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Tagesrhythmus 2

Tagesrhythmus 2

Beitragvon Tsong » Mo 14. Sep 2009, 09:42

Nach der Ruhezeit der Ferien treffen wir uns wieder im Agni Yoga Tempel. Zuletzt hatten wir über den Tagesrhythmus gesprochen, der hier herrscht. Manchem mag es unmöglich erschienen sein, unter diesen Bedingungen ein Tempelschüler zu werden.

Hören wir, was Nikolaus Roerich über seinen Kunst-Lehrer Kuinjyi berichtet:

Mit Schülern und Künstlern verstand er unbeugsam umzugehen. Sehr häufig wiederholte er: „Wenn du ein Künstler bist, wirst du sogar im Gefängnis einer werden.“
Einmal kam ein Mann mit einigen vortrefflichen Skizzen und Studien in sein Atelier. Kuinjyi lobte sie. Aber der Mann sagte: „Ach, ich bin unglücklich, weil ich es mir nicht leisten kann weiterzumalen.“ „Warum?“ fragte Kuinjyi mitleidsvoll. Der Mann erzählte, daß er eine Familie zu unterhalten hätte und von zehn bis sechs Uhr angestellt sei. Darauf fragte ihn Kuinjyi scharf: „Und von vier bis zehn morgens, was tun Sie da?“ „Wann?“ fragte der Mann. Kuinjyi erklärte: „In der Frühe natürlich.“ „Am Morgen schlafe ich“, antwortete der Mann. Kuinjyi sagte daraufhin mit erhobener Stimme: „Nun, Sie werden Ihr ganzes Leben lang ausschlafen. Wissen Sie nicht, daß von vier bis neun die beste schöpferische Zeit ist? Und mehr als fünf Stunden täglich, um an Ihrer Kunst zu arbeiten, brauchen Sie nicht.“ Dann fügte Kuinjyi noch hinzu: „Als ich als Retuscheur in einem Fotoatelier arbeitete, hatte ich auch eine Anstellung von zehn bis sechs. Aber von vier bis neun hatte ich genügend Zeit, um ein Künstler zu werden.“
Wenn der Schüler manchmal von besonderen Voraussetzungen für seine Arbeit träumte, lachte Kuinjyi: „Wenn Sie so empfindlich sind, daß man Sie in einen Glaskasten setzen muß, dann sterben Sie besser so bald wie möglich, denn unser Leben braucht keine solchen exotischen Pflanzen.“
Aber wenn er sah, daß ein Schüler die Umstände bezwang und siegreich durch das Meer der irdischen Stürme hindurchging, funkelten seine Augen, und mit voller Stimme brüllte er: „Weder Sonne noch Frost können dich umbringen. Das ist der Weg. Wenn du etwas zu sagen hast, wirst du fähig sein, deine Botschaft zu verkünden, trotz aller widriger Umstände in der Welt.“ (Nikolaus Roerich, Shambhala, Freiburg i.B. 1988, S. 282, 283)


Das gilt fĂĽr den Tempel-SchĂĽler genauso wie fĂĽr den Kunst-SchĂĽler. Wer wirklich ein SchĂĽler sein will, wird sich durch keinen Umstand davon abhalten lassen.
Tsong
 
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