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Über die baltischen Vorfahren von Nikolaus Roerich

Über die baltischen Vorfahren von Nikolaus Roerich

Beitragvon Tsong » Mo 27. Okt 2014, 20:48

Wir hatten am 21.08.2012 im Unterforum „Neuigkeiten Ankündigungen“ das neue Buch von Ernst v. Waldenfels über Nikolaus Roerich besprochen. Der Autor bringt vieles, was den deutschen Roerich-Anhängern bisher unbekannt war, macht sich aber leider über weite Strecken in herabsetzender und unwürdiger Weise über diesen großen Künstler und Philosophen lustig.

Unter anderem behauptet er, gestützt auf einen lettischen Forscher namens Ivars Silars, Roerichs Vater Konstantin sei unehelich geboren und vermutlich ein Sohn eines Freiherrn v. d. Ropp gewesen. Wie so häufig in dem Buch, werden dabei bloß Vermutungen aufgebauscht.

Andrej Luft und Vera Golenischtschewa-Kutusowa haben aufgrund eigener Recherchen diese Verleumdungen richtiggestellt und ihre Ergebnisse im März 2014 der Hamburger Roerich Gesellschaft vorgestellt. Ihre Ausarbeitungen mit vielen Bildern sind (leider nur auf Russisch) nachzulesen unter http://lebendige-ethik.net/4-Ivars-Silars.html und http://lebendige-ethik.net/4-Roerich-Rjurik-Rurik.html.

Wir fassen an dieser Stelle die allerwichtigsten Ergebnisse zusammen:

Laut Stammbaum der Familie Roerich

Roerich Stammbaum 2.jpg
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(aufgezeichnet von Nikolaus‘ Cousine Isabella Roerich. Original im Liepaja Museum, Liepaja, Lettland) war Nikolaus der Sohn von Konstantin Roerich (1837–1900) und seiner Frau Maria Wassiliewna, geb. Kalaschnikowa. Das folgende Bild zeigt die Familie im Jahr 1887 in St. Petersburg mit den Kindern (von links) Boris, Lydia und Nikolaus:

Roerich K Familie.jpg
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Konstantin, Roerichs Vater, war der Sohn von Friedrich Roerich (der von 1801-1905 lebte und damit 104 Jahre alt wurde!) und seiner dritten Frau Doris, geb. Porep.

Friedrich Roerich, Nikolaus‘ Großvater, wiederum war der Sohn von Johann Roerich (1769-1859) und seiner Frau Doris, geb. Schultz.

Die Familie Roerich war ursprünglich in Kurland ansässig und gehörte zur baltendeutschen Volksgruppe. Fast alle waren mit deutschen Frauen verheiratet, trugen deutsche Namen und sprachen deutsch. Erst Konstantin Roerich, Nikolaus‘ Vater, ließ sich später in St. Petersburg nieder und wurde dort Notar.

In dem berühmten Museum Tretjakow Galerie in Moskau liegen drei Briefe des Großvaters Friedrich Roerich an seinen Enkel Nikolaus, die wir nachstehend zusammen mit einer Übertragung der teilweise kaum entzifferbaren Sütterlin-Schrift des Einhundertjährigen wiedergeben:

Brief vom 03.12.1901:

Roerich Brief 3.12.1901.jpg
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Mein guter Nikolai!

Gratulire Dich zum 6ten Decembe 1901 zum
Namenstage und wünsche Dir dauernde
Gesundheit, [ein langes Leben] Wohlhaben
und alles Beste in der Ehe! anfüge beige-
hend – eine gehäkelte Bettdecke, eine solche
Tischdecke anbei und eine gute Tischdecke damit
der Tisch nicht leer für den Augenblick in
der angehenden neuen Haushaltung wo
deine glücklichste Zukunft erscheint, wie wir
nun alsbalde abgelebt. Den 28 October
haben wir Deine Trauung mit ganzer
Freude gefeyert und im Namen Deines
uns theuren Vaters deren stetem
Andenken bei uns beiden alten fortlebte.
Nimm meine herzlichen, besten Wünsche
für
für Euer Wohl nochmals entge-
gen. Deine wofür Deine Thätigkeit
uns bürgt und ich von Dir Deiner
lieben Frau mich bei Gelegenheit
sehr erfreuen würde. Meine alte
Frau u. Tochter Laura grüßen und
theilen unter Herzlichkeit Deine liebe-
volle Anhänglichkeit mit Gruß und
Kuß Dein Dich liebender 98 Jahr
alter Großvater Frd. Röhrich

Riga d. 3 Decbr. 1901.



Brief vom 07.01.1902:

Roerich F Brief 7.01.1902.jpg
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Mein lieber Nikolai. Heute ist ein heller Tag,
wo ich meine Augen etwas benutzen kann und
Dir dankend einige Zeilen mittheilen
... daß unsere Familie keine so zahl-
reich ist die eine große Ausdehnung
hat. in den in 99 Jahren fast Alle …
haus gestorben sind und im Verkehr
für für mich und Uns nur noch
nachstehend geblieben geblieben sind
beide Töchter Laura und Julie. Erstere
ist Witwe seit 18 Jahren von dem
verstorbenen Mann von [Andriewski?] der
… Inspector war und Laura er-
hält sich von Stundengeben bei uns
auf. Julie ist die Frau des Statsraths
[Leon…?] in Peterburg deren 2 Söhne
[Kollai …?] bei der Eisenbahn ange-
stellt sind, die Frau meines verstor-
benen Sohnes Alexander in Moskau
ist … auf [Krons-kosten?] ver-
… und dann dann sind meine leiblichen
Verwanten
von Taube wovon der junge Baron
Michail von Taube mein Liebling
ist und dessen Anhänglichkeit ich
durch die Adressen verläßt dies jahr
nicht fortgesetzt und ich habe lange und
Du es möglichst ermitteln könntest,
mich entschuldigend. – In Libau sind
aus reicher Stadt… ……………
mein Großsohn und Agathe und das
wären … … wären die zu unserer
Familie gehörenden, mit denen auch
Dein seeliger lieber Vater verkehrte.
Danke nochmals für die mir gewordene
Ueberraschung! – Grüße u. küsse Deine
liebe Mama … die Hände, Dich
und Deine junge Frau umarme …
und wünsche der ganzen Familie Ge-
sundheit und Wohlbe… Dein alter
Hertzensfreund
P. M. …

Riga 7. Jan 1902.



Auf der Rückseite des vorstehenden Briefes schrieb die Ehefrau Doris ebenfalls am 07.01.1902 auf Friedrichs Diktat in auch heute gut lesbarer Schrift folgendes:

Roerich D Brief 7.01.1902.jpg
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In diesem letzten Schreiben heißt es u.a., dass Nikolaus‘ „Papa“ [Konstantin] „mein [Friedrichs] liebster Sohn“ war. Damit sind die wilden Spekulationen v. Waldenfels‘ über eine außereheliche Geburt Konstantins widerlegt.

Für uns Heutige deutet die enge Verbindung von Russland und Deutschland bei Nikolaus Roerich (ähnlich wie bei Helena Blavatsky, die eine geborene Baronin v. Hahn war) darauf hin, dass diese beiden Länder bei der Errichtung der Neuen Welt im Zeichen des Agni Yoga eine gemeinsame Rolle zu spielen haben.
Tsong
 
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