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ALH I, 5 – Standpunkt des höheren Selbst einnehmen

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ALH I, 5 – Standpunkt des höheren Selbst einnehmen

Beitragvon Tsong » Di 12. Okt 2010, 11:45

Laß die Sorgen des Alltags vom Sonnenlicht des höheren Selbstes überstrahlen, dann werden sie sich schnell in goldene Gelegenheiten wandeln. (Aus Lichter Höhe I, 5)

Schon oft haben wir darüber gesprochen, daß „Verwandlung“ der zentrale Begriff für die Praxis des Agni Yoga ist. Der alte Mensch soll sich in ein unsterbliches, geistiges Wesen verwandeln. Die alte soll in die Neue Welt umgewandelt werden.

Verwandlung des Menschen heißt praktisch: Immer und überall den Standpunkt des höheren Selbst, der Seele, des geistigen, ewigen Teils unseres Wesens einnehmen.

Angesichts der alltäglichen Sorgen will unser niederes, materielles Ich jammern, verzweifeln und aufgeben. Unser höheres Selbst dagegen begrüßt sie freudig als „goldene Gelegenheiten“ zu Bewährung und Aufstieg.

Angesichts von leckeren Speisen läuft unserem physischen Wesen das Wasser im Munde zusammen. Unser höheres Selbst dagegen hat keinen Bedarf an materiellem Essen und führt dem Körper Nahrung nur so weit zu, wie es nötig ist, um das Werkzeug zu erhalten – nicht mehr als eine lästige Notwendigkeit.

Unser animalisches Selbst gelüstet es nach allerlei Arten von physischen Freuden. Unser höheres Selbst dagegen hat tatsächlich überhaupt kein Vergnügen an ihnen und wendet sich lieber geistigen Freuden wie der Vereinigung mit der Höheren Welt (Meditation) zu.

Die Trägheit unseres Körpers lehnt sich gegen Disziplin auf. Unser höheres Selbst dagegen fordert Zeit und Raum im Tagesablauf ein, um sein eigenes Leben führen zu können.

Unser niederes Ich verfällt angesichts der Unvollkommenheit der Welt und der Mitmenschen leicht in Gereiztheit, Zorn oder Aggressivität. Unser höheres Selbst dagegen ist bestrebt, Seelen mit unentwickeltem Bewußtsein mitleidig emporzuhelfen.

Im Laufe eines jeden Tages sind wir ständig gezwungen, Stellung zu beziehen, in irgendeiner Weise auf das zu reagieren, was auf uns zukommt. Die Verwandlung, um die es dem Agni Yoga geht, gelingt, wenn wir mehr und mehr vom höheren Standpunkt der unsterblichen Seele aus in das Geschehen auf dem physischen Plan eingreifen.

Möge unser Mantram lauten: „Ich offenbare nur das Göttliche.“
Tsong
 
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Re: ALH I, 5 – Standpunkt des höheren Selbst einnehmen

Beitragvon stefu » Mi 13. Okt 2010, 21:47

Lieber Tsong, hallo zusammen!

Danke für diesen für mich (seit langer Zeit) aktuell wichtigen Beitrag von Dir.

Ich möchte hier eine Frage anknüpfen, die vielleicht auch der ein oder andere schon im Kopf hatte und die für mich persönlich sehr wichtig ist.

Mein höheres Selbst ist höher als mein physisches Wesen. Es steht ferner höher als mein animalisches Ich mit seinem Verlangen. Und dennoch kann das Höhere sich nur so schwer über das Niedere erheben.

Mir ist bewusst, dass die Frage keine Antwort ergeben wird, die eine leichte Verwandlung vom niederen Selbst zum höheren Selbst ermöglicht. Doch irgendwie suche ich noch nach einem Weg, der zumindest das höhere Selbst stärkt.

Letztlich erinnere ich mich an Situationen, in denen ich mir bewusstwerde, dass mein nachfolgendes Verhalten falsch sein wird. Ich erinnere mich vor diesen Handlungen sogar an diverse Paragraphen aus der Lehre. Sogar an die Verbindung mit der Hellen Hierarchie. Und dennoch siegt dann recht häufig mein niederes Selbst.
Das frustriert natürlich, denn – wie geschrieben – ich weiß ja vorher, dass das, was ich machen werde, nicht richtig ist. Und dennoch lasse ich die niederen Instinkte, Triebe und Schwächen – teilweise bewusst – gewinnen.

Der Gewinn an Lust, Freude, Geschmack oder was auch immer dabei an „Gewinn“ aussteht, steht in keinem Verhältnis zum anschließenden Frust des „warum habe ich nur...“. Auch das ist mir immer wieder vorher bewusst.
Da diese Enttäuschung über mich, die ich an mir selbst verspüre, psychische Energie kostet und mich zusätzlich schwächt, lernte ich als Erstes mir zu vergeben und mir bewusstzuwerden, dass ich auf einem Lernweg befindlich bin, der von Höhen und Tiefen gesäumt ist. Dies ermöglicht mir, nicht zu viel Energie zu verlieren, mit mir selbst wieder schnellstmöglich ins Reine zu kommen und geistig aktiv zu bleiben.
Doch es ist natürlich nur eine Krücke ...

Es ist so schön zu lesen, das mein höheres Selbst all diese physischen, animalischen und instinktiven Wünsche, Begehren und Laster nicht benötigt. Und es stimmt auch, das ist mir vom Verstand her klar. Doch wie erkläre ich dies meinem niederen Selbst?

Oder anders gefragt: Wie schaffe ich es, mein höheres Selbst über das niedere Ich obsiegen zu lassen? Wie kann ich das höhere Selbst an die Spitze meiner Entscheidungen katapultieren?

Oder etwas lapidar formuliert: Wie erkläre ich meinem physisch-animalischen Selbst, dass ich dieses oder jenes in Wirklichkeit gar nicht benötige und es sein verzehrendes Verlangen danach ausschaltet?

Mir ist bewusst, dass es ein schwieriges Thema ist und wir nicht von Errungenschaften sprechen könnten, wenn wir sie uns nicht abringen müssten. Doch vielleicht findet sich hier ja auch eine hilfreiche Antwort.

Haben andere hier ähnliche Erfahrungen gemacht? Und vielleicht für sich gelöst?

Lieben Gruß
stefu
stefu
 
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Re: ALH I, 5 – Standpunkt des höheren Selbst einnehmen

Beitragvon Landon » Fr 15. Okt 2010, 11:19

stefu hat geschrieben:Letztlich erinnere ich mich an Situationen, in denen ich mir bewusstwerde, dass mein nachfolgendes Verhalten falsch sein wird. Ich erinnere mich vor diesen Handlungen sogar an diverse Paragraphen aus der Lehre. Sogar an die Verbindung mit der Hellen Hierarchie. Und dennoch siegt dann recht häufig mein niederes Selbst.
Das frustriert natürlich, denn – wie geschrieben – ich weiß ja vorher, dass das, was ich machen werde, nicht richtig ist. Und dennoch lasse ich die niederen Instinkte, Triebe und Schwächen – teilweise bewusst – gewinnen.

Ich denke da bist Du nicht alleine.
Mir geht das ähnlich, gelange immer wieder in Situationen, wo ich ganz genau weiss dass es falsch war, wie ich mich verhalten habe und spüre dies auch deutlich. Ich nehme mir dann immer vor es nächstes mal besser zu machen, und plötzlich klappt es auch.
Allerdings ist dies ein ständiger Kampf.
Mittlerweile habe ich auch gemerkt, dass dies ganz deutlich von der Jahreszeit abhängt.
Gerade vor wenigen Wochen (etwas mehr als zwei Wochen) hatte ich kurz vorher einen ziemlichen Kampf in mir. Dann plötzlich war das wie ein "inneres" zusammenbrechen und ich hatte von jetzt auf nachher Kopfschmerzen und war recht verwirrt.
Dann wurde es aber von Tag zu Tag zunehmens besser und mein Verhalten änderte sich auch wieder zum "guten".
allerdings ist alles mit Arbeit verbunden gewesen.

Manchmal denke ich mir dann ... "bist du überhaupt würdig solch einer Lehre zu folgen, wenn ich mich so verhalte..." und komme in Zweifel.

Letzt habe ich dann einen Paragraphen entdeckt der mich diesbezgl. ziemlich gestärkt hat:

BR I, 390. Für einen aufrichtig suchenden Menschen kann das Streben zum Licht nicht erlöschen. Wir kennen die Geheimplätze des Geistes, und der Abschaum des Lebens wird Uns nicht aufhalten. Eine vorübergehende Verdunkelung bedeutet nicht, dass ein Mensch gefallen ist. Man muss das Wesen und die vergängliche Natur dieser Erscheinungen unterscheiden können. Auf diese Weise kann man nützliche Menschen finden und bewahren. Deshalb erstaunt Unsere Auswahl oft. Das Wichtigste ist, das Wahre vom Oberflächlichen zu erkennen.


Diese Kämpfe gehören zu unserem täglichen Leben dazu und das Ziel ist es diesen Kampf zu gewinnen.
Ich habe auch gemerkt, dass wenn ich mehrmals das "gleiche thema" des "niederen ichs" erfolgreich bekämpft habe und ich es geschafft habe dem höheren zu folgen, dann bleibe ich weitesgehend davon befreit und es folgenden plötzlich ganz neue Herausforderungen. So schlägt man sich langsam nach "oben"...

Liebe Grüsse
Landon
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Re: ALH I, 5 – Standpunkt des höheren Selbst einnehmen

Beitragvon Tsong » Mo 18. Okt 2010, 08:50

Hier hat stefu mit seinem sicheren Gespür für das Wesentliche die zentrale Frage der Praxis des Agni Yoga aufgeworfen: Warum setzt sich unser höheres Selbst so schwer gegen das niedere Ich durch? Wie kann man diesen Kampf gewinnen?

Wir alle haben dieselben Erfahrungen gemacht, die stefu so ehrlich beschreibt: Der eine will sich Alkohol, der andere Fleisch, der dritte Schokolade, wieder andere Gereiztheit, Lieblosigkeit, Verachtung usw. abgewöhnen. Und immer wieder fallen wir trotz aller guter Vorsätze in die alten Handlungsmuster zurück – obwohl wir wissen, daß das eigentlich falsch ist.

Dieses große und schwierige Thema kann man nicht mit einem Beitrag erledigen. Ich habe daher ein eigenes Thema „Online Kurs: Stärkung des höheren Selbst“ eingerichtet. Dort können wir Schritt für Schritt über einige Wochen hinweg Rezepte und Erfahrungen austauschen.
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