genüge. Dieser Magnet ist im menschlichen Herzen angelegt, und er ist zum größten Magneten der Überirdischen Welt bestrebt.
     Man muß verstehen, daß Wir kein vereinzeltes, rasch verlöschendes Aufflammen von Liebe im Blick haben. Solche Truggebilde haben keine Bedeutung, notwendig ist dauerhafte, hingebungsvolle Liebe, die auch bei allen Lebensprüfungen unverlöschlich brennt. Eine solche Liebe führt zur Heimat des Herzens, zu derjenigen geliebten Heimat, wo alles bekannt, wo einem alles lieb und alles schön ist. Eine solche Liebe wird nicht durch irdische Sorgen unterbunden, sondern stärkt hingegen den Geist, auch die größten Schwierigkeiten zu bewältigen. Solche Anziehung überaus wirksame Hilfe aus der Überirdischen Welt erhalten, und solche Hinwendung wird wahre Zusammenarbeit sein. Auf solche Weise sollte auch der weltweite Aufbau erfolgen, doch sind die Menschen sich allzu selten des kosmischen Gesetzes der Anziehung und seiner Grundlage, der Liebe, bewußt. Selbst die unvollkommenste Liebe schließt bereits ein Teilchen des Guten in sich. Solcherart gelangt der Mensch, nach allen möglichen Aufspeicherungen des Verstandes, zu dem natürlichen Gefühl, welches im gesamten Reich der Natur lebt.
     Der Denker gebot: "Die Liebe ist das flammendste Gefühl. Entwickelt eine leidenschaftliche Liebe zur Überirdischen Welt."

     770. Urusvati weiß, daß manche Menschen ein Entsetzen vor Erscheinungen der Überirdischen Welt nicht überwinden können. Solche Wirkung läßt sich nicht anders als mit disharmonischen Schwingungen erklären. Selbstverständlich ist bei Erscheinungen höherer Ordnung ein Erbeben unvermeidlich, doch ist dieses nicht einem Entsetzen gleich.
     Zu einem späteren Zeitpunkt wird man diese unterschiedlichen Schwingungen bis zu einem gewissen Grade durch eine Behandlung mit elektrischen Schwingungen harmonisieren können, doch ist dies jetzt noch nicht möglich. Ebenso kann man mittels Suggestion helfen, doch ein solcher psychischer Zwang kann schädlich sein. Man muß die Suggestion sehr behutsam anwenden, wenn

[Russisches Original. Seite 687.]


es um überirdische Energien geht. Man kann dabei eine derartige Spaltung der psychischen Energie herbeiführen, die tödlich zu sein vermag.
     Wir haben bereits davon gesprochen, daß es unerläßlich ist, die Überirdische Welt zu lieben, da man sich ihr nur auf diese Weise nähern kann. Ein Mensch wird nicht vor etwas in Entsetzen geraten, was er aus tiefem Herzen liebt. Es läßt sich bestätigen, daß Menschen, die vor Erscheinungen der Überirdischen Welt in Entsetzen geraten, diese nicht lieben. Sie können die Überirdische Welt erkennen, ihre Realität verstandesmäßig erfassen, doch wird der Verstand nicht helfen, wenn sie vor dem Antlitz der Überirdischen Welt stehen. Allein die Liebe wird ihnen helfen, ihre Schwingungen denen der Überirdischen Welt anzupassen und jede ihrer Offenbarungen zu begrüßen.
     Weshalb zum Aberglauben vergangener Epochen zurückkehren, als man den Himmel aus Furcht vor dem Donner verehrte? Laßt uns nicht den Wilden ähneln, sondern die Überirdische Welt in wissenschaftlicher Weise erfassen. Mögen die Menschen in Liebe wünschen, sich der Überirdischen Welt zu nähern. Mögen sie ihre Zeichen freiwillig und gewissenhaft aufnehmen, dazu ist ihnen der freie Wille gegeben.
     Der Denker riet, sich vor Gereiztheit und Schwermut zu hüten, da sie der Erkenntnis der Überirdischen Welt hinderlich sind.

     771. Urusvati weiß, wie oft die Menschen richtige Definitionen äußern, ohne ihre wahre Bedeutung zu verstehen. So sagen sie gerne: "Der Mensch ist verwirrt". Sie rufen sogar einen Arzt, der dann beginnt, den Kranken mit Narkotika zu töten. Der Arzt spricht von kranken Nerven, versteht aber nicht, daß die Tätigkeit der Nerven der Reflex einer Verwirrung des Bewußtseins ist, anders gesagt, einer Verwirrung der psychischen Energie.
     Die Menschen denken nicht darüber nach, daß ein verwirrter Mensch einem verstimmten Saiteninstrument gleicht. In einem solchen Zustand ist er für schöpferische Arbeit ungeeignet, so wie ein verstimmtes Instrument zum Musizieren unbrauchbar ist. Man muß den Saiten erst wieder Zusammenklang verleihen, was jemand mit musikalischem Verständnis tun muß.
     So sollte das Bewußtsein über den freien Willen gestärkt werden, und das Bewußtsein bekräftigt den Zusammenklang

[Russisches Original. Seite 688.]


mit dem Nervensystem. Vergessen wir hierbei nicht, daß ein verwirrter Mensch sich der Überirdischen Welt nicht zu nähern vermag. Er wird sogar allen Umgebenden schaden, da seine Ausstrahlungen giftig sind.
     Es muß daran erinnert werden, daß die Menschen wegen Nichtigkeiten in Verwirrung geraten, an die es sich nicht einmal zu denken lohnt. Die Menschen überladen ihr Bewußtsein gar mit solchen Lappalien. Bei ernsten Prüfungen jedoch pflegen sie im allgemeinen derart niedergeschlagen zu sein, daß ihre Nerven erstarren und sie keinen Weg zur Vernunft finden können. Zur Zeit gibt es viele Erschütterungen, und die Menschen müssen besonders über die Stärkung ihres Bewußtseins nachdenken. In der Zeit weltweiter Erschütterungen ist die Überirdische Welt sehr nahe, doch müssen die Menschen ihr Bewußtsein in einem gesunden Zustand halten, wozu ihnen der freie Wille verhilft. Mögen sie sich den Befehl geben, nicht in Verwirrung zu geraten, da der Menschheit eine ganze Epidemie heftiger Verwirrungen droht.
     Der Denker sprach: "Haltet die Saiten des Herzens in Harmonie."

     772. Urusvati weiß, daß sich gegenwärtig ein schwieriger Aufstieg der Völker vollzieht. Jedes steigt auf seine Weise empor: Das eine durch Krieg, das andere durch Not, ein drittes durch Arbeit, ein viertes durch Wissen, ein fünftes durch Heldentat - jedes trägt sein eigenes Karma. Dieses kann leicht sein, doch kann es auch ein sehr schweres Volkskarma sein.
     Bestätigt, daß in solcher Bewegung der Völker eine Rückkehr zur Vergangenheit nicht möglich ist. Jeder, der die Unabänderlichkeit der Evolution erkennt, erleichtert damit bereits sein eigenes Los. Jeder, der das Gesetz von Arbeit im Namen der Menschheit versteht, hilft sich bereits selbst bei seinem eigenen Aufstieg. Jeder, der fähig ist, solche entscheidenden Wege der Menschheit zu lieben, hilft sich selbst. Ein solches hochstehendes Verantwortungsbewußtsein wandelt sich zu einer leichten Bürde.
     Man wird fragen: "Weshalb wird diese Epoche als Zeitalter der Mutter der Welt bezeichnet?" Wahrlich, so sollte sie genannt werden. Die Frau wird eine große Hilfe bringen, indem sie nicht allein Aufklärung in die Welt tragen, sondern auch das Gleichgewicht bestätigen wird. Inmitten der Wirrnis ist der Magnet des Gleichgewichts gestört, und es ist der freie Wille nötig, um die auseinanderfallenden Teile wieder zu vereinigen. Maitreya verfügt: Mitleid bedarf der Zusammenarbeit. Wer sich zu Ehren der großen Epoche opfert, dem ist reiche Ernte gewiß.
     Der Denker sprach: "Lernt es, für die ganze Menschheit zu arbeiten."

[Russisches Original. Seite 689.]


     773. Urusvati weiß, wie behutsam man sich gegenüber jedem Fortschritt der Wissenschaft verhalten muß. Es ist an der Zeit, den aus Unwissenheit hervorgebrachten Irrtum hinter sich zu lassen, der die Wissenschaften in nutzbare und abstrakte einteilte. Sämtliche Wissenschaft bezieht sich auf das Leben.
     Ein Gelehrter vermag bei breit angelegten Forschungen nicht vorherzusehen, mit welchen Wissenschaftsgebieten er in Berührung kommen wird. Er versteht, daß trotz der unbegreiflichen Aufteilung der Wissenschaften dennoch ein einigendes Prinzip zwischen ihnen besteht. Man muß daher alle wissenschaftlichen Kurse mit einer philosophischen Begründung beginnen, so wird man die Grundlage für die Einheit des Wissens legen.
     Es ist nicht möglich aufzuzeigen, welcher Wissenschaftsbereich von geringerer Bedeutung wäre. Bei den gegenwärtigen Forschungen kann jede Wissenschaft neue Horizonte eröffnen. Man kann sich erinnern, wie sich die Astronomie nach trockenen Aufzählungen in eine Wissenschaft über das Weltall wandelte. Genau dasselbe geschieht auch mit vielen anderen Wissenschaften, die ihre wahren Aufgaben finden werden.
     Desgleichen dürfen auch die Volksbewegungen nicht vergessen werden. Sie bedürfen wissenschaftlicher Darstellungen in zugänglicher, aber doch streng begründeter Form. Es gibt keine Volksbibliothek. Sie darf keine zufällige Erscheinung sein, sondern notwendig ist, daß der Staat in großem Maßstab Bücher über sämtliche Wissensbereiche herausgibt in Form nicht allzu umfangreicher wissenschaftlicher Zusammenfassungen. Diese Bücher sollten so aufgebaut sein, daß neueste Errungenschaften leicht einzufügen sind. Notwendig ist auch eine gute Darstellungsweise, auf daß schon die Schönheit der Sprache eine anziehende Wirkung ausübe. Vergessen wir jedoch nicht, daß Psychologie und Biologie an erster Stelle stehen sollten. Die Überirdische Welt muß schön dargestellt werden.
     Der Denker sprach: "Sieger wird derjenige sein, der über das Höchste das einfachste Wort findet."

     774. Urusvati weiß, wie vielfältig die Wege des Menschen zur Überirdischen Welt sind. Man muß an diese Mannigfaltigkeit erinnern, um den jungen Menschen bei ihrer Suche nach der Überirdischen Welt zu helfen. Das Wichtigste ist, sie vor begrenzenden Weltanschauungen zu bewahren. Man muß von den ersten Schuljahren an damit beginnen, die Grundlagen

[Russisches Original. Seite 690.]


eines weitgefaßten Denkens in zugänglicher Form zu vermitteln. Dazu muß man die jungen Menschen auch zur Beweglichkeit anhalten, denn persönliche Begegnungen mit den verschiedenen Weltanschauungen sind mit nichts aufzuwiegen.
     Man muß verstehen, daß die Überirdische Welt für die meisten Menschen etwas Unvergleichbares darstellt. Die Menschen geraten in ein anderes Leben hinein, das von unerschütterlichen Gesetzen geregelt und von dem gewohnten irdischen Leben völlig verschieden ist, so daß nur eine entwickelte Vernunft dem Ankömmling hilft, sich in allen neuen Bedingungen unverzüglich zurechtzufinden.
     Möge die Schule Wissen über die Bedingungen der verschiedenen Existenzformen vermitteln. Möge die Schule die Suche nach einem weitgefaßten Weg auf der Grundlage der weisen Vermächtnisse großer Denker lehren. Geist und schöpferisches Tun eröffnen Möglichkeiten, die jedem zugänglich sind. Man soll bereits den Kindern das Gefühl vermitteln, daß die Möglichkeiten in ihnen selbst liegen. Wenn man von den durch das geistige Erbe gegebenen Möglichkeiten absieht, kann man sich immer häufiger davon überzeugen, wie sehr sich an der Menschheit das Geschwür der Ausweglosigkeit zeigt. Der Mensch fällt in eine Finsternis, die er sich selbst bereitet hat. Möge jeder solchen Gefangenen helfen, indem er sie auf einen naheliegenden und freudevollen Weg hinweist.
     Der Denker riet, vor allem den Irrtum der Ausweglosigkeit zu vertreiben und daran zu denken, daß dieser ein Feind der Menschheit ist.

     775. Urusvati weiß, daß der Dienst an der Menschheit in geistigen Gemeinschaften des Altertums als hohe und schwierige Prüfung erachtet wurde. Der Prüfling wich nicht von seiner Tätigkeit ab, widmete deren Sinn jedoch nicht sich selbst, nicht seiner Stadt, sondern der gesamten, ihm unbekannten Menschheit. Auf solche Weise erweiterte sich der Wirkungsbereich der Tätigkeit, die zum Wohl der Menschheit beitrug.
     Es war seinerzeit nicht leicht, sich die Maßstäbe der Menschheit vorzustellen, um so mehr mußten die gedanklichen Sendungen erweitert werden. Wir sprechen hier deshalb davon, weil der Mensch sich gegenüber der Überirdischen Welt heute in derselben Lage befindet. Man kann dazu raten, sich nicht von der irdischen Tätigkeit zu entfernen, dabei jedoch das Denken über die Überirdische Welt zu bewahren. Wenn die Arbeit Schritt für Schritt der Überirdischen Welt gewidmet wird, verliert diese ihren Anschein des Abstrakten und geht ins ganze Leben ein. Es muß daran erinnert werden, daß jede irdische Arbeit der Überirdischen Welt gewidmet werden kann. Die Größe der Höheren Welt verleiht auf solche Weise jeder menschlichen Tätigkeit eine hohe Qualität.

[Russisches Original. Seite 691.]


Hohe Qualität kann das menschliche Bewußtsein nur heben und dadurch näher an die Überirdische Welt führen. Nicht nur das Bewußtsein wird den Sinn der Höheren Welten bestätigen, sondern auch das innere, unaussprechliche Gefühl wird helfen, sich dem Höchsten in einem einzigen Seufzer zu nähern. Eine solche Verbesserung der Qualität jeglicher Tätigkeit bildet eine unsichtbare Brücke zu herrlicher Errungenschaft.
     Möge der Verstand das schöpferische Gefühl nicht trüben, denn es stellt wahren Dienst an der Menschheit und der Überirdischen Welt dar. Besonders jetzt, da der Mensch in Wirrnis verfällt, muß man mit dem Hinweis Mut zusprechen, daß es jedem beschieden ist, sich den Höheren Welten zu nähern. Jede Arbeit ist dabei ein zuverlässiger Weg. Allein durch Liebe zu hoher Qualität kann man auf dem Wege des Aufstiegs erfolgreich voranschreiten.
     Der Denker sprach zu Seinen Schülern: "Möge jeder von euch die Qualität der Arbeit beherrschen. Möge jeder im Namen der Überirdischen Welt arbeiten."

     776. Urusvati weiß, daß man die Erkenntnis der Überirdischen Welt auf jegliche Weise in das Alltagsleben einbringen muß. Die Menschen beklagen sich häufig über störende Umstände, doch sind solche Klagen gewöhnlich unbegründet.
     So sprechen die Menschen von grausamen Erschütterungen, ohne aber die hauptsächlichen Feinde ihres Fortschritts zu erwähnen. Sie vergessen dabei, daß eine Erschütterung einer notwendigen Explosion gleichkommt, da das irdische Leben oft von kleinlichen Streitigkeiten geradezu gesättigt ist. Diese Explosionen können wertvolle Tiefen eröffnen, denn die kleinlichen Zänkereien sind wie ein qualmender Ofen. Man kann sich unmöglich weiterentwickeln, wenn jeder Tag von Giften durchsetzt ist. Mögen die Menschen daher nicht über sie erschütternde Explosionen wehklagen, sondern darüber nachdenken, wie sie sich von ihren kleinen Giftnattern befreien können.
     So geraten die Menschen auch nicht selten in Verzweiflung in der Meinung, ihrer Mühe bedürfe niemand, vergessen dabei jedoch, daß die durch ihre Arbeit erzeugte Energie einen kosmischen Wert darstellt. Der Mensch kann nicht wissen, wo seine Energie in Erscheinung treten und wie und wann sie das Wohl herbeitragen wird. Es kann sein, daß der Tätige dieses Wohl selbst empfinden wird, doch ebenso gut, daß es zum Wohl der Nächsten beiträgt. Möge die Arbeit von ihrem Wesen her gut sein, dann wird nicht Verzweiflung, sondern Freude das Los des Tätigen sein. Es lassen sich viele Beispiele dafür anführen, daß Menschen sich selbst der Freude beraubt haben. Doch wird das Gefühl der Freude noch nicht

[Russisches Original. Seite 692.]


oft klar verstanden.
     Der Denker sprach: "Fürchtet keine Erschütterungen - doch hütet euch vor kleinlichen Streitereien, denn aus ihnen erklingt Unwissenheit."

     777. Urusvati weiß, daß die Kriminalität überall ansteigt. Äußerlich gesehen gestaltet sie sich sehr verschieden, doch ihr schädlicher Gehalt ist ein und derselbe. So ergibt sich die unerwartete Erscheinung, daß einfache Völker sich als ethisch höherstehend erweisen als die aufgeklärte Zivilisation. Es ließe sich ein aufschlußreiches Buch über den Verfall der Menschheit verfassen; nichts unterstützt eine Bewegung, die zu Verbesserungen führen würde. Besonders abstoßend ist es, wenn ein offenkundiger Verbrecher von Ethik spricht und dabei spezielle Zeremonien ausführt. Vor langem schon wurde gesagt, daß sich selbst die höchste Zeremonie in den Händen eines Verbrechers in Lästerung verkehrt.
     Ebensowenig Hilfe bringt eine bedingte, von Voreingenommenheit bestimmte Wissenschaft. Doch gerade von der Wissenschaft müßte eine Reinigung des Bewußtseins erwartet werden. Ethik und Biologie sind bis heute unverstandene Gegensätze geblieben. Es scheint unmöglich für die Menschheit zu sein, selbst inmitten der Nöte und des Grauens des Harmagedon ihren Blick über ihren verstaubten Herd zu heben! Der Mensch wendet die wunderbaren Erfindungen, die das heutige Leben erfüllen, nicht in rechter Weise an. Man sollte meinen, daß solche Apparate wie das Radio zum Nachdenken über die Gedankenübertragung veranlassen, doch in der Tat dient diese Entdeckung vor allem dem Betrug.
     Wo liegt die Lösung? Erneut müssen wir die Überirdische Welt aufzeigen. Man muß sie in ihrer vollen Wirklichkeit hervorheben, denn nur so läßt sich ein gefallener Mensch warnen. Doch wieviel muß in dieser Richtung vollbracht werden! Hier muß die Wissenschaft helfen; die Wissenschaft muß frei sein; die Wissenschaft muß in die Tiefen des Bewußtseins vordringen. Die zivilisierten Menschen müssen darüber nachdenken, weshalb primitive Volksstämme sich als ethischer, als sittlicher erweisen.
     Der Denker riet den Menschen warnend, über die Grenze ihrer Behausung emporzublicken.

     778. Urusvati weiß, daß der freie Wille kostbar ist - wenn er frei ist. Einen kläglichen Anblick bietet der Wahnsinnige, der sich dünkt frei zu sein, in Wirklichkeit jedoch

[Russisches Original. Seite 693.]


in allen möglichen Ketten gefesselt ist. Kann man den Willen frei nennen, wenn er blind und taub ist und in einem Morast von Vorurteilen kriecht?
     Man wird fragen: "Wie soll man denn leben, wenn der Mensch der Unwissenheit bei jedem seiner Schritte in ihren verbrecherischsten Erscheinungen begegnet?" Gewiß, die Menschheit hat sich schwere Ketten geschmiedet. Von der Wiege an hört der Mensch Lügengeschichten, die nichts mit der Wirklichkeit gemein haben. Solche Geschichten enthalten jedoch oftmals noch mehr Weisheit als die alltäglichen Klügeleien der Repräsentanten des öffentlichen Lebens. Es ist richtig, daß der Mensch unausbleiblich widerwärtigen Ungeheuern begegnen wird, doch schützt ihn der freie Wille vor Angst und führt ihn über solche Hindernisse hinweg.
     Psychische Freiheit ist der Zugang zur Überirdischen Welt. Man kann das gesamte irdische Leben umwandeln, indem man den freien Willen bekundet. Ein freier Mensch wird nicht mit Unwissenden streiten, sondern ihnen, ohne daß sie es merken, Barmherzigkeit erweisen. Eine solche großzügige Gabe ist auf dem Weg zur Überirdischen Welt hilfreich. Jeder wird auf diesem Weg vorankommen, und der freie Wille wird dabei ein guter Führer sein, nur, sorgt euch darum, daß der Wille auch wirklich frei ist.
     Der Denker warnte: "Verwandelt die lichte Gabe des freien Willens nicht in Wahnsinn."

     779. Urusvati weiß, daß es eine schwierige Kunst ist, das Gespräch dem Bewußtsein entsprechend zu führen. Weder Wissen noch Gefühlswissen, sondern das Gefühl von Herzlichkeit hilft zu verstehen, von welcher Art das Bewußtsein des Gesprächspartners ist.
     Apollonius von Tyana hat man den Vorwurf gemacht, er führe seine Unterweisungen in widersprüchlicher Weise, was nicht richtig ist. Der Lehrer widersprach niemals den Grundlagen, stimmte jedoch den Inhalt seiner Unterweisungen zum bestmöglichen Verständnis auf das Bewußtsein des Gesprächspartners ab. Der Lehrer bevorzugte Gespräche unter vier Augen, um die besten Worte zu finden. Er sagte, daß eine für eine Vielzahl von Zuhörern gehaltene Rede nicht überzeugend sei, da die einander widersprechenden Bewußtseine sich gegenseitig behindern würden.
     Eine solche Vorgehensweise übten auch andere Philosophen Griechenlands. Platon rief bevorzugt nur einen einzigen Schüler zu einem Spaziergang, und die dabei geführten Gespräche waren besonders bedeutsam. Er teilte Wissen über die Überirdische Welt in besonders behutsamer Weise mit.

[Russisches Original. Seite 694.]


Er wußte, daß eine dem Bewußtsein nicht entsprechende Mitteilung Schaden bringen könnte, wobei solch ein Schaden darüber hinaus möglicherweise nicht wiedergutzumachen wäre.
     Er studierte das Bewußtsein der Schüler an den unerwartetsten Gegenständen. Jeder hat ein individuelles Bewußtsein, und allein ein liebendes Herz kann erfühlen, was in die Tiefen des Bewußtseins einging und übernommen wurde.
     Besonders jetzt muß man das Überirdische vorsichtig berühren. Das Bewußtsein der Menschen befindet sich in derartiger Verwirrung, daß lästerliche Ausdeutungen entstehen könnten.
     "Ein Bildhauer konzentriert seine ganze Aufmerksamkeit auf ein kostbares Stück Stein. So hütet auch der Bildhauer des Bewußtseins den kostbaren Aufstieg des Gesprächspartners" - so sprach der Denker.

     780. Urusvati weiß, daß die Einflüsse der Überirdischen Welt außerhalb grobstofflicher Logik vonstatten gehen. Man sollte meinen, diese Wahrheit sei hinreichend bekannt, doch suchen sogar ernsthafte Forscher solche Verbindungen auf grobstoffliche Gesetzmäßigkeiten zurückzuführen. Daraus entsteht dann der absurde Zustand, daß die Forschung nicht vertieft werden kann.
     Die Einflüsse der Überirdischen Welt lassen sich in drei wesentliche Gruppen einteilen. Der erste ist eine von einer einzigen Person beabsichtigte und einem bestimmten Tatmenschen zugedachte Wirkung. Der zweite stellt einen Einfluß auf eine ganze Gruppe dar. Die dritte schließlich ist eine Berührung der Überirdischen Welt, die über die ganze Menschheit ergeht. Solche Berührungen wurden als höheres Wehen bezeichnet. Ein Philosoph, der solche Einwirkungen charakterisieren wollte, bezeichnete sie als psychischen Sauerstoff. So wie der Mensch nicht ohne Sauerstoff existieren kann, vermag er den Einflüssen der Überirdischen Welt nicht zu entweichen.
     Die Menschen gehen fehl in der Annahme, Verbindungen mit der Überirdischen Welt vollzögen sich nur über besonders empfindsame Organismen. Natürlich sind die Verbindungen über sie besonders überzeugend, doch in Wirklichkeit ist die gesamte Menschheit von den ständigen Berührungen durch überirdische Bewohner nicht ausgenommen.
     Es ist an der Zeit zu erkennen, daß die Welten voneinander untrennbar sind. Auf solche Weise wird das Leben noch reicher und schöner werden. Man muß nur daran denken, daß die Gesetze der Feinstofflichen Welt ebenfalls feiner Natur sind. So wird man verstehen können, daß die Verbindungen mit der Überirdischen Welt weder zufällig noch von geringer Bedeutung sind, wie dies vom irdischen Standpunkt aus scheinen könnte.

[Russisches Original. Seite 695.]


     Man muß ebenfalls verstehen, daß die Berührungen des Überirdischen oft empfunden werden können, nur muß das Handlungsbewußtsein des Tatmenschen hochstehend sein.
     Der Denker wies darauf hin, daß die Verbindungen zwischen den Welten unauflösbar sind.

     781. Urusvati weiß, wie scharf man einen guten Einfluß der Überirdischen Welt von schädlicher Besitzergreifung unterscheiden muß. Ein guter Einfluß knechtet den freien Willen nicht, sondern verstärkt sogar die individuell vorhandenen Möglichkeiten. Die überirdische Einflußnahme wird immer fürsorglich und behutsam gegenüber dem physischen Zustand des Organismus sein, doch endet Besitzergreifung immer mit einem für den physischen wie für den feinstofflichen Körper schädlichen und zerstörenden Zustand.
     Man nimmt allgemein an, Besitzergreifung überwältige besonders schwache Organismen, doch liegt der Hauptgrund dafür in der charakterlichen Labilität der Besessenen. Es läßt sich zweifelsfrei bestätigen, daß jede Besitzergreifung in erster Linie über den Kanal der Charakterschwäche erfolgt. Mag die Charakterschwäche offen, verborgen oder keimhaft vorhanden sein, ist sie doch die Ursache dafür, daß Besessenheit überhaupt stattfinden kann.
     Man nimmt gleichfalls an, daß die Heilung von Besessenheit über die Wirkung einer starken Suggestion erfolgen könne, jedoch ist eine Verbesserung des Charakters erforderlich. Suggestion kann einen Besitzergreifer auf Zeit vertreiben, doch wird das charakterliche Verhalten gestärkt, wird dem Besitzergreifer auch der Zugang versperrt sein. Ein auf die Lebensgesetze begründetes Handlungsbewußtsein ist die sichere Grundlage für erfolgreiche Vervollkommnung. So kehren wir, worüber auch immer wir sprechen, zur Biologie, der Wissenschaft vom Leben, zurück.
     Die Erkenntnisse der Wissenschaften können das ethische Niveau der Menschheit heben, wobei man das Bewußtsein jedoch nicht durch Vorurteile anketten darf. Die Wissenschaft muß hingegen in der Erforschung der Gesetze der Natur frei sein. Mögen sich die Gelehrten als wahre Aufklärer erweisen.
     Der Denker sprach: "Ein Gelehrter ist Licht."

     782. Urusvati weiß, daß es den Menschen besonders schwerfällt, die Möglichkeit des Harmagedon auch für die Überirdische Welt zu begreifen. Sogar solche, die vom überirdischen Leben wissen, können sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, daß in der Feinstofflichen Welt Kriege stattfinden können.

[Russisches Original. Seite 696.]


     Indessen sagt schon die einfachste Logik, wie unausweichlich die Schlacht in der Überirdischen Welt ist. Menschen, die vorzeitig von der Erde hinweggetragen werden und voll nahezu gleichartiger Gedanken sind, sammeln sich in einer bestimmten Sphäre und setzen dort unausweichlich ihre im irdischen Leben gepflegten Tätigkeiten fort. Hierbei verfeinert sich eine vorhandene Grausamkeit sogar noch, ohne ihre Kraft zu verlieren. Aus solchen Himmelsschlachten entstehen viele Folgen sowohl für die Erde als auch für die Überirdische Welt.
     Es ist nicht leicht, solche Zusammenstöße zu beenden. Die Erscheinung der Bosheit zieht die Kämpfenden in die niederen Schichten, doch wißt ihr, daß es nicht schwer ist, in solche Schichten hinabzusteigen, nicht leicht jedoch ist es, von dort wieder aufzusteigen. Sogar sehr hochstehende Wesen tragen schmerzhafte Folgen davon, wenn sie um barmherziger Ziele willen in die niederen Schichten hinabsteigen. So sollten die Menschen verstehen, wie leicht es ist abzusteigen, wie schwer jedoch aufzusteigen. Die niederen Schichten bringen Atemnot für jene mit sich, die aus höheren Ebenen dort hingingen.
     Mögen alle, die Bosheit in sich bergen, verstehen, daß diese sich als Gift auf dem Weg zum Überirdischen erweist und sich ein boshaftes Herz nicht so leicht reinigen kann. Daher möge jeder auf der Erde um sein künftiges Leben Sorge tragen.
     Der Denker sprach: "Lebt so, daß ihr die Überirdische Welt nicht belastet."

     783. Urusvati weiß, daß der Mensch sich erhebt, indem er sich dem Schönen nähert, indem er auf das Schöne blickt, dem Schönen zuhört, über die Wege des Schönen nachdenkt. Glaubt nicht, daß die Menschheit diese alte Wahrheit hinreichend erkannt hätte. Leider sind die Menschen gerade jetzt weiter von ihr entfernt als in vielen vorausgegangenen Jahrhunderten.
     Die Erscheinung des Schönen wird in vielen Bereichen oftmals nicht nur für unnötig, sondern gar als unzeitgemäß erachtet. Indessen behaupten die Besserwisser im Alltag, zur Umgestaltung der Welt angetreten zu sein. Fragt sie, wie sie die neue Welt ohne Sorge um das Schöne bekunden wollen.
     In all der mit Leidenschaft bekundeten Besserwisserei bei der Umgestaltung der Welt hat das Schöne keinen Platz. Doch von welcher Arbeit geht man aus, wenn sie nicht schön sein wird? Welches Wissen kann leben, wenn es nicht das Schöne in sich birgt? Welche Gerechtigkeit kann

[Russisches Original. Seite 697.]


geboren werden, wenn sie schöner Erleuchtungen beraubt sein wird? Und dabei reden die Menschen von den Grenzen und vom Sinn des Schönen. Sie verstehen nicht, daß jedes Quentchen Schönheit den Menschen bereits zum Mitarbeiter der Höheren Kräfte macht. Kann man ohne die Flügel des Schönen zur Überirdischen Welt streben? Kann man ohne die schönen Erkenntnisse lichter Flüge wahrhaft künstlerisch schaffen? So wird verständlich, daß Evolution unmöglich ist, wenn man sich nicht dem Schönen nähert.
     Der Denker wies darauf hin: "Wenn ihr im Traum vom Schönen lebt, empfangt ihr Freude und Liebe."

     784. Urusvati weiß, wie wertvoll die Hingabe an den Lehrer ist. Doch wieviel Uneinigkeit herrscht um diese einfache Wahrheit! So beginnen Menschen, über Hingabe zu sprechen, die schon aufgrund ihrer Natur nicht verstehen, was Hingabe ist. Andere werden darauf beharren, daß eine solche Hingabe nur den freien Willen einenge. Dritte schließlich verneinen die Notwendigkeit eines Lehrers überhaupt.
     Es ließen sich viele Beispiele dafür anführen, daß Menschen sich selbst schaden, indem sie die Harmonie mit dem Höheren stören. Nur wenige können verstehen, wie segensreich die Verbindung mit dem Höheren ist. Allein auf diesem Weg wird die Verbindung mit der Höheren Welt erleichtert. Man kann sich vorstellen, wie leicht eine irdische Möglichkeit zerstört wird, wenn der höhere Weg nicht bestätigt wird!
     Glaubt nicht, der Lehrer könnte Seine Vorhaben zur Ausführung bringen, wenn der Mensch Ihm zuwiderhandelt. Glaubt nicht, es sei leicht, ein zerrissenes Gewebe wieder zu flicken. Mitunter erfordert solch eine Reparatur mehr Zeit als die Schaffung eines neuen Gewebes.
     Nicht selten klagen die Menschen über den Lehrer, ohne die Ursachen Seines Verhaltens zu verstehen. Sie meinen, dessen irdische Entscheidungen könnten stündlich umgesetzt werden, ohne sich vorstellen zu können, wieviele Bedingungen im irdischen Alltag dafür erfüllt werden müssen. So verstehen nur wenige den Wert der Lehrerschaft. So ist Ergebenheit zum Lehrer wenigstens ein Weg, sich der Schülerschaft würdig zu sein.
     Der Denker bestätigte: "Lernt es, der Schülerschaft würdig zu sein."

[Russisches Original. Seite 698.]


     785. Urusvati weiß, welch hohe Bedeutung unermüdliche Wachsamkeit besitzt. Wir haben oft an die Scharfsicht erinnert, doch messen die Menschen dieser rettenden Eigenschaft keine Bedeutung bei. Wahrlich, für die einen ist Wachsamkeit gleichbedeutend mit Ketten, doch für die anderen bedeutet sie Flügel.
     Narren sagen: "Wenn Gefahr kommt, dann werden wir auf der Wacht stehen." Werden sie jedoch die Gefahr erkennen können, wenn ihr Geist seine Sehfähigkeit nicht entfaltet hat? Im Bewußtsein sind viele Eigenschaften eingelagert, doch muß man sie aus den Tiefen der Schatzkammer heraus entwickeln.
     Es werden Dummköpfe auftreten, die sich nicht schämen, die Notwendigkeit der Wachsamkeit zu verneinen. Ihrer Meinung nach ist es nicht Sache der Menschen, Wachsamkeit zu entwickeln und sich dadurch zu erschöpfen, daß sie sich konzentriert anspannen. Außer ihnen gibt es auch noch solche Zweibeiner, die überhaupt nicht verstehen, was Wachsamkeit ist. Es ist daher notwendig, wiederholt von Scharfsicht, Anspannung und Wachsamkeit zu sprechen.
     Über all diese Eigenschaften haben Wir in den verschiedenen Büchern gesprochen, doch die Kompliziertheit des Harmagedon veranlaßt dazu, erneut auf die rettende Selbstverteidigung hinzuweisen, die für den Menschen so notwendig ist. Er hofft, eine Verbindung zur Überirdischen Welt zu bekommen, doch dafür muß er Scharfsicht besitzen. Ein Blinder wird die Schönheit der Höheren Welt nicht schauen, doch Scharfsicht bedarf der Erziehung. Sie vermag sich nicht unverzüglich zu bilden. Die Ausbildung von Scharfsicht entsteht aus dem Wunsch, alles Höhere und Schöne zu schützen. Aus solch einer Bestrebung erwächst auch die Wachsamkeit, die unermüdlich sein wird, da sie zur Schönheit führt.
     Der Denker sprach: "Erinnert euch - immer bereit!"

     786. Urusvati weiß, wie die Menschen vergeblich über das unerwartete Auftreten überirdischer Erscheinungen klagen. Sie werden sagen: "Wir haben mit der ganzen Kraft unseres Wunsches gewartet, doch nichts trat in Erscheinung. Als alle Kraft versiegt war, da kam die Erscheinung." Diesen unerfahrenen Forschern muß man sagen: "Ihr habt euren Wunsch nach feinstofflicher Erscheinung mit irdischen Wünschen verbunden. Versteht ihr etwa nicht, daß das Irdische und das Überirdische nicht in denselben Dimensionen ablaufen können?"
     Man muß in sich Feinheit des Gefühls entwickeln, um durch den irdischen Lärm hindurch

[Russisches Original. Seite 699.]


Überirdische Erscheinungen hören zu können. Man muß mit geschlossenen Augen das Überirdische Licht schauen können. So nähern sich die Erscheinungen der Feinstofflichen Welt, und ihr werdet nicht von unerwartetem Auftreten sprechen, da ihr mit dem Herzen ihr Nahen spüren werdet.
     Natürlich werdet ihr oftmals nicht den genauen Gehalt der Erscheinungen im voraus erspüren, doch werdet ihr in jedem Fall ihr Nahen erkennen. Überdies könnt ihr nicht selten schon für einige Zeit vorher entsprechende Schwingungen verspüren. Unerfahrene Menschen bezeichnen solche Empfindungen sogar als etwas Ungesundes, da diese Schwingungen sich völlig von ihren eigenen unterscheiden. Ein feinfühliger Beobachter jedoch vermag sich den herannahenden überirdischen Schwingungen unverzüglich anzupassen und auf sie zu antworten. So entwickelt sich wahre Zusammenarbeit.
     Zudem muß daran erinnert werden, daß die Menschen immer von überirdischen Einflüssen umgeben sind, ohne sie erkennen und unterscheiden zu können. Man muß daher von jungen Jahren an seine Verbindung mit der Überirdischen Welt anspannen und dies freudig tun, wie eine schöne Arbeit.
     Der Denker lehrte: "Seid scharfsinnig, damit ihr zu jeder beliebigen Zeit die Überirdischen Zeichen schauen könnt."

     787. Urusvati weiß, daß man bei den menschlichen Eigenschaften die angeborenen, anders gesagt, in vergangenen Leben bereits entwickelten, von den im jetzigen Leben durch Erziehung angeeigneten Eigenschaften unterscheiden muß. Sehen wir uns einige davon an. Lenken wir dabei unsere Aufmerksamkeit vor allem auf die angeborene Eigenschaft der Dankbarkeit. Sie entsteht nicht leicht und bedarf vieler Prüfungen, irdischer wie überirdischer. Wenn wir jedoch einem Menschen begegnen, der die Eigenschaft der Dankbarkeit besitzt, können wir überzeugt sein, daß wir in ihm auch noch viele andere positive Eigenschaften finden werden. Ein solcher Tatmensch ist für alles Gute dankbar, ob es nun ihm oder dem Gemeinwohl zukommt.
     Es ist notwendig, daß sich diese gute Eigenschaft ohne Einflüsse von außen im Bewußtsein entwickelt. Eine Sache ist es, wenn ein kleines Kind durch Aufforderung der Erwachsenen für etwas dankt, doch ist es besser, wenn der leuchtende Stern der Dankbarkeit von selbst in seinem Bewußtsein aufleuchtet. Eine solche Dankbarkeit bringt nicht nur dem Empfangenden, sondern auch dem Gebenden Nutzen.

[Russisches Original. Seite 700.]


     So laßt uns scharfsinnig alle Eigenschaften unterscheiden, die eine Brücke zur Überirdischen Welt bilden. Leuchtende Dankbarkeit für alles Gute, ob klein oder groß, wird nicht verlöschen, sondern empfängt das Gewebe zur Bildung geistiger Flügel.
     Der Denker sprach: "Wir werden uns freuen, wenn wir die Eigenschaft der Dankbarkeit bemerken."

     788. Urusvati weiß, welchen Wert die angeborenen Eigenschaften der Aufnahmefähigkeit und der Duldsamkeit besitzen. Man muß sie besonders erwähnen, da die Menschen im Leben überhaupt nicht über sie nachdenken. Mitunter beklagt sich ein Mensch über Unduldsamkeit und bezeichnet sie sogar als Zeichen von Unkultiviertheit, doch möchte er gleichzeitig nicht darüber nachdenken, wie Duldsamkeit zu entwickeln wäre.
     Der Mensch will nicht erkennen, auf welchen Grundlagen sich Duldsamkeit und Aufnahmevermögen nur entwickeln können, doch sind beide Eigenschaften dem Mitleid nahe. Diese Eigenschaften schauen aufmerksam in das Bewußtsein des Nächsten und verstehen, welche Ursachen seinen Irrtümern zugrunde liegen.
     Man muß das Volk lehren und Ethikbewußtsein in ihm erwecken, doch ist eine solche Aufgabe ohne individuelle Beobachtungsfähigkeit nicht möglich. Jeder irrt sich auf seine Weise, was seine tiefliegenden Ursachen haben kann. Man darf über die Masse nicht anhand ihrer Schreie und ihres Stöhnens urteilen. Jeder hat seinen eigenen Schmerz, der eine individuelle Heilungsmaßnahme erfordert.
     Die Menschen dürfen die Eigenschaften der Aufnahmefähigkeit und der Duldsamkeit nicht vergessen, da diese als Brücken für die Überirdische Welt erforderlich sind. Das Bewußtsein von der Überirdischen Welt ist bei jeder menschlichen Tätigkeit notwendig. Wir sprechen nicht von einem abstrakten Ethikbewußtsein, sondern von einer Eigenschaft, die das Leben aufbaut. Man muß das Bewußtsein von der Überirdischen Welt bei jeder Tat anwenden, nur so kann man Mitarbeiter der Überirdischen Welt werden und sich für das Leben schulen.
     Der Denker sprach: "Versteht die Duldsamkeit, sie wird euch große Geduld lehren."

[Russisches Original. Seite 701.]


     789. Urusvati weiß, wie behutsam man die hohe, angeborene Eigenschaft der Inspiration bewahren muß. Wir haben bereits an sie erinnert, doch muß diesem Bindeglied zur Überirdischen Welt besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Schon das Wort "Inspiration" weist auf ein äußeres und führendes Prinzip hin. Man darf nicht denken, ein solches Bindeglied könne augenblicklich entstehen; es erfordert hingegen viele Prüfungen in verschiedenen Leben.
     Es muß daran erinnert werden, daß die Menschen diese Eigenschaft vergeblich auf die Bereiche der Wissenschaft und der Kunst beschränken. Der Mensch kann in jedem Arbeitsbereich schöpferisch tätig sein. Hohe Qualität der Arbeit ist bereits ein Ergebnis von Inspiration. So kann man jede vollkommene Arbeit als wahrhaft schöpferisches Tun begrüßen.
     Gerade jetzt, da das Volk aufwärtsstrebt, muß an das naheliegende Bindeglied zu den höchsten Energien erinnert werden. In Hingabe vollzogene Vervollkommnung wird das Volk dazu führen, die Eigenschaft der Inspiration zu verstehen. Der Hinweis auf die höchsten Energien wird keine Scheinheiligkeit sein. Das Volk weiß bereits von der Anfüllung des Raumes und von der Unbegrenztheit, und auf diesem Wege wird auch die Eigenschaft der Inspiration ein wissenschaftlicher Begriff sein.
     Ein Handwerksmeister hatte sein Werkstück fertiggestellt und verharrte mit geschlossenen Augen eine ganze Weile in völligem Schweigen. Schließlich fragten seine Schüler ihn, ob er sich von der Arbeit erhole oder über ein neues Werkstück nachdenke. Der Meister antwortete: "Weder das eine noch das andere, denn ich habe während meines Schweigens nicht gedacht. Man kann dies jedoch nicht als Gedankenlosigkeit bezeichnen, sondern eher als etwas, das sich jenseits des Denkens bewegt. Ich mußte eine neue Sichtweise gewinnen, um in solch erneuertem Zustand mein Werkstück anzuschauen."
     So lernt es, euch zu erneuern, um die Qualität eurer Arbeit tiefgründiger beurteilen zu können. Mögen die Flügel des Raumes euch berühren und euch eine neue Sichtweise wie den Impuls zu neuer Heldentat vermitteln.
     Der Denker sprach: "Wer sich im Raume zu erneuern vermag, kann jung bleiben."

     790. Urusvati weiß, worin das Glück des Menschen besteht. Wenn sein Leben und seine Arbeit im Einklang mit der weltweiten Evolution stehen, dann braucht der Mensch nicht auf etwas Bestimmtes zu verzichten. Sofern er den Weg nicht ändert, vervollkommnet er sich und findet fortlaufend neue Kräfte, um das Chaos zu überwinden.

[Russisches Original. Seite 702.]


     Irgend jemand wird sagen: "Es heißt, seid gesegnet Hindernisse. Warum nun soll der glückliche Mensch Schwierigkeiten aus dem Wege gehen?" Vergessen wir nicht, daß der im Einklang mit der Evolution Schreitende auf viele Hindernisse trifft, aber eine andere Einstellung ihnen gegenüber hat. Er wird nicht in Schwermut fallen, sondern die Hürden des Chaos freudig überwinden. Laßt uns nicht glauben, der Weg des Glückes sei leicht; er ist mitunter schwerer als ein zielloses Dahinleben. Für einen Mitarbeiter der Evolution gibt es jedoch keinen Kräfteverfall, da die Energie der Welt gesunderhaltende Kräfte über ihn ausgießt. Er erweist sich, gemäß der Ausdrucksweise alter Schriften, als Gesalbter, denn die Überirdische Welt sendet dem Mitarbeiter der Evolution wahrlich die Energie der Welt zu Hilfe.
     Alle sieben Jahre kann der Mensch seine Tätigkeit im Verhältnis zu den Weltereignissen überprüfen. Es wird erfreulich sein, wenn der Weg sich als wahr und direkt erweist. Ein solcher glücklicher Wanderer wird von großem Neid begleitet. Finstere verzeihen in ihrer Hinterlist und Scheinheiligkeit dem guten Tatmenschen seine Erfolge nicht, doch dieser weiß, daß die Intrigen der Unwissenheit unvermeidlich sind. Er weiß, daß die Unwissenheit ihm auf dem Weg der Evolution nicht zu folgen vermag. Doch der Unwissende seinerseits spürt in seinem Bewußtsein dennoch, wie krumm und unwürdig sein eigener Weg ist.
     Der Denker lehrte die Menschen, ihren Weg selbst zu überprüfen.

     791. Urusvati weiß, daß Fanatismus ein überaus gefährlicher psychischer Zustand ist. Der Fanatiker beraubt sich selbst der Bewegung. Er kann nicht erfolgreich voranschreiten und sich vervollkommnen. Der Fanatiker ist ein lebender Leichnam. Der Fanatismus kann zu einer Seuche werden, da schwache Menschen jegliche Fortentwicklung fürchten. Ihr finsteres Dasein beruht auf dem toten Buchstaben.
     Leider bildet sich Fanatismus im Umkreis jeder Lehre, und er gestattet keine Vertiefung der Grundlagen. Wir wollen die großen Lehren nicht aufzählen, die bereits unter primitivem Fanatismus gelitten haben. Die Geschichte liefert genug solcher düsteren Beispiele.
     Man könnte fragen, wie mit dem Fanatismus zu kämpfen ist. Man muß verstehen, daß jede Auseinandersetzung mit Fanatikern nur deren Starrköpfigkeit noch verstärkt. Glauben solche Unwissenden doch, daß gerade sie die Bewahrer der reinen Lehre seien. Ein Fanatiker antwortet auf jede Frage des Gesprächspartners mit wütender Leidenschaft. Und er wächst ständig in seinem Starrsinn. Er behauptet, die Lehre könne sich nicht entwickeln; anders gesagt, erkennt der Fanatiker

[Russisches Original. Seite 703.]


die Lebendigkeit des Erkenntnisprozesses nicht an. Doch in der Ewigkeit kann es keinen Stillstand geben. Alles ist in Bewegung, und in diesem Bestreben vervollkommnet es sich.
     So laßt uns daran denken, daß es unmöglich ist, mit Leichnamen Streitgespräche zu führen. Möge die Zersetzung sich zu neuer Existenz wandeln. In kurzen Worten - streitet nicht mit Fanatikern, umgeht die Zersetzung und eilt in siegreichem Erkenntnisstreben voran.
     Der Zunahme von Fanatikern kann durch kosmische Erscheinungen eine Grenze gesetzt werden. Sie können einen solchen Schlag erhalten, daß sie erschüttert sind. Eine solche Erschütterung kann auf der Erde oder in der Überirdischen Welt erfolgen, das ist gleich, doch ist der Fanatismus für die Überirdische Welt in jedem Fall ungeeignet.
     Der Denker sprach: "Fanatiker, wie wirst du die Grenze zum Überirdischen überschreiten?"

     792. Urusvati weiß, wie verderblich der Wurm der Unzufriedenheit ist. Durch Unzufriedenheit welkt man, siecht dahin und vertrocknet. Narren werden fragen: "Wie kann man Unzufriedenheit verurteilen, wenn auf der anderen Seite geboten wird, sich nicht mit seinem Bewußtseinszustand zufriedenzugeben?" Antwortet: "Seid ihr etwa unfähig, zwischen Unzufriedenheit und dem Verlangen nach Vervollkommnung zu unterscheiden? Aus dem Streben zur Vervollkommnung erwächst Freude, aus klagender Unzufriedenheit jedoch Kummer."
     Viele sind im Wirbel sinnloser Unzufriedenheit zugrundegegangen. Sie haben sich sowohl ihren irdischen als auch den überirdischen Weg abgeschnitten. Der Tatmensch freut sich darüber, daß er Mensch ist. Dieses Menschsein lehrt ihn, daß er sich in jedem beliebigen Umstand der großen Bewegung anzuschließen vermag. Er handelt gedanklich und ist in der Lage, bereits dadurch auf dem Weg voranzukommen. Der Weg der Selbstaufopferung gewährt Unzufriedenheit keinen Raum. Jedes lichte Verlangen nach Vervollkommnung wird bereits einen vollen Sieg darstellen.
     Möge sich jeder dessen bewußt sein, daß der überirdische Weg kein Weg der Unzufriedenheit sein kann. Dornengestrüpp wird sich in Rosen verwandeln, wenn der Wanderer die herrliche Weite lieben gelernt hat. Niemand kann es verbieten, zur Überirdischen Welt zu streben und zu spüren, wie schön sie für alle ist, die sich ihr zuwenden können. Möge innige Freude denjenigen begleiten, der die Bewegung des Erfolges gefunden hat.
     Der Denker wies darauf hin, daß Freude den glücklichen Suchenden geboten ist, doch müsse

[Russisches Original. Seite 704.]


der Mensch es lernen, in Freude zu suchen.

     793. Urusvati weiß, daß gewisse Toren über von ihnen in der Lehre ausfindig gemachte Wiederholungen klagen. Diese Klagen ergehen zu Unrecht. Sie beweisen nur, daß solche Leser leichtfertig sind. Sie geben sich keine Mühe, alle scheinbaren Wiederholungen miteinander zu vergleichen. Nur bei genauem Vergleich könnten sie sich davon überzeugen, daß es sich nicht um Wiederholungen, sondern um Vertiefungen handelt. Überdies darf man nicht vergessen, daß die Menschen wiederholter Anweisungen bedürfen. Doch selbst in solchem Falle muß man vertiefen, nicht aber die Worte wiederholen.
     Wir fürchten keine Wiederholungen, da die Spirale des Aufstiegs unvermeidlich jenseits der früheren Bestätigungen verlaufen wird. Natürlich hat sich der Gedanke bei den Umläufen der Spirale bereits gewandelt, und neben dem Wachstum des Gedankens wird die Form bereits eine andere sein. Leidenschaftliche Verneiner werden stets einen Einwand finden, der jedoch keine Bedeutung besitzt, da er immer ein persönliches Trugbild darstellt. Die Lehre jedoch hat die Menschheit im Blick.
     Bestätigt, daß man von der Überirdischen Welt vielfach wiederholt sprechen muß. Die Zugänge zur Überirdischen Welt sind der Mehrheit der Zweibeiner sehr verborgen. Man muß sie an die Ausweglosigkeit ihrer Zukunft gemahnen. Allein auf strengen Befehl hin können Menschen, die nicht zu denken vermögen, voranschreiten.
     Der Denker bekräftigte, daß man sich nicht scheuen dürfe, immer wieder von den Überirdischen Wegen zu sprechen.

     794. Urusvati weiß, daß eine unbegrenzte Aufteilung der Tendenz zur grundlegenden Einheit nicht widerspricht. Die Wissenschaft bestätigt dies, doch besonders klar kann man sich davon im Bereich der psychischen Energie überzeugen.
     Mögen die Menschen die Aufteilung im Leben nicht fürchten. Oftmals unterstützt gerade sie die Einheit. Die Menschen gehen nicht davon aus, daß finstere Kräfte unbewußt zur Einheit verhelfen können. Doch ein solcher Gegensatz vermag besonders mächtige Funken zu erzeugen. Es ist gleich, ob der Hammer, der die Funken herausschlägt, ein finsterer oder ein lichter ist; je stärker der Schlag, um so mächtiger und heilsamer die Funken.
     Besonders in den Tagen des Harmagedon läßt sich beobachten, wie die Aufteilung wächst, doch ebenso wird auch Einheit bekundet. Die Welt strebt zur Einheit in der Zusammenarbeit.

[Russisches Original. Seite 705.]


Die Welt erkennt, daß neues, gegenseitiges Verstehen unvermeidlich näherkommt. Die Welt entfernt mit Eifer verfaulte Wurzeln. So muß jede Lehre den Schritten der Neuen Welt Gehör schenken. Möge in allem Scharfsicht bewiesen werden, und mögen die Menschen verstehen, was inmitten der Schlachten und Leiden herangereift ist.
     Der Denker sprach: "Erkennt die Hülle der Großen Einheit."

     795. Urusvati weiß, daß die Hauptursache von Meinungsverschiedenheiten in der Individualität der Bewußtseine liegt. Es gibt keine identischen Sandkörnchen und keine gleichen Bewußtseine. Dieser Reichtum der Natur hätte zu einer Beschleunigung der Evolution führen können, doch ist indessen nicht wenig Böses daraus entstanden. Es muß daran erinnert werden, daß dieses Böse verderblich ist, nicht allein für das irdische Leben, sondern auch für die Überirdische Welt.
     Indessen kann jeder Mensch zur Verringerung des Bösen beitragen. Dafür sollte er sich der Individualität der Bewußtseine ganz klar erinnern. Er darf das Bewußtsein des Nächsten nicht zwingen. Er kann hingegen Freundschaft und Zusammenarbeit einbringen, muß dabei jedoch die Unterschiedlichkeit der Bewußtseine im Auge haben. Aus einem solchen Verstehen erwächst Mitleid. Ein weiser Mensch zeigt dem Nächsten sein Mitleid nicht, damit dieser das Gute nicht für ein Almosen hält.
     Eine Vielzahl kleinster Bewußtseinseigenschaften kann verderbliche Meinungsverschiedenheiten ausgleichen. Man darf jedoch Meinungsverschiedenheiten nicht mit einem vernünftigen Meinungsaustausch verwechseln. Wer die bessere Saat ausbringt, wird auch eine reichere Ernte einfahren. Wir kümmern Uns nicht nur um das irdische Leben, sondern mehr noch um die Überirdische Existenz. Die Menschen sollten endlich erkennen, daß jeder zur Überirdischen Welt strebt und dafür den für ihn geeignetsten Weg nimmt.
     Der Denker riet: "Helft dem Nächsten, sich der Überirdischen Welt auf bessere und schönere Weise zuzuwenden."

     796. Urusvati weiß, daß ein erweitertes Bewußtsein harmonisierend auf Bewußtseine in seiner Umgebung und sogar auf die Atmosphäre einwirkt. So entsteht ein Magnet eigener Art, der die Umgebung anzieht und umwandelt. Ein solcher Zustand ist nicht nur für die Erde, sondern auch für die Überirdische Welt wichtig. Natürlich bildet sich die Erweiterung des Bewußtseins nicht leicht. Überdies verwechseln viele Menschen die Bewußtseinserweiterung mit

[Russisches Original. Seite 706.]


mechanischer Wissensaneignung. Sie erkennen die Wirkungen psychischer Kräfte überhaupt nicht an; für sie begrenzt sich die Wissenschaft auf das, was der Menschheit bisher beschieden ist. Sie können nicht verstehen, daß Wissenschaft ohne die psychische Energie etwas Totes darstellt. Wie aber kann der komplizierte Prozeß der Bewußtseinserweiterung einsetzen, wenn die Menschen sich schon der geringsten Möglichkeit zu höherer Erkenntnis verschließen?
     Der Mensch muß sich sagen: "Ich will mein Bewußtsein erweitern." Allein der freie Wille vermag einen wirksamen Magneten zu schaffen. "Ich will und ich kann", so öffnet der Mensch das erste Tor zur Umgestaltung der Welt. Der innige Wunsch muß sich mit Geduld vereinen, da viele Prozesse Zeit erfordern. Solch eine Aufgabe kann nur ein Tatmensch lösen, der sich dem Dienst an der Menschheit widmet.
     Der Denker bestätigte: "Lernt es zu wünschen, macht euch zu Bürgern der Überirdischen Welt."

     797. Urusvati weiß, daß das Leben ununterbrochen fortdauert. Jemand wird fragen: "Wozu wird immer wieder über solch ein allgemein bekanntes Gesetz gesprochen?" Tatsache jedoch ist, daß dieses Gesetz vergessen wurde und von der Mehrheit der Erdbewohner abgelehnt wird. Sie versteigen sich bis zu solcher Absurdität zu meinen, das Verlassen der Erde sei das Ende ihrer Existenz. Andere halten sogar den Schlaf für eine Unterbrechung des Bewußtseins. Eine übergroße Mehrheit jedoch ist überhaupt nicht imstande, über den Lebensstrom nachzudenken, weshalb es unerläßlich ist, an die Fortdauer der Lebenskette zu erinnern. Man kann von unterschiedlichen Lebensformen sprechen, doch das Korn des Lebens ist unzerstörbar.
     Es ist unmöglich, von Gesetzen der Ethik zu sprechen, wenn zwischen Ursache und Wirkung keine ununterbrochene Verbindungslinie darstellbar ist. Die Menschen können sich nicht vervollkommnen, wenn sie die Verantwortung für ihren freien Willen nicht klar erkennen. Besonders jetzt, angesichts der ungezügelten Wut im Harmagedon, ist es unerläßlich, den Menschen nicht nur im irdischen, sondern auch im Überirdischen Leben zu helfen.
     Erkennt, wie leichtfertig die Menschen sich ihrer überirdischen Existenz gegenüber verhalten. Ungeachtet dessen meinen sie, das irdische Leben sei das eigentliche Leben, wobei sie vergessen, daß es auf einem ununterbrochen fortlaufenden Weg nur einen kurzen Aufenthalt darstellt. Mögen die Menschen, wenn auch nur in primitiver Denkweise, sich die Frage stellen: "Lohnt es etwa zu leben, wenn weiter

[Russisches Original. Seite 707.]


nichts existiert?" Zur selben Zeit reden die Menschen von ununterbrochener Bewegung, ohne daß dieses sie auf den Gedanken brächte, daß auch ihre Existenz ununterbrochen weiter verläuft. Dies muß man wiederholen, dringend und beharrlich wiederholen, da sich die Neue Welt anderenfalls als alt und gebrechlich erweisen wird.
     Der Denker warnte: "Erbauer des Neuen, fallt nicht in altersschwaches Denken!"

     798. Urusvati weiß von der tiefen Bedeutung der alten Schweigegelübde. Wissenschaftlich läßt sich verstehen, daß die Menschen auf diesem Wege versuchten, eine Konzentration ihres Denkens zu erreichen. Überdies bereiteten sie sich in gewisser Weise auf den überirdischen Zustand vor. Natürlich muß man erkennen, daß jedes Bestreben zur Vertiefung des Denkens nützlich ist, doch laßt uns nicht vergessen, daß bei der Entwicklung des Bewußtseins der Natur kein Zwang angetan werden darf.
     Der Mensch vermag sein Denken ohne Zwang zu üben. Dem Menschen ist die Sprache gegeben, wozu also sollte er sich des Umgangs mit seinen Mitmenschen berauben? Auf gedanklichem Wege hat er nur ein begrenztes Ausdrucksvermögen, doch möge er mit all seinen Fähigkeiten zum Schönen streben. Der Mensch kann sich seiner einen Hand entledigen, um die Fähigkeiten der anderen zu vermehren, doch wird eine solche erzwungene Beschränkung vernünftig sein? Ein gesundes Denken bedarf des Gleichgewichts aller Organe.
     Hegen wir Hochachtung vor denen, die in früheren Zeiten das Schweigegelübde ablegten, denn sie taten dies im Wunsche nach Vervollkommnung. Doch die Evolution erfordert eine noch umfassendere Anwendung der menschlichen Kräfte. Möge der Mensch all seine Möglichkeiten wirksam anwenden, möge er in uneingeschränktem Erkenntnisstreben leben. Solch ein vernünftiges, kühnes Erkenntnisstreben wird seiner Arbeit wahre Freude verleihen.
     Wissen ist ein unverrückbares Recht des Menschen. Die Freiheit des Erkenntnisstrebens bedeutet Teilhabe an der Evolution. Jeder, der die Freiheit des Strebens nach Erkenntnis behindert, ist ein Feind der Evolution. Man muß verstehen, wie notwendig der Schatz des Erkenntnisstrebens für die Überirdische Welt ist. Wie ein unverlöschliches Licht führt es den Wanderer auf seinen überirdischen Wegen.
     Der Denker bestätigte: "Möge jede irdische Überwindung ein noch besserer Zugang zur Überirdischen Welt werden."

[Russisches Original. Seite 708.]


     799. Urusvati weiß, daß Überwindung Erfolg ist. Je reiner der Beweggrund, um so höher ist die Errungenschaft - dieses kurze Geleitwort gilt sowohl für die Erde als auch für die Überirdische Welt. Leider wollen die Menschen nicht erkennen, daß das Leben Kampf ist. Die Menschen fürchten sich sogar, über unbegrenzten Kampf nachzudenken. Sie verstehen nicht, daß sich alle Welten in Prüfung befinden. Sie lesen eine solche Bestätigung und versinken in Furcht.
     An jedem Morgen erfüllt sich der Mensch statt mit Freude mit Angst vor der Zukunft. Mit derselben Furcht geht er in die Überirdische Welt, doch verhindert ein solcher Zustand die Vervollkommnung. Der Mensch muß jedoch auch in der Überirdischen Welt einen kühnen Kampf führen, denn ohne diesen wird er den Weg zu den Höheren Wesenheiten nicht finden.
     Bei den Bestrebungen zur Vervollkommnung trifft man auf viele Hindernisse, und ihre Überwindung wird bereits wahre Vervollkommnung sein. Allein im Kampfe werden die Kräfte erneuert. Selbst die psychische Energie vertieft sich auf einem klaren Weg. Es ist falsch zu meinen, die psychische Energie sei ein unveränderlicher Schatz; sie befindet sich in ständigem Ansteigen oder Absteigen. Nur der kühne Sucher kann ein betrübliches Absteigen der Energie vermeiden. An dieses Geleitwort muß man besonders zu einer Zeit denken, da das Harmagedon an Intensität zunimmt.
     Der Denker sprach: "Überwindet und steigt auf."

     800. Urusvati weiß, daß Gleichgültigkeit einem fauligen Brunnen gleicht, in dem sich nicht einmal die Sterne widerspiegeln. Die Wanderer hüten sich, bei ihm Rast zu machen. Es ließen sich viele weitere Beispiele anführen, die auf die tödliche Gleichgültigkeit passen. Sie ist für den Menschen nicht nur im irdischen Leben verderblich, sondern mehr noch in der Überirdischen Welt. Ein solcher Mensch kann sich nicht vervollkommnen und versinkt unwillkürlich in Unwissenheit.
     Verwechselt Gleichgültigkeit nicht mit Ruhe. Ruhe ist ein lichtes Morgenrot, Gleichgültigkeit jedoch stockfinstere Dunkelheit. Ruhe ist ein Lächeln der Freude, Gleichgültigkeit jedoch eine verzerrte Grimasse. Die Menschen suchen ihre Unwissenheit nicht selten hinter einer Gleichgültigkeit zu verbergen, doch ist ein solcher Genosse sehr gefährlich und ansteckender als eine tödliche Krankheit.

[Russisches Original. Seite 709.]


     Der Tod existiert für einen erleuchteten Geist nicht, doch ist Gleichgültigkeit ein Zeichen des Todes. Der Gleichgültige kann in der Überirdischen Welt in einen langen Schlaf fallen. Weder erwacht sein Herz zu lichten Flügen, noch kann irgendetwas den schlafenden Holzklotz erwecken. So verdichtet sich sein Karma, und nichts als ein qualvoller Kampf steht demjenigen bevor, der seinen Weg verloren hat.
     Möge der Mensch die Gleichgültigkeit vertreiben. Möge er klar erkennen, worin seine Bestimmung besteht. Möge der Wanderer scharfsichtig und tätig in die Unbegrenztheit streben.
     Der Denker sprach: "Selbst die Tiere sind nicht gleichgültig."

     801. Urusvati weiß, daß alle hohen Lehrer seit jeher vor dem Schaden leichtfertiger Verurteilung warnten. Dennoch sind die meisten Menschen dieser Untugend unterlegen. Sie unterscheiden nicht zwischen begründeten, gerechten Urteilen und schwatzhafter Verurteilung. Die Menschen verstehen nicht, welchen nicht wiedergutzumachenden Schaden sie nicht nur dem Nächsten, sondern auch sich selbst damit zufügen.
     Der Mensch ist bereit anzuerkennen, daß die Verleumdung eine verbrecherische Tat darstellt. Doch denkt er nicht darüber nach, daß er in leichtfertiger Verurteilung eine Verleumdung auszusprechen vermag, ohne sich darüber Rechenschaft abzulegen, welchen kosmischen Schaden er damit hervorruft. Wir sprechen nicht nur von irdischem, sondern auch von überirdischem Schaden. Ihr könnt euch vorstellen, wie die Untugend leichtfertiger Verurteilung in der Überirdischen Welt zur Auswirkung gelangt, wenn eine solche Giftnatter den Menschen inmitten der überirdischen Bewohner beherrscht! Sie leben durch das Denken und sind gedanklichen Entladungen gegenüber besonders empfindlich. Der Verleumder verbreitet den Schaden auf der Erde unter einer bestimmten Anzahl von Menschen, doch in der Überirdischen Welt infiziert er eine unzählbare Menge.
     Man darf nicht glauben, daß die Saat der Verleumdung leicht ausgemerzt werden könnte. Bedauerlicherweise sind solche Gifte sehr langlebig und hinterlassen unverwischbare Spuren im Kosmos. Mögen die Menschen daher verstehen, welche Verantwortung sie für ihr Urteil haben. Jede gute Lehre muß daher eine Warnung vor diesem unverwischbaren Schaden beinhalten.
     Der Denker warnte davor, den Weg mit leichtfertiger Verurteilung zu beschmutzen.

[Russisches Original. Seite 710.]


     802. Urusvati weiß, daß jemand den Einwand erheben wird: "Wozu wird in einer neuen Lehre an eine alte, unheilbare Untugend der Menschheit erinnert? Über die Verleumdung sind viele gute Worte gesagt worden, die vor ihrem Schaden warnen, dennoch nimmt diese Untugend nicht nur zu, sondern entwickelt sich in starkem Maße. Es ist unmöglich, nur mit Worten auf die Menschheit einzuwirken."
     Antwortet: "Für ein Geleitwort ist es unerläßlich, sich die ganze Last des Reisenden anzusehen. Selbst an alltäglichste Gegenstände muß erinnert werden, wenn sie auf dem Wege erforderlich sein sollten. Aus diesem Grund muß auf eine derart verderbliche Untugend, wie es die Verleumdung ist, mit allem Nachdruck hingewiesen werden."
     Doch laßt uns sehen, welches der Hauptgrund für diese Untugend ist. Es geht darum, daß sie bisher nur in bezug auf das irdische Leben mißbilligt worden ist, für die Überirdische Welt indessen eine besondere Bedeutung hat. Die Menschen schätzen das Studium der Überirdischen Welt jedoch gering. Leichtfertig meinen sie, die Überirdische Welt trete hier auf der Erde nicht in Erscheinung. Indessen weiß jeder aufmerksame Forscher, wieviele Zeichen feinstofflicher Existenz an jedem Tag des Lebens ausgestreut sind. Ebensowenig wollen die Unwissenden sich das Überirdische Leben als von Gedanken bewegt vorstellen. Wie aber wird ein Verleumder leben können, wenn seine Gedanken bekannt sind? Überdies wird seine Ausstrahlung über weite Entfernung von der Existenz eines Verleumders künden. So tragen Wir Sorge nicht allein um das irdische, sondern auch um das überirdische Leben.
     Der Denker sprach: "Hütet euch auf dem weiten Weg vor ungeeigneter Last."

     803. Urusvati weiß, daß die Denker des Altertums das irdische Leben einen Zweikampf mit dem Chaos nannten. Jeder kühne Krieger legte eine schwere Rüstung an und ging auf die Suche nach dem Drachen des Chaos. Mochte der Krieger auch wissen, daß der Drache ihm auf allen Wegen auflauern würde, doch das Antlitz des Drachen änderte sich, und der Krieger mußte so findig sein, es zu erkennen. Natürlich verfiel der Krieger nicht selten in Trägheit und irrte umher, ohne die vorbestimmte Heldentat zu vollbringen.
     Man wird fragen: "Warum mußte der Krieger die Überirdische Festung verlassen? Konnte er den Feind nicht von dort aus niederschlagen? Besaß er etwa weder Pfeil noch Speer? Um

[Russisches Original. Seite 711.]


die Festung herum nisteten wohl keine Drachen?" Es geht jedoch darum, daß der Krieger die verborgensten Ungeheuer finden muß. Sie halten sich in tiefen Schluchten auf. Je schwerer das Unterfangen, desto lichter ist die Heldentat, desto siegreicher die Rückkehr des Kriegers in seine Festung.
     Möge der Mensch intensiv daran denken, daß seine Festung nicht auf der Erde ist. Ebenso muß man daran denken, daß alle irdischen Arbeiten um der Rückkehr in die Überirdische Festung willen vollbracht werden. Der Arbeiter wird auch verstehen, daß die Qualität seiner Arbeit eine hohe sein sollte; allein in der Qualität findet die Arbeit ihren Segen. Auf solche Weise können verschiedene Arbeiter sich begegnen und einander anhand der hohen Qualität ihrer irdischen Arbeit verstehen.
     Der Denker sprach: "Lernt es, über eine hohe Qualität des Daseins nachzudenken."

     804. Urusvati weiß, daß der Gedanke in der Überirdischen Welt bereits dem Wort gleicht. Der Gedanke ist Mittel zur Verständigung, zum Schaffen und zur Fortbewegung. Die Menschen meinen, daß man an eine Überirdische Welt überhaupt nicht denken dürfe. Das irdische Leben bleibe die einzige Aufgabe der Existenz. So verfällt der Mensch verhängnisvollem Irrtum.
     Man kann unmöglich nur an das irdische Leben denken, ebensowenig jedoch ausschließlich zur Überirdischen Welt streben. Zweckmäßigkeit muß in allem beachtet werden, nur so lernt es der Mensch, im irdischen Leben zu schaffen und Zeit für Bestrebungen zur Überirdischen Welt zu finden. Wir leben für die Zukunft, doch liegt diese nur in der Überirdischen Welt. Die irdischen Leben stellen im Vergleich mit den überirdischen Existenzen den geringsten Teil dar.
     Stellt euch einen Menschen vor, der in die Überirdische Welt eintritt und nur die Verständigung über das gesprochene Wort kennt; er wird sich in einer bedauernswerten Lage befinden. Die Gedankenübertragung wird er sich nicht so bald aneignen. Zuerst wird er, wie ein Stummer, für sich stillschweigend Worte wiederholen, doch wenn sie nicht von feinfühligen Gedanken begleitet sind, werden sie keine Verständigung bringen. Nur schrittweise wird der Wanderer verstehen, den Gedanken ohne Worte zu äußern, und so wird er auch lernen, die Gedankensendungen der neuen Gefährten aufzunehmen. Der Lehrer wird sich ihm ebenfalls auf gedanklichem Wege nähern.

[Russisches Original. Seite 712.]


     Doch weshalb erst in der Feinstofflichen Welt damit beginnen, die Kunst des Denkens zu erlernen, wenn man sich schon im irdischen Leben darauf vorbereiten kann? Jedem ist es möglich, unter beliebigen Bedingungen Versuche in sich selbst mit gedanklichen Gesprächen durchzuführen, und vielleicht wird er auch schon eine Antwort erhalten.
     Der Denker sprach: "Denkt daran, das Wort entspricht dem Gedanken."

     805. Urusvati weiß, was augenblickliche Erleuchtung ist. Sie wandelt sich zu höherer Inspiration und höherem Verstehen. Man muß daran denken, daß solch ein psychischer Zustand überaus selten ist, da viele irdische und überirdische Bedingungen dafür zusammentreffen müssen. Man kann von solcher Erleuchtung träumen, nicht jedoch sie erzwingen.
     Wenn die überirdischen Bedingungen mit den entsprechenden irdischen Stimmungen zusammenfallen, kann der wunderbare Lotos der Erleuchtung unerwartet erblühen. Der Mensch kann diesen Augenblick nicht kennen, doch oftmals flammt die Erleuchtung nicht nur unerwartet auf, sondern auch zu unpassender Zeit, wenigstens nach irdischer Auffassung. Mag die Erleuchtung auch ein seltener Gast sein, so ist es doch nicht verboten, ihren Besuch zu erwarten.
     Man kann mit kurzen psychischen Vertiefungen beginnen. Man darf nicht denken, solche Konzentrationen seien nicht nützlich; gerade auf diesem unermüdlich beschrittenen Wege lassen sich viele Erkenntnisse gewinnen. Törichte Menschen klagen nicht selten darüber, daß ihre Arbeiten nutzlos vergingen, doch wo sind die Gewichte, mit denen man die psychischen Aufspeicherungen wägen könnte? Es ist leichter, mit bloßem Auge das Gras wachsen zu sehen als den Prozeß psychischer Aufspeicherungen zu beobachten.
     Man muß die Anfänger daran erinnern, daß jede ihrer Bemühungen um Konzentration nicht ohne Nutzen bleiben wird. So kann man sich auf die Überirdische Welt vorbereiten, wo Erleuchtungen oft vorkommen, wenn der Mensch sich bereits daran gewöhnt hat, an sie zu denken. So ist jeder fähig, unter beliebigen Umständen die Meilensteine der Zukunft durch Arbeit zu sammeln.
     Der Denker sprach: "Wozu mit Gewalt die Blütenblätter des Lotos herausreißen? Möge der Lotos in Fülle zur vorbestimmten Stunde erblühen!"

     806. Urusvati weiß, was feuriges Gleichgewicht ist. Es ist viel über Entsprechung und Gleichgewicht gesagt worden, doch wurden diese Begriffe bisher nicht angewandt, da man ihre

[Russisches Original. Seite 713.]


Grundlage nicht klar erkannte. Selbst erfahrene Forscher verfallen der Gleichgültigkeit, anstatt das Gleichgewicht zu üben. Alle wissen, daß die Natur des Seins eine feurige ist, doch wie ist diese Eigenschaft im irdischen Leben anzuwenden? Wahrlich, man kann das feurige Gleichgewicht erreichen, indem man gleichzeitig im irdischen und im überirdischen Leben weilt.
     Man darf nur nicht meinen, die Vertiefung in die Überirdische Welt löse bereits die Aufgabe des Gleichgewichts. Man muß aktiv alle Kräfte im irdischen Dasein einsetzen, doch dabei verstehen, daß ein solches Bemühen für den überirdischen Erfolg notwendig ist. Man sollte meinen, ein solcher Einsatz sei nicht schwierig, doch wird sie selten erreicht. Entweder verfällt der Mensch der Abstraktheit, oder er versinkt in gewöhnlicher Lebensweise.
     Man darf nicht meinen, Gleichgewicht wäre leicht erreichbar. Es muß von Kindheit an erzogen werden, und dafür sind allgemein zugängliche Bücher über die Überirdische Welt notwendig.
     Mögen aus verschiedenen Glaubensbekenntnissen Tatsachen über das überirdische Leben gesammelt werden. Solchen Beispielen mögen Fälle aus dem heutigen Leben hinzugefügt werden, nur so kann man die alten Überlieferungen mit dem heutigen Leben verbinden.
     Es handelt sich um einen weit verbreiteten Fehler, wenn Unwissende behaupten, im heutigen Leben gäbe es keine psychischen Erscheinungen. Es läßt sich bestätigen, daß solche Erscheinungen sogar besonders oft stattfinden, die grobe Unwissenheit sie nur nicht bemerkt. Selbst das Wort "Gleichgewicht" stellt schon eine Anwendung dar.
     Der Denker bestätigte: "Unsere Natur ist feurig. Mögen wir fähig sein, das heilige Feuer in uns zu entzünden."

     807. Urusvati weiß, was große Geduld ist. Man meint, diese Festung des menschlichen Erfolges beruhe auf Wissen. Doch über das Wissen hinaus ist noch eine besondere Eigenschaft erforderlich, Duldsamkeit genannt. Daher läßt sich sagen, daß Geduld Duldsamkeit ist. Diese wertvolle Eigenschaft muß erzogen werden.
     Die Bestätigung der Duldsamkeit ist besonders für die Überirdische Welt notwendig, denn ohne diese Eigenschaft gestaltet sich der Mensch eine bedauernswerte Existenz. Er stößt alle Entgegenkommenden von sich, da er in jedem irgendeinen Zug findet, der ihm nicht genehm ist. Aufgrund dieser

[Russisches Original. Seite 714.]


kleinen Züge sieht der Mensch die wertvollsten Aufspeicherungen der anderen nicht. Man muß daher in den Kindern schon in den frühesten Jahren weitgehende Duldsamkeit entwickeln.
     Man muß sie lehren, die wertvollste Eigenschaft in einem Menschen zu erkennen und anhand dieser seine unangenehmen Fehler nicht überzubewerten. Dies um so mehr, als viele scheinbaren Unzulänglichkeiten nur zur gegenwärtigen Zeit sichtbar sind. Bald erneuert sich das Bewußtsein, und der Betrachter wird sich seiner vorherigen sturen Unduldsamkeit schämen.
     Über den Schaden der Unduldsamkeit könnten nützliche Bücher geschrieben werden. Viele historische Beispiele könnten angeführt werden, wie Menschenführer die nützlichste Erkenntnis nicht aufzunehmen vermochten. Möge der Historiker aufzeigen, wie solche stumpfen Führer sich zum Gespött späterer Generationen machten. Die Fähigkeit, etwas zuzulassen, ist bereits der Weg zur großen Geduld.
     Der Denker riet Seinen Schülern, Duldsamkeit als Mittel zur Erweiterung des Bewußtseins zu beweisen.

     808. Urusvati weiß, wie lebensfähig der Gedanke ist. Schneller als das Licht eilt der Gedanke dahin. Er wird durch das räumliche Feuer gereinigt und zeigt schließlich sein Wesen. Der gute, der schöne Gedanke erweist sich im feurigen Schmelztiegel als noch schöner. Der böse, der schädliche Gedanke tritt in verstärkter Bosheit hervor. Diese unterschiedlichen Magneten werden in den Raum getragen und wirken auf die umgebende Atmosphäre.
     Wem aber gereicht der gute Gedanke zum Wohl? Auf wen wirkt der böse Gedanke? Vor allem auf den Erzeuger selbst. Nicht nur im irdischen Leben, sondern besonders in der Überirdischen Welt fallen die Schläge schädlicher Gedanken schwer auf den feinstofflichen Körper. Wie schwere Gewichte behindern böse Gedanken den Aufstieg, und nicht selten erkennt selbst ihr Erzeuger ihren Ursprung nicht. Leichtfertig, wie er ist, hat er seine giftigen Sendungen vergessen, sie jedoch haben ihn nicht vergessen. Sie werden von ihm angezogen und finden ihn inmitten überirdischer Räume. Ebenso fliegen die guten Boten herbei und weben strahlende Flügel für einen herrlichen Aufstieg.
     Solche Prozesse lassen sich wissenschaftlich erklären, da die Erforschung der Gedankenenergie

[Russisches Original. Seite 715.]


der Wissenschaft zukommen wird. Man muß sich einen Vorrat guter Gedanken aufbauen, nur sie ermöglichen einen leichten Aufstieg in erhabene Bereiche. Glaubt jedoch nicht, böse Gedanken könnten leicht getilgt werden. Solche feurigen Brandmale können für lange Zeit nicht ausgemerzt werden. So denkt an die eigenen Helfer und Schädlinge in der Überirdischen Welt.
     Der Denker sprach: "Welt erkranke nicht am Haß!"

     809. Urusvati weiß von der Heilkraft des Mitleids. Gewöhnlich nehmen die Menschen an, daß diese Eigenschaft nur Höheren Wesen zukomme. Indessen treten die Menschen in ihrem Alltagsleben oft mit dem Mitleid in Berührung.
     Wahrlich, Barmherzigkeit, Friedfertigkeit, Mitgefühl, Nachsicht und alle Bekundungen von Behutsamkeit gegenüber den Mitmenschen sind in unterschiedlichem Maße Erscheinungen von Mitleid. Die Liebe selbst lebt neben dem Mitleid. Und ist Zusammenarbeit nicht ein Nachbar des Mitleides? Alle diese guten Eigenschaften sind voller Heilkraft.
     Die mit guter Absicht ausgesandte psychische Energie offenbart heilkräftige Wirkung. Möge auch die Wissenschaft aufzeigen, wie heilsam gute Absichten auf das Nervensystem wirken. Doch vergessen wir nicht, daß derjenige, der das Mitleid bekundet, von dem Bumerang der ausgesandten Energie ebenfalls nützliche Wirkungen erfährt.
     Überdies muß man im Auge haben, daß solche wechselseitigen Wirkungen besonders in der Überirdischen Welt in Erscheinung treten. Die Bewohner der Feinstofflichen Welt bedürfen keiner Versicherungen durch Worte, das Gefühl allein erreicht den Leidenden schneller als das Licht. Und es gibt in der Überirdischen Welt nicht wenig Unglückliche, die der Ermutigung bedürfen. Solche umherirrenden Bewohner wollten während ihres irdischen Zustandes nichts von einer zukünftigen Existenz hören. Sie irren nackt umher und wissen nicht, wie sie ihre Nacktheit bedecken sollen. Es ließen sich viele durch Unwissenheit entstandene Beispiele überirdischen Unglücks anführen. Welch weites Tätigkeitsfeld eröffnet sich da jedem, der die Bedingungen des überirdischen Lebens kennt. Und der Ermutigende erfährt durch seine geäußerten guten Gefühle verstärkte Kraft.
     Der Denker sprach: "Laßt uns ein gutes Opfer bringen."

[Russisches Original. Seite 716.]


     810. Urusvati weiß, was Freude am Erfolg ist. Diese Freude ist lichtvoll, doch noch lichtvoller ist geistige Freude. Die Menschen haben für die geistige Freude keine genaue Bezeichnung, doch am ehesten bezeichnet man sie mit feuriger Freude. Unter der Einwirkung feuriger Freude spüren wir die Feurigkeit der gesamten Natur, und dieses Verstehen trägt uns leichter als alles andere in die Überirdische Welt.
     Wahrlich, dort kann man verstehen, wie segensreich die feurige Freude ist. Sie erweitert geradezu das Bewußtsein, und die besten Aufspeicherungen sammeln sich bei dem feurigen Magneten. Das Wesen des Menschen erneuert sich, und der sogenannte alte Mensch verbrennt. Man muß verstehen, wie notwendig solche Erneuerung nicht nur für die Überirdische Welt, sondern auch für das irdische Leben ist. Dabei ist es möglich, die Begeisterung unter den alltäglichsten Umständen zu erfahren.
     Man könnte Urusvati fragen, wie sie es aufgefaßt? Wie die Welle dieser Freude den Geist erfüllte und die Verbindung mit den Höheren Welten eröffnete? Urusvati kann bestätigen, wie sehr Schwermut und Gereiztheit dafür ungeeignet sind. Es ist nicht leicht, sich inmitten irdischer Unruhen vor solchen üblen Gefährten zu schützen, doch anderenfalls verbrennt geistiges Entzücken den Körper.
     Man darf feurige Anspannung unmöglich mit Zorn oder Gereiztheit vergleichen. Vor feuriger Begeisterung fallen alle Hindernisse. Jeder vermag mit dem Licht in Verbindung zu treten, doch muß man sich vor allem das Licht wünschen.
     Der Denker wandte sich immer wieder an Seine Schüler mit den Worten: "Laßt uns freudig sein, laßt uns lichtvoll sein!"

     811. Urusvati weiß, was der "feurige Lotos" darstellt. In alten Handschriften kann man einen Vergleich des Menschen mit einem blühenden Garten finden; ein solcher Vergleich hat eine wissenschaftliche Grundlage. In der Tat, wenn die Zentren des Menschen in ihrem Licht rotieren, sind sie verschiedenen, wunderschönen Blumen ähnlich. Allein das Herz stellt ein ganzes Blumenbeet dar, denn die Zentren leuchten in den unterschiedlichsten Farben. Man darf jedoch nicht denken, eine solche Festtagsbeleuchtung sei oft möglich.
     Im allgemeinen berücksichtigt man bei seinen Überlegungen nur einige Hauptzentren;

[Russisches Original. Seite 717.]


indessen ist es nicht gerechtfertigt, sie als Hauptzentren zu bezeichnen. Außer ihnen besitzt der Mensch noch viele andere, nicht weniger wichtige Zentren, in denen er erstrahlen kann. Die menschliche Ausstrahlung besteht aus einer Zusammensetzung verschiedener Lichter, die einen vielschichtigen und bestimmten Ton ergeben.
     Ebensowenig darf man denken, daß es nicht gut sei, wenn nicht gleich der ganze Garten erstrahlt. Einzelne der Herzzentren entflammen nur bei einer Verbindung mit der Überirdischen Welt; solche Zentren werden als Wanderer in die Überirdische Welt bezeichnet. Auch darf man nicht meinen, die Gehirnzentren könnten alle zugleich erstrahlen. Im Gegenteil, das normale Denken ist auf besondere Zentrengruppen beschränkt, und es ist nicht nützlich, wenn die Zentren allzu rasch entflammen. Allein bei einer hohen Ekstase läßt sich ein harmonisches Leuchten aller Zentren bemerken, doch kann eine solche Anspannung nicht oft eintreten, da anderenfalls der Körper verbrennen würde.
     Der Denker sprach: "Würdigt den Menschen als einen göttlichen Garten."

     812. Urusvati weiß von der Feurigkeit alles Existierenden. Die Wissenschaft wird bei der Erforschung des Nervensystems unweigerlich auf die Ausstrahlungen des Menschen treffen; sie wird das alles durchdringende, feurige Prinzip bestätigen.
     Es wird viel über die Aura gesprochen, doch versteht man ihre Ursache und Wirkung überhaupt nicht. Die Wissenschaft wird allerdings auch noch nicht so bald verstehen, weshalb die Ausstrahlungen mitunter als Banner des Menschen bezeichnet worden sind. Zum Verständnis einer solchen Definition muß man auch die Bedingungen der Überirdischen Welt kennen. Der Mensch trägt sein Banner, wenn er in der Überirdischen Welt lebt, er vermag sein Licht nicht zu verbergen. So ist es nicht erstaunlich, daß er sich als ein mächtiger Magnet oder als Gegenstand der Abstoßung erweisen kann. Gerade im irdischen Leben können unverwischbare Folgen geschaffen werden. Um so eher sollten die Menschen über die Qualität ihrer Ausstrahlungen nachdenken. Jedes gute Schaffen verbessert bereits die Ausstrahlung. Die Menschen können sich selbst helfen, indem sie ihren Nächsten helfen.
     Urusvati weiß auch, daß ein für die heutige Zeit gültiger Yoga, die Verbindung mit dem Höchsten, mitten im Alltagsleben verwirklicht werden muß. Nicht Abkehr vom Leben, sondern seine Umwandlung wurde geboten. Der Magnet des Herzens ist feurige Existenz. Gerade das Herz

[Russisches Original. Seite 718.]


ermöglicht den Zugang zu den Höheren Welten. Es bedarf keiner besonderen geistigen Folterqualen. Liebe, Arbeit und Schönheit sind allen zugänglich, und das in jedem beliebigen Zustand. Man muß das Leben auf diesen Grundlagen bestätigen. Den Kindern muß man erklären, wie sehr sie Schmied ihres eigenen Glückes sind. Möge Erziehung der Bildung vorangehen. Die feinstofflichen Energien stellen eine wunderbare Harfe mit vielen Saiten dar.
     Der Denker sprach: "Feuriges Banner, beleuchte den erhabenen Weg!"

     813. Urusvati weiß von der Schönheit der Überirdischen Welt. Man wird sagen: "Wie aber, wenn einige Schichten der Überirdischen Welt durch die Unwissenheit ihrer Bewohner bis zur Häßlichkeit entstellt sind? Kein Neuankömmling wird solche verfinsterten Schichten durchdringen und über sie hinausgelangen können!" Antwortet: "Jeder, der von Vergehen gegen die Ethik unbelastet ist, ist in der Lage, durch die verfinsterten Schichten hindurchzufliegen und die Sphäre der Harmonie zu erreichen."
     Die Menschen tragen mächtige Flügel in sich, Wille genannt, doch darf man nicht davon ausgehen, daß er sich von allein bilden könne - er muß erzogen werden, wie man eine kostbare Blume aufzieht. Und der Mensch weiß nicht, wann der "feurige Lotos" erblühen wird. Es kann sein, daß selbst der gewöhnlichste Alltagszustand kein Hindernis für sein wunderbares Erblühen ist; so kann sich der Mensch auf den wichtigsten Flug vorbereiten. Er kann die verfinsterten Schichten durchfliegen, fast ohne die Häßlichkeiten der Unwissenheit wahrzunehmen. Der Mensch kann dorthin emporsteigen, wohin ihn sein führender Magnet zieht.
     In den Einweihungsprozessen des Altertums mußte der Schüler einen Raum durchschreiten, der mit den entsetzlichsten Darstellungen angefüllt war. Der Schüler mußte mit geöffneten Augen hindurchgehen, doch hing es von ihm selbst ab, die entsetzlichen Bilder in der Umgebung nicht wahrzunehmen. Eine solche Prüfung des Willens ging dem Eintritt in das Prunkgemach der Schönheit voraus. Eine ähnliche Prüfung erfolgt beim Eintritt in die Überirdische Welt. Möge der Wanderer seinen Willen sammeln und sein Denken für die letzte Vollendung anspannen.
     Der Denker sprach: "Lernt, über alle Hindernisse hinwegzufliegen."

     814. Urusvati weiß von der Teilbarkeit der psychischen Energie. Ein einziges Feuer kann, ohne zu verlöschen, eine Vielzahl von Öllämpchen. Hierbei muß man eine bemerkenswerte

[Russisches Original. Seite 719.]


Erscheinung verstehen, die selten beachtet wird: Die Sendungen gelangen in ihrem Wesen unverändert ans Ziel, doch ihre Einzelheiten und Ausdrucksformen können in Abhängigkeit von der Individualität des Empfangenden veränderlich sein. Daher rühren mitunter die Mißverständnisse über scheinbare Widersprüche.
     Doch ein Forscher könnte eine ganze Reihe psychischer Sendungen miteinander vergleichen und sich davon überzeugen, daß ihr Wesen unzerstörbar ist, obwohl ihre Ausdrucksformen sich ändern. Eine solche Erscheinung beweist die feurige Natur der psychischen Energie. Sie ruft im Bewußtsein des Empfangenden die ihm nächsten Ausdrucksformen hervor - auf solche Weise wird die vernünftige und feurige Grundlage der uranfänglichen Energie bestätigt.
     Bei psychischen Sendungen muß man im Auge haben, daß sie die unerwartetsten Wesen berühren können, erwünschte wie unerwünschte. Diese Überlegung veranlaßt zur Vorsicht, weshalb der erfahrene Tatmensch wissen muß, wie er sein Denken zu zügeln hat, falls es sich für irgend etwas als schädlich erweisen könnte.
     Die Erscheinung des psychischen Austausches ist sowohl in der irdischen wie in der überirdischen Welt weit entwickelt. Die Menschen denken jedoch oftmals derart schwach, daß sich statt einer klaren Sendung nur ein giftig-trüber Schleier bildet.
     Der Denker sprach: "Laßt uns einen klaren und reinen Gedanken aussenden, denn nur er wird keinen Schaden auf unseren Weg tragen."

     815. Urusvati weiß von dem in alten Lehren enthaltenen Berichten über das erleichterte Karma. Der Mensch häuft im Laufe vieler irdischer Reisen eine schwere Last von Ursachen an, die unausweichliche Folgen zeitigen. Man darf nicht annehmen, die karmische Last setze sich nur aus abscheulichen Verbrechen zusammen. Sie wächst Schritt für Schritt aus den Handlungen der Trägheit, der Grobheit, der Undankbarkeit und vieler Charakterzüge der Unwissenheit an, doch für alles muß bezahlt werden, und ein solches Bezahlen ist unausweichlich.
     Doch das Vermächtnis spricht vom erleichterten Karma - was also heißt das? Der freie, gute Wille vermag die Strenge des Karma zu erweichen. Dafür jedoch muß der Mensch bereits im irdischen Leben die Möglichkeit erkennen, daß hinter ihm eine lange Schleppe unausgelebter Verfehlungen auf der Erde schleift. Der Mensch vermag in der Kraft solch klarer Erkenntnis

[Russisches Original. Seite 720.]


die Mißgeschicke zu ertragen und sie mit seinem Willen sogar zu vermindern. So wird das Karma erleichtert.
     Dort, wo der Unwissende ein strenges Entgelt zahlen muß, ist dem erweiterten Bewußtsein die Bezahlung erleichtert. Auf diese Weise erleichtert der Mensch sich seinen Weg, indem er sein Bewußtsein erweitert.
     Die Lehre über ein erleichtertes Karma bezieht sich auf das irdische wie auf das überirdische Leben. In der Feinstofflichen Welt kann der Mensch verstehen, wofür er bezahlt und darüber staunen, daß scheinbar große Taten nicht seiner eigenen Einschätzung gemäß beurteilt werden. Eine kleine Tat ist mitunter kostbarer. So möge das Herz dem Menschen zur Erkenntnis verhelfen.
     Der Denker sprach: "Unser Glück ist darin begründet, daß uns die Möglichkeit gegeben ist, den Lohn für unsere Arbeit selbst festzusetzen."

     816. Urusvati weiß von der Macht eines tiefen Seufzers. Wir haben bereits auf den Nutzen richtigen Atmens hingewiesen. Dieser Gegenstand wird viel erforscht, doch in bezug auf das Überirdische muß auf einen bedeutsamen Umstand hingewiesen werden. Die Tatmenschen verschiedener Bereiche unterbrechen, wenn sie Ermüdung verspüren, ihre Arbeit oder ihre Rede mit einem tiefen Seufzer und empfangen gleichsam eine Flut neuer Kraft. In der Mehrzahl der Fälle handeln sie intuitiv, ohne sich dieses Vorganges bewußt zu werden. Es läßt sich vorstellen, wie sehr solch ein Prozeß verstärkt würde, wenn man ihn bewußt vollzöge.
     Es muß daher daran erinnert werden, daß ein solch erneuernder Seufzer als überirdisch bezeichnet wird, da der Arbeitende in ihm die Höheren Kräfte herbeiruft. Möge der Arbeitende verstehen, daß man sich, um die Folgen zu verbessern, bewußt an die Überirdische Welt wenden und das innere Band mit dem Reservoir alles Existierenden bestätigen muß.
     Gleichfalls wurde bemerkt, daß einige Tatmenschen bei dem Seufzer die Augen schließen. Solch intuitives Verhalten ist richtig, denn es führt zu höchster Konzentration, und Wir sprachen bereits davon, daß eine Erleuchtung augenblicklich erfolgen kann. Auf solche Weise ergibt sich gewissermaßen ein kurzes Pranayama, mit dem Unterschied, daß ein solches Pranayama bei jedem Menschen vorkommt und

[Russisches Original. Seite 721.]


durch Außenstehende keinerlei Einschränkungen erleidet.
     Es wurde ebenso festgestellt, daß der überirdische Seufzer in der Regel nur ein einziger ist und ohne Wiederholung bleibt. Solcher Umstand ist von Bedeutung, da die Macht der Energie nur mit einem einzigen Seufzer herbeigerufen werden kann. Bei Wiederholung kann Atemnot eintreten, was der Arbeit schadet.
     Der Denker riet: "Denkt an die Macht des überirdischen Seufzers."

     817. Urusvati weiß von der Macht des feurigen Auges. Mag solche Bekundung der Energie auch als Magnetismus, Hypnotismus, Mesmerismus oder nach alter Anschauung als Verzauberung und heiliger Schlaf bezeichnet werden, so wird sie von ihrer Grundlage doch eine feurige Offenbarung der uranfänglichen Energie sein, die jedem Wesen in unterschiedlichem Maße verliehen ist.
     Doch weshalb können die einen diese Bekundung mit Leichtigkeit anwenden, während andere versichern, ihrer vollkommen beraubt zu sein? Mit einer solchen Behauptung machen die letzteren ihr heiliges Geschenk selbst unwirksam. Sie meinen, das Auge sei ihnen nur zum Sehen gegeben, vergessen jedoch, daß jeder Blick eine Energiesendung darstellt. Überdies wollen sie nicht wissen, daß die feurige Macht nur bei voller Erkenntnis ihrer Realität auflodert.
     Die Menschen suchen die höhere Verbindung, indem sie beständig ein Mantram sprechen, zunächst mit Worten, später in Gedanken. Doch sie vergessen die mächtigste Verbindung über das Feuer des Herzens; nur eine solche Erleuchtung bedarf keiner Worte und Gedanken. Sie lebt in einem feurigen Herzen, und nichts vermag dieses heilige Band zu zerreißen.
     Diese Realität ist die Grundlage der Wahrheit, und der Mensch ist befähigt, jene unaussprechliche Macht selbst zu entfalten. Für ihn wird jeder Blick eine Sendung und eine Erscheinung des guten Willens sein. Mögen solche natürlichen Erkenntnisprozesse auch Zeit erfordern, doch jede psychische Errungenschaft wird sowohl in der irdischen wie in der Überirdischen Welt ein unverrückbarer Besitz sein.
     Ein verfeinertes Bewußtsein erweitert sich von selbst, und der Mensch erkennt, daß man sowohl mit offenen als auch mit geschlossenen Augen sehen kann. Feurige Sendungen haben keine Grenzen. Natürlich kann der Mensch den Blick bewußt verstärken oder abschwächen, je nach den gewünschten Folgen. So trägt jeder Mensch

[Russisches Original. Seite 722.]


einen feurigen Schatz in sich. Man muß hoffen, daß die Wissenschaft die psychische Energie erforscht.
     Der Denker sprach: "Weder Worte noch Gedanken, sondern das Herz erleuchtet den Weg des Wanderers."

     818. Urusvati weiß von der Macht der Geduld. Viele wertvolle Eigenschaften verlieren ihren grundlegenden Sinn, da der Mensch sich der Erkenntnis der Überirdischen Welt beraubt. Stellt euch einen Zweibeiner vor, der in einer Anwandlung von Unwissenheit die erhabene überirdische Realität verneint. Was für eine Geduld wird er besitzen, und warum wird er sie aufbringen? Welcher Art wird seine Hingabe sein, und wem oder welcher Sache wird sie gelten? Wie wird seine Entsprechung sein, und womit wird er sich vergleichen? Wie wird seine Duldsamkeit sein, und worauf wird sie sich beziehen? Welche Art von Freude wird er in sich tragen, und worüber wird sie ergehen? Was für eine Feinfühligkeit wird er haben, und um welcher Sache willen? Wie wird seine Erkenntnisfähigkeit sein, und woran wird sie sich messen? Und welcher Natur wird seine Selbstvervollkommnung sein, wenn sein Horizont bedeckt ist? So kann man die besten Eigenschaften aufzählen, und sie werden durch die irdischen Begrenzungen herabgesetzt.
     Die Menschen träumen von einer Verbindung mit fernen Planeten, vergessen jedoch, daß ihnen die Möglichkeit gegeben ist, sich mit der Überirdischen Welt zu verbinden. Jeder vermag seine Fähigkeit zur Erkenntnis der Überirdischen Welt zu vertiefen. Jeder kann, ohne sich von seiner irdischen Arbeit zu entfernen, Berührung zu überirdischem Schaffen aufnehmen.
     Wir müssen den Gelehrten mit Nachdruck raten, sich der Erforschung der Überirdischen Welt zuzuwenden. Der Forscher vermag die psychischen Verbindungen zu den Überirdischen Sphären in verschiedenen Stufen wahrzunehmen.
     Vielleicht wäre es richtiger, die Wesen der Überirdischen Sphären nicht als Geister, sondern gerade als Bewohner zu bezeichnen. Ein solcher materieller Begriff wird der Wissenschaft helfen, sich mit dem Studium der Überirdischen Sphären leichter anzufreunden. Die Ergebnisse solcher Studien sind besonders jetzt dringend erforderlich, da das Harmagedon in alle Sphären vordringt und überall ungewöhnliche Erscheinungen hervortreten.
     Der Denker bestätigte: "Wenn ein Felsen fest ist, so ist ein Turm beständig."

[Russisches Original. Seite 723.]


     819. Urusvati weiß von der Macht des Herzens. Schon im fernen Altertum erkannten die Menschen nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Macht des Herzens. Die stärksten Gebete schwangen sich aus dem Herzen empor, doch wurde die Bedeutung des Herzens in den darauffolgenden Jahrhunderten auf die Ebene eines rein physischen Organs herabgewürdigt. Sehr bald richteten die Menschen ihre Aufmerksamkeit auf das Gehirn, und das Herz wurde für sie zu einem Hilfsorgan. Die Menschen haben vergessen, daß das Herz der Säer ist und das Gehirn der Pflüger und Schnitter. Niemand wird von einem Feld ohne eingebrachtes Saatgut eine Ernte erwarten, ebensowenig wird das Herz überirdische Samenkörner übergeben, wenn das Bewußtsein das Wissen von der Überirdischen Welt verloren hat. Man muß verstehen, daß die höchste Macht nicht in Erscheinung treten wird, wenn der Mensch sie nicht bewußt herbeiruft.
     Die Erkenntnis der Bedeutung des Herzens muß in der nächsten Zukunft wachsen; nicht allein das Studium des Gehirns, sondern die Erkenntnis sämtlicher Eigenschaften der Herztätigkeit muß ausgeweitet werden. Wir begrenzen die Erforschung des Herzens nicht nur auf den Aspekt der psychischen Energie. Möge die Wissenschaft in vielfältiger Weise an eine weitgreifende Erkenntnissuche herangehen. Gewiß, alle Gehirntätigkeit, das gesamte Nervensystem und sämtliche Drüsenabsonderungen werden als Kanäle einer einzigen Quelle erkannt werden - der des Herzens.
     Nichts sollte herabgesetzt werden, doch möge der Mensch erkennen, an welcher Stelle sein Dasein sich konzentriert. Lassen wir die wissenschaftlichen Errungenschaften der verschiedenen Völker, der alten wie der heutigen, nicht außer acht. Man darf alte Verständnisformen nicht einfach ablehnen, da in ihnen Funken der Wahrheit zu finden sind.
     Der Denker sprach: "Das Herz ist ein Führer. Das Herz ist ein Prophet. Das Herz ist ein überirdischer Bote."

     820. Urusvati weiß von der Macht des Gleichgewichts. In den verschiedenen Epochen gaben die Menschen dem Gleichgewicht die Bezeichnungen: Mittlerer Weg, Goldener Weg, Waage der Weisheit, Großer Rhythmus, Überirdischer Atem. Gleichzeitig versicherten die Unwissenden, Gleichgewicht sei nichts anderes als Gleichgültigkeit. Sogar der Begriff des Nirvana entging verschiedenen Fehldeutungen nicht. Die Menschen sind nicht in der Lage zu verstehen, daß das Nirvana höchste harmonische Anspannung darstellt. Die Deutung des Gleichgewichts erleidet das gleiche Schicksal. Indessen

[Russisches Original. Seite 724.]


bedarf die Welt gerade jetzt der Waage der Weisheit.
     Es muß erkannt werden, daß der wütende Haß das Schiff der Menschheit zum Kentern bringen kann. Ein weiser Steuermann ist nicht nur in der irdischen, sondern auch in der Überirdischen Welt vonnöten. Woher aber soll ein Verstehen des Gleichgewichts kommen, wenn in den Schulen die Wissenschaft des Denkens nicht gelehrt wird? Die Kinder müssen lernen zu erkennen, wo Gleichgewicht und dessen Schwester, die Gerechtigkeit, erforderlich sind.
     Die Menschen gehen fälschlicherweise davon aus, Gerechtigkeit sei ein relativer Begriff; jeder habe seine eigene Gerechtigkeit und sein eigenes Gutes. Solcher Irrtum kann Schaden verursachen, der nicht wieder gutzumachen ist. Die Gerechtigkeit und das Gute scheinen unbestimmte Begriffe zu sein, doch braucht man nur auf die innere Grundlage des Bewußtseins zu blicken, um die unzerstörbare Grundlage des Daseins zu erfühlen.
     In die Tiefe des Herzens kann man nur bei Vorhandensein wahren Gleichgewichts blicken. Es wird keine unbewegliche Ruhe sein, denn Gleichgewicht beruht auf lichter Erkenntnis und einer Anspannung sämtlicher Energien. So laßt uns das Gleichgewicht, als zuverlässige Brücke zur Überirdischen Welt, nicht vergessen.
     Der Denker riet: "Webt euch die Flügel des Gleichgewichts, dann werdet ihr auch in keinen Strudel fallen."

     821. Urusvati weiß von der Macht des Beobachtungsvermögens. Wir haben die hohe Bedeutung der Bewußtseinserweiterung viele Male bestätigt. Manche nehmen an, diese sehr hohe Eigenschaft sei etwas Übernatürliches und Unerreichbares, doch irren sie sich. Die Bewußtseinserweiterung ist eine natürliche Eigenschaft, gleichermaßen im irdischen wie im überirdischen Leben.
     Man muß viele elementare Erkenntnisse angesammelt haben, um zu verstehen, was zur Erweiterung des Bewußtseins beiträgt. Sehen wir uns noch einmal unsere bescheidenen Helfer an, so werden wir unter ihnen die wesentliche Errungenschaft entdecken, die in der Erziehung der Beobachtungsfähigkeit liegt. Gerade die Schärfe der Beobachtung muß erzogen und entwickelt werden.
     Nur wenige bringen Beobachtungsvermögen aus der Überirdischen Welt mit. Gewöhnlich muß es an den alltäglichsten Gegenständen beharrlich entwickelt werden. Es geht

[Russisches Original. Seite 725.]


nicht an, daß nur der Lehrer in der Schule Beobachtungsfähigkeit entfaltet. Man selbst muß den Wert dieser Eigenschaft, die einem den irdischen wie den überirdischen Weg eröffnet, verstehen.
     Das kleine Kind ist in der Lage sich vorzustellen, daß ein Mensch, der nicht beobachtet, gleichsam blind und taub ist. Dieser Mensch vermag höhere Erscheinungen nicht wahrzunehmen. Er ist in einem Teufelskreis von Vorurteilen befangen. Er vermag seinen Schritt nicht zu beschleunigen und gleicht einem fauligen Brunnen. Wie kann ein solcher Mensch Eindrücke der Überirdischen Welt aufnehmen? Wie kann er die wunderbaren Erscheinungen der irdischen Natur erkennen? Allein eine eifrige Erziehung der Beobachtungsfähigkeit vermag selbst das gewöhnlichste Alltagsleben umzuwandeln.
     "Helft den Blinden, sehend zu werden", so riet der Denker.

     822. Urusvati weiß von der Macht der Wachsamkeit. Euch ist die tiefe Bedeutung der Beobachtungsfähigkeit bekannt. Wie aber kann sich Beobachtungsvermögen ohne Wachsamkeit, ohne beständige Anspannung bilden? Diese Eigenschaften treten nicht augenblicklich ein, sondern müssen erzogen werden, und je bewußter man sie ausbildet, um so rascher kann auch die unerschütterliche Wacht bestätigt werden. Hierbei muß man daran denken, daß sich keine Eigenschaft erzwingen läßt. Man muß es aus freiem Entschluß lieben lernen, die Stufen des Aufstieges zu erklimmen, denn nur die Liebe zu solcher Errungenschaft führt zu einem geöffneten Tor.
     Mögen die Forscher daran denken, daß jede ihrer Arbeiten auch für die Überirdische Welt notwendig ist. Wie sehr ist ein Wanderer in den weiten Gefilden der Überirdischen Welt zu bedauern, wenn er der Beobachtungsfähigkeit beraubt ist und keine Wachsamkeit aufrechtzuerhalten vermag! Beste Begegnungen gehen an ihm vorbei. Man muß wissen, daß in der Überirdischen Welt niemand den Wanderer nötigen wird. Er muß es selbst fühlen, wo die ihm ähnlichen Schwingungen herrschen. Dann wird er sich nicht inmitten unterschiedlicher Rhythmen verlieren, sondern aufmerksam auf die ihm nahestehenden zustreben. So bilden sich aus den elementarsten irdischen Erkenntnissen die überirdischen Schätze.
     Wir sind sehr darum besorgt, daß die Menschen sich nicht von ihren irdischen Bestimmungen lösen, denn in jedem irdischen Detail können sie einen höheren Schatz erblicken.
     Der Denker sprach: "In einem Tautropfen spiegelt sich das gesamte Weltall wider."

[Russisches Original. Seite 726.]


     823. Urusvati weiß von der Macht der Freude. Jede einfache Freude, selbst die alltäglichste, hebt die Schwingungen. So kann man verfolgen, um wieviel stärker sich ein freudvoller Mensch erweist.
     Besonders machtvoll ist die Freude, wenn sie auf die Erkenntnis der Überirdischen Welt gegründet ist. Es muß verstanden werden, daß eine solche Erkenntnis nicht bedeutet, ein Mensch solle ständig in Worten an die Überirdische Welt denken. Das Bewußtsein muß in einem solchen Maße mit dem Überirdischen vertraut sein, daß ein hingebungsvolles Herz gar nicht anders leben kann.
     Unerfahrenen Menschen gereicht der Zwang, den sie auf ihr eigenes Bewußtsein ausüben, zum Hindernis. Man darf das Bewußtsein keinesfalls zwingen, sich dem Überirdischen zu nähern. Das Bewußtsein kann nur schrittweise mit den Gesetzmäßigkeiten der Feinstofflichen Welt bekanntwerden.
     Möge ein Lehrer fähig sein, seinen Schülern von den ersten Jahren an eine Erkenntnis von der Macht der feinstofflichen Energien zu vermitteln. Möge er die jungen Menschen auf beliebigem Wege an diese Dinge heranführen. Wem die Astronomie oder die Kosmographie näher stehen, der möge damit beginnen. In allen Wissenschaften kann man zum Allerhöchsten streben. Nur ein verwirrtes Denken ist imstande, die Erkenntnis zu beschränken. Lernt daher zu denken. Erkennt die Freude des Denkens. Lernt, in jeder beliebigen Lebensform erfolgreich zum Ozean der Freude zu streben.
     Der Denker wies darauf hin, daß die Freude in ihrer Kraft der Liebe gleicht.

     824. Urusvati weiß von der Macht der Stille. Es ist gesagt worden: "Stille ist stärker als Donner. Stille ist lauter als Posaunenschall. Stille ist eine Brücke zum Überirdischen." Von welcher Stille aber ist die Rede?
     Für Anfänger ist äußere Stille erforderlich; jeder Laut, selbst der geringste, vermag sie zu erschüttern und ihnen Schmerz zu verursachen. Dem Wissenden jedoch ist innere Stille notwendig; sein Ohr ist der Überirdischen Welt geöffnet, und er befindet sich in unhörbarer Stille. Doch eine solche Errungenschaft kann sich nicht unverzüglich einstellen.
     Das geistige Ohr muß sich unabhängig von irdischen Bedingungen öffnen. Wer durch die damit verbundenen Prüfungen hindurchgegangen ist, verfügt über eine Leitung zum Überirdischen, die er jederzeit nutzen kann. Nichts vermag ihn dabei zu stören, wenn er mit dem Höheren Rhythmus Verbindung aufnimmt.
     Unwissende verstehen nicht, wo die Grenze zwischen äußerer und innerer Stille liegt. Auch

[Russisches Original. Seite 727.]


die hohe Eigenschaft der Ruhe legen sie falsch aus. Für sie grenzt die Ruhe an Teilnahmslosigkeit und Sorglosigkeit. Wahre Ruhe wird jedoch aus den Tiefen innerer Stille geschöpft. Sie lebt in dem auf Wissen gegründeten Vertrauen. Nichts kann diese Festung innerer Stille zerstören und nichts die Ruhe erschüttern. Auf solche Weise lassen sich Zweifel immer vermeiden, denn diese sich windende Giftnatter tötet die erhabene Ruhe. Nichts kann den Wanderer für die Überirdische Welt besser ausrüsten, als Ruhe. Allein in solcher Ruhe wird der Wanderer bei allen überirdischen Begegnungen Wohlwollen finden.
     Der Denker sprach: "Sende mir die Flügel der Stille."

     825. Urusvati weiß von der Macht des Sieges. Möge es ein guter Sieg sein, denn durch ihn entflammen die Feuer des Herzens in Schönheit. Je geringer die Selbstsucht, desto heller leuchten die Feuer.
     Man wird sagen: "Doch nicht jedem ist es beschieden, einen Sieg zu erringen." Doch, Freunde, jeder vermag ruhmreichen Sieg erringen. Siege werden nicht nur auf bestimmten Schlachtfeldern errungen. Jeder ist in der Lage, seine Gewohnheiten zu überwinden und dadurch die Feuer seines Herzens zu entzünden. Die Überwindung der Gewohnheiten wurde im Altertum als Öffnung des Überirdischen Tores bezeichnet. Wahrhaftig, die irdischen Gewohnheiten können besonders auf den überirdischen Wegen Schaden verursachen. Selbst harmlose Gewohnheiten vermögen einen ganzen Kult von Sklaverei zu schaffen.
     Ein freier Mensch wird nicht durch Gewohnheiten gefesselt sein. Er ist in der Lage, sich beliebigen Bedingungen anzupassen und wird den gestrigen Tag nicht bedauern, denn in Freiheit hat er seine Hindernisse überwunden. Der Mensch hat sich selbst einen Berg nichtigster Gewohnheiten geschaffen, ohne zu merken, daß er von diesen Gewohnheiten und Vorurteilen unterjocht ist. Kann er in solchen Ketten in die Überirdische Welt eilen? Kann er frei und freundschaftlich neue Gefährten treffen, wenn er vom Abfall des gestrigen Tages überhäuft ist? Man muß erkennen, daß die meisten der nichtigen Gewohnheiten im Leben nur Unrat darstellen. Der siegreich Voranschreitende wird nicht vom gestrigen Alltag träumen. Frei strebt er zu neuem Schaffen.
     Der Denker sprach: "Komm herbei, Sieg, und befreie uns von den Ketten der Sklaverei."

[Russisches Original. Seite 728.]


     826. Urusvati weiß von der Macht der Dankbarkeit. Wir haben bereits auf die hohe Bedeutung des Gefühls der Dankbarkeit hingewiesen, doch die Menschheit hat den Sinn dieses Bewegers nicht begriffen, und deshalb sprechen Wir erneut vom Nutzen der Dankbarkeit.
     Man muß verstehen, daß die wesentliche Wirkung der Dankbarkeit nicht an den Empfangenden ergeht, sondern an denjenigen, der sie äußert. Herrliche Feuer des Herzens werden entzündet, wenn das Gefühl der Dankbarkeit emporsteigt. Diese Feuer leuchten nicht allein im irdischen Leben, sondern auch in der Überirdischen Welt. Erkenntnis der Dankbarkeit erweckt daher die besten Schwingungen.
     Die Menschheit kann man in Lebende und Tote einteilen, und wer des Gefühls der Dankbarkeit beraubt ist, erweist sich bereits als lebendig begraben. So muß der Nutzen der Dankbarkeit schon vom Kindesalter an gelernt werden, und dies nicht nur im Wort, sondern auch im Herzen, nur so werden mächtige Feuer entzündet.
     Licht ist in der Überirdischen Welt unerläßlich, und der Strahl der Dankbarkeit erleuchtet gemeinsam mit dem Strahl der Liebe den Weg. Wahrlich, Dankbarkeit und Liebe sind einander nahe, und Zusammenarbeit entsteht in einem Augenblick, wo beides bekundet wird. Der Mensch hat viele Gründe, Dankbarkeit zu bezeigen. Und der Feiertag des Geistes leuchtet in dem Gefühl reiner Erhebung auf.
     Der Denker sprach: "Lehrer, lehre mich die Dankbarkeit gegenüber den Nächsten und den Fernstehenden, gegenüber Sichtbaren wie Unsichtbaren."

     827. Urusvati weiß von der Macht schöpferischen Handelns. Wir wollen nicht erneut von dem hohen Wert der Bekundungen physischen Schaffens sprechen, das zur Genüge im Lauf der Jahrhunderte bestätigt wurde. Unzureichend jedoch verstehen die Menschen das psychische Schaffen.
     Die Menschen werden sagen: "Uns ist es nicht gegeben, Schöpfer zu werden", doch zur gleichen Zeit sind sie in herrlicher Weise psychisch schöpferisch tätig, ohne es selbst zu bemerken. Solch schöpferisches Handeln ist für den Fortschritt in der Überirdischen Welt unerläßlich, und deshalb bestätigen Wir die Kunst des Träumens. Es dient dem erfolgreichen Voranschreiten in den höheren Lebensbereichen.
     Doch darf der Traum nicht schädlich sein, er darf nicht der Selbstsucht dienen, er darf weder Häßlichkeit noch Grausamkeit fördern.
     Möge der Traum schön sein. Möge er der Menschheit die beste Zukunft schaffen.

[Russisches Original. Seite 729.]


Möge er Formen des Heldentums schaffen. Möge er in die höchsten überirdischen Bereiche vordringen. Möge er zur Erkenntnis der Höheren Wesen beitragen. Allein durch solche Eigenschaften wird der Traum Früchte bringen. Er wird nicht nur das Bewußtsein des Schaffenden bestätigen, sondern auch dem Gemeinwohl dienende Schwingungen schaffen.
     So vermag jeder Denkende an großes, weltweit wirksames Schaffen heranzugehen. Selbst ein kleiner Mitarbeiter kann eine regenbogenfarbene Brücke zur Überirdischen Welt bauen.
     Der Denker bestätigte: "Schafft im Herzen und erfüllt die Welt mit Harmonien des Schönen."

     828. Urusvati weiß von der Macht des Wohlwollens, dieses alten, unverstandenen und mißgedeuteten Vermächtnisses. Die Menschen sagen: "Wo aber ist das Wohlwollen, wenn der Mensch dem Menschen Feind ist?"
     Man darf nicht vergessen, wie oft Wir das unversöhnlich Böse verurteilt und zur Verteidigung des Guten aufgerufen haben, doch muß der freie Wille bestimmen, wo Verteidigung und wo Angriff ist. Menschen, die erkannt haben, wo Verteidigung ist, verstehen, wo sie dem Wohlwollen widersprechen könnte.
     Vor allem sollte ein Mensch der gesamten Menschheit gegenüber wohlwollend sein. Er versteht, daß die Schädlinge betrübliche Ausnahmen sein können, das Wesen der Menschheit jedoch grundlegend gut ist. Allein in solchem Bewußtsein kann man sich auf die Überirdische Welt vorbereiten. Nirgends stehen derart viele Begegnungen bevor wie in der Überirdischen Welt, und die Rüstung des Wohlwollens wird die zuverlässigste sein. Auf diese Erscheinung muß man sich jedoch sowohl im Herzen als auch im Verstande vorbereiten.
     Bald wird man die Gedanken des Wohlwollens wie die des Übelwollens photographieren können. Der Arzt wird dann seine wissenschaftlichen, medizinischen Schlußfolgerungen daraus ziehen und aufzeigen, was dem menschlichen Organismus von beiden Erscheinungen nützlicher ist.
     Mögen die Menschen auf dem Wege wahrer Wissenschaft denken. Wenn das Herz noch nicht zu sagen vermag, wo die Wahrheit ist, so werden wissenschaftliche Schlußfolgerungen der Menschheit helfen, sich den überirdischen Wegen zu nähern. Das Unausbleibliche muß mit allen Feuern beleuchtet werden.
     Der Denker sprach: "Lehrer, lehre mich das Wohlwollen."

[Russisches Original. Seite 730.]


     829. Urusvati weiß von der Wirkung des Sieges über die Vergangenheit. Die Menschen halten den Historiker für einen Erforscher der Wahrheit, nicht aber für einen Sklaven vorgefaßter Ideen. Indessen erschweren viele dieser Sklaven die Evolution. Sogar im Alltagsleben erscheint die Vergangenheit als grausamer Tyrann.
     Die Sklaven der Vergangenheit vermögen nicht über die Zukunft nachzudenken und unterbinden dadurch ihren Fortschritt. Doch nicht nur im irdischen Leben vollziehen sich solche Tragödien, besonders entsetzlich sind sie in der Überirdischen Welt. Dort empfangen die Sklaven der Vergangenheit die Last aller vergangenen Existenzen. Sie tragen schwer an dieser Last, da sie sich in der Komplexität der Vergangenheit nicht zurechtfinden. Niemand hat sie gelehrt, die Vergangenheit in Ruhe anzunehmen und sie in die Zukunft überzuführen. Sie wissen nicht, daß sie bei einer vernünftigen Einstellung gegenüber der Vergangenheit sogar ihr Karma erleichtern können.
     Doch die Erdbewohner vermögen sich noch nicht einmal richtig gegenüber der alltäglichen Vergangenheit zu verhalten. Selbst die geringste Vergangenheit wandelt sich in eine grausame Bedrückung. Sie tötet jedes Zukunftsstreben ab. Jeder Fehler sollte eine neue Erkenntnis sein, nicht aber ein Hindernis. Man muß jedes auf einem Fehler beruhende Hindernis in die Zukunft wenden. Es gibt im Leben viele Fehler, die sich jedoch in ungetrübtes Wohl zu wandeln vermögen, wenn sie nicht den Wagemut schwächen.
     Laßt uns nur nicht stöhnen und das Schicksal anklagen, das doch eine logische Folge der menschlichen Taten darstellt. Möge in den Schulen, in den Unterrichtsstunden der Psychologie, von der Bedeutung der Vergangenheit gesprochen werden.
     Der Denker sprach: "Möge der Sieg über die Vergangenheit das Tor zur Zukunft öffnen."

     830. Urusvati weiß von der Wirkung des Sieges über die Furcht. Was aber ist Furcht, diese finstere Versklaverin der Menschheit? Ein Gelehrter wird sagen, "Furcht ist ein Krampf der Schwingungen, der durch eine disharmonische Annäherung entsteht". Ein Denker wird daran erinnern, daß Furcht Unwissenheit ist. Es ließen sich viele Definitionen der Furcht anführen. Sie unterstreichen, daß die Furcht den Menschen seines Willens beraubt und ihn dadurch schutzlos werden läßt. Die wichtigste Definition wird jedoch sein, daß der Mensch die Furcht auf sich herabbeschwört, wenn er die Realität der Überirdischen Welt nicht erkannt hat.
     Kann ein Mensch, der das überirdische Gesetz kennt, sich dem Schrecken unterwerfen? Ein solch

[Russisches Original. Seite 731.]


kühner Forscher weiß, daß die menschliche Wesenheit unzerstörbar ist und daß auch der stärkste, durch Schwingungen ausgelöste Krampf durch den Willen überwunden werden kann. Doch zu einer solchen Anspannung muß erzogen werden. Niemand wird vor Furcht geschützt sein, wenn er nicht den Willen hat, sie zu überwinden.
     Möge der Mensch immer daran denken, daß disharmonische Verbindungen ihn schwächen können und er sich bewußt mit dem Schild des Willens bedecken muß. Wir haben bereits von der Erziehung des Willens gesprochen. Man darf nicht denken, Disharmonie könne allein durch gewöhnliche Ruhe überwunden werden. Ein Schlag erfordert eine Gegenwirkung. Möge das Böse zu dem zurückkehren, der es ausgesandt hat. Wir brauchen kein Schwert, wenn wir den feindlichen Pfeil mit der Kraft des Willens zurückschlagen können.
     "Wahrlich, der siegreiche Überwinder muß auf unermüdlicher Wacht stehen", so gebot es der Denker.

     831. Urusvati weiß von der Wirkung des Sieges über die Selbstsucht. Die Menschen werden sagen: "Ein solcher Kampf übersteigt die Kräfte der Natur. Wir wissen noch nicht einmal, wie wir an eine solche Schlacht herangehen sollen." - Doch jeder Zugang hat sein "Sesam öffne dich" .
     Haltet euch nicht für einen außergewöhnlichen Helden, wenn ihr mit der Offensive gegen das Ungeheuer der Selbstsucht beginnt. Wichtig ist vor allem, daß ihr eurem eigenen "Ich" den Kampf erklärt und es durch das Wort "wir" zu ersetzen versucht. Es wird verständlich, daß ein solcher Austausch nicht schwer ist, besonders, wenn ihr wißt, daß keine eurer Taten persönlich allein vollbracht werden kann. Bei jeder Arbeit ist ein Kollektiv aus irdischen und überirdischen Mitarbeitern tätig. Niemand vermag zu behaupten, ohne eifrige Mitarbeiter handeln zu können. Nur Dummköpfe und Unwissende bemerken nicht, wie ihre Bekundungen sich gestalten.
     Die Wissenschaft bestätigt, wie machtvoll überirdische Ströme sind. Die Wissenschaft nimmt bereits Gedankensendungen wahr. Im Namen der Wissenschaft ziemt es sich, das "Ich" durch das machtvolle "Wir" zu ersetzen. Der schaffende Mensch, der annimmt, sein Schaffen sei persönlich vollbracht, irrt sich. Möge er an die sichtbaren und unsichtbaren Mitarbeiter denken. Seine Arbeit wird nicht herabgewürdigt, wenn sie sich als Errungenschaft einer Gemeinschaft erweist. So läßt sich auch der Begriff des persönlichen Eigentums leicht in einen gemeinschaftlichen Begriff umwandeln. Der Mensch ist der Bewahrer der irdischen Schätze, und wenn er in diesem Bewußtsein in die Überirdische Welt eintritt, wird er von einer schweren Bürde unbelastet sein.

[Russisches Original. Seite 732.]


     Der Denker sprach: "Mensch, du kannst den Kampf mit der Selbstsucht in jeder beliebigen Stunde deiner Existenz beginnen."

     832. Urusvati weiß von der Wirkung des Sieges über die Sklaverei. Ich spreche hier nicht von der üblichen Sklaverei, von einer Sklaverei, die als Schande der Menschheit längst ausgemerzt sein müßte, sondern weise auf ein inneres Sklaventum hin.
     Der Mensch trägt die Neigung zu abscheulichster Sklaverei in sich. Er ist voller kleiner Gewohnheiten. Glaubt nicht, diese Gewohnheiten seien nur für das irdische Leben verderblich, weitaus schädlicher sind sie für das Leben in der Überirdischen Welt.
     Ein solcher Wanderer erweist sich in der Überirdischen Welt als plump und unbeweglich. Er selbst hat sich der feinstofflichen Wahrnehmungen beraubt. Er vermag selbst auf die besten Rufe nicht zu antworten. Er vermag keine feinen Rhythmen wahrzunehmen, da er wie ein Sklave taub ihnen gegenüber ist. Der Lehrer kann sich einem Sklaven nicht mitteilen.
     Man muß jedoch verstehen, daß Freiheit höchste Disziplin ist, weshalb man unmöglich jene als frei bezeichnen kann, die nur Unordnung und Verwirrung bekunden. Man kann solche Scheinfreien, die die wertvollen Schwingungen nur stören, bedauern. Sie verstehen nicht, wie dauerhaft der Schaden ist, den sie dem Raum zufügen. So laßt uns abwägen, welche Gewohnheiten unseren freien Willen unterdrücken. Verstehen wir, daß wir uns zu Baumeistern oder Zerstörern machen können. Laßt uns Verstehen wahrer Freiheit bekunden.
     Der Denker gebot: "Seid keine Sklaven, sondern bekundet herrliche Freiheit."

     833. Urusvati weiß von der Wirkung des Sieges über die Sorglosigkeit. Sorglosigkeit verursacht großen Schaden. Die Menschen versuchen, sich hinter offenkundig scheinheiligen Begriffen zu verstecken, nur um die ihnen so teure Sorglosigkeit bewahren zu können.
     Die Menschen sind bereit, sie mit dem Glauben zu vergleichen. Hinterlistig werden sie sagen: "Wenn wir Glauben haben, wird sich das Übrige fügen." Auf diesem Wege meinen die Menschen, sich ihre faule Sorglosigkeit zu schaffen. Sie werden jedoch sehr bekümmert sein, wenn man ihnen sagt, daß Besorgtheit und ständige Bestrebung geboten worden sind.
     Wie soll man diesen Menschen sagen, daß die Überirdische Welt von unüberwindlichem Streben erfüllt ist?

[Russisches Original. Seite 733.]


Wie soll man genügend Beispiele dafür anführen, worin sich Sorglosigkeit in der Überirdischen Welt verwandelt? Es ließe sich das Beispiel eines Trunksüchtigen beibringen, der seinen Weg verloren hat; sinnloses Umherschweifen wird die beste Beschreibung seines Zustandes sein.
     Man könnte fragen, wie das zeitweise Zurücknehmen des Denkens zu verstehen sei, welches von Uns zugestanden wird. Dieses jedoch stellt keine übliche Gedankenlosigkeit dar, sondern eine Erneuerung der Kräfte, niemals aber Sorglosigkeit. Die Menschen verstehen nicht, daß die Erneuerung von Energie eine unerläßliche Bedingung der psychischen Weiterentwicklung darstellt. In dem Augenblick, da das Denken zeitweilig zurücktritt, verliert der Mensch die Verbindung mit dem Führer nicht, und sein Bewußtsein schläft nicht ein, sondern schärft sich sogar in der Bereitschaft zu neuen Wahrnehmungen. Viele Energien können entweder wie eine undurchdringliche Wand erscheinen oder sich als gesegnete Flügel offenbaren. Mögen die höheren Energien den Menschen offen für ihre Wahrnehmung vorfinden.
     Der Denker riet: "Habt unter euren Freunden keine sorglosen Menschen."

     834. Urusvati weiß von der Wirkung des Sieges über die Finsternis. Was aber ist daran neu? Vor langem wurde davon gesprochen, wie notwendig Aufklärung ist. Seit langem sind die menschlichen Ausstrahlungen bekannt. Schon vor langem wurde die Bedeutung der Bewußtseinserweiterung verstanden, doch wurde bisher nicht erwähnt, daß der Mensch seine Ausstrahlungen durch Willenskraft verstärken kann. Natürlich darf man Anfängern von dieser Besonderheit nichts sagen, da sie anderenfalls beginnen werden, den Willen anzuspannen, ohne ihr Bewußtsein erweitert zu haben.
     Man darf nicht vergessen, wie notwendig ständige Aufklärung durch Wissen ist, die auch als Siegesfackel bezeichnet wird. Nur auf diesem Wege wird der Mensch auch mit einem Willensbefehl sein Licht verstärken können. Solch ein Zustand wird ihm in der Überirdischen Welt hilfreich sein, wo er sich dann als ein wahrer Lichtträger erweisen wird. Indem er die Öllampe der Bewußtseinserweiterung entzündet, hilft er sich und seiner Umgebung. Man muß sich immer wieder daran erinnern, daß der Mensch mit seiner Arbeit ein unauslöschliches Licht entzünden kann. Auf diese Weise kann das Leuchten der heiligen Öllampe verstärkt werden.
     Möge der Wanderer der Überirdischen Welt allen, die ihm geholfen haben, das rettende Licht zu entzünden, Dank senden. Es ist jedoch nicht leicht, die Finsternis der Unwissenheit zu besiegen. Laßt uns nicht müde werden, immer wieder vom Schaden der Unwissenheit zu sprechen. Der Mensch darf nicht denken, das Ungeheuer der Unwissenheit sei bereits besiegt. Es gibt für den Pflüger auf dem Felde des Wissens viel Arbeit. Die Erde

[Russisches Original. Seite 734.]


schreit unter der Last der Krankheiten der Menschheit.
     Der Denker bestätigte: "Lichtträger, vermehrt euer Licht!"

     835. Urusvati weiß von der Kunst des Gleichgewichts. In ihrer Unwissenheit versucht die Menschheit, diese hohe Kunst mit allen Maßnahmen zu stören. Unter vielen Schädlingen wollen wir zwei häßliche Zwerge nicht vergessen - Schwermut und Gereiztheit.
     Wie aber kann man sie als Zwerge bezeichnen, wenn sie so schädlich sind? Die Ursache dessen ist einfach, denn jeder, auch ein Mensch von geringer Leistungsfähigkeit, vermag sie zu überwinden, wenn er es nur will. Wahrlich, nichtig sind die Ursachen für Gereiztheit und Schwermut. Jeder kann sich schämen, wenn er sich erinnert, wie er Willensschwäche bei sich zuließ.
     Auch auf dem Weg in die Überirdische Welt wird er die sich auferlegte Last bedauern. Beim Übergang in die Höheren Sphären kann man die Last nicht mehr begutachten. Besonders belastend sein werden nichtige Aufspeicherungen, die man auf der Erde als unbedeutend angesehen hat. Wie ein Nebel werden sie sich auf das verdüsterte Bewußtsein legen. Nur schwer wird der Mensch es dann verstehen, wie unvernünftig es war, das kostbare Gleichgewicht zu stören.
     Dummköpfe meinen, Gleichgewicht sei etwas Kaltes und Totes. Sie verstehen nicht, daß das Gleichgewicht von angespannten Schwingungen und dem Rhythmus der Aufstiegsbewegung bestimmt ist. Doch solange sie auf der Erde nicht erkennen, wie schädlich eine Verdüsterung ihrer Erkenntnisfähigkeit ist, werden sie in den Überirdischen Bereichen umherirren. Daher laßt uns bei jeder Gelegenheit an den Schaden von Gereiztheit und Schwermut erinnern.
     Der Denker sprach: "Wer in Gereiztheit und Schwermut fällt, kann nicht über die Unbegrenztheit nachdenken."

     836. Urusvati weiß von der Begabung zum Scharfsinn. Nicht selten verwechseln die Menschen diese Begabung mit der Zweckentsprechung. Sie werden fragen: "Welcher Unterschied besteht denn zwischen diesen einander doch nahestehenden Begriffen?" Zweckentsprechung kann unter irdischen Bedingungen entfaltet werden, Scharfsinn hingegen entwickelt sich in vielen Leben und wird in der Überirdischen Welt vertieft. Sie ist in verschiedenen Fällen hilfreich.
     Der Mensch kann Erscheinungen von ihrer äußeren Seite richtig erkennen. Er spürt, wo ein falscher Weg verläuft. Er kann zwar nicht sagen, weshalb der Weg

[Russisches Original. Seite 735.]


unrichtig sei, doch das Herz weiß, daß etwas vermieden werden sollte. Gewöhnlich nennen die Menschen solchen Scharfsinn vielfach Einfühlungsvermögen oder Spürsinn, womit sie recht haben, doch sollten sie die Gegebenheit eines solchen Einfühlungsvermögens im Bewußtsein auch für möglich erachten.
     Man darf über eine solche Veranlagung nicht spotten. Der Mensch kann ein Analphabet sein und dennoch die Begabung des Scharfsinns in sich tragen. Gewöhnlich hält man Scharfsinn für etwas, das in die Zukunft strebt, doch arbeitet er im ganzen Leben. Er ist eine Hilfe für die heutige Zeit, und so laßt uns die Aufspeicherungen schätzen, die in vielen irdischen Leben und bei der Arbeit in der Überirdischen Welt gesammelt wurden. Vergessen wir nicht, daß wir auch dort arbeiten müssen. Gedankenschaffen ist keineswegs so leicht, wie die Unwissenden meinen.
     Der Denker gebot: "Bekundet Scharfsinn im gesamten Leben."

     837. Urusvati weiß von der Begabung geteilten Aufmerksamkeit. Eine beharrliche Anspannung des Willens kann die Aufmerksamkeit gleichzeitig auf verschiedene Gegenstände richten. Glaubt nicht, daß die Teilbarkeit der Aufmerksamkeit nur einigen Genies eigen sei. Jeder Mensch ist in der Lage, im Laufe verschiedener Existenzen in sich die Fähigkeit zu entwickeln, die Umgebung sehr scharf wahrzunehmen und auf verschiedene Fragen zu antworten. Man kann gleichzeitig mehreren Personen schreiben. Man kann Gedanken an alle Enden der Welt senden. Und deshalb wird diese Eigenschaft als Vorhof zur Teilbarkeit des Geistes bezeichnet.
     Unerläßlich ist es jedoch, die Bekundung der Aufmerksamkeit bereits in der Schule zu entwickeln. Sie ist für die Überirdische Welt notwendig, da der Wanderer anderenfalls in der Vielfalt neuer Eindrücke versinkt und dadurch die Möglichkeit verliert, sie sich anzueignen. Ohne Aufmerksamkeit in sich entwickelt zu haben, versinkt der Mensch in den Wellen unerprobter Schwingungen und somit im Chaos.
     Man sollte nicht denken, daß jeder Neuankömmling in der Überirdischen Welt unverzüglich einen Führer erhält. Zuerst muß er in sich die Möglichkeit der gedanklichen Führung entwickeln. Gewiß, die Gedankensprache ist für alle dieselbe, doch wer nicht danach gestrebt hat zu denken, kann die Hilfe nicht verstehen. Daher sagen Wir: Laßt die irdischen Tage nicht verstreichen, ohne über die Überirdische Welt nachgedacht zu haben. Allein gespannte Aufmerksamkeit vermag vieles zu eröffnen, was Unwissende nicht bemerken.

[Russisches Original. Seite 736.]


     Der Denker riet dazu, an jedem Tage über das künftige Leben nachzudenken und die Aufmerksamkeit auf die fernen Welten zu richten.

     838. Urusvati weiß von der Bedeutung lebenspendenden Schaffens. Der Mensch schafft unaufhörlich, bewußt oder unbewußt, in äußerer Aktivität oder in Gedanken. Er setzt sein Schaffen im Wachzustand als auch im Schlafe fort, und darin erfüllt sich seine Bestimmung.
     Es ist dem Menschen unmöglich, nicht zu schaffen, denn nur in diesem Zustand kommt er mit den höheren Energien in Berührung. Natürlich werden wir das Schaffen eines großen Denkers nicht mit demjenigen eines Wilden vergleichen - sie sind unvergleichbar, und dennoch berührt die grundlegende Energie beide.
     Bei seinem Schaffen steigt der Mensch ständig auf und nieder. Man kann sich einen Apparat, einen Psychographen, vorstellen, der die geringste Bewegung des menschlichen Tuns verzeichnet. Dabei wird sich ein sehr komplexer Verlauf dieses Tuns auftun. Nach Ausbrüchen von Heldentum können sich beschämende Schwermut, nichtige Angst oder Gereiztheit einstellen, und der Apparat wird einen Niedergang verzeichnen, der sich jedoch erneut in einen Aufstieg zu Begeisterung von Liebe und Freude zu wandeln vermag.
     Man kann sich den heutigen Menschen unmöglich in beständigem Aufstieg begriffen vorstellen. Grundsätzlich jedoch ist ein solch beständiger, ununterbrochener Aufstieg schon vorstellbar, und er ist nicht nur Einzelpersonen möglich, sondern ganzen Gruppen und selbst der gesamten Menschheit. Solche Erweiterung und Einheit des Bewußtseins ist bis jetzt noch ein Traum, doch ist jeder Traum bereits ein Befehl an sich selbst, und die Hohen Kräfte werden dem kühnen Helden zu Hilfe eilen.
     In der Überirdischen Welt vollzieht sich etwas Ähnliches, doch der irdische Mensch muß sich seiner Verantwortung für den weltweiten Aufbau auch bewußt sein. Für den Anfang laßt uns daher daran denken, daß der Mensch unaufhörlich schafft.
     Der Denker sprach: "Wer kann eine Grenze des menschlichen Schaffens aufzeigen? Die Unbegrenztheit selbst ist der Maßstab."

     839. Urusvati weiß vom Geschenk der Arbeit. Die Menschheit beginnt, die Arbeit als höchsten Wert zu verstehen. Die Arbeit wird als höchster Maßstab angesehen, und dennoch meinen immer noch viele,

[Russisches Original. Seite 737.]


die Arbeit sei ein Fluch. Woher aber rührt solch ein unrechtes Urteil? - Aus dem Nichtverstehen der Überirdischen Welt.
     Die Menschen wollen die Grundlagen des Überirdischen Lebens nicht kennen. Sie verstehen nicht, daß Arbeit eine Befreiung von Selbstsucht darstellt, anders gesagt, von der schädlichsten Eigenschaft, die die Möglichkeit überirdischen Schaffens stört. Arbeit von hoher Qualität gestattet es dem Menschen, sich über die nichtige Selbstsucht zu erheben. In der Stunde wahrer Begeisterung denkt ein Schaffender nicht an sich selbst. Ein Arbeiter, der zu bester Qualität strebt, wird kein Sklave der Selbstsucht sein. Daher stellt das Geschenk der Arbeit eine Befreiung von Selbstsucht dar.
     Man kann die Selbstsucht auch auf gedanklichem Wege ausmerzen, doch gibt es viele, die derart hochstehend zu denken vermögen? Die Arbeit kommt ihnen zu Hilfe und bewahrt sie vor einem unvollkommenen Alltagsleben. Die Menschen nutzen die Arbeit wenig, um sich dadurch vor dem Eintauchen in einen Strudel von Nichtigkeiten zu schützen.
     Die Suche nach besserer Qualität stellt bereits ein Streben in eine bessere Zukunft dar. Nicht ohne Grund ist der Yoga der Arbeit der Menschheit als direkter Weg zu Befähigungen vorgeschlagen worden. Laßt uns nicht darüber schweigen, wie notwendig Arbeit von klein an ist. Mögen die Familie und die Schule künftige Arbeiter und Schöpfer schaffen.
     Der Denker sprach: "Betend laßt uns das Geschenk der Arbeit annehmen."

     840. Urusvati weiß von der Wirkung der Tapferkeit. Ein verwegener Draufgänger kann angesichts widriger Schwingungen in Furcht verfallen, ein tapferer Held jedoch ist furchtlos. Tapferkeit ist nicht allein eine irdische Errungenschaft. Tapferkeit wird in der Überirdischen Welt entwickelt.
     Der Wanderer, der den Pfad der Tapferkeit beschreiten möchte, empfängt Höhere Hilfe. Es werden ihm zwar viele Schrecken gezeigt werden, doch wird er wissen, daß sein Wesen unzerstörbar ist und auch das Erschreckendste seinen Rhythmus nicht stören wird. Mit dieser sicheren Rüstung tritt der Held in das irdische Leben. Er vermag zu bestätigen, eine große Begabung empfangen zu haben.
     Ich höre, daß ein Griesgram flüstert: "Was ist denn daran neu? Weiß der Mensch etwa nicht

[Russisches Original. Seite 738.]


von den Vorzügen der Tapferkeit?" In der Tat weiß er es nicht, und unser Griesgram versucht ebensowenig, diese wertvolle Eigenschaft in sich zu entwickeln. Unzweifelhaft kann man in jeder Lebenslage beharrlich in sich die Eigenschaft der Tapferkeit entwickeln und sich in solcher Anspannung vergessener Aufspeicherungen erinnern. Bekundete Tapferkeit ist immer schön, und auch dies weiß unser Griesgram nicht, da er gar nicht zum Schönen strebt. Für ihn ist die Heldentat ein leeres Wort. Er versteht nicht, weshalb sich ein Held nicht vor einem nichtigen Lebensalltag zu verbeugen vermag. Der Griesgram weiß den wahren Nutzen der Tapferkeit nicht zu schätzen. Doch selbst bei seinen Marktaktivitäten wäre ihm ein Quentchen Tapferkeit nützlich. Der Griesgram jedoch zieht es vor, lieber im Staub der Furchtsamkeit dahinzuvegetieren, als in einer Heldentat zu entflammen. Kann Heldentat doch auch im bescheidensten Lebensalltag bekundet werden! Der Mensch versteht nicht, daß Tapferkeit der kürzeste Weg ist.
     Der Denker gebot, in Tapferkeit gehüllt in die Überirdische Welt zu gehen.

     841. Urusvati weiß von dem Geschenk der Erkenntnis. Man wird fragen: "Ist die Erkenntnis etwa ein Geschenk? Ist sie etwa keine Errungenschaft unseres freien Willens?" - Für einen engen Materialismus ist sie das auch. Ein verfeinertes, hochstehendes Denken jedoch versteht, daß Erkenntnis der Überirdischen Zusammenarbeit bedarf.
     Jeder Denker kann feststellen, daß über die Aneignung von Fakten hinaus eine Emporhebung des Wissens beginnt, und dieser Vorgang ist bereits ein sehr hohes Geschenk. Der Mensch vermag die Wahrnehmungsfähigkeit nicht allein mittels seines irdischen Verstandes zu verfeinern. Der wahre Gelehrte erkennt an, daß seine Erkenntnis gleichsam höhere Fäden hat, und auf diese Weise ergibt sich eine unerwartete Erweiterung des Angeeigneten.
     Eine solche Erscheinung kann unbewußt verlaufen, wenn die Höheren Führer es als unerläßlich erachten, auf das Gemeinwohl Einfluß zu nehmen. Die Folgen könnten jedoch weitaus bedeutender ausfallen, wenn der Gelehrte eine Höhere Führung bewußt unterstellen würde. Dann nämlich könnte die Überirdische Welt sich in ihrer ganzen Erhabenheit offenbaren. Das menschliche Herz besitzt die Fähigkeit, die Erweiterung wahrzunehmen, gleichsam als Aufnahme von etwas Hochstehendem. Solche Minuten können eine Erleuchtung darstellen, doch muß der Mensch fähig sein,

[Russisches Original. Seite 739.]


einen solchen Segensstrom in sich aufzunehmen. Es sind keine Zwangsmaßnahmen erforderlich, man muß nur das Herz öffnen und den Hohen Lehrer herbeirufen.
     Der Denker sprach: "Lehrer, erleuchte meine Erkenntnis!"

     842. Urusvati weiß vom Wesen der überirdischen Maßstäbe. Die Forscher überirdischer Wissenschaft sind oft erstaunt, weshalb die irdischen Fristen nicht mit den überirdischen Fristen zusammenfallen. Dieser Umstand läßt Kleinmütige mitunter in Zweifel verfallen. Erst bei tiefgründiger Erforschung der Bedingungen in der Überirdischen Welt wird der Mensch verstehen, daß die überirdischen Maßstäbe nicht gänzlich mit den irdischen Maßstäben zusammenfallen können.
     Sogar auf der Erde wird ein auf einem Berggipfel stehender Mensch anders denken und fühlen als jemand, der sich tief unten im Tal befindet. Um so verschiedener von den irdischen werden die überirdischen Maßstäbe sein. Dort werden die eigentlichen, wesentlichen Grundlagen herrschen, und ein Hinweis wird in Verbindung mit Ereignissen stehen. Daher vermag nur ein aufmerksamer Beobachter die innere Verbindung vieler Ereignisse zu erkennen, die den eigentlichen Hinweis gleichsam begleiten.
     Nicht selten werden solche begleitenden Ereignisse als geradezu nebensächlich und unbedeutend erscheinen, und nur ein aufmerksames, scharfes Auge wird die charakteristische Verbindung erkennen. Ein solch unvoreingenommener Gelehrter wird dann sagen: "Wahrhaftig, die Überirdische Welt ist der irdischen nahe, doch müssen deren erhabenen Maßstäbe sorgfältig beobachtet werden." So läßt sich verstehen, daß die überirdische Sprache nicht wie die engbegrenzte irdische Sprache sein kann.
     Das Herz erweist sich beständig als Mittelpunkt des menschlichen Wesens. Allein das Herz vermag die leichten Berührungen der Überirdischen Welt wahrzunehmen und zu verstehen, daran muß man denken.
     Der Denker sprach.: "Lehrer, lehre mich, das Überirdische Flüstern zu verstehen."

     843. Urusvati weiß vom Wesen der Freude. Im alten Indien gab es eine Gemeinschaft von Ärzten, die sich "Schöpfer der Freude" nannten. Sie stellten die Behauptung auf, für die erfolgreiche Heilung eines Kranken sei es notwendig, diesen auch mit Freude zu umgeben. Sie erkannten die Heilkraft der Freude, die beste Schwingungen, irdische wie überirdische, herbeizieht. Auf solchem Wege wurde das Befinden des Kranken gehoben, und die Genesung verlief erfolgreich.

[Russisches Original. Seite 740.]


     Die Ärzte anderer Schulen spotteten über die Schöpfer der Freude. Die Unwissenden begriffen nicht, daß die Eigenart bestimmter Schwingungen einer körperlichen Heilung dienlich sein kann. Die Unwissenden konnten sich eine räumliche Energie, die durch psychische Einwirkungen herbeigezogen werden kann, nicht vorstellen. Eine solche Wirkung konnte über keinen Befehl, sondern mußte über einen Festtag des Geistes bewirkt werden. Es läßt sich feststellen, daß eine freudige Erzählung des Arztes bereits Vertrauen im Kranken erweckt.
     Nicht nur physische Arzneien, sondern auch eine bei der Behandlung angewandte sehr feine Magnetisierung bewirkt bei dem Kranken eine Zusammenarbeit seiner besten Kräfte. Doch nicht allein bei Kranken, sondern bei allem Tun im Leben vergeßt die Heilkraft der Freude nicht. Werdet so findig, daß ihr die Freude selbst in schweren Tagen rufen könnt. Findet die Kraft, Freude zu schaffen, denn im Raum gibt es viele Möglichkeiten, das Feuer der Freude zu entzünden. Wahrlich, Freude ist die beste Wegführerin auf den überirdischen Pfaden.
     Der Denker sprach: "Lehrer, führe mich an die Überirdische Freude heran."

     844. Urusvati weiß vom Wesen der Arbeit. Wir bestätigen die Arbeit als einen Wert von Weltbedeutung. Wir bezeichnen die Arbeit als Quelle eines heilkräftigen Rhythmus. Wir bestätigen, daß die Arbeit dem Arbeitenden wahre Freude verleiht. Wir haben die Arbeit als Grundlage der Familie und des Staates vorgeschlagen, doch nun ist es erforderlich, eine weitere bedeutsame Eigenschaft der Arbeit aufzuzeigen. Sie vermittelt nicht nur dem Arbeitenden selbst, sondern auch anderen Freude.
     Jede Arbeit vermittelt unzweifelhaft irgend jemandem Freude. Es ist möglich, daß diese Freude nicht groß ist, doch kann sie auch überaus groß sein. Die Erscheinung universaler Freude wird ebenfalls eine Folge von Arbeit sein.
     Vergessen wir nicht, daß solche Freude in der Überirdischen Welt unvergänglich ist. Sie läßt Dankbarkeit entstehen. Solche Vereinigung der Schwingungen hilft dem Wanderer auf seinen überirdischen Reisen. Hierbei muß man sich vergegenwärtigen, daß solche Dankbarkeit nicht aus dem Persönlichen entstehen kann und das reine Gefühl den Arbeitenden sowohl auf der Erde als auch in der Überirdischen Welt begleiten wird. Er wird jene, die ihm Dank erweisen, nicht kennen. Um so wertvoller wird auf der Leiter des Aufstieges ein Vorstellungsvermögen sein, das frei von persönlichkeitsbezogenem Denken ist und dadurch über Selbstheilungskräfte verfügt.

[Russisches Original. Seite 741.]


     Zusammenarbeit ist wertvoll, wenn sie durch Hingabe verstärkt wird. So laßt uns die Arbeit als eine Erscheinung gemeinsamer Freude verstehen.
     Der Denker gebot Arbeit als überirdische Freude.

     845. Urusvati weiß vom Wesen der Freundschaft. Lichte Ausstrahlungen von Freundschaft werden sowohl auf der Erde als auch in der Überirdischen Welt ein guter Führer sein. Besonders in der Überirdischen Welt ist aufrichtige Freundschaft notwendig. Die Gedankenenergie und die offenkundigen Ausstrahlungen schließen die Möglichkeit schwerer Irrtümer aus. Natürlich schafft Freundschaft auch im irdischen Leben neue Möglichkeiten. Wenn man selbst einem Feinde einen freundlichen Blick gewährt, so ist dies kein Zeichen von Schwäche, sondern eines besonderen Vorzuges.
     So ist es notwendig, das Volk zur Erkenntnis zu erziehen, welchen Nutzen Freundschaft zeitigt. Mag der ganze Wert dieser Eigenschaft auch nicht gleich verstanden werden, so wird sich doch unzweifelhaft eine Hebung des Bewußtseins einstellen. Bei einer solchen Erziehung muß ebenfalls auf den Schaden von Haß und Rache hingewiesen werden. Besonders jetzt ist die Erinnerung daran notwendig, da Bosheit und gegenseitiger Haß die Erde mit einer verderblichen Hülle dicht umgeben.
     Glaubt nicht, solche Mahnungen seien abstrakte Moralpredigten. Der Planet ist krank, und die Menschen dienen seiner Zerstörung. Daher laßt uns die Krumen von Freundschaft sammeln und den Raum mit Sendungen von Freundschaft erfüllen. Wir werden nicht wissen, zu wem diese Rufe eilen werden, doch werden sie allgemein-menschlichen Nutzen erbringen.
     Der Denker riet: "Sendet gute Rufe aus. Sie werden ihre Bestimmung erreichen."

     846. Urusvati weiß vom Wesen des Vergessens. Weise sagen: "Nichts vergeht, und alles hat seine Ursache." Wenn etwas in die Tiefe des Bewußtseins versank, so bedeutet dies, daß es auch einen Grund dafür gab. Forschen wir nach, und dann können wir feststellen, daß das Vergessen heilsam war.
     Die Menschen sind erstaunt, weshalb lang Vergessenes unerwartet aus dem Bewußtsein auftauchen kann. Doch auch dafür gibt es einen Grund. So kann es sein, daß unerwartete Schwingungen eine schlafende Erscheinung weckten oder der Mensch etwas vor langer Zeit Durchlebtes erkennen mußte oder die Überirdischen Führer es für notwendig erachteten, den Menschen an seine Verantwortung

[Russisches Original. Seite 742.]


zu erinnern.
     Natürlich haben Wir nicht die schändliche Vergeßlichkeit im Blick, die aus Disziplinlosigkeit erwächst. Wir sehen solche Disziplinlosigkeit als eine gefährliche Untugend an. Die Kinder müssen vor der Möglichkeit, in Disziplinlosigkeit zu verfallen, bewahrt werden. Die Menschen berufen sich oft auf ihre Vergeßlichkeit, ohne zu wissen, welcher Untugend sie sich damit anklagen. Vergessen ist hingegen ein Naturgesetz, es sammelt Schätze im Bewußtsein und bewahrt sie behutsam bis zur vorbestimmten Stunde.
     Wahrlich, es ist dem Menschen nicht möglich, sich aller Einzelheiten der Vergangenheit zu erinnern, erst in der Überirdischen Welt werden sie zu Rettern oder Anklägern. Es ist nicht möglich, jede kleine Einzelheit zu verurteilen oder anzuerkennen. Der Tatmensch strebt voran, und sein Vergessen ist für ihn nur ein Bewahren von Schätzen. Er weiß, daß die Stunde kommen wird, da der Blitz der Erleuchtung aufflammen wird.
     Wir schätzen es, wenn ein Tatmensch über angesammelten Besitz verfügen kann. Wir sind bereit, dabei zu helfen, die notwendigen Schwingungen aus der Schatzkammer hervorzurufen.
     Der Denker sprach: "Auch das Vergessen nehme ich als ein Geschenk an."

     847. Urusvati weiß, welches das Wesen der Nachsicht ist. Möge jede eurer Bekundungen von Nachsicht zugleich euer Aufstieg sein.
     Nur ein Dummkopf verprügelt einen entkräfteten Esel, wodurch er nur Schaden erzeugt. Ein kluger Hausherr jedoch gewährt dem Esel Erholung, füttert ihn gut und erfährt dadurch Nutzen. Ebenso ist es mit Unwissenden. Auf keinen Fall darf man zornig über Unwissende herfallen, da eine Beschimpfung keinen Nutzen erbringt. Nützlich wird es jedoch sein, Nachsicht zu üben und überzeugende Worte zu finden. Es ist nicht leicht, die Ebene der Unwissenheit aufzusuchen, doch ein Denker versteht, daß man durch eine niedrige Tür gebeugt hindurchgehen muß.
     Es ist viel über Mitleid gesprochen worden, doch beinhaltet jedes Mitleid bereits Nachsicht. Wahrlich, ruhmreicher Aufstieg wird durch feinfühlige Nachsicht geschaffen. In der Überirdischen Welt führt die Befähigung zur Barmherzigkeit zu einem raschen Aufstieg. Der Wanderer lernt, den schmerzlichen Stimmen Gehör zu schenken und über Heilungsmöglichkeiten nachzudenken, und solche Gedanken führen wie Flügel empor.

[Russisches Original. Seite 743.]


     Der Mensch muß beständig darauf achten, wo Nachsicht zu üben ist. In den Schulen muß darüber gesprochen werden, wie nützlich Nachsichtigkeit ist. Es muß aufgezeigt werden, daß Verurteilung ein tötendes Prinzip ist. Man kann sie leicht vermeiden, wenn man daran denkt, daß Zerstörung kein Aufbau ist. Überlassen wir Zerstörung der Weisheit des Kosmos, wir aber wollen aufbauen.
     Der Denker sprach: "Lehrer, zeige mir, wie man in Nachsicht aufsteigt."

     848. Urusvati weiß, welches das Wesen der Inspiration ist. In verschiedenen Sprachen bezeichnet dieses Wort einen Einfluß von außen. Die Menschen lieben das Wort Inspiration nicht nur, sondern mißbrauchen es gar, doch nur sehr selten denken sie über seinen Ursprung nach.
     Selbst die Wenigen, die den Ursprung des Wortes Inspiration verstehen, sind in ihrer Meinung geteilt. Die einen gehen von einer persönlichen Einflußnahme aus, während andere meinen, daß dabei eine bestimmte Energie wirke. Laßt uns nicht darüber streiten, denn bei jeder persönlichen Einflußnahme ist Energie wirksam. Doch für den Menschen ist es an der Zeit, die wahre Bedeutung der von ihm verwendeten Worte zu erkennen.
     Vermag der Mensch jedoch über die Bedeutung der Inspiration nachzudenken, ohne ein Verständnis der Überirdischen Welt zu haben? Er wird eine Zusammenarbeit mit den Höheren Kräften nicht erkennen können, wenn er sie schon grundsätzlich verneint.
     Das Wort Inspiration begegnet einem besonders bei Künstlern und Gelehrten. Der Grund dafür ist verständlich - solche Tatmenschen können Einwirkungen aus den Überirdischen Sphären öfter als andere erfahren. Diese Erscheinung könnte jedoch verstärkt werden, wenn die Menschen sie bewußt annehmen würden, doch leider wird die Überirdische Welt nicht anerkannt.
     Kann man ihre baldige Anerkennung erwarten, wenn die Menschen ganz von Haß und Zerstörungswut erfüllt sind? Noch ist die Inspiration jedoch aus dem Wörterbuch nicht verbannt worden. Man kann darauf warten, daß sich ein Lehrer findet, der die hohe Bedeutung der Inspiration bereits in der Grundschule erklärt. Mögen die Kleinen von Zusammenarbeit mit dem Überirdischen erfahren. Eine solche höhere Wirkung wird das menschliche Schaffen nicht verstümmeln, sondern es wie mit herrlichen Flügeln berühren!
     Der Denker sprach: "Lehrer, inspiriere mich zu bestem Schaffen!"

[Russisches Original. Seite 744.]


     849. Urusvati weiß, welches das Wesen der Begeisterung ist. Der herrliche Begriff der Begeisterung weist auf eine Verbindung der Höheren Welt mit den Kräften des Geistes hin. Wer Geist und Seele verneint, sollte das Wort Begeisterung nicht verwenden, und dennoch wird es mit Vorliebe im Munde geführt, ohne daß man seine Bedeutung versteht. Die Verneiner bedienen sich der Gedanken und der Worte, mit denen der überirdische Raum angefüllt ist, und lassen dennoch die Existenz unsichtbaren Lebens und unsichtbarer Einflußnahme nicht zu. Es ist daher nicht erstaunlich, daß es notwendig wird, von Begriffen zu sprechen, die der alten Welt bekannt waren, hernach aber völlig entstellt wurden.
     Die Menschen der alten Welt schufen viele Worte von hoher Bedeutung. Sie wußten bereits, weshalb diese Worte der Menschheit nötig sein würden, doch die Jahrhunderte fegten die Bedeutung hoher Begriffe hinweg. Das menschliche Denken wandte sich dem gewöhnlichen Alltag und einer Scheinentwicklung des Lebens zu. Die Unwissenheit kroch von unerwarteten Seiten hervor. Statt den Gesichtskreis zu erweitern, engte die Wissenschaft ihn bis zu unwissender Verneinung ein.
     Man sollte meinen, daß Gelehrte forschen sollten, nicht aber sich mit Verneinung beschäftigen. Es sollte Begeisterung in das Bewußtsein des Gelehrten herabsteigen, und er sollte die ganze Bedeutung dieses Begriffes schätzen. Statt dessen hat er die Führung durch Überirdische Kräfte herabgewürdigt und sich dadurch seiner eigenen Kraft beraubt.
     Es ist hinreichend über das bewußte Schaffen gesprochen worden, bei dem der Mensch hellsichtig und hellhörig wird. Doch für eine solche Errungenschaft muß der Mensch vor allem klar erkennen, über welche Macht er selbst verfügt und welche Möglichkeit der Zusammenarbeit ihm Hilfe gibt. Dann wird er das Recht haben, Begeisterung zu bekunden.
     Der Denker riet, selbst im gewöhnlichen Alltagsleben die Begeisterung nicht zu vergessen.

     850. Urusvati weiß, welches das Wesen der Gutmütigkeit ist. Ein herrlicher Begriff, der es nicht verdient, von Unwissenden herabgesetzt zu werden. Für letztere steht Gutmütigkeit der Geistesschwäche nahe, und ein Gutmütiger verdiene kein Vertrauen. Was kann indessen erhebender sein als Bestrebung zum Wohl, zum Guten? Nur ein weiser Mensch vermag all seine Kraft dem Wohl zuzuwenden. Er empfindet solches Streben zur Überirdischen Welt nicht als schädlich, denn der Magnet des Guten führt ihm die besten Weggefährten zu.
     Auf der Erde träumen die Menschen von Zusammenarbeit, doch in der Überirdischen Welt ist sie noch

[Russisches Original. Seite 745.]


viel spürbarer. Sie stärkt den Geist und vermehrt die psychische Energie. Auf der Erde versuchen die Menschen, mit den verschiedenen Yogaarten das Bewußtsein zu heben und sich der Höheren Welt zu nähern. Die Überirdische Welt erfordert noch mehr Anspannung, um Fortbewegung erzeugen zu können. Ständig, ohne Unterbrechung, bewegt sich der Wanderer in der Überirdischen Welt vor oder zurück, wie ein Stein in einem Strudel. Der Anker des Wohls wird sehr sicher sein, doch dafür muß der Mensch sich wahrhafte Gutmütigkeit aneignen. Sie hilft, Gereiztheit, Zorn und Boshaftigkeit zu vermeiden.
     Mögen die Menschen nicht denken, daß Wir über unnötige Themen sprechen. Die Welt ist dermaßen von Haß gepackt, daß der Rettungsring des Wohls unerläßlich ist. Möge der Mensch nach herabgewürdigten und vergessenen Begriffen suchen. Möge er es lernen, sie in ihrer wahren Bedeutung anzuwenden. Im Staub der Jahrhunderte kann viel Gutes gefunden werden.
     Der Denker bestätigte: "Lege die Rüstung der Gutmütigkeit an und sei unbesiegbar."

     851. Urusvati weiß, welches das Wesen des Segens ist. Uranfängliche Energie, Segen, psychische Energie, feurige Energie, Prana - es hat viele Bezeichnungen in den verschiedenen Jahrhunderten gegeben, doch ist der innere Sinn derselbe. Lenker schöpferischer Kräfte, Lebensspender, Erwecker zur Erkenntnis, so könnten die Menschen den Segen verstehen. Doch die Menschen sind von einem Verständnis der Grundlagen des Weltalls weit entfernt. Sie fragen: "Wenn die uranfängliche Energie den Raum erfüllt, warum wirkt sie dann nicht in gleichmäßiger Weise auf die gesamte Menschheit ein?"
     Die Fragenden wissen gar nicht, daß es keine zwei gleichen Menschen gibt, wissen nicht, daß man die Energie erkennen, herbeirufen und aufnehmen muß. Der Unwissende gleicht einem Kranken, der eine sofortige Wirkung des Medikamentes fordert. Schon nach der ersten Einnahme ist er bereit, die Wirkung in Frage zu stellen. Genauso handelt derjenige, der die uranfängliche Energie nicht erkennt. Ebensowenig versteht der Unwissende, daß man die Energie herbeirufen muß. Man muß dazu einen reinen Willen anspannen, damit der feurige Magnet entflammt. Dieser Magnet kann nicht zum Leben erstehen, ohne daß der Wille angespannt wurde.
     Ebenso schwer fällt es dem Menschen, den Segen in seinem irdischen Alltag anzunehmen. Wie ein gefangener Paradiesvogel

[Russisches Original. Seite 746.]


schlägt er an den Käfig und verliert dabei die besten Federn. Wer den Segen angenommen hat, muß diesen wunderbaren Vogel in Freiheit halten. Wie aber soll man ihn zähmen, damit er sich nicht als bedauernswerter Gefangener erweist? Die Menschen haben sich viele Methoden ersonnen, um ihren Lebensalltag an die Erhabenheit der herrlichen Energie anzupassen, doch haben sie nur wenig an die indirekte Bedeutung des Wortes "Segen" gedacht.
     Der Denker freute sich, wenn er die Gegenwart des Segens verspürte. Er sprach: "Ein feuriger Vogel hat mich berührt, der Bote der Überirdischen Welt."

     852. Urusvati weiß, welches das Wesen des Glaubens ist. Man spricht von blindem Glauben, doch bekräftigen Wir einen sehenden Glauben. Glaube ist Wissen, doch auch das Wissen teilt sich in Verstandeswissen und Herzenswissen. Es fällt den Menschen nicht leicht zu unterscheiden, wo die Grenze zwischen beiden Wissensarten liegt, doch sollten sie verstehen, daß Herzenswissen sehr schwer zu erlangen ist, wenn man keine überirdischen Aufspeicherungen angesammelt hat.
     Wahrlich, in der Überirdischen Welt kann man unmöglich voranschreiten, wenn der feurige Magnet des Herzens nicht entflammt ist. Man muß sich klar machen, wie sehr die Entwicklung dieses Magneten in der Überirdischen Welt gefördert werden kann, wenn er im irdischen Leben erstrahlen soll. Die Menschen haben sich viele Methoden erdacht, um diesen Magneten auf künstlichem Wege zu entzünden. Andere meinen, nur geistige Entwicklung fördere die Entwicklung des Magneten, und diese sind dem Ziel auch näher. Körperbewegungen vermögen keine Geistigkeit zu schaffen. Allein geistige Übung zeitigt hochstehendes Herzenswissen. Wie aber soll man den Menschen erklären, daß jeder Tag und jede Stunde für diese überirdische Errungenschaft wichtig sind? Der Verstand stört das Herz bei seinem Tun und trägt kostbare Erkenntnisse hinweg.
     Der Denker sprach: "Wissen, das in aller Kürze zum Ausdruck kommt, ist Glaube."

     853. Urusvati weiß, welches das Wesen der Bestrebung ist. Oftmals unterscheiden die Menschen nicht zwischen dem geistigen Streben, das vom Herzen ausgeht und einer verstandesmäßigen, körpergebundenen Anspannung. Aus diesem betrüblichen Fehlverstehen entstehen üble Folgen. Selbst wenn man sich mit einem Holzhammer an die Stirn schlagen wollte, könnte man die schöpferische Energie nicht dazu bewegen, in Erscheinung zu treten.
     Man wird fragen: "Wie soll man sich zur Erkenntnis der Energie erziehen?" Um einen Strom höherer Anspannung aufnehmen zu können, muß man vor allem das Bewußtsein mit hochstehendem

[Russisches Original. Seite 747.]


Denken verfeinern. Auf diese Weise wird sich das Bewußtsein erweitern, und das Feuer des Herzens kann sich entzünden. Solch ein segensreicher Zustand vermag sich unerwartet einzustellen.
     Nicht nur einmal haben Wir daran erinnert, daß die Maßstäbe der Überirdischen Welt nicht den irdischen gleichen. Nur wenn er diesen Unterschied verstanden hat, kann der Mensch mit der Überirdischen Welt vertraut werden. Es bedarf dazu keiner äußerlichen Übungen, denn allein das Denken vermag den Menschen zu heben. Nur während bestrebten Denkens kann der Mensch die Gegenwart des inneren Feuers spüren. In alten Lehren lassen sich Hinweise auf einen kostbaren Talisman finden, der sich im Herzen befände. Wahrhaftig, man kann das von überirdischer Energie entfachte Feuer des Herzens mit einem Talisman vergleichen.
     Mögen die Menschen nicht denken, man müsse in die Einsiedelei gehen, um eine normale Entwicklung des Bewußtseins zu erreichen. Auch im irdischen Alltag ist herrliches Streben möglich, und eine solche Heldentat wird sogar noch schöner sein. Man muß das Streben jedoch zu einem mächtigen Pfeil schärfen.
     Mögen die Lehrer in den Schulen von der Macht höherführenden Strebens sprechen. Mögen sie einen Moment des Schweigens einräumen, in dem die Kleinen mit ihrem Denken zum Schönsten streben können. Solche Augenblicke können Funken des Herzensfeuers hervorrufen.
     Der Denker riet, sich schweigend zu versammeln und die Gedanken auf das Wohl der Menschheit zu richten.

     854. Urusvati weiß, welches das Wesen des Vorstellungsvermögens ist. Die Menschheit zerfällt in solche, die fähig sind, etwas für möglich zu halten, und solche, die verneinen und ablehnen. Die ersteren tragen das Samenkorn der Neuen Welt in sich, die zweiten schaffen kosmischen Unrat. Wenn jemand zwischen beiden Lagern eine Grenze ziehen wollte, so wäre er über deren gewundenen Verlauf sehr erstaunt.
     Besonders erstaunlich ist, daß sich unter den Verneinern große Tatmenschen und Gelehrte befinden. Es kommt ihnen nicht in den Sinn, daß ihr Schaffen sich ausweiten könnte, wenn sie sich von dem finsteren, über sich selbst verhängten Verbot befreiten. Erst in der Überirdischen Welt werden sie verstehen, wie sehr sie ihren eigenen Fortschritt störten.
     Im irdischen Leben sind solche Verneiner allerdings hoffnungslos. Nur eine starke Erschütterung kann ihnen eine Erweiterung des Horizonts vermitteln. Daher muß besonderes Augenmerk

[Russisches Original. Seite 748.]


auf die Kinder gelegt werden, deren Bewußtsein noch nicht verdorben ist.
     Irgend jemand wird meinen, Wir gäben Unterweisungen in Ethik, vergessen jedoch, daß Wir die Grundlage des Feurigen Yoga vermitteln. Bei seiner natürlichen Entwicklung ist eine ethische Grundlage des Lebens unerläßlich. Nur ein reines Herz wird davor bewahrt sein, bei einer feurigen Verbindung mit den Höheren Kräften nicht völlig zu verbrennen. Man darf nicht vergessen, daß die Menschen der beständigen Ermahnungen bedürfen und die Lehren nur in unterschiedlichen Situationen und verschiedenen Ausdrucksformen aufnehmen können. Wahrhaftig, der Lehrer muß scharfsichtig und findig sein.
     Der Denker riet: "Sieh dir deine Schlösser genau an. Bist du in der Lage, sie zu öffnen?"

     855. Urusvati weiß, welches das Wesen der Freundlichkeit ist. Der Yogi ist bereits von seiner Natur aus freundlich. Sorgsam erforscht er jede Erscheinung, und wenn er ein Teilchen des Guten gefunden hat, wird er, davon ausgehend, sein Urteil fällen. Wenn der Yogi jedoch kosmischen Unrat wahrnimmt, wird er ihn hinwegfegen, da er weiß, daß ein solcher Verfall nur durch das Feuer umgewandelt werden kann. Der Yogi versteht, daß man eine Erscheinung unmöglich anhand ihres vorübergehenden Zustandes bewerten darf, und daher betrachtet er ein Geschehen in seinen verschiedenen Stadien, bevor er über das Wesen urteilt.
     Versteht diese Grundlage der Freundlichkeit gut. Es ist besser, in bezug auf das Gute zu irren, als voreilig eine Verurteilung auszusprechen. Das Herz des Yogi trügt jedoch nicht, und kosmischer Unrat ist für feinfühlige Schwingungen unfehlbar zu erkennen.
     Überirdische Schwingungen vermögen den Wesensverfall eines Menschen fehlerfrei zu erkennen. Mit der Zeit wird man solche feinstofflichen Schwingungen auch im irdischen Dasein anwenden können, doch wird man noch warten müssen, bis solche empfindlichen Apparate ins Leben treten. Es läßt sich sehen, in welcher Vergröberung die Menschheit sich befindet, weshalb es unmöglich ist, den Schuppenpanzer der Unwissenheit derzeit zu durchdringen. Nichtsdestoweniger wird sich die Evolution vollziehen.
     Der Denker bestätigte: "Bewahrt euch die Freundlichkeit als eine Fackel in der Finsternis."

     856. Urusvati weiß, welches das Wesen der Bestrebung ist. Jede Arbeit erfordert Konzentration, durch sie wird die Qualität der Arbeit erhöht, doch nennen Wir dies eine äußere Konzentration. Wir möchten die äußere Konzentration durch das innere Streben ergänzen. Eine solche Bestrebung sollte jedem Menschen eigen sein, doch begegnet sie einem in der Tat nur

[Russisches Original. Seite 749.]


selten.
     Der Mensch muß sich die Überirdische Welt zu eigen machen und ein volles Verstehen der Höheren Helfer bekunden. Wie aber soll der Mensch seine Schätze erkennen, wenn niemand zu ihm davon spricht? Von klein an wird der Mensch der Überirdischen Welt entfremdet, man verbietet ihm gar, über etwas Außergewöhnliches nachzudenken. So erscheint er als ein Blinder, der durch einen Wald läuft, bis seine Stirn an einen Baum stößt.
     Es erfordert in der Tat eine große Erschütterung, auf daß der Mensch von einem inneren Licht erleuchtet werde. Erst dann wird er seine Suche beginnen und Höhere Hilfe empfangen können. Wahrhaftig, der Suchende wird bemerken, daß seine Bestrebung die Qualität seiner Errungenschaften erhöht. Und gewiß wird sich in solch einem Fall etwas finden oder sich eine Begegnung einstellen.
     Möge der Mensch sich nur recht bald von der absurden Vorstellung befreien, die Erscheinungen des Lebens seien zufällig. Eine Ursache liegt allem zugrunde, und weise muß man danach suchen. Bestrebung, als eine magnetische Kraft, vermehrt die Macht des Menschen. Innere Bestrebung stört seine Arbeit keinesfalls, sondern bestätigt als ein unaufhörlicher Puls den Aufstieg. Möge der Mensch über die unaufhörliche Tätigkeit des Herzens nachdenken und sie als Aufruf zu ebenso unaufhörlichem Streben verstehen.
     Der Denker sprach: "Der von magnetischer Kraft beseelte Pfeil kennt seine Bestimmung."

     857. Urusvati weiß, welches das Wesen der Erholung ist. Wir haben bereits davon gesprochen, daß Erholung im Wechsel der Arbeit liegt, doch muß man auch noch andere nützliche Formen der Erholung im Blick haben. Solche sind: der Verkehr mit der Überirdischen Welt, Bereicherung des Wissens, Betrachtung der Schönheit der Natur und menschlicher Werke. Die einen bezeichnen eine solche Erholung als Bewußtseinserweiterung, andere als Befreiung von Egoismus, dritte als Sieg des Geistes, und alle werden recht haben. Die durch hochstehende Wahrnehmungen vermittelte Begeisterung vermag das Leben umzuwandeln, wenn der Mensch fähig ist, solche heilkräftigen Schwingungen in sich zu bewahren.
     Leider sind die Menschen überaus selten in der Lage, solche wahren Werte zu nutzen. Gewöhnlich hindert wütende Bosheit daran, das Allerschönste zu bemerken. Statt vorbestimmte Erholung zu erfahren, versenkt der Mensch sich in Gereiztheit und schadet damit

[Russisches Original. Seite 750.]


nicht nur sich selbst, sondern auch der gesamten Umgebung.
     In den Schulen muß erklärt werden, worin eine Erholung besteht, die der Gesundheit des Geistes und des Körpers dienlich ist. Mögen die jungen Erbauer des Lebens das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Erholung finden. Mögen sie die Zeit finden, um über die Überirdische Welt nachzudenken. Vielleicht werden sie mit einem spöttischen Lächeln beginnen, doch dann wird einfache Logik sie dazu veranlassen, tiefer darüber nachzudenken. Vielleicht wird ihr Denken zu Beginn von der Astronomie, Chemie oder einem beliebigen Zweig der Physik ausgehen und dabei auf etwas ihnen Unbekanntes stoßen. Besonders jetzt, da die Menschen über die Energien nachzudenken beginnen, kann man erwarten, daß wißbegierige Geister die Weite der Möglichkeiten verstehen, die das Denken umgestalten können. Doch sind die Menschen von der Freiheit des Denkens weit entfernt. Möge das Denken die unterdrückten Sklaven befreien.
     Der Denker sprach: "Die Arbeit ist die Befreierin, der Gedanke jedoch der Wegführer."

     858. Urusvati weiß, welches das Wesen der Treue ist. In alten Zeiten nannte man die Eigenschaft der Treue einen Diamanten. Treue, Standhaftigkeit und Unbeugsamkeit sind ein Bollwerk gegen Zweifel, Labilität und Verrat. Die Ausstrahlung der Treue stellt eine wunderschöne Erscheinung dar. Ja, ja, ja - es ist an der Zeit, daß die Menschen die feinen Spuren ihrer Ausstrahlungen verstehen.
     Kaum daß die ersten Experimente zur Erforschung der menschlichen Ausstrahlungen durchgeführt worden waren, wurden wissensdurstige Geister davon angezogen. Nun, da alle Apparate verfeinert und verbessert worden sind, sollten die Gelehrten unverzüglich zu weiteren Versuchen schreiten. Die Erforschung der Ausstrahlungen ist überaus bedeutend. In der Neuen Ära müssen die feinstofflichen Energien bestätigt werden.
     So wird die Medizin weiterentwickelt werden können, wenn die Menschen verstehen, wie wohltuend positive Eigenschaften und wie schädlich die Ausstrahlungen der Bosheit sind. Dies ist darin begründet, daß die Ausstrahlung sich nicht verflüchtigt, sondern den umgebenden Raum sättigt. Die Menschen suchen die Ursachen von Epidemien, doch mögen sie erkennen, daß diese in ihrer eigenen unmittelbaren Umgebung liegen. Überdies hat die Qualität der Ausstrahlungen in der Überirdischen Welt eine große Bedeutung. Der feinstoffliche Körper kommt mit der ihm gewohnten Ausstrahlung dorthin. Er kann daher ein schöpferischer Magnet sein, sich aber ebensogut auch als Abscheu erregendes Ungeheuer erweisen. Es ist nicht leicht, sich

[Russisches Original. Seite 751.]


von solchen widerwärtigen Aufspeicherungen zu befreien. Es ist daher klug, das rettende Licht bei sich zu haben. Dafür jedoch ist es vor allem notwendig, die Überirdische Welt klar zu erkennen und ihr in ganzer Treue zuzustreben.
     Der Denker riet: "Denkt daran, daß Treue ein fester Schild ist."

     859. Urusvati weiß, welches das Wesen des Unsagbaren ist. Die Teilbarkeit alles Existierenden geht ins Unbegrenzte, doch kann man in jedem einzelnen Teil etwas überaus Kleines, Unsagbares finden. Die alten Denker der Alchimie nannten dieses Etwas: "Schatz der Mutter", "Auge des Jupiter" oder "Siegesfeste". Inzwischen ist die Wissenschaft zu der Erkenntnis gelangt, daß dieses grundlegende Teilchen erforscht werden muß.
     Man fragt: "Wie konnten die Alchimisten bei der Unvollkommenheit der Apparate das feinste Teilchen des Seins erkennen?" Natürlich nur auf dem Wege der psychischen Erkenntnis. Wir wiederholen dieses alte Beispiel, um daran zu erinnern, daß auch bei den am besten vervollkommneten Apparaten die psychische Energie angewandt werden muß. Möge die Wissenschaft versuchen, schwierige Probleme zu lösen, doch ist es an der Zeit, die Bedeutung der psychischen Energie zu erkennen. Oftmals prahlen die Menschen sogar mit ihrem Unglauben und werfen dabei unterschiedslos viele unvergleichbare Begriffe durcheinander.
     Der Denker sagte zu denen, die schreiend ihren Unglauben kundtaten: "Glauben müßt ihr auch nicht, aber wissen solltet ihr."

     860. Urusvati weiß, welches das Wesen der Bewußtseinserweiterung ist. Um diesen Begriff herum bestehen viel Zweifel und Unverständnis. Unerfahrene Forscher meinen, eine solche Erweiterung komme von außen und der glückliche Empfänger nähme das hohe Geschenk nur mit Dankbarkeit an. Solche Prüflinge vergessen das Gesetz des freien Willens. Sie werden bekümmert sein zu erfahren, daß die Bewußtseinserweiterung nicht von außen, sondern von innen kommt.
     Allein der feurige Magnet des Herzens, durch hohes Denken und Streben entflammt, zieht höhere Energien an. Die Macht der höheren Energien wandelt das Bewußtsein um und macht es für die Erkenntnis der Daseinsgesetze empfänglich. Die Menschen schätzen den Magneten des Herzens nicht und setzen damit ihre eigene Bedeutung herab.

[Russisches Original. Seite 752.]


Man darf unmöglich davon ausgehen, die Höheren Kräfte würden den freien Willen zwingen. Im Gegenteil liegt die Schönheit darin, daß der Mensch der Urheber seines eigenen Aufstieges ist. Zusammenarbeit tritt jedoch in Abhängigkeit von der Kraft und der Reinheit seines Denkens ein. So bereitet der Mensch sich seine Situation in der Überirdischen Welt selbst.
     Der Lehrer erscheint in Übereinstimmung mit dem Denkniveau des Wanderers. Es wurde gesagt: "Wie soll man einen Ertrinkenden retten, wenn seine Kleidung daran hindert, seinen Körper zu ergreifen?" Die in die Zukunft gerichtete Erweiterung des Bewußtseins ist besonders wichtig. Ein Mensch mit erweitertem Bewußtsein versteht die Vergangenheit als Übergang in die Zukunft.
     Der Denker sprach: "Strebt in die Zukunft, sie ruft euch."

     861. Urusvati weiß, welches das Wesen der Liebe zur Zukunft ist. Vor langem wurde gesagt, das Leben sei ein ununterbrochener Strom. Man kann auch sagen, das Leben sei ein Flug in die Zukunft. Die einen fürchten die Zukunft, andere fügen sich traurig in ihre Unausweichlichkeit, und nur sehr wenige lieben die Zukunft. Solche Menschen können zu Recht als beflügelt bezeichnet werden. Sie spüren, daß unsichtbare Flügel sie über die Erde hinaustragen. Sie vermögen große Wahrheiten zu entdecken und lebendige Gelehrte zu sein. Sie spüren, daß keine ihrer Entdeckungen vergehen wird.
     Sie begegnen jedem Tag als einer neuen Möglichkeit. Sie lieben den Sieg, und sie vermögen der Unwissenheit zu widerstehen.
     Woher kommt bei diesen Tatmenschen die Bereitschaft zu unaufhörlicher Arbeit? Die Liebe ist dabei ein machtvoller Beweger. Die Liebe ist ein Magnet und das Prinzip des Erfolges. Die Liebe zur Zukunft ist der mächtigste Beweger und bewahrt den Tatmenschen vor schläfriger Trägheit. Die Liebe verleiht das Verstehen der Überirdischen Welt.
     Die Menschen sprechen oft von Begegnungen mit Nahestehenden in der Überirdischen Welt. Zwar lieben sie die Zukunft nicht als einen feurigen Sieg, doch ist es gut, daß sie um ihrer Nächsten willen über die Überirdische Welt nachdenken. Doch wie herrlich kann der überirdische Weg eines Tatmenschen sein, der in die Zukunft strebt! Er wird keine Stunde versäumen, um nach der Lösung eines Problems zu suchen, das ihn im irdischen Leben in Anspruch nimmt, und er wird die Höheren Führer finden.

[Russisches Original. Seite 753.]


     Der Denker sprach zu den Kindern: "Liebt die Zukunft, die Flügel dafür werden euch wachsen."

     862. Urusvati weiß, welches das Wesen der Liebe zur Natur ist. Der Agni Yogi liebt die Natur. In den kleinsten bis zu ihren größten Offenbarungen erblickt er die Schönheit. Er spürt die Erhabenheit, die den Raum sättigt. Der Yogi erkennt, daß die Natur für ihn das Fenster zu den fernen Welten und die Tür zur Überirdischen Welt ist.
     Es ist unerläßlich, den Menschen wiederholt von der Bedeutung der Natur zu sprechen, da viele die Natur überhaupt nicht zu beobachten vermögen und ihre Bedeutung im Leben nicht sehen. So muß man in den Kindern die Neigung zur Natur und besonders zum Himmel beobachten.
     Man kann zwei gegensätzliche Menschentypen erkennen, und jeder Lehrer sollte jenen Kindern helfen, in denen das Feuer brennt, welches zu den fernen Welten führt. Eine solche Fähigkeit weist auf wertvolle Aufspeicherungen aus früheren Leben hin. Von solchen Kindern wird man erwarten dürfen, daß sie später für das Gemeinwohl arbeiten werden. Dieser Begriff entflammt durch die Begeisterung angesichts der Erhabenheit des Weltalls. Oftmals jedoch mißachten die Erwachsenen die wertvollsten Charakterzüge der Kleinen. Urusvati erinnert sich, daß eine schöne Vision, die sie erfuhr, verlacht wurde. So erscheinen viele bemerkenswerte Zeichen höherer Energien den Unwissenden als leere Fieberphantasien. Es ist seit langem an der Zeit, daß wahre Gelehrte den Kleinen, deren Augen und Ohren geöffnet sind, zu Hilfe kommen.
     Der Denker sprach: "Liebt die Natur, sie wird euch den Aufstieg lehren."

     863. Urusvati weiß, welches das Wesen des Annehmens ist. Ich habe bereits auf die Aufnahmefähigkeit, die Duldsamkeit und das Verstehen hingewiesen, doch sollten solche Eigenschaften durch die Fähigkeit des Annehmens gekrönt werden. Synthese vermag sich nur auf dem Boden des Annehmens zu entwickeln. Was aber ist Annehmen? Bei der Erweiterung des Bewußtseins muß sich auch ein Annehmen des Erkannten einstellen. Es wird wie von selbst kommen und unverrückbar sein. Mit einem solchen Vorrat versehen wird der Wanderer die Überirdische Welt lichtstrahlend betreten. Lichtstrahlend deshalb, da sich sein inneres Licht verstärken wird.
     Ebenso wird ein vorsorglicher Wanderer in der Mehrzahl der Fälle ein feinfühliges Bewußtsein wahren und daher keiner Erholung in Untätigkeit bedürfen. Gewiß können Krankheitsfälle eintreten, bei denen eine besondere Erholung notwendig ist, doch in einer solchen Situation wird der Schatz des Annehmens die Frist äußerer Untätigkeit verkürzen. Der lichtvolle Tatmensch strebt in die Zukunft, und auf allen

[Russisches Original. Seite 754.]


Wegen denkt er über schöpferisches Tun nach. Der Magnet seines Herzens wird die Anziehung zum Kosmischen Magneten finden und sie auf das Gedankenschaffen richten.
     "Herrlich ist die Errungenschaft des Gedankenschaffens", so sprach der Denker.

     864. Urusvati weiß, welches das Wesen des Mitleids ist. Maitreya, der Herrscher des Mitleids, hat die Zukunft mit diesem allmenschlichen Gefühl geprägt. Die Verwirrung der Welt ist groß!
     Viele Ärzte sind erforderlich, um die Menschheit zu heilen. Gemeinsam mit den körperlichen Epidemien nehmen psychische Epidemien zu. Das Mitleid vermag die Ärzte für den unaufschiebbaren Kampf zu rüsten.
     Neben dem Mitleid gibt es einige verwandte Gefühle, doch ist das Mitleid dasjenige unter ihnen, welches völlig frei von Egoismus ist. Selbst das Bedauern kann von Hochmut geprägt sein; selbst Barmherzigkeit braucht nicht ganz frei von Selbstsucht zu sein, doch Mitleid geht zum Kranken und nimmt die ganze Schwere des Schmerzes auf sich. Es erforscht die Ursache des Schmerzes und vermittelt psychische Energie, die eine aus dem Gleichgewicht geratene psychische Verfassung wieder der Gesundung zuführt.
     Natürlich muß man die psychischen Seuchen in ihrer breiten Bedeutung verstehen. Die Menschen geraten in Verwirrung und machen sich in diesem Zustand selber hilflos. Vieler guter Kräfte bedarf es, um zu helfen, ohne zu kränken und Hoffnung in einfachsten, verständlichen Worten zu erwecken. Der Kranke ist in der Regel ein Egoist, und man darf ihm nicht zu verstehen geben, man habe seine Untugend erkannt. Wahrlich, Mitleid ist das sanfteste, verständnisvollste Gefühl. Vergessen wir nicht, wie hilfreich feine Gefühle in der Überirdischen Welt sind. Sie offenbaren den Magneten des Herzens, und in dieser Macht ist der Mensch unbesiegbar.
     Der Denker bestätigte: "Mitleid ist der Siegeskranz der Zukunft."

     865. Urusvati weiß, welches das Wesen augenblicklicher Erleuchtung ist. Vor langem wurde gesagt: "In einem einzigen Seufzer versetzen wir uns in die Überirdische Welt." Ein einfacher Rat, doch um ihn herum haben sich viele Mißverständnisse angehäuft.
     Nach einer ausgiebigen Mahlzeit seufzen die Menschen, ohne sich jedoch irgendwohin zu versetzen. Ebenso seufzen sie bei alltäglichem Mißgeschick, ohne sich aber in die Überirdische Welt zu versetzen. Der Mensch seufzt im Zorn und in Gereiztheit, versenkt sich jedoch nur noch tiefer ins Irdische.

[Russisches Original. Seite 755.]


     Nur sehr wenige verstehen, daß Erleuchtung viele Bedingungen erfordert. Nötig ist vor allem Stille des Herzens, doch ist diese Ruhe nicht leicht erreichbar. Ebenso schwer zu verstehen ist, daß der Chemismus der Erleuchtung überaus kompliziert ist, wenn von außen und innen die Verbindung mit dem Höchsten bestätigt wird.
     Der Mensch ist nicht fähig, mit dem Verstand zu erkennen, wann und warum eine solche gute Verbindung entstehen wird. Der Verstand ist hier ein schlechter Ratgeber! Statt Hilfe zu leisten, kann er in einen Irrtum führen. Allein das Herz vermag die heilige Stille zu erfühlen, und in einer solchen Bestrebung entsteht wahres Gefühlswissen.
     Solch ein hochstehendes Empfindungsvermögen kann bei erfahrenen Menschen das ganze Leben erfüllen, ohne daß sie dadurch von ihrer Arbeit abgingen. Die höchste Qualität wird die Arbeit eines solchen erleuchteten Tatmenschen erfüllen. Herrliche Erleuchtung steigt zum Herzen herab, und der Mensch wandelt das Leben in ununterbrochener Heldentat um.
     Der Denker gebot: "Haltet den Eingang rein, damit der Bote eintreten kann."

     866. Urusvati weiß, welches das Wesen der Verleumdungssucht und des von ihr verursachten Schadens ist. Es ist höchste Zeit, der Trennung von Ethik und Biologie ein Ende zu setzen. Es ist seit langem an der Zeit, die uranfängliche Energie zu erkennen. Es ist an der Zeit, die Bedeutung der Emanation und Abstrahlungen zu verstehen. Doch trotz der ganzen Offensichtlichkeit versucht die Menschheit, die einfachsten Gesetzmäßigkeiten der Natur zu verneinen.
     Der Mensch hat viele Male von dem schädlichen Chemismus gehört, den Bosheit und Verleumdungssucht verursachen, und dennoch ist die Welt mit Bosheit angefüllt. Niemand will erkennen, daß eine solche böse Kraft Epidemien vielfacher Entartung und anderes Elend erzeugen kann.
     Es ist an der Zeit, die Wirklichkeit mit dem Auge eines wahren Gelehrten anzusehen. Es ist an der Zeit, in den Schulen von dem verderblichen Schaden der Verleumdungssucht zu sprechen, doch die Welt ist an Lehrern verarmt, und es ist niemand da, der die Kleinen vor der Verleumdungssucht und ihren Folgen warnt. Auch zu Hause hören sie viele böse Schimpfworte. Doch der Lehrer muß vom medizinischen Gesichtspunkt auf den nicht wieder gutzumachenden Schaden der Bosheit hinweisen.
     Nicht allein Trunksucht und Narkotika zerstören den Organismus, sondern auch Bosheit öffnet die Tür für alle möglichen Infektionen in nicht geringerem Maße. Ein böser Mensch wird

[Russisches Original. Seite 756.]


durch all die verderblichen Einflüsse geschwächt. Nicht die Überirdische Welt umgibt ihn dann, sondern Finsternis. Es ist an der Zeit zu verstehen, daß das Böse eine zersetzende Kraft darstellt, denn im Bösen wird keine gesunde Nachkommenschaft geboren.
     Der Denker ging auf den Marktplatz und warnte: "Eilt, euch von den Ketten der Bosheit zu befreien." Die Dummköpfe lachten über Ihn.

     867. Urusvati weiß, welches das Wesen der Autosuggestion ist. Viele schätzen sie gering ein und verachten sie gar, doch wird eine richtig geübte Autosuggestion auf den irdischen wie überirdischen Wegen eine sichere Stütze sein.
     Der Mensch sollte verstehen, daß die Autosuggestion zum Guten und zum Gemeinwohl überirdische Hilfe herbeiruft. Sieg wird eintreten, wenn der Mensch sich selbst befahl zu siegen. Durch solch einen selbstbefohlenen Sieg wird der Weg verkürzt. Gleichfalls muß man wissen, daß der Mensch mit dem guten Befehl eine Schwingung schafft, die ihn mit den Höheren Kräften vereint. Doch auch solche einfachen Überlegungen sollten dem Bewußtsein mit allem Nachdruck eingeprägt werden.
     Der Mensch hat von der besten Gabe, dem freien Willen, eine nur verschwommene Vorstellung. Er weiß nicht, welche Verantwortung ihm dieses Vorrecht auferlegt. Wie soll er über den freien Willen verfügen, wenn er die Macht der Autosuggestion nicht versteht? Vor langem wurde gesagt, daß der Mensch sich vor allem selbst besiegen muß, doch was für ein Sieg wird dies sein, wenn der Mensch nicht in der Lage ist, vom Willen zum Guten erfüllt zu sein? Laßt uns daher daran denken, daß die Autosuggestion ein wissenschaftlicher Begriff ist. Jeder vermag in jedem beliebigen Zustand Autosuggestion in sich zu entwickeln, und die Bewohner der Überirdischen Welt werden jubeln, wenn sie eine solche Möglichkeit der Zusammenarbeit erblicken.
     Der Denker sprach: "Freund, zünde deine Öllampe an. Auf das Licht hin werden auch die erwünschten Gäste kommen."

     868. Urusvati weiß, welches das Wesen des psychischen Lebens ist. Selbst Unwissende und stumpfsinnige Dickköpfe können die Existenz der psychischen Welt nicht leugnen, versuchen sie jedoch unter absurden Bezeichnungen zu verbergen. Selbstverständlich darf man nicht erwarten, daß solche Zweibeiner die große Bedeutung des psychischen Lebens erkennen würden. Selbst entwickeltere

[Russisches Original. Seite 757.]


Menschen sind nicht in der Lage, das psychische Leben in seiner ganzen Bedeutung zur Geltung kommen zu lassen.
     Man muß die Menschheit mit allem Nachdruck darauf hinweisen, daß die Evolution die Tätigkeit des psychischen Lebens verstärkt und vermehrt. Die Menschen müssen lernen, die Schwingungen der damit verbundenen höheren Energien wahrzunehmen.
     Der Mensch weiß, daß die psychische Energie ihn vor Krankheit, Zweifel und Schwermut bewahren kann. Neben der Abwehr dieser mächtigen Feinde vermag die psychische Energie jedoch die gesamte Existenz umzuwandeln. Darüber hinaus führt die psychische Energie den Menschen in die Überirdische Welt. Wenn sich das Bewußtsein erneuert, ist es möglich, den Einfluß der psychischen Energie auf sämtliche Einzelerscheinungen des Lebens zu erkennen, doch dazu muß man dieses grundlegende Prinzip verehren.
     Der Mensch befaßt sich allzu sehr mit den mechanischen Aspekten des Lebens und beraubt sich dadurch selbst der Augenblicke der Erleuchtung. Er wäre zwar in der Lage, wenigstens eine Minute zu finden, um sich gedanklich auf eine höhere Tonart einzustellen, doch dazu müßte ihm die Bedeutung des psychischen Lebens klar bewußt sein. Erneut raten Wir den Schullehrern, auf die Schönheit des psychischen Lebens hinzuweisen. Sind es aber viele Lehrer, die selbst die Bedeutung des psychischen Lebens erkennen? Möge die Menschheit den Lehrern die Existenzbedingungen erleichtern, damit sie ihr das Wesen des psychischen Lebens erklären können. Jetzt befindet die Welt sich in derartiger Verwirrung, daß es unerläßlich ist, mit Nachdruck vom Prinzip des psychischen Lebens zu sprechen.
     Der Denker bestätigte: "Die psychische Welt klopft an die Tür. Eilt, sie zu öffnen."

     869. Urusvati weiß, welches das Wesen des Denkens ist. Ihr habt bereits von der Kunst des Denkens, von Bewußtseinserweiterung und dem gedanklichen Befehl gehört, doch nun muß auf die grundlegende Eigenschaft des Gedankens hingewiesen werden. Das Denken stellt eine Verschärfung der psychischen Energie dar. Das Denken sammelt die psychische Energie an und lenkt sie in den Raum. Je stärker diese Sendung ist, desto mächtiger wird auch ihre Begegnung mit dem Strom der uranfänglichen Energie sein.
     Auf solche Weise wird der Mensch zu einem ständigen Lenker machtvollster Energie. Hierbei kann man die Entladung von Gedankenenergien mit solchen physikalischer Ströme vergleichen. Je kürzer die Sendung ist, desto stärker wird die Entladung sein. Wir raten daher, in aller Kürze

[Russisches Original. Seite 758.]


zu denken, um so eine ganze Aufeinanderfolge wiederholter Entladungen zu schaffen. Solche Wiederholungen werden besonders machtvoll sein, doch muß man sich erst zur Kürze der Äußerung erziehen. Manche Menschen können in langen Zeitperioden denken, doch am Ende kommt nur ein stehendes Gewässer statt eines reißenden Stromes heraus.
     Man muß daran denken, daß die Energie des Gedankens feurige Energie ist, weshalb der Vergleich mit einer Entladung durchaus angebracht ist. Ebenfalls muß man wissen, daß selbst die gewöhnlichsten Gedankensendungen kurz sein sollten. Für den Erfolg einer Gedankensendung ist es wichtig, daß sie möglichst kurz ist.
     In der Überirdischen Welt wird die Kürze und Feinheit des Gedankens ein guter Leiter sein. Wenn man den besten Weg sucht, darf man nicht mit zusammenhangslosem Gemurmel beginnen. Schon die Kinder sollten die Bedeutung der Kürze und Feinheit in Worten und Gedanken verstehen lernen.
     Der Denker bestätigte: "Mögen die Entladungen der Gedanken in einen großen Sturm von Wirbeln münden."

     870. Urusvati weiß, welches das Wesen unbegrenzter Anschauungen ist. Der Yogi verfügt über Anschauungen, die durch nichts eingegrenzt werden können. Ein Mensch, der sich in einen Keller von Verneinungen einschließt, kann kein Yogi sein. Es wurde gesagt, die Natur des Yogi bilde sich ständig im Verlauf vieler Verkörperungen aus, doch daraus darf man nicht den Schluß ziehen, der Mensch müsse nicht in jeder neuen Verkörperung nach Möglichkeiten des Aufstiegs suchen.
     Jeder Tatmensch sollte verstehen, daß er in der Überirdischen Welt auf eine Vielzahl neuer Bedingungen treffen und ihm nur die Weite seiner Anschauungen helfen wird, alles Umgebende betrachtend zu erkennen. Selbst in Gegensätzlichkeiten wird er die Ursache ihres Entstehens erkennen und, statt in Verneinung zu verfallen, seine Aufspeicherungen bereichern.
     Für den Yogi ist die Begegnung mit Hindernissen nur Aufgabe, um einen großen Sieg zu erringen. Selten jedoch stimmt der Mensch dem zu, daß Hindernisse für ihn zum echten Wohl beitragen können. Möge die Jugend zu verstehen beginnen, daß unbegrenzte Anschauungen die besten Flügel darstellen.
     Man könnte viele Beispiele dafür anführen, daß die unterschiedlichsten Tatmenschen dank der Weite ihrer Anschauungen Siege errangen. Selbst wenn sie auf scheinbar

[Russisches Original. Seite 759.]


unlösbare Aufgaben trafen, bahnten sie sich mit unbegrenzter Anschauungsweise den Weg. So kann man bestätigen, daß die Weite der Anschauungen der Schild des Yogi ist.
     Der Denker gebot: "Freunde, lernt es, weiter als das Weite zu denken."

     871. Urusvati weiß, welches das Wesen der Fortdauer der Lebenskette ist. Die meisten Menschen fürchten diese natürliche Eigenschaft des Lebens. Sie erdenken sich viele Vorstellungen, um die gewünschten Unterbrechungen des Daseins zu finden. Die einen gehen davon aus, daß schon der Schlaf eine solche Unterbrechung sei, vergessen aber, daß er eine Erneuerung des Rhythmus und eine Berührung mit den Höheren Kräften darstellt. Andere gehen sogar noch weiter, in der Hoffnung, daß der sogenannte Tod das Leben beende. Sie wollen nicht verstehen, daß das Verlassen des irdischen Zustandes nur einige Veränderungen des menschlichen Wesens mit sich bringt.
     Die ununterbrochene Lebenskette ist ein Ausdruck der Schönheit des Weltalls. So wird Anspannung verständlich. Man kann ein neues Gewand anlegen, doch das Korn des Geistes lebt ununterbrochen fort. Doch es lebt nicht nur, sondern erwidert die Anziehung des kosmischen Magneten.
     Befindet die Menschheit sich etwa in einem derart niederen Zustand, daß sie das schönste Gesetz des Aufstieges nicht erkennt? Laßt uns also hoffen, der Mensch würde das Gesetz des Weltalls aufnehmen. Möge er der harmonischen Stimme der Natur lauschen. Möge er wenigstens die Möglichkeit überirdischen Lebens zugestehen, so werden Wir einen Berührungspunkt finden, von dem aus Wir das menschliche Bewußtsein zur Gesundung führen können.
     Der Denker sprach: "Erkennt, daß das Leben ununterbrochen fortdauert. Diese Erkenntnis wird euch zum Tor der Ewigkeit führen."

     872. Urusvati weiß, welches das Wesen der Wirkungen ist. Der Mensch erfährt beständig die Folgen vieler Einwirkungen. Von astrochemischen Strahlen und kosmischen Strömen bis zu den Strömen menschlichen Denkens vermag alles das Bewußtsein zu erheben oder niederzudrücken.
     Man wird fragen: "Wie kann denn der freie Wille tätig werden, wenn der Mensch durch solche unterschiedlichen Einwirkungen unterjocht ist?" Auf solche Fragen werdet ihr oft antworten müssen: "Der freie Wille entscheidet über die Hauptrichtung der menschlichen Tätigkeit. Wenn der Wille das menschliche Tun zum Guten, zum Gemeinwohl hin lenkt,

[Russisches Original. Seite 760.]


vermag der Mensch einen solch starken Magneten zu entwickeln, daß die mächtigsten Einflüsse ihm zu Helfern werden."
     Wahrlich, das Herz, welches Selbstaufopferung erkannt hat, vermag ein herrliches Blumenbeet von Wirkungen um sich herum zu sammeln. Auf diese Weise wird die Chemie erneut mit der Ethik verbunden.
     Besonders jetzt läßt sich eine Vergiftung durch ein Übermaß an Elektrizität und sogenannten Radiowellen feststellen. Man kann viele Beispiele dafür anführen, daß wissenschaftliche Entdeckungen sich für die Menschheit als Gift erweisen, nicht allein als physisches, sondern auch als psychisches Gift. Es ist an der Zeit, über die Überirdische Welt nachzudenken und über die Bedeutung der psychischen Energie. Werden wir nicht müde, immer wieder von diesen Grundlagen des Daseins zu sprechen. Der Mensch hat sie vergessen oder bis zur schadenbringenden Unkenntlichkeit entstellt. In solchen Fragen, die oftmals das Schicksal des Planeten entscheiden, darf kein Leichtsinn bekundet werden.
     Der Denker sprach: "Laßt uns gute Wirkungen als treue Gefährten rufen."

     873. Urusvati weiß, welches das Wesen der Erneuerung ist. Kaum jemand vermag sich an der Erneuerung des Bewußtseins zu erfreuen. Die meisten Menschen fürchten bereits die kleinste Andeutung von Erneuerung.
     Versucht, einem Menschen zu erklären, sein Bewußtsein sei baufällig und bedürfe der Erneuerung. Ihr werdet damit eine Feindseligkeit des Gesprächspartners nur noch verstärken. Es macht gar nichts, daß er selbst wiederholt von der Bewegung alles Existierenden und von der ständigen Entwicklung der Grundlagen spricht, er wird dennoch über das Wort "Erneuerung" erschrecken, geradezu als ob es ihm den Boden unter seinen Füßen wegzöge. So stellt sich die Erneuerung gleichsam als Prüfstein dar, an dem man erkennen kann, ob ein Mensch fähig ist, sich zu vervollkommnen.
     Ebenso erforschen läßt sich damit, ob das Bewußtsein für die Überirdische Welt geöffnet ist. Ein zur Erkenntnis der Überirdischen Welt fähiger Mensch wird ein Freund der Erneuerung sein. Eine Reinigung der Grundlagen ist bei jeder Weltanschauung notwendig. Man darf nicht meinen, etwas sei unbeweglich, denn alles ist in Bewegung und entwickelt sich. Nur in dieser Überzeugung vermag man freudig in die Überirdische Welt einzutreten. Nur so kann man voranschreiten und das Bewußtsein erneuern.
     Der Denker sprach: "Stellen wir uns vor, wie erfolgreich die Welten sich entwickeln würden, wenn der Mensch die Freude der Erneuerung in sich zuließe."

[Russisches Original. Seite 761.]


     874. Urusvati weiß, welches das Wesen der Bereitschaft ist. Der Yogi entflammt in Bereitschaft zum Schaffen im Guten. Unter jeglichen Lebensbedingungen muß man bereit sein, im Guten zu schaffen. Wenn es nicht möglich ist, eine Heldentat im Physischen zu vollbringen, so ist eine gedankliche Heldentat immer möglich.
     Sicher wird man euch fragen: "Welche Bedeutung soll denn eine gedankliche Heldentat haben?" Antwortet: "In der Überirdischen Welt sind alle Heldentaten gedanklicher Natur, und somit haben gedankliche Heldentaten auch im irdischen Leben ihre Bedeutung. Möge die volle Bereitschaft zur Heldentat in den Gedanken geboren werden, so wird sie bei der geringsten Möglichkeit auch in Erscheinung treten können."
     Wir schätzen daher einen Menschen, der zur Heldentat bereit ist, hoch ein. Man kann bestätigen, daß ein solch flammendes Bewußtsein dem rettenden Feuer eines Leuchtturmes gleicht. Wie weit leuchtet ein solches Feuer der Bereitschaft! Es besitzt heilsame Eigenschaften und hilft verirrten Wanderern in weitreichender Weise. So laßt uns fest daran denken, daß die Bereitschaft zur Heldentat bereits ein Teil dieser selbst ist. Kann Heldentat sich denn ohne gedankliche Bereitschaft vollziehen? Für den Sieg muß man sich eine sichere Rüstung schaffen, und so möge die hochherzige Bereitschaft zur Heldentat Tag und Nacht brennen.
     Der Denker riet: "Seid bereit zur Heldentat!"

     875. Urusvati weiß, welches das Wesen der Selbstverteidigung ist. Es wurde gesagt: "Seid wie eine Insel der Verteidigung und steigt dazu auf einen hohen Felsen. Mögen überirdische Wirbel euch umwehen und den Staub des Weges hinwegfegen."
     Wenn der Staub des Zweifels verfliegt, werdet ihr die Kraft spüren, allen Feinden zu widerstehen, und ihr werdet dann nicht einsam sein. Ein überirdischer Hauch wird euch stärken und Unser Schild euch bedecken. Doch die machtvolle Hilfe wird erst in dem Moment höchster Selbstverteidigung herabkommen. So nennen Wir die Selbstverteidigung - einen Ruf!
     Man muß nicht hartnäckig flehentliche Bitten aussenden, denn Wir sind nicht taub, und die Anspannung der Selbstverteidigung ist bereits der beste Ruf. Es ist unerläßlich, wiederholt von der Bedeutung der Selbstverteidigung zu sprechen. Die Menschen haben vergessen, daß die Macht des Atoms in ihnen selbst enthalten ist. Möge sie sich

[Russisches Original. Seite 762.]


gegen jegliches Böse entzünden. Sie wird in der Erkenntnis, wo das Böse sich befindet, nicht fehl gehen, da sie nicht für sich persönlich, sondern für das Gemeinwohl tätig ist.
     Der Denker gebot: "Spannt euch in der Selbstverteidigung bis zur äußersten Grenze an."

     876. Urusvati weiß, welches das Wesen der Selbstbestätigung ist. Einige verstehen den Unterschied zwischen Eigendünkel und Selbstbestätigung nicht und sind erstaunt, in den Reden großer Lehrer die Zeichen von Selbstbestätigung zu bemerken. Solche Menschen gestehen nicht zu, daß Eigendünkel von niedriger Selbstsucht herrührt, Selbstbestätigung dagegen von Selbstaufopferung erfüllt ist.
     Wahrhaftig, die großen Lehrer ließen Selbstbestätigung zur Bestätigung der Wahrheit zu, die von Ihnen in die Welt getragen wurde. Solch eine selbstaufopfernde Bestätigung kann man als Heldentat bezeichnen. Sie beweist, daß der Lehrer die ganze Verantwortung auf Sich nahm, und so konnte Er sogar das "Ich" anstelle des üblichen "Wir" gebrauchen. So läßt sich auch in der Überirdischen Welt eine solche Selbstbestätigung sehen, wenn sie schwache Bewußtseine zu kräftigen vermag.
     Ein unbeugsamer Befehl ist einem rettenden Pfeil gleich. Der Mensch bedarf besonders des unausweichlichen Befehls. Allein der freie Wille eingeben, wann die Stunde der Selbstbestätigung eingetreten ist, und dann bestätigt der Lehrer die Wahrheit mit dem Siegel des Befehls. So mögen die Menschen verstehen, wo die Grenze des ihnen gesandten Segens liegt.
     Der Denker gebot feierlich: "Wenn du einen dir anvertrauten Schatz trägst, so trage ihn in ganzer Selbstbestätigung."

     877. Urusvati weiß, welches das Wesen der Selbsterkenntnis ist. Die alte Wahrheit "Erkenne dich selbst!" wurde durch schwache, träge Geister entstellt. Sie eilten, sie als etwas Übermenschliches und Unerreichbares zu erklären, während eine solche Selbsterforschung immer und unter allen Bedingungen möglich ist.
     Prüft euch selbst und erkennt, was noch tiefer in eurem Bewußtsein liegt. Wenn noch Schwermut und Gekränktheit in euch leben und das Herz betrüben, so müßt ihr solche Schädlinge bewußt austreiben. Ihr werdet wissen, daß sie die Ursache

[Russisches Original. Seite 763.]


vieler Erkrankungen darstellen und den geistigen Fortschritt unterbinden. Wenn ihr diese einfache Erklärung versteht, wird euch die Vernunft eingeben, daß es nicht nützlich ist, giftige Einflüsse noch weiterhin wirken zu lassen. Auf demselben Wege befragt euch auch über andere schändliche Schädlinge und ruft den freien Willen herbei, die irdischen und überirdischen Feinde auszutreiben. Wenn ihr bei der Selbstprüfung jedoch spürt, daß euch eine selbstaufopfernde Heldentat naheliegt, so werdet ihr verstehen, daß ihr durch dieses Tor zu lichtvollen Siegen gelangen werdet. So betrachtet eure Eigenschaften, und das Herz wird euch nicht trügen.
     Der Denker sprach: "Möge Selbsterkenntnis dein Festtag sein!"

     878. Urusvati weiß, welches das Wesen der Selbstbeurteilung ist. Den einen bedeutet sie ein Mühlstein am Halse, für andere ist sie ein Tor zu neuem Fortschreiten. Laßt es uns nicht den von der Last ihres Mühlsteines gebeugten Sklaven nachtun. Sie erschweren sich nur ihren Weg in die Überirdische Welt.
     Man darf sich nicht allzuviel nach hinten umwenden, denn so kann man unversehens auf einen steinigen Pfad geraten. Nur nach vorn, unermüdlich nach vorn! Möge jeder Fehler zur Errungenschaft eines neuen Sieges werden.
     Laßt uns den hohen Begriff der Demut nicht verzerren. Demut sollte vor der Erhabenheit der kosmischen Gesetze, vor der Erkenntnis der Höheren Welt, vor der Inspiration schöpferischen Feuers herrschen, doch auf der Leiter der Errungenschaften laßt uns kühn emporsteigen. Geistigem Wagemut vermag nichts Einhalt zu gebieten. Möge auch die Wissenschaft bestätigen, wie unerläßlich die Schwingungen des aufsteigenden Geistes sind. Möge das Bewußtsein dem Menschen aus seinem tiefen Inneren heraus eingeben, daß ihm der Weg des Sieges geboten ist.
     Der Denker sprach: "Geht nicht den langen Weg der Bedrückungen, sondern nehmt die Öllampe der Hoffnungen mit."

     879. Urusvati weiß, welches das Wesen des Selbstschutzes ist. So nennen Wir den Rhythmus, der ein schwingendes, schützendes Netz schafft. Man möge nicht denken, ein solches Netz komme von außen. Es muß durch den Menschen selbst geschaffen werden. Der freie Wille muß den Menschen zur Erkenntnis führen, wie unerläßlich Schutz ist.
     Der Schütze muß den Pfeil selbst abschießen, doch dessen Flug gelenkt werden, wenn die überirdische Verbindung stark ist. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß die höhere Hilfe

[Russisches Original. Seite 764.]


einem freiwilligen Entschluß hinzugefügt werden kann; nur so kann sich Zusammenarbeit bilden, und in der Überirdischen Welt herrscht dasselbe Gesetz. Um so stärker muß der Wunsch sein, ein feinfühliges Bewußtsein von Zusammenarbeit zu wahren, und die Hilfe wird nicht auf sich warten lassen.
     So muß man unter allen Lebensbedingungen lernen, sich selbst zu schützen, da der Selbstschutz gegenüber feindlichen Angriffen notwendig ist. Unser Schild wird in Bereitschaft stehen, alle Pfeile aufzufangen. Es ist keine Übertreibung, an die Schlacht zu gemahnen. Möge sie der Vorhof zum Siege sein.
     Der Denker sprach: "Ich vergesse den Selbstschutz nicht, da er meine Bereitschaft zum Kampf bekräftigt."

     880. Urusvati weiß, welches das Wesen der Selbstbeherrschung ist. Denkt über diesen Begriff nach. Er bezeichnet eine harmonische Zusammenarbeit der psychischen Zentren. Ihr wißt, wie schädlich Unordnung ist, und um so verderblicher ist sie im psychischen Bereich. Es ist an der Zeit, daß der Mensch die Existenz der ihm innewohnenden psychischen Energie und ihrer Macht ganz klar erkennt.
     Oft wird von psychischer Energie gesprochen, doch selten erkennt man ihre Gegenwart. Ebenso selten wird verstanden, wie notwendig die psychische Energie in der Überirdischen Welt ist. Der Weg zur Erkenntnis ist kein fester Besitz des Menschen, sondern er muß seinen psychischen Zentren selbst befehlen, ihre Tätigkeit zu schärfen. Mögen die Folgen eines solchen Befehls auch nicht sofort zutage treten, doch wie der Puls auf das Leben des Herzens verweist, so weisen auch die Impulse des freien Willens auf die Tätigkeit der Zentren hin. So wird in ununterbrochener Aufeinanderfolge von Willensimpulsen die Harmonie der Zentren geschaffen.
     Der Denker sprach: "Freunde, arme Freunde, beherrscht eure Schätze!"

     881. Urusvati weiß, welches das Wesen der Selbstbestrebung ist. Die gesamte Menschheit teilt sich in Bestrebte und ziellos Herumtreibende. Warum nennen Wir die genannte Eigenschaft "Selbstbestrebung"? Dies deshalb, weil sie nicht von außen hervorgerufen werden kann. Sie muß im Menschen selbst geboren werden. Gewöhnlich vollzieht sich dieser Vorgang in der Überirdischen Welt, und die Keime dieses Vorgangs treiben dann während der Verkörperung aus.

[Russisches Original. Seite 765.]


     Gewiß läßt sich beobachten, daß sich Bestrebung zum Guten wie zum Bösen wenden kann. Der Mensch ist leider oft zum Bösen hin ausgerichtet, anders gesagt, zur Unwissenheit. Es muß von klein an daran erinnert werden, daß Unwissenheit das Böse darstellt. Diese alte Wahrheit haben die Menschen bis heute nicht angenommen.
     Der Unterricht in den Schulen vermittelt keine klare Vorstellung von ständigem Erkenntnisstreben. Nur selten vermag ein Lehrer die Freude des Erkenntnisstrebens in den Schülern zu entfachen. Begrenztes Wissen an Fakten, das nicht mit schöpferischem Denken vereint ist, stärkt das Streben nicht.
     Man könnte jede Bekundung schöpferischen Tuns als Magie bezeichnen. Ich bestätige, daß wahres Streben bereits schöpferisches Tun darstellt. Jede Lebensbedingung eröffnet eine Möglichkeit zu schöpferischem Tun. Wie herrlich ist die Fackel schöpferischen Tuns in der Unbegrenztheit für den Wanderer!
     Der Denker bestätigte: "Ich sammle die Samenkörner der Bestrebung, um einen herrlichen Garten zu schaffen."

     882. Urusvati weiß, welches das Wesen der Selbstüberzeugung ist. Vor langem wurde gesagt: "Besiege dich selbst", doch ebenso richtig wird es sein zu sagen: "Überzeuge dich selbst". Der Sieg trägt nicht selten die Möglichkeit eines Rückschlages oder des Eigenlobes mit sich, Selbstüberzeugung jedoch offenbart den Weg der Evolution.
     Nur wenige verstehen, wie hilfreich ein selbstüberzeugtes Bewußtsein in der Überirdischen Welt ist. Möge jeder auf seine Weise die Bedeutung der Selbstüberzeugung annehmen. Keineswegs schließt sie Höhere Führung aus. Im Gegenteil, der Mensch sollte sich von der Gegenwart der Großen Lehrer freiwillig durchdringen lassen. Man darf den Menschen unmöglich zwingen, den Lehrer anzunehmen, wenn der freie Wille unverletzt bleiben soll.
     Nur wenige stellen sich ihre Existenz in der Überirdischen Welt vor. Auch jene, die von der Überirdischen Welt gelesen haben, tragen nur selten das Wissen des Gelesenen in sich. Sie sind noch nicht einmal fähig, von einem zukünftigen Leben zu träumen. Ihr Vorstellungsvermögen erlaubt es ihnen nicht, sich einen würdigen Aufenthalt jenseits der irdischen Grenzen zu wünschen. Indessen könnten sich solche Träume, wenn sie stark wären, in der Überirdischen Welt in Realität verwandeln. Es ist der Gedanke, der dort schafft; möge er bereits im irdischen Leben

[Russisches Original. Seite 766.]


die Festung einer künftigen Heldentat erbauen.
     Wenn Schüler den Denker in Eile etwas fragen wollten, Er aber mit Lektüre oder gedanklichem Gespräch beschäftigt war, so sprach Er zu ihnen: "Ich rüste mich."

     883. Urusvati weiß, welches das Wesen der Selbstquälerei ist. Der Agni Yoga ist vor allem zur Feurigen Welt bestrebt und warnt daher vor jeglicher Quälerei, vor jeglicher Marterung. Die Harmonisierung der feurigen Zentren ist schmerzhaft und erfordert ein vorsichtiges Herangehen. Besonders wenn der Yoga sich inmitten irdischer Bedingungen vollzieht, wird jede Quälerei unerträglich.
     Wir haben hinreichend aufgezeigt, daß Quälerei ein Zeichen wilder Roheit ist, und die Menschen sollten sich dieser finsteren Bekundung schämen. Es ist an der Zeit zu erkennen, daß jeder verfeinerte Organismus durch Roheit Qualen erfährt. Der Agni Yoga ist auf die Zähmung der kleinsten Roheiten ausgerichtet. Die Menschheit kann sich nicht der Überwindung der Roheit brüsten, denn man kann sich vom Gegenteil überzeugen.
     Die letzte Phase des Kali Yuga kann blutig sein. Man kann sich vorstellen, wie sehr die Emanationen des Blutes sich verdichten! Sowohl die irdische als auch die Überirdische Welt bedürfen der Verfeinerung und Höherentwicklung der menschlichen Zentren. Laßt uns jenen Helden dankbar sein, die den Ruf zu selbstaufopfernder Heldentat überbringen.
     Als der Denker über die Grundlagen des irdischen Lebens befragt wurde, antwortete Er: "Möge der Mensch menschlich sein!"

     884. Urusvati weiß, welches das Wesen der Selbstvernichtung ist. Gewisse Zweibeiner, die sich auf die irdisch-körperliche Welt begrenzen, meinen, die Selbstvernichtung sei ein körperlicher Mord. Eine andere, weitaus schlimmere Form der Tötung, die psychische, vermögen sie sich nicht vorzustellen. Nur wenige haben verstanden, daß Selbstvernichtung vor allem in psychischem Mord besteht. In der Tat ist die Menschheit in einer überaus gefährlichen Situation begriffen.
     Die Menschen töten den Geist und berauben sich dadurch der psychischen Energie. Es ist nahezu unvorstellbar, wie krank die Menschheit ist, und diese Epidemie breitet sich über den gesamten

[Russisches Original. Seite 767.]


Planeten aus. Gegenden mit großer Bevölkerungsdichte sind von der Epidemie der Selbstvernichtung besonders betroffen. Die Menschheit denkt nicht darüber nach, in welcher Weise diese Epidemie in der Überirdischen Welt hervortreten wird.
     Die Religionen haben die Bedeutung der Ethik nicht begründen können; jetzt sind sie unfähig, eine Verbindung zur Wissenschaft zu finden. Die große Einheit ist durch eine erbärmliche Teilung ersetzt worden, doch ist jede Zersplitterung ein Zeichen von Kraftlosigkeit. Wohin denn soll sich die umherirrende Menschheit wenden? Sie bedarf vor allem des Arztes und des Lehrers. Diese vermögen sie vor der Gefahr zu warnen, die in der Tat groß ist!
     Der Denker sprach mit Bedauern: "Es ist entsetzlich, die Menge derjenigen ansehen zu müssen, die sich in Selbstvernichtung dahinschleppen."

     885. Urusvati weiß, welches das Wesen der Selbstheilung ist. "Freund, befiehl dir, gesund zu sein", so beendeten die Weisen Griechenlands mitunter ihre Briefe. Bereits im fernen Altertum wußten die Menschen, daß jeder Mensch allen ärztlichen Maßnahmen, der richtigen Ernährung, dem Magnetismus und Prana übergeordnet in seinem Inneren einen Heiler besitzt. Man muß nur wissen, wie man ihn ruft.
     Selbstheilung muß von Kindheit an entwickelt werden. Der Mensch darf nicht sofort, erst recht nicht, wenn er gerade erkrankt ist, ein Wunder erwarten, doch die notwendige Gesundung kann sich vollziehen, wenn der Mensch seine geistige Lyra wieder gestimmt hat.
     Vertraut darauf, daß der innere Arzt auf der Wacht steht. Unser Bewußtsein wird ihn rufen, wenn unser Geist gelernt hat, die dem Menschen verliehene Macht zu rufen. Doch muß man hierbei auch die Harmonie mit der Überirdischen Welt verstehen. Wahrlich, diese Saiten zwischen der irdischen und der Überirdischen Welt erklingen zu einem klaren, eindringlichen Ruf. Wer die Überirdische Welt erkannt hat, vermag auch im Namen des Wohls der Menschheit einen solch dringlichen Ruf ergehen zu lassen. Man braucht nicht zu glauben, Wir würden von irgendwelchen Giganten des Geistes sprechen; jedem ist sein Maß der Errungenschaft und der Gesundungskraft gegeben.
     Der Denker sprach: "Lernt es, den Heiler zu eurem Freund zu machen."

[Russisches Original. Seite 768.]


     886. Urusvati weiß, welches das Wesen der Selbstbelebung ist. Liebt das Leben in seiner ganzen Unendlichkeit, in seiner ganzen Unbegrenztheit. Die schlimmste Krankheit ist die Lebensmüdigkeit, denn in ihr erwachen die schlafenden Feinde des Menschen. Er stirbt an vielen Krankheiten, doch dieses Selbstverderbnis gleicht dem Selbstmord. Die Folgen der Lebensmüdigkeit zeigen sich in der Überirdischen Welt. Der Mensch beraubt sich der Eigentätigkeit. Er irrt sinnlos umher und verliert die Fähigkeit, sich zu vervollkommnen. Und ein solches Gebrechen ist schwer zu überwinden.
     Der Mensch vermag sich nicht vorzustellen, daß seine irdische Schwermut, Ängste, Selbstmitleid und boshafter Zorn großes Elend bewirken könnten! Er denkt, daß all seine kleinen Bekundungen der Unwissenheit spurlos vergingen. Doch hat jede Wirkung auch ihre Ursache, und der freie Wille könnte den Lebensmüden schützen, wenn er an die Fortdauer der Lebenskette dächte.
     Sind es viele, die sich diese grundlegende Wahrheit angeeignet haben? Leider denkt nur eine sehr kleine Minderheit an die Überirdische Welt. Die anderen sind unfähig, das irdische Leben zu lieben und zu hüten. Agni Yoga und Karma Yoga bestehen mit allem Nachdruck auf der Bekundung der Arbeit im irdischen Leben. Wie oft ist es wiederholt worden: "Liebt die Arbeit, und werdet so Mitarbeiter der höheren Energien."
     Der Denker sprach: "Freunde, liebt das irdische wie das überirdische Leben. Fürchtet die Feurige Welt nicht."

     887. Urusvati weiß, welches das Wesen der Selbsterhaltung ist. Sogar eine enge, materialistische Wissenschaft gesteht einen Instinkt der Selbsterhaltung zu. Beobachtungen an Tieren können überzeugende Beispiele geben. Der Spürsinn der Hunde erlaubt Beobachtungen über die Nähe einer unsichtbaren Welt. D