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Hunger?

Hier beantworten wir Fragen zur Agni Yoga Lehre.

Hunger?

Beitragvon Tsong » Sa 12. Okt 2013, 12:25

Wann habt Ihr zuletzt Hunger gehabt? Eine merkwĂŒrdige Frage, denkt Ihr?

Aber wenn Ihr Euch selbst genauer beobachtet, werdet Ihr wahrscheinlich feststellen, dass Ihr meistens gar nicht esst, weil Ihr Hunger, sondern weil Ihr Appetit habt – oder weil es nach der alten Gewohnheit einfach wieder Zeit ist.

Es wird uns heuzutage so viel und so oft Essen angeboten, dass wir das GefĂŒhl, wirklich Hunger zu haben, fast gar nicht mehr kennen.

Das Wort „Hunger“ verliert mehr und mehr den Schrecken, den es frĂŒher hatte. Zumal die Prophezeiung der Lehre eingetroffen ist, dass mehr Menschen Schaden nehmen durch Überessen als durch Hunger (FW II, 168).

NatĂŒrlich ist es ein Segen, dass immer weniger Menschen auf dieser Erde verhungern. Aber essen, ohne Hunger zu haben, ist auch nicht gut: Jede Nahrungsaufnahme belastet unser geistiges Wesen, die Seele, und sollte daher nur dann und nur in dem Umfang stattfinden, wie sie wirklich nötig ist, um den Körper wieder mit „Treibstoff“ zu versorgen.

Also: Macht doch einmal den aufregenden Versuch, das GefĂŒhl des Hungers auszukosten, ja zu genießen! Man kann das wirklich, besonders wenn man weiß, dass das notwendige Essen jederzeit verfĂŒgbar ist – also nicht „hungern“, sondern nur das sonst eigentlich fĂ€llige, aber noch nicht wirklich notwendige Essen noch ein wenig hinausschieben.

Hunger geht – wie Fasten - mit einem GefĂŒhl der Leichtigkeit und besonderer SensitivitĂ€t einher, das fĂŒr die Seele sehr angenehm ist.

Außerdem benötigt man, wenn man wirklich Hunger hat, tatsĂ€chlich sehr viel weniger Nahrung als normal, um wieder satt zu werden: Der Magen, der sich nach „Stoff“ sehnt, gibt sich schon mit einer ganz kleinen Menge zufrieden. Auf das GefĂŒhl des großen Hungers zu warten kann also auch ein natĂŒrlicher Weg zum Abnehmen sein.

Weiteres zum Thema siehe Heft 17 der EinfĂŒhrung in AY „ErnĂ€hrung nach geistigen GrundsĂ€tzen“, aufzurufen unter http://www.lebendige-ethik-schule.de/hefte.htm.
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Re: Hunger?

Beitragvon Weltenbummler » So 13. Okt 2013, 20:19

Was meinst du damit: jedes Essen belastet die Seele - ohne Essen geht es doch nicht!?
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Re: Hunger?

Beitragvon Tsong » Do 17. Okt 2013, 11:41

Ja, natĂŒrlich - fĂŒr den Körper. Die Seele (unser wahres, geistiges Wesen) aber braucht keine materielle Nahrung, und sie ist auch nicht betroffen, wenn dem Körper davon etwas fehlt.

Wenn wir uns nach und nach in unsterbliche, geistige Wesen verwandeln wollen, ist es ungemein wichtig, dass wir lernen, darauf horchen, was die Seele will - Essen gehört mit Sicherheit nicht dazu!

Beobachte Dich selbst einmal genau: Du wirst feststellen, dass jede Mahlzeit eine Belastung fĂŒr die Seele ist: Sie verliert etwas von ihrer Schwerelosigkeit, sie wird hinuntergezogen zur Erde und kann sich fĂŒr einige Zeit nicht mehr oder nur sehr mĂŒhsam erheben. Deine Gedanken, Dein ganzes Wesen wird zur Materie hingewendet und zieht sich aus den höheren SphĂ€ren der TrĂ€ume und Ideale (der Welt der Seele) zurĂŒck.

Ich sage nicht, dass das schlimm ist. Das ist ziemlich normal. Man muss es nur wissen, seine Seele kennenlernen, und sich nicht wundern, wenn nach dem physischen Genuss auf der geistigen Ebene die Reue kommt.

Du solltest damit rechnen und vor Zeiten, in denen Du Deine Seele erheben willst (z.B. vor Meditation, Gottesdienst, Gebet oder spiritueller Arbeit, oder vor wichtigen Entscheidungen) nichts oder nur sehr wenig essen. Oder umgekehrt: Wenn Du Deine Seele in letzter Zeit fleißig gepflegt und gestĂ€rkt hast, kannst Du Dir eher erlauben, auch einmal wieder den Körper zu verwöhnen.

Am besten fĂŒr die Seele ist, gar keine richtige Mahlzeit zu sich zu nehmen, sondern nur hin und wieder ein paar kleine Bissen, die die Leichtigkeit des Geistes nicht beeintrĂ€chtigen. Damit ist aber nicht gemeint stĂ€ndiges Naschen vor, zwischen und nach den Mahlzeiten! Wenn Du bei den traditionellen Mahlzeiten wie FrĂŒhstĂŒck, Mittagessen, Abendessen bleibst, dann nur 2 am Tag, und davor und danach gar nichts essen.
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Re: Hunger?

Beitragvon Weltenbummler » Mo 21. Okt 2013, 09:07

Ok, es mag so sein, dass die Seele kein Essen benötigt. Aber sieh es doch mal so: Ein leckeres Essen, guter Wein, Kerzen, Musik, gute GesprÀche - das ist doch nicht nur ein körperlicher, sondern auch ein geistiger Genuss, oder?
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Re: Hunger?

Beitragvon Tsong » Do 24. Okt 2013, 14:00

Eine gute Frage. Wahrscheinlich werden viele das so sehen. Aber richtig ist es dennoch nicht:

Man muss unterscheiden: NatĂŒrlich sind ein gutes GesprĂ€ch, schöne Musik und eine feierliche AtmosphĂ€re geistige GenĂŒsse. Nur hat das nichts mit dem Essen zu tun. Das Essen selbst ist ein rein körperlicher Genuss. Es stört den geistigen Genuss des GesprĂ€chs und der AtmosphĂ€re eher, als dass es ihn fördert. Wenn man viel isst und dann auch noch Wein dazu trinkt, wird man mĂŒde, trĂ€ge und geistig immer weniger beweglich. Darunter leiden dann bald die geistige QualitĂ€t sowohl des GesprĂ€chs als auch der AtmosphĂ€re.

Wenn es Dir also wirklich nur um den geistigen Genuss bei einem Gastmahl geht, solltest Du es mit Platon halten und nur ganz wenig servieren; außerdem nur ganz einfaches Essen, das den Gaumen nicht reizt und die GĂ€ste nicht verfĂŒhrt, zu viel zu essen:

Der Denker versammelte die SchĂŒler bisweilen zu einem GesprĂ€ch, das Er Gastmahl der Freude nannte. Es wurden nur Quellwasser und Brot gereicht. Der Denker sprach: „Lasst uns die Freude nicht mit Wein und ĂŒppigem Essen beflecken, denn Freude steht höher als alles andere.“ (Br II, 281)

Die Schwierigkeit fĂŒr uns Menschen, das zeigt auch dieses Beispiel, liegt darin, dass körperliche und geistige GenĂŒsse einander leider ausschließen: Beides können wir nicht haben. Wir mĂŒssen uns fĂŒr eines von beidem entscheiden.
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Re: Hunger?

Beitragvon Weltenbummler » So 27. Okt 2013, 08:14

Gut, gut, dann werde ich meinen GĂ€sten in Zukunft nur noch Wasser und Brot servieren :(
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Re: Hunger?

Beitragvon Tsong » Mo 28. Okt 2013, 15:22

Nun ja, wir sollen auch nicht zu Fanatikern werden. Du solltest Dich der Höhe des Bewusstseins Deiner GĂ€ste anpassen. Bei den Roerichs wurden Besucher, die dies erwarteten, auch mit Fleisch bewirtet, obwohl Helena und Nikolaus Roerich selbst kein Fleisch aßen.
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Re: Hunger?

Beitragvon Weltenbummler » Fr 1. Nov 2013, 09:13

Hallo Tsong, mich beschÀftigt die Sache doch sehr, darum muss ich nochmal nachfragen: Das hört sich bei dir so asketisch an. Soll man denn gar keine Freude am Essen mehr haben? Ich denke, Agni Yoga lehrt gerade Freude, und zwar in allem?!
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Re: Hunger?

Beitragvon Landon » Mo 4. Nov 2013, 15:12

Ich möchte einen kleinen Bericht geben ĂŒber meine Erfahrungen:
Meine Eltern essen sehr gerne und machen sich tagelang Gedanken, was sie kochen sollen wenn ein Besuch kommt oder fĂŒr Weihnachten.
Ein Wein darf bei meinen Eltern auch nicht fehlen.
Mir ist im Laufe der Jahre allerdings aufgefallen, dass es hierbei weniger um das Wohl der GĂ€ste geht, sondern eher um die Bewunderung meiner Eltern als Köche. Der Wein tut sein ĂŒbriges damit aus einem Treffen belanglose GesprĂ€che werden.

Nun faste ich jedes Jahr seit dem 25~27 Lebensjahr.
Durch das Fasten erlangt man eine Leichtigkeit die sich anfĂŒhlt wie wenn man eine Maske aus dem Gesicht entfernt und man endlich ungetrĂŒbt blicken kann. Erst nach 10-12 Jahren des Fastens habe ich festgestellt, dass gerade Fleisch diese "Maske" wieder aufbaut.
Ich dachte Anfangs, das liegt am Essen generell. Da ich diese "Maske" aber nicht mehr wollte, habe ich schlagartig aufgehört Fleisch zu essen - von heute auf morgen. Ich habe nie wieder einen Gedanken daran verschwendet. Der etische Hintergrund kam bei mir erst danach.

An Weihnachten hatte ich am Anfang ziemlich mit meinen Eltern zu kÀmpfen und sie meinten ich solle mal wieder eine Ausnahme machen und Fleisch essen. Aber gerade an Weihnachten strÀubt sich bei mir dahingegen alles.
Gerade am Festtag der Liebe, möchte ich am liebsten auf alles verzichten - vor allem aber auf Fleisch.

@Tsong
Das ist wirklich interessant, dass Du gerade jetzt diesen Beitrag geschrieben hast.
Ich versuche seit Anfang des Jahres nur noch zu essen, wenn ich wirklich Hunger habe.
Ausnahmen gibt es natĂŒrlich ab und zu, aber generel bin ich sehr froh es geschafft zu haben.
Durch das HungergefĂŒhl schmeckt das Essen auch viel besser und ich freue mich sogar darauf.
Zwischenmahlzeiten wie SĂŒssigkeiten gibt es wirklich sehr sehr selten, aber meist mit dem Ergebnis, dass sich dadurch mein Bewusstsein trĂŒbt - und ich mich danach ĂŒber mich Ă€rgere.

Wir waren nun die letzten Tag im Urlaub im AllgÀu.
Das Hotel war sehr einfach aber gepflegt.
Das FrĂŒhstĂŒcksbuffet nicht sonderlich reichlich, wenig Auswahl und einfach gehalten.
Aber trotzdem war ich rundum zufrieden.
Mir ist dabei deutlich aufgefallen, dass es die Bediensteten waren, die diese schöne AtmosphÀre geschafft haben.
Das war kein aufgesetztes LĂ€cheln, sondern ein wirklich herzlich gemeintes LĂ€cheln das ich deutlich wahr genommen habe.
Alleine dadurch bin ich "satt" geworden.

Ich sage dies auch immer meiner Frau.
Mir ist es egal was sie kocht, Hauptsache sie kocht es mit Liebe.
Wenn sie nur etwas in die Microwelle schiebt oder schnell-schnell etwas kocht, schmeckt es zwar trotzdem aber ich werde nicht "satt".
Auf solch ein Essen kann ich gerne verzichten.

Gestern war ein Tag, da haben wir sogar nur einmal gegessen.
Das hat aber nichts damit zu tun, dass wir keine Freude mehr am Essen haben, im Gegenteil.
Mir bereitet das Essen dadurch viel mehr Freude wie frĂŒher, als es mal wieder "an der Zeit war"
Landon
 
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Re: Hunger?

Beitragvon Tsong » So 10. Nov 2013, 10:09

Weltenbummler bin ich noch eine Antwort auf seine Frage vom 1. November schuldig:

Um es ĂŒberspitzt zu sagen: Wir Unsterblichen sind keine Asketen, sondern echte Genussmenschen!

Nur suchen wir nicht nach physischen GenĂŒssen: Sie sind kurz, die darauf folgende Reue aber ist lang. Außerdem können sie die Seele nicht zufriedenstellen.

Wir, das heißt, unser wahres Selbst, sucht nach geistigen GenĂŒssen, die wirklich die Seele verzĂŒcken, wie z.B. Meditation (Verbindung mit der Höheren Welt). Nur um diese wahren GenĂŒsse kosten zu können, gewöhnen wir uns die physischen GenĂŒsse ab, weil die nun einmal leider die geistigen unmöglich machen (wer kann schon mit vollem Magen meditieren?).
Tsong
 
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